lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

verlangen

mhd. bis spez. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
Anchors
27 in 16 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
Verweise rein
74
Verweise raus
35

Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

verlangen

verlangen

lang Adj. räumliche und zeitliche Erstreckung bezeichnend, ahd. lang ‘langgestreckt, lange dauernd, ausführlich’ (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. lanc ‘lang, langsam’, asächs. nl. lang, aengl. lang, long, engl. long, anord. langr, schwed. lång, got. laggs wird zusammen mit gleichbed. lat. longus, mpers. drang, pers. dirang ‘lang’ auf ie. *(d)longho-, Adjektivbildung zu einer nasalierten Gutturalerweiterung der Wurzel ie. *del- ‘lang’, zurückgeführt. Unnasaliert liegt die (ursprünglich zum Teil wohl zweisilbige) Gutturalerweiterung vor in aind. dīrgháḥ, griech. dolichós (δολιχός), aslaw. dlьgъ, russ. dólgij (долгий) ‘lang’, ebenso (mit d-Abfall) in lit. ìlgas, lett. ilgs und in got. tulgus ‘fest, standhaft’. Das erste Zeugnis des germ. Adjektivs zeigt der bei Tacitus in lat. Langobardī überlieferte Name der Langobarden, eigentlich ‘Langbärte’. Im Dt. bezeichnet lang sowohl die Erstreckung in einer Dimension, und zwar bei Körpern die der größten Ausdehnung (im Unterschied zu breit oder dick), als auch die Erstreckung in der Zeit. In festen Verbindungen, vgl. lange Finger machen ‘stehlen’, einen langen Hals machen ‘neugierig sein’, ein langes Gesicht machen ‘enttäuscht sein’. – lange Adv. ‘lange Zeit, bei weitem’, ahd. lango ‘vor langer Zeit, längst’ (8. Jh.), mhd. lange, langen ‘seit langem, lange Zeit’. längs Präp. Adv. ‘an etw. entlang, der Länge nach’, mhd. langes, lenges Adv. ‘vor langer Zeit, der Länge nach’, mnd. langes, frühnhd. auch längst (mit hinzugetretenem t, s. unten) sind adverbiale Genitive Sing. des Adjektivs. Das Adverb ist in der Gegenwart kaum noch in Gebrauch (etw. längs schneiden, nordd. längs kommen); als Präp. wird längs seit dem 14. Jh. verwendet. längst Adv. ‘seit langer Zeit, schon lange, bei weitem’, frühnhd. längst, auch langest, leng(e)st. Ursprünglich identisch mit längs (s. oben), dessen adverbiale Verwendung im Sinne von ‘vor langer Zeit’ die durch sekundäres -t erweiterte Form übernimmt; entsprechend unlängst Adv. ‘vor nicht langer Zeit, vor kurzem’, mit unorganischem -t aus dem adverbiellen Genitiv frühnhd. unlang(e)s (15. Jh.), mnd. unlanges, mnl. onlanges. Länge f. ‘Ausdehnung in die Hauptrichtung, Dauer, Längengrad’, ahd. lengī (9. Jh.), mhd. lenge. Länge bezeichnet insbesondere die räumliche Erstreckung im Unterschied zu Höhe und Breite, auch die Körpergröße, und erscheint als Grundwort in Maßbezeichnungen wie Hauptes-, Pferde-, Schiffslänge. langen Vb. ‘ausstrecken, sich erstrecken, reichen, auskommen’, mhd. langen ‘lang werden oder machen, sich ausstrecken, um etw. zu erreichen, Verlangen haben’, ahd. langēn ‘Verlangen haben’ (9. Jh.). anlangen Vb. ‘ankommen’ (16. Jh.). erlangen Vb. ‘bekommen, gewinnen, erwerben, erreichen’, mhd. erlangen ‘sich sehnen, verlangen, erreichen’, auch (unpersönlich) ‘lang dünken, langweilen’. S. auch gelangen, hinlangen. verlangen Vb. ‘nach etw. Sehnsucht haben, etw. begehren, fordern’, mhd. verlangen; Verlangen n. substantivierter Infinitiv, mhd. verlangen, auch ‘Verdruß, Kummer’. länglich Adj. ‘im Verhältnis zur Breite größere Länge aufweisend, ein wenig lang’, ahd. langlīh (9. Jh.), frühnhd. langelich, lengelich (15. Jh.), daneben frühnhd. langlecht, länglicht, mhd. lengeleht. langsam Adj. ‘zögernd, lange Zeit brauchend, träge’, ahd. (8./9. Jh.), asächs. langsam ‘lange dauernd’, aengl. langsum; s. -sam. Daneben ahd. langseimi (10. Jh.), mhd. lancseim; das zweite Wortglied (ahd. -seimi) stellt sich zu mhd. seine ‘langsam, träge’, verwandt mit seit, Seite (s. d.), oder es gehört im Sinne von ‘langsam fließend, tröpfelnd’ zu dem unter Seim (s. d.) behandelten Substantiv; die Bedeutung ‘zögernd, gemächlich, nach und nach’ wird von langsam übernommen. Langeweile f. ‘Gefühl des Nichtausgefülltseins, des Überdrusses, Mangel an Abwechslung’, mhd. lange wīle, Zusammenschreibung vereinzelt seit dem 14. Jh., fest im 17. Jh., doch noch bis zur Gegenwart mit Binnenflexion (aus Langerweile, der Langenweile begegnen); langweilen Vb. ‘Langeweile bereiten’, reflexiv ‘Langeweile haben’ (18. Jh.); langweilig Adj. ‘uninteressant’ (15. Jh.). Langfinger m. ‘Dieb’ (17. Jh.). Langmut f. ‘Geduld, Nachsicht’ (16. Jh.), Rückbildung (da sich ahd. langmuotī, 8. Jh., nicht fortsetzt) aus langmütig Adj. ‘geduldig’, ahd. langmuotīg (10./11. Jh.), mhd. lancmüetec, Weiterbildung des Adjektivs ahd. langmuot (8. Jh.), einer Übersetzung von gleichbed. kirchenlat. longanimis (zu lat. longus ‘lang’ und animus ‘Seele, Mut’). Langohr n. Name des Hasen (auch kleines Langohr) und des Esels (großes Langohr), wohl rotw. (16. Jh.); zu vergleichen ist die ähnliche Benennung des Hasen durch spätlat. aurītus (zu lat. auris ‘Ohr’), des Esels durch die zugehörige Deminutivform lat. aurītulus. Adjektivisches aurītus ‘(in auffälliger Weise) mit Ohren versehen’ dient zur Charakterisierung beider Tiere. langwierig Adj. ‘lange während, viel Zeit erfordernd, mühsam’, frühnhd. langwiric ‘lange dauernd, lange lebend’ (15. Jh.), Zusammensetzung mit dem Adjektiv ahd. wirīg ‘dauernd, dauerhaft’ (um 1000), mhd. wiric ‘dauerhaft’, zu ahd. werēn (s. währen). Weit früher als das Adjektiv erscheint das Abstraktum ahd. langwirī̌gī ‘lange Dauer’ (um 1000).

