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barmen

ahd. bis Dial. · 20 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
Anchors
24 in 20 Wb.
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Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

barmen

barmen

barmen Vb. mit Mitgefühl erfüllen’ (selten), ‘jammern, klagen, lamentieren’ (nordd. und omd.). Die got. Kirchensprache bildet zur Übersetzung von griech. eleé͞in (ἐλεεῖν) ‘bemitleiden, Mitleid, Erbarmen haben’ nach dem Muster von gleichbed. lat. miserēre bzw. miserērī (zu lat. miser ‘elend, kläglich, bejammernswert, arm’) ein von got. arms ‘beklagenswert, elend’ abgeleitetes Verb got. arman ‘sich erbarmen’. Ein an das Adj. ahd. arm ‘gering, hilflos, schwach, besitzlos, arm’ (s. arm) sich anschließendes Verb ahd. armēn (9. Jh.) bedeutet ‘arm werden, Not leiden’, so daß die Kirchensprache zur Wiedergabe von ‘sich erbarmen, Mitleid erregen’ präfigiertes ahd. *bi-armën benutzt, belegt (10. Jh.) in der adverbial gebrauchten Partizipialform barmēnto ‘erbarmend, voll Erbarmen’ (für lat. miserando); vgl. mit anderem Präfix und anderer Stammbildung aengl. ofearmian ‘mitleidig sein, Erbarmen zeigen’ (zu aengl. earmian ‘bemitleiden, bedauern’, von aengl. earm ‘arm’). Zusammengezogenes und darum als Einheit empfundenes ahd. barmēn wird im Hinblick auf seine durativ-inchoative Bedeutung erneut präfigiert, so daß ahd. irbarmēn, nhd. erbarmen (s. unten) entsteht. Diese Weiterbildung wird zum geläufigen Verb im Dt.; mhd. barmen ‘(sich) erbarmen, Mitleid erregen’ bleibt selten, nhd. barmen wird weithin in die Mundarten abgedrängt und entwickelt im Nordd. und Omd. die oben angegebene Bedeutung ‘jammern, klagen, kläglich tun’, mit der es im 19. Jh. auch in die Literatursprache eingeht. – erbarmen Vb. ‘jmds. Mitleid erregen, jmdm. leid tun’, (reflexiv) ‘sich aus Mitleid und Barmherzigkeit jmds. annehmen, mildtätig sein’. Ahd. irbarmēn ‘sich zu jmdm. herablassen, sich die Not eines anderen zu eigen machen, Mitleid empfinden oder erregen’ (9. Jh.), mhd. erbarmen ‘Mitleid haben, gerührt werden, rühren’. Weiterbildung mit dem Präfix ahd. ir- (s. er-) von ahd. barmēn (s. oben). Erbarmung f. ‘Barmherzigkeit, Mitleid’, ahd. irbarmunga (10. Jh.), mhd. erbarmunge. Erbarmen n. ‘Mildtätigkeit, Mitleid’, mhd. erbarmen, substantivierter Infinitiv. erbärmlich Adj. ‘elend, ärmlich, nichtswürdig’ (16. Jh.), ahd. irbarmalīh ‘Erbarmen erregend’ (um 1000); vgl. mhd. erbarmeclich ‘barmherzig, erbarmenswert’. barmherzig Adj. ‘mitfühlend, mitleidsvoll, mildtätig’ (gegenüber Bedürftigen), mhd. barmherzec, Weiterbildung von mhd. barmherze, ahd. barmherzi ‘voll Erbarmen’, eigentlich ‘ein barmendes Herz habend’ (11. Jh.), das unter dem Einfluß von ahd. (ir)barmēn aus ahd. armherz ‘barmherzig’ als Eigenschaft Gottes und der nach seinem Willen handelnden Menschen (9. Jh.) hervorgegangen ist (vgl. auch ahd. armherzīg, 11. Jh.). Dies ist eine Bildung aus ahd. arm (s. oben) und ahd. herza (s. Herz) unter dem Einfluß der got. Kirchensprache, die einem nach dem Muster von lat. misericors ‘mitleidig’ (eigentlich ‘ein mitleidiges Herz habend’, zu lat. miserēre, -ērī bzw. miser und cor ‘Herz’) entstandenen got. armahaírts folgt; vgl. auch aengl. earmheort neben (umgebildetem) anord. aumhjartaðr. Weitere Überlegungen zur Bildungsweise des got. Adjektivs bringt Beck in: ZfdPh 98 (Sonderheft 1979) 109 ff. Barmherzigkeit f. ‘Erbarmen, Mitgefühl, Mildtätigkeit’, mhd. barmherzekeit; vgl. daneben got. armahaírtiþa, ahd. armherzida (8. Jh.), mhd. barmherzede sowie got. armahaírtei, ahd. armherzī (9. Jh.).
3303 Zeichen · 116 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    barmên

    Althochdeutsches Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    barmên vgl. barmênto adv. part. prs.

