schwabe ,
m. name eines deutschen stammes. mhd. Swâp, Swâbe
mhd. wb. 2, 2, 763
a. Lexer
mhd. hwb. 2, 1338;
ahd. Swâp (Graff 6, 854),
ags. Svæf,
mlat. Suabus, Suavus,
älter Suebus, Suevus Müllenhoff in der
zeitschr. f. d. alterthum 9, 257.
der name ist nicht sicher zu deuten (
kurze zusammenstellung der erklärungsversuche bei Schade
altd. wb. u. diesem wort). J. Grimm
gramm. 2, 25
verglich altn. sofa (
für svefa)
schlafen, svæfa,
einschläfern, althd. ansuebjan,
mhd. ensweben (
sopire),
sodasz ahd. Swâpâ
etwa als pacificantes zu verstehen wäre; Wackernagel
faszt Schwabe
in gleicher etymologischer verbindung als den '
schläfrigen' (
zeitschrift f. deutsch. alterthum 6, 260).
in der mythol.4 294
anm. 1
werden die Suâpâ
auf einen halbgöttlichen helden zurückgeführt (
nach Tac. Germ. 2).
in seiner gesch. der deutschen sprache vertritt J. Grimm
eine wesentlich andere auffassung: der name ist slavisch und bezeichnet einen freien (
slav. svoboda,
libertas);
von östlichen slavischen nachbarn soll der name angrenzenden deutschen stämmen beigelegt sein; Sueven
und Slaven
sind dasselbe wort, sv
und sl
wechseln im anlaut. den stolzen namen nahmen dann auch die Slaven in anspruch oder empfingen ihn von den Germanen zurück, denselben namen, an den später im deutschen sich der begriff der knechtschaft anknüpfte (sclave). Grimm
geschichte d. d. sprache3 226.
die verbindung von Suēbi
und slav. svoboda
hält Kögel
aufrecht in seiner anzeige von Laistners
germ. völkernamen (
Stuttg. 1892)
im anz. f. d. alterth. 19, 3,
doch scheint er die bildung für eine germanische anzusehen. Laistner
vergleicht goth. sves
und faszt Suebi
als die volksgenossen, die landsleute. über die bedeutung des Suebennamens und die verschiebung der in betracht kommenden stämme sind jetzt Muchs
untersuchungen vor allem zu vergleichen (
beiträge z. gesch. d. d. sprache und litter. bd. 17
und bd. 20;
vergl. auch Schmeller 2, 616
ff.);
auch auf die weiteren geschicke der mit den Alamannen
verbundenen Schwaben,
die abgrenzung ihres gebietes gegen jene kann hier nicht eingegangen werden; die jetzigen Schwaben sitzen mit ihrer gröszten menge in Würtemberg und einem theile von Baiern, westlich und südlich von ihnen schlieszen sich ihre nächsten verwandten die Alamannen an (
vgl. Birlinger in der
Alemannia 1, 88. 16, 257). 11) Frisch 2, 239
a führt nur die starke form Schwab
an; Adelung
bezeichnet sie mit recht als oberd., denn in dessen gebiete gilt sie allgemein, vgl. Schm. 2, 616. Schöpf 655. Höfer 3, 120. Tobler 405
a. Hunziker 237;
letzterer verzeichnet auch den starken plur. Schwobe.
in der schriftsprache brauchen wir den starken sing. Schwab
in gemütlicher derber oder spottender wendung: ein biederer Schwab, ein blinder Schwab
u. ä.; jud' ist jude. ich bin ein plumper Schwab. des mädchens bild ist längst aus meiner seele. Lessing 2, 225.
in älterer sprache ganz allgemein: Sueuus, ein swab, swob, schwopp, swaypp, swap Dief. 564
c; ain schlechter, frommer, alter teutscher Schwab.
Zimm. chron.2 1, 433, 34; ain gueter, frommer, grober Schwab. 2, 487, 15. 22)
im appenzellischen gebiete bezeichnet man nach Tobler 405
a mit Schwab '
jeden bewohner in der nähe jenseit des Rheins, den Vorarlberger, Baier, Württemberger, Badener',
s. auch unter schwäbeln; Schöpf 655 (
scherzweise nennt man die bewohner des bezirks Reutte Schwaben),
den Elsässern (
unter franz. herrschaft)
galt Schwabe
für Deutsche überhaupt Frommanns
zeitschr. 3, 482.
die Ungarn nennen jeden Deutschen Schwab,
besonders ihre deutschen mitbürger, wobei die bezeichnung gehässig gemeint ist. 33)
dem edlen und tapferen stamme der Schwaben
war die reichssturmfahne anvertraut, er hatte das recht des vorfechtens: er verlêch ouch den Swâben, swâ man umbe des rîches nôt strîten solte, dâ suln die Swâbe vor allen sprâchen strîten.
