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köder

nhd. bis spez. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

köder m. n.

Bd. 11, Sp. 1571
köder, m. n. esca, lockspeise. II. Form und nebenformen. I@aa) die urspr. form ist ahd. querdar esca Graff 4, 680, mhd. querder wb. 1, 894b, noch im 15. jh. Dief. 195b (edulium), ja noch im 17.: damit die fische desto leichter in die körbe gehen mögen, leget man ihnen ahs oder querder in die körbe. Colerus hausb. (oec. univ. Frkf. 1640) 496; bei Hohberg anquerdern anködern. aber die beiden r waren den sprechenden unbequem und führten das auswerfen des unbequemsten ersten herbei, wie in fodern für fordern, mader für marder u. a. (während doch auch umgekehrt kicher zu kircher ward Haupt 14, 175, s. kicher 2, d): alle queder und einwerfung derselben (gleichartiger) geköre soll allen bei der fischerei verbotten sein. Frisch 1, 540b aus Hohberg 2, 23, 3, zum locken der fische ins netz; noch Adelung nennt queder, quedder als landsch. (wie quedder für querder schleim sp. 1569 unten). queder und querder auch noch im öcon. lex. Lpz. 1731 neben köder. I@bb) im anlaut erleichtert kerder, schon mhd. und noch nhd. anfangs, besonders alem., s. II, 1, b, Zwingli, Frank, Paracelsus u. a. unter 2, a. 3, nach Frisch 1, 540b auch von Luther gebraucht; die schreibung kärder bei Zwingli spricht für gebrochnes e in quërdar (wie beim vorigen worte). und wieder auch keder esca piscium (ankedern) Schönsleder c 3d, Steinbach 1, 840, oft in dem fischbüchlein aus Tegernsee Haupt 14, 177 ff. (köder 169); selbst ketter Abele sp. 1573. I@cc) ferner korder mhd. Servat. 629, Barl. 79, 11 var. Pf., 12. jh. chorder, chordir mhd. wb. 1, 894b; das o einwirkung des u von qu-, wie in kommen. auch koder wird sich finden. I@dd) am merkwürdigsten aber ist die form, die über alle den sieg davontrug, köder. es war doch auch schon mhd. (mit kurzem ö): dîn sun was ein (hs. im) köder und angel, des noch hât diu helle mangel. Mariengrüsze Haupt 8, 288, hat so viele gewonnen, gefangen, wie die hölle nie. Das merkwürdige ist der umlaut, auch in chörder 13. jh.: er leite im (gott dem teufel) der mensheit chörder, dâ der gotheit angel inne verporgen was. Leyser pred. 15, 4 (wol schon mit 'chôrder' fundgr. 1, 177 gemeint); noch bei Mathesius körder (II, 3), ankördern Christ. 1, 83. diesz ö liegt unter gleichen umständen vor in kömen kommen, köck keck, köden sp. 381 mitte, überall ohne ein endungs-i, musz also in dem urspr. quë- selbst seinen anlasz haben, als wäre das ö ein durchschnitt oder mittlerer klang von u und ë, brechung und umlaut in éinem punkte. I@ee) endlich mit -el für -er ködel (gewiss auch kördel): der krebs gar oft geht aus zu nacht zum ködel, das ihm ist gemacht, darob er denn oft wird gefangen. H. Sachs 2, 4, 57c. es ist wie rudel für ruder, martel für marter (umgekehrt kesser für kessel 1, g). ebenso auch querdel, schon mhd.: alsô manig unreine qwerdel bindet der tiuvel an iuwern angel. Berthold 480, 4; lorbern und anisquerdeln zum vorellenfangen. hessisch, 16. jh., Vilmar 309, nach dem quirdel, kirdel, kerdel noch bei menschengedenken die hess. fischer brauchten. I@ff) im geschlecht scheinen m. und n. mhd. gleichmäszig gegolten zu haben. auch nhd. gibt noch Schottel 1348 n. neben dem m., das jetzt gilt; doch z. b. kärntisch noch keder n. Lexer 156. von der verwandtschaft s. das vorige 3 und hier II, 1. IIII. Bedeutung und gebrauch. II@11) kerder, kerdel, querder von gewissen würmern. II@1@aa) als eig. bed. bezeichnete J. Grimm gr. 3, 467 regenwurm, 'den die fischer an die angel stecken', weil in der Schweiz für regenwurm sich kärder, kerder m. findet (Berner oberland, Stalder 2, 88). aber die bedeutung war allgemeiner. II@1@bb) kerdel von andern würmern, gleichfalls schweiz.: die wasseramsel .. iszt wasserwürmlein, füraus die so kerdel genennt werden. Heuslin Gesners vogelbuch Zür. 1557 19a; in der umarbeitung von Horscht Frankf. 1669 kerderlein, also auch dort bekannt. was für würmer sind das? auch bei Gesner steht nur quos kerderle nostri vocant. II@1@cc) querder m. heiszt noch jetzt ein kleiner regenwurmartiger fisch (den man urspr. gewiss für einen wurm hielt), das kleine neunauge, kiefenpricke, petromyzon branchialis; so z. b. in Schlesien (Schweinkfeld theriotroph. Siles. 