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zelter

mhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zelter m.

Bd. 31, Sp. 623
zelter, zeltner, m. , ein pferd, das den zelt (2zelt) geht, paszgänger; zur sprachgeschichte vgl. 2zelt; ahd. gloss.: ambulator celtari 3, 44827, celtare 20119, zeltir 44254, celtere 7843, celdere, celtar, celter44, equus trutinans celter 4, 57 33 f.; öft.; telderi 2, 71623; mhd. gloss.: ambulator Diefenbach gl. 29b, asturco 57a, cespitator 116a, dextrarius 178c, gradarius 268a, palefredus 406b, tolutarius 587a; auch n. gl. 39b, 133a, 366b mit den formen zelter, -der, telder, zeltner, teldener; mhd. wb. 3, 870a, Lexer 3, 1056, Schiller-L. 4, 521b; nhd. wbb.: tolutarius, asturco ein z., ein pferd, daz sanffte und schnell gehet Alberus 67b; sonipes Frisius 1225b; B. Faber 872b; Calepinus XI ling. 1470a, manni zAeltner 865a; Hulsius (1618) 282a, -n- 281b; Orsäus 199; glippidiglap gehen ut sonipes ein z. Schottel haubtspr. 779; Stieler 2622 usw. bis Adelung 2 4, 1682 und Campe 5, 838b. die form zeltner scheint auszer vom schwach bezeugten verbum zeltnen noch durch ner-muster wie zeichner, rechner bestimmt zu sein; häufig im mnld. und westmnd. bereich, begegnet sie auch im alem.-bair. gebiet, s. die glossenbelege ob., ferner: zeltner kl. mhd. erz. 150 Euling; tellener Kilian 667 Hasselt; teldener v. d. Schueren Teuth. 394b Verdam; telner Diefenbach gl. 587a, n. gl. 366b, tellener 133a; gemma gemm. C 3b; l 5b; Herold-Forer Geszners thierb. 133; zAeltner Frisius 608b; 1314b; Nicolai Nicolai schiffart in d. Turckhei (1572) 3b; Keisersberg narrensch. 23a; H. Sachs 12, 261 K.; Kirchhof wendunm. 2, 316 Ö.; B. Faber 363a; Uhland hoch- u. niederd. volksl. 102; -ll- reichlich nld.-nd., wofür die gebrachten belege sprechen, vereinzelt md. in der form zeller (Diefenbach gl. 268a, Alberus Y y 3b), durchgedrungen auch hier in dem volksläufig gewordenen verbum zeltern (s. d.); 11) den gang beschreiben: ein zelter schœne und genge hiez der künic ziehen dar. er hâte alsô senften ganc, daz ein man dem sô wol gelanc, daz er dar ûffe gesaz, nie gerouwet ê baz von der senfte die er hâte. er gienc ebene unde drâte Konrad Fleck Flore 2734; ein zeltner oder der im stapf gat Frisius 131b; damit (mit hohen pantoffeln) gehn sie (die jungen maidlein) wie ein zelter seinen trap klip und klap, newe zeitungen 1600 bei Adrian mitteilungen 371; die abrichtung: man soll das fllen ... niderlegen und einer soll die vordern, der andere die hintern fsze beede zusammennehmen und also eine viertel stund morgens und abends halten ... soll ein trefflicher ... z. daraus werden v. Hohberg georg. 2, 151; den platz, weil die frau auf dem z. rechts neben dem manne ritt und deren pferd wol auch von diesem mit der rechten hand am zügel geführt wurde: dextrarius est equus in dextra parte ein czelder Diefenbach-W. 96; den gebrauch in vornehmen kreisen lehrt die beschränkung auf die höfische dichtung des mhd., vgl. die belegstellen im mhd. wb. 3, 870a und bei Lexer 3, 1056; einzige ausnahme: mœre, zelter unde marc Gudrun 65, 1; sonstige belege: die zeldere inde die ros Rother 4579; ritterpherde oder ors und zeldere und runczîte, den ist chein weregelt gesaczt Sachsensp. 3, 51, 2 W.; z. heiszt auch das maulthier: ir zelter was ein mûl blanc Heinrich v. d. Türlin krone 12657; die nhd. zeit läszt das gleiche bild erkennen, die verwendung für die vornehme dame, den schmuck, die vorliebe für eigenartige färbung: unsern roten czelder handelsrechn. d. deutsch. ord. 192 Sattler; etliche weisze zAeltner ..., mit vergldten sAettlen bedeckt H. Halverius warh. beschreib. (1570) 114; wolten sie jagen, so saszen die frawen auff ihre z. Fischart Garg. 453 ndr.; ein kOestlich gezierten, schOenen, weiszen z. binenkorb 145a; privatbr. d. ma.s 1, 91 Steinh.; dise königin ryt auff einem schönen neapolitanischen z. V. Schumann nachtb. 