stempeln,
vb. ,
ableitung von stempel,
seit dem mittelalter belegt; im älteren hd. stempfeln
auch schriftsprachlich wie heute noch mundartl., vgl. Stalder 2, 391; Tobler
Appenzell. 408; Fischer
schwäb. 5, 1630
usw., s. das verhältnis von pf
zu p
bei stempel;
seltener mit ä,
vgl.stämpeln Gottsched
dtsche sprachk. (1748) 266, stämpfeln Ludwig
t.-engl. (1716) 1831;
nl. stempelen,
schwed. stämpla,
dän. stemple. 11)
einen stempel aufdrücken, mit einem stempel versehen. 1@aa)
ein plastisches bild oder zeichen einpressen, zu stempel A 2
a-c und A 3
a gehörig; vor allem vom prägen der münzen: gold und silber gestempelt,
d. i. mit einem zeichen, für wie viel sie gelten sollen versehen, sind gesetzliches geld
d. i. münze Kant
s. w. (1838) 5, 96; das stempeln des geldes Herder 14, 42
S.; man sagt auch, dieser Clodovius habe
in seinem wappen und königlichen schilde drei grausame und erschreckliche kröten geführet und auff die müntze stempffeln lassen W. Bütner
epitome historiarum (1596) 60
a;
denn wenn gleich alle (
münzsorten) mit den gesichtern der regierenden herrn ... gestempelt waren v. Gaudy
s. w. (1844) 2, 38; eine sammlung von belagerungsmünzen und nothmünzen. er hatte in der that viele stückchen gestempeltes blech, zinn und leder Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 2, 216;
ähnlich in allgemeinerer anwendung '
erhabene oder vertiefte zeichen eindrücken': gold, silber stempeln
marquer Beil
techn. wb. 1, 574; eine ansicht, die meine pflegemutter doch minder kräftig verfocht, als der staat von ihr begehrte, sie möge ihm ihr silberzeug aushändigen, oder dasselbe ... stempeln lassen Holtei
erz. schr. 1, 129; (
das alte buch) ist in rotes leder gebunden und der schnöde name Ludwigs XV. ist ihm
auf den rücken gestempelt G. Keller
ges. w. 6, 24 (
vgl.stempel A 2
c);
mit einem siegel: ich stämpele
sigillum impono Steinbach 2, 667,
vgl. noch unter 2
c α und β; poetisch übertragen: sie wüszte nicht, ob solcherlei fuszstapfen menschenfuszes nochmals den blutgefärbten staub zu stempeln sich erkühnten Göthe 3, 204
W. specieller '
ein brandmal als kennzeichen einbrennen',
vgl. bei stempel A 2
b ende: die bestellung der felder durch eine heerde nicht selten mit dem eisen gestempelter sklaven Mommsen
röm. gesch. 2, 77; so markierte man die kinder, um sie wiedererkennen zu können, wie der herdenbesitzer sein vieh stempelt v.
d. Steinen
naturvölker Zentralbrasiliens (1894) 179;
bildlich: du miszgeburt voll mäler! wühlend schwein! du, der gestempelt ward bey der geburt, der sklave der natur, der hölle sohn!
Shakespeare 9, 42
Schlegel; vom schandmal: sie stempelten den verbrecher mit einem glüenden eisen auf den rücken Möser
patr. phantas. (1774) 4, 146. 1@bb)
am gebräuchlichsten ist heute die stempel A 2
d und A 3
b entsprechende bedeutung '
mit einem farbstempel versehen'
; zur kennzeichnung: die windeln ... waren alle mit einem kreuze gestempelt Hippel
kreuz- u. querzüge (1793) 1, 150;
in fester anwendung von behörden, firmen und dergl. '
mit einem beglaubigungsstempel versehen': zettel, politen, licenten stempen
ò stempeln
improntare, sigillare Kramer
t.-ital. 2, 906
b; dasz unter vorberührten amtsaccidentalien jedesmal das siegelgeld inclusivè mit verstanden, hingegen das pergament und gestempelte papiere besonders bezahlt werde (
a. d. j. 1734)
sportulordn. Friedrichs v. gottes gnaden landgraffen zu Hessen 12; man wird journalist, unterschreibt seine namenschiffre ... in verschiedenen gestempelten oder ungestempelten blättern K. Gutzkow
ges. w. (1872) 8, 204; die schlusznote ist doppelt auf einem vorher gestempelten ... formular auszustellen
reichsstempelges. v. 3.
