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leidlich

nhd. bis spez. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
Anchors
12 in 11 Wb.
Sprachstufen
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Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

leidlich

leidlich

leiden Vb. ‘von körperlichem oder seelischem Schmerz gequält werden’, mit Akkusativ ‘etw. ausstehen müssen, ertragen, dulden, zulassen’, daher auch (bereits frühnhd.) jmdn., etw. (nicht) leiden können; ahd. līdan ‘ertragen, erdulden’ (Otfrid, 9. Jh., doch zuvor wohl schon gilīdan ‘mit jmdm. dulden’ für spätlat. compatī, 8. Jh. in St. Gallen), mhd. līden ‘ertragen, erdulden’ (vereinzelt ‘dulden’ ohne Akkusativobjekt), mnd. mnl. līden, nl. lijden, afries. lītha, schwed. lida, dän. lide ‘ertragen, dulden’. das gemeingerm. Verb bedeutet ursprünglich ‘sich fortbewegen, gehen, vergehen’, so got. -leiþan (in Präfixbildungen), anord. līða (auch ‘dahingehen, sterben’; daneben spät ein schwaches Verb anord. līða ‘leiden, dulden’, unter mnd. Einfluß), asächs. līðan, aengl. līþan; Reste des alten Gebrauchs sind gleichfalls ahd. līdan im Sinne von ‘fahren, vergehen’ (8. Jh., meist in präfigierten Formen; hierzu wohl bereits langobard. līd in laib ‘geh ins Erbe!’, 7. Jh.), mhd. mnd. mnl. līden ‘gehen, vorübergehen’, nl. geleden Part. Prät. ‘vergangen, verflossen’, ferner schwed. lida, dän. lide ‘fortschreiten, vergehen’ (von der Zeit); s. auch leiten. Der im Ahd. zuerst nachzuweisende Bedeutungswandel setzt sich offenbar von Süden (alem., rheinfrk.) nach Norden durch, erreicht um 1300 die Küste und findet vom Nd. aus Eingang ins Nl., Fries. und in die nord. Sprachen. Diese semantische Entwicklung, die sich ebenso bei der später bezeugten Präfixbildung erleiden Vb. ‘etw. ertragen müssen, erdulden, durch etw. Schaden nehmen’ vollzieht (ahd. irlīdan ‘durchlaufen, bis zu Ende gehen, erreichen, fertigbringen’, 9. Jh., ‘durchstehen, erdulden’, um 1000, mhd. erlīden ‘bis zu Ende gehen, bestehen, erleben, ertragen’; vgl. got. usleiþan ‘weggehen, vergehen’), beruht vielleicht auf Einfluß der unter Leid (s. d.) dargestellten Wortgruppe, die jedoch etymologisch von leiden zu trennen ist. Da für germ. *līþan sichere Verwandte außerhalb des Germ. fehlen, bleibt sein Ursprung trotz mehrfacher Herleitungsversuche fraglich. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang mit toch. AB lit- ‘fortgehen’, awest. raēθ- ‘sterben’, außerdem wird auf griech. ló͞itē (λοίτη) ‘Grab’, loité͞uein (λοιτεύειν) ‘begraben’ hingewiesen; dann wäre eine gemeinsame Wurzel ie. *leit(h)- ‘gehen, fortgehen, sterben’ anzunehmen. – Leiden n. ‘anhaltende Krankheit’, auch allgemeiner ‘Qual, Pein’, heute vor allem ‘seelischer Schmerz’, mhd. līden ‘Leiden Trübsal, Plage’; substantivierter Infinitiv des starken Verbs mhd. līden ‘ertragen, dulden’ (s. oben), der sich im Nhd. zunehmend verselbständigt (seit dem 18. Jh. wird dazu ein Plural gebildet), wohl begünstigt durch den biblischen Gebrauch; vgl. das Leiden Christi (häufig als Schwur- und Beteuerungsformel beim Leiden Gottes, Christi). Leidenschaft f. ‘intensive, das gesamte Verhalten bestimmende und vom Verstand nur schwer zu steuernde emotionale Reaktion’, namentlich ‘heftige Zuneigung zu einer Person, ausgeprägter Hang zu bestimmten Tätigkeiten oder Dingen’, Mitte des 17. Jhs. aufkommendes, jedoch erst im 18. Jh. geläufiges Übersetzungswort für frz. passion, auch für frz. passibilité (dieses eigentlich ‘Leidens-, Empfindungsfähigkeit’, vgl. lat. passio ‘Leiden’, spätlat. ‘Empfindsamkeit’, spätlat. passibilitās ‘Leidensfähigkeit’); Ableitung mit dem Kompositionssuffix -schaft (s. d.) vom substantivierten Infinitiv Leiden (wie Wissenschaft, s. d.); dazu leidenschaftlich Adj. ‘von Leidenschaft getrieben, überaus heftig, von starker Zuneigung, großer Begeisterung erfüllt’ (18. Jh.). leidlich Adj. ‘gerade noch zu dulden, erträglich, halbwegs gut’ (15. Jh.), spätmhd. līdelich ‘leidend, für körperliche Leiden empfänglich, geduldig’ (zu mhd. līden ‘ertragen, dulden’).
3716 Zeichen · 106 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Leidlich

