traben,
vb. (
vgl. th. 2, 1326 drafen,
ebda 1360 dreffen
und unten s. v. trappen).
verbreitung und ursprung. ursprünglich niederdeutsch, in altsächsischen glossen zuerst bezeugt (
s. u. form),
im mhd. ein in der ritterlichen sphäre heimischer begriff, der von nordwesten aus nach süden vordringt; im gegensatz zu dem von ihm abgeleiteten subst. postverbale ist das vb. im mhd. schon häufig belegt, ohne bestimmte locale beschränkung oder bevorzugung, und zwar nicht blosz in der ursprünglichen bedeutung. aus dem mnd. ist es ins altdänische, aus dem friesischen in alle nordischen sprachen entlehnt worden. etymologische anknüpfung hat man (
von anderen verfehlten versuchen wie z. b. Bosworth-Toller 1065, Fick-Torp 801, Doornkaat-Koolman 1, 328
abgesehen)
in zwei richtungen versucht. Kluge
9459,
auch Falk-Torp 2, 1280
stellen das wort zu ags. þrafian '
antreiben, drängen'
und nehmen (
in parallele zu sprengen)
ellipse des objects an; grundbedeutung '
ein pferd antreiben'.
andere, z. b. Hellquist 1002,
stellen es zu der nicht sicher mit þrafian
zusammengehörigen idg. wurzel *trep,
die in sanskr. tprás '
hastig',
griech. τραπεῖν '
weintrauben stampfen, keltern',
lit. trepséti '
mit den füszen trampeln',
lat. trepidus '
unruhig, ängstlich trippelnd'
u. v. a. erscheint und die grundbedeutung des '
trampelns, tretens'
hat. Walde-Pokorny 1, 756
vereint beide erklärungen, indem er für ags. þrafian
die grundbedeutung '
das pferd durch stoszen mit den füszen antreiben'
ansetzt, dabei auch noch wie schon Falk-Torp
a. a. o. das veraltete englische thrave '
trift, herde',
dem die bedeutung des treibens innewohnt, hinzuziehend. stehen diesen ansetzungen formal keine schwierigkeiten im wege, so doch in der bedeutung. die (
wenig zahlreichen)
belege des ags. verbums führen in eine von der bedeutung des deutschen verbums stark abweichende richtung, zu der bedeutung des '
tadelns, strafens'.
zu der grundbedeutung der idg. wurzel *trep
und der zu ihr gehörigen auszergermanischen parallelen stimmt der in dem verbum traben
weit überwiegend enthaltene motorische sinn des laufens von thier oder mensch nicht eng genug, um einen unmittelbaren zusammenhang als sicher anzunehmen, auch wenn dem traben
öfter ein secundärer akustischer oder sensorischer nebensinn eignet (
vgl. besonders unter I A 1 d).
die von Walde
erwogene kreuzung mit der für die bedeutung '
laufen'
die grundlage bildende idg. wurzel *der- >
germ. *trep,
*tremp,
die wiederum im germanischen in verschiedene bedeutung hinübergewechselt hat (
got. anatrimpan '
bedrängen',
mnd. trampen '
trampeln'),
ist nur ein weiterer beweis für die unmöglichkeit einer einwandfreien etymologie. onomatopoetischer ursprung, wie wir ihn zweifellos schon aus lautlichen gründen für das intensivum trappen
voraussetzen müssen, hat auf jeden fall für die ganze sippe viel wahrscheinlichkeit für sich; ihn haben schon Clauberg (1663),
dann Wachter (1727)
und Adelung 4, 635
angenommen. doch empfinden wir den onomatopoetischen charakter in dem verbum traben
im gegensatz zu trappen
heute nur noch in gelegentlichen fällen. form: altsächs. thrabô(ia)n: thrauondi (
sic)
toctonarii Steinmeyer-Sievers 2, 716; Wadstein 109; 152,
altwestfries. tro(u)wia (th > t
um 1420,
s. Siebs
grundrisz2 1, 1280),
mndl. und holl. draven Schueren
theut. 85
a Verdam; drave, draevje Winkler
friesch wb. 1, 291,
mnd. draven.
schwed. trafva,
dial. travla,
norw. traava,
dän. trave
sind nicht, wie Hellquist 1002
meint, aus dem seltenen mhd. traven,
sondern aus dem altfries. entlehnt, vgl. Seip
lneordstudier 1, 57;
ebenso wohl auch das veraltete engl. trape (
doch vgl. Murray 1, 285
c).
nur altdän. drava Torp-Falk
dansk-norsk. lydhist. 217
stammt aus dem mnd. mhd. überwiegt draben,
daneben hat sich das nd. draven
auch obd. gehalten; nur gelegentlich erscheint obd. traven: Wittenweiler
ring 17
b, 11; 57
c, 20;
noch Stieler 2297
notiert ein veraltetes traffen,
vgl. th. 2, 1326.
allmählich tritt von 1200
ab traben
auf, ohne möglichkeit bestimmter localisierung, so dasz man den t-
anlaut am besten aus intensivierung, ähnlich wie dûsent > tûsent,
erklärt. mitteldeutsch findet sich die anlautende media noch bis ins 18.
jh., z. b. Günther
ged. 3380,
auch Luthers
form ist draben; Schottel
haubtspr. 1432
setzt beide formen nebeneinander. dagegen hat im alemannischen das intensivum (
iterativum) trappen
die function von traben
übernommen: Fischer 2, 320; Martin-Lienhart 2, 761; Follmann 99.
sonst zeigen sich mundartlich mehrfache abweichungen; häufig ist der vocal gerundet: schon mhd. drove: hove
Seifr. Helbling s. 78
Seemüller; dann in nhd. maa: dithm. drm Mensing 1, 831; droawen
bei Frischbier 1, 145; drwen Hofmann
niederhess. 240; droawa, troawa Gräbisch
Glatz 75; drǫpm Micko
Wadetstift in Südböhm. 114.
auf kürze des stammvocals deuten drabben Kilian 94
b und die mischform traffen (
neben draffen) Schambach
Götting. 46; 233
a,
auf länge draaven Kramer
niderhocht. 72; Woeste
westfäl. 57; Bauer-Collitz 22
b und, in abweichung von dem sonstigen alemannischen gebrauch, traabe
Bärndütsch 1, 270.
auch auszerhalb des alemannischen zeigt sich gelegentlich die intensivierte form: trappen Schmeller
d. maa. Bayerns 82; 406
und trappe
niederrhein. bei Düringsfeld 2, 192.
im prät. ist mhd. drafte
häufiger als drabte
oder drapte.
functioneller umlaut begegnet im schwäbischen: Fischer 2, 320.
neben dem sw. part. prät. findet sich, bes. im 16.
jh., sporadisch, nicht immer aus reimzwang, ein starkes part. getraben,
z. b. Wittenweiler
ring 6
b, 30; B. Waldis
Äsop 1, 339
und 3, 51;
schweiz. volkslieder 105
Tobler; vgl. auch Schottel 860
und Verwijs-Verdam 2, 392/93.
das vb. wird mit sein
und haben
conjugiert, vgl. die ähnlichen verben der bewegung wie reiten, fahren, springen, schwimmen, steigen
u. s. w.; beispiele gramm. 4, 163
ff. gelegentlicher reflexiver gebrauch s. u. I A 1 e, I A 2 d
α und II 3 a.
sehr häufig ist der substantivierte infinitiv an stelle des nur langsam in gebrauch kommenden subst. postverbale; gvl. etwa M. Kramer 2 (1702) 201
b.
bedeutung und gebrauch. die älteren wbb. verzeichnen als entsprechende bedeutung eine fülle von lat. wendungen, vom gewöhnlichen gehen (
gradare, itare, lente incedere, assidue ambulare)
über das laufen und rennen (
currere, cursare, cursitare, succurrere, succursare, discurrere, discursare), traben
im engeren sinne (
tolutim incedere, trotare, gal(
l)
op(
p)
are)
bis zu ausdrücken, die statt des rein motorischen die heftige, starke, laute bewegung betonen (
succutere, succussare, graviter, gravius, cum strepitu, cum aliqua pedum supplosione incedere, solo insultare, graviori, effuso cursu ferri, cursitare). II.
vom laufen vierfüsziger thiere, besonders vom pferd. I@AA.
im üblichen, nicht technisch spezialisierten sinne einer mittelschnellen bewegung. I@A@11)
das pferd selbst ist träger der handlung: dat peerdt draeft, een drauende peerdt Plantin
thes. (1573) m 3; das pferd trabt
il cavallo trotta, và di trotto Kramer 2 (1702) 1102
a. I@A@1@aa)
mit anderen verben des reitens oder der bewegung neben sich, gegen dic es sich abgrenzt; mhd. besonders neben zelten (
vgl. auch 2 b): swar sîn ors nû kêre, er enmages vor jâmer niht enthabn, ez welle springen oder drabn Wolfram
Parz. 180, 2; iuwer meidem gie nie enzelt, er dravete unde schûfte
Meier Helmbr. 1781
Panzer; recht sam ein abgeritner gaul der nimmer zelten mocht noch traben
fastnachtsp. 311, 6
Keller; laszt die Centauros lust auch haben, wann die pferd schreien, dumlen, traben Fischart 1, 374
Hauffen; es trabt, laufft, und reist aus, wann er es halten will D. v.
d. Werder
ras. Rol. (1636) 2.
ges. 7.
str.; so hatt er ein röszlein, das konnte wohl reiten und tr.
