lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

Leidenschaft

nhd. bis spez. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
Anchors
10 in 10 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
Verweise rein
33
Verweise raus
47

Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

Leidenschaft

Leidenschaft

leiden Vb. ‘von körperlichem oder seelischem Schmerz gequält werden’, mit Akkusativ ‘etw. ausstehen müssen, ertragen, dulden, zulassen’, daher auch (bereits frühnhd.) jmdn., etw. (nicht) leiden können; ahd. līdan ‘ertragen, erdulden’ (Otfrid, 9. Jh., doch zuvor wohl schon gilīdan ‘mit jmdm. dulden’ für spätlat. compatī, 8. Jh. in St. Gallen), mhd. līden ‘ertragen, erdulden’ (vereinzelt ‘dulden’ ohne Akkusativobjekt), mnd. mnl. līden, nl. lijden, afries. lītha, schwed. lida, dän. lide ‘ertragen, dulden’. das gemeingerm. Verb bedeutet ursprünglich ‘sich fortbewegen, gehen, vergehen’, so got. -leiþan (in Präfixbildungen), anord. līða (auch ‘dahingehen, sterben’; daneben spät ein schwaches Verb anord. līða ‘leiden, dulden’, unter mnd. Einfluß), asächs. līðan, aengl. līþan; Reste des alten Gebrauchs sind gleichfalls ahd. līdan im Sinne von ‘fahren, vergehen’ (8. Jh., meist in präfigierten Formen; hierzu wohl bereits langobard. līd in laib ‘geh ins Erbe!’, 7. Jh.), mhd. mnd. mnl. līden ‘gehen, vorübergehen’, nl. geleden Part. Prät. ‘vergangen, verflossen’, ferner schwed. lida, dän. lide ‘fortschreiten, vergehen’ (von der Zeit); s. auch leiten. Der im Ahd. zuerst nachzuweisende Bedeutungswandel setzt sich offenbar von Süden (alem., rheinfrk.) nach Norden durch, erreicht um 1300 die Küste und findet vom Nd. aus Eingang ins Nl., Fries. und in die nord. Sprachen. Diese semantische Entwicklung, die sich ebenso bei der später bezeugten Präfixbildung erleiden Vb. ‘etw. ertragen müssen, erdulden, durch etw. Schaden nehmen’ vollzieht (ahd. irlīdan ‘durchlaufen, bis zu Ende gehen, erreichen, fertigbringen’, 9. Jh., ‘durchstehen, erdulden’, um 1000, mhd. erlīden ‘bis zu Ende gehen, bestehen, erleben, ertragen’; vgl. got. usleiþan ‘weggehen, vergehen’), beruht vielleicht auf Einfluß der unter Leid (s. d.) dargestellten Wortgruppe, die jedoch etymologisch von leiden zu trennen ist. Da für germ. *līþan sichere Verwandte außerhalb des Germ. fehlen, bleibt sein Ursprung trotz mehrfacher Herleitungsversuche fraglich. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang mit toch. AB lit- ‘fortgehen’, awest. raēθ- ‘sterben’, außerdem wird auf griech. ló͞itē (λοίτη) ‘Grab’, loité͞uein (λοιτεύειν) ‘begraben’ hingewiesen; dann wäre eine gemeinsame Wurzel ie. *leit(h)- ‘gehen, fortgehen, sterben’ anzunehmen. – Leiden n. ‘anhaltende Krankheit’, auch allgemeiner ‘Qual, Pein’, heute vor allem ‘seelischer Schmerz’, mhd. līden ‘Leiden Trübsal, Plage’; substantivierter Infinitiv des starken Verbs mhd. līden ‘ertragen, dulden’ (s. oben), der sich im Nhd. zunehmend verselbständigt (seit dem 18. Jh. wird dazu ein Plural gebildet), wohl begünstigt durch den biblischen Gebrauch; vgl. das Leiden Christi (häufig als Schwur- und Beteuerungsformel beim Leiden Gottes, Christi). Leidenschaft f. ‘intensive, das gesamte Verhalten bestimmende und vom Verstand nur schwer zu steuernde emotionale Reaktion’, namentlich ‘heftige Zuneigung zu einer Person, ausgeprägter Hang zu bestimmten Tätigkeiten oder Dingen’, Mitte des 17. Jhs. aufkommendes, jedoch erst im 18. Jh. geläufiges Übersetzungswort für frz. passion, auch für frz. passibilité (dieses eigentlich ‘Leidens-, Empfindungsfähigkeit’, vgl. lat. passio ‘Leiden’, spätlat. ‘Empfindsamkeit’, spätlat. passibilitās ‘Leidensfähigkeit’); Ableitung mit dem Kompositionssuffix -schaft (s. d.) vom substantivierten Infinitiv Leiden (wie Wissenschaft, s. d.); dazu leidenschaftlich Adj. ‘von Leidenschaft getrieben, überaus heftig, von starker Zuneigung, großer Begeisterung erfüllt’ (18. Jh.). leidlich Adj. ‘gerade noch zu dulden, erträglich, halbwegs gut’ (15. Jh.), spätmhd. līdelich ‘leidend, für körperliche Leiden empfänglich, geduldig’ (zu mhd. līden ‘ertragen, dulden’).
3716 Zeichen · 106 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Leidenschaft

