wabe,
f. ,
die wachs- und honigscheibe des bienenstocks. ein wort, das, ursprünglich nur von landschaftlicher geltung, noch nicht lange in der schriftsprache haftet, und viele nebenformen hat. II.
formen und verwandtschaft. I@11)
das geschlecht des wortes steht auch jetzt noch nicht völlig fest. ahd. wabo
m. und waba
f., mhd. ist nur das masc. wabe
nachzuweisen, das häufig zu waben
erweitert wird. im älteren nhd. findet sich neben gewöhnlichem masc. doch auch das fem. (Rompler. Spee).
jetzt lebt das masc. im bair. (Schmeller
2 2, 828)
und andren obd. mundarten, während die schriftsprache sich für das fem. entschieden hat, das sich auch seit Schottel
in allen wörterbüchern, die angaben über das geschlecht enthalten, findet. doch kommt das masc., das sich zu einer erweiterten form waben
und einer verkürzten form wab (
dahin wol auch das als neutr. angesetzte honigwab
bei Keisersberg,
theil 4, 2, 1794)
entwickelt hat, in der literatur bis auf die neuere zeit vor: da geht's euch wie Dionens knaben, als ihn, versteckt im honigwaben, ein bienchen in den finger stach. Wieland 4, 194 (
Sixt u. Klärchen 1);
Warwick. .., so wird der prinz bei reifrer zeit, wie grobe redensarten, sich der gefährten abthun ...
kön. Heinrich. nicht leicht verläszt die biene ihren waben im todten aas.
Shakespeare Heinrich IV, 2.
th. 4, 4; im topfe trägt sie den honigwab, zergehend in juliushitze. A. v. Droste-Hülshoff
werke 2, 498.
vereinzelt steht (
da das bei Lexer 1, 1335
angesetzte neutr. honecwap
nicht gesichert ist)
ein neutr. waben: stell sie sich ein goldnes honigwaben vor, aus dem die ganze wand besteht, lauter achteckige goldne zellen, in jeder ein andrer heiliger. Bettine
briefe 1, 70. I@22)
von den nebenformen sei zunächst die mit verdoppelter labialis (
durch einflusz des n-
suffixes zu erklären)
erwähnt: wabbe
bei Stieler 2451. Ludwig 2358. Kramer 257 (
neben wabe): sie tischt ihm butterbrot und wurst und wabben auf. Pfeffel
poet. versuche (1789) 3, 97,
wofür in den späteren ausgaben waben.
daneben stehen formen mit p.
voc. rerum (
Augsburg 1495) 27
b favum, die susse des honiges oder der wap (
andre ausgaben wab); es pflegen auch die kleinen bienen eyer zu legen, aber nur in die weiten kuchen und honig-wapen. J. R. Schubart
bienenbuch (1747), 36.
auch das jetzige schweiz. kennt —
neben wabe
m. f. —
auch wape.
die form wafe, wafen
kommt bei Brant
vor: wer hunig fyndt und wafen scharff, der äsz nit me dann er bedarf und ht vor füllung sich der ssz, das ers nit wider spüwen msz.
narrensch. 106, 21 (
nach spr. Sal. 25, 16).
aus anderen quellen ist sie nicht zu belegen. Campe
führt (
nach Popowitsch) wafen
als '
wirtembergisch'
an, doch gehen (
nach freundl. mitteilung H. Fischers)
die formen des jetzigen schwäbischen auf wëfel
zurück. die schreibung waw
bei Rompler (III, 2)
deutet nur die spirantische aussprache des b
an (
jetzt im südl. Elsasz der wawe = waben).
ferner steht dann webe,
das auch in der bedeutung von wabe
vorkommt (
s. an alphab. stelle)
und eine reihe von suffixbildungen, nämlich neben vereinzeltem wabel (
favus, wabel, honigsaum Frischlin
nomencl. 1594. 126) wafel, wefel (
s. beide an alphabet. stelle)
und wift,
das schon mhd. als '
wabe'
vorkommt und auch in jetzigen mundarten lebt. I@33)
seiner herkunft nach ist wabe
zu weben
zu stellen und bedeutet also ursprünglich '
gewebe'.
