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unterbinden

mhd. bis spez. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
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11 in 10 Wb.
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Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

unterbinden

unterbinden

unter Präp. und Adv., bezeichnet als Präp. eine räumlich im Verhältnis zu einem Bezugspunkt vertikal tiefere Lage oder Richtung (‘niedriger, tiefer’ als der Bezugspunkt), eine Lage, das Sichbefinden in einer Gruppe, Menge (‘inmitten, zwischen’), ferner das Verhältnis innerhalb einer Rangordnung, Stufenfolge (‘dienstlich unterstellt’), weist modal auf einen Begleitumstand (‘mit’), einen Zustand, in dem sich etw. befindet oder in den etw. versetzt wird (unter Druck stehen oder setzen), gibt das Unterschreiten einer bestimmten Grenze (‘niedriger, weniger, geringer als’) sowie die Gleichzeitigkeit (‘während’) an; als Adv. bezeichnet unter in Verbindung mit Kardinalzahlen das Unterschreiten einer bestimmten Grenze (‘weniger als’, vgl. Jugendliche von unter 14 Jahren). In dem gemeingerm. Wort ahd. untar Präp. ‘in, unter, zwischen’ (8. Jh.), untar Adv. (9. Jh., zweifelhaft), mhd. under, asächs. undar, mnd. under, mnl. nl. onder, aengl. engl. schwed. under, anord. undir, got. undar Präp. sind in germ. Zeit zwei ursprünglich verschiedene Präpositionen zusammengefallen. Die eine, verwandt mit aind. ántaraḥ ‘der innere, der nähere’, antáḥ ‘innen, in, zwischen’, awest. antara- ‘der innere, innen befindlich’, griech. (Plur.) éntera (ἔντερα) ‘Eingeweide’, lat. inter ‘zwischen, unter’ (s. 1inter-), air. eter, etir, etar ‘zwischen’, korn. ynter, yntre ‘zwischen’, aslaw. ǫtrь ‘innen, hinein, innerlich’, aruss. utrь ‘drinnen, hinein’, russ. vnutr’ (внутрь) ‘drinnen, hinein’, führt auf ie. *enter, *ṇter ‘zwischen … hinein’, gebildet mit Komparativsuffix zu der unter in (s. d.) behandelten Präposition ie. *en ‘in’; dazu vgl. (mit no-Suffix) ahd. untarn ‘Mittag(essen)’ (9. Jh.), asächs. undorn ‘Vormittag’, aengl. undern ‘Morgen’, anord. undorn ‘Zwischenzeit’, got. undaúrnimats ‘Frühstück, Mittagsmahl’ (d. i. Zwischenmahlzeit). Die andere, verwandt mit aind. adháḥunten’, ádharaḥ ‘der untere’, lat. īnfer, īnferus ‘der untere’, īnfrā ‘unten, unterhalb, darunter’ (s. infra-) und vielleicht griech. atherízein (ἀθερίζειν) ‘geringachten, verachten, verschmähen’, führt auf ie. *ṇdher ‘unter’. Die alte Bedeutung ‘zwischen’ ist heute noch in Wendungen wie unter uns, unter den Sachen, unter vier Augen erhalten. Mit unter werden zahlreiche Verben gebildet, die zum Teil bis in die ahd. Zeit zurückreichen, wie unterbinden Vb. ‘abschnüren, verhindern, verbieten, unterbrechen’, ahd. untarbintan (9. Jh.), mhd. underbinden ‘zusammenbinden, dazwischentretend trennen, verbieten’; unterbrechen Vb. ‘vorübergehend aufhören, aufhalten, trennen’, ahd. untarbrehhan ‘zerbrechen, zerstören, trennen’ (10. Jh.), mhd. underbrechen ‘verhindern, beendigen’; untergraben Vb. ‘beim Graben darunterbringen, vermengen, auswaschen, unterhöhlen, langsam zerstören’, ahd. untargraban (um 800), mhd. undergraben ‘untergraben, hintergehen, hintertreiben’. unter erscheint aber auch als erster Bestandteil in zusammengesetzten Substantiven (s. unten) und Partizipien wie unterernährt Part.adj. ‘ungenügend ernährt’ (Anfang 20. Jh.), wohl nach engl. underfed; unterentwickelt Part.adj. ‘in der körperlichen, geistigen Entwicklung zurückgeblieben’ (1. Hälfte 20. Jh.). – unter Adj. (heute nur mit