köder,
m. n. esca, lockspeise. II.
Form und nebenformen. I@aa)
die urspr. form ist ahd. querdar esca Graff 4, 680,
mhd. querder
wb. 1, 894
b,
noch im 15.
jh. Dief. 195
b (
edulium),
ja noch im 17.: damit die fische desto leichter in die körbe gehen mögen, leget man ihnen ahs oder querder in die körbe. Colerus
hausb. (
oec. univ. Frkf. 1640) 496;
bei Hohberg anquerdern
anködern. aber die beiden r
waren den sprechenden unbequem und führten das auswerfen des unbequemsten ersten herbei, wie in fodern
für fordern, mader
für marder
u. a. (
während doch auch umgekehrt kicher zu kircher
ward Haupt 14, 175,
s. kicher 2,
d): alle
queder und einwerfung derselben (
gleichartiger) geköre soll allen bei der fischerei verbotten sein. Frisch 1, 540
b aus Hohberg 2, 23, 3,
zum locken der fische ins netz; noch Adelung
nennt queder, quedder
als landsch. (
wie quedder
für querder
schleim sp. 1569
unten). queder
und querder
auch noch im öcon. lex. Lpz. 1731
neben köder. I@bb)
im anlaut erleichtert kerder, schon mhd. und noch nhd. anfangs, besonders alem., s. II, 1,
b, Zwingli,
Frank, Paracelsus
u. a. unter 2,
a. 3,
nach Frisch 1, 540
b auch von Luther
gebraucht; die schreibung kärder
bei Zwingli
spricht für gebrochnes e
in quërdar (
wie beim vorigen worte).
und wieder auch keder esca piscium (ankedern) Schönsleder c 3
d, Steinbach 1, 840,
oft in dem fischbüchlein aus Tegernsee Haupt 14, 177
ff. (köder 169);
selbst ketter Abele
sp. 1573. I@cc)
ferner korder mhd. Servat. 629,
Barl. 79, 11
var. Pf., 12.
jh. chorder, chordir
mhd. wb. 1, 894
b;
das o
einwirkung des u
von qu-,
wie in kommen.
auch koder
wird sich finden. I@dd)
am merkwürdigsten aber ist die form, die über alle den sieg davontrug, köder. es war doch auch schon mhd. (
mit kurzem ö): dîn sun was ein (
hs. im) köder und angel, des noch hât diu helle mangel.
Mariengrüsze Haupt 8, 288,
hat so viele gewonnen, gefangen, wie die hölle nie. Das merkwürdige ist der umlaut, auch in chörder 13.
jh.: er leite im (
gott dem teufel) der mensheit chörder, dâ der gotheit angel inne verporgen was. Leyser
pred. 15, 4 (
wol schon mit 'chôrder'
fundgr. 1, 177
gemeint)
; noch bei Mathesius körder (II, 3), ankördern
Christ. 1, 83.
diesz ö
liegt unter gleichen umständen vor in kömen
kommen, köck
keck, köden
sp. 381
mitte, überall ohne ein endungs-i,
musz also in dem urspr. quë-
selbst seinen anlasz haben, als wäre das ö
ein durchschnitt oder mittlerer klang von u
und ë,
brechung und umlaut in éinem punkte. I@ee)
endlich mit -el
für -er
ködel (
gewiss auch kördel): der krebs gar oft geht aus zu nacht zum ködel, das ihm ist gemacht, darob er denn oft wird gefangen. H. Sachs 2, 4, 57
c.
es ist wie rudel
für ruder, martel
für marter (
umgekehrt kesser
für kessel 1,
g).
ebenso auch querdel, schon mhd.: alsô manig unreine qwerdel bindet der tiuvel an iuwern angel. Berthold 480, 4; lorbern und anisquerdeln zum vorellenfangen.
hessisch, 16.
jh., Vilmar 309,
nach dem quirdel, kirdel, kerdel
noch bei menschengedenken die hess. fischer brauchten. I@ff)
im geschlecht scheinen m. und n. mhd. gleichmäszig gegolten zu haben. auch nhd. gibt noch Schottel 1348
n. neben dem m., das jetzt gilt; doch z. b. kärntisch noch keder
n. Lexer 156.
von der verwandtschaft s. das vorige 3
und hier II, 1. IIII.
Bedeutung und gebrauch. II@11) kerder, kerdel, querder
von gewissen würmern. II@1@aa)
als eig. bed. bezeichnete J. Grimm
gr. 3, 467
regenwurm, '
den die fischer an die angel stecken',
weil in der Schweiz für regenwurm sich kärder, kerder
m. findet (
Berner oberland, Stalder 2, 88).