völlig sichergestellt wird diese etymologie dadurch, dasz auch bei den nebenformen webe, wefel, wift
von der bedeutung '
gewebe'
auszugehen ist, wie auch das in der bedeutung '
wabe'
häufige gewirke
eigentlich '
gewebe'
bedeutet. IIII.
verbreitung. wabe
ist in seinem gebrauch ursprünglich local beschränkt. volksmäszig ist es jetzt wol nur in Oberdeutschland (
mit einschlusz von Ostfranken),
dagegen wird es aus md. mundarten nirgends angegeben (
das fehlen des wortes bezeugt ausdrücklich für Hessen Vilmar 330,
für das badische Südfranken Lenz
vergl. wb. 75);
doch könnte siebenbürg. wuaf (
plur. wuabm)
bei Kisch 175
dafür sprechen, dasz das wort in rheinischen mundarten früher bekannt war. in Ostmitteldeutschland und Niederdeuschland hat es der volkssprache nie angehört. die ahd. belege weisen auch auf Oberdeutschland und Ostfranken. es steht wabo
bei Williram
und im summarium Heinrici, Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 154, 61, waba
im glossar Rd examen apium, impi piano (
aliquando waba) Steinmeyer - Sievers 1, 278, 73,
im Tatian und bei Notker,
ferner favos, waben
in den glossen der Herrad, Steinmeyer-Sievers 3, 412, 34.
auch die mhd. belege bei Lexer 1, 1335. 3, 622
sind oberdeutscher herkunft, mit ausnahme des aus meister Eckhart,
dessen schriften meist in obd. form vorliegen. ob das von Bartsch
bei Albrecht von Halberstadt 35, 37
nach Wickram
gesetzte honecwap
dem dichter angehört, ist sehr fraglich. ein synonymon ist râz, râze Lexer 2, 354,
das besonders in md. quellen begegnet (
auch jetzt noch als rosze, rose
sehr verbreitet)
und dem nd. rat
entspricht, ferner kommt wift
in der bedeutung von '
wabe'
vor, der sich auch seim, honecseim
nähert, das eigentlich den flüssigen honig bezeichnet. diese ausdrücke, zu denen sich dann noch wefel, wafel
gesellt, kommen auch im älteren nhd. nebeneinander vor, vgl. Diefenbach
gl. 81
c.
nov. gl. 59
b u. brisca, gl. 228
b.
nov. gl. 169
a u. favus. vielfach finden sich mehrere bezeichnungen nebeneinander z. b. voc. praed. (
Straszburg 1486)
k 4
b favus, honigwaben
vel honigraszen. wabe
ist ferner noch bekannt dem voc. rerum (
Leipzig 1491
u. a. ausgaben, daneben wap),
während die meisten glossare nur rasz rosz, weffel
oder honigseim
u. s. w. angeben. auch Alberus
im dict. Xx 1
a hat favus, rasz
und führt wabe
nicht an. wabe
ist dagegen vertreten durch Dasypodius 450
b wabe, honigrosz,
favus, Maaler 478
d waaben,
heuszle der ymmen oder die schönen löchle, darinn sy ire jungen erhaltend und honig darinn machend, favus, darnach Junius 56
a favus, waaben oder heuszle der ymmen, Emmelius
nomencl. (1592) 152 wabe,
favus. in der litteratur des 16.
jahrh. tritt das wort namentlich bei den Alemannen auf. Luther
dagegen kennt es nicht. er setzt in der bibel, im unterschied gegen andere übersetzer, nur seim, honigseim,
oder blosz honig
vgl. richter 14, 8: da war ein bienschwarm in dem ass des lewens und honig (Koberger ein schwarm der binen was in seynem munde und ein rosen des hönigs, Dietenberger da war ein byenschwarm in dem mund des lewens und ein rosz honig,
dagegen Züricher bibel do was ein byenwaben in dem aasz des löuwens);
hohelied 5, 1 ich hab meins seims sampt meinem honige gessen (Koberger ich asse den hönigsam in mitt meynem hönig, Dietenberger ich hab meins hönigseims sampt meinem honig gessen,
dagegen Züricher bibel ich wil mein honig und mein honigwaben);
sprüche Sal. 24, 13 iss mein son honig .. und honigseim (Koberger hönig und hönigsam, Dietenberger hönig und hönigseim,
dagegen Züricher bibel honig und ein süssen honigwaben);
Luc. 24, 42 sie legten im fur ein stück vom gebraten fisch und honigseims (Koberger hönigsaz, Dietenberger
und Eck hönigrosz,
dagegen Züricher bibel honigwaben).
