Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
dach stN.
1.1 allgemein
1.2 Decken verschiedener Art: ‘Pferdedecke, Bettdecke’ (usw.)
1.3 ‘Mantel, Überwurf’
1.4 bildl. der menschl. Leib als Hülle, Gewand (der Seele)
2 ‘Bedachung, Dach, Decke’
2.1 eigentl.
2.2 ‘durch ein Dach geschützter Raum, Haus, Wohnung’
2.3 Wendungen
2.3.1 under ( ein, einem , jmds.) dach(e) (u.ä.)
2.3.2 âne/sunder ~ ‘im Freien’
3 übertr.
3.1 ‘das Äußere (im Ggs. zum Inneren)’
3.2 ‘das Schutz Gewährende’
3.3 ‘das Höchste, Oberste’
3.4 ‘Kopf’
1 ‘Bedeckung, Hülle’ 1.1 allgemein: Iwânet ûf in [den toten Ither] dô brach / der liehten bluomen zeime dach Parz 159,14; dô diu faile [der Mantel] wart der zaher dach [die Blutstropfen verdeckte] ebd. 302,1; trumzûne wurdens veldes dach [bedeckten den Kampfplatz] Wh 351,24; Rennew 14402; walt unde ouwe / hânt von loube ein dach SM:KvL 8: 1,10; sine fuorte niht wan knoden [Fetzen] an: / swâ die wârn des velles dach Parz 257,15; ez [ daz hâr ] was sîn wât und sîn dach EnikWchr 17856; sît der schilt von êrste wart mîn dach [seit ich Ritter geworden bin] , / hiut ist mîn hôhste ungemach Parz 812,17; Wh 3,24; der schilt ist ein dach daz niht schande kan decken KLD:UvL 16: 4,3; ein huot des hêrren houbtes dach / was, der reisekappen glîch HvFreibTr 1956; der kranz wart sîns helmes dach Parz 604,8; manegen schilt wol gevar, / und manegen gezimierten helm: / des dach was worden dâ der melm [vom Staub bedeckt] ebd. 75,16; salamander was sînes schildes dach Wh 366,9; KvWTurn 345; der [Rubin] was der kristallen dach [Deckel, Verschluss] / und brehende als ein kerzen lieht Wig 10377; aber wer mit kunst errayset / hern gab und iren segen, / der ist do hin niht ze wegen [beurteilen] / daz er gut fur er enpfah, / seit ers trait on alle dach [nicht verdeckt] / offenlich vor ritter und knaben Teichn 563,62. – grôz herze und kleine gallen, / dar ob was sîn brust ein dach Parz 317,27; umschreibend für Brust: diu ir wîpheit rehte tuot, / dane sol ich varwe prüeven niht, / noch ir herzen dach [Decke des Herzens, d.h. Brust] , daz man siht. / ist si inrehalp der brust bewart, / so ist werder prîs dâ niht verschart ebd. 3,22; diu frouwe willen dar an sach, / daz diu spîse was ir herzen dach, / diu milch in ir tüttelîn: / die dructe drûz diu künegîn ebd. 111,4; daz diz groz ungemach, / [...] noch buwet in mines herzen dach Pass III 153,65; zorn ist des hasses muter, / des nides erste sach. / roub lobes, schanden futer / fürb uß dins herzen dach Mügeln 377,4; ker uß dins herzen dache / der tummheit ruß, laß witze bren ebd. 232,11. 131,6 1.2 Decken verschiedener Art: ‘Pferdedecke, Bettdecke’ (usw.): sîn ors von îser truoc ein dach : / daz was für slege des gemach Parz 36,23. 261,13; Rennewart / ûf der heiden orsen sach / von pfellen manec tiuwer dach Wh 364,16; daz [Streits] was gewâpent wol vür strît. / ein decke lanc unde wît / was der îserînen decke dach [...]: / ein pfelle rôt [...] PleierTand 2109; PleierGar 1283; GTroj 24045. 24343; ein kulter wart des bettes dach Parz 552,13. 