stute,
stut,
f. , '
weibliches pferd'
; älter '
gestüt'. AA.
in der bedeutung '
pferdeherde'
nord- u. westgerm.: altnord. stóð,
altengl. stód,
neuengl. stud;
nord. und engl. ein neutrum der o-
klasse, im ahd. dagegen ein femininum der i-
klasse, vielleicht in analogie nach den reimenden ti-
stämmen bluot, fluot, gluot, nuot, spuot:
dat. sg. stuoti
gregi ahd. gl. 2, 437, 23; in stuoti
in armenta equarum 2, 668, 53;
daneben noch der alte zustand: nom. pl. stuot
greges equarum 2, 386, 23;
vgl. Palander ahd. tiernamen 85;
im mhd. ständig femin. der i-
klasse, und so mnd. stot.
gelegentlich umgelautet, z. b. stüet
equaritia (15.
jh.)
ahd. gl. 3, 79, 48. —
mit slav. (
schon altbulgarisch) stado,
n., '
herde',
lit. stodas
zusammen zu *stā '
stehen',
im sinne von '
standort',
vgl. lit. stodas,
lett. stàds '
pflanze, setzling'
; s. Trautmann
balt.-slav. wb. 280; Walde-Pokorny 2, 605.
mit j-
ableitung engl. steed,
altengl. stēda '
hengst'.
in ungeklärtem zusammenhang das mit stute
gleichbedeutende strute (
teil 10, 4, 148). A@11)
im eigentlichen gebrauch '
im freien gelände gehaltene herde von pferden, in der auch die zucht besorgt wird',
seit ahd. zeit bis ins 16.
jh. bezeugt, seit dem 16.
jh. dafür, in moderner bedeutung, gestüt (
teil 4, 1, 4269). stut '
gestüt'
ist bis in jüngere zeit erhalten als erstes glied von compositis, z. b. stutgarten, stuthengst, stutmeister,
wird aber häufig zu stute '
mutterpferd' (
u. B),
im compos. stuten-,
umgebildet, z. b. stutenamt, stutenknecht.
die erschlossene grundbedeutung '
standort'
tritt als nebensinn '
ort, wo die herde sich aufhält'
öfter hervor: dat pert to dem riddere lep, bi sinem koppe he it grep, dat ome untwek nicht enen vot; ome duchte dat aventure gut, went it was wilde, ut ener stot (: dot) Gerhard v. Minden 94
Seelmann; ok scholen alle wilde perde, dar mede men nicht arbeydet, de in der stöt gan, men hode er eder nicht, velich syn
qu. a. d. j. 1398
bei Schiller-Lübben 4, 417; stut
vel perdebane
voc. d. 15.
jh. bei Diefenbach 206
c; zu morgengab gehören ... alle unbeselhte pferde, die do teglich zu felde odder in stutte gehen Chr. Zobel
sechsisch weichbild (1537) 118
b.
meistens jedoch, besonders in späterer zeit, einfach '
herde': Heinrich, fürst von Mecklenburg schenkt dem Clarenkloster in Ribnitz
villam Derhagen
ac curiam loco alterius quondam ville similiter Deerhagen
dicte constructam eiusdemque curie equicium seu gregem equorum, stuot
vulgariter appellatum qu. v. 1328
in mecklenburg. urk.-buch 7, 654; von Philippis stute wil ih iu nu sagen, dar under was ein ros getragen Lamprecht
Alexander 270
Massmann; item 1 schog 8 stugke ryndfye, item 36 pflugpferde, item 20 folen von desem jare von der groszen stud und 7 folen von der cleynen stud
gr. ämterbuch des deutschen ordens 223
Ziesemer; here ros warn lussam, snelle end vele gœde, von einre slahte stœden, die da wonen in den mere Heinrich v. Veldeke
Eneide 5094
Behaghel; darzu hatt er heymlich verborgen des vihes gar eyn grosse hert ... er hatt auch eines pferdes stut verborgen an obgmeltem ort Wickram 8, 104, 16
Bolte; ok wart an dem sulven dage des morgens hir gebracht eine ganze stoet perde, byna veftig
städtechron. (
Braunschweig 1492) 35, 1, 103; (
im märz) soll man kauffen pferd und mütter, ochsen und kü, eber und sew, und machen stuodt und herd, und zuolassen mänlin und weiblin Petrus de Crescentiis
vom ackerbau (1531) 180
a.