5145 Zeichen · 185 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    verlangenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +4 Parallelbelege

    ver-langen swv. BMZ unpers. mit acc. sehnlichst begehren Leseb. 1049,28. verl. nâch Engelh. 15 ;

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verlangen

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Verlangen , verb. regul. act. & imperson. welches in einer doppelten Bedeutung üblich ist. 1. Ein lebhaftes Wollen nach …

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Verlangen

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    Verlangen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    verlangen

    Lothringisches Wb. · +5 Parallelbelege

    ver-langen [-làə n fast allg. ] 1. tr. verlangen: das kannscht de nit von mir v. — 2. intr. Heimweh haben: es isch noch…

  5. Sprichwörter
    Verlangen

    Wander (Sprichwörter)

    Verlangen 1. Man kann nicht verlangen, dass die Espe das Säuseln lasse, wenn es stürmt. 2. Stetes Verlangen bleichet die…

  6. Spezial
    verlangen, eine bestimmte Rektion v

    Dt.-Russ. phil. Termini · +4 Parallelbelege

    verlangen , v , eine bestimmte Rektion ~ управлять , гл чем-л.

Verweisungsnetz

101 Knoten, 91 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 7 Hub 2 Kompositum 74 Sackgasse 18

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verlangen

8 Bildungen · 5 Erstglied · 3 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von verlangen

ver- + langen

verlangen leitet sich vom Lemma langen ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verlangen 2 Komponenten

ver+langen

verlangen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

verlangen‑ als Erstglied (5 von 5)

verlangende

KöblerMhd

verlang·ende

verlangende , (Part. Prät.=)Adj. nhd. verlangend Q.: Gnadenl (1390?) (FB verlangende) E.: s. ver…, verlangen W.: nhd. verlangend, (Part. Prä…

Verlangen (Subst.)

Wander

verlangen·subst

Verlangen (Subst.) Verlangen (Subst.). Soll ich han nach dir Verlangen, so komme nicht offt zu mir gegangen. – Pers. Rosenthal, 353.

verlangensvoll

DWB

verlangens·voll

verlangensvoll , adj. : verlangensvoll, aber gänzlich unbekümmert harre ich nun des tages, der mich zu jenen arbeiten zurückbringen soll. A.…

verlangen als Zweitglied (3 von 3)

abverlangen

DWB

abverlangen , expostulare, abfordern: hernach vier backenzähn und eine hand voll bart dem alten herren abverlangen. Wieland; nimm den ring z…

anverlangen

DWB

anverlangen , expetere, verlangen, an einen wie abverlangen von einem verlangen: die anverlangte abschrift; etwas gerichtlich anverlangen. v…

ȫverlangen

MNWB

oever·langen

ȫverlangen , ōver- , swv. : übergeben, aushändigen , bezahlen, „transporrigere transtendere” (Voc. Strals. ed. Damme), nēgenteyn mark stenda…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „verlangen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/verlangen/pfeifer_etym
MLA
Cotta, Marcel. „verlangen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/verlangen/pfeifer_etym. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „verlangen". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/verlangen/pfeifer_etym.
BibTeX
@misc{lautwandel_verlangen_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„verlangen"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/verlangen/pfeifer_etym},
  urldate      = {2026-05-12},
}