lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

stempeln

mhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
14 in 14 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
Verweise rein
16
Verweise raus
30

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stempeln vb.

Bd. 18, Sp. 2337
stempeln, vb. , ableitung von stempel, seit dem mittelalter belegt; im älteren hd. stempfeln auch schriftsprachlich wie heute noch mundartl., vgl. Stalder 2, 391; Tobler Appenzell. 408; Fischer schwäb. 5, 1630 usw., s. das verhältnis von pf zu p bei stempel; seltener mit ä, vgl.stämpeln Gottsched dtsche sprachk. (1748) 266, stämpfeln Ludwig t.-engl. (1716) 1831; nl. stempelen, schwed. stämpla, n. stemple. 11) einen stempel aufdrücken, mit einem stempel versehen. 1@aa) ein plastisches bild oder zeichen einpressen, zu stempel A 2 a-c und A 3 a gehörig; vor allem vom prägen der münzen: gold und silber gestempelt, d. i. mit einem zeichen, für wie viel sie gelten sollen versehen, sind gesetzliches geld d. i. münze Kant s. w. (1838) 5, 96; das stempeln des geldes Herder 14, 42 S.; man sagt auch, dieser Clodovius habe in seinem wappen und königlichen schilde drei grausame und erschreckliche kröten geführet und auff die müntze stempffeln lassen W. Bütner epitome historiarum (1596) 60a; denn wenn gleich alle (münzsorten) mit den gesichtern der regierenden herrn ... gestempelt waren v. Gaudy s. w. (1844) 2, 38; eine sammlung von belagerungsmünzen und nothmünzen. er hatte in der that viele stückchen gestempeltes blech, zinn und leder Nicolai Seb. Nothanker (1773) 2, 216; ähnlich in allgemeinerer anwendung 'erhabene oder vertiefte zeichen eindrücken': gold, silber stempeln marquer Beil techn. wb. 1, 574; eine ansicht, die meine pflegemutter doch minder kräftig verfocht, als der staat von ihr begehrte, sie möge ihm ihr silberzeug aushändigen, oder dasselbe ... stempeln lassen Holtei erz. schr. 1, 129; (das alte buch) ist in rotes leder gebunden und der schnöde name Ludwigs XV. ist ihm auf den rücken gestempelt G. Keller ges. w. 6, 24 (vgl.stempel A 2 c); mit einem siegel: ich stämpele sigillum impono Steinbach 2, 667, vgl. noch unter 2 c α und β; poetisch übertragen: sie wüszte nicht, ob solcherlei fuszstapfen menschenfuszes nochmals den blutgefärbten staub zu stempeln sich erkühnten Göthe 3, 204 W. specieller 'ein brandmal als kennzeichen einbrennen', vgl. bei stempel A 2 b ende: die bestellung der felder durch eine heerde nicht selten mit dem eisen gestempelter sklaven Mommsen m. gesch. 2, 77; so markierte man die kinder, um sie wiedererkennen zu können, wie der herdenbesitzer sein vieh stempelt v. d. Steinen naturvölker Zentralbrasiliens (1894) 179; bildlich: du miszgeburt voll mäler! wühlend schwein! du, der gestempelt ward bey der geburt, der sklave der natur, der hölle sohn! Shakespeare 9, 42 Schlegel; vom schandmal: sie stempelten den verbrecher mit einem glüenden eisen auf den rücken Möser patr. phantas. (1774) 4, 146. 1@bb) am gebräuchlichsten ist heute die stempel A 2 d und A 3 b entsprechende bedeutung 'mit einem farbstempel versehen'; zur kennzeichnung: die windeln ... waren alle mit einem kreuze gestempelt Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 150; in fester anwendung von behörden, firmen und dergl. 'mit einem beglaubigungsstempel versehen': zettel, politen, licenten stempen ò stempeln improntare, sigillare Kramer t.-ital. 2, 906b; dasz unter vorberührten amtsaccidentalien jedesmal das siegelgeld inclusivè mit verstanden, hingegen das pergament und gestempelte papiere besonders bezahlt werde (a. d. j. 1734) sportulordn. Friedrichs v. gottes gnaden landgraffen zu Hessen 12; man wird journalist, unterschreibt seine namenschiffre ... in verschiedenen gestempelten oder ungestempelten blättern K. Gutzkow ges. w. (1872) 8, 204; die schlusznote ist doppelt auf einem vorher gestempelten ... formular auszustellen reichsstempelges. v. 3. juni 1906 § 12, abs. 2; wenn jemals ein jude ... durch den zollhof wollte, muszte er dem wächter einen schein vorzeigen, der von dem vogt in Bingen gestempelt war W. Schäfer erz. schr. (1918) 2, 58; und wer nicht straffe geben will, der läst die charte stempeln Chr. Fr. Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 4, 262; stempeln 'waaren mit zeichen versehen, dasz der impost davon erleget ist' Dähnert 460b; desselben weges kam der flachs, den die bracker im hafen prüften und stempelten Treitschke hist. u. pol. aufs.5 2, 42. prägnant vom poststempel: ihr letzter schriftlicher auftrag ist am 18. dez. gestempelt fürst Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 166. in neuester zeit wird mit subjectswechsel stempeln vom arbeitslosen gesagt, der sich durch einen stempel des arbeitsamtes auf die ausweiskarte (stempelkarte) bescheinigen läszt, dasz er sich dort wegen arbeit gemeldet hat: in Berlin sieht man gar nicht auffallend viele schäbige, ausgemergelte 'blasse'. auch beim stempeln auf den arbeitsämtern nicht Rumpelstilzchen das sowieso (1931) 207; heute, nur heute verdiene ich noch, morgen, ach morgen, stemple ich doch H. Fallada kleiner mann, was nun (1932) 138; in der verbalen verbindung stempeln gehen: die jungen bauernsöhne ... ziehen lieber in die stadt, wo sie leichter arbeit zu finden hoffen ... und wo man 'stempeln gehen' kann, wenn die arbeit ausbleibt W. Weigand die gärten gottes (1930) 237. 22) im bildlichen gebrauch hat stempeln im 18. und 19. jh. ähnlich wie das substantiv, vgl. stempel A 3 c, eine ausgedehnte anwendung von fast selbständiger geltung gefunden; die dabei zugrunde liegende vorstellung ist in der regel von stempeln 1 a hergenommen (zumeist von der münzprägung, doch auch von der verwendung des stempels als siegelstock oder brandeisen), seltener von stempeln 1 b (dem aufdrücken eines farbstempels); im allgemeinen gebrauch aber wird nicht deutlich geschieden, da die sinnliche vorstellung meist zu einer abstracten bedeutung wie 'kennzeichnen' und ähnl. verblaszt ist. 2@aa) nur verhältnismäszig selten kommt eine sinnliche grundvorstellung deutlicher zum ausdruck: du wirst ... zugleich meiner meinung beipflichten, dasz ein schatz von schönen materien allemahl angenehm sei, ob er gleich schon vor uhralten zeiten von andern autoren gleichsam gestempelt oder beschrieben worden E. G. Happel relationes (1685) vorw. 2; alle vorgeblich a priori bestehenden erkenntnisse waren nichts, als falsch gestempelte gemeine erfahrungen Kant s. w. (1838) 3, 168; ... doch bald, wie jeder sein antlitz, das er im spiegel gesehen, vergiszt die beweglichen züge, so vergiszt er das wort, wenn auch von erze gestempelt Göthe 1, 298 W.; was er sagt, ist so einzig und eigen gestempelt (d. i. hat so eigne 'prägung'), dasz man über die allerbekanntesten dinge etwas nie gehörtes erfährt Sturz schriften (1779) 1, 67; Herder beweiset ..., dasz jeder mensch seinen gegenstand durch das individuelle, worin er sich von andern unterscheidet, neu stempeln könne G. Forster sämtl. schr. (1843) 6, 59, vgl. noch unten 2 c α und γ. zu stempeln 1 b: um nichts in seinem vaterlande ans licht kommen zu lassen, das nicht von ihm und seinem geschmacksrath vorher war gestempelt worden Lenz vertheidig. d. herrn Wieland (1776) 16. 2@bb) meist abstracter 'züge, eigenart verleihen, kennzeichnen': die willkühr stempelt den freien menschen Tieck schriften (1828) 6, 200; nur die ausführung stempelt den entschlusz, der bis dahin immer nur noch veränderlicher vorsatz ist A. Schopenhauer werke 1, 152 Grisebach; kein schriftsteller, so sehr er auch an gesinnung weltbürger sein mag, wird in der vorstellungsart seinem vaterlande entfliehen. wäre es auch nur die sprache, was ihn stempelt, so wäre diese allein genug, ihn in eine gewisse form einzuschränken und seinem product eine nationelle eigenthümlichkeit zu geben Schiller 6, 103 G.; der schnitt des auges, der augenbrauen, der nase ... alles stimmt zusammen ... gesundheit und irdisches wesen zu stempeln J. K. Lavater physiogn. fragm. (1775) 6, 285; 'die endgültige fassung geben, festlegen': ich wäre nicht aufs rechte gekommen, wäre ich nicht im begriff gewesen, das halbwahre zu stempeln Göthe IV 28, 129 W.; nicht selten mit geringschätzendem unterton: in der groszen stadt des nördlichen Deutschlandes, die ... alles, was nicht in ihr gestempelt wurde, als kleinstädtisch verachtete Tieck schriften (1828) 6, 5; denn wer das rechte weisz ..., dem ists nicht blosz darum zu thun, nur allerley zu wissen, was die mode eben stempelt Fr. Schlegel im: Athenäum 2, 1; so vor allem als partic. perf. gestempelt, etwa in dem sinn von 'allgemein gültig', aber auch 'alltäglich, nichtssagend, unbedeutend', gelegentlich auch auf grund der vorstellung von stempeln 1 b, vgl. in ähnlicher bedeutung abgestempelt: dasz er mehr und einen bessern rechtsspruch erlangete, als ein ander mit seinem gestämpelten, ernsthafften sonntagsgesichte d. lustige philosophus (1715) 407; ein urtheil über ihn ... giebt einen merkwürdigen beweis ab, ... wie so ganz verkehrt menschen von vielem verstande ... andere menschen beurtheilen, die mit den vorurtheilen, den sitten, den gestempelten grundsätzen ... disharmonieren A. W. Rehberg pol. hist. kl. schr. (1829) 36; doch will man nur das gelten lassen was gestempelt ist Bettine d. Günderode 1, 271; (Äskulap) der seinen namen sogar jetzt noch jedem facultätsmäszig gestempelten quacksalber und stümper in der heiligen heilkunde zum schanddeckel seiner pfuschereien borgen musz C. A. Böttiger kl. schr. (1837) 1, 97. besonders häufig von der sprache (vgl. in derselben anwendung prägen und geprägt): wenn er mit einem gestempelten kunstworte drein stolpert Göthe 19, 112 W.; dasz jene gerade wie wir es in einer fremden sprache thun, sich mit schon gestempelten hergebrachten phrasen — behelfen müssen 19, 216 W.; Anselm, der gern für jede sache gleich das gestempelte wort sucht Solger Erwin (1815) 1, 258; hier wurde etwas weniger von musik für den kenner und für das publikum in hergebrachten redensarten und gestempelten worten, die eigentlich auf keinem gefühl ruhen, die man blosz im munde hat, gesprochen M. Hauptmann briefe a. Franz Hauser (1871) 1, 140; welch treueres bild der leidenschaft, seele, sprach und denkart, als diese langweilige, schielende, europäisch gestempelte schilderung Herder 25, 82 Suphan; da die damalige romansprache noch so ganz aus schlichten worten zusammengesetzt ist und gar nicht die eigenen, jetzt gestempelten ausdrücke kennt W. v. Humboldt in: W. u. C. v. Humboldt in ihr. briefen 6, 462 v. Sydow. 2@cc) am häufigsten ist dieser bildliche gebrauch von stempeln in verbindung mit festen syntaktischen fügungen. 2@c@aα) zu etwas stempeln. in poetischer sprache gelegentlich in vollausgeführtem bilde: um euretwillen mag euer sohn und bruder noch vor nacht das zeichen, das zu seiner magd mich stempelt mir auf die lippen drücken, denn ich bin noch ungebrannt, wie ein zu junger baum Hebbel I 4, 71 Werner; weil der teufel das siegel gottes führt und höllenfrevel zu heldenthaten stempelt ebda 6, 72. im allgemeinen gebrauch aber formelhaft abgegriffen ohne wirkliche anschauung. mit persönlichem object: fräulein Kalliste stempelte den ehrlichen Friedbert zu einem tetrarchen von Schwabenland J. K. A. Musäus volksmärchen 2, 41 Hempel; wer den Germanen zum halben wilden stempeln möchte, lese dieses werk und mache andere schlüsse J. Grimm kl. schr. 4, 179; und, graf, wer höhnte euer recht, wer stempelt euch zum pfaffenknecht? A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1879) 1, 267; hört doch, ihr habt da einen zug um den mund, der euch zum heuchler stempelt Klinger werke (1809) 3, 87; ein zweckmäszigeres mittel, den könig zum volksfeind zu stempeln ..., konnte nicht erdacht werden Dahlmann gesch. d. franz. rev. (1845) 443; wenn einer fühlt, dasz ihn die nächste stund