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erleiden

mhd. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
Anchors
15 in 13 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
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23
Verweise raus
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Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

erleiden

erleiden

leiden Vb. ‘von körperlichem oder seelischem Schmerz gequält werden’, mit Akkusativ ‘etw. ausstehen müssen, ertragen, dulden, zulassen’, daher auch (bereits frühnhd.) jmdn., etw. (nicht) leiden können; ahd. līdan ‘ertragen, erdulden’ (Otfrid, 9. Jh., doch zuvor wohl schon gilīdan ‘mit jmdm. dulden’ für spätlat. compatī, 8. Jh. in St. Gallen), mhd. līden ‘ertragen, erdulden’ (vereinzelt ‘dulden’ ohne Akkusativobjekt), mnd. mnl. līden, nl. lijden, afries. lītha, schwed. lida, dän. lide ‘ertragen, dulden’. das gemeingerm. Verb bedeutet ursprünglich ‘sich fortbewegen, gehen, vergehen’, so got. -leiþan (in Präfixbildungen), anord. līða (auch ‘dahingehen, sterben’; daneben spät ein schwaches Verb anord. līða ‘leiden, dulden’, unter mnd. Einfluß), asächs. līðan, aengl. līþan; Reste des alten Gebrauchs sind gleichfalls ahd. līdan im Sinne von ‘fahren, vergehen’ (8. Jh., meist in präfigierten Formen; hierzu wohl bereits langobard. līd in laib ‘geh ins Erbe!’, 7. Jh.), mhd. mnd. mnl. līden ‘gehen, vorübergehen’, nl. geleden Part. Prät. ‘vergangen, verflossen’, ferner schwed. lida, dän. lide ‘fortschreiten, vergehen’ (von der Zeit); s. auch leiten. Der im Ahd. zuerst nachzuweisende Bedeutungswandel setzt sich offenbar von Süden (alem., rheinfrk.) nach Norden durch, erreicht um 1300 die Küste und findet vom Nd. aus Eingang ins Nl., Fries. und in die nord. Sprachen. Diese semantische Entwicklung, die sich ebenso bei der später bezeugten Präfixbildung erleiden Vb. ‘etw. ertragen müssen, erdulden, durch etw. Schaden nehmen’ vollzieht (ahd. irlīdan ‘durchlaufen, bis zu Ende gehen, erreichen, fertigbringen’, 9. Jh., ‘durchstehen, erdulden’, um 1000, mhd. erlīden ‘bis zu Ende gehen, bestehen, erleben, ertragen’; vgl. got. usleiþan ‘weggehen, vergehen’), beruht vielleicht auf Einfluß der unter Leid (s. d.) dargestellten Wortgruppe, die jedoch etymologisch von leiden zu trennen ist. Da für germ. *līþan sichere Verwandte außerhalb des Germ. fehlen, bleibt sein Ursprung trotz mehrfacher Herleitungsversuche fraglich. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang mit toch. AB lit- ‘fortgehen’, awest. raēθ- ‘sterben’, außerdem wird auf griech. ló͞itē (λοίτη) ‘Grab’, loité͞uein (λοιτεύειν) ‘begraben’ hingewiesen; dann wäre eine gemeinsame Wurzel ie. *leit(h)- ‘gehen, fortgehen, sterben’ anzunehmen. – Leiden n. ‘anhaltende Krankheit’, auch allgemeiner ‘Qual, Pein’, heute vor allem ‘seelischer Schmerz’, mhd. līden ‘Leiden Trübsal, Plage’; substantivierter Infinitiv des starken Verbs mhd. līden ‘ertragen, dulden’ (s. oben), der sich im Nhd. zunehmend verselbständigt (seit dem 18. Jh. wird dazu ein Plural gebildet), wohl begünstigt durch den biblischen Gebrauch; vgl. das Leiden Christi (häufig als Schwur- und Beteuerungsformel beim Leiden Gottes, Christi). Leidenschaft f. ‘intensive, das gesamte Verhalten bestimmende und vom Verstand nur schwer zu steuernde emotionale Reaktion’, namentlich ‘heftige Zuneigung zu einer Person, ausgeprägter Hang zu bestimmten Tätigkeiten oder Dingen’, Mitte des 17. Jhs. aufkommendes, jedoch erst im 18. Jh. geläufiges Übersetzungswort für frz. passion, auch für frz. passibilité (dieses eigentlich ‘Leidens-, Empfindungsfähigkeit’, vgl. lat. passio ‘Leiden’, spätlat. ‘Empfindsamkeit’, spätlat. passibilitās ‘Leidensfähigkeit’); Ableitung mit dem Kompositionssuffix -schaft (s. d.) vom substantivierten Infinitiv Leiden (wie Wissenschaft, s. d.); dazu leidenschaftlich Adj. ‘von Leidenschaft getrieben, überaus heftig, von starker Zuneigung, großer Begeisterung erfüllt’ (18. Jh.). leidlich Adj. ‘gerade noch zu dulden, erträglich, halbwegs gut’ (15. Jh.), spätmhd. līdelich ‘leidend, für körperliche Leiden empfänglich, geduldig’ (zu mhd. līden ‘ertragen, dulden’).
3716 Zeichen · 106 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    erleidenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +4 Parallelbelege

