lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

Leidenschaft

nhd. bis spez. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
10 in 10 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
Verweise rein
33
Verweise raus
47

Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Leidenschaft

Bd. 12, Sp. 367
Leidenschaft (lat. Passio, franz. u. engl. Passion), der wörtlichen Bedeutung nach ein Zustand des Leidens, d. h. des vollständigen Beherrschtseins der Seele durch übermächtige (innere) Antriebe; daher werden oft die Affekte oder Gemütsbewegungen (s. d.) auch Leidenschaften und wird ein zu heftigen Affekten neigender und von ihnen leicht fortgerissener Mensch ein leidenschaftlicher genannt. Im engern Sinne versteht man unter L. jedes einseitige und dabei abnorm heftige Wollen oder Streben (eine »Sucht«), z. B. die L. des Trinkers, des Geizigen, des Herrschsüchtigen, des Verliebten, des Sammlers etc. Während die eigentlichen Affekte vorübergehende Störungen des seelischen Gleichgewichts darstellen, besteht die L. (im engern Sinne) in der übermäßigen Entwickelung einer einzelnen Neigung, die alle andern zurückdrängt; der Leidenschaftliche hat nur Sinn für den Gegenstand seiner L., er kennt keinen andern oder wenigstens keinen höhern Zweck als ihre Befriedigung und richtet hiernach sein ganzes Verhalten ein. Die L. macht also zwar, indem sie die Aufmerksamkeit beständig auf einen Punkt gerichtet hält, blind für alles nicht in ihrer Richtung Liegende, aber sie hebt doch deswegen nicht immer (wie der Affekt) das klare Denken gänzlich auf, sondern spornt es vielmehr oft zu ungewöhnlichen Leistungen (in der Aufsuchung der ihrem Zweck dienlichen Mittel) an und kann so die Triebfeder glänzender Erfolge werden. Da jedes, auch das an sich berechtigte Streben zur L. ausarten kann, sobald es alleinherrschend wird, so ist zwar die L. nicht immer an sich (ihres Zieles wegen) unsittlich, aber sie wirkt doch in allen Fällen schädlich, insofern sie die geistige Freiheit, die Grundbedingung des sittlichen Handelns, beeinträchtigt. Der von einer L. Ergriffene ist unfähig, die einzelnen Lebenszwecke nach ihrem wahren Wertverhältnis abzuschätzen und sie dem sittlichen Endzweck unterzuordnen, er betrachtet vielmehr alles unter dem Gesichtswinkel seiner L. und wird so oft zu Handlungen getrieben, die er später bereut. Dem »Dämon« der L. durch Selbsterziehung entgegenzuwirken, ist daher sittliche Pflicht, und die Schuld z. B. des aus Eifersucht Mordenden (Othello) liegt zwar nicht darin, daß ihn die Eifersucht zum Morde getrieben, aber doch darin, daß er der Eifersucht soviel unerlaubte Macht über sein Wollen eingeräumt hat. Dramatiker, die ihre aus L. schuldigen Helden entlasten wollen, suchen daher die Entstehung der L. und ihrer Macht über jene begreiflich zu machen (»Macbeth«, »Richard III.«).
2519 Zeichen · 33 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Leidenschaft

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Leidenschaft , plur. die -en. 1) In der weitesten Bedeutung, eine Veränderung, welche von außen in einem Dinge hervo…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Leidenschaft

    Goethe-Wörterbuch

    Leidenschaft in frühen Br häufig, ansonsten (besonders vor etwa 1790) gelegentlich -ff-, vereinzelt Kleinschr; über 800 …

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Leidenschaft

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Leidenschaft (lat. Passio , franz. u. engl. Passion ), der wörtlichen Bedeutung nach ein Zustand des Leidens, d. h. des …

  4. modern
    Dialekt
    Leidenschaftf.

    Mecklenburgisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Leidenschaft f. hd. Wort, doch im Sinne von Leid, Trübsal, Kümmernis, Widerwärtigkeit: (ein) Minsk, dei so all Leidensch…

  5. Sprichwörter
    Leidenschaft

    Wander (Sprichwörter)

    Leidenschaft 1. Dat sind Leidenschaften, säd' Härtel, dôr lêpen em de Hamel weg. – Hoefer, 440. 2. Die Leidenschaft ist …

  6. Spezial
    Leidenschaft

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Lei|den|schaft f. (-,-en) 1 (heftige Liebe) pasciun f. 2 (Begeisterung) entusiasm (-s) m. , pasciun f. 3 afet (afec) m. …

Verweisungsnetz

67 Knoten, 72 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 2 Hub 1 Kompositum 57 Sackgasse 7

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit leidenschaft

24 Bildungen · 22 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von leidenschaft

leiden + -schaft

leidenschaft leitet sich vom Lemma leiden ab mit Suffix -schaft.

leidenschaft‑ als Erstglied (22 von 22)

Leidenschaftfrei

Campe

leidenschaft·frei

○ Leidenschaftfrei , adj . u. adv . frei von Leidenschaft oder Leidenschaften. »Sie mußte diese traurige Geschichte erzählen; sie that es mi…

leidenschaftlich

DWB

leidenschaft·lich

leidenschaftlich , adj. und adv. , erst später nach leidenschaft gebildet. 1 1) einem heftigen seelenverlangen gemäsz: man sagt zwar von den…

Leidenschaftlos

Campe

leiden·schaftlos

○ Leidenschaftlos , adj . u. adv . frei von Leidenschaft oder Leidenschaften, ohne Leidenschaft. Davon die Leidenschaftlosigkeit .

leidenschaftslos

DWB

leidenschaft·s·los

leidenschaftslos , leidenschaftlos , adj. : mein wunsch Wielanden, der sich so liberal gegen mich betragen hatte, persönlich etwas freundlic…

leidenschaft als Zweitglied (1 von 1)

Mitleidenschaft

RDWB1

Mitleidenschaft f in ~ ziehen fest. , idiom. : увлекать за собой, вовлекать, участвовать Der Hund wedekt mit dem Schwanz, und das Unterleib …

Ableitungen von leidenschaft (1 von 1)

unleidenschaftlich

DWB

unleidenschaftlich , adj. adv. , gth. v. leidenschaftlich: Lenz dram. nachl. 262 ; Fr. A. Wolf an Heyne 106 ; J. v. Müller 6, 319 ; Fichte 5…