scheinlich,
adj. ,
mhd. schînlich,
adv. schînlîche,
leuchtend, glänzend, offenbar, augenscheinlich, deutlich. Lexer
handwb. 2, 752,
mnd. schînlik,
adv. schînliken Schiller-Lübben 4, 98
b,
splendidus .. schinlich ..
hd. scheynlich Dief.
gloss. 548
a,
lucide schynlich 337
c,
clarus, eminenter voc. von 1482
bei Scherz-Oberlin 1388.
im verlaufe des nhd. ausgestorben, bez. nur in zusammensetzungen wie augenscheinlich, wahrscheinlich
erhalten, s. Stieler 1753. Steinbach 2, 418.
bei Adelung
und Campe
als veraltet aufgeführt. 11)
leuchtend, glänzend: glantzend, scheinend, scheinlich, welches gleiszet unnd scheinet,
clarum, fulgens, splendidum. Henisch 247, 59. 1@aa)
selten im eigentlichen sinne, und dann meist abgeblaszt: glänzend, in die augen fallend: die steckenknecht tragen auch solche gemalte stecken, doch nicht so lang oder scheinlich, wie desz profossen. Kirchhof
milit. discipl. 56;
im bilde: denn der teufel gehet nicht gerad zu, sonde(r)n verstellet sich offt, wie ein engel des liechtes, unnd kan böser sachen eine scheinliche farb und gestalt anstreichen. Mathesius
Sar. 214
b; kein adel sîne tugent gebar scheinlich sô vinsterlich gevar (
mag sie offenbar oder verborgen sein). Frauenlob 380, 12.
glänzend, prächtig, schön: (
fahne) darinn des fursten .. wappen und anders mit goldt und silber auffs scheinlichst gemahlet und zugericht. Kirchhof
milit. discipl. 85; diu vier elementâ stuonden schînlîchen dâ in ir sundervarwe.
Erec 7395. 1@bb)
prächtig, herrlich überhaupt, scheinlich leben, prangen, essen
u. ähnl.: he (
der reiche mann im evang.) at schinliken, dat is vorstliken.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 98
b; dj klain dieb seh wir offt hangen, und dj groszen scheinlich prangen. Schwartzenberg 157
a. 1@cc)
übertragen, ansehnlich, gut aussehend u. s. w.: das sie ein glid umb das ander raisig und fueszknecht geordent, woliches von vorn dem unverstendigen ein scheinlich ordnung anzusehen.
Wilw. v. Schaumburg 59
Keller; Stumpffius der lobwirdig chronographus .. (dessen scheinlich und sehr grosz werck hiezu .. fleiszig durchsucht). Kirchhof
wendunm. 3, 142
Österley (4, 150);
angesehen: ich wil mich durch die schnöde gold- und geld-liebe gros und scheinlich zu machen, nicht den wenigsten gedancken anlegen. Butschky
Pathmos 147;
beliebt, angenehm: also kan man dann die pillen, die sonst bitter wollen schmecken, scheinlich machen und vergolden, und die pflicht ins lob verstecken. Logau 2, 43, 56. 22)
sichtbar, deutlich erkennbar. für den bedeutungsübergang vgl.: es (
das pflaster) macht ein tail am angesicht ganz weisz und da die flecken, erschinen sie noch vil röter und scheinlicher.
Zimm. chron.2 3, 255, 35
Barack. 2@aa)
sichtbar, im eigentlichen sinne: das der gegenmonschein der feinden augen blendet, sein leuten aber die feindt scheinlich und sichtbar machet. Fronsperger
kriegsb. 3, 243
a;
freier: derselbe ort heiszt, glaube, in welchem alle dinge stehen, die wir weder sehen noch begreiffen können, wer dieselben wil sichtbar, scheinlich, und begreifflich machen .. Luther 5, 41
a. scheinlich sein: wie an jhme scheinlichen gewesen. Fronsperger
kriegsb. 1, 174
a; endlich sind diese tugenden am scheinlichsten, so jn ein angeborne glückseligkeit allzeit beystehet. 174
b.
häufig als adverb: dorumb den unrath der in dem allin scheinlich vor augen stehiet, notdurffticlich zcu vorkommen.
quelle von 1464
bei Haltaus 1609. 2@bb)
augenscheinlich, offenkundig: doch ist ein scheinlich wunder grosz, dasz ich dem stolzen feind ein stosz gegeben durch mein wenigkeit. Opel-Cohn 331, 47; auch das so scheinliche böse musz dem unschuldigen offt zum guten dienen.