Flexionsendung der untere, ein unterer) ‘unten befindlich’, ahd. untaro (um 1000), mhd. under, gebildet zur Präp. (s. oben). Unter m. ihrem Wert nach unter dem Ober stehende, dem Buben, Wenzel entsprechende Spielkarte im deutschen Kartenspiel (um 1500), daneben bis ins 18. Jh. noch der Untere. unterdes Adv. ‘inzwischen, seitdem, mittlerweile’, mhd. under des, gebildet mit dem Genitiv Neutr. des bestimmten Artikels; gelängt unterdessen (16. Jh.); bis ins 17. Jh. werden beide Formen oft noch getrennt geschrieben (s. auch indessen). Untergrundbahn f. ‘elektrisch betriebene, unter der Erdoberfläche fahrende Schnellbahn in Großstädten’ (um 1880), nach engl. underground railway; heute meist gekürzt U-Bahn. Unterseeboot n. ‘(bewaffnetes) Schiff, das tauchen und längere Zeit unter Wassen fahren kann’ (Ende 19. Jh.), nach einem Bildungstyp engl. under sea vessel; im ersten Weltkrieg in Anlehnung an Bezeichnungen wie U 1, U 2 usw. gekürzt zu U-Boot. unterwegs, älter unterwegen Adv. ‘sich auf dem Wege irgendwohin befindend, auf, während der Reise’, ahd. untar wegun (um 1000), mhd. under wegen und in Zusammenschreibung underwegen ‘auf der Reise’, eigentlich ‘im Verlauf der Wegstrecke’. Im 16. Jh. neben unterwegen auch (seltener) unterweg(e) und (mit adverbialem -s) unterwegens; seit Anfang des 18. Jhs. die heute gültige Form unterwegs. Unterwelt f. ‘was sich unter der Erdoberfläche befindet, die dort gedachte Totenwelt’ (in der griechischen Sage), in christlicher Vorstellung ‘Hölle’, anfangs auch ‘Erdenwelt’ im Gegensatz zur ‘Himmelswelt’ (Anfang 16. Jh., geläufig Mitte 17. Jh.). Zusammenrückung von älterem die unter Welt (15. Jh.). Heute auch ‘asoziale Schichten von Kriminellen (in Großstädten), Verbrecherwelt’ (um 1920), nach engl. underworld.
4944 Zeichen · 137 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    unterbindenst. V.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    unterbinden , st. V. Vw.: s. underbinden

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unterbinden

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Unterbinden , verb. irreg. act. S. Adelung Binden . 1) Únterbinden, ich binde unter, unter gebunden, unterzubinden; unte…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unterbinden

    Goethe-Wörterbuch

    unterbinden [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    unterbinden

    Bayerisches Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    unterbinden Band 2, Spalte 2,860f.

  5. Spezial
    unterbinden

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    un|ter|bin|den vb.tr. 1 tigní jö 2 (verhindern) evité (-tëia).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unterbinden

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Zerlegung von unterbinden 2 Komponenten

unter+binden

unterbinden setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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Cotta, M. (2026). „unterbinden". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 11. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/unterbinden/pfeifer_etym
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Cotta, Marcel. „unterbinden". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/unterbinden/pfeifer_etym. Abgerufen 11. May 2026.
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Cotta, Marcel. „unterbinden". lautwandel.de. Zugegriffen 11. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/unterbinden/pfeifer_etym.
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