760,15 1.3 ‘Mantel, Überwurf’ ez wâren ir röcke und ir dach / von swarzem samîte Er 8237; guotiu kleider hêtens [ zwelf mägde ] an / von pfelle, roc unde dach; / gefurrieret man darunder sach / lûter veder die wârn bunt Wig 7402; EnikWchr 18784; wie sunder was gezieret, / mit koste al überwieret / daz dach ob sînem harnasch Wh 376,17; al kleine wîz sîdîn / ein hemde der künegîn [...], / daz was sîns halsperges dach Parz 101,13; gnuͦge heten an sich geleit / uͤber daz ysen vil richiu dach Rennew 29973. 13854. – speziell ‘Oberstoff’ (im Ggs. zum Futter): der roc was bevangen, / mit einem mantel behangen / [...] daz geville hermîn, / daz dach ein rîcher sigelât Er 1570. 8942; ich meine vederen unde dach Tr 10948. 11114; einen rîchen mantel siu truoc: / von sarumîne was sîn dach UvZLanz 861. 5738. – ‘Unterfutter’ von sitihbalgen waz ein dach / vnder den kvrsat gefvͥrriert TürlArabel *A 215,30 1.4 bildl. der menschl. Leib als Hülle, Gewand (der Seele): vrowe, ir hânt ein werdez tach / an iuch gesloufet, den reinen lîp, / wan ich nie bezzer cleit gesach Walth 62,36; von zwein unglichen sachen / geschuf got eine sache: / mit einem vulen dache, / daz nach der erden smacte, / den geist her uns bedacte; / daz vleisch her von der erden nam, / der geist von sime geiste quam HeslApk 18036; jenz [die Hostie] aber daz die sele nert / under des vleisches dache, / daz ist ein geistliche sache ebd. 3155. 3039. 4671; des lîbes [...], / der ist niht wan der sêle dach LvRegFr 184 2 ‘Bedachung, Dach, Decke’ 2.1 eigentl.: – Dach eines Gebäudes: nû wâren die gazzen in der stat / und diu dach gar besat / von den liuten Er 8681; lât erz [= er ez (hûs) ] belîben âne dach WernhSpr 7,7; als ez [Haus] diu nezze und ouch der snê mit wenden sunder dach ergreif ebd. 7,11; daz die gotes hûsere des ordenes von den triefenden dachen oder von deme stoube an den wenden [...] iht werden verstellet StatDtOrd 72,10; daz dach [des palas ] daz was guldîn SAlex 5891; Parz 565,8; eins turnes gupfen unt des dach ebd. 161,24; het ich ein hûs für ungemach, / dem lieze ich selten fûlen daz dach Freid 170,18; daz er lovfe / von dez tachis trovfe Martina 132,2; man sol di wurzele an schiben sniden [...] unde trocken se also an der luft under dache [unter dem Dachvorsprung] Macer 32,16. – Zeltdach: daz daz dach [des heiligen Zeltes (vgl. Ex 26,7-14)] rot was, / di zvelef boten bezeichenet daz VMos 58,10. 81,10; wie er die heiden ligen [lagern] sach? / under manegem samîtes dach, / under manegem pfelle lieht gemâl Wh 16,4. – Lindenbaum als Dach: ich reit für einen rîter wunt: / des dach ist ein linde Parz 517,5; diu linde was genuoger dach Tr 597; ein linde [...] : / diu ist sîn [der Quelle] schate und sîn dach Iw 574. – Sonstiges: Fruote hiez ûf swingen sîner krâme dach Kudr 324,1; des trones turez dach Brun 306; ob ime [der Quelle] stuont ein schœnez dach, / darunder ein gestüele / gesetzet KvWKlage 4,5. – bildl., vom Dach als oberem Abschluss eines Gebäudes ausgehend: ‘Lösung eines Rätsels (zimber)’ ûf diz selbe zimber hoert von erz ein dach! Wartb Rs 39,9 (vgl. vremdez zimber decken ebd. Rs 40,10 ). 2.2 ‘durch ein Dach geschützter Raum, Haus, Wohnung’ uns treib ûz der stuben hitze, regen jagte uns în ze dache KLD:BvH 11: 2,2; vnde leth he den armen sin dach, / so gvinnit he ruͦwe unde gimach WildM 3,313. – bûzen dem dache, ûzwendic des daches ‘außerhalb des Hauses, draußen’ der eine [Altar] buzen dem dache, / der ander waz enbinnen HeslApk 11792; vnde sal daz [die zubereitete Salbe] setzen uzwendic des daches an di luft vnde ruren als lange biz daz ez geste SalArz 116,39 2.3 Wendungen 2.3.1 under (ein, einem, jmds.) dach(e) (u.