Grimm dtsche sagen 1, 101; welch schönes rosz! das trabt und springt so mutig Tieck
schrift. (1828) 1, 201. I@A@1@bb)
die besondere art der bewegung wird oft durch beistehende adverbia erläutert: dat paerd draaft wel, maar dit draaft hard Kramer
nider-hochteutsch. 72; ein pferd trabt
hoch, schwer, leicht Krünitz 186, 538.
die schnelligkeit wird bezeichnet: die (
pferde) trabten gschwind Schaidenraisser
Odyss. (1537) 26
a; so leise strich kein reh vorbey, als dieses pferd im schnellen traben J. J. Schwabe
belustig. (1741
ff.) 2, 476; bevor der hahn den morgen anrief, war Ekkehard schon durchs tor von Hohentwiel ausgeritten ... sein rosz trabte gut Scheffel
ges. w. (1907) 1, 235; die vortrefflich trabenden berberischen pferde H. Laube
ges. schr. 8, 2.
das adv. drückt die wirkung auf den reiter aus: palefredus sanfft-trabents pfert
vel pfert das da sanft trabt (1515)
bei Diefenbach
gloss. 406
b;
gradarius ein sanfft trabend pferd Alberus
dict. (1540) r 3
b,
equus succussat trabt hart
ebda; succussor equus traber der hart trabet Frisius (1556) 1262
b;
equus succussarius (
ein perdt) dat hoch unde hardt drauet Chyträus
nomencl. (1582) 358; J. Orsäus
nomencl. meth. (1623) 200; Schönsleder
prompt. (1647) Vu 2
a u. a.; '
ein pferdt trabet hoch, schwer,
wenn man bei jedem aufsetzen der füsze einen stosz bekömmt; es trabet leicht, sanft,
wenn man solche stösze auf eine kaum merkliche weise bekömmt' Campe 4, 853
b; wir sind vor uns ... eins guten sanft trabenden pferdes notdurftig
privatbr. d. ma. 1, 73
Steinhausen (1465);
hierher: ich kann das tr. dieser schindmerre nicht länger ausstehen
M. Kramer 2 (1702) 1102
a; ohnfehlbar wird das pferd hernach viel stärker traben Henrici
ged. (1727) 1, 563.
die charakterisierung des trabens
deutet geradezu auf eine bestimmte stimmung oder auch gemütsart des pferdes: Hans peitschte die vier hengste an, und sie trabten mutig über das blachfeld Musäus
volksmärch. 1, 39
Hempel; und das weisze rosz trabte stolz voran
ebda 3, 91; ich sehnte mich nach den reitpferden meines onkels, die so geduldig wie lämmer mit mir über die hügel trabten Holtei
vierzig jahre 1, 347; den abend war ich natürlich auf den inseln, auf einem eifrig trabenden schwarzbraunen v. Bismarck
br. a. s. braut u. gatt. 434; das zeigt sein (
des rosses) freudig wiehernd traben
F. Dahn
Rolandin 45. I@A@1@cc)
statt des gewöhnlichen laufens wird traben
gern in bestimmter umgrenzung, bei bestimmten gelegenheiten oder mit bestimmten nüancierungen gebraucht: das junge fohlen trabt, sobald es die nötige sicherheit in den beinen fühlt Born-Möller
pferdekunde (
71919) 314; sein schwarzes schiff die bucht umschlosz, auf der weide trabte sein weiszes rosz Strachwitz
ged. (1850) 45; und damit trabt deine mähre zum stalle Schiller 2, 39
G.; Geibel
ges. w. (1888) 1, 181; schneller, als mein bruder es erlaubt haben würde, trabte der rappe heimwärts Storm (1899) 1, 279;
als zeichen der kraft und güte des pferdes: daruon ire pferdt so mager und abgängig wurden, das sie nit traben kundten
Aymont (1535) g 4
a;
vgl. Haimonskinder 54, 9
Bachmann; eine arme fraw, zwey kindlein klein, ein man, geht schier auff einem bein, ein röszlein klein, kan nit vil traben, es kompt vileicht baldt auf den graben
Endinger judenspiel 37
ndr.; yedoch mercke, das auch ein ungefttert pfert kan nicht wol tr.
reform-flugschr. 4, 163
Clemen; wird der ausrangirte marode gaul noch tr. bis zur station? Holtei
erz. schr. 37, 134;
mit der nüance des frohen, wobei die stimmung des menschen auf das pferd übertragen wird: ... und trabet vor meins bulen thür Erlach
volkslied. d. Deutsch. 1, 83; wolt got daz ich wär ein perdlin klein! gair luestig wolt ich draven wol aver bergh, wol aver dail wol aver die gröenen heide Uhland
hoch- u. ndd. volksl. (1881) 17; ein paar minuten später, und Christine sasz in ihrem dorfgewand ... neben dem verlobten im wagen, der von trabenden rossen gezogen aus dem dorfe rollte
M. Meyr
erz. a. d. Ries (1868) 2, 88; und von flinken rossen vier scholl der hufe schlagen, die durchs blühende revier trabten mit behagen Lenau
s. w. 75
Reclam; schellenläutend trabten die pferde dahin Fontane I 2, 83. I@A@1@dd)
das akustisch-sensorische moment (
vgl.b)
überwiegt das motorische; die bedeutung des stampfens liegt nahe: sonipes ... i. e. equus, dictus vom traben ... Alberus (1540) r 3
b;
sonitus quadrupedans das getOesz oder gereusch der trabenden pfAerden Frisius (1556) 1098
a;
sonipes ein pferd das mit einem gethOen eynher trabt, ein klepper Calepinus
dict. xi
ling. (1598) 131
b;
so in freierer übersetzung bei Luther
Jerem. 47, 3:
a strepitu pompae armorum et bellatorum eius vür dem getmel jrer starcken rosse, so daher traben; dringt eurer rosse traben ins grab: victoria! dasz wir gesieget haben, weisz ich, victoria! Buchhorn
bei W. Jahn lautenlieder 17. I@A@1@ee)
besondere fälle und constructionen: refl.: trabe dich, röslein
currito gramm. 4
2, 239;
unpers.: da trabte es drauszen vor der haustür (
der schimmel, der vors haus gebracht wird) Storm 7, 367
Köster; gegen diesem bronn uber stehet ein grosz schOen pferd, auff demselben sitzet Cosmus, der erste groszhertzog von Florentz, ist beydes von messing gegossen, das pferd steht im tr., und also nur auff zweyen fssen Neumaier
reise d. Welschld. (1622) 81;
selten mit innerem object oder zugehöriger localer bestimmung: ich lob den zelter mir, der zu dem vollen fass von meiner kelter hier trabt einen tollen pass Cl. Brentano
schrift. (1852) 2, 552; hei, was kann mein pferdchen traben über steg und brück und graben, schritt und
trab und auch galopp Hoffmann v. Fallersleben
ges. schrift. (1890
ff.) 2, 123; es trabt der muntre gaul getrost auf ebner bahn Drollinger
ged. 84. I@A@22)
der träger der handlung ist der mensch, während das eigentliche subject des trabens
das pferd bleibt. als übergangsfälle zwischen 1
und 2
müssen anwendungen wie folgende gelten: er liez (
das rosz) et schûften, selten draben, er kunde im lutzel ûf gehaben Wolfram
Parz. 161, 21; frisch auf, ir rewters knaben ... last eure röslein traben H. Sachs 22, 377
Götze; ich suchte lange vergebens, das ungelenke thier zum tr. zu bewegen Steffens
was ich erlebte (1843) 7, 156. I@A@2@aa)
selten transitiv mit dem pferd als object: ain schon rosz an siner sitten traft man jm raisiglichen mit
Laszberg lieders. 2, 25; sô man zelt unde drove (: hove) diu pfert an dem marktag
Seifr. Helbling s. 78
Seemüller; er sprach: ich trapt daz ross mîn vor der bürge ûff dem plan
Göttw. Trojanerkrieg 3282
Koppitz; mit enem worde: wêr het (
das pferd) draf heft edder telt, ein half mark is sîn gelt nâ minem sinne, dar nicht boven
Magdeb. Äsop 37, 29
Seelmann; vgl. die corruptel bei Gerh. v. Minden 100, 24
Leitzmann. geradezu im sinne des anspornens, antreibens, quälens: als man pferid mit sporn draft
Laszberg lieders. 1, 464;
nach Heyne 3, 997
ist nhd. der transitive gebrauch geschwunden; doch kann man noch heute etwa sagen: ein pferd zum walde traben;
solange man reiten
transitiv gebraucht und dies spezifizieren will, ist jederzeit auch das transitive traben
möglich. I@A@2@bb)
oft, bes. in älterer zeit, neben einem anderen verb des reitens, mhd. vor allem neben zelten
als gegensatz: dô ne wart ouch dâ niht mê gebiten: sine mohte zeltens niht gehaben, si begunde schiuften unde draben, unz daz sî in ane sach Hartmann
Iwein 5966; kêrt iuch niht an mîn hetzen. er kan unsanfte letzen, der noch dort ûze unvlühtec habt, weder ern schûftet noch endrabt Wolfram
Parz. 299, 2; er kom mit einem vollen schouft und niht gedrabet
Lohengrin 129; er sprach nv lat vch wesen gach ir sult rennen unde draben zeltens müget ir niht gehaben Ulrich v. Türheim
Rennewart 124
d Pfälzer Hs.; swer drabens gewont, den müet zelten Hugo v. Trimberg
renner 21144
E.; draben unde zelten
formelhaft =
reiten überhaupt, z. b. Heinr. v.
d. Türlin
krone 26255, =
verschiedene reitkünste im turnier zeigen Laub. Barlaam 671;
später verwischen sich die gegensätze: mit zelten, traben und mit reiten wart nie mein gleich in disen zeiten, wenn ich thu über das pflaster traben, so mir die frauen nachzusehen haben, und fragen all: wer ist der, der so hübschlich zelt daher?
fastnachtspiele 1, 362
Keller; und mehr noch als flocken im dorf ein gewimmel von reutern, die reiten und traben Fr. Rückert 1, 164. I@A@2@cc)
der allgemeine begriff des reitens wird durch traben
in verschiedenster weise näher umschrieben, vielfach noch mit hilfe entsprechender adverbia (
vgl. 1 b): das habt ir aber nit getan, sonder gfangen zu rennen
an. wärt ir darüber gmälich trabt, und euch in guter acht gehabt, so hett euch das wol getragen.