316 B.; gelegentlich für einen kranken mann: Niclas v. Wyle transl. 68 K.; sehr geläufig als reitpferd für geistliche und im bes. als abgabe an klosterherren und den papst: der Reichenauer abt sasz auf seinem zelter V. v. Scheffel ges. w. 1, 254; weisth. 4, 127; (er) wisse ..., dasz der kOenig in Spanien dem pabst wegen des kOenigreichs Neapolis jAehrlich einen weiszen z. berreichen mszte Chr. Weise klügst. leute 34; Ranke s. w. 40/41, 66; der kaiser führte ihm (dem papste) noch immer den z. 37, 25 und blutig ist die andre thräne, ... dasz Deutschlands kaiser biegel des zelters hielt! Klopstock od. 2, 30 M.-P.; diese stets lebendige vorstellung von der symbolischen dienstleistung des kaisers und die anfangs noch an bildern aus dem leben des adels genährte verwendung des z-s in romandarstellungen des 17. jahrh. (vgl. Bucholtz Herkulisk. 92; Lohenstein Arm. 1, 1163a; 2, 95a), welche im 18. jahrh. zu einem romantischen requisit erstarrt, erklärt das fortleben des wortes bis in die gegenwart: Gottsched schaub. 5, 500; v. Schönaich ästhet. 323 K.; Wieland s. w. (1794) 4, 43; Herder 25, 626; 26, 200 S.; Schiller 6, 122; 14, 47; 15, 2, 470 G.; und seine gold- und purpurtroddeln regend, zerstampft ihr zelter unter ihr den grund H. v. Kleist 2, 23 E. Schm.; Cl. Brentano ges. schr. 6, 308; Platen dram. nachl. 151 P.; H. Laube ges. schr. 2, 11; Stifter s. w. 5, 1, 274; D. Fr. Strausz ges. w. 11, 62; Th. Mommsen m. gesch. 3, 334; bes. der weisze z. literarisch beliebt: sein rosz, ein zelter weisz wie schnee Pfeffel poet. vers. 4, 50; auf diesem weiszen, königlichen zelter Tieck schr. 1, 18; 1, 408; O. Ludwig ges. schr. 2, 474; C. F. Meyer Ang. Borgia 1; Fontane I 1, 199; Treitschke hist. u. pol. aufs. 1, 57; mondscheinzauber der nordischen märchennacht, wo die fee ... dahinreitet auf milchweiszem z. mit korallenroten hufen H. v. Kahlenberg Eva Sehring 132; sprw.: der ein sau satlet, so wurt dannocht kein zeltner darausz Keisersberg narrensch. 23a; wer nicht taug zum z., der mag traben Petri weiszh. Hhh 7v; in den modernen mdaa. nicht mehr erhalten, nur im Elsasz wegen der eingeengten bedeutung noch am leben: z. wallach Martin-L. 2, 903b (s. 2zelten 2); s.zelte, f.dim. -lein: J. Nas antipap. 4, 214b; zelderlin Warbeck Magelone 38 B.; Bastel v. d. Sohle junk. Harnisch 104; 22) seit der mitte des 16. jahrh. auffälligerweise für 2zelt: den z. einhertretten (als hochtrabender gang eines menschen) S. Franck sprw. (1541) 2, 33b; die pfAerdt habend mancherley manier und gwonheit hereynzetrAetten ..., als der stapff, der trab, der zAelt, der dreyschlag, hacken und dergleychen: auf welchen der zAeltner in seiner schnAelle der sanfftist gang geachtet wirt, der trab aber der reüchist und hartist Herold-Forer Geszners thierb. (1563) 123; auch Fischart Garg. 203 ndr. (citiert th. 2, 1930); vielleicht entstanden aus folgender wendung: ergo auff und darvon, laszt den z. gohn ebda 53 ndr., in der z. wol noch das pferd meint; Äg. Albertinus Lucifer 263; Hulsius (1618) 2, 125a; Schwan n. dict. 2, 1097a; mit dem dreischlag (vgl. unter 2zelt) vermischt: ein ... schneyder ..., der ... zucket mit dem einen fsz, als gienge er den dreyschlag oder z. Lindener Katzipori 174. — adj.
7125 Zeichen · 234 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    zëlterstm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    zëlter stm. pferd das im paß oder im schritt geht, reisepferd. ambulator sumerl. 34,27. 48,44. gradarius gl. Mone 8,104.…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zêlter

