wobei,
adv. ,
aus der zusammenrückung der präposition bei mit wo entstanden. seit dem 15.
jh. bezeugt, zunächst in der form warbei,
vgl. warbei
teil 13, 1985,
dazu warbei (
Augsburg 15.
jh.)
städtechron. 5, 52; Kirchhof
wendunmuth 1, 287
Österley; daneben wabei Sebiz
feldbau (1579) 9;
verdumpft worbei
acta publica 1, 48
Palm (
v. j. 1618); Schottel
haubtspr. (1663) 61; Joh. Walther
pferde- u. viehzucht (
Erfurt 1658) 8; Schwan
n. dict. (1783) 2, 1071
a; wobei (wo bey) Luther (
z. b. 1. Moses 15, 8
Bindseil);
M. Herr
feldbau (1551) 14
b; Heyden
Plinius (1565) 92.
zur landschaftlichen verbreitung und zeitlichen folge der formen vgl. unter wo
sp. 904
f. schreibung in zwei worten findet sich noch häufiger im 16.
jh.: war by
der ewigen wiszheit betbüchlein (1518) xx
b; wo bey Luther
a. a. o.; Casp. Scheit
Grobianus v. 2415
ndr.; vereinzelt auch jünger, vgl. Hulsius (1618) 278
b.
die trennung von wo
und bei
durch andere wörter ist nur selten belegt: wo wohnet ihr bey, wo soll ich bey mercken, dasz ...? Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1374
c;
vgl. ferner unter bei II 6,
teil 1, 1357.
zur verwendung und bedeutung vgl. den absatz über die wo-
composita nach wozwischen. 11)
als interrogativum in direkter und in indirekter frage. im lokalen sinne, entsprechend dem allgemein bei jedem verbum möglichen örtlichen bei I B 11,
teil 1, 1348
ff., ungebräuchlich: wobey wohnet ihr?
in vece bey wem
etc. appresso (
da)
chi state voi? Kramer
a. a. o. häufiger gemäsz andersartiger verwendung von bei,
vgl. dabei 2: (
sie) erkannten, warbei sie pleiben solten (
Augsburg 15.
jh.)
städtechron. 5, 52; nun ghent wir, die ding zu beschreiben, wie und warbey
es sol beleiben, alles mit wohlzeitigem rat H. Sachs
w. 8, 368
Keller; vgl.es soll dabei bleiben
teil 2, 659.
nach verben des erkennens und wahrnehmens, die früher mit bei
konstruiert wurden, vgl. bei I B 5,
teil 1, 1350: wobey soll ich mercken, das ...?
a che ho io da osservare, che ...? Kramer
a. a. o.; wobey oder woran kann man das mercken? Ludwig
teutsch-ital. (1716) 2512; wo bey (
unde) sol ichs mercken, das ichs (
das land) besitzen werde?
1. Moses 15, 8; H. Sachs
w. 17, 107
K.-G.; wenn es (
das tigertier) auff eines menschen fuosztritt kompt, sagt man, dasz es seine jungen behend an einen andern ort trage. wobey (
quonam modo) erkennet es aber den menschen? Heyden
Plinius (1565) 92; worbey man es abnehmen kan, wie hoch ein pferd wachsen wird (
überschrift) Joh. Walther
pferde- u. viehzucht (1658) 8. 22)
in relativischem gebrauch, vgl. wo II A,
insbesondere in der verwendung von 1 b, 3
und 4.
entsprechend der ablösung von älterem da
durch wo,
s. sp. 913,
an stelle von da(r)bei (3),
s. teil 2, 659
f. 2@aa)
auf ein substantiv bezogen: Usong liesz auf den bergen ... holzstösze aufrichten, wobey eine wacht wohnte Haller
Usong (1771) 130; das gestell, wobey die obere schraube herauszunehmen (
ist) Göthe IV 28, 31
W.; (
er hatte) sich über die kümmerliche beleuchtung geärgert, wobei er kaum seine müszigen liebessachen handhaben gekonnt G. Keller
ges. w. 4, 25.
gewöhnlich unter zurücktreten des lokalen begriffs (
wie auch bei 1): (
die geringe) gelegenheit, wobey sie (
die maschine) gebraucht wird Dusch
verm. w. (1754) )( 4
a; dann giebt es grosze festlichkeiten, wobei sich die leute in grütze satt essen Immermann 1, 33
Boxb.; das einzige stück, wobei herr Wieland dem dichter den vorwurf macht, ... Gerstenberg
schlesw. lit.-br. 159
lit.-denkm.; jedes geschäfte, jedes buch, jede rede, wobey die seele ohne ... thätigkeit bleibt, ist langweilig Zimmermann
üb. d. einsamkeit (1784) 1, 35.