auch auszerhalb der pferdewirtschaft: (
der bauer) gieng hin, nam seiner sach zu gut ein feisten ochsen von der studt, bracht in für des juristen thür B. Waldis
Esop 1, 305
Kurz. mit ungewöhnlicher flexionsendung: und (
die feinde) swentten, swaz vorzern mochte des vures glute, und namen al di stute mit andirre habe Nic. v. Jeroschin 21239
Strehlke; (
sie) erstache trey man, verbrante etliche hewswer, namen ynen die rosz, die gantze stutt Baumann
bauernkrieg in Oberschwaben 32
lit. ver. vereinzelt und spät in schwacher form: rollen allenthalb ... mit ihrem bettelsack und terminieren in der welt umb ... wie ein farr under den küen oder ein rühelter gailer hengst under einer stuten pferde S. Franck
chronica zeytb. (1531) 521
a. A@22)
im übertragenen sinne '
sippschaft': wer verräter hat für gut, der si reht der selben stut daz si in glicher schanden und büssen für den rechten richter müssen Lassberg
liedersaal 1, 435; di sunder recht ich wene, set, durch daz mer der trene mit der hulfe Christes blut varen uz der sunden stut czu gotes barmherczekeit Tilo v. Kulm
von siben ingesigeln 74
Kochendörffer; dü mörin was der rechte stuot. sie sprach was sol dis taiding hie? Herman von Sachsenheim 106
Martin; ähnlich: ein lied hand ir gedichtet aus seltsem ubermut, die fromm lanzknecht vernichtet gleich wie ein wilde stut
hist. volksld. 3, 176
Liliencron. A@33)
in einem sprichwort über die folgen der uneinigkeit setzt sich die alte bedeutung bis ins 17.
jh. fort, jedoch nach ihrem eigentlichen erlöschen, vielleicht mit verständnisloser unterschiebung der neuen bedeutung '
equa' (
u. B),
worauf besonders die jetzt auftretende form stute
weist: dieweil die pferde bei einander seint, mehret sich die stude, wo sie aber einander beiszen und schlahen, so musz die stude zergehen S. Franck
bei Schiller-Lübben 4, 417; aber die tütschen flissen sich, wie sie vernychten selbst jr rich, do mit die studt zerstörung hab, bissen die pferd ir schwäntz selb ab S. Brant
narrenschiff 95
Zarncke; wenn eyn stuodt zergehen soll, so beisst eyn pferdt dem andern den schwantz ab J. Agricola
sprichw. (1534) c 5
a;
ebenso: wann eine studte zergehen sol
u. s. w. Friedrich Wilhelm
sprichw. reg. (1577) ii 2
a; wenn ein stud vergehen soll
u. s. w. Lehmann
flor. pol. 2 (1662) 832;
s. Wander sprichw. lex. 4, 950;
das gleiche sprichwort auch mit der form gestüt,
s. teil 4, 1, 4270. BB. '
weibliches pferd, mutterpferd'.
seit der wende des 14.
und 15.
jh., nicht schon bei Nic. v. Jeroschin (
s. o., A 1).
wahrscheinlich gekürzt aus dem seit alters reich bezeugten stutrosz '
herdenpferd, zuchtpferd, mutterpferd',
compositum von stut A,
s. M. Heyne
hausalterth. 2, 173;
vgl. auch das ähnliche stutpferd
u. a. dasz ein bloszer bedeutungswandel aus A
vorliege, beruhend darauf, dasz das pferd sowohl vom mutterpferd als aus der herde, dem gestüt herstammt, ist weniger wahrscheinlich. —
im gegensatz zu A
gemischt flektiert; auszerhalb des deutschen neben den verbreiteten wörtern für '
equa'
nur vereinzelt bezeugt, in einigen fällen bestimmt auf entlehnung beruhend, s. Falk-Torp
norw.-dän. et. wb. 1170; Murray 9, 1. 1177;
für das nl. nur bei Kilian (1605) 540
bezeugt. in den deutschen mundarten nur neben einer reihe von synonyma, besonders mähre;
am besten im nd. bezeugt, im obd. offenbar immer erst durch schriftd. einflusz, s. Fischer schwäb. 5, 1939; Schmeller-Fromman 2, 799. B@11)
eigentliche anwendung: studen
voc. theut. Nürnberg a. 1482
bei Weigand-Hirt
deutsches wb.5 2, 1002; trett wir nu frolich zue und nemen stüeten, esel und kue
fastnachtsp. a. d. 15. jh. 491
Keller; zum vi. sey er bey nechtlicher weil under die stuot gangen zu Gerelfingen und ain stuot erstochen; hab in der stuoter beten, dasz er kains mer stech Knebel
chron. v. Kaisheim 391
lit. ver.; item 35
m. dem kompthur von der Golow, eyne stuth do mete zu bezahlen, dy her gekouft hatte
Marienb. tresslerbuch 167
Joachim; die geburt des maulesels, die aus zweyerley thieren, stutten und esel Paracelsus
chir. (1618) 133
Huser; die stut oder muterpferdin seind zwar im anderen jar fruchtbar Sebiz
