zelter,
zeltner,
m. ,
ein pferd, das den zelt (
2zelt)
geht, paszgänger;
zur sprachgeschichte vgl. 2zelt;
ahd. gloss.: ambulator celtari 3, 448
27, celtare 201
19, zeltir 442
54, celtere 78
43, celdere, celtar, celter
44,
equus trutinans celter 4, 57
33 f.;
öft.; telderi 2, 716
23;
mhd. gloss.: ambulator Diefenbach
gl. 29
b,
asturco 57
a,
cespitator 116
a,
dextrarius 178
c,
gradarius 268
a,
palefredus 406
b,
tolutarius 587
a;
auch n. gl. 39
b, 133
a, 366
b mit den formen zelter, -der, telder, zeltner, teldener;
mhd. wb. 3, 870
a, Lexer 3, 1056, Schiller-L. 4, 521
b;
nhd. wbb.: tolutarius, asturco ein z., ein pferd, daz sanffte und schnell gehet Alberus 67
b;
sonipes Frisius 1225
b; B. Faber 872
b; Calepinus
XI ling. 1470
a,
manni zAeltner 865
a; Hulsius (1618) 282
a, -n- 281
b; Orsäus 199; glippidiglap gehen ut sonipes ein z. Schottel
haubtspr. 779; Stieler 2622
usw. bis Adelung
2 4, 1682
und Campe 5, 838
b.
die form zeltner
scheint auszer vom schwach bezeugten verbum zeltnen
noch durch ner-
muster wie zeichner, rechner
bestimmt zu sein;
häufig im mnld. und westmnd. bereich, begegnet sie auch im alem.-bair. gebiet, s. die glossenbelege ob., ferner: zeltner
kl. mhd. erz. 150
Euling; tellener Kilian 667
Hasselt; teldener v.
d. Schueren
Teuth. 394
b Verdam; telner Diefenbach
gl. 587
a,
n. gl. 366
b, tellener 133
a;
gemma gemm. C 3
b; l 5
b; Herold-Forer
Geszners thierb. 133; zAeltner Frisius 608
b; 1314
b; Nicolai Nicolai
schiffart in d. Turckhei (1572) 3
b; Keisersberg
narrensch. 23
a; H. Sachs 12, 261
K.; Kirchhof
wendunm. 2, 316
Ö.; B. Faber 363
a; Uhland
hoch- u. niederd. volksl. 102; -ll-
reichlich nld.-nd., wofür die gebrachten belege sprechen, vereinzelt md. in der form zeller (Diefenbach
gl. 268
a, Alberus Y y 3
b),
durchgedrungen auch hier in dem volksläufig gewordenen verbum zeltern (
s. d.); 11)
den gang beschreiben: ein zelter schœne und genge hiez der künic ziehen dar. er hâte alsô senften ganc, daz ein man dem sô wol gelanc, daz er dar ûffe gesaz, nie gerouwet ê baz von der senfte die er hâte. er gienc ebene unde drâte Konrad Fleck
Flore 2734; ein zeltner oder der im stapf gat Frisius 131
b; damit (
mit hohen pantoffeln) gehn sie (
die jungen maidlein) wie ein zelter seinen trap klip und klap,
newe zeitungen 1600
bei Adrian
mitteilungen 371;
die abrichtung: man soll das fllen ... niderlegen und einer soll die vordern, der andere die hintern fsze beede zusammennehmen und also eine viertel stund morgens und abends halten ... soll ein trefflicher ... z. daraus werden v. Hohberg
georg. 2, 151;
den platz, weil die frau auf dem z.
rechts neben dem manne ritt und deren pferd wol auch von diesem mit der rechten hand am zügel geführt wurde: dextrarius est equus in dextra parte ein czelder Diefenbach-W. 96;
den gebrauch in vornehmen kreisen lehrt die beschränkung auf die höfische dichtung des mhd., vgl. die belegstellen im mhd. wb. 3, 870
a und bei Lexer 3, 1056;
einzige ausnahme: mœre, zelter unde marc
Gudrun 65, 1;
sonstige belege: die zeldere inde die ros
Rother 4579; ritterpherde oder ors und zeldere und runczîte, den ist chein weregelt gesaczt
Sachsensp. 3, 51, 2
W.; z.
heiszt auch das maulthier: ir zelter was ein mûl blanc Heinrich v.
d. Türlin
krone 12657;
die nhd. zeit läszt das gleiche bild erkennen, die verwendung für die vornehme dame, den schmuck, die vorliebe für eigenartige färbung: unsern roten czelder
handelsrechn. d. deutsch. ord. 192
Sattler; etliche weisze zAeltner ..., mit vergldten sAettlen bedeckt H. Halverius
warh. beschreib. (1570) 114; wolten sie jagen, so saszen die frawen auff ihre z. Fischart
Garg. 453
ndr.; ein kOestlich gezierten, schOenen, weiszen z.
binenkorb 145
a;
privatbr. d. ma.s 1, 91
Steinh.; dise königin ryt auff einem schönen neapolitanischen z.
