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schleppe

nhd. bis sprichw. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schleppe

Bd. 15, Sp. 640
schleppe , f. nachschleppender theil am kleide, traha, lehnwort aus dem nd., vgl. schleppen und Kluge5 327a. Weigand 2, 588. das zu erwartende mnd. slêpe (= hochd. schleife) ist bei Schiller-Lübben in dieser bedeutung nicht belegt, dagegen die zusammensetzung slepehoiken schleppmantel 4, 233b, auch sliphoiken 242b; sonst findet sich slepe kleiner schlitten, auch als kriegswerkzeug 233b; ferner ein unklares sleppe 6, 263a; das auch in den heutigen nd. mundarten weit verbreitete slippe, schosz (s. 4, 243) ist fern zu halten. über die nebenformen sleip, slêp, schlepp in der ältern sprache s. letzteres. in der hochd. schriftsprache begegnet das wort zuerst 1663 bei Schottel (s. u.). in neueren nd. mundarten sleep, slepe brem. wb. 4, 823, slêpe und slîpe Schambach 194a. 195a, vgl. 321a; slêpe, släpe, slêp, slǟp ten Doornkaat Koolman 3, 196a, vgl. unten 6. den hochd. mundarten ist das wort fremd: thür. schleppe, tasche, hosentasche, gehört mit hess. schlippe, nd. slippe zusammen (vgl. schlippe). Regel 260 f. auch tirol. - cimbr. slepa maulschelle Zingerle 51b. cimbr. wb. 232b gehört wol nicht hierher. nur die mundarten des ungarischen berglandes kennen schleppe schlitten Schröer 202a. 11, 1@aa) der nachschleppende theil des kleides, besonders des frauenkleides: schleppe, f. syrma, der schweif oder schwantz am weiberrokke. Schottel 1401, syrma, vestis oblonga, incessus vestigia quasi verrens. Stieler 1807, cauda vestis muliebris humum verrens, syrma Frisch 2, 197b, vgl. frauenz.-lex. 3077 (die schleppe kommt im 12. jh. auf und wird im mhd. swanz, bez. swenzelîn, swenzel genannt, vgl. Schultz f. leben2 1, 265 ff. Weinhold d. deutschen frauen2 2, 227. 234. 262, ebenso im ältern nhd. der schwanz oder der schweif); endlich verfitzt sie sich mit ihren füszen in der schleppe ihres rocks, so, dasz sie zu fallen gefahr läuft. Chr. F. Weisze kom. op. 12, 70 (Lottchen am hofe 2, 2); ein schwarzes gewand umschlosz ihren leib und bedeckte selbst die füsze und folgte ihrem schritt in dunkeln wellen als schleppe. Ludwig 2, 446; doch hindern die schleppen am tanze. Göthe 1, 229; grad, edel vor sich hin sie geht, ohne mit schlepp' und steisz zu schwenzen. 11, 126; vornehmen damen tragen pagen oder edelfräulein die schleppe (nach), vgl. schleppenträger: (ich) will nicht, wenn euch der kaiser heischt nach Wien, die schleppe tragen seiner gräfin hausfrau. Grillparzer4 5, 112 (Ottokar 4); des purpurmantels schleppe tragen die fräulein, welche mit ihr gehn. Immermann 13, 205 Hempel; es war ein schöner page, blond war sein haupt, leicht war sein sinn; er trug die seidne schleppe der jungen königin. H. Heine 1, 215 Elster; zwei junge doctores juris trugen die schleppe ihres (der Themis) grau verblichenen gewandes. 3, 21. 1@bb) ebenso an fürstenmänteln: schleppe des königl. mantels nachtragen, vestem regalem excipere. Apin 486; wenn .. zuletzt der alte (doge) .. im längsten goldenen talar, mit dem hermelinmantel aussteigt, drey diener sich seiner schleppe bemächtigen. Göthe 27, 129; Verrina. Genueser — ihr beide kennt das alterthum meines namens. eure ahnen haben den meinigen die schleppe getragen. Schiller Fiesko 1, 11; diesz bethörte mädchen, das, von geburt bestimmt, die schleppe des königlichen schmucks Marien nachzutragen, sich würdig glaubte, ihren thron zu füllen. Wieland suppl. 4, 300 (Joh. Gray 3, 7). 