aber die bedeutung war allgemeiner. II@1@bb) kerdel
von andern würmern, gleichfalls schweiz.: die wasseramsel .. iszt wasserwürmlein, füraus die so kerdel genennt werden. Heuslin
Gesners vogelbuch Zür. 1557 19
a;
in der umarbeitung von Horscht
Frankf. 1669 kerderlein,
also auch dort bekannt. was für würmer sind das? auch bei Gesner
steht nur quos kerderle nostri vocant. II@1@cc) querder
m. heiszt noch jetzt ein kleiner regenwurmartiger fisch (
den man urspr. gewiss für einen wurm hielt),
das kleine neunauge, kiefenpricke, petromyzon branchialis; so z. b. in Schlesien (Schweinkfeld
theriotroph. Siles. 423),
auch schlammquerder
lampreta minima coenosa, und quarder Fromm. 4, 181 (a
wol nur für ë,
s. unter kellnermeister).
er ist schlüpfrig, mit schleim überzogen, 6
bis 7
zoll lang, und dient zum angelköder (Nemnich). II@1@dd)
die formen stimmen völlig zu denen unter I,
dasz aber die würmer erst vom gebrauch als köder benannt seien, ist darum weniger glaubhaft als das umgekehrte, weil die würmer die älteren formen für sich haben, köder
aber da fehlt. die urspr. bed. scheint demnach schleimiger wurm, die denn zu der oben sp. 1571 (3)
angenommenen weiteren entwickelung zum theil trefflich stimmt. II@22)
lockspeise. II@2@aa)
beim fischfang, von dem aus das ganze wort seine entwickelung erhalten haben musz: mit einer vedersnuor .. ân als (
alles) kerder und feimer vischen.
weisth. 1, 156,
schwz.; ein fischer gieng usz an das meer mit einem angel, fisch zu fahen. er stecket an sein
kernder und warf ein sein schnur. Steinhöwel (1555) 86
b,
wol blosze vermischung mit kernder
beinhaus, das auch als kerder
vorkommt (
sp. 606); wie ein angler einen fisch (
fängt), der steckt im einen kleinen kärder an den angel, damit er in in sein rüschen ziehe. S. Frank ... 2, 51
b. 83
a; ölkuchen, lein, hanf, rüben, mahn und alle andere fischköder oder etzen zu gebrauchen soll verbotten sein.
churf. sächs. fischordn. n. 26
bei Frisch,
hier im allgemeinsten sinne; freundlich wies er mich an .. wie der köder am angel zu befestigen sei. Göthe 22, 194; kleineren fischen des meers zum betrug auswerfend den köder. Voss
Odyss. 12, 252.
auch für den angel samt dem köder in folgendem: werden von etlichen gebraucht an die kerder oder angel (
pl.) als ein fischaasz. Forer
fischb. 163
a,
was bei Schönsleder c 3
d angekederte angl,
opertus hamus heiszt. II@2@bb)
aber auch im 16.
jh. schon in anderm gebrauch: also fahet mann die thörechten meus, so man in ein specklin auf die fallen legt, zu den gescheiden ratzen und katzen muosz man ein ander köder haben. Frank
spr. 1, 122
b (
neutr.).
doch wird das nur erweiterung des vorigen begriffs sein, da in dem häufigen mhd. bildlichen gebrauch immer der köder am angel erscheint. II@33)
bildlich in allerlei wendungen, wo es sich um ein locken
und fangen
handelt, meist von der fischerei entnommen (
vgl. anbeiszen): du weist noch das alt kerder, den alten schleck, daran du selbst .. gefangen. Dulichius
vom alten und newen got, glauben und ler Wittenb. 1522 B 1
b; den kerder des unglaubens. B 2
a. 2
b; verschluckt das kerder mit dem verborgen angel. 3
b; Lucifer schmiret sein altes kerder und warfs dem ... vor. C 3
b,
und so wechselnd n. und m.; als die fürsten gsehen, dasz gott so stark uf üwer syten .. hand sy üch .. mit dem kärder der gaben gelöcket, dasz sy üch in den eignen nutz brächtind (
als söldner). Zwingli
vermahnung an die eidgen. (Wack.
leseb. 3, 1, 253); denn der teufel ist ein lügner und ködert oft einem ein hellisch körder an, dran mancher ersticket. Mathesius
Sar. 30
b (
die volle und verkürzte form nebeneinander); der teufel dem müszigen David ein fürlasz oder köder leget mit der schönen frawen. 114
b; so ist die arznei (
das curieren, der quacksalber) nichts als .. ein kerder damit man den pfennig richtet (
geld fängt). Paracelsus 1, 545
c (1589 4, 198); vil schwetzen bei einem arzet ist ein kärder den seckel auszuleeren.
opus chir. 394; es kommt mir vor, als wie ein
ketter einer ausforderung. Abele
unordn. 3, 148,
reizung zu einer duellforderung; es wird für war das beste sin, das ihm solch köder sei gelegt. Chrysaeus
hofteufel E ij; man warf ihm die aussicht auf ein höheres amt als köder hin; er liesz sich an diesem plumpen köder fangen; menschen .. ohne den gewöhnlichen hunger nach dem irdischen köder. J. Paul
teuf. pap. 2, 161; ein schauder vor den schmutzigen ködern der zukunft.
Titan 1, 30.
selten in gutem sinne: ein köder ist im wort, dem süszen, der mich zum sprechen lockt. Streckfusz
Dantes hölle 13, 55.