Teuerdank s. 162
Gödeke; es war finster; er kundt nit under dem eysz sehen, wo er im wasser umbher ritte, trabt also gemach hien und wider bitz an den fünfften tag J. Frey
gartengesellsch. 136
Bolte; freund, wenn uns gleich kein solcher stumpfschwanz trägt, dem sein Horaz das bündel aufgelegt, und Rom verliesz, nach seinem landgut trabte und in Tarent sich mit Falerner labte J. Fr. Löwen
schrift. (1765) 1, 80; er sattelt seinen Bucephal, trabt rüstig über berg und thal Pfeffel
poet. vers. 2, 20; so ritten die zwei ritter ... zum schloszhofe hinaus ... so trabten sie ... durch wind und wetter fort Cl. Brentano 5, 280; ich war bereit, sasz auf, und über stock und stein wir traben wie solche, die den feind im nacken haben; nie macht ich gleichen ritt A. v. Droste-Hülshoff 3, 174
Schwering; jetzt war es (
das pferd) wieder hergestellt, und wir trabten frisch unten am schlesischen gebirge H. Laube 1, 241;
andere zugehörige adverbia etwa: rasch, lustig, mutig, scharf
u. s. w. der sinn des derben, plumpen oder des rücksichtslosen liegt nahe: hat unsz der teuffel do geheit, das wir das pet beschissen haben und hie auff dissen merhen traben
pfarrer v. Kalenberg 92
Dollmayr; die auf dicken ackergäulen nebenher trabenden bursche A. v. Droste-H. 2, 373
Cotta; Sickingens reiter tr. durch das saatfeld und treten nieder, was die pferde nicht fressen W. Hauff 1, 226;
prägnant =
davonreiten: man sah mich ab dem velde draben Ulrich v. Liechtenstein 75, 14; das fräulein sah ihn traben: ade, geliebter mein W. Müller
ged. 393
Hatfield. prächtig daherreiten: ok sach man dar to draven vil forsten unde heren (
nämlich zur hochzeit des königs)
script. rer. Brunsw. 3, 107
b Leibniz. I@A@2@dd)
ohne besondere sinnesnüance ist das verb in bestimmter sphäre neben reiten
sehr gebräuchlich. I@A@2@d@aα)
in ritterlicher sphäre: der dritte hergeselle, der darzuo kom gedrabet Ulrich v. Zatzichoven
Lanz. 697; nû sî (
ritter) begunden zuo im traben, Morgân enpfie die geste Gottfried
Trist. 5366;
besonders: über velt draben =
zum ritterlichen kampf in die weite welt ziehen: über velt wil ich draven âne angest mînes verhes und alle werlt dwerhes
Meier Helmbrecht 416
Panzer. beim turnier: künec Hertnît von Riuzen trabte gein disem dâher. er vuort in sîner hende ein vil grôzez sper
d. gr. rosengarten 1382
W. Grimm; zwen hurtecliche stozze verhangten si den rossen, ane draben, hossen (
schnell laufen) si ein ander trafen Johann v. Würzburg 8210; drum meld ich kurz die männer und die rotten, die zum turniere traben oder trotten Uhland
ged. 349.
in drastischer situation, etwa noch durch den reflexiven gebrauch des verbs unterstrichen: er sprach: duo muost dich mit mir traben und von ärs auff werden geslagen Heinrich v. Wittenweiler
ring 29, 38;
bei der jagd: er begunde tegelîchen traben durch jagen ûz in den walt Ulrich v. Zatzichoven
Lanz. 1360;
spätmittelalterlich häufiger im kriege: gen vînden drafen
allg. gegen den feind ziehen Laszberg lieders. 2, 12; ze velde draben
dass. Hugo v. Trimberg
renner 7508; 12788; wo man vür ain vesti draft oder zwingen wil ein lant
Laszberg lieders. 1, 626; ê daz man des beginne warn, daz wir ûz dem holze draben, ê sîn wir komen über den graben Konrad v. Würzburg
Trojanerkr. 11789; dô er (
der kaiser) hete sich besamt mit allen, die er mochte haben, dô liez er balde sô hin draben sîn her zu der benanten vlut
passional 270, 24
Köpke; dô die kneht draften ûf die heid, den vînden den wart leid ... Jansen Enikel 10723
u. 29
Strauch; vgl. auch register ein Franzos kam getraben
bei Tobler
schweiz. volkslieder 105; als man vor Trachselwald lag, do warind bi 20 spiesen rossvolck heimb gen Bern getrabt Tschudi
chron. Helvet. 1, 509; darnach kam ein harscht (
haufe) des hertzogen von Saffri volck vür die stadt Friburg getrabt
ebda 2, 523. I@A@2@d@bβ)
von landsknechten und raubrittern in der wendung im stegreif traben: ich schryb myn gsellen in der still, die auch ein solchen sattel haben und in dem stegreif künnendt traben Murner
narrenbeschw. 84
ndr.; sie (
die mönche) sind schuld, dasz ich als armer reiter im stegreif traben musz, was mir bei meiner wiege nicht gesungen wurde G. Freytag 11, 244.
hierher gehört auch: auf den weg tr. =
auflauern, überfallen: ir habt geraubet auff der strassn, gestoln, geschunden und geschabt, dem kauffman auff den weg getrabt Dedekind
christl. ritter (1590) c 6
b; I@A@2@d@gγ)
im reiterleben und reiterkampf neuerer zeit; gern im volkslied: mein reuter sah man traben sehr muthig durch das feld A. v. Arnim 21, 256
W. Grimm; oft von reiterscharen: worauf eine trefflich gepuzte schaar reuter 2000 stark daher trabete A. H. Bucholtz
Herkuliskus (1665) 25; um eines hügels dürren fusz hervor trabt rasch ein schweiszbedeckter kriegerchor, voran ein ritter auf bestäubtem schimmel A. v. Droste-Hülshoff 3, 72
Schwering; ihr mögt nur weiter traben, bis dasz ihr kommt ans ziel, ihr habet mich begraben, wie es mir wohl gefiel Rückert 1, 78; viele hunderttausend traben in Östreichs reiterei Zuckermann
österr. reiterlied (1914). I@A@2@d@dδ)
vom reisen über land oder reiterberuf: Trient und Prichsen, Gurk und Lavent tzu Utin, tzu Sekkaw kom ich draffent Suchenwirt
s. 93
Primisser; wenn wir nun hattn auff solche weis erlanget beyde, geld vnd preis, thetn wir heim nach Deutschland draben
postreutter (1591) D 3
a; bereitete er sich wieder aufzusitzen und ... noch an einem eintzigen ort mit zu traben Riemer
pol. maulaffe (1679) 118; andere sind auf einem kosackenritt durch die welt getrabt Fr. L. Jahn 2, 575
E.; zehn minuten später trabte Ludwigs reitknecht nach Rendezvous
M. v. Ebner-Eschenbach 4, 69. I@A@2@ee)
im 17.
und 18.
jh., bis ins 19.
hinein, wo das reiten als übliche fortbewegungsart vom fahren abgelöst wird, steht traben
ganz gewöhnlich synonym mit reiten: wir trabten froh dem dorfe zu K.
F. Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 1, 166; ich war also um zehn uhr in Wien fertig, und nun trabten wir zu den thoren hinaus auf Pressburg zu Jung-Stilling 4
a, 191; auch für reinlichkeit und zierde war gesorgt ... und unsere reiter trabten wieder ganz schmuck einher Göthe I 33, 179
W.; du bekommst noch einen gast. doktor Raschler trabt auf der heerstrasze Bauernfeld 4, 31; bald trabte jener auf einem gedrungenen polacken, den zelter der herzogin und den fuchs des herzogs an der hand führend, davon Immermann 5, 41
Boxb.; auf einem gaule ... trabte ich in der frühe aus dem thorweg Th. Storm (1899) 3, 237. I@A@2@ff) traben =
trab fahren, besonders im 18./19.
jh.; vereinzelt früher: quod nemo cum curribus oneratis vel vacuis debet draven in plateis (1360)
d. bürgersprachen u. -verträge der st. Wismar (1840) 16
Burmeister; vortmer so scal neen buwman noch molre edder jemant anders, de myt vore umme geyt, myt vuller last draven up der straten (1405)
ebda 33; und als der kauf geschlossen war, wollt ich mit meinen pferden frisch nach hause traben Th. Körner 3, 19
Hempel; als des konrektors ... fuhrwerk ... auf der strasze südlich trabte Fontane I 1, 266; eine trabende batterie überholte uns Liliencron 7, 29. I@A@2@gg)
zugehörige compositabildungen: wie sie nun eine zeitlang ... geruhet, hOereten sie etzliche reuter daher tr., die renneten sie an C. Spangenberg
Schaumb. chron. (1614) 123; da dann alsobald ein ansehnlicher junger mensch ... auf einem muntern hengst vorbey trabete Happel
ak. rom. (1690) 26; diesz braune pferd ... ... erlaubet mir, ein wenig drauf herum zu traben Chr.
F. Weisze
lieder f. kinder (1767) 42; ein reuter kommt herangetrabt ... von blendend-weiszem pferd getragen Göthe I 15, 1, 125
W.; vgl. auch I 25, 296; waren die freunde auf der staubigen landstrasze ... eine gute strecke weiter getrabt C.
F. Meyer
Jenatsch 69; ... ritten wir ... dem aussichtshügel zu und erblickten ... die vom schlosse hertrabende cavalcade
M. v. Ebner-Eschenbach 4, 107. I@BB.
im engeren sinne einer bestimmten technischen gangart (
zur sachlichen definition vgl. das subst.). I@B@11)
in abgrenzung neben anderen fachausdrücken des gehens bzw. reitens, besonders als gegensatz zum zeltgang;
vgl. dazu auch A 1 b
und A 2 b: Albrecht ... hat ein ros, das kan zeltern und traben ...
