hin,
adv. eo, der gegensatz von her (
sp. 999),
wie dieses von dem demonstrativstamme hi
ausgehend und auf die hochdeutschen dialekte beschränkt: ahd. hina,
mhd. hine
und hin.
es weist von dem orte des sprechenden auf einen entferntern ort oder eine entferntere person; neben der örtlichen bedeutung, die auch abstract wird, entwickelt sich seltener auch eine zeitliche. hin,
in gedehnter form hien: als er meint uf die steg zuo dreten, da drat er durch hien.
Ulensp. s. 130
Lappenb., für das nachher auch hein
erscheint: das ross gieng under ir hein.
Zimm. chron. 2, 339, 33; leich (
leih) wenig hein! huet dich vor borgen! 4, 309, 37;
geht in der form zurück, wenn es das unbetonte glied gewisser verbindungen bildet, und verflüchtigt sich oft bis auf seinen auslaut, so dasz für hinab, hinan, hinauf, hinaus, hinein, hinunter, hinüber
in vertraulicher und volksmäsziger rede auch gilt nab, nan, nauf, nein, nunter, nüber;
vgl. auch unten hinaben
für hinabhin;
oberdeutsch, bairisch, schwäbisch, schweizerisch, elsässisch ist abhin, anhin, umhin
u. a. zu abe, ane, amme
u. s. w. geworden. Schmid 2. Schm. 1, 1116
Fromm.; durchi
für duri
das. s. 536; füri, fürchi
für fürhin 745.
in diesen adverbien konnte die verflüchtigung des hin
so weit gehen, weil die genannten mundarten das erste glied der zusammensetzung betonen; in der schriftsprache ist sie unmöglich, weil im gegentheil gewöhnlich das zweite glied betont wird, so weit diese verbindungen überhaupt leben (durchhín, umhín, fürhín,
vergl. oben theil 4
1 sp. 747).
Bedeutung. II. hin
örtlich. I@11)
von der nähe in die ferne zeigend, in verbindung mit verben der bewegung, des gehens, kommens, gebens, weichens, sehens, deutens u. ähnl., wie solche verbindungen unten an alphabetischer stelle aufgeführt werden. die richtung kann durch adverbien oder praepositionen näher bestimmt werden, links hin; rechts hin; gehet nur gerade hin;
ferner heimhin (
oben sp. 871), dahin, dorthin, hierhin, wohin; weithin, fernhin
u. ähnl., es stehen aber auch die theile solcher zusammensetzungen getrennt: neben hierhin muszt du sehen
gilt auch hier muszt du hin sehen; dorumb do ich bin, do hin mögen ir nit kummen. die Juden sprochen zuo inen selber. wo wil der hin gon? Keisersb.
post. 2, 102
b,
gleich darauf: do ich bin, do mögen ir nit hin kummen; war mîn alter hêrre hine komen sî.
Germ. 3, 419, 28; allein wo mit den pferden hin? Göthe 16, 255; wo sind die schönen gestalten, wo die farben, der glanz deiner erfindungen hin? 1, 277, wo kam der waidmann hin, mit dem ich sprach? Schiller
Tell 4, 3,
wofür auch gefragt werden könnte wohin kam der waidmann?
mit praepositionen: sein angesicht hin zum meer gegen morgen, und sein ende hin zum euszersten meer.
Joel 2, 20; gehe hin in die stadt; lauf hin vor das thor; wan es hin hinder die steine schrit. Steinhöwel 172; und als sie vor das tor hin kamen. Uhland
volksl. 222; lasz er doch seine füsze drauszen! was steckt er untern tisch verkehrt sie hin? Kleist
zerbr. krug, 11.
auftr. auch mit verben der bewegung in weiterem sinne: eyerkuchen backtn, die einem hin ins herz nein schmacktn. Rollenhagen
vom reich. manne C 3
b; Quidam ist durch schnelles feuer in die asche hin begraben; hat bekummen ein begräbnüs, wie die ganze welt wird haben. Logau 3, 222, 22.
die ganze ausdehnung der bewegung wird durch einen beigesetzten dativ gezeichnet: sie ruderten den kahn dem ufer hin nach der stadt. Klinger 7, 238;
besser aber durch einen accusativ: wandelst stattlich deinen hügel hin. Göthe 16, 166; wie frühlingslüfte den hügel hin wechselnd beugen das schwachlispelnde gras. 167.