Schwabensp. 31. fliehet, Schweizer, die Schwaben kommen.
sprichwort; doch ist der schwäbische stamm mehr als andere dem mehr oder minder gutmütigen spotte der bruderstämme verfallen, der sich in einer fülle von redensarten, sprichwörtern, schwänken, anekdoten ausgeprägt hat; auf diese kann hier nur verwiesen werden; auszerdem ist Schwaben
selbst reich an lustigen ortsneckereien. vgl. besonders Alemannia 2, 254. 4, 144. 5, 64. 7, 67. 8, 274. 9, 102. 10, 22. 270. 13, 181. 14, 186. 273. 18, 47.
freilich aus dem mittelalter dringt keine spöttische kunde über die Schwaben
zu uns, nur lobeserhebung, vgl. Wackernagel in der
zeitschr. f. deutsches alterthum 6, 258
ff. Socin
schriftsprache u. dialekte 77. Schm. 2, 618;
doch die spöttische gegenseitige characterisierung der stämme ist uralt. die geschichte von den tapferen helden, die ein flachsfeld für das meer ansehen, berichtet schon Paulus Diaconus
von den Herulern (1, 20); Schwaben, Franken
und Baiern
werden in einem derben spruch verspottet, den Schmeller 2, 617
mittheilt: die Swaben sind von hohem stam, sie schaysz ain rayger ab ainem paum nider auf die erden, bey dem Reyn; davon die Swaben komen sein. und von der Swaben stanck sindt komen die Frank. und aus der Francken ayr sindt komen die unsaubern Payr.
bei den Schwaben
mag, darauf kann der spruch deuten, eine uralte stammessage lange nachgewirkt haben. vergl. Adalswab, Altswab, Edelschwab
bei Schm.
a. a. o. 618; der rechten, alten adenlichen Schwaben.
Zimm. chr.2 2, 483, 10.
die Schwaben
gelten als geil und versorgen Deutschland mit huren. Joa. Boemus (1520)
bei Schm.
a. a. o. 618;
darnach bei S. Franck: also seind die Schwaben so eyn unkeüsch volck, dʒ es selten zuo rechtem mannbarem alter kumpt, und bey andern völckern ein sprüchwort darausz worden ist, Schwabenlandt gibt huoren gnuog, Franckenland rauber und betler gnuog, Böhem ketzer, Beyer dieb, Schweitzerlandt hencker, Sachsen sauffer, der Rein frässig, Frieszland und die Westvaler, trewlosz oder meyneydig.
weltb. 53
a (1542);
Jörg truchsesz von Walpurg weist mit grober rede eine hohe bairische dame zurecht, die ihn fragt, warum die Schwaben so böse ehemenner weren.
Zimm. chr.2 3, 468, 7.
Alemannia 1, 92. Höfer
östr. wb. 3, 121
sucht den vorwurf der feigheit, den man den Schwaben
macht (
in der geschichte von den sieben Schwaben)
mit dem sonst gerühmten schwäbischen mute in einklang zu bringen: kühnheit, durch viel sal volatile erzeugt, welche auszer den gefahren stark, in denselben oft flüchtig macht.
diese meinung exemplificiert er durch eine anekdote, die auch Schmeller
anführt: da wart (
beim dorfe Luca a. 1301
zwischen könig Albrecht und landgrafen Friedrich v. Thüringen) also gros mordt, das die Schwaben die rosz ufschnitten und krochen dorin; und von denen wart ein sprichwort als: es gehet dir nun als den Schwaben vor Luca.
quelle bei Schm.
a. a. o. 618; es wird dir glüken, wie den Schwaben bei Lüken. Eiselein 558.
der Schwabe
gilt als dumm, leicht zu vexieren (
pfiffig dagegen zeigt sich der Suevus
im modus florum und modus Liebinc Müllenhoff-Scherer
denkm. xx
und xxi): ain wundergroser spaivogel, von dem wenig unberämet komen, sonderlichen wa ime ain Schwab zu handen stiesze: der muest sich leiden.
Zimmer. chron.2 3, 496, 22.
er braucht daher vierzig jahre, um klug zu werden: es sind also die Schwaben nicht allein die vierzig jahre brauchen um klug zu werden. Göthe 29, 79.
mit köstlichem humor läszt das volksmärchen die sieben Schwaben
auf abenteuer ausziehen, in Kirchhofs
wendunm. (1, 318
Österley)
sind es neun schwäbische helden; vgl. zur gesch. die nachweisungen des herausgebers (5, 53). Eiselein
sprichw. 558.
Alem. 2, 255;
daher Schwabenstreich,
dummer aber lustiger streich. die Schwaben
haben nur vier sinne, da sie riechen mit durch schmecken
bezeichnen: Schwaben mangeln eines sinnes, sie riechen nicht, sondern heiszens schmecken. Petri
der Teutschen weish. 2, Ss 6
a.
der Schwabe
kommt blind zur welt und öffnet wie die hunde erst nach neun tagen die augen Grimm
gesch. d. deutschen spr.3 394.
gern knüpft der spott des volkes an lieblingsspeisen an, den Schwaben
werden ihre suppen vorgehalten (suppenschwaben): Schwaben, die nit gern suppen essen und geschwetzig sein.