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Leidlich , -er, -ste, adj. et adv. was sich leiden, d. i. ohne merkliche Unlust empfinden lässet; erträglich. 1) Eigentl…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    leidlich

    Goethe-Wörterbuch

    leidlich gut 700 Belege 1 tolerabel, akzeptabel, agreabel, (mehr od weniger) zufriedenstellend a erträglich, aushaltbar;…

  3. modern
    Dialekt
    leidlich

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    leidlich [læitli Hf. ] Adj. betrübend; nur in [s e mər ə læitlis Krits] es ist mir ein grosses Kreuz, ein grosser Kumme…

  4. Sprichwörter
    Leidlich

    Wander (Sprichwörter)

    Leidlich Wenn's leidlich ist, so soll man's loben. – Simrock, 6321.

  5. Spezial
    leidlich

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    leid|lich adj. 1 azetabl (-i, -a) 2 (annehmbar) tolerabl (-i, -a) 3 (erträglich) soportabl (-i, -a), da soporté 4 passab…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit leidlich

14 Bildungen · 6 Erstglied · 5 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von leidlich

leid + -lich

leidlich leitet sich vom Lemma leid ab mit Suffix -lich.

leidlich‑ als Erstglied (6 von 6)

leidlich I

SHW

leidlich I Band 4, Spalte 267-268

leidlîchên

EWA

leid·lichen

leidlîhAWB adj., im Abr (1,108,13 [Pa, Kb, Ra]) und weiteren Gl., im T, bei O und in HHö: ‚abscheulich, schrecklich, scheußlich, verhasst, h…

leidlichkeit

DWB

leidlich·keit

leidlichkeit , f. tolerabilitas. Frisch 1, 601 c ; temperamentum, mediocritas. Stieler 1137 ; in den begriff der annehmlichkeit, des behagen…

leidlichkeit

FWB

1. ›Schmerz, Leiden, Betrübnis; den Menschen ausmachende körperliche und seelische Gebrechlichkeit‹; 2. s. leidlich 4.

leidlichēn

KöblerAhd

leidlichēn , sw. V. (3, 2) Vw.: s. leidlīhhēn*

leidlich als Zweitglied (5 von 5)

erleidlich

DWB

erle·idlich

erleidlich , tolerabilis, leidlich: dis weib ist nichts werd und ganz unerleidlich ( unleidlich, unerträglich ). Fischart ehz. 18 ; erleidli…

mitleidlich

DWB

mitleid·lich

mitleidlich , adj. wie mitleidenlich 2: und ist diese mitleidliche geduld eine grosze weisheit und tugendt. Melanchthon hauptart. christl. l…

unerleidlich

DWB

unerleidlich , adj. adv. , gegentheil von erleidlich tolerabilis th. 3, 901. früher auch unerleidenlich (die hitz des unerleidenlichen fewer…

unleidlich

DWB

unleid·lich

unleidlich , adj. adv. , gth. v. leidlich. mhd. unlîdelich, -lîtlich, mnd. unlidelik, -litlik, mnl. onlidelijc, nl. onlijdelijk, altschwed. …

Ableitungen von leidlich (3 von 3)

erleidlich

DWB

erleidlich , tolerabilis, leidlich: dis weib ist nichts werd und ganz unerleidlich ( unleidlich, unerträglich ). Fischart ehz. 18 ; erleidli…

unleidlich

DWB

unleidlich , adj. adv. , gth. v. leidlich. mhd. unlîdelich, -lîtlich, mnd. unlidelik, -litlik, mnl. onlidelijc, nl. onlijdelijk, altschwed. …

verleidlich

Idiotikon

verleidlich Band 3, Spalte 1085 verleidlich 3,1085