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Erbarmung

nhd. bis GWB · 6 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
Anchors
6 in 6 Wb.
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Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

Erbarmung

Erbarmung

barmen Vb. mit Mitgefühl erfüllen’ (selten), ‘jammern, klagen, lamentieren’ (nordd. und omd.). Die got. Kirchensprache bildet zur Übersetzung von griech. eleé͞in (ἐλεεῖν) ‘bemitleiden, Mitleid, Erbarmen haben’ nach dem Muster von gleichbed. lat. miserēre bzw. miserērī (zu lat. miser ‘elend, kläglich, bejammernswert, arm’) ein von got. arms ‘beklagenswert, elend’ abgeleitetes Verb got. arman ‘sich erbarmen’. Ein an das Adj. ahd. arm ‘gering, hilflos, schwach, besitzlos, arm’ (s. arm) sich anschließendes Verb ahd. armēn (9. Jh.) bedeutet ‘arm werden, Not leiden’, so daß die Kirchensprache zur Wiedergabe von ‘sich erbarmen, Mitleid erregen’ präfigiertes ahd. *bi-armën benutzt, belegt (10. Jh.) in der adverbial gebrauchten Partizipialform barmēnto ‘erbarmend, voll Erbarmen’ (für lat. miserando); vgl. mit anderem Präfix und anderer Stammbildung aengl. ofearmian ‘mitleidig sein, Erbarmen zeigen’ (zu aengl. earmian ‘bemitleiden, bedauern’, von aengl. earm ‘arm’). Zusammengezogenes und darum als Einheit empfundenes ahd. barmēn wird im Hinblick auf seine durativ-inchoative Bedeutung erneut präfigiert, so daß ahd. irbarmēn, nhd. erbarmen (s. unten) entsteht. Diese Weiterbildung wird zum geläufigen Verb im Dt.; mhd. barmen ‘(sich) erbarmen, Mitleid erregen’ bleibt selten, nhd. barmen wird weithin in die Mundarten abgedrängt und entwickelt im Nordd. und Omd. die oben angegebene Bedeutung ‘jammern, klagen, kläglich tun’, mit der es im 19. Jh. auch in die Literatursprache eingeht. – erbarmen Vb. ‘jmds. Mitleid erregen, jmdm. leid tun’, (reflexiv) ‘sich aus Mitleid und Barmherzigkeit jmds. annehmen, mildtätig sein’. Ahd. irbarmēn ‘sich zu jmdm. herablassen, sich die Not eines anderen zu eigen machen, Mitleid empfinden oder erregen’ (9. Jh.), mhd. erbarmen ‘Mitleid haben, gerührt werden, rühren’. Weiterbildung mit dem Präfix ahd. ir- (s. er-) von ahd. barmēn (s. oben). Erbarmung f. ‘Barmherzigkeit, Mitleid’, ahd. irbarmunga (10. Jh.), mhd. erbarmunge. Erbarmen n. ‘Mildtätigkeit, Mitleid’, mhd. erbarmen, substantivierter Infinitiv. erbärmlich Adj. ‘elend, ärmlich, nichtswürdig’ (16. Jh.), ahd. irbarmalīh ‘Erbarmen erregend’ (um 1000); vgl. mhd. erbarmeclich ‘barmherzig, erbarmenswert’. barmherzig Adj. ‘mitfühlend, mitleidsvoll, mildtätig’ (gegenüber Bedürftigen), mhd. barmherzec, Weiterbildung von mhd. barmherze, ahd. barmherzi ‘voll Erbarmen’, eigentlich ‘ein barmendes Herz habend’ (11. Jh.), das unter dem Einfluß von ahd. (ir)barmēn aus ahd. armherz ‘barmherzig’ als Eigenschaft Gottes und der nach seinem Willen handelnden Menschen (9. Jh.) hervorgegangen ist (vgl. auch ahd. armherzīg, 11. Jh.). Dies ist eine Bildung aus ahd. arm (s. oben) und ahd. herza (s. Herz) unter dem Einfluß der got. Kirchensprache, die einem nach dem Muster von lat. misericors ‘mitleidig’ (eigentlich ‘ein mitleidiges Herz habend’, zu lat. miserēre, -ērī bzw. miser und cor ‘Herz’) entstandenen got. armahaírts folgt; vgl. auch aengl. earmheort neben (umgebildetem) anord. aumhjartaðr. Weitere Überlegungen zur Bildungsweise des got. Adjektivs bringt Beck in: ZfdPh 98 (Sonderheft 1979) 109 ff. Barmherzigkeit f. ‘Erbarmen, Mitgefühl, Mildtätigkeit’, mhd. barmherzekeit; vgl. daneben got. armahaírtiþa, ahd. armherzida (8. Jh.), mhd. barmherzede sowie got. armahaírtei, ahd. armherzī (9. Jh.).
3303 Zeichen · 116 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Erbarmung

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Erbarmung , plur. car. die Empfindung eines hohen Grades des Mitleidens bey der Noth anderer, und dieses Mitleiden s…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Erbarmung

    Goethe-Wörterbuch

    Erbarmung Erbarmen [ Clav: ] Mitleiden — innige tiefe E. flößte sie [ Marie ] mir ein: aber Liebe — 11,100,9 Clav IV die…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit erbarmung

6 Bildungen · 5 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von erbarmung 3 Analysen

er- + barmung

erbarmung leitet sich vom Lemma barmung ab mit Präfix er-.

Alternativen: erbarmen+-ung er-+barm+-ung

erbarmung‑ als Erstglied (5 von 5)

ERBARMUNGSVOLL

DWB2

erbarmung·s·voll

ERBARMUNGSVOLL adj. abl. von erbarmung f. mitleidig, erbarmend: 1682 o gott, dein hertz erbarmungsvoll/ mein armes hertz anschreyet kirchenl…

erbarmungswürdig

DWB

erbarmung·s·wuerdig

erbarmungswürdig : freigeister sind erbarmungswürdige, elende, unglückliche menschen. Rabener 5, 185 ; das ist erbarmungswürdig. Gellert 3, …

Ableitungen von erbarmung (1 von 1)

erbarmunge

Lexer

er-barmunge stf. BMZ erbarmen, barmherzigkeit Wig. (= barmunge 183,13. var. erbarmunge, erbärmde) Exod. 57,21. Engelh. 3608. Silv. 1164. muo…

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APA
Cotta, M. (2026). „erbarmung". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 20. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/erbarmung/pfeifer_etym
MLA
Cotta, Marcel. „erbarmung". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/erbarmung/pfeifer_etym. Abgerufen 20. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „erbarmung". lautwandel.de. Zugegriffen 20. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/erbarmung/pfeifer_etym.
BibTeX
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  author       = {Cotta, Marcel},
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