    er-leiden swv. BMZ intr. leid, verleidet sein. daʒ mir dur nôt daʒ singen muoʒ erleiden Singenb. 226,1 ; tr. leid machen…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Erleiden

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Erleiden , verb. irreg. act. S. Adelung Leiden , mit welchem einfachen Zeitworte es 1) auch in der Bedeutung überein kom…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    erleiden

    Goethe-Wörterbuch

    erleiden vereinzelt PartPräs subst a an, unter etw leiden, etw schmerzhaft empfinden, auch: etw (seel-körperl) ertragen,…

  4. Sprichwörter
    Erleiden

    Wander (Sprichwörter)

    Erleiden 1. Es mag sich schon erleiden, dass man den Käs bettelt und geben ihn doch die Kühe. – Kirchhofer, 253. 2. Man …

  5. Spezial
    erleiden

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    er|lei|den vb.tr. 1 (zugefügt bekommen) gní fat 2 (erdulden, ertragen) patí (patësc), sofrí (-rësc), tigní fora, soporté…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit erleiden

6 Bildungen · 2 Erstglied · 4 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von erleiden

er- + leiden

erleiden leitet sich vom Lemma leiden ab mit Präfix er-.

Zerlegung von erleiden 2 Komponenten

erl+eiden

erleiden setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

erleiden‑ als Erstglied (2 von 2)

erleidenlich

DWB

erleiden·lich

erleidenlich , tolerabilis, erträglich, leidlich, von erleiden = mhd. erlîden gebildet: item so man ein besatzung eins schlosz je nicht leng…

erleidentlich

DWB

erleidentlich , dasselbe: es wäre aber vor die leute im haus erleidentlicher, doch nicht zu ihrer besserung ersprieszlicher gewesen. Simpl. …

erleiden als Zweitglied (4 von 4)

Hungerleiden

Wander

hunger·leiden

Hungerleiden 1. Bei denen ist Hungerleiden Broatis (Gebratenes). ( Alpheim bei Riedlingen. ) 2. Bei denen ist Hungerleiden Trumpf. ( Alpheim…

ȫverlêiden

MNWB

oever·leiden

ȫverlêiden (-leeden) , ōver- (auer-) , swv. : 1. c. A. p. jemdn. (über einen Fluß) hinüberführen , „traducere” (Liljebäck Gl.), de sülve wol…

ümmehērlêⁱden

MNWB

uemmeher·leiden

(ümmehērlêⁱden) , ° ümhērlê(i)den , swv. : umhertreiben, „ dat sodaene Schape nicht in schyn des Halendes und Bringendes den meisten Deel de…

¹vȫrlêⁱden

MNWB

voer·leiden

1 vȫrlêⁱden , vȫre- , swv. , vorführen, vorbringen , spez. einen Zeugen vor Gericht bringen.