juni 1906 § 12,
abs. 2; wenn jemals ein jude ... durch den zollhof wollte, muszte er dem wächter einen schein vorzeigen, der von dem vogt in Bingen gestempelt war W. Schäfer
erz. schr. (1918) 2, 58; und wer nicht straffe geben will, der läst die charte stempeln Chr. Fr. Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 4, 262; stempeln '
waaren mit zeichen versehen, dasz der impost davon erleget ist' Dähnert 460
b; desselben weges kam der flachs, den die bracker im hafen prüften und stempelten Treitschke
hist. u. pol. aufs.5 2, 42.
prägnant vom poststempel: ihr letzter schriftlicher auftrag ist am 18. dez. gestempelt fürst Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 1, 166.
in neuester zeit wird mit subjectswechsel stempeln
vom arbeitslosen gesagt, der sich durch einen stempel des arbeitsamtes auf die ausweiskarte (
stempelkarte)
bescheinigen läszt, dasz er sich dort wegen arbeit gemeldet hat: in Berlin sieht man gar nicht auffallend viele schäbige, ausgemergelte 'blasse'. auch beim stempeln auf den arbeitsämtern nicht Rumpelstilzchen
das sowieso (1931) 207; heute, nur heute verdiene ich noch, morgen, ach morgen, stemple ich doch H. Fallada
kleiner mann, was nun (1932) 138;
in der verbalen verbindung stempeln gehen: die jungen bauernsöhne ... ziehen lieber in die stadt, wo sie leichter arbeit zu finden hoffen ... und wo man 'stempeln gehen' kann, wenn die arbeit ausbleibt W. Weigand
die gärten gottes (1930) 237. 22)
im bildlichen gebrauch hat stempeln
im 18.
und 19.
jh. ähnlich wie das substantiv, vgl. stempel A 3
c, eine ausgedehnte anwendung von fast selbständiger geltung gefunden; die dabei zugrunde liegende vorstellung ist in der regel von stempeln 1
a hergenommen (
zumeist von der münzprägung, doch auch von der verwendung des stempels als siegelstock oder brandeisen),
seltener von stempeln 1
b (
dem aufdrücken eines farbstempels);
im allgemeinen gebrauch aber wird nicht deutlich geschieden, da die sinnliche vorstellung meist zu einer abstracten bedeutung wie '
kennzeichnen'
und ähnl. verblaszt ist. 2@aa)
nur verhältnismäszig selten kommt eine sinnliche grundvorstellung deutlicher zum ausdruck: du wirst ... zugleich meiner meinung beipflichten, dasz ein schatz von schönen materien allemahl angenehm sei, ob er gleich schon vor uhralten zeiten von andern autoren gleichsam gestempelt oder beschrieben worden E. G. Happel
relationes (1685)
vorw. 2; alle vorgeblich a priori bestehenden erkenntnisse waren nichts, als falsch gestempelte gemeine erfahrungen Kant
s. w. (1838) 3, 168; ... doch bald, wie jeder sein antlitz, das er im spiegel gesehen, vergiszt die beweglichen züge, so vergiszt er das wort, wenn auch von erze gestempelt Göthe 1, 298
W.; was er sagt, ist so einzig und eigen gestempelt (
d. i. hat so eigne '
prägung'), dasz man über die allerbekanntesten dinge etwas nie gehörtes erfährt Sturz
schriften (1779) 1, 67; Herder beweiset ..., dasz jeder mensch seinen gegenstand durch das individuelle, worin er sich von andern unterscheidet, neu stempeln könne G. Forster
sämtl. schr. (1843) 6, 59,
vgl. noch unten 2
c α und γ.