1@cc) oft bildlich, besonders vom gefolge, den nachziehenden menschenmassen, wofür Stieler 1807 und Frisch 2, 197b geschleppe anführen (s. das.): (da) begegnet' ich Abu Seid von Lerug, den bedrängte ein harm, — weil an ihn sich hängte ein weiberschwarm ... und ich fragt' ihn, wohin er sich schleppe — mit seiner unbequemen schleppe. Rückert (1882) 11, 468. im bilde: Albano (ging während der huldigung) in eine zuschauerloge am huldigungsal; denn er wollte auf keine weise in die schleppe des fürsten eingestickt sein, nicht einmal als besatz. J. Paul Titan 2, 97. nachziehende staubwolke: dann sähst du die reiter hier, wie sie rennen trutzig, und schleppen des staubs sich nachziehn meil' um meile. Rückert Hamâsa 1, 243. 22) eine kopftracht: schleppe ist ein von weiszer klarer leinwand, caton, nesteltuch oder schleyer zusammen genehete uberschlag um das haupt, wird vornher mit breiten weiszen spitzen bekräuselt und hinten unter dem nest zugezogen. s. Schultz alltagsleben s. 80; rauche schleppe ist eine zweytheiligte und rundlänglichte von brocard, stoff, damast, sammet, atlas oder andern schwartz oder bunten zeugen geschnitlene und zusammengesetzte schleppe mit einem runden zobel- oder marter - gebrähme von vornen besetzet. 81, vgl. öcon. lex. 2601; bedeckung des kopfes, die mit einem spitzen zipfel die stirn bedeckt. Campe. 33) schleppe ... foemina ignava, coenosa, it. lasciva, et libidinosa, gall. trainarde. Stieler 1807; schleppe, nichts werte frau, muliercula Pomey indiculus universalis (1720), s. Dief.-Wülcker 840: es fügte sich aber, dasz er dieser schleppen genug hatte und sie von sich lässet. Harsdörfer schauplatz lust- u. lehrreicher gesch. (Frankf. 1653) 2, 42; und ihn darnach bewogen, dasz er seine gewesene schleppe oder feldweib niderschieszen lassen. 43; losz schleppen offt fein männer verführn. Ayrer 488, 24 Keller; ey, thut den bschiesznen doctor sehn. dem ich zum weib nicht schön gnug bin, und geht zu andern schläppen hin! 2388, 3. 44) hin und her geschlepptes wildpret oder hasengescheide als köder zum ankörnen der füchse Jacobsson 3, 622b: zur schleppe ist recht gut, wenn man eine katze nimmt, oder einen fuchs streiffet, und selbige so gantz bratet, nur musz das gescheide weggeschmissen werden. Döbel 2, 145b; (man) schleifet endlich von dem holze und von einem körrungsplatze zum andern mit etwas, das man die schleppe nennt. zu dieser schleppe nimmt man am besten eine gebratene katze, zu welchem braten man ein feuer unter freyem himmel anmachet. Heppe jagdlust 1, 403. 55) technisches. 5@aa) im bergwesen stangen bei flötzwerken, worauf der schleppkasten (vgl. das.) fortgeschleppt wird. Jacobsson 3, 622b. 5@bb) ferner klüfte, welche bei dem gange bleiben. ebenda. 5@cc) bei den papiermachern ein dünnes, schmales, mit beuteltuch überzogenes brett, welches auf die aus der presse genommenen noch nassen papierbogen gelegt wird. ebenda (vgl. Campe). 5@dd) bei den fischern für schleppnetz, vgl. daselbst. 66) nd. slepe für hochd. schleife, kleiner schlitten; so schon mnd., s. Schiller-Lübben 4, 233b, ebenso nnd. brem. wb. 4, 823. ten Doornkaat Koolman 3, 196b (gerät, womit man etwas schleift oder schleppt, schlitten); vereinzelt auch in der schriftsprache: schleppe (die) traha Steinbach 2, 442. in der form schlöpe: vom nachrichter auf einer schlöpe nach dem armen-kirchhof gefahren. quelle s. nd. korrespondenzbl. 10, 93. — ferner steht slepe, sleep im nd. auch in den bedeutungen 1, a und c, s. brem. wb. a. a. o., sowie in folgenden dem niederd. eigenthümlichen verwendungen: 6@aa) zustand des schleifens oder schleppens; z. b. hê is mit de kinder up de slepe, er schleppt und zieht mit den kindern herum (als vater u. s. w.); hê hed hum in de slepe, er schleppt ihn mit sich. ten Doornkaat Koolman 3, 197a. 6@bb) mit eisen beschlagene breche, um flachs und hanf von den splittern zu reinigen. brem. wb. 4, 823, auch schrupbrâke Schambach 194a. 6@cc) pantoffel. ebenda.
7386 Zeichen · 171 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schlêppe

