genoszsame,
f. genossenschaft, ahd. ginôʒsamî,
mhd. genôʒsame,
auch hûsgenôʒsame Schm. 2, 710 (
schwäb.);
erhalten in der Schweiz, auch mit dem alten -i. 11) 1@aa)
von landgemeinden als rechtsgenossenschaften: ze Ludiswîle ist ein dinghof, dâ hœret în diu frîe gnôssami von Gundoltingen.
habsb. urb. 173, 9
u. ö.; ob ouch einer gen Wetteschwyl züge und nit gnossig (
l. gnoszig) were und wunn und weid da nieszen wölte, der sol umb die gnoszamy geben drü pfund Züricher pfenning.
weisth. 1, 42 (15.
jh.),
s. dazu u. genosse 3. 1@bb)
auch von einzelner ausübung des genossenrechtes oder dem einzelnen rechte, vergl. z. b. s. 41
das., wie ein fremder, ein ungenosz, der ein weib aus der gnoszsami nimmt, aber nicht darin haus und hof hat, dehein gnossamy
hat, güter darin zu kaufen, auszer soweit es seinem weibe zusteht. bemerkenswert auch in concretem sinne: wa ein gotshusman sin ungenoszami het, den sol das gotshus strafen nach sinen gnaden.
weisth. 4, 490, 32,
aus St. Blasien 14.
jahrh., darin mischt sich das concrete f. ungenoszsame,
gattin die ungenosz ist, mit dem abstrakten genoszsami
genossenschaft, eben so merkwürdig und erklärlich, wie usz siner genöszinne grifen
u. genosse 1,
e, β; von der frau heiszt es nachher ebenda: were ouch daʒ ein wip irn ungenoszen het. 1@cc)
noch jetzt schweiz. als gemeindebezirk, kirchspiel, der canton Uri z. b. ist in 10 gnoszame
eingetheilt. auch in Deutschland wolbekannt aus Stauffachers rede auf dem Rütli a. e.: jetzt gehe jeder seines weges still zu seiner freundschaft und genoszsame. Schiller
Tell 1804
s. 102,
erst später in genossame
geändert, dem jetzigen genosse
zu gefallen. daher selbst genossensame,
wie genossenschaft
für das ursprüngliche genoszschaft: der kanton Uri wird in zehn genossensame, wir würden sagen, kreise eingetheilt. Stolberg 6, 155.
daher auch bei Klopstock (
vergl. unter dem vorigen): zu der zeit .. da wir noch genossame und noch keine landtage hielten.
gelehrtenrep. 1774
s. 115; im vorbeigehn merken wir an, dasz das wort genossam noch jetzt in der Schweiz und zwar, so viel wir uns erinnern, in Uri üblich ist und einen theil des cantons anzeigt. 117; sind verschiedene gesetze der genossame auf den ersten landtagen ... bestätigt worden.
das., also auch von den versammlungen. 22)
auch von kleineren genossenschaften aller art, z. b. '
gewisse anzahl häuser, die im genusse gemeinschaftlicher dinge, z. b. brunnen (
quellen),
weiden u. s. w. mit einander verbunden sind' Stalder.
von einem familienstipendium: unser geschlecht gehört zu dem stipendigut .. mit der genossami des stipendii hat es seine richtigkeit, obschon ich auch nicht recht weisz, wie es gestiftet worden, wer von meinen voreltern dazu geholfen hat ... meines groszvaters bruder was mesmer zu Rapel und sein sohn stipendipfleger ... Bräker
der arme mann im Tockenburg (1789) 3. 4.
das recht des genusses heiszt übrigens bei Stalder 2, 247 genussame
f., sachlich also wie im 15.
jahrh. u. 1,
b. 33)
es ward auch auf andere entsprechende verhältnisse angewandt, z. b. im alten Italien und Griechenland: dasz die städte der Prisker und Latiner einst ... ihren opfertheil mit den Albanern und den dreiszig albensischen genossamen empfingen. Niebuhr 2, 39; so wird ihm der tribun erwiedert haben, dasz geschlechter und genossame seit der gesetzgebung des decemvirats eine einige römische bürgerschaft bildeten. 3, 21; in Altgriechenland ward der übergesiedelte isopolit nicht zu den bürgern gezählt, weil er in keinem stamm und keiner genossame stand. 2, 71,
für δῆμος,
wie dort für tribus.