Ambras. liederb. (1582)
s. 58
Bergmann; in dem selbigen Portugall seind rosz ... werden Asturcones genannt. die draben nit, sonder geen ein zellt H. v. Eppendorff
Plinius (1543) 77;
in merkwürdiger vermischung bei übertragener anwendung siehe III 1 trotieren oder traben Fleming
d. vollk. sold. (1726) 25; das ich lernt traben, wenden, stutzen, springen, lauffen, die feinde trutzen Rollenhagen
froschm. (1595) p 4
b; (
ein gutes pferd) soll sicher und gewisz gehen, traben, galoppiren und lauffen v. Hohberg
georg. cur. (1682) 2, 132; das pferd trabt, wenn das terrain ansteigt, und verfällt in das paszgehen, wenn es bergab geht Silberer
train. d. traberpferdes 258;
wichtig besonders die unterscheidung des deutschtrabens
und englischtrabens (
vgl. auch das subst.): das leicht- oder englischtraben wird bei der kavallerie jetzt versuchsweise mehr angewendet als früher ...
tägl. rdschau 1908,
nr. 174,
s. 4
a; der wesentliche unterschied beider manieren möchte darin bestehen, dasz der deutschtrabende sich rein passiv verhält und bei jedem trabritt einmal in den sattel fällt, der englischtrabende ... einen trabtakt überschlägt Monteton
üb. d. reitkunst 2, 3. I@B@22)
in der reitschule und der militärischen ausbildung spielt das traben
die hervorragendste rolle: mit dramne (
drabene) recht sam zu tantze, in sprungen und in sprantze (
spreizen) und gar hochverteclich iz (
das pferd) get, wan man uf di pfertpueke (
roszpauke) slet
md. paraphr. d. Hiob 14555
Karsten; das pferd macht seine lektion im tr.
kurtzer begriff d. reitkunst (1677) 23
und 25;
substantiviert statt des verbalsubstantivs: jungen pferden ... ist das traben eine nothwendig und nützliche unterrichtung, dadurch man ihre eigenschafften erkennen, ihre gliedmassen auseinanderbringen, den rücken stärken, ihren untugenden desto leichter vorbauen ... kan
georgica, unterricht von landgütern u. adelicher wirthschaft (1687) 2, 185
f.; trabt das pferd auf der groszen volte regelmäszig, so müssen nun die inneren zügel etwas kürzer befestigt werden Silberer
a. a. o. 44; als die schwadron an uns vorüber trabte Monteton
reitkunst 2, 204; dasz man mit ungerittenen pferden andauernd galoppiren, aber eben nicht andauernd traben kann
ebda 83/84. I@B@33)
seit dem letzten viertel des 19.
jh.s findet das wort im technisch engen sinne bei einer bestimmten sportart, dem sog. trabersport, anwendung (
vgl.trab I B 4): die erfahrung hat gelehrt, dasz ... das pferd mit dem dritten jahre schon zum traben verwendet werden kann Silberer
a. a o. 17; die meile in 1, 54 traben Born-Möller
pferdekunde (
71919) 314;
ganz vereinzelt scheint sich traben
als sportart schon in alter zeit zu finden: desselben (
Ludwig von Baiern) sun unterstund sich zu Nürenberg, scharpf zu rennen mit einem von Hohenlohe ... nu ist dieser schimpf, scharpf rennen, einem ernst gar gleich und besorglich, doch allein den Teutschen gewonlich, die nit zusamen mit trabenden pferden, sonder mit schieszenden jagent
chron. d. dtsch. städte 3, 112. I@CC.
als gangart anderer thiere. I@C@11)
vom maulesel und esel: hOeret nur, wie trabet so hart diser rOemisch maulesel, dasz man jhme das pflaster mit sand beschtt Fischart
binenkorb (1588) 141
a; ... und hurtig mit lautem gepolter trabten die mäuler dahin ... J. H. Voss
Odyss. b. 6
v. 83; wenn man voran reitet, kann man den seinigen (
maulesel) wie wohl nicht ohne mühe in trapp bringen, und die nachfolgenden traben dann nach grafen Stollberg 6, 308; wer immer will die sporn im esel haben, macht darum nicht, das er wird schneller traben Seb. Brant
narrensch. s. 37
Zarncke; als er aber durch das münster ritt, drabet der esel so hart, das es der herr ... erhort Montanus
schwankb. 407
Bolte; zwar geht es vornehm zu, ich kan die senffte haben, und wie in Spanien zween esel lassen traben H. v. Hoffmannswaldau
u. a. Dtschen ged. 7, 244
Neukirch; ein esel trabte seinen schritt Ramler
fabellese (1783) 1, 18. I@C@22)
andere vierfüszige thiere (
vgl. Grimm
Reinh. fuchs xxxix/xl): manec tier vreisam mit im drabten dare sân
Reinh. fuchs 1190
Grimm, vgl. anm.; voran trabt ein unbekanntes thierchen Lichtenberg
Hog. 4, 189. I@C@2@aa)
bes. beim fuchs und wolf, aber auch beim hund und ähnlichen thieren ist traben
die übliche bezeichnung ihres laufs meist ohne besondere nüance, vgl. H. W. Döbel
jägerpract. (1746) 1, 34
b; 35
b; 39
b: Reinhart tet niht wan draben unde huop sich wundern balde rehte hin gên dem walde
Reinh. fuchs 136
Gr.; Isengrîn begunde draben ze lâge Reinharte
ebda 1062;
vgl. auch 1230; ain vil übelbendig (
schlecht angekoppelter) hund trappte für den tische dan, dem kind er daz brotte nan
Göttw. Troj. 1473; ein fuchs trabet uber ein heid H. Sachs 9, 156
Keller; noch hat der fuchs die rechte weite, gelassen trabt er, schleppt den schweif, zieht in dem taue dunklen streif und zeigt verächtlich seine socken A. v. Droste 1, 72
Cotta; vgl. 2, 58; der wolf heület, friszt, zerreiszt, trabt, hotzt oder laufft J. H. Meichszner
hdb. (1567) 24
b; der fuchs bildt, ... trabt Sebiz
feldbau (1579) 569,
ähnlich J. R. Satter
teutsch. orthogr. (1607) 381; Harsdörfer
gesprächsp. 3, 115; indem trabt ein füchszlein daher Joh. Mathesius
Luther (1600) 98
b; item ein alter hirtenhund, ... den pelffern die polsterhündlein auff der gassen an, er trabt für sich, und sihet sich nit umb
ebda 95
b; das hündlein trabte vor mir her U. Bräker 1, 184; die füchse und dächse traben wieder zu holze zu ihren bauen und röhren C. v. Heppe
aufricht. lehrprinz (1751) 111;
vgl. 23; diese unholden polnischen gäste trabten damals zahlreich und gefürchtet durch die wälder G. Freytag 1, 15; wölfe ..., die mit heiserem geheul durch die finsternis trabten Storm 1, 226; die alte feurige lüchsin ... eines tages hinter frischem hasengeruch ihren pirschpfad zwischen den stämmen entlang trabend A. Zweig
Grischa (1928) 38.
nur gelegentlich mit besonderer bedeutung: traben
also wird von dem fuchs oder wolf gesprochen, wenn diese geschwind und doch nicht völlig flüchtig gehen, einige sagen auch: reinen oder schnüren Heppe
wohlred. jäg. (
21779) 365,
vgl. auch Behlen
forst- u. jagdkunde 6, 78
und 234; traben
wird von den wölffinnen und wölffen gesagt, wenn sie junge haben haush.-lex. (1728) 963,
vgl. auch allg. ök. lex. (1731) 2450; ein trabender leithund ungenossen (
der noch kein blut geschmeckt hat) und ein zeltender wind (
windhund) Erlach
volksl. d. Dtsch. 2, 604;
vgl. Grässe
jägerbrev. 13,
wo zu trabender leithund
die anmerkung: '
ein zu hitziger, auf der fährte zu schnell hineilender leithund'
und th. 15, 622.
hierher gehört vielleicht dräben
läufisch sein Jellinghaus
zur einteilg d. nd. maa. (
Südwestvorpommern) (1884) 52. I@C@2@bb)
bei anderen thieren meist mit einer bestimmten nüance, z. b. der leichtigkeit: wie ich die ziege auf die achseln schwung, trabete das kitzlein hinter mir drein
M. Vischer
Rob. Crusoe (1720) 1, 88; nach einer weile kam aus dem dunkel des waldes etwas (
ein rehkalb) angerannt und trabte ihnen zur seite Storm 1, 110;
bei den jägern traben die hirsche,
wenn sie bei sonnenuntergang in kurzem trab
nach dem geäse ziehen Campe 4, 853
b;
hierher auch noch der widder Voss
Odyss. 166
Bernays; die schafe traf ich trabend über stoppeln Werfel
ged. (1927) 376;
mit der nüance des wuchtigen, schweren, plumpen: (
vom einhorn) dem löuwen ist es auch feynd. der selbig so er das thier gegen im här sicht traben, stelt er sich an ein baum, im ausz dem stich des horns zu weychen Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 37
a;
vgl. auch Casp. Scheit
fröhl. heimf. 52
a; unter diesem gespräche ging der ochse drabende ... dem altare zu Lohenstein
Armin. (1689) 2, 200
a; die spur, in der die büffel traben Freiligrath 1, 149; in den gassen der stadt traben die kühe G. Freytag 18, 123; der bär gehet ... nicht, er trabet Döbel
jägerpract. (1754) 1, 33; da kam auf einmal aus dem dickicht ein bär hervor, trabte gerade auf ihn los und brummte
kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 365; wenn so ein wunderthier die strasze trabt, dann, spräche gleich der grosze Regulus, dann ruft das volk: seht da, ein elefant Collin
Regulus (1802)
act 1
sc. 10; da traben strausz und dromedar Freiligrath 1, 195;
mit der betonung des stolzen (
vgl.hoch traben III 2 a
α): der löw so blaw und weiss zum gesellen wird hoch hereyn traben Paracelsus
opera (1616) 2, 608; der pfau, der prahlerisch sich blähet, trabt her, mit augen übersäet J. A. Schlegel
verm. ged. (1787) 1, 70. I@C@2@cc)
gelegentlicheres: eine münze mit dem haupte des Pan und einem trabenden greifen H. Meyer
gesch. d. bild. künste (1824) 1, 229; dort gaukelt der kiwitz und schreit ums haupt des müssigen knaben, der seinem neste sich naht. jetzt trabt er vor ihm zum ufer, als hätt er das fliegen vergessen, reizt ihn durch hinken zur folge und lockt ihn endlich ins feld E. Chr. v. Kleist 1, 200
Sauer. ganz occasionell: des kleider sint sô gar beschaben, sölte ein vlôch dâr an ûf draben, er viele daz man in müeste laben Hugo v. Trimberg
renner 15240. IIII.