423), auch schlammquerder lampreta minima coenosa, und quarder Fromm. 4, 181 (a wol nur für ë, s. unter kellnermeister). er ist schlüpfrig, mit schleim überzogen, 6 bis 7 zoll lang, und dient zum angelköder (Nemnich). II@1@dd) die formen stimmen völlig zu denen unter I, dasz aber die würmer erst vom gebrauch als köder benannt seien, ist darum weniger glaubhaft als das umgekehrte, weil die würmer die älteren formen für sich haben, köder aber da fehlt. die urspr. bed. scheint demnach schleimiger wurm, die denn zu der oben sp. 1571 (3) angenommenen weiteren entwickelung zum theil trefflich stimmt. II@22) lockspeise. II@2@aa) beim fischfang, von dem aus das ganze wort seine entwickelung erhalten haben musz: mit einer vedersnuor .. ân als (alles) kerder und feimer vischen. weisth. 1, 156, schwz.; ein fischer gieng usz an das meer mit einem angel, fisch zu fahen. er stecket an sein kernder und warf ein sein schnur. Steinhöwel (1555) 86b, wol blosze vermischung mit kernder beinhaus, das auch als kerder vorkommt (sp. 606); wie ein angler einen fisch (fängt), der steckt im einen kleinen kärder an den angel, damit er in in sein rüschen ziehe. S. Frank ... 2, 51b. 83a; ölkuchen, lein, hanf, rüben, mahn und alle andere fischköder oder etzen zu gebrauchen soll verbotten sein. churf. sächs. fischordn. n. 26 bei Frisch, hier im allgemeinsten sinne; freundlich wies er mich an .. wie der köder am angel zu befestigen sei. Göthe 22, 194; kleineren fischen des meers zum betrug auswerfend den köder. Voss Odyss. 12, 252. auch für den angel samt dem köder in folgendem: werden von etlichen gebraucht an die kerder oder angel (pl.) als ein fischaasz. Forer fischb. 163a, was bei Schönsleder c 3d angekederte angl, opertus hamus heiszt. II@2@bb) aber auch im 16. jh. schon in anderm gebrauch: also fahet mann die thörechten meus, so man in ein specklin auf die fallen legt, zu den gescheiden ratzen und katzen muosz man ein ander köder haben. Frank spr. 1, 122b (neutr.). doch wird das nur erweiterung des vorigen begriffs sein, da in dem häufigen mhd. bildlichen gebrauch immer der köder am angel erscheint. II@33) bildlich in allerlei wendungen, wo es sich um ein locken und fangen handelt, meist von der fischerei entnommen (vgl. anbeiszen): du weist noch das alt kerder, den alten schleck, daran du selbst .. gefangen. Dulichius vom alten und newen got, glauben und ler Wittenb. 1522 B 1b; den kerder des unglaubens. B 2a. 2b; verschluckt das kerder mit dem verborgen angel. 3b; Lucifer schmiret sein altes kerder und warfs dem ... vor. C 3b, und so wechselnd n. und m.; als die fürsten gsehen, dasz gott so stark uf üwer syten .. hand sy üch .. mit dem kärder der gaben gelöcket, dasz sy üch in den eignen nutz brächtind (als söldner). Zwingli vermahnung an die eidgen. (Wack. leseb. 3, 1, 253); denn der teufel ist ein lügner und ködert oft einem ein hellisch körder an, dran mancher ersticket. Mathesius Sar. 30b (die volle und verkürzte form nebeneinander); der teufel dem müszigen David ein fürlasz oder köder leget mit der schönen frawen. 114b; so ist die arznei (das curieren, der quacksalber) nichts als .. ein kerder damit man den pfennig richtet (geld fängt). Paracelsus 1, 545c (1589 4, 198); vil schwetzen bei einem arzet ist ein kärder den seckel auszuleeren. opus chir. 394; es kommt mir vor, als wie ein ketter einer ausforderung. Abele unordn. 3, 148, reizung zu einer duellforderung; es wird für war das beste sin, das ihm solch köder sei gelegt. Chrysaeus hofteufel E ij; man warf ihm die aussicht auf ein höheres amt als köder hin; er liesz sich an diesem plumpen köder fangen; menschen .. ohne den gewöhnlichen hunger nach dem irdischen köder. J. Paul teuf. pap. 2, 161; ein schauder vor den schmutzigen ködern der zukunft. Titan 1, 30. selten in gutem sinne: ein köder ist im wort, dem süszen, der mich zum sprechen lockt. Streckfusz Dantes hölle 13, 55.
8126 Zeichen · 205 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    1. Köder