selten auf einen personalbegriff bezogen, vgl. wo II A 1 b
γ,
sp. 914: was die dienstboten ... thun können für die herrschaft, wobei sie dienen J. Möser
s. w. (1842) 2, 235. 2@bb)
auf das neutrum eines pronomens oder eines pronominalen adjektivs bezogen: das jenige, wobey ihrs mercken ... sollet Kramer
a. a. o.; ... ein zeichen, dasz was passiert, wobei sie sollen helfen Müllner
dram. w. (1828) 3, 68; alles, wobei gewaltige kräfte der natur ... thätig sind G. Freytag
ges. w. 14, 67. 2@cc)
auf den inhalt des übergeordneten satzes allgemein bezogen, vgl. wo II A 4
und welches D 2 c
sowie gleichartig verwendetes was (
s. unter wer).
in dem durch wobei
eingeleiteten satz handelt es sich gewöhnlich um die aussage über handlungen und umstände, die mit denen des im vorangehenden satz ausgedrückten in einer engeren beziehung, meist der der gleichzeitigkeit, stehen, oder um ergänzende und anmerkende hinzufügungen (
vgl.welches
und was a. a. o.): ein solcher orden, in welchem die ... jugend durch rühmliches vorgehen der elteren zu ... erlernung vielerley nützlichen sprachen und künste angereitzet (
wird), wobei ... unsere ... heldensprache in reinlichkeit geführet (
und) befestiget (
wird) Joh. Rist
d. friedewünschende Teutschland (1647) a 3; das eine pferd risse sich los und lief aus dem stalle, wobey es über mich wegsprung
der Leipziger avanturieur (1756) 1, 30; der alte nahm den sohn und herzte ihn, wobei er gerührt seine ... augen anschaute Tieck
schr. (1828) 4, 177; (
er) legte inzwischen eine neue rechnung an, welches er mit vermehrtem ernste that und wobei er ein seltsames betragen annahm G. Keller
ges. w. 1, 146; auch Winckelmann gelang dieses glück (
einer gewissen art wissenschaftlicher ausbildung), wobei ihm freilich die bildende kunst und das leben kräftig einwirkend zu hülfe kamen Göthe 46, 56
W.; (
mit mühseligem) fleisze suchte ich mir Newtons gravitationslehre begreiflich zu machen, wobei ich wohl merkte, dasz einige mathematische vorkenntnisse nöthig waren H. Steffens
was ich erlebte (1840) 1, 99
f.; öfter entsprechend wo dann
sp. 915 wobei dann (denn): (
der harfenspieler) suchte auf alle weise Wilhelms betrübnisz zu lindern, besann sich auf alles, was er von dem jäger erfahren hatte und brachte allerhand muthmaszungen vor, wobei denn endlich ein umstand vorkam, woraus Wilhelm einige räthselhafte worte der schönen verschwundenen deuten konnte Göthe 22, 65
W. bei erläuternden oder ergänzenden anmerkungen: darumb saget nun Sirach ... von gottes dienern und priestern, wobei dieselben aber für andern erkennet werden: hören ewer liebe ... Fr. Roth
Jesus Sirach (1587) 1, 129
a;
gern in fügungen mit dem infinitiv mit zu
bei ellipse des verbums substantivum: ein Teutscher gedenke (
hinsichtlich einsilbiger wörter) ein wenig um sich: hand, fusz, kopf ..., isz, trink
etc. worbey zu wissen, dasz in teutscher sprache in den verbis der modus imperativus das stammwort sey Schottel
haubtsprache (1663) 61; von diesen wegen des herrn nun saget der könig David, dasz sie eitel güte und warheit sind. wobey in acht zu nehmen, dasz ... C. Scriver
seelenschatz (1773) 2, 2
a;
in späterer zeit treten die elliptischen fügungen zurück: von den dekretalen sind viele ein pseudoisidorisches fabricat, wobey es auffallend ist, dasz sie mitten unter den capitularien stehen K. Fr. Eichhorn
dtsche staats- u. rechtsgesch. (1821) 1, 357; die halbe natur stimmt in das schöne ganze dieser ... feier mit ein, wobei auch die ... mitwirkung der büsche und kräuter und blumen rühmlich zu erwähnen ist Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 64; er wiederholte auch heute seine anklage, wobei es dahingestellt bleiben mag, ob ... Fontane
ges. w. I 1, 18;
häufiger in der wendung wobei zu (be)merken (ist),
vgl. Kramer
teutsch-ital. (1702) 2, 1374
c; Ludwig
teutsch-engl. (1716) 2512: (
auf eine steueraufstellung folgt die bemerkung) worbey zu mercken, ob zwar eczliche besiczer der herrschafft ... einsage zu haben vormainen (1618)
acta publ. 1, 48
Palm; ... worbey zu mercken, das bey uns Deutschen das kurtzeste e gleich ist dem hebräischen scheva Gueintz
dtsche rechtschreibung (1666) 28; da muszte nun könig Saul ... Cato und Darius spielen, wobei zu bemerken ist, dasz ... Göthe 21, 27
W. 33)
indefinitiv nur vereinzelt bezeugt: custodite behutsamlich, wenn einer sein selbst worbey in acht nimbt Corvinus
fons lat. (1646) 251; eine list, einen bossen
etc. wobey mercken
in vece bey etwas
ò was
scorgere una trama, scoprire uno stratagema a qualche cosa Kramer
a. a. o.