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stempfen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stempfen vb.

Bd. 18, Sp. 2347
stempfen, stempen, vb. ahd. stemphen, mhd. stempfen, vgl. ags. stempan 'im mörser zerstoszen', afr. *stempa, erschlossen aus stempene 'verstopfung, hemmung', mnl. stempen 'stampfen, hemmen', md. mnd. stempen 'stampfen', aus germ. *stampjan; wie *stampōn (s.stampfen teil 10, 2, sp. 677) entweder direkt aus der wurzel stemb (Walde-Pokorny 2, 623 f.) oder denominativum von stampf, vgl. Wissmann nom. postverb. 1, 39 f., s. auch stempel, stempfel; bis etwa 1700 lebendig, ist das wort später nur noch technisch und mundartlich erhalten und wird z. t. von stempeln aufgesogen. 11) eine von oben nach unten gerichtete bewegung ausführen, ohne prägnante technische sonderbedeutung. 1@aa) alt im sinne 'zerstoszen, zermalmen', vgl. ags. stempa und stempel A 1 a, namentlich von vegetabilien, vgl. stempen contundere Diefenbach nov. gloss. 112a und mundartl. štempfɐn, 'stampfen, zermalmen' Bacher Lusern 394; Zingerle 53a: ob du stempfest den dorn in den stampf (si contuderis ... in pila) Augsb. bibel (1475) 8, 75 bei Fischer schwäb. 5, 1629; dasz füron khain paur dem andern umb ainige belonung oder muesz (preun oder gersten) stempfen noch neuen (zerstoszen) soll (16./17. jh.) Schmeller-Fr. 2, 760; in der mühle 'zermahlen' (vgl. stempfsieb): ich waisz ein mul, die stet bei der maur, die hilf mir kaufen, lieber paur! ich stempf do gen tag und nacht die haben schier die pfenning pracht, in der mul sol dein tochterlein von den stempfen das gelt nemen ein fastnachtsspiele 111 Keller. 1@bb) ohne das element des zerkleinerns im sinne 'stoszen, schlagen', vgl.stempen tundere nd. gloss. v. 1425 bei Diefenbach 601c, stempen tundere voc. v. Engelhus (1445) bei Schiller-Lübben 4, 384a, stempffen, schlagen coniare, battere Hulsius (1618) 239b und mundartlich: štempfm 'stoszen' Tschinkel Gottschee 102; bildlich: wann der (mensch) hunderttausent jar gestempfet und gewalchen scholte werden, ... daz mochte der mensch allez gern leiden mönch v. Heilsbronn 43 Merzdorf; 'im kampfe stoszen, schlagen': hie vor iu in diser stunt, in kampfes wîse stêt der hunt, daz im sîn herre ermordet ist, und bitet iuch ân argen list, daz ir im helfet stempfen, er wil mit dem morder kempfen, der schuldic ist an diser tât v. d. Hagen gesamtabent. 1, 178; hierher 'einstampfen, einpressen' mit scharpfen swerten licht gemâl wart ûf in sô gekempfet, daz im dâ von gestempfet die ringe wurden in daz vel Konrad v. Würzburg turnei v. Nantheiz 852 B.; doch sluoc in bî den stunden Hector, der junge degen snel, daz im der harnasch in daz vel und in daz fleisch gestempfet wart Trojanerkrieg 31185 Keller. 22) in bestimmten technischen bedeutungen specialisiert sich die anwendung des wortes dahin, dasz ein schlagen und stoszen mit gewissen werkzeugen zur herstellung von irgendwelchen gebilden oder formen durch stempfen bezeichnet wird. 2@aa) früh bezeugt für die kunst durch ritzen, gravieren, ausmeiszeln usw. lineare oder plastische bildwerke herzustellen, vgl. schon ahd. kastemphit caelatam (glosse d. 9. jhs.) ahd. gl. 1, 67, wo die parallelglossen pihauwan und ähnl., pisnitan, kagrapan sculptam lauten; 'einritzen': pîler danne ûz drâden, die ouch besunder hâden ir basis unde ir capitel, gevieret unde sinewel, mit loubern meisterlîch durchgraben, dier gestempet und erhaben erlösung 452 Maurer; in das blech ist gestempfft oder gegraben der busch und gott drinne in den flammen F. Fabri eigentliche beschreibung (1557) 147b; in einen siegelstock, ein petschaft, einen münzstock usw. ein (negatives) prägebild eingravieren: ain insigel stempfen si balde hiez den tvel da Johann v. Würzburg Wilh. v. Österreich 10946 Regel, vgl. 16836. 2@bb) erst mhd. nachzuweisen in der bedeutung 'durch einen prägestock mit einem gepräge oder kennzeichen versehen': man sol auch wizzen, daz der husgenozzen gelœte (gewicht) elliu gelichut suln sin nah des munzmeisters gelœte, unde suln auch elliu gelich gestemphet sin mit ainem marke daz der munzmeister hat qu. v. 1276 in: Augsb. stadtbuch 21 Meyer; es sol ein jeglicher goltschmydt ein zeichenysen machen und das hinder die goltschmydtmeisterschaft in ein stück silber stempfen, uff daz man es kennen möge (1363) Straszburger goldschmiedezunft 6 Meyer; sollen die kannengieszer das feine zinn mit dreien zeichen stempfen (1550) ständeakte Joachims II. 1, 834 Friedensburg; sicheln werden gestempft (1604) bei Fischer schwäb. 5, 1629; ordnung der hanttagwercher ... auf das 1658. jar ... für ein hack oder peil zu stempfen ... 6 kr. österr. weist. 5, 278; 'markieren': und sol ain ieder schützs mit freiem schwebenden arm und gestempften büchszen on vorthail und geverd, als schieszens recht ist, bei nachfolgender straff schieszen (1486) urkdb. d. stadt Heilbronn 2, 353; das abzugebende holz stämpfen (1745) bei Fischer schwäb. 5, 1629; auch für das kennzeichnen unbekannter ausländischer münzen: als man die behmischen groschen hie gestempfft hat (1433) städtechron. 