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    1. Der Köder , des -s, plur. ut nom. sing.. bey den Schustern, ein Stück Rindsleder, welches die Gestalt des untern Absa…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Köder

    Goethe-Wörterbuch

    Köder [ Wilhelm an Natalie: ] Freundlich wies er [ der Sohn des Fischers ] mich an .. wie der K. am Angel zu befestigen …

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Köder

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Köder , ein Gegenstand, den man benutzt, um ein Raubtier, einen Fisch beim Angeln anzulocken, meist ein Stück Fleisch, e…

  4. modern
    Dialekt
    Köderm.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Köder m. : nach dem Schd., Kedeʳ (kēdəʳ); e K. leche [vereinzelt mittl. VPf]; e guder K. for die Forell [ SP-Harths ]. S…

  5. Sprichwörter
    Köder

    Wander (Sprichwörter)

    Köder 1. Der Köder allein fängt keine Fische. Wenn nämlich die Angel fehlt. Schönheit ohne Grazie ist ein Köder ohne Ang…

  6. Spezial
    Köder

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Kö|der m. (-s,-) paissa (-sses) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit koeder

17 Bildungen · 13 Erstglied · 2 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von koeder 2 Komponenten

koe+der

koeder setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

koeder‑ als Erstglied (13 von 13)

köderei

DWB

kod·e·rei

köderei , f. lumperei, s. unter köder lumpen.

kȫderen

MNWB

koe·deren

kȫderen , ködder(e)n , swv. , * 1. rülpsen, spucken (Omichius 1578). 2. schwatzen, plaudern , „sermoxinare”. S. auch ° kideren, 2 kȫren.

köderich

LothWB

koeder·ich

köderich [khødəreχ Si. ] adj. brünstig, nach dem Kater verlangend ( von der Katze aber auch von lüsternen Weibspersonen gesagt). — lux. 252 …

kȫderinge

MNWB

koeder·inge

kȫderinge , ködderinge , f. , Geschwätz, Geplauder , Unterhaltung.

köderkorb

DWB

koeder·korb

köderkorb , m. fischerkorb, reuse mit köder: die köderkörbe .. soll man vor st. Bartholomäustag auch nicht legen. Schmeller 3, 527 .

ködernaht

DWB

koeder·naht

ködernaht , f. eine art des nähens in leder, bei handschuhmachern, s. Krünitz 21, 459 . nach dem köder des schusters?

Ködertier

GWB

koeder·tier

* Ködertier im bildhaften Vergl Wie der Polyp das K. frißt und, weil er durchsichtig ist, man dieses sieht, so sind die neuern idealistische…

köderwurm

DWB

koeder·wurm

köderwurm , m. wurm als köder, bei J. Paul, köderwürmchen Hesp. 3, 7.

koeder als Zweitglied (2 von 2)

Ableitungen von koeder (2 von 2)

bekȫderen

MNWB

(bekȫderen) beküderen , swv. , beschwatzen, betören.

Geköder

Campe

Geköder , des — s , o. Mz. s. Ge — 2. 2).