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Zêlter , des -s, plur. ut nom. sing. von 1. Zelt, ein Pferd, welches einen Zelt oder Antritt gehet, am häufigsten im…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Zelter

    Goethe-Wörterbuch

    Zelter [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Zelter

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +3 Parallelbelege

    Zelter , Karl Friedr., verdienter Componist, besonders für den Gesang, geb. 1758 zu Berlin, 1809 Prof. der Tonkunst bei …

  5. modern
    Dialekt
    Zëlter

    Elsässisches Wb.

    Zëlter [Tsèltər Ruf. ; Tsæltər Str. ; Tsaltər Hlkr. Logelnh. Heidolsh. K. Z. ] m. Wallach. In der ält. Spr. edles Ross, …

  6. Sprichwörter
    Zelter

    Wander (Sprichwörter)

    Zelter 1. Lass den Zelter gon, auf und davon. – Fischart. 2. Ob was im zelten nicht gut ist, villeicht jhm nichts zum tr…

  7. Spezial
    zelter

    Ladinisch-Deutsch (Mischí)

    zelter [zẹl·ter] m. (-tri) Lehrgerüst (der Mauer) n. → armadöra, cassaforma .

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zelter

13 Bildungen · 11 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von zelter

zelt + -er

zelter leitet sich vom Lemma zelt ab mit Suffix -er.

zelter‑ als Erstglied (11 von 11)

zelteren

LothWB

zelt·eren

zeltere n [tsèltərn Fa. u. s.] intr. v. ohne bestimmtes Ziel umherschweifen. — baier. 2, 1118 zeltern nach-, hinterdrein traben (verächtl. v…

zeltergang

DWB

zelter·gang

-gang , m. , gang eines zelters, paszgang: gradus tolutilis der z. Zehner nomencl. 242 ; v . Hohberg georg. 2, 151 ; Kramer teutschit. 2, 14…

zelterig

DWB

zelte·rig

-zelterig in fünfz. Fischart Garg. 53 ndr. ( cit. th. 4, 1, 586). — zss.:

Zeltermänter

RhWB

Zeltermänter Mörs-Wallach : Fluchwort (wohl < Sakramenter).

zelterpferd

DWB

zelter·pferd

-pferd , n. , zelter: J. Raw cosmographia (1597) 147 ; Peisker index de vernac. (1685) 209 ; Lohenstein Arm. 1, 422 b ; J. Prätorius reform.…

zelterrosz

DWB

-rosz , n. , dasselbe: Reyher thes. p 2 v b ; graf. Stolberg 13, 225 ; G. Schwetschke ausgew. schr. (1866) 1, 154 ; -n- Calepinus XI ling. 4…

zelterære

KöblerMhd

zelterære , st. M. nhd. Bäcker, Lebkuchenbäcker Q.: Urk (1277) E.: s. zelte W.: nhd. DW- L.: WMU (zelterer 329 [1273] 1 Bel.)

zelter als Zweitglied (1 von 1)

Ableitungen von zelter (1 von 1)

verzëlteren

ElsWB

verzëltere n (einen Hengst) verschneiden Heidolsh.