1, 391; ein behemsch ist ein guote müntz, ist guot silber, aber der gemeine man kent sie nit; dorumb so schlecht ein statt ir zeichen doruff, Ulm oder Augspurg; das zeichen macht in nit besser silber weder er vor was, es ist aber ein zügnüsz das er guot ist; er ist gestempft, sprechent sie G. v. Keisersberg postill (1522) 2, 38a; ain beheimsch grosch, der gt und gestempfet ist (1434) bei Fischer schwäb. 5, 1629; sechsisch gnacken ungestempt (1496) bei Jesse münz- u. geldgesch. d. mittelalt. (1924) 247; ähnlich noch redensartlich in neuerer volkssprache: man hat ihn nit gestämpft in der beichte nicht absolviert, d. h. wohl: beim absolvieren nicht mit dem entsündigenden kreuzeszeichen versehen. 2@cc) ausgebreitet im sinne 'prägen' von münzen und medaillen; bildlich: alsô wart in ein gebræche ir münze niht gestempfet Lohengrin 4877 Rückert; ich gib er ydem wol gestempfft einen groschen do one kopffer pfarrer v. Kalenberg 30 ndr.; ir müntz ist von gold, von silber, von zin gestempffet, uff einem ort ein teuffel, uff dem andern ein wagen der gezogen wirt von einem helfant Laur. Friesz cartha marina (1530) d 3b; welche (völker) einen auffrecht stehenden hahnen ... auff ihre geldmüntz haben stämpffen lassen E. Gockelius d. eierlegende hahn (1697) 8; von notmünzen: als im nun an gelt mangelt ..., liesz er aus leder muntz machen und sein biltnusz darauff mit der ubergeschrifft die ein guldin gilte, stæmpffen W. Gholtz lebendige bilder (1557) z 4a; bildlich: ein frommer unnd gottsförchtiger mensch ist ein rechte gute müntz, gestempfft und geschlagen von gott dem herren selbs L. Rabus hist. d. martyrer (1571) 216b; entsprechend auch vom prägen des siegels, bildlich: dîn figure wart gestempfet in ir kiuschen form insigel Konrad v. Würzburg in: minnesinger 2, 310b v. d. Hagen; barmunge ist also gehiurt daz si dir got hat ze ingesigel gestempfet Boppe ebda 2, 381b; wann die zeit kompt, dasz du disz sigel machen wilt, dasz du disz sigel stempffest, wie man die müntz stempfft Paracelsus op. 2, 571 H.; vereinzelt und jung in anknüpfung an stempel A 2 d wie stempeln 1 b 'mit einem farbstempel versehen': zettel, politen, licenten stempen Kramer t.-ital. (1702) 2, 906b. 2@dd) in neuerer gewerklicher sprache in sonderbedeutungen gebraucht, vgl. 2stempe, f., deren specieller sinn durch eine technische anwendung von stempel A 1 c bestimmt ist: 'z. b. stämpen die grobschmiede und hufschmiede die löcher in die hufeisen, radschienen ein, wenn sie solche mit dem stämpel einschlagen, und sie dann noch mit dem spitzhammer völlig ausarbeiten' Krünitz 169, 519; Jacobsson 4, 287a. 33) im mhd. ist eine reiche bildliche und übertragene anwendung entwickelt, die von stempfen 2 ac ausgeht; welche dieser einzelbedeutungen jeweils den ausgangspunkt bildet, ist nicht überall deutlich; mit der präp. ûf wohl zu stempfen 2 a 'abbilden': ein maget heizet wol ein vrouwe rehter schult durch kiusche dult swen si daz art (den trieb) verdempfet daz ir bluome ankempfet: der strît ir zilt sô süeze ein wê ûf ein vrô gestempfet Frauenlob 161, 5 Ettm. abstracter 'fingieren, erdichten': sît daz der schandenrîche alsô lugelîche mære ûf mich stenpfet Reinfried v. Braunschweig 6499 B.; zu stempfen 2 b 'versehen mit etw.': die rede wil ich stempfen niht mit lügenmæren Konrad v. Würzburg Partonopier 5578 B.; zu stempfen 2 b oder c besonders mit der präp. in 'einprägen': daz er im gæbe sigenuft durch daz wort daz Gabrîêl barc in die gruft Marîen, der erz kund inz herze stempfen Lohengrin 1250 Rückert; dis in din hertz stempf wie got mit worten, werken, sitten dir den strit hat vor gestritten d. sœlden hort 4626 Adrian; ganz verblaszt 'einsenken': Maria, snderkempf! in din ksch ich stempf nach gnade min schulde Johann v. Würzburg Wilh. v. Österr. 19520 Regel. 44) eine sonderbedeutung ist besonders im mnd. entwickelt im sinne 'etw. betreiben, anstiften', vgl.stempen agitare, coagitare Schiller-Lübben 4, 384 und stempeln 3; dieser gebrauch scheint übertragung aus dem nd. bezeugten stempfen 1 b; meist mit sachlichem object: und wart gekoren Conrad van Swaven ... dat stempte ein cardinal (mediante cardinali) (14. jh.) städtechron. 7, 114; do dat orloge ende nam, do wart gestempet, dat de hertoge van Sassen bat vor de ebbedischen, dat de borgere or noch wat deden umme dat deil des huses (1360?) ebda 224; dar umme meinde men wol, dat de keiser un de bischop dat mit enander gestempet hedden (1377) ebda 275; des klage wi iu nu klegelken, wo de uppersten van kopluden to Nogarden untruwelken gestifted, stemped und gemaket nige, quade, falsche settinge (1410) livl. urk. bei Schiller-Lübben 4, 384; ok grepen se de uthe deme rade, de dyt stempet hadden mit deme hertighen, unde huwen den de hovede af (1421) städtechron. 28, 155; also stempeden se dach unde nacht, wu se malken wolden vangen unde gripen Braunschw. schichtbuch 112 Scheller; ähnlich 'hervorbringen': die sach man sere stempfen mit valsche gein ir menic luge Hugo v. Langenstein Martina 2, 92 K.; absolut 'etwas böses betreiben, verrat üben, betrügen': kumpan (sagte der teufel) wy willen wedder roven ... stempen, logen unde drogen nd. sündenfall (um 1460) 715 Schönemann; mit persönlichem object 'anstiften': und dat arch makede mede unde stempede Gisela, de konnygynne (15. jh.) bei Schiller-Lübben 4, 384.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    stempfensw. V. (1a)

    Köbler Ahd. Wörterbuch

    stempfen , sw. V. (1a) nhd. mahlen, ziselieren, stampfen ne. grind (V.), chisel (V.) ÜG.: lat. caelare Gl, ptisana (= gi…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    stempfenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    stempfen swv. BMZ stampfen, schlagen, prägen, mit einem gepräge od. stempel versehen, eingraben. eig. u. bildl. daʒ ir i…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    stempfenvb.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    stempfen , stempen , vb. ahd. stemphen, mhd. stempfen, vgl. ags. stempan ' im mörser zerstoszen ', afr. * stempa, erschl…

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stempfen als Zweitglied (2 von 2)

gestempfen

KöblerMhd

gestempfen , sw. V. nhd. „stampfen“ Q.: SHort (nach 1298), MinnerI (FB gestemphen), BvgSp, MvHeilFr E.: s. ge, stempfen W.: nhd. DW- L.: Lex…

Ableitungen von stempfen (2 von 2)

gestempfen

KöblerMhd

gestempfen , sw. V. nhd. „stampfen“ Q.: SHort (nach 1298), MinnerI (FB gestemphen), BvgSp, MvHeilFr E.: s. ge, stempfen W.: nhd. DW- L.: Lex…

verstempfen

Lexer

ver-stempfen swv. BMZ zustampfen Wolk. 55. 2,7.