zu stempeln 1
b: um nichts in seinem vaterlande ans licht kommen zu lassen, das nicht von ihm und seinem geschmacksrath vorher war gestempelt worden Lenz
vertheidig. d. herrn Wieland (1776) 16. 2@bb)
meist abstracter '
züge, eigenart verleihen, kennzeichnen': die willkühr stempelt den freien menschen Tieck
schriften (1828) 6, 200; nur die ausführung stempelt den entschlusz, der bis dahin immer nur noch veränderlicher vorsatz ist A. Schopenhauer
werke 1, 152
Grisebach; kein schriftsteller, so sehr er auch an gesinnung weltbürger sein mag, wird in der vorstellungsart seinem vaterlande entfliehen. wäre es auch nur die sprache, was ihn stempelt, so wäre diese allein genug, ihn in eine gewisse form einzuschränken und seinem product eine nationelle eigenthümlichkeit zu geben Schiller 6, 103
G.; der schnitt des auges, der augenbrauen, der nase ... alles stimmt zusammen ... gesundheit und irdisches wesen zu stempeln J. K. Lavater
physiogn. fragm. (1775) 6, 285; '
die endgültige fassung geben, festlegen': ich wäre nicht aufs rechte gekommen, wäre ich nicht im begriff gewesen, das halbwahre zu stempeln Göthe IV 28, 129
W.; nicht selten mit geringschätzendem unterton: in der groszen stadt des nördlichen Deutschlandes, die ... alles, was nicht in ihr gestempelt wurde, als kleinstädtisch verachtete Tieck
schriften (1828) 6, 5; denn wer das rechte weisz ..., dem ists nicht blosz darum zu thun, nur allerley zu wissen, was die mode eben stempelt Fr. Schlegel
im: Athenäum 2, 1;
so vor allem als partic. perf. gestempelt,
etwa in dem sinn von '
allgemein gültig',
aber auch '
alltäglich, nichtssagend, unbedeutend',
gelegentlich auch auf grund der vorstellung von stempeln 1
b, vgl. in ähnlicher bedeutung abgestempelt: dasz er mehr und einen bessern rechtsspruch erlangete, als ein ander mit seinem gestämpelten, ernsthafften sonntagsgesichte
d. lustige philosophus (1715) 407; ein urtheil über ihn ... giebt einen merkwürdigen beweis ab, ... wie so ganz verkehrt menschen von vielem verstande ... andere menschen beurtheilen, die mit den vorurtheilen, den sitten, den gestempelten grundsätzen ... disharmonieren A. W. Rehberg
pol. hist. kl. schr. (1829) 36; doch will man nur das gelten lassen was gestempelt ist Bettine
d. Günderode 1, 271; (
Äskulap) der seinen namen sogar jetzt noch jedem facultätsmäszig gestempelten quacksalber und stümper in der heiligen heilkunde zum schanddeckel seiner pfuschereien borgen musz C. A. Böttiger
kl. schr. (1837) 1, 97.