zum ungeheuren frevler stempeln wird Hebbel I 1, 155 Werner; mich stempelte die natur zum helden Klinger werke 3, 226; wie das glück, so hatte schon die natur ihn (den herzog von Guise) zum herrscher der menschen gestempelt Schiller 9, 302 G. mit sächlichem object: der geist wird zur tüchtigkeit gestempelt, gelangt zu einem ernst ohne trokenheit Göthe 30, 213 W.; steht es so mit uns, dasz die lehre des christenthums, den strauchelnden zu warnen, zu einem politischen vergehen darf gestempelt werden J. Grimm kl. schr. 1, 42; sieh da zwey worte bös und gut, die ihr gerne zu begriffen stempeln möchtet Klinger werke 3, 59; professor Heiberg stempelt die abänderung meiner Judith zu einer ästhetischen sünde Hebbel werke 11, 11 Werner; darin liegt der unterschied, den der herr abgeordnete ... zur 'lüge' stempelt Bismarck reden 2, 91; ihr habt gestempelt zum verbrechen die liebe für das vaterland Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1880) 4, 302; die erfahrung stempelt einen satz zur wahrheit Thom. Abbt verm. werke (1768) 6, 3, 277; das leichte gerücht stempelt sie (die allzu freie presse) zur gewissesten wahrheit Gutzkow ges. w. (1872) 8, 445; die österreichische frage wurde durch diesen schachzug des bundeskanzlers D. zu einer schlechthin europäischen frage gestempelt H. Stegemann weltwende (1934) 269; in intensiverer bedeutung 'eine person oder eine sache zu etwas bestimmen', vgl.denn nun zeigt sich erst, wessen der dämon fähig sei; er ... der mit unbedingtem wollen in die welt griff ... er fühlt nun, dasz er nicht allein durch natur bestimmt und gestempelt sei Göthe 41, 219 W.: seinen sohn stempelt er nicht mehr zum soldaten, sondern er sagt: 'der balg mag werden, was er will' Jean Paul 32, 45 Hempel; aber wunderbar las dieser junge mann, den ein zufälliger scherz seines vorgesetzten zum vorleser gestempelt hatte Hauff s. w. (1890) 5, 301; auch schien ich ... zu einem bacchischen leben gestempelt zu sein E. M. Arndt s. w. (1892) 1, 54; hätte man die Nibelungen gleich in tüchtige prosa gesetzt und sie zu einem volksbuche gestempelt Göthe 7, 235 W. 2@c@bβ) als etwas stempeln, als etwas ausgeben, seltener: wer wird blödigkeit, bei der man immer ein stümper bleibt, als demuth stempeln? H. v. Chézy erz. u. nov. (1822) 1, 92; erfahrung und wissen werden als verkehrtheit und befangenheit gestempelt R. v. Jhering geist d.m. rechts (1852) 2, 2, 330; den rationalisten war es erwünscht, eine jede religiöse äuszerung ... als katholizismus zu stempeln H. Steffens was ich erlebte (1842) 5, 101. 2@c@gγ) deutlicher erhalten ist die sinnliche anschauung im anschlusz an stempel als 'siegelstock' (s.A 2 b) und stempeln 1 a zumeist in der verbindung mit etwas stempeln: professor Fischers jahrbuch der mechanischen naturlehre, wo der Newtonsche irrthum abermals recht kräftig mit akademischem siegel gestempelt ist Göthe IV 33, 171 W.; was er (der künstler) ... mit dem lebendig machenden siegel seines geistes stempeln konnte G. Forster sämtl. schr. (1843) 3, 32; nur derjenige, der mit nachdruck die hand an die wurzel des verderbens und unglücks legen kann und darf, der mag seine handlung mit dem wort that stempeln Klinger werke (1809) 4, 77; ich kenne wirklich keinen gröszeren irrthum als den ..., unsere zeiten mit dem charakter der unzucht zu stempeln J. J. Chr. Bode gesch. d. Thomas Jones (1786) 5, 187; ich wählte einige (schriften) aus, die mit berühmten namen in dem reiche der gelehrsamkeit gestempelt waren Thümmel reise i. d. mittägl. provinzen v. Frankreich (1791) 1, 192; wer kann z. b. die berathschlagungen der vereinigten mächte mit weisheit, neuheit, erfindungskraft und allen ressourcen des genies stempeln G. Forster s. schr. (1843) 9, 103; würde und hoheit der seele, welche sterbliche werke mit dem zeichen der gottähnlichkeit stempeln E. M. Arndt s. w. 1, 247 R.