Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
rûna
820 und 830, bair.). 251,11 (1. Viertel des 9.
Jh.s, alem.[-bair.]) und 2,301,45 (um 1000 und
im 11. Jh., bair.): ‚Raunen, Geheimnis, Geflüs-
ter; introrsus [= in runa], mysterium, susur-
rium‘. Daneben erscheint das Wort auch als Be-
standteil in ahd. PN (vgl. Förstemann [1900–
16] 1966–68: 1, 1284 f.), der älteste Beleg auf
ahd. Boden ist vorahd.-run. PN (e. S.) aïlrun
(Gürtelschnalle von Pforzen, 567–600; vgl. N.
Wagner, in Bammesberger 1999: 93; Nedoma
2004: 167–171; für abweichende Lesungen vgl.
die Auflistung aller bisherigen Transliteratio-
nen der Inschrift bei Findell 2012: 446 f.); zur
lautgesetzlichen Endungslosigkeit im Nom.Sg.
von PN, die als KHG einen f. ō-St. enthalten,
vgl. Braune-Heidermanns 2018: § 207 Anm.
2.c. – Mhd. rûne st.f. ‚Geheimnis, das leise Spre-
chen, Geflüster, die geheime Beratung‘, frühnhd.
raune f. ‚Geflüster, geheime Stimmabgabe‘,
nhd. dial. schweiz. rūn f. ‚geheime Abstimmung‘,
vorarlb. †rune f. ‚geheime Beratung, geheime
Abstimmung, das Stimmgeben in das Ohr einer
vereidigten Magistratsperson‘.
In der Forschung ist umstritten, ob das gleich-
lautende Lexem mit der Bed. ‚Rune, germani-
sches Schriftzeichen‘ hiermit identisch oder da-
von zu trennen ist (s. u.). Dieses Wort ist als
vorahd.-run. akk.sg./pl. (e. S.) runa auf der Bü-
gelfibel von Frei-Laubersheim (520–560), dem
Stab von Neudingen-Baar (532–535), dem Ein-
fassungsring von Pforzen (ca. 600) und ahd. als
KVG in rûnstab m. ‚Eulogie, Schrift(stück)‘
(s. d.) belegt. Das im Dt. in dieser Bed. mit der
Sache selbst schon früh untergegangene Wort
wird im 17. Jh. als Rune aus dem Nordgerm. neu
entlehnt (in gelehrter Sprache), zuerst im Sinne
von ‚germanischer Sänger‘; ab Anfang des 18.
Jh.s setzt sich die Bed. ‚germanisches Schrift-
zeichen‘ durch, später kommt noch die Bed.
‚Lied der älteren finnischen Volksdichtung‘
nach finn. runo ‚Gedicht, Poesie‘ hinzu.