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erbarmen

mhd. bis spez. · 22 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
Anchors
33 in 22 Wb.
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Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

erbarmen

erbarmen

barmen Vb. ‘mit Mitgefühl erfüllen’ (selten), ‘jammern, klagen, lamentieren’ (nordd. und omd.). Die got. Kirchensprache bildet zur Übersetzung von griech. eleé͞in (ἐλεεῖν) ‘bemitleiden, Mitleid, Erbarmen haben’ nach dem Muster von gleichbed. lat. miserēre bzw. miserērī (zu lat. miser ‘elend, kläglich, bejammernswert, arm’) ein von got. arms ‘beklagenswert, elend’ abgeleitetes Verb got. arman ‘sich erbarmen’. Ein an das Adj. ahd. arm ‘gering, hilflos, schwach, besitzlos, arm’ (s. arm) sich anschließendes Verb ahd. armēn (9. Jh.) bedeutet ‘arm werden, Not leiden’, so daß die Kirchensprache zur Wiedergabe von ‘sich erbarmen, Mitleid erregen’ präfigiertes ahd. *bi-armën benutzt, belegt (10. Jh.) in der adverbial gebrauchten Partizipialform barmēnto ‘erbarmend, voll Erbarmen’ (für lat. miserando); vgl. mit anderem Präfix und anderer Stammbildung aengl. ofearmian ‘mitleidig sein, Erbarmen zeigen’ (zu aengl. earmian ‘bemitleiden, bedauern’, von aengl. earm ‘arm’). Zusammengezogenes und darum als Einheit empfundenes ahd. barmēn wird im Hinblick auf seine durativ-inchoative Bedeutung erneut präfigiert, so daß ahd. irbarmēn, nhd. erbarmen (s. unten) entsteht. Diese Weiterbildung wird zum geläufigen Verb im Dt.; mhd. barmen ‘(sich) erbarmen, Mitleid erregen’ bleibt selten, nhd. barmen wird weithin in die Mundarten abgedrängt und entwickelt im Nordd. und Omd. die oben angegebene Bedeutung ‘jammern, klagen, kläglich tun’, mit der es im 19. Jh. auch in die Literatursprache eingeht. – erbarmen Vb. ‘jmds. Mitleid erregen, jmdm. leid tun’, (reflexiv) ‘sich aus Mitleid und Barmherzigkeit jmds. annehmen, mildtätig sein’. Ahd. irbarmēn ‘sich zu jmdm. herablassen, sich die Not eines anderen zu eigen machen, Mitleid empfinden oder erregen’ (9. Jh.), mhd. erbarmen ‘Mitleid haben, gerührt werden, rühren’. Weiterbildung mit dem Präfix ahd. ir- (s. er-) von ahd. barmēn (s. oben). Erbarmung f. ‘Barmherzigkeit, Mitleid’, ahd. irbarmunga (10. Jh.), mhd. erbarmunge. Erbarmen n. ‘Mildtätigkeit, Mitleid’, mhd. erbarmen, substantivierter Infinitiv. erbärmlich Adj. ‘elend, ärmlich, nichtswürdig’ (16. Jh.), ahd. irbarmalīh ‘Erbarmen erregend’ (um 1000); vgl. mhd. erbarmeclich ‘barmherzig, erbarmenswert’. barmherzig Adj. ‘mitfühlend, mitleidsvoll, mildtätig’ (gegenüber Bedürftigen), mhd. barmherzec, Weiterbildung von mhd. barmherze, ahd. barmherzi ‘voll Erbarmen’, eigentlich ‘ein barmendes Herz habend’ (11. Jh.), das unter dem Einfluß von ahd. (ir)barmēn aus ahd. armherz ‘barmherzig’ als Eigenschaft Gottes und der nach seinem Willen handelnden Menschen (9. Jh.) hervorgegangen ist (vgl. auch ahd. armherzīg, 11. Jh.). Dies ist eine Bildung aus ahd. arm (s. oben) und ahd. herza (s. Herz) unter dem Einfluß der got. Kirchensprache, die einem nach dem Muster von lat. misericors ‘mitleidig’ (eigentlich ‘ein mitleidiges Herz habend’, zu lat. miserēre, -ērī bzw. miser und cor ‘Herz’) entstandenen got. armahaírts folgt; vgl. auch aengl. earmheort neben (umgebildetem) anord. aumhjartaðr. Weitere Überlegungen zur Bildungsweise des got. Adjektivs bringt Beck in: ZfdPh 98 (Sonderheft 1979) 109 ff. Barmherzigkeit f. ‘Erbarmen, Mitgefühl, Mildtätigkeit’, mhd. barmherzekeit; vgl. daneben got. armahaírtiþa, ahd. armherzida (8. Jh.), mhd. barmherzede sowie got. armahaírtei, ahd. armherzī (9. Jh.).