hauptsächlich wol von der alemann. litteratur aus, die eine grosze anzahl viel gelesener werke umfaszt, hat sich dann wabe,
besonders in der verdeutlichenden zusammensetzung honigwabe,
weiter verbreitet. der honigrost oder wabe. Coler
traumbuch (
Wittenberg 1607)
cap. 233; machen weder wachs noch honigwaben. Rollenhagen
froschmeus. Gg 4
b (2, 3, 7); von blumen wasz sie (
die bienen) schaben, wasz da sie frücklen ausz, wird gleich zur honigwaben, wans ihnen kombt nach hausz. Spee
trutznacht. 129.
doch dauert es lange, bis wabe
über die anderen ausdrücke, zu denen noch die umschreibungen gewirke, honigkuchen, honigfladen, honigtafel, honigscheibe
u. s. w. kommen, das übergewicht erhält. die südd. lexikographen führen es meist an, so Schönsleder
prompt. Kk 1
c wabe,
favus, Hulsius 272 wabe, honigrosz,
favo di miele, Dentzler 2, 339 wabe,
favus, Krämer 645 honigwabbe
neben honigseim
und honigrosz,
favo fialdone. dagegen gibt z. b. Zehner
im nomencl. (
Schleusingen 1622) 251
favus nur durch gewirck oder honigkuchen
wieder und auch, nachdem wabe (wabbe)
durch Schottel
und Stieler
allgemeiner bekannt geworden war, führen es manche wörterbücher noch gar nicht an, so Kirsch (
der nur im lat. theil unter favus neben anderen verdeutschungen auch waben
angiebt), Hederich, Nieremberger; Steinbach 2, 908
bezeichnet wabe
als mundartlich und auch Frisch 2, 411
scheint es nicht geläufig zu sein. auch den werken, die über bienenzucht handeln, ist wabe
nicht allgemein bekannt, Coler
im hausbuch hat nur rohs, rohst, Hohberg
im land- und feldleben wefel;
später wird zwar wabe
meist mit angeführt, aber keineswegs bevorzugt. roos, gewircke, wüfftig, wafel oder honigwaben. Zinke
ökon. lex. 3060; honigscheibe, honigfladen, honigwaben, honigweben, honigrosz, honigkuchen, honigtafeln, honigmarten, honiggehren. Jacobsson 3, 284; kuchen, tafeln, wefel, waben, rosz, geeren, marten. Overbeck
bienenwb. 72; roht, rost, rohs, kuchen, blätter, wachstafeln, gewirke, geren, wefel, waben. Grüwel
brandenburg. bienenkunst (1761) 399 (
im '
verzeichnisz gleichgültiger wörter'); die honigwaben J. Ch. Hirsch
der fränk. bienen - meister (
Anspach 1767) 170 (
daneben honigscheiben 178, gewürcke 200, wachstafeln, wachskuchen 204
u. s. w.); ihre waben oder wachs- und honigtafeln. J. L. Christ
bienenkatechismus (
Leipz. 1820) 38; die rosen oder waben. 65 (
dagegen hat J. G. Cramer
bienenbuch. Leipz. 1803.
schlechtweg wabe).
noch Adelung
bezeichnet wabe
als ein nur in einigen gegenden bekanntes wort, wofür im hochdeutschen gewirk,
in andren gegenden roosz, wefel, tafel, kuchen
gesagt werde. dagegen gibt Campe
das wort ohne einschränkung. zu seiner zeit hatte sich wabe
auch in der litteratur völlig eingebürgert. IIIIII.
gebrauch. III@11) wabe
bezeichnet zunächst die wächserne scheibe des bienenstockes, aus zellen bestehend, von denen die meisten zur aufspeicherung des honigs dienen, während andere zur aufnahme des sog. bienenbrotes oder für die junge brut bestimmt sind: diu geteilte minne von gote ist als daz wazzer in dem fuire unde diu geeinigete minne von gote ist als der wabe in dem honige.