-M. 33) vorwiegend auf nd. boden beschränkt ist ein bildlicher gebrauch jemanden stempeln in der fest gewordenen bedeutung 'jemandem seinen willen aufdrücken, jem. beeinflussen', 'ihn dahin bringen, dasz er starr eines anderen meinung vertritt' Heyne dt. wb. 3, 798; vergleichbar erscheint mit sachlichem object mnd. stempeln in der bedeutung 'etwas formieren, anstiften, betreiben', s. Schiller-Lübben 4, 384: B. de umme siner vorrederie willen, alse he tegen uns gestempelt unde dan hefft, lantfluchtig geworden (1473) bei Schiller-Lübben a. a. o.; vgl. auf demselben gebiet den gleichen gebrauch von stempen, s.stempfen 4, mit persönlichem und sachlichem object. in nd. maa. stempeln 'bestechen, zu etwas bereden': he iss stempelt 'er musz seine aussagen so machen, wie es ihm eingegeben ist' Danneil altmärk. plattd. 211a; hê is gôd stempeld, hê wêt genau beschêd, wat hê to seggen hed Doornkaat-Koolman ostfr. 3, 309; vgl. noch Mensing schlesw.-holst. 4, 833; Frischbier preusz. 2, 368b; ebenso auch, doch vereinzelt, in md. maa. bezeugt, s. Albrecht Leipzig. 217a; Müller-Fraureuth obersächs.-erzgeb. 2, 560; ebenso literarisch: mein freund war von mir schon gestempelt und wohl unterrichtet elysäische felder (1735) 113; ich reiste nach Metz, um den juden zu stempeln, dem wir das (unterschlagene) gold und silber verkauft hatten Laukhard feldzug 2, 2, 11; es wird auch so gehen, ich will nur schnell meine leute stempeln F. Raupach dram. w. kom. gattung (1829) 4, 95; im rotwelsch: natürlich waren diese herren 'auf die viole gestempelt', d. h. gekauft, und waren deshalb verpflichtet, sich besiegen zu lassen R. Thomas unter kunden (1905) 242, vgl. noch Wander 4, 828; hierher auch: he is stempelt 'er ist gerieben, pfiffig' Mensing schlesw.-holst. 4, 833. 44) verhältnismäszig selten ist stempeln im sinne von '(zer)stampfen', stempel A 1 entsprechend: stämpflen durch stampfen zerkleinern Fischer schwäb. 5, 1630; die gestempelten kantuffeln brennen an volksztg. 26, 185a bei Sanders wb. 4, 521b; 'feststopfen, feststampfen': stempfelen 'die ladung eines gewehres mit dem ladestock feststoszen' Martin-Lienhart 2, 598; zu stempel A 1 b: 'den kolben bei einer knall- oder wasserbüchse nach vorn stoszen' ebda 2, 598. wie stempel A 1 a auch obscön gebraucht, z. t. im spiel mit stempeln 1: eine stempeln futuere Müller-Fraureuth 2, 560; Wenisch Nordwestböhmen (1926) 45; und damit sie (zwei mädchen) vor allem vorwurff (dasz sie keine jungfrauen mehr wären) sicher seyn möchten, habe ich (Fuchsmundi als stadtrichter) sie mit meinem angebohrnen gerichtssiegel gestämpfelt Stranitzky ollapatrida 63 Wiener ndr.zu stempel A 1 c stellt sich technisch stempeln in einen bolzen stempeln 'einen bolzen vermittelst eines stempelbolzens heraustreiben' Beil techn. wb. 1, 574, Bobrik seewb. 663a, vgl. Heinsius 4, 794a. 55) in der sprache der gewerke stellt sich ableitung von stempel B ein; schon früh im bergbau nach B 1 a stempeln im sinne von 'festrammen': heilic heilic heilic die drî clammen, die immer wernden rammen, gestempelt sint, dâ himel und erde an swebt meisterlieder d. kolmarer hs. 162, 14 Bartsch; stempeln durch stempel unterstützen, verwahren Veith bergwb. (1870) 462, vgl. 'einen unterzug auf eine lange tragesohle feststempelnd (durch auf die tragesohle aufgesetzte stempel fest stützend)' Karsten arch. f. bergb. 5, 12; formal zu stempel B 1 a gehört auch stempeln in occasioneller, bildlicher bedeutung 'verkleinern, verstümmeln', das entweder mit stempeln 4 vermischt ist oder eine neubildung zu stempel analog stümmeln zu stummel darstellt: wann man desz nächsten namen stemplet und stimmlet, wie gern hört mans Abraham a s. Clara mercks Wien (1680) 161.
19117 Zeichen · 368 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    stempelnswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    stempfeln , stempeln swv. befestigen. die immer wernden rammen gestempelt sint, dâ himel unde erde an swebt Kolm. 162,14…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stempelnv., trs