Alemannia 16, 86; so sind die suppen der Schwaben schatz, darzu die klapperey und schwatz. H. Sachs 17, 399, 17
Götze; wann der Däne verlaszt seine grütze, der Franzos sein wein, der Schwab die suppen, und der Baier das bier, sind verloren alle vier.
spruch; ebenso knöpfleschwab (
von den knödeln).
wochenkarte: der Schwabe hat montags nudle, dinstags hutzle, mittwochs knöpfle, donnerstags spätzle, freitags gedämpfte grundbirn, sonnabends pfannkuchen, sonntags brätle und salätle. Wander
sprichwörterl. 4, 404.
auf bestimmte tracht bezieht sich Fischart: Augspurger und Ulmer werden viel freundschafft zusammen suchen, wiewol kittel und händschuchschwaben ungleich namen haben.
groszm. (
kloster 8, 653).
über schwäbisches gewand vergl. Alemannia 1, 94. blitzschwab, bigottschwab,
nach den betheuerungen potz blitz, bigott.
der nestelschwab
verschmäht die knöpfe, befestigt rock und hosen mit nesteln. der spiegelschwab
putzt sich die nase am ärmel. ein empfindlicher ist tief verletzt, als er glaubt für einen Schwaben
gehalten zu werden: es könte ihm kein ehrlicher kerle nachsagen, das er ein Schwabe wäre. Weise
erzn. 193
neudr. geschwätzigkeit (
s. oben die stelle aus H. Sachs)
gilt auch sonst als kennzeichen des Schwaben: Schwab ein schwätzer, Böhm' ein ketzer, Pol ein dieb, Preusz ein nimmerlieb. Eiselein
sprichw. 558; so hab ich von solchen baursjungen nie gehört solche klaffet zungen. sie können schwatzen wie die Schwaben. Ayrer 55, 7
Keller; Polonus fur est, Prutenus proditor domini, Boemus hereticus, et Sueuus loquax. Bebel
facet. (1561) 28,
vergl. Schwäblein.
während sonst der Schwabe
für plump und grob gilt (
Alemannia 1, 100),
rühmt Luther
seine höflichkeit: wenn ich .. viel reisen solte, wolte ich nirgend lieber, denn durch Schwaben und Beyerlandt ziehen, denn sie sind freundlich und gutwillig, herbergen gerne, gehen frembden und wanderleuten entgegen, und thun den leuten gütlich und gute auszrichtung umb jr geld.
tischreden (1568) 452
a; der Baier ist grob und ehrlich, der Schwab ist bschissa und höflich.
spruch; vielfach ist die wanderlust der Schwaben
bezeugt: quando Suevus nascitur tunc in cribro ponitur, dicit ei mater simul atque pater foramina quot cribro tot terras circumire hoc ordine sunt miro debes, sic vitam finire.
Germ. 6, 109.
vergl. die lustige geschichte von dem Hechinger bei Bebel,
der in Rhodus aussteigend den zusammenströmenden leuten zuruft: non est uspiam inter vos bonus aliquis socius ex Hechinga? Bebel
facet. 106 (1561); die Schwaben und bös geld führt der teufel in alle welt.
sprichwort; s. auch schwabensprung.
sprichwörtlich: Schwab musz allezeit das leberle gefressen haben. Wander 4, 406;
vgl. oben leberlein
theil 6, 463
und die bemerkungen zum '
bruder Lustig'
in den kinder- u. hausmärchen der brüder Grimm; die Schwaben mit dem leberlein. Weckherlin
ged. (1648) 528.
im Breisgau nennt man die ackerfrösche Schwaben Schm. 2, 619.
vgl. Germ. 13, 76. 44)
besonderes: 4@aa) '
wenn der reif bey den böttchern schleudert, so sagen sie: der hat einen crabaten gemacht;
derowegen wird ein stücke reif darzwischen geschlagen, das heiszt: ein Schwabe.
in Schwabenland aber leiden sie es nicht, sondern heiszen das stücke: einen philister'. Jacobsson 7, 283
a. 4@bb) swaow,
mehr noch im plur. de swaob'n
im gebrauch, bezeichnet altes leder von unbrauchbarem schuhwerk. es wird zu flickerei verwertet. Danneil 218
b. der Schwab,
gewöhnlicher der Schwaben,
stück schlechten leders, das der schuhmacher zwischen die brand- und die doppelsohle legt Schm. 2, 619. 4@cc) schwab, schwaben,
bündel ausgedroschenen strohes Höfer 3, 122. 4@dd)
eine brodart von bestimmtem gewichte Schm.
a. a. o.