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Leidenschaft , plur. die -en. 1) In der weitesten Bedeutung, eine Veränderung, welche von außen in einem Dinge hervo…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Leidenschaft

    Goethe-Wörterbuch

    Leidenschaft in frühen Br häufig, ansonsten (besonders vor etwa 1790) gelegentlich -ff-, vereinzelt Kleinschr; über 800 …

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Leidenschaft

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Leidenschaft (lat. Passio , franz. u. engl. Passion ), der wörtlichen Bedeutung nach ein Zustand des Leidens, d. h. des …

  4. modern
    Dialekt
    Leidenschaftf.

    Mecklenburgisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Leidenschaft f. hd. Wort, doch im Sinne von Leid, Trübsal, Kümmernis, Widerwärtigkeit: (ein) Minsk, dei so all Leidensch…

  5. Sprichwörter
    Leidenschaft

    Wander (Sprichwörter)

    Leidenschaft 1. Dat sind Leidenschaften, säd' Härtel, dôr lêpen em de Hamel weg. – Hoefer, 440. 2. Die Leidenschaft ist …

  6. Spezial
    Leidenschaft

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Lei|den|schaft f. (-,-en) 1 (heftige Liebe) pasciun f. 2 (Begeisterung) entusiasm (-s) m. , pasciun f. 3 afet (afec) m. …

Verweisungsnetz

67 Knoten, 72 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 2 Hub 1 Kompositum 57 Sackgasse 7

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit leidenschaft

24 Bildungen · 22 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von leidenschaft

leiden + -schaft

leidenschaft leitet sich vom Lemma leiden ab mit Suffix -schaft.

leidenschaft‑ als Erstglied (22 von 22)

Leidenschaftfrei

Campe

leidenschaft·frei

○ Leidenschaftfrei , adj . u. adv . frei von Leidenschaft oder Leidenschaften. »Sie mußte diese traurige Geschichte erzählen; sie that es mi…

leidenschaftlich

DWB

leidenschaft·lich

leidenschaftlich , adj. und adv. , erst später nach leidenschaft gebildet. 1 1) einem heftigen seelenverlangen gemäsz: man sagt zwar von den…

Leidenschaftlos

Campe

leiden·schaftlos

○ Leidenschaftlos , adj . u. adv . frei von Leidenschaft oder Leidenschaften, ohne Leidenschaft. Davon die Leidenschaftlosigkeit .

leidenschaftslos

DWB

leidenschaft·s·los

leidenschaftslos , leidenschaftlos , adj. : mein wunsch Wielanden, der sich so liberal gegen mich betragen hatte, persönlich etwas freundlic…

leidenschaft als Zweitglied (1 von 1)

Mitleidenschaft

RDWB1

Mitleidenschaft f in ~ ziehen fest. , idiom. : увлекать за собой, вовлекать, участвовать Der Hund wedekt mit dem Schwanz, und das Unterleib …

Ableitungen von leidenschaft (1 von 1)

unleidenschaftlich

DWB

unleidenschaftlich , adj. adv. , gth. v. leidenschaftlich: Lenz dram. nachl. 262 ; Fr. A. Wolf an Heyne 106 ; J. v. Müller 6, 319 ; Fichte 5…