vom gehen oder laufen des menschen. mit unrecht von Adelung 4, 634
für veraltet gehalten; gerade auch in modernen maa. besonders lebendig. II@11)
im engen zusammenhange mit dem tr. des pferdes;
vgl. bereits drauen ghelijck een peerdt
trotter ou galoper comme un cheval, discursare, cursare, assidue succussare Plantin
thes. (1573) m 3
a; ich muess trappen wie e postpferd Martin-Lienhart 2, 761 (
vielleicht das intensivum trappen?); das rosz tumblen ist ... eine auszbündige fürtreffliche übung für junge leut, welche vnder disem, als sie ... das pferdt ... vben vnnd abrichten, ... jhre leiber ... dahin vben, wohin sie das pferdt haben wOellen, und jetzt im tr., dann im lauffen, bald im springen, sie selbsten trabend, lauffend und sprengend gebt werden Guarinonius
grewel d. verw. (1610) 1221; der hauptmann sah seinen diener ... zu fusz neben seines herrn pferde nach der stadt tr. J. Möser 2, 261; hut in der hand trabt dann der ... handwerksbursch neben dem kutschschlag her v. Gaudy 2, 48;
das bild vom reiten in nicht ganz eindeutiger bedeutung übernommen: sî sprach 'ich tuon noch hiute mangen sprunc'. in valde lac ir vîrelîch gewant. sî trabte und gienc enzelt: (
etwa: sie tollte in allen tanzschritten dahin) wer möht ir gevolgen, wær sî junc?
unecht. Neidh. xxxvi 30
Haupt-Wieszner. II@22)
selten in ganz farblosem sinn =
gehen oder laufen: darna in demsulven jare wart ik der meynheit ware in sunte Andreas avende up de rathuse dravende (1490)
chron. d. dtschen städte 16, 194; so muostu auch die Ruth mitt haben, die nun aus Moab her that traben
N. Frischlin
dtsche dichtg. 132
lit. ver.; ich trabte ohne ein wort zu sprechen ... hinter ihm her G. C. Lichtenberg
briefe 1, 127
L.-Sch.; indessen Danischmend ... nach hause trabte ..., strich Schah-Gebal in den einsamsten gängen seiner gärten umher Wieland 9 (1854) 256; bî sît traben =
bei seite gehen, treten Alsf. passionssp. v. 4691
Grein. II@33)
in prägnanterem sinne. II@3@aa)
in bestimmten situationen oder in bestimmter sphäre beliebt, wo in dem worte dann meist ein etwas derber, vulgärer einschlag zu spüren ist. weggehen, nach hause ziehen, abziehen; imperativisch: weg, ab, troll dich: sy sprach: gesell, für bas trab! ich hab nichtz mit dir ze schaffen
liederb. d. Hätzlerin 156; ir schült nun tolung dar von traben (
etwa: laszt euch eine weile lang nicht sehen)
fastnachtsp. 2, 623
Keller; (
ich will) darnach von dannen traben (
mich aus dem staube machen)
Sterzinger spiele 1, 76
Zingerle; ... nein, so bald vom hohen himmel stieg der fried ... ... da musten schleunigst traben die stürmer unser ruh Rist
neuer teutsch. Parn. (1652) 591; traben lassen
im sinne des heutigen laufen lassen: vier pfennig (die wil ich haben), so las ich dich damit von hinnen traben
altd. passionssp. a. Tirol 457
Wackernell; spricht, sie wöll nit mer unser sein, sie hab ein andren knaben, lat traben, lat traben Forster
frische teutsche liedl. 98
ndr.; bringt der dame Hildegunde diesen strausz — und laszt mich traben Fr. W. Weber
Dreizehnlind. (
1361907) 324.
in dieser oder ähnlicher bedeutung findet sich im 15.
und 16.
jh. öfters der reflexive gebrauch, sicher aus etwas tieferer sprachschicht: der gast der hiet sich hin getraben Wittenweiler
ring 6
b, 30;
vgl. auch 10
b, 3; 17
b, 11; ich soll vnd musz ein bulen haben trabe dich, thierlein (
dirnlein), trab! vnd solt ichn aus der erden graben trabe dich, thierlein, trab! Böhme
altdtsch. ldb. (1877) 314
u. anm.; vgl. A. v. Arnim
w. 13, 91; trep dich und gang nur bald hinweck Wickram 5, 223
Bolte; trab dich oder fetsch dich ... wand aber daz ist daz gmein tútsch (
glosse)
Terenz deutsch (1499) 77
a.
im krieg und in der schlacht: frisch uf, ir Schwyzerknaben, gen fynden wend wir traben
bibl. ält. schriftw. d. Schweiz I 5, 99; ich ... verblieb ... nicht lang, ... sondern trabete frters in hollä
nd. dienste Grimmelshausen
Simpl. 354
ndr.; der feldherr sprach dem deutschen fusz-volck so beweglich zu, dasz sie ... auf die Römer trabende (
im sturmschritt) zulieffen Lohenstein
Armin. (1689f.) 1, 56
a; des fluhen seu (
in der bauernschlacht) da hin aldo und drafften sich hin uberm steg Wittenweiler
ring 57
c, 20; ja, der Laudon! — die Russen haben wir schön gebracht ins laufen, traben Ditfurth 100
hist. volksl. d. preusz. heeres (1869) 50.
im land herumschweifen: diss edle blut, das mehr als kronen wert zu haben, muss jetzt selbst landgebannt umher im elend traben A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 996; in diesem staat trabt sie (
queen Mab) dann nacht für nacht, befährt das hirn verliebter, und sie träumen dann von liebe (
she gallops night by night)
Shakespeare (1797) 1, 37.
von räubern, losen burschen u. ä.: lieff hin, begund, daselb zu graben. kamen drey schnaphan hergetraben B. Waldis
Äsop 1, 339
Kurz; das sindt myr freylich nasse knaben, die fill verzeren vnd wenig haben, in halben hossen eynher traben Murner
schelmenz. 98
Spanier (1925); die stein werden hart sein, die flöh schwartz, wie auch sonst die nachtraben und finstere knaben, die bei nacht traben Fischart
praktik 22
ndr.; so glaub ich ... dasz hier die satyri ... und der verbuhlte Pan umbher am ufer traben Opitz
teutsche poem. 230
ndr. auf buhlschaft ausgehen, nachlaufen u. ä., bes. im 15./16.
jh.: und der ir nack ist rein erhaben, so ir die jungen gesellen nach draben, die nem ich für zwen grosch ein nacht, und wer ich darumb in pabstes acht
fastnachtsp. 1, 265
Keller; sOellendt sy uff buolschafft traben, so mssents eyn fürsprechen haben Murner
gäuchmatt v. 4895; wann ich so ausspatziren trab zum mAegdchen, oder sonst thu stutzn
M. Rinckhart
christl. ritter 38
ndr.; die geisel sol er haben, gibst du mir einen schmaz, und du kannst weiter traben, mamsell, zu deinem teutschen schaz Schiller 1, 352
Gödeke. II@3@bb)
sehr häufig spezifiziert oder charakterisiert das wort eine bestimmte art der bewegung oder legt ihr doch einen gewissen nebensinn bei. II@3@b@aα)
besonders wird die schnelligkeit betont: dô de vadder hadde syn leven in deme dode uppe gheven unde myt eren was begraven, myt haste ghingen se henne draven (
nebensinn des gierigen) unde nemen den slotel van dem pryore meister Stephan
schachb. 4854; (
der mann) von der grossen kelten peczwungen was ze traben und laufen Arigo
decam. 61
Keller; sich, da komen zwen junge knaben, ich wil schnel hin zu ihn traben Voith
dram. 245
lit. ver.; ... trabete ... flugs ... vom berge herunter Prätorius
Katzen-veit (1665) g 4
a; so schnell als er voran, trabte ich nun hintennach Thümmel
s. w. (1854) 7, 5; nachdem er seinen hunger gestillt und in der halle noch ein paar gläser wein hinabgestürzt, trabte er nach hause S.