M. Eckhart
mystiker 2, 492, 22
Pfeiffer; als der honig im waben. Keisersberg
Marie himelfart 10
a; wan der honnig im waben lyt, so ligt er recht.
ebenda; (
der honig) den die bienen aus den blumen saugen ... und die waben oder wefeln damit füllen. Jablonski (1721) 296
b; oben im stock fangen die bienen ihren bau an, und machen ihre wachskuchen oder scheiben, die auf beyden seiten zellen haben ... so, dasz haupt- und seitengassen bleiben, um ohne zeitverlust von einem waben auf den andern kommen zu können.
unterhaltungen a. d. naturgesch. (
Augsb. 1798),
insecten 3, 176; als er .. durch einen offnen thorweg ging, in dem sich zahllose schwalbennester wie die waben eines bienenstockes zusammengefügt hatten. Auerbach
neues leben 1, 171. III@22)
gewöhnlich aber versteht man unter wabe
die wachsscheibe mit ihrem inhalt, dem honig. öfters kann der sing. wabe (
vgl. auch die unter I, 1
für das masc. waben
beigebrachten belege)
als collectiv auf den ganzen bau der bienen bezogen werden: trieffenter wabo. Williram 66, 2
Seemüller; also der wabo suebet in demo wahse, also ist verholan diu spiritualis intelligentia in historica narratione. 66, 6; dû (
Maria) bist der süezen bete ein waben, der schône tropfet zaller zît, wan under dîner zungen lît diu milch und ouch der honicseim. K. v. Würzburg
gold. schm. 206 (
nach hohel. 4, 11); die bären besteigen auch deshalben die hohe bäum, da sie wissen, dasz die waldbienen ihre wabe innen haben.
Plinius übers. v. Dhaun 161; bey den Moscoviten steygend die bären auff die böum den ymmen nach, die waben zefressen. Forer
thierb. 17
b; do kumpt ein bär der disen honigwaaben wol wuszt. 21
a; die imen förchten sich überausz sehr, dasz man sie nicht an irem werck mit dem geringsten berühre oder sonst unversichtlich die waben verrucke und zerreisse. Sebiz
feldbau (1580) 296; wann du den binen ire honigsaume und waben beschneidest. 305; die überplibene honigrosz und waben. 306; wie die bienen nit alleyn junge zeugen, sondern auch die waben und das rost, desgleichen auch das wachs pringen. Fischart
ehez. 210, 13
Hauffen; wie kompts dann, dasz man die mönch ... abtreibt wie die immen die horlitz oder wefftzen vom waben unnd honigrat.
Gargantua 245
a (390
neudr.); woltest du etwan muhtmasen, ich gebe meine arbeit in gegenwärtigem buch für auserlesen khöstlich honig dar, so würdest du dich selbs mit irrigem wahn betriegen. gestalt dan allerforderst zuwissen, dasz es gleichsam nur ein korb .. vol gesamleter brokken ist von mancherlej ungleicher wáw. J. Rompler
reim-getichte, vorrede s. 15; viel lieber steht er (
der bär) an wetterverschlagener fichte und späht, von woher die imme fleucht und wohin sie ihre waben verbirgt. Fr. Müller 1, 22; die erste honiglese war im mai oder junius. aus den geschnittenen waben liesz man ... zuerst durch eine geflochtene seige den lautersten honig ablaufen; das übrige ward gepreszt. Voss
Virgils ländliche gedichte 4, 783
anmerkung; im hohlen baum die waben, sie reichen honig dar. Geibel 1, 181. III@33)
auch die scheiben in den nestern der wespen, hornisse und ähnlicher insekten werden waben
genannt. Brehm
thierleben3 9, 248. III@44) wabe
nennt man auch nach der ähnlichkeit das poröse gewebe eines löcherschwammes. Popowitsch 589. Nemnich 5, 619.
ferner die einzelnen kleinen höhlen des gewebes der knochen. Pierer
medicin. wb. (
anatomie) 4, 464.