In der verbindung hin sein (
unterschieden von hin sein
unten)
kann ziel und abschlusz einer bewegung ausgedrückt werden: kind, wo bist du hin gewesen? ... 'nach meiner mutter schwester'. Uhland
volksl. 272;
W. wohin führt mich der pfad dort übern berg?
Fr. nach Cuma.
W. wie weit ists hin? Göthe 2, 182.
verben der bewegung sind in dringender rede unterdrückt, bei befehl und bei erzählung: hin, und gehe zum könig David hin ein.
1 kön. 1, 13; flugs sie hin, werfen ire kappen oben auf den nechsten rebenhalter.
Garg. 207
a; nu wolhin, wie woll wir im denn tun?
fastn. sp. 621, 29; hin hin! wetz, eber, wetz! Uhland
volksl. 378;
auch nach wollen, sollen, können: ich hätte wol zu ihm hin sollen, aber ich konnte nicht; wo wil ich mit meiner schande hin?
2 Sam. 13, 13; als nu Ruben wider zur gruben kam, und fand Joseph nicht dar innen, zureis er sein kleid, .. und sprach, der knabe ist nicht da, wo sol ich hin?
1 Mos. 37, 30; wo der teufel nicht hin will, da schickt er ein altes weib hin. Pistorius
thes. par. 2, 24; er wollte überall hin können.
Woldemar 41;
unpersönliches hin wollen
deutet einen verlauf nach einem bestimmten ziele hin an: wo will es groszer Brocks, mit dir noch endlich hin? wie weit wird sich dein ruhm noch als ein adler schwingen? Triller
bei Brockes
bethlehem. kinderm. 62. I@22)
der gegensatz von hin,
her,
ist in manchen wendungen ausdrücklich hervorgehoben (
über her — hin
s. sp. 1003). I@2@aa)
in scharfer bedeutung: so schlägt, wie zwischen zwei spiegeln, der glanz der wonne zwischen theilnehmenden herzen in wachsender vervielfältigung hin und her und wird unabsehlich. J. Paul
Tit. 3, 45; als ich nach Liefland reisete, und auf dem hin und her wege wegen widerwertigem wind daselbst (
an der insel Gottland) anlanden muste.
pers. reisebeschr. 2, 3; unser lîp sich zuo der erden senket, unser sêl gên himel ûf gedenket, sî wil hin, der lîp wil her.
Renner 6135; do sach er hin und sie sach her. Eschenburg
denkm. 357; sieh hin, sieh her! der mond scheint hell. wir und die todten reiten schnell. Bürger 14
b. hin und her,
bei einer geschäftserledigung, zug um zug: auch ist zu wissen, als manig sümer melbs ain beck nam, so bestellet man, daʒ im albeg von den burgern hin und her so vil sumer korns musten geben werden.
d. städtechr. 2, 306, 32. I@2@bb)
öfter in verblaszterem sinne, unsicherheit, unentschlossenheit, flackerndes und zerfahrenheit einer bewegung malend: die menschen laufen hin, sie laufen here, aufsteigen die perg und kobel. A. v. Eybe
ob eim manne u. s. w. 97
a; ist ein starker gesell und hat ein ebne leng, ist hin und her (
bald da, bald dort).
d. städtechr. 2, 81, 21; oft hin und her die sach erwegen ward.
Galmy 30; wer den naturursachen nachgrübelt, kann .. hin und her vernünfteln. Kant 10, 115; was sollen wir .. der ehegattlichen, freundschaftlichen, ärztlichen bemühungen gedenken, in welchen sich Eduards angehörige eine zeit lang hin und herwogten. Göthe 17, 413; als sie den schleier aufhob, sprangen zwei knaben hervor, die zusammen muthwillig hin und her spielten. 20, 11; sprüchwörter, .. die doch, statt vieles hin- und herfackelns, den nagel gleich auf den kopf treffen. 25, 58; eine menge von hin- und hersprüngen werden vorbereitungen zu einem neuen versuche, der wahrscheinlich eben so fruchtlos ablaufen wird. H. Heine 3, 36; sie sah zu, bis die letzten funken am schwarzen zunder hin und her liefen. Freytag
handschr. 3, 70; wie si umb zogen wäre beide frü und spat, eins (
einmal) hin das ander here. Uhland
volksl. 792; ee wir noch lang und über zwer varen in den gassen hin und her.