Brunner erz. u. schr. 1, 300;
die füsze sind subject: es würde eben das seyn, als wenn man durch die schönste bildergalerie mit trabenden füszen durchgelaufen wäre
allg. dtsche bibl. 14, 11.
mit etwas derb-familiärem beigeschmack: wann aber diese faule tocke einschlummern unter jhren wocke, darauff sie mich gewundn habn, so kompt die frawe bald getrabn. mit einem zimlich langen stecke thut sie die megde bald auffwecke
a. d. j. 1609 A. Tharäus
erb. klage schr. d. ver. f. d. gesch. Berlins 32, 55
a;
hierher gehört auch traben lassen
soldatenausdruck für (
zur strafe)
hin- und herrennen, laufschritt machen lassen Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 235.
ins allgemeinere gewendet '
hin- und hereilen', '
sich abhasten', '
umhertollen': ick hebbe vast af unde to gedravet unde hebbe my noch dallink nu gelavet
sündenfall u. marienklage 2713
Schönemann; so kom ich widder ynn meyn haus und byn eyn kauffman, der mit seynem auffstehen und lauffen zwey odder drey tausent gulden gewonnen hat, die ich sonst ynn drey odder vier jaren widder mit rynnen noch draben hette mügen erlangen Luther 15, 309
W.; so geht es ... mit einem vberreichen, der nie gnug kriegen kan. er rennt vnd trabt, schindet vnd schabt G. Voigtländer
od. u. lied. (1642) 99, 2; (
der fischer) berg auf, berg ab, durch sumpf und rohr, durch dick und dünn, über feld und moor trabt er und traut sich kaum zu schnaufen Wieland 11 (1855) 10; ein alter hausdiener war seine ordonnanz, die als ausläufer mit geldsäcken und papiergeld den tag über nach allen richtungen der stadt trabte G. Freytag 2, 86;
stark metaphorisch: ich werde mich zu tode traben, wenn ich mir selber helfen will, er (
Jesus) musz mir erst die kräfte geben Zinzendorf
teutsche ged. (1766) 188. II@3@b@bβ) traben =
gleichmäszig, gewohnheitsmäszig, dann auch gleichgültig, stur dahintrotten, weniger vom einzelnen als von gruppen, besonders gern von der masse: maneger hinz kirchen draft und slaht imz herz mit flusten beiden und ist wirs dan ein heiden armen liuten manec stunt Teichner
s. 83
Karajan; wie beklag ich meine knaben, die an solchem schönen morgen in den zwangstall ihrer sorgen mit dem schulsack müssen traben Fr. Rückert 2, 29; alles trabte am ende begeistert nach hause L. Steub
drei sommer in Tirol (1895) 1, 131; dar quam das volk gedraaft Frischbier 1, 145; sonntag kommt es gekutscht und getrabt aus städten und dörfern Voss
idyll. 5, 117; vor sechs, den rockkragen hinauf und los, den fröstelnden grauen weg nach der fabrik zu hunderten schweigend und trabend, trab hinter sich, vor sich, in sich, trab wie maschinenlauf H. Mann
die armen 15;
in diesem gebrauch frühe nd. substantivierung mit epithetischem t: jedoch up densulven avent wart dar eyn gewilde dravent (
auflauf) van meynheit to meynheit vorwar van gilden to gilden alsdar 1490
in d. chron. d. dtsch. städte 16, 197;
vgl. auch 221. II@3@b@gγ)
das akustische oder dynamische moment steht im vordergrunde: traben =
stark auftreten, stapfen, stampfen: '
ein schwären gang haben als die kürisser hengst' Maaler 404
b; im schnee tr. Stieler 2296; im dreck, schnee
etc. tr. Kramer 2 (1702) 1102
a; draben
tretten, schocken (
schütteln)
succurere, succussare Henisch 739;
mehr oder weniger hart auftreten Sartorius
Würzb. 126;
plump einherschreiten und dabei stark auftreten Unger-Khull
steir. 163; er trabte mit seinen groszen stiefeln und stampfte, dasz das haus bebte
allg. dtsche bibl. anh. zu bd. 37 (1771)
s. 865; Hans: ... es hilft nichts, ich musz hinein zu ihr (geht mit starken schritten nach der thür rechts). oberst: wetter! was trabst du denn so, junge? Bauernfeld 5, 114; ... fern aus wendischer hünenburg trab ich über den schnee; bald in dem kämmerlein wärmt den starrenden Sabastrank J. H. Voss
ged. (1802) 3, 7. II@3@b@dδ)
oft mit tadelndem oder geringschätzigem nebensinn, schon für das blosze zu fusz gehen oder barfusz laufen: wan ich hab weder pfand noch gelt und trab zu fusen ubers feldt H. Sachs 9, 19
Keller; ähnlich 5, 283; 17, 240; der löblich fürst, mein gnedigr herr, thuts nicht zu leid seinm beichtvater, das er zu fusz solt einher trabn, dazu hat er lackein und knabn Hollonius
somn. vit. v. 165
ndr.; bäurische menschen, welche die strmpf zu den schuhen ausgehen haben oder mehrteils barfus daher tr. Fischart
podagr. trostb. (1577) h 6
b; am morgen trabten barfusz sie nach haus
Z. Werner
kreuz an d. Ostsee (1806) 56.
so auch vom geckenhaften herumstolzieren: so hübsche zucht die wiber kynnen, es ist guot vff der gassen spinnen. do sycht man eins und das ander traben, domit verfüren si vil knaben Seb. Brant
narr. 2
Zarncke; der trabt im schwarzen brusttuch am hohen sommerstock, der hüpfet in fontangen im büffelunterrock Dusch
verm. werke (1754) 187; und wenn sie an einem hübschen sommerabend am fenster stehen, und ein mensch in seltsamem aufzug über die brücke getrabt kömmt, so binn ichs Göthe IV 1, 204
W. oder vom müden, schwerfälligen, plumpen gehen: draffen
langsam, plump und schwerfällig gehen Schambach
Götting. 46
b; nun war im dorff kein wiertshausz aber, da must mein guter Eulentraber noch weiter traben md und lasz ins dorff, da er bekannt inn was Fischart 2, 353
Hauffen; sultan Puh arbeitete nun auf dem felde, liesz sich bepacken ... trabte unter seiner schweren last Klinger 6, 177.
dann aber auch ohne bestimmte charakterisierung der bewegung: das dem nomen zugedachte despectierliche adhärens drückt sich in der wahl des verbums aus: ey, ich sihe jn (
meinen ehemann) her tr., die sach geet recht zuo A. v. Eyb
spieg. d. sitt. (1511) y 6
a; sieh! dort thut eben daher trabn weisz nicht wer, einen jesuitr, der unserm orden ist zuwidr
bei Opel-Cohn
30jähr. krieg (1862) 16. II@3@b@eε)
wörtlich und metaphorisch zu verstehen: nein, jetzund wil ich haben, was auff mein leiden dient, weil noch die füsse traben und noch mein alter grnt S.
Dach in ged. d. Königsb. dichterkr. 19
Fischer. IIIIII.
bildhafter, übertragener, formelhafter gebrauch, besonders vom 14.—17.
jh. überraschend lebendig; heute meist durch das blassere '
gehen'
ersetzt. den übergang zwischen dem eigentlichen und uneigentlichen gebrauch des wortes bilden belege, die eine doppelte erklärung zulassen, oder in denen sich der bildliche und unbildliche gebrauch verbindet: wer glück und segen wil erhalten, er musz mit lust und eifer traben zum wahren gottesdienst und stets vor augen haben den herscher dieser welt Rist
Parnasz 57; du aber trabst berg auf, berg an nach manchem abentheuer Kretschmann 5, 74; merkt auf, ihr reitersknaben, so wir in sorgen traben und sonst kein fürbitt haben Uhland
volksl. 365; dafür hat er (
der Araber) sich ... weit verbreitet. Afrika hindurch, in Asien bis über die gebirge, bis gen Sina, bis in die inseln, so weit kameele und rosse ihn trugen; da reitet und trabt er noch Herder 24, 54
S. III@11)
das traben des rosses oder des reiters kann als vollgliedrige metapher für andere vorgänge oder erscheinungen gebraucht werden. hierher gehört z. b. das bild des Pegasus: auf, verseflügelrosz, nimm schwung! lasz uns zur Hippokrene traben! es fliegt dahin und schlägt den huf E.
M. Arndt 5, 324
Rösch-Meisner; und mein Pegasus fing wieder an zu traben A. v. Arnim 1, 187
Grimm; sonst wüszte ich nichts zu tadeln und bin seelenfroh, ihren Pegasus wieder so stolz und lustig tr. zu sehen A. v. Droste-H.
br. an Schücking (1893) 144;
andere beispiele: füllen mit dem weiszen fusze (
bild für den jüngling), scheust du dich hindurch zu traben (
la.: scheust dich durch den koth zu traben)? sohn, du muszt durch alles wandern heimzuholen deine braut Herder 25, 112
S. (
lett. frühlingslied); es musz die menschheit einen reiter haben, bald musz sie im schritt gehn, bald gallopieren, bald traben Hebbel
w. 7, 8
Werner; schaw, wie der sinnen frevel geht und trotzet deiner weiszheit gaben, wie ungezähmt die hengste traben! (
d. h. die sinne des menschen)
Königsb. dichterkreis 79
ndr.; min man du bist ain schwärer mensche und blöd dines lybes und trabent dine pfert hart. warumb entleihnest du nit etwa ainen zelter?
N. v. Wyle
transl. 68
Keller; das wirds röszlein tr. machen, wann die guot frauw bedencken wird: vor was ich eines kauffmans weib, jetzund aber seind mir fraw hoffmeisterein Wickram 2, 86
Bolte; also trabten die groszen kinder der kleinstaaterei seelenvergnügt auf ihren steckenpferden dahin Treitschke
dtsche gesch. i. 19.
jh. 1, 616; jene rhetorische, lyrischglänzende sprache ist wie ein ins tr. gekommenes ross O. Ludwig 5, 517.
metaphorischer gebrauch dieser art ist besonders im sprichwort beliebt: wer nicht taug zum zelter, der mag traben Petri
d. Teutsch. weish. h h h 7
b; es trabet ein alter schimmel eben so weit als ein junger frischer gerader hengst Tabeus
Maynhincklers sack (1612) d 1
a;
ähnlich Lehmann
flor. polit. (1662) 1, 13; wer nicht schritt halten kann, musz traben Binder
sprichw. 176;
umgekehrt: Wander 4, 1279; er trabt wie ein mülleresel
ebda; bes. häufig: die not macht auch ein alt weib tr. Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 131
b;
adversus necessitatem ne dii quidem resistunt angst und noht thuot auch wol ein alt weib traben Tappius
adag. (1545) f f 6 a;
sch. w. klugreden (1548) 62
b; Binder 143;
ähnlich Verwijs-Verdam 2, 393;
rhein. wb. 1, 1428; de nicht bolde gân kan, de mot draven
qui propere ire nequit, cursum captabit honeste Tunnicius
nr. 446
Hoffm.; schlieszlich erscheint spätmittelalterlich häufig, beinahe sprichwörtlich, ohne jeden begriffsinhalt das wortpaar zelten—traben
rein als gegensatz: will er sweren, sy will schelten will er traben, sy will zelten will er faren, sy will reitten
Hätzlerin 219;
vgl. auch fastnachtsp. 494
Keller; so schon Spervogel: ich bin ein wegemüeder man, nû vert mir einer vor, der rennet, swenne ich drabe
minnes. frühl.4 s. 302.
dieselbe verbindung s. III 2 a
β. III@22)
anwendung des wortes in üblicher metaphorik auf verschiedenes thun und handeln des menschen. III@2@aa)
die vorstellung einer bestimmten bewegung ist noch vorhanden. III@2@a@aα) hoch traben (
vgl. oben I C 2 b
und II 3 b
δ;
besonders das partic. praes. sehr beliebt; vgl. th. 4, 2, 1635
f.):
gressus glomerare superbos Schönsleder
prompt. (1647) j i i 2
b, Dentzler
clav. ling. lat. (1716) 288
a u. a.; altiero, superbo hochtrabend Hulsius (1618) 2, 22
b; prächtig einhertraben, hoch traben =
hoch einhergehen, stolzieren, sich stolz bewegen Krünitz 186, 538.