V. Schumann
nachtb. 316
B.; gelegentlich für einen kranken mann: Niclas v. Wyle
transl. 68
K.;
sehr geläufig als reitpferd für geistliche und im bes. als abgabe an klosterherren und den papst: der Reichenauer abt sasz auf seinem zelter
V. v. Scheffel
ges. w. 1, 254;
weisth. 4, 127; (er) wisse ..., dasz der kOenig in Spanien dem pabst wegen des kOenigreichs Neapolis jAehrlich einen weiszen z. berreichen mszte Chr. Weise
klügst. leute 34; Ranke
s. w. 40/41, 66; der kaiser führte ihm (
dem papste) noch immer den z. 37, 25 und blutig ist die andre thräne, ... dasz Deutschlands kaiser biegel des zelters hielt! Klopstock
od. 2, 30
M.-P.; diese stets lebendige vorstellung von der symbolischen dienstleistung des kaisers und die anfangs noch an bildern aus dem leben des adels genährte verwendung des z-s
in romandarstellungen des 17.
jahrh. (
vgl. Bucholtz
Herkulisk. 92; Lohenstein
Arm. 1, 1163
a; 2, 95
a),
welche im 18.
jahrh. zu einem romantischen requisit erstarrt, erklärt das fortleben des wortes bis in die gegenwart: Gottsched
schaub. 5, 500; v. Schönaich
ästhet. 323
K.; Wieland
s. w. (1794) 4, 43; Herder 25, 626; 26, 200
S.; Schiller 6, 122; 14, 47; 15, 2, 470
G.; und seine gold- und purpurtroddeln regend, zerstampft ihr zelter
unter ihr den grund H. v. Kleist 2, 23
E. Schm.; Cl. Brentano
ges. schr. 6, 308; Platen
dram. nachl. 151
P.; H. Laube
ges. schr. 2, 11; Stifter
s. w. 5, 1, 274; D. Fr. Strausz
ges. w. 11, 62; Th. Mommsen
röm. gesch. 3, 334;
bes. der weisze z.
literarisch beliebt: sein rosz, ein zelter weisz wie schnee Pfeffel
poet. vers. 4, 50; auf diesem weiszen, königlichen zelter Tieck
schr. 1, 18; 1, 408; O. Ludwig
ges. schr. 2, 474; C.
F. Meyer
Ang. Borgia 1; Fontane I 1, 199; Treitschke
hist. u. pol. aufs. 1, 57; mondscheinzauber der nordischen märchennacht, wo die fee ... dahinreitet auf milchweiszem z. mit korallenroten hufen H. v. Kahlenberg
Eva Sehring 132;
sprw.: der ein sau satlet, so wurt dannocht kein zeltner darausz Keisersberg
narrensch. 23
a; wer nicht taug zum z., der mag traben Petri
weiszh. Hhh 7
v;
in den modernen mdaa. nicht mehr erhalten, nur im Elsasz wegen der eingeengten bedeutung noch am leben: z.
wallach Martin-L. 2, 903
b (
s. 2zelten 2);
s.zelte,
f. —
dim. -lein: J. Nas
antipap. 4, 214
b; zelderlin Warbeck
Magelone 38
B.; Bastel v.
d. Sohle
junk. Harnisch 104; 22)
seit der mitte des 16.
jahrh. auffälligerweise für 2zelt: den z. einhertretten (
als hochtrabender gang eines menschen) S. Franck
sprw. (1541) 2, 33
b; die pfAerdt habend mancherley manier und gwonheit hereynzetrAetten ..., als der stapff, der trab, der zAelt, der dreyschlag, hacken und dergleychen: auf welchen der zAeltner in seiner schnAelle der sanfftist gang geachtet wirt, der trab aber der reüchist und hartist Herold-Forer
Geszners thierb. (1563) 123;
auch Fischart
Garg. 203
ndr. (
citiert th. 2, 1930);
vielleicht entstanden aus folgender wendung: ergo auff und darvon, laszt den z. gohn
ebda 53
ndr., in der z.
wol noch das pferd meint; Äg. Albertinus
Lucifer 263; Hulsius (1618) 2, 125
a; Schwan
n. dict. 2, 1097
a;
mit dem dreischlag (
vgl. unter 2zelt)
vermischt: ein ... schneyder ..., der ... zucket mit dem einen fsz, als gienge er den dreyschlag oder z. Lindener
Katzipori 174. —
adj.