fastn. sp. 287, 19; ein narr der rett (
räth) hin und her. 675, 7; ainer rett dir hin, der ander her, sie raten dir all, als di torn. 683, 10; wenn er ritt, wankt er hin und her.
mückenkr. 1, 206; doch als (
wie) ein verständiger mann den sachen hin und her nachsan. 320; (
nymphen) welche die furcht hin und her trieb. 627. I@2@cc) hin .. her
in einem ausrufe, um eine that, ein bedenken, einen einwurf als nichtig hinzustellen (
vgl.her .. hin
in gleicher stellung sp. 1003): krenzel hin krenzel her! Br. Berthold 415, 13; und wiewol ers (
Esau) droben verkauft hatte, dachte er also, verkauft hin, verkauft her, dennoch bleibe ich herr im hause. Luther 4, 150
a; trewme hin, trewme her, auslegen gebüret dir nicht. 206
a; auch dasz sich dannenhero, doctor hin oder doctor her, viele vergeblich einbilden, sie sein allein witzig.
Simpl. 1, 137
Kurz; disputir hin, disputir her, die ultima analysis aller controversien und streitigkeiten in religionssachen, läuft doch endlich auf dieses principium hinausz: Deus dixit, gott hats gesagt. Schuppius 652; mutter hin, mutter her; sie bleibt darum doch eine frauensperson, deren fehler man verabscheuen musz. Lessing 1, 348;
Einsidel. wie wol du bist ain unwerd gast und schindtmässer im arszloch hast.
d. alt narr. schindtmässer hin, schindtmässer här, hüpsche fröwlin sind mir nit unmär. P. Gengenbach
zehn alter 651; 'ir werdts nicht thun, es ist verlorn, wir sind doch nicht darzu geborn.' er (
der frosch der sich aufbläht) sprach geborn hin, geborn her, das ich gros werd ist mein beger. E. Alberus 231; vertrawen hin, vertrawen her. Fischart
dicht. 1, 42
Kurz (
nachtrab 1529); verachtung hin, verachtung her, wenn gleich wohl auch kein bauer wär, wer pflügte dann das land im fried?
Simpl. 2, 368
Kurz; prinzessin hin und her, wer kümmert darum sich. Kotzebue
dram. sp. 3, 340; thu hin, lasse her, das gehet mich nicht
an. Luther 3, 55
b. I@2@dd) hin und her,
ähnlich wie hie
und da,
verstreuung, ausbreitung über eine strecke andeutend: die besitzer der stat verpargen sich in dem wald hin und her.
d. städtechr. 3, 53, 17; zum dritten, so hat der herr Christus diesen glauben im heiligen evangelio oft hin und her gelobt. Luther 1, 117
a; Petrus, ein apostel Jhesu Christi. den erweleten frembdlingen hin und her, in Ponto, Galatia, Capadotia, Asia, und Bythinia. 1
Petr. 1, 1; Jacobus, ein knecht gottes, .. den zwelf geschlechtern, die da sind hin und her.
Jac. 1, 1; etliche gaile stücke, die leider! in diesem büchlein hin und her auch mit laufen. Weckherlin
vorrede zu d. weltl. ged.; dasz man mit männiglicher bestürzung gleich hin und her auf freier gassen todte cörper gefunden. Abr. a S. Clara
Mercks Wien (1680)
s. 11; ich habe hin und her etliche in ungebundner rede verfaste sachen eingemischt. Chr. Gryphius
poet. wälder, vorrede; auch hin
und herum: die das lant hin und herumb unter in hetten.
d. städtechron. 3, 52, 11; zuo klagen ist vor ougen vil jamers hin und her. Uhland
volksl. 369; beschedigt die stadt hin und her. H. Sachs 2, 2, 101
a; (
ein jahr) in dem der krankheit gift ein unzahl schnäller tod hat hin und her gestiftt. Rompler 30; dasz diser siger nun von Rapoltsstein gewesen, und dasz er Kunrath hies, ist hin und her