3303 Zeichen · 116 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    erbarmenstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +8 Parallelbelege

    erbarmen stn. mitleid. erbarmen, dir müeʒen alle tugende nîgen amgb. 14. a.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    erbarmensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    erbarmen , sw. V. nhd. erbarmen, sich erbarmen Hw.: s. entbarmen (1), entvarmen (1), vörbarmen, erbermen; vgl. mhd. erba…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Erbarmen

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Erbarmen , verb. reg. Barmherzigkeit empfinden, und diese Empfindung an den Tag legen. Es ist in einer doppelten Gestalt…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    erbarmen

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    erbarmen a ‘sich (jds, jds Situation, auch: üb jdn) e.’: Barmherzigkeit, Mitleid empfinden (für jdn) u helfen, mehrf von…

  5. modern
    Dialekt
    erbarmen

    Bayerisches Wörterbuch · +9 Parallelbelege

    erbarmen Band 1, Spalte 1,1172f.

  6. Sprichwörter
    Erbarmen

    Wander (Sprichwörter)

    Erbarmen 1. Ist das nicht zu erbarmen, die Reichen fressen die Armen. – Gruter, III, 55; Lehmann, II, 284, 57. 2. Zu vie…

  7. Spezial
    Erbarmen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    Er|bar|men n. (-s) (Barmherzigkeit) misericordia f. , compasciun f. , pieté f. , comiseraziun f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit erbarmen

13 Bildungen · 5 Erstglied · 6 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von erbarmen

er- + barmen

erbarmen leitet sich vom Lemma barmen ab mit Präfix er-.

Zerlegung von erbarmen 2 Komponenten

erbar+men

erbarmen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

erbarmen‑ als Erstglied (5 von 5)

erbarmende

KöblerMhd

erbar·mende

erbarmende , st. F. nhd. Barmherzigkeit Hw.: s. erbermede E.: s. erbarmen (1) W.: vgl. nhd. (ält.) Erbärmde, F., Erbärmde, DW2 8, 1577 L.: L…

erbarmensvoll

DWB

erbarmen·s·voll

erbarmensvoll : wir wissen, dasz gegen uns sein herz erbarmensvoll oft bricht. Rompler 140 .

ERBARMENSWERT

DWB2

erbarmen·swert

ERBARMENSWERT adj. zuss. mit erbarmen n. mitleiderregend bedauernswert: 1657 ein jedes gab ein zeichen/ des traurens über dich, erbarmens=we…

erbarmenswerth

DWB

erbarmen·s·werth

erbarmenswerth : eine alte jungfer ohne geld, ohne schönheit, ohne freunde und ohne verstand ist eine erbarmenswerthe kreatur. Rabener 3, 19…

Erbarmenswürdig

Campe

erbarmen·s·wuerdig

Erbarmenswürdig , — er, — este, adj. u. adv. werth oder würdig des Erbarmens. Ein erbarmenswerther Mensch. Er sieht erbarmenswerth aus. — O …

erbarmen als Zweitglied (6 von 6)

enerbarmen

KöblerMhd

ener·barmen

enerbarmen , sw. V. nhd. sich erbarmen, erbarmen Q.: HlReg (FB en erbarmen), LAlex (1150-1170) E.: s. en, erbarmen W.: nhd. DW2- L.: Lexer 3…

ent|erbarmen

MWB

ent|erbarmen swV. ‘sich erbarmen’ unser herre inerbarmet sich zu allen ziten uber di armen HlReg 31,7 MWB 1 1659,48; Bearbeiter: Runow

inerbarmen

MWB

inerbarmen swV. → enterbarmen MWB 2 1886,36;

underbarmen

MNWB

under·barmen

° underbarmen , swv. : sich erbarmen, „ In deme, so se rechte bote doen, wart de vorfolginge den tirannen und sectenmesters up orem hovede b…

Ableitungen von erbarmen (2 von 2)

enterbarmen

KöblerMhd

enterbarmen , sw. V. Vw.: s. enerbarmen

unerbarmen

DWB

unerbarmen , als adv. versteinert, ohne erbarmen Sachs 19, 121, 15 K.-G.; andererseits onerbarmblich Pontus 14. unerbarmend J. Grimm kl. sch…