    Campe (1807–1813) · +2 Parallelbelege

    Stempeln , v. trs . 1) Mit dem Stempel, d. h. mit dem in einen Stempel gegrabenen Zeichen versehen, den Stempel aufdrück…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    stempeln

    Goethe-Wörterbuch

    stempeln [bisher nicht online publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    stempeln

    Mecklenburgisches Wb. · +3 Parallelbelege

    stempeln 1. mit einem Stempel versehen: bi 'n Advokat Süll hei dat stempeln laten Gild. Kb. 2, 64; Rda. stempeln gahn ar…

  5. Sprichwörter
    Stempeln

    Wander (Sprichwörter)

    Stempeln 1. Der ist gestempelt. Er spricht nicht seine eigene unbeein flusste Meinung aus, er redet und handelt so, wie …

  6. Spezial
    Stempeln, der Büchern

    Dt.-Russ. phil. Termini · +2 Parallelbelege

    Stempeln , n der Bücher штемпелевание , ср книг

Verweisungsnetz

581 Knoten, 1321 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 3 Hub 9 Kompositum 558 Sackgasse 11

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stempeln

8 Bildungen · 2 Erstglied · 3 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von stempeln 2 Komponenten

stemp+eln

stempeln setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

stempeln‑ als Erstglied (2 von 2)

Stempelnagel

RhWB

stempel·nagel

Stempel-nagel -nāl Hunsr m.: Schuhnagel mit halbkugeligem Kopfe, zum Beschlagen der Sohle.

stempeln als Zweitglied (3 von 3)

abstempeln

DWB

abs·tempeln

abstempeln , signo notare, franz. timbrer: die zeitungen, bücher abstempeln.

Ableitungen von stempeln (3 von 3)

bestempeln

DWB

bestempeln , signo impresso munire.

stempelné

LDWB1

stempelné [stem·pel·nę́] vb.tr. (stempelnëia) 1 stempeln, abstempeln 2 ‹fig› brandmarken, öffentlich bloßstellen. ▬ stempelné n documënt ein…

verstempeln

DWB

verstempeln , verb. 1) ' mit stempel versehen ' (faur-). ' versiegeln ': habt ihr's denn schwarz auf weisz, verbrieft und verstempelt? Hackl…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „stempeln". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/stempeln/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „stempeln". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/stempeln/dwb. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „stempeln". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/stempeln/dwb.
BibTeX
@misc{lautwandel_stempeln_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„stempeln"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/stempeln/dwb},
  urldate      = {2026-05-12},
}