übergang zwischen unbildlichem und bildlichem gebrauch: da geht sie (
d. jungfer) nach dem tact, und trabt so hoch einher, als ob sie götter-ahrt und Juno selber wär
bei Chr. Fr. Weichmann
poesie d. Nieders. (1721
ff.);
mehr übertragen: wie es ein anfang und ein ausgang hat mit denen, die also on alle fürcht gottes geitzen, zu sich scharren, hoch her tr. wöllen und widder gott ynn lust des fleisches leben Luther 19, 298
W.; schönste, du kanst wunderlich hoch für andre traben. Pallas selber neidet dich wegen deiner gaben (
hier ohne den nebensinn des hochmüthigen) J. Rist
Daphn. aus Cimbr. (1642) h 2
a; ich konde wol so hoch draven, wen ich wolde, dat ydt nemand als ick alleen begrypen scholde Lauremberg
bei Gottsched
krit. dichtk. 304; wer die volkssprache treu auffassen will, musz sich den gedanken des volks anschmiegen und nicht höher tr. wollen J. Grimm
in Wagners arch. 1, 222; fortan auf hohem pferde trabend hatte dieser recensent nichts angelegneres als in vier oder fünf eigenen büchern ... seine philosophischen gedanken über die deutsche sprache auszubreiten
kl. schr. 5, 337; sprecht nie zu grosz! sprecht ohne hoch zu traben! (
vgl. th. 4, 1, 6,
sp. 491
über grosz sprechen) v. Ayrenhoff (1814) 5, 81.
auch das simplex traben
kann den sinn von hoch traben
annehmen: gleichwie dem vater nicht miszfällt des kindes lallen, so kann mein schwacher ton auch dir nicht miszgefallen, weil er aus lautrer brust und reinem hertzen geht. es schreibe was da will ein trabender poet Morhof
ged. (1682) 34; er (
der poet) musz natürlich, nicht gemein ... nicht dunkel und doch sinnreich seyn, nicht kriechen, aber doch nicht traben D. W. Triller
poet. betr. (1750) 2, 181.
hierher gehört auch die wendung ze hove traben: ich solt jene bezzer machen, die man siht ze höven traben (
bei hofe verkehren) Teichner
s. 59
Karajan; und wer der weiber huld will haben, muoz nit zuo hof mit fatzwerck traben, sonder auszwändig sie bedauren trägt er inwändig schon ein lauren Fischart
flöhhatz 70
ndr. ähnliche wendung: swenne einer von nihte wirt erhaben und mit den herren beginnet draben (
mit hohen herren der wirt über alle sîn nâchgebûr
umgehen), vil erger denne ein hagelschûr Hugo v. Trimberg
renner 1764
Ehrism. III@2@a@bβ) traben
wird bildhaft für den weg zur hölle, zum tode, zur sünde, zur weltlichen freude angewandt, wobei die vorstellung der derben, rohen bewegung mitschwingt, spätmittelalterlich und im 16.
und 17.
jh. als typisch barocke wendung beliebt; theils in stärkerer, theils in schwächerer bildhaftigkeit: (
Judas) galt den zelt und den drab, er kan in die helle gedrabt ûf einem orse daz niht snabt Hugo v. Langenstein
Mart. 63, 112; sol er denne niht mit êren draben die breiten strâze gein der helle Hugo v. Trimberg
renner 6096.
die wendung in bildhaftem gebrauch scheint ein lieblingsausdruck Luthers: wolan du musst dencken, es sey eben so mehr in die helle gerant als gedrabet
Hansworst 60
ndr., vgl. auch 16, 401
und 18, 207
W., tischreden 285
b; sieht Jesus auge ihrer viel auf diesem breiten wege draben, so lasse mich ein ander ziel in meinem wandel vor mir haben B. Schmolcke
trost- u. geistr. schrift. (1740
ff.) 2, 154.
vom sterben: ... zwene männer ... die beyd ein gleiches gut gehabt und doch nicht gleich von hin gedrabt Ringwaldt
christl. warnung (1558) j 5 b; mit viel geräusch musz er ins reich der stille traben und wird lebend ohn kunst und ohn kosten begraben G. Treuer
teutsch. Dädalus (1675) 1, 479; wir traben dem tode entgegen, ehe wir zeit haben uns zu bedencken, das wir leben Butschky
Pathmos (1677) 415.
von den unseligen: süln die niht zwirunt unsêlic sîn, der vleisch ûf erden hie hât pîn und doch der sêle müezen angest haben, swenne si des nahtes müezen draben durch engez tal und vinstern walt in des tiufels dienste, des gewalt ze der zît aller grœste ist? Hugo v. Trimberg
renner 6800 (
vgl.drabeknecht 14153);
vom sündigen leben (
vgl.trab der welt III B 1): di stete lip di werld habn und alles noch ir suze drabn (
immer auf weltliche lust die besloz Christ uzerhalb
aus sind), recht als ein verwurfen kalb, do er vor di sinen bat Tilo v. Kulm
siben ingesigel 3592; möchtestu (
arme seele) nicht auch mit dem gleiszner einhertraben ... du wärest deines leibes und gutes sicherer als auff diesem weege, in dehme du nur der welt eule und narr bist J. Böhme
schriften (1620) 3, 333; magst auch in uppigkeit und eitler wollust traben und deinen erdengeist an solchem glükke laben
bei J. G. Schottel
teutsche haubtspr. (1663) 931.
ähnlich prägnant: süezer slic hât sûren slac. wol im, der sich genesen mac âne sôgetân laben, âne sôgetân draben (
etwa: ohne solch irdisches genieszen), dâ lîbes und sêle man angest muoz haben Hugo v. Trimberg
renner 727.
tod oder teufel werden subject des trabens: wan du mich so wirst laben und rOetten, o du hOeld! mag snd, tod, teufel traben, es bleibt mir doch das feld Rompler v. Löwenhalt 1.
gebüsch s. reimget. (1647) 175; wer dulteclich lidet mangen truk und stoz von dem tiefel und von den welten, die uber in tünd traben und zelten
Christus u. d. minn. seele in germ. abh. 29,
s. 354/5;
vgl. auch Hugo v. Trimberg
renner 7276; der satan, der dem menschen gern nach seinem willen trapt S. Franck
parad. (1558) 30
b. III@2@a@gγ) traben
in verschiedenartiger anderer bildhafter anwendung, wobei aber überall noch die motorische grundbedeutung erhalten bleibt; gerade in frühnhd. zeit zeigt sich dieser bildhafte gebrauch lebendig: feret er aber drüber mit gewalt: wolan lasz her draben: dennocht ist er noch nitt vber den perg Luther
v. d. n. Eckischen bullen (1520) b 3; ... wollt ich gar bald bereit seyn, sr. kurfürstl. gnaden zum exempel vorher zu tr., nachdem ich doch sonst im sinn bin, ehe ich aus diesem leben scheide, mich in dem ehestande finden zu lassen
briefe 2, 678
de Wette; haben auch hierinn vnsern stilum und faden also temperiert und gemessiget, dasz wir niemant hiemit zuo nahent getrabt seind S. Franck
chron. zeytb. (1531) a 1
b; der weisz vogel auff deinem haubt deut dein weiszheit, die du wirst haben für all dein feind, die umb dich traben H. Sachs 16, 155
Götze; jeder wil sein der best im hauffen. auch viel, die vor selbst pfarren han, ausz geitz sich dran nicht gngen lan, wolten gern mehr vnd bessre haben. darumb sie also vmb thun traben (
ambire), das heist nicht, wie sich wol gebrt Eyering
proverb. cop. (1601) 1, 91; schandene! ir mst ein wenig gmach traben. wie kent ir so ein heissen kopff haben! Wickram 3, 116
Bolte; vgl. 4, 135.
auch reflexiv: der krieg hat sich erhaben gegen disem sumer guot, der pund tuot sich vast traben (
sich rühren, sich rüsten), hat gehept ein frien muot
hist. volksl. nr. 208, 1
Liliencron. in der bedeutung des hinterhertrabens und nachahmens: die knaben, die voll schwer peutel haben, die machen, dasz ich hinden hin musz traben (
den kürzeren ziehen, '
hinterherhinken')
fastnachtsp. 2, 703
Keller; so ist es erst billich, dann wie sie jhr sprach nit von andern haben, also wollen sie auch nicht nach andern tr.: eyn jede sprach hat jr sondere angeartete thönung, vnd soll auch bleiben bei derselben angewöhnung J. Fischart
Garg. 53
ndr.; auff eylend, auff jhr knaben, ihr schOene diener sein, nach jhm (
Jesus) thut zeitlich traben (
nacheifern), nit lasset jhn allein Spee
trutznacht. (1649) 68.