besonders häufig von der sprache (
vgl. in derselben anwendung prägen
und geprägt): wenn er mit einem gestempelten kunstworte drein stolpert Göthe 19, 112
W.; dasz jene gerade wie wir es in einer fremden sprache thun, sich mit schon gestempelten hergebrachten phrasen — behelfen müssen 19, 216
W.; Anselm, der gern für jede sache gleich das gestempelte wort sucht Solger
Erwin (1815) 1, 258; hier wurde etwas weniger von musik für den kenner und für das publikum in hergebrachten redensarten und gestempelten worten, die eigentlich auf keinem gefühl ruhen, die man blosz im munde hat, gesprochen
M. Hauptmann
briefe a. Franz Hauser (1871) 1, 140; welch treueres bild der leidenschaft, seele, sprach und denkart, als diese langweilige, schielende, europäisch gestempelte schilderung Herder 25, 82
Suphan; da die damalige romansprache noch so ganz aus schlichten worten zusammengesetzt ist und gar nicht die eigenen, jetzt gestempelten ausdrücke kennt W. v. Humboldt in:
W. u. C. v. Humboldt in ihr. briefen 6, 462
v. Sydow. 2@cc)
am häufigsten ist dieser bildliche gebrauch von stempeln
in verbindung mit festen syntaktischen fügungen. 2@c@aα)
zu etwas stempeln. in poetischer sprache gelegentlich in vollausgeführtem bilde: um euretwillen mag euer sohn und bruder noch vor nacht das zeichen, das zu seiner magd mich stempelt mir auf die lippen drücken, denn ich bin noch ungebrannt, wie ein zu junger baum Hebbel I 4, 71
Werner; weil der teufel das siegel gottes führt und höllenfrevel zu heldenthaten stempelt
ebda 6, 72.
im allgemeinen gebrauch aber formelhaft abgegriffen ohne wirkliche anschauung. mit persönlichem object: fräulein Kalliste stempelte den ehrlichen Friedbert zu einem tetrarchen von Schwabenland J. K. A. Musäus
volksmärchen 2, 41
Hempel; wer den Germanen zum halben wilden stempeln möchte, lese dieses werk und mache andere schlüsse J. Grimm
kl. schr. 4, 179; und, graf, wer höhnte euer recht, wer stempelt euch zum pfaffenknecht? A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1879) 1, 267; hört doch, ihr habt da einen zug um den mund, der euch zum heuchler stempelt Klinger
werke (1809) 3, 87; ein zweckmäszigeres mittel, den könig zum volksfeind zu stempeln ..., konnte nicht erdacht werden Dahlmann
gesch. d. franz. rev. (1845) 443; wenn einer fühlt, dasz ihn die nächste stund zum ungeheuren frevler stempeln wird Hebbel I 1, 155
Werner; mich stempelte die natur zum helden Klinger
werke 3, 226; wie das glück, so hatte schon die natur ihn (
den herzog von Guise) zum herrscher der menschen gestempelt Schiller 9, 302
G. mit sächlichem object: der geist wird zur tüchtigkeit gestempelt, gelangt zu einem ernst ohne trokenheit Göthe 30, 213
W.; steht es so mit uns, dasz die lehre des christenthums, den strauchelnden zu warnen, zu einem politischen vergehen darf gestempelt werden J. Grimm
kl. schr. 1, 42; sieh da zwey worte bös und gut, die ihr gerne zu begriffen stempeln möchtet Klinger
werke 3, 59; professor Heiberg stempelt die abänderung meiner Judith zu einer ästhetischen sünde Hebbel
werke 11, 11
Werner; darin liegt der unterschied, den der herr abgeordnete ... zur 'lüge' stempelt Bismarck
reden 2, 91; ihr habt gestempelt zum verbrechen die liebe für das vaterland Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. (1880) 4, 302; die erfahrung stempelt einen satz zur wahrheit Thom. Abbt
verm. werke (1768) 6, 3, 277; das leichte gerücht stempelt sie (
die allzu freie presse) zur gewissesten wahrheit Gutzkow
ges. w. (1872) 8, 445; die österreichische frage wurde durch diesen schachzug des bundeskanzlers D. zu einer schlechthin europäischen frage gestempelt H. Stegemann
weltwende (1934) 269;
in intensiverer bedeutung '
eine person oder eine sache zu etwas bestimmen',
vgl.denn nun zeigt sich erst, wessen der dämon fähig sei; er ... der mit unbedingtem wollen in die welt griff ... er fühlt nun, dasz er nicht allein durch natur bestimmt und gestempelt sei Göthe 41, 219
W.: seinen sohn stempelt er nicht mehr zum soldaten, sondern er sagt: 'der balg mag werden, was er will' Jean Paul 32, 45
Hempel; aber wunderbar las dieser junge mann, den ein zufälliger scherz seines vorgesetzten zum vorleser gestempelt hatte Hauff
s. w. (1890) 5, 301; auch schien ich ... zu einem bacchischen leben gestempelt zu sein E.