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    barmenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +7 Parallelbelege

    barmen swv. BMZ mit acc. sich erbarmen (er barmet sich über sie Myst. 2. 75,2. daʒ er sich barme über die getât Ga. 2. 5…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    barmensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    barmen , sw. V. nhd. Erbarmen haben, erbarmen Vw.: s. be-, ent-, er-, under-, vör- Hw.: s. bermen (2); vgl. mhd. barmen …

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Barmenv., intrs., rec.

    Campe (1807–1813) · +3 Parallelbelege

    Barmen , v. I) intrs. erbärmlich, kläglich sich geberden. I N. D. auch bärmeln. II) rec. Sich barmen, sich erbarmen. — —…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Barmen

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Barmen , Stadt im preuß. Reg.-Bez. Düsseldorf, an der Wupper, zieht sich von Elberfeld 2 Stunden im Thale hin, ist in ih…

  6. modern
    Dialekt
    barmen

    Bayerisches Wörterbuch · +5 Parallelbelege

    barmen Band 1, Spalte 1,1182f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit barmen

32 Bildungen · 4 Erstglied · 23 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von barmen 2 Komponenten

bar+men

barmen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

barmen‑ als Erstglied (4 von 4)

Barmen II

RhWBN

Barmen II: Elverfeil Barmen doppeltes Essgeschirr (scherzh.) im ganzen Wupperraum verbr.

barmênto

AWB

barmênto adv. part. prs. — Graff I, 423 s. v. barmên. p-armanto: Gl 2,184,30 ( M, clm 21 525, 10. Jh. ). erbarmend, voll Erbarmen: [ necesse…

barmenære

MWB

barmenære stM. ‘Erbarmer, Erlöser’ der weisen barmenære, / hilf rechen disiu leit Walth 76,28 MWB 1 442,4; Bearbeiter: Diehl

barmen als Zweitglied (23 von 23)

intbarmen?

KöblerAhd

*intbarmen? , sw. V. (1) Hw.: vgl. as. andbermian*

Erbarmen

RDWB1

Erbarmen n Haben Sie ~! fest. : Сжальтесь! Пощадите! Имейте совесть!

bebarmen

KöblerMnd

beb·armen

bebarmen , sw. V. nhd. bejammern, Mitleid empfinden E.: s. be, barmen L.: Lü 28a (bebarmen)

enbarmen

MNWB

enbarmen ( ° -bermen), ent-, unt- s. entfarmen , erbarmen, swv. , erbarmen, c. D. p. , N. r. , jem. erbarmen, Mitleid einflößen, rühren , gō…

enerbarmen

KöblerMhd

ener·barmen

enerbarmen , sw. V. nhd. sich erbarmen, erbarmen Q.: HlReg (FB en erbarmen), LAlex (1150-1170) E.: s. en, erbarmen W.: nhd. DW2- L.: Lexer 3…

ent|erbarmen

MWB

ent|erbarmen swV. ‘sich erbarmen’ unser herre inerbarmet sich zu allen ziten uber di armen HlReg 31,7 MWB 1 1659,48; Bearbeiter: Runow

erbarmen

DWB

erbar·men

erbarmen , n. misericordia, mitleid, der substantivisch gesetzte inf., vgl. das verbum unter 1. ich bin des erbarmens müde. Jer. 15, 6 ; so …

inbarmen

KöblerMhd

inbarmen , sw. V. nhd. erbarmen Q.: Lilie (1267-1300) (FB inbarmen) E.: s. in, barmen W.: nhd. DW- L.: Lexer 411c (inbarmen)

inerbarmen

MWB

inerbarmen swV. → enterbarmen MWB 2 1886,36;

irbarmên

AWB

ir- barmên sw. v. , mhd. nhd. erbarmen; mnd. mnl. erbarmen. — Graff I, 423 f. ir-p-arament: 3. pl. Gl 2,304,58 ( M, clm 18 140 ); -p-arimant…

underbarmen

MNWB

under·barmen

° underbarmen , swv. : sich erbarmen, „ In deme, so se rechte bote doen, wart de vorfolginge den tirannen und sectenmesters up orem hovede b…

vorbarmen

MNWB

vor·barmen

vorbarmen , -bermen , swv. , vgl. en-, erbarmen , mit denen es sich in Bedeutung und Konstruktion deckt, auch c. G. p. ; gōde vorjâmert unde…

vörbarmen

KöblerMnd

vörbarmen , sw. V. nhd. erbarmen, dauern (V.) (leid tun), rühren, sich erbarmen Hw.: s. entbarmen (1), erbarmen; vgl. mhd. verbarmen E.: s. …

Ableitungen von barmen (5 von 5)

bebarmen

KöblerMnd

bebarmen , sw. V. nhd. bejammern, Mitleid empfinden E.: s. be, barmen L.: Lü 28a (bebarmen)

entbarmen

MNWB

entbarmen s. enbarmen, entfarmen.

erbarmen

DWB

erbarmen , n. misericordia, mitleid, der substantivisch gesetzte inf., vgl. das verbum unter 1. ich bin des erbarmens müde. Jer. 15, 6 ; so …

verbarmen

BWB

verbarmen Band 1, Spalte 1,1173