Simpl. 125
Keller. 2@cc)
mit veränderter beziehung scheinlich (
deutlich, klar) sehen, erkennen
u. ähnl.: wir sehen in solchen fellen offentlich und scheinlich des teufels werck. Luther
tischr. 321
b; wie ime die schuch so oft zukommen und scheinlichen warname, das im die spitzlin darvon abgeschnitten.
Zimm. chr.2 3, 451, 25
Barack; und bist harnach nicht so gewüsz mit dem verbinden, alsz wann du es vor deinen augen scheinlichen sehest. Würtz
wundarzn. 278; daz di frouwe ir muter sach mit innerlicher goume schinlich in ir droume.
Elisabeth 7320
Rieger; auff das man scheinlich innen wer das ich auch heimlich sey ein christ. H. Sachs 1, 234
b;
ähnlich auch: verblendtes schattenwerck! betrüglichs wort-gefechte! wenn man die spitze sieht und weis nicht wem es gilt. wenn man den bruder meint, da man doch scheinlich dächte, es wür'd der grimm nur an des gegners blut gestillt. Wiedemann
juli 16; und wann uns alle punct und articul, die in denselben handfesten und briefen waren, von scheinlicher unterweisung wohl kundt seyn.
urk. von 1352
bei Haltaus 1609; darinn er (
Rabelais) das vorhaben solcher bücher .. scheinlich anbringet.
Garg. 8. 33)
abgeschwächt, was einen guten eindruck macht, glaubhaft, einleuchtend, wahrscheinlich: sintemal es ein scheinlich ansehen hat (
zu erwarten ist), e. k.
f. g. und allem land und leuten ein grosze fahr entstehen möchte. Luther
briefe 2, 142; so machet er immer so einen lügen-fähndrich daher, dasz er offt selben glaubet, dasz es wahr sey, oder seyn könne, weil es so scheinlich glaubhafft und anmutig in das gehör fället.
Simpl. 912
Keller. eine scheinliche ursache: wenn er (
Emser) doch etwa künd anzeigen, in welchem stück der heilig geist zu wenig geleret hette, und worin die schrifft menschen zusatz bedürfft, so möchts doch ein scheinliche ursache haben. Luther 1, 385
a; hette er (
Moser) eine scheinliche ursach copey von derselben (
der exzeption Belials) zunemen. Ayrer
hist. proc. (1600) 238. 44) scheinlich
im gegensatz zum wirklichen oder wahrheitsgemäszen. 4@aa)
äuszerlich glänzend, aber ohne wahren wert: der ehre scheinlich gifft. Logau 1, 168, 19.
ähnlich: der pfaffen kautzenspiel wo nicht reynlich doch scheinlich. Fischart
bienenk. 154
b (
am rande). 4@bb)
was nur im schein besteht, scheinbar: denn er ist nur ein mann mit scheinlichen gebehrden, da doch sein memmen-mund nur weiber-athem bläst. Wiedemann
april 1, 21;
so auch: scheinliche und zum theil sehr nichtswürdige bewegursachen meistern gewöhnlich unsern willen. Claudius 8, 67. 4@cc)
was nicht der wahrheit gemäsz ist, vorgeblich, heuchlerisch u. s. w. scheinlich (
zum schein, heuchlerisch) vorgeben: Cayphas wart sere vorblidet unde sprak to Jhesum tomalen schinliken unde sede: o Jhesu, du bist my ser willekamen.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 98
b; ob der will möge etwas anders stätigs eüszerlich gebieten und haiszen, und etwas anders mit dem eüszerlichen werck scheinlich und nicht mit der warhait für geben. Melanchthon
anweisung in d. heil. schrift (
deutsch von Spalatinus
Augsburg 1523) 11
a; die kläger geben jr sach mit groszem gepletz scheinlich für. Mathesius
Sar. 21
b; scheinliche andacht, scheinliches leben,
scheinheiligkeit: so viel fasten und beten, solche scheinliche andacht, und versamlung des volcks findet man bey den unsern nicht. Luther 5, 259
a; denn hie zeiget dis büchlin auch an, das die Türcken mit scheinlichem leben, weit uber die Christen sind. 259
b; wenn gleich ein friede durch solche sophistische, gesuochte wercke und scheinlich friedsmittel gemacht were. Melanchthon
von rechter vergl. in d. rel. sachen (
übers. von Jonas
Erfurt 1541) 6.