Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
viehisch
viehisch
Vieh n. ‘Nutztiere der Haus- und Landwirtschaft’, in der Umgangssprache ‘Tier’, übertragen verächtlich ‘roher, abgestumpfter Mensch’, ahd. fihu ‘Nutzvieh, Tier, Besitz, Vermögen’ (8. Jh.), mhd. vihe, vehe, (md.) vie, asächs. fehu ‘Vieh, Besitz’, mnd. vē, mnl. nl. vee, aengl. feoh, fēo ‘Vieh, Besitz, Geld, Vermögen’, anord. fē ‘Vieh, Besitz, Geld’, schwed. fä ‘Vieh’, got. faíhu ‘Geld’ führt auf germ. *fehu, einen u-Stamm, der auch in aind. paśúḥ, páśu ‘Vieh, Tier’, awest. pasuka ‘Haustier’, lat. pecū ‘Vieh, Vermögen’, lit. pẽkus, apreuß. peku, pekan (Akkusativ) ‘Vieh’ vorliegt, so daß ie. *pek̑u- ‘(Klein)vieh’ angesetzt werden kann. Vergleicht man noch (mit anderer Stammbildung) anord. fær, aschwed. fār ‘Schaf’ (germ. *fahaz), lat. pecus (Genitiv pecoris) n. kollektiv ‘(Klein)vieh, Schafe’, pecus (Genitiv pecudis) f. ‘das einzelne Stück Vieh, Schaf’ und griech. pókos, pékos (πόκος, πέκος) ‘abgerupfte, abgeschorene Schafwolle, Vlies’, ahd. (8. Jh.), asächs. fahs, aengl. feax ‘Haupthaar’, anord. fax ‘Mähne’, aengl. feht ‘Vlies’, mnl. nl. vacht ‘Vlies, wolliges Fell’, weiter griech. pékein (πέκειν) ‘(sich) kämmen, krempeln, scheren’, lat. pectere ‘kämmen’, lit. pèšti ‘zupfen, rupfen, ausreißen, pflücken, raufen’, so führt dies auf eine Wurzel ie. *pek̑- ‘Wolle oder Haare rupfen, zausen, raufen’. Für ie. *pek̑u- ist daher wohl eine Grundbedeutung ‘das, was (ursprünglich) gezupft, (später) geschoren wird, Wolltier, Schaf’ anzunehmen. Da Vieh in früher Zeit als Tauschmittel an Stelle des Geldes verwendet wurde und Gradmesser für den Besitzstand darstellte, ist ein Bedeutungsübergang zu ‘Vermögen, Habe, Besitz, Geld’ erklärbar; vgl. auch von lat. pecū (s. oben) abgeleitetes lat. pecūnia ‘Vermögen, Geld(summe)’. – viehisch Adj. ‘roh, brutal, vertiert, bestialisch’, mhd. vihisch ‘tierisch’. Viech n. umgangssprachlich ‘Vieh, Tier, roher Mensch’, mhd. vich, spätmhd. vicht, mundartliche Nebenform von mhd. vihe.