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Schlêppe , plur. die -n, Diminut. das Schleppchen, Oberd. Schlepplein, von dem Zeitworte schleppen. 1) Bey dem ander…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Schleppe

    Goethe-Wörterbuch

    Schleppe apokopiert ‘Schlepp’ 16,124 Vs 27 auf dem Boden schleifendes (rückwärtiges) Teil der Oberbekleidung, meist von …

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schleppe

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +1 Parallelbeleg

    Schleppe , die gegen die Mitte des 14. Jahrh. in Frankreich und bald nachher auch in andern Ländern zur Mode gewordene V…

  4. modern
    Dialekt
    Schlepp(e)

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Schlepp(e) [ʿSlèp Gebw. Ruf. Obhergh. ] f. (m. Wittenh. ) 1. nachschleifender Teil des Frauenrockes Ruf. Auch der ganze …

  5. Sprichwörter
    Schleppe

    Wander (Sprichwörter)

    Schleppe Ich will keine Schleppe tragen. Holl. : Ik mag zulk een' sleep achter mij niet hebben. ( Harrebomée, II, 273 b …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schleppe

29 Bildungen · 26 Erstglied · 2 Zweitglied · 1 Ableitungen

schleppe‑ als Erstglied (26 von 26)

schleppen1

PfWB

schleppen 1 schw. : 1. '(mühsam) tragen, eine schwere Last tragen', schleppe (šlebə) [verbr., PfId. 124 Lambert Penns 135 Krämer Gal 187]; v…

schleppen2

PfWB

schleppen 2 'Schlingen, Knoten machen' s. schlüpfen .

schleppend

Pfeifer_etym

schlepp·end

schleppen Vb. ‘auf dem Boden nachziehen, mühsam forttragen, fortziehen’, reflexiv ‘sich mit Anstrengung bewegen’. Mnd. slēpen ‘schleppen, sc…

schleppen I

RhWB

schleppen I -e- = schlitzen s. schlippen III;

schleppen II

RhWB

schleppen II -e- = zur Schleife binden s. schlippen bei Schlopp III.

schleppenmesser

DWB

schleppen·messer

schleppenmesser , m. : ich brauche lieber bei damen keinen schleppenmesser, den ich an ihre schleppen anlege. J. Paul literar. nachlasz 4, 6…

schleppennatter

DWB

schleppen·natter

schleppennatter , f. eine asiatische natternart mit zwei gelblichen streifen auf dem rücken und braunen querbändern, coluber stolatus. Nemni…

schleppenschwanz

DWB

schleppen·schwanz

schleppenschwanz , m. schleppe ( wofür die ältere sprache swanz sagte, s. schleppe 1, a ): ach, feins mein lieb, nun spitz die füsz, wohl au…

schleppenträger

DWB

schleppen·traeger

schleppenträger , m. syrmatophorus Frisch 2, 197 a , der einer vornehmen person die schleppe nachträgt Adelung ; auch übertragen: schleppent…

Schlepper1

PfWB

Schlepper 1 m. : 1. 'Bergarbeiter, der die Grubenwagen schiebt', Schleppeʳ (šlebəʳ) [ KU-Schmittw/O ]. — 2. 'Wasserfahrzeug, das andere schl…

schlepperei

DWB

schleppe·rei

schlepperei , f. das schleppen, etwas verächtlicher ausdruck: schlepperey, schleppung, die, et das schleppen, assectatio, comitatus, it. rap…

schlepperlein

DWB

schlepper·lein

schlepperlein , n. kinderklapper; unvollständiges wagenfuder holz, heu u. s. w. Schm. 2, 531 .

schleppern

DWB

schlepp·ern

schleppern , verb. lautmalendes wort. 1) bair. schlottern, zittern, klappern Schm. 2, 531. 2 ) kärntn. schlürfen Lexer 220 . vgl. schlappern…

Schleppeteⁿ

Idiotikon

Schleppeteⁿ Band 9, Spalte 619 Schleppeteⁿ 9,619

Schleppets

SHW

Schleppets Band 5, Spalte 425-426

Schleppeⁿtschäggs

Idiotikon

Schleppeⁿtschäggs Band 14, Spalte 1722 Schleppeⁿtschäggs 14,1722

schleppe als Zweitglied (2 von 2)

geschleppe

DWB

geschleppe , n. , verbalsubst. zu schleppen. 1 1) das schleppen, tractus, raptus Steinbach 2, 442 ; übertragen, von einer liebschaft: obersä…

Ableitungen von schleppe (1 von 1)

geschleppe

DWB

geschleppe , n. , verbalsubst. zu schleppen. 1 1) das schleppen, tractus, raptus Steinbach 2, 442 ; übertragen, von einer liebschaft: obersä…

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Cotta, M. (2026). „schleppe". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/schleppe/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „schleppe". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/schleppe/dwb. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „schleppe". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/schleppe/dwb.
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