M. Arndt
s. w. (1892) 1, 54; hätte man die Nibelungen gleich in tüchtige prosa gesetzt und sie zu einem volksbuche gestempelt Göthe 7, 235
W. 2@c@bβ)
als etwas stempeln, als etwas ausgeben, seltener: wer wird blödigkeit, bei der man immer ein stümper bleibt, als demuth stempeln? H. v. Chézy
erz. u. nov. (1822) 1, 92; erfahrung und wissen werden als verkehrtheit und befangenheit gestempelt R. v. Jhering
geist d. röm. rechts (1852) 2, 2, 330; den rationalisten war es erwünscht, eine jede religiöse äuszerung ... als katholizismus zu stempeln H. Steffens
was ich erlebte (1842) 5, 101. 2@c@gγ)
deutlicher erhalten ist die sinnliche anschauung im anschlusz an stempel
als '
siegelstock' (
s.A 2
b)
und stempeln 1
a zumeist in der verbindung mit etwas stempeln: professor Fischers jahrbuch der mechanischen naturlehre, wo der Newtonsche irrthum abermals recht kräftig mit akademischem siegel gestempelt ist Göthe IV 33, 171
W.; was er (
der künstler) ... mit dem lebendig machenden siegel seines geistes stempeln konnte G. Forster
sämtl. schr. (1843) 3, 32; nur derjenige, der mit nachdruck die hand an die wurzel des verderbens und unglücks legen kann und darf, der mag seine handlung mit dem wort that stempeln Klinger
werke (1809) 4, 77; ich kenne wirklich keinen gröszeren irrthum als den ..., unsere zeiten mit dem charakter der unzucht zu stempeln J. J. Chr. Bode
gesch. d. Thomas Jones (1786) 5, 187; ich wählte einige (
schriften) aus, die mit berühmten namen in dem reiche der gelehrsamkeit gestempelt waren Thümmel
reise i. d. mittägl. provinzen v. Frankreich (1791) 1, 192; wer kann z. b. die berathschlagungen der vereinigten mächte mit weisheit, neuheit, erfindungskraft und allen ressourcen des genies stempeln G. Forster
s. schr. (1843) 9, 103; würde und hoheit der seele, welche sterbliche werke mit dem zeichen der gottähnlichkeit stempeln E.
