Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
haft stF.
1.1 eigentl.
1.2 bildl.
2 Mittel zur Befestigung
3 ‘Gefangenschaft, Gefängnis’
4 ‘Knechtschaft’
5 ‘das Fest-, Zusammenhalten’
6 vereinzelt in solhen heften ‘auf solche Weise’ (vgl. hafte 4 )
1 ‘Band, Strick, Fessel’ 1.1 eigentl.: ros stuenden an der heffte HvNstAp 18688; ein vol gebunden an die hefte [Pl.] Hadam 456,5. – als ‘Band, Verbindung’ für eine Stelle, wo die Haut eines Tieres an dessen Körper festsitzt (s.a. Dalby, Mediaeval Hunt S. 77): dô begunde er die hût [des Hirsches] scheiden / von den sîten beiden, / dô von den heften über al Tr 2883 1.2 bildl.: wande wir in des tuvelis hefte [La. zoumhefte G 300 ] / [...] waren [wären] / wene durh den sun den du [Maria] gebare Litan (M) S, 368; sunde daz ist ein haft, / diu uns manich ubel schaft Kröllwitz 4504; doch muß dir uß dem strange / der sünden helfen und uß bannes hefte / mit rechter buße zange / der priester Mügeln 337,10. 175,11; hie muͦss alle haft entheftet sin, ellú ding gelassen sin Seuse 190,13 2 Mittel zur Befestigung: und gab im ein hafft [Spange] fur yn an synen rock, die guldin was Lanc 57,21; daneben das stM. (vgl. 2haft stM. 2): hett man der hafft eynen [eine dieser Spangen] fur yne gespannen ebd. 57,28 3 ‘Gefangenschaft, Gefängnis’ waz der besten gevangen was, / ûz den andern er die las, / in sîne haft nam er die, / tôten er die andern lie Kreuzf 751; sî [...] brâchten sî in ire haft NvJer 3979; [Christus] lac in grabes hefte Frl 7:4,15; mit uneindeutigem Genus (vgl. 2haft stM. 3): worden ledic ûz ir haft, / der gunêrten heidenschaft, / was nûwes der kunic Gwîdô Kreuzf 501; UvZLanz 1858; SSp 83,15 4 ‘Knechtschaft’ ich [Kg. David] habe gar / Golie hochvart verblant [...] / und uch erlost us siner haft [Goliath hatte den Israeliten in Aussicht gestellt: servi eritis et servietis nobis I Sm 17,9 ] HeslApk 23170; sulde man alliz daz [d.h. auch das Unrechte] gewern / daz bewilen vrunde gern, / daz were keine vruntschaft, / sundir eine gesworne haft PfzdHech 282,29; Frl 7:3,7 5 ‘das Fest-, Zusammenhalten’ an swelcher hande kleider daz zeichen [der Gürtel als Symbol der Schamhaftigkeit] pfligt der hefte, / der scham ein ougenweide sol daz selbe sin JTit 5564,1 6 vereinzelt in solhen heften ‘auf solche Weise’ (vgl. hafte 4): daz verstet in solhen heften Teichn 417,74
MWB 2 1087,49; Bearbeiter: Bohnert