feldbau (1579) 150; in geleichem form als die ungezaumten rosz in den weyten ängern mit den stueten oder roszmüttern lauffen Arigo
dec. 418
Keller; das aber die stute in brunst ist und eynen hengst begert, soll er ... erkennen: die mär bläet sich auf Sebiz
feldbau (1579) 149; es ist an diesem ort das ... gestüte, bestehend in 50 000 stuten A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 3, 165; schlecht und hölzern trinkgeschirr pflegt der stutten milch zu fassen v. Schönaich
Heinrich der vogler 9. dort der anger — und dort am hang die müsam weidende stute v. Droste-Hülshoff 1, 238
Schücking; sprengte Abdollam auf einer prächtigen arabischen stute einher Jung-Stilling
s. schr. 4, 316; und ich mir unter diesen zähen naturen ... wie eine wilde arabische stute vorkomme
br. von u. an Herwegh 43; ein hengst, den man zuo den gurren oder stuoten läszt Frisius
dict. (1556) 39
a; als ob damit die pferd aufgepracht würden, die studen zu bespringen Fischart
ehzuchtbüchlin 125
Hauffen; von den stuten und schelchhengsten, auch von den füllen, so von jhnen geworffen werden
M. Herr
feldbau 184
b; warum schickt man denn aus dem fernen Ostpreuszen stuten hieher zu meinen arabischen hengsten? Laube
ges. schr. 16, 10; er gieng fürbas und fand ain stuot mit ainem fülhin uf der waid Stainhöwel
Äsop 215
lit. ver.; schwerlich wird das füllichen langsam gehen, wann die stutte trabet P. Winckler 2000
gutte gedancken (1685) d 3
b; das geschäft die stuten und fohlen zu hüten Göthe 25, 1, 2
W.; redensartlich: doch damit wir wieder über die leuse geraten wie der hengst über die stute, so erklären wir Prätorius
philos. colus (1662) 158.
als übersetzung von hippomanes: bruntz von einer studten
vel ein krut Altenstaig
voc. (1516) 23
c. B@22)
vereinzelt auch für das weibchen anderer tiere als des pferdes: dan so eyn weibsbild zornig würt die wüthet wie ein löwin stuodt der man die jungen nemen duot Seb. Brant
narrenschiff 64
Zarncke; auf eisschollen sanft gewiegt schlummerte ein heer von walrossen. ... beim ersten fang befanden sich ein hengst und eine stute zugleich auf einer eisscholle A. Petermann
in mitth. aus Perthes geogr. anst., erg.-bd. 4
nr. 16
s. 42. eselstute Sanders
deutsches wb. 3, 1262
b; kamelstute Rückert 11, 389
Sauer. B@33)
übertragen von frauenzimmern, meist auf übertriebene lüsternheit zielend: stuttn '
ausschweifende weibspersonen' Hügel
Wiener dial. 160; (
er) des abentz in eyner seinere freündin hause ging, do er auch vormals mit stuoten gen acker gefaren war Arigo
dec. 261
Keller. in compositis: (
ein pfarrherr) were bey einer pfaffenköchin (wie dann damals etliche solche pfaffenstuten an bahren auf der strew hielten) gelegen
Z. Theobald
Hussitenkrieg (1609) 4. leibstute,
s. teil 6, 609.
allgemeiner beschimpfend: und kuplerin, du alte stut, wolst du verkauffen menschenblut durch dein listigen hurenschlack? H. Sachs 2, 18
Keller; ich hoff, min frow die tail im mit ir künglich gnaud und alles guot. nain, sprach die ungetrüwe stuot Hermann v. Sachsenheim 157
Martin; da er sie ansahe als ein rechtes weibesbildt, und keine mähren oder stutten Nigrinus
von zäuberern (1592) 185.
im einfachen vergleich: das mägdgen verwunderte sich darüber, dasz ich solchen galanten geruch nicht vertragen konte: weil sie gewehnet ware, dasz ihre thorichten anbeter nach demselben ihre nasen und mäuler aufsperreten, wie die verliebte stutten in Andalusien nach dem westwinde mit ihren mäulern gapfen H. Lindenborn
Diogenes (1742); die magd lief wie eine stute, die mit sporn geritten wird, die stiegen hinunter Joh. Riemer
polit. maulaffe (1679) 164.
ähnlich: ist leicht sein weyb ain stuodt gewest (
da sie nur drei tage im kindbett gelegen habe) J. Nas
antipap. eins u. hundert 2, 156
a; eine stut und hengst haben Troja umgekehrt: nemlich Helena und der griechen höltznes pferd Logau 544
Eitner. mundartlich besonders als schimpfname träger weibspersonen, s. Loritza
id. vienn. 128; e faule stuen Schmeller-Fr. 2, 799;
ähnlich im henneberg.: e grusz, e lang stute
grosze weibsperson Frommanns zs. 4, 307;
s. auch Fischer
schwäb. 5, 1939.