oft klingt auch wiederum ein despectierlicher sinn mit: und gib durchaus nicht acht, was die, so hinten traben, (
die schmeichler, schranzen) von dir vieleicht erdacht und zu erzählen haben
bei Gottsched
d. neuest. a. d. anmuth. gel. 1, 262; nun trabten die groszen theoretiker hinterher und verboten bei todesstrafe ... R. Schumann
ges. schr. 3, 37.
vorübertraben: der todt sprach: ... dein gnossen sein von dir gwichen vnd zu eintzeln zu mir geschlichen, weib, mann, kindt, jungfrawen und knaben liesz ich stets fr dir vber traben B. Waldis
Esop 1, 314
Kurz; das seyn gotes gaben so die seel empfangen wol, sich darmit zu laben, die man tieff bedencken soll, nicht so drber traben
bei Kehrein
kath. kirchenlied. (1859) 1, 706.
sprichwörtliche redensarten: am narrenseil traben Römolt
last d. hoffart (1563) d 6
a; in die eisen traben
anscheinend aufs frühnhd. beschränkt (
vgl. th. 3, 366): so gehts, wer allzuviel wil haben, thut im selber in deisen traben B. Waldis
Esop 1, 358
Kurz; ergreifft jn auff der missethat, vnd jm weidlich in deysen traben! (=
verprügeln)
ebda 2, 205; ... nichts desto weniger biszweilen an solche leuthe geriethe, die auch haar unter der nasen hatten, und ihm seinen muthwillen nicht gar gestatten und hingehen zu lassen gedachten, und ihm dermaszen in die eysen trabten, dasz dannenher ... seine güter ein schmal ansehen gewunnen und die füsz an sich zogen Kirchhof
wendunmuth 2, 253
lit. ver.; dem wurden die franzosischen cardinale, umb das er inen in die eisen trabt, abgünstig L. Fries
chron. (
ms. im besitz d. hist. ver. Würzburg fol. 213
r); in die schlinge tr. Kotzebue
dram. werke (1827) 6, 56; so geht, so leuft es offtermahls, wer eine grub wil graben dem, der ihm alles guts gethan, pflegt selbst darein zu traben (
hier wohl durch reimzwang erleichtert)
Reinicke fuchs (1650) 200;
ähnlich bei Opel-Cohn
dreiszigj. krieg (1862) 37
u. anm.; auf freierfüszen traben J. H. Voss
ged. 4, 175. III@2@bb)
in abgeblaszter bedeutung für das leben des menschen, wobei der eigentlich motorische sinngehalt des verbs fast ganz in den hintergrund tritt, auch wenn dabei öfter der bildhafte ausdruck einen weg tr.
u. ä. begegnet. auch hier überwiegen bei weitem frühnhd. belege: (
sünde) bringet uns in ein gewonheit, daz wir sünde vür sünde niht haben und in eins zwîfels trôste draben Hugo v. Trimberg
renner 17076; von dem wal al drabende bin ich sît mir zubrach der helfe lantze (
etwa: es geht mit mir abwärts)
jüng. Tit. 5883; so er aber ergeben sich gots geyst laszt reiten, so trabt er wol (
gehts ihm gut) S. Franck
sprichw. (1541) 1, 125
a; so schaw, wie yeder einher drabt (=
lebt) P. Speratus
bei Wackernagel
deutsch. kirchenlied 3, 41; was aber dis leben trifft an, do soll ich auch mein trbsal habn vnd nicht auff eitel rosen trabn G. Rollenhagen
Abraham (1569) 101, 23; darumb stell ab hertzliebster knab! kan ich die sach verklgen, glaub mir so will ichs fgen, das ich in ehren trab, ein freyn mut mit dir hab G. Forster
frische t. liedl. 158
ndr. in verbindung mit weg, pfad; ebenso allgemein: ob iu daz niht gevalle, sô sît ir ûf den weg aldar nû drabende, daz ir der wârheit grîfet an daz ende
jüng. Tit. 6164; ja ee ich das von dir wolt haben, das du mir ausz dem weg solst draben, ich woltsz ee zwier als oft erleiden (
von dem rechten wege abkommen, dich mit anderen frauen einlassen)
fastnachtsp. 1, 246
Keller; so wird ein hirten kind begabet, dasz nur den pfad der weiszheit trabet J. Rist
neuer teutsch. Parnasz (1652) 550; zuletzt kompt Hier. Gebwyler ... mit seinem epitome und fürstlichen chronick, durch ein besonderen weg den andern allen ungleich und trabet weit ein andere strass weder von Rom herein, fliegt über die andern all aus und macht eine abrechung von Noe absteigender linien nach biss auf Priamum Stumpf
Schwytzerchron. (1606) 537
a.
das verächtliche moment tritt hinzu: o du bist auch nicht gar ein reine, must mit dem gmeinen hauffen traben H. Sachs 17, 178
Götze; blöd trabt die menge drunten St. George
der 7.
ring6 12. III@2@cc)
abgeblaszte redensarten in anderer bedeutung und sonderfälle: sonst hat den grOesten gwalt das geld. dergleich es solche krafft thut haben, wenn man mit schmiert, so thuts wol trabn (
etwa: läuft die karre gut) Eyering
proverb. cop. (1601) 3, 118; nun, so will ich voranhin traben (
die sache ruhen lassen) H. Sachs 17, 18
Götze; mein herr, was hört ihr gutes traben vom newen gast, den wir hie haben? (
etwa: wie gehts ihm) Hayneccius
H. Pfriem (1582) 20
ndr.; hörst ihn traben?
merkst du, worauf er hinaus will? Fischer
schwäb. 2, 319; obwol jhre hohe gaben meinen sinn weit ubergehn, will ich doch mich unterstehn, durch jhr hohes lob zu traben (
ihr lob auszumalen)
Königsb. dichterkreis 15
ndr. ganz allgemein: lass trappen, wat trappt
lasz es gehen, wie es geht Follmann
wb. d. dtschlothr. maa. 99. III@33)
gebrauch des wortes mit sachlichem regens, besonders oft bildhaft bei abstracten; zwischenstufe zwischen persönlichem und sächlichem subject die welt: ach welt, wie hertikleich du trabst Oswald v. Wolkenstein 119, 37
Schatz; der weg ..., darauf die welt so willig und lüsteren dahin trabet Schottel
friedenssieg 11
ndr. III@3@aa)
von abstracten: zorn, nît und gîtecheit ... die mit in (
den reichen und armen) loufent unde drabent in dirre werlde unstêtikeit Hugo v. Trimberg
renner 15950; ... dasz sie ... die werck des fleisches lieber thun, denn des geistes wercke, die etwas wider den mann traben und wider den strohm gehen
theatr. diab. 1, 299
b; tröst vns, gott, in vnserm land, lasz dein vngunst von vns traben Ad. Weinheimer
in Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 256; die wilden hypothesen, welche der mensch in einem solchen falle durch sich traben lässet Jean Paul 17, 327
Hempel; wie an einer kette trabt, von sitz zu sitz, kalte etikette Tiedge
werke (1823) 7, 89; nicht mehr barfusz sollst du traben, deutsche freiheit, durch die sümpfe H. Heine 1, 312
Elster; ich kann noch nicht immer dies herz ... im zaume halten, und lasse es nur gar zu oft ... mit mir davon tr., wohin es will G. Forster
sämtl. schr. (1843) 7, 164;
mit der nüance des hochtrabenden: wir aber haben drumb vorab ein eingang gmacht zu eim vortrab, der etwas ansenlicher trabet (
vorwort, das etwas auff das jhr etwas zusehen habet
hermacht), Fischart 1, 286
Hauffen. III@3@bb)
von der sprache und vom vers, wobei die rhythmische bewegung, der zeitliche ablauf durch traben
charakterisiert wird. hierher gehört auch trotz persönlichen subjects: ich drabe dâher vil rehte drîer slahte sanc, den hôhen und den nidern und den mittelswanc, daz mir die rederîche iegeslîche sagen danc Walther 84, 23
Lachmann; vgl. J. Grimm kl. schr. 7, 450; wenn die teilung nu ist verant, so leg die bünd (
gereimte weisen) creutzweis zhandt gleich auff die punct der buchstaben, lass sie vbern kragen (
hals der laute) draben (
etwa: lasz die töne über die saiten springen) Agricola
mus. instrum. (1528) 226
Eitner; dichter müssen ruhe haben, wenn ihr vers soll hurtig traben C. Knittel
poet. sinnenfrüchte (1677)
absond. buch 16; auch scheinen sie (
unsere neuesten tragödiendichter) mir gut gethan zu haben, dasz sie ... den trabenden Martelliano (der vollkommen wie der Schönaichsche vers in der Hermaniade einher hüpfet) verabschiedet haben Ayrenhoff
werke (1814) 6, 187.
ähnliche anwendung: banal und sänftiglich ... trabten die üblichen phrasen des redners einher W. v. Molo
Schillerroman 1, 167
volksausg. III@3@cc)
von concreten; hier ist theilweise mit onomatopoetischer neubildung zu rechnen. und werz (
das gold) ouch niht in huotemit vlîze was der habende vürbaz vor allem guote,von dem ist ez durch ungelücke drabende
jüng. Titurel 4350; seelen, seelen musz ich haben, sattlet euch nur, höltzen rosz (
schiffe), ihr müst uber wällen traben, nur von ufer drucket losz Spee
trutznacht. (1649) 105; nur schling das bier und kew es nicht, lasz frisch frei einher traben (
die kehle hinunterkluckern)
F. L. Mittler
deutsche volksl. (1865) 835.
mit starker onomatopoetischer betonung des akustischen moments im niederdeutschen beim spiel mit nüssen: Mensing 1, 831; willn wi n bäten höltendraetik? grar ore ungrar? ... latn drawen! dor dröwwt hei hen Brinckman 2, 14
f. Weltzien; vgl. nd. korrespondenzbl. 1908, 82
f.