werklos,
adj. 11)
keine guten werke (
zur erlangung ewiger seligkeit)
vollbringend (
vgl. 1werklehre
und 1werkler);
so in den auseinandersetzungen zwischen katholiken (werklern)
und protestanten (werklosen),
welche die guten werke nicht als weg zur seligkeit, sondern lediglich als auswirkung des glaubens anerkennen und werkgerechtigkeit, -heiligkeit (
s. dort)
ablehnen: szo wenig alsz die natur auszer dem glawben mag mussig und wercklosz seyn, so viel weniger mag der glaube
auch mussig sein (1521) Luther 8, 371
W. (
s. auch ebda 45, 688
f.); got ist der streittet, dero sundenn erwurget, wir stehenn stiel, und schweigen stiel, und seind in vergebung der sunden gar werckloesz Carlstadt
v. d. emphahern, zeichen u. zusag d. hl. sacraments (1521) d 1
b; der nit wercklos, sonder werckreich ist ... allein desz glaubens ... mangelt er (
d. gleisner) Seb. Franck
chron. d. Turckey (1530) M 1
a; so kOempt bischoff Bernhart und verkeret jnn seiner confession unsere lere, als lereten wir, der glaub mOechte gar keine werck bei sich leiden, als ob wir einen ommechtigen, wercklosen, todten glauben predigten Urbanus Regius
widderlegung d. münster. bekentnus (1535) O 2
b; also haben wercklose leute nicht den lebendigen, selig machenden, sieghafftigen glauben J. Gigas
post. (1595) 3, 108
a; es gilt also durchaus kein unbezeugter, that- und werkloser glaube, sondern des glaubens dasein wird nach dem segen, den er den brüdern in heiliger liebe wirkte, ermeszen W. Löhe
evangelienpost. (1848) 2, 177
b. 22)
ohne werk. 2@aa)
im sinne von '
untätig, unwillig oder unfähig zu arbeiten' (
s. Lexer 3, 773
und vgl. wirklos teil 14, 2, 587): die stat ... in der er claine, mutterlose, vnerzogne kund, ain alten, wercklosen vater, hab vnd gut hat muessen verlassen (
um 1510) Hanns Metzger v. Mengen in:
urk. z. gesch. Maximilians I. 491
lit. ver.; hat dich gemacht inn alle weg hinlessig, wercklosz, faul und treg H. Sachs 5, 13
lit. ver.; dann der man wirdt so unlustig und maszleidig, dasz er gleich wercklos wirdt, kompt gar von seiner arbeit, gewerb und handthierung C. Huberinus
spiegel d. hauszucht (1553) 217; wann wir voll weins seynd, so werden wir wercklosz, verdrossen und gehen umb, wie der schatten an der wandt Albertinus
de conviviis (1604) 58
b; wie schAendlich ohne grnenden zweigen weiset das wercklose und msziggAengige leben Treuer
Dädalus (1675) 1, 165;
s. auch Schmeller-Fr.
bayer. 2, 986
und Fischer
schwäb. 6, 1, 710. 2@bb)
besondere anwendungen: hie sol der mensche úber formet werden ... so muossen alle die formen von not dannan ...: das kennen, das wissen, das wellen, die wurklicheit ... us disem mag man sprechen das man werde kennelos und minnelos und werklos und geistlos Tauler
pred. 257, 36
Vetter (
vgl.werkelos 126, 19); ach gott du ewige ruhe vnd vnwandelbare krafft, du werckloses gut Val. Weigel
soli deo gloria (1618) 56; die affect oder wercklose barmhertzigkeit (
ist) wann man ... gvtes thut ... ohne affect der erbarmung Dannhawer
catech. (1657) 2, 167; um mit den werck-losen (
unbeschäftigten) sinnen eine andre gattung narren zu beleuchten Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 292; werklose hummeln hört die bien' im vorbeifliehn J. H. Voss
s. ged. (1802) 3, 67; die willig entjochten rinder rasten wie die werklosen (
ruhenden) herden der weide
M. Greif
ges. w. (1895) 1, 52; das werklose schaffen (
von bildern in der vorstellung) schüttelte ihn Kluge
Kortüm (1938) 210.
substantiviert: ich gehe, wie kunstfreudige werklose mit lied und melodie bettelnd an den straszen vorbei, mit meinen arbeiten von redaktion zu redaktion (1. 4. 1933) H. Lersch
br. 220
Jenssen.