M. Arndt
s. w. 1, 247
R.-M. 33)
vorwiegend auf nd. boden beschränkt ist ein bildlicher gebrauch jemanden stempeln
in der fest gewordenen bedeutung '
jemandem seinen willen aufdrücken, jem. beeinflussen', '
ihn dahin bringen, dasz er starr eines anderen meinung vertritt' Heyne
dt. wb. 3, 798;
vergleichbar erscheint mit sachlichem object mnd. stempeln
in der bedeutung '
etwas formieren, anstiften, betreiben',
s. Schiller-Lübben 4, 384: B. de umme siner vorrederie willen, alse he tegen uns gestempelt unde dan hefft, lantfluchtig geworden (1473)
bei Schiller-Lübben
a. a. o.;
vgl. auf demselben gebiet den gleichen gebrauch von stempen,
s.stempfen 4,
mit persönlichem und sachlichem object. in nd. maa. stempeln '
bestechen, zu etwas bereden': he iss stempelt '
er musz seine aussagen so machen, wie es ihm eingegeben ist' Danneil
altmärk. plattd. 211
a; hê is gôd stempeld, hê wêt genau beschêd, wat hê to seggen hed Doornkaat-Koolman
ostfr. 3, 309;
vgl. noch Mensing
schlesw.-holst. 4, 833; Frischbier
preusz. 2, 368
b;
ebenso auch, doch vereinzelt, in md. maa. bezeugt, s. Albrecht
Leipzig. 217
a; Müller-Fraureuth
obersächs.-erzgeb. 2, 560;
ebenso literarisch: mein freund war von mir schon gestempelt und wohl unterrichtet
elysäische felder (1735) 113; ich reiste nach Metz, um den juden zu stempeln, dem wir das (
unterschlagene) gold und silber verkauft hatten Laukhard
feldzug 2, 2, 11; es wird auch so gehen, ich will nur schnell meine leute stempeln
F. Raupach
dram. w. kom. gattung (1829) 4, 95;
im rotwelsch: natürlich waren diese herren 'auf die viole gestempelt',
d. h. gekauft, und waren deshalb verpflichtet, sich besiegen zu lassen R. Thomas
unter kunden (1905) 242,
vgl. noch Wander 4, 828;
hierher auch: he is stempelt '
er ist gerieben, pfiffig' Mensing
schlesw.-holst. 4, 833. 44)
verhältnismäszig selten ist stempeln
im sinne von '(
zer)
stampfen', stempel A 1
entsprechend: stämpflen
durch stampfen zerkleinern Fischer
schwäb. 5, 1630; die gestempelten kantuffeln brennen an
volksztg. 26, 185
a bei Sanders
wb. 4, 521
b; '
feststopfen, feststampfen': stempfelen '
die ladung eines gewehres mit dem ladestock feststoszen' Martin-Lienhart 2, 598;
zu stempel A 1
b: '
den kolben bei einer knall- oder wasserbüchse nach vorn stoszen'
ebda 2, 598.
wie stempel A 1
a auch obscön gebraucht, z. t. im spiel mit stempeln 1: eine stempeln
futuere Müller-Fraureuth 2, 560; Wenisch
Nordwestböhmen (1926) 45; und damit sie (
zwei mädchen) vor allem vorwurff (
dasz sie keine jungfrauen mehr wären) sicher seyn möchten, habe ich (
Fuchsmundi als stadtrichter) sie mit meinem angebohrnen gerichtssiegel gestämpfelt Stranitzky
ollapatrida 63
Wiener ndr. —
zu stempel A 1
c stellt sich technisch stempeln
in einen bolzen stempeln '
einen bolzen vermittelst eines stempelbolzens heraustreiben' Beil
techn. wb. 1, 574, Bobrik
seewb. 663
a,
vgl. Heinsius 4, 794
a. 55)
in der sprache der gewerke stellt sich ableitung von stempel B
ein; schon früh im bergbau nach B 1
a stempeln
im sinne von '
festrammen': heilic heilic heilic die drî clammen, die immer wernden rammen, gestempelt sint, dâ himel und erde an swebt
meisterlieder d. kolmarer hs. 162, 14
Bartsch; stempeln
durch stempel unterstützen, verwahren Veith
bergwb. (1870) 462,
vgl. '
einen unterzug auf eine lange tragesohle feststempelnd (
durch auf die tragesohle aufgesetzte stempel fest stützend)' Karsten
arch. f. bergb. 5, 12;
formal zu stempel B 1
a gehört auch stempeln
in occasioneller, bildlicher bedeutung '
verkleinern, verstümmeln',
das entweder mit stempeln 4
vermischt ist oder eine neubildung zu stempel
analog stümmeln
zu stummel
darstellt: wann man desz nächsten namen stemplet und stimmlet, wie gern hört mans Abraham a
s. Clara
mercks Wien (1680) 161.