ä.): – ‘in einem Wohnraum, im Hause, in jmds. Haus’ des tages brante mich diu hizze, unter dache ich niener swizte [d.h. habe ich mich niemals lange aufgehalten (vgl. Diemers Anm. zu GenM 63,3)] Gen 1473; das si moͤgen betten und sclaffen von den lúten under einem sunderlichen tache [getrennt unter eigenem Dach] Mechth 4: 27,41; duͦ du quemes under ir dach [in ihr Haus] MarlbRh 71,38; EvAug 15,17; Tauler 268,29; di ellenden geste / lezt er gerne reste / in sineme hus [...]. / under sinem dahche / da wirt er in ze gemache Glaub 1700. – ‘an einem vor Unwetter geschützten Platz’ so ein wetter kummet, regen und hagel, so fliehent sú under ein tach und beitent bitz das wetter vergat Tauler 93,28; die dönr machent die ainlützen [einzelnen] schâf erwerfend ir fruht [verwerfen] ; dâ wider gehœrt, daz man si zuo ainander samene under ain dach BdN 154,29. – ‘im Verborgenen, im Untergrund’ und durch die selben sache [wegen der Christenverfolgung] / was alsam under dache / die rechte lere hin zu gote Pass III 63,26 2.3.2 âne/sunder ~ ‘im Freien’ wand er het der strâzen wênc geriten, / âne dach die naht des tages erbiten Parz 459,16; ir habt geliten ungemach, / sît ir gewesen sunder dach UvLFrd 341,12; und lagent allenthalben us / aͮne tach und aͮne hus WernhMl 3630. 4591. – bildl.: swaz er sprichet oder sprach, / diu rede belîbet âne dach [ohne gastliche Aufnahme] Parz 338,14 3 übertr. 3.1 ‘das Äußere (im Ggs. zum Inneren)’ wan mir mîn meisterin verjach, / diu rede wære des sinnes dach [„so wie man von der Schale auf den Kern schließt, so von der Rede auf die Gesinnung” (BMZ 1:193b,37)] Parz 369,10; her Wolfram, / ein wîse man von Eschenbach; / sîn herze ist ganzes sinnes dach Wig 6345; der schœne [von Larie] muose er prîses jehen / swer ir lîp ie gesach; / dar zuo was ir herzen dach / gewizzen, scham und güete ebd. 8945 3.2 ‘das Schutz Gewährende’ ich pin iur scherm und iwer schilt [...], / für ungelückes schûr ein dach / bin ich iu senfteclîch gemach Parz 371,7; wand sî [ frouwen ] sint ein gar reinez tach, / daz teken kan für ungemach / und machen manigen werden man, der trûrig ist, daz er wirt fröidebære SM:JvR 1: 11,11; SM:KvL 18:3,3; KLD:UvL 35:3,5; sus zuo der keiserîn er sprach: / ‘vrouwe, sît wîbe und kinde scherm und dach, / daz in mit gewalt iht ieman unreht briuwe [...]’ Loheng 7189; du [Maria] bist der genaden dach. / mit diner güte ris uns, meit, bedache, / din barmung oug über uns verweisten wache Mügeln 145,8 3.3 ‘das Höchste, Oberste’ er was ein krône und ein dach / rehter rîterschefte Wig 5578; ditz leit ist alles leides dach / daz uns got noch ie erbôt ebd. 11371; wîp, dîn name uns fröide mêret; / [...] dû bist aller wunne ein dach KLD:UvL 59: 2,4; KvWLd 21,26; dô kôs ich des wunsches wunne / mê dann ich besinnen kunne / an ir, si ist der sælden tach SM:Tu 4: 3,10; für der himel dach du [Gott] blickest / unde durch der helle dillestein KvWLd 1,3; du [Gott] ob aller hoe tuweres dach, / du ein bodemlose tufe Brun 1077 3.4 ‘Kopf’ die hant [...], / da mit si sluch vf sin dach PassI/II 314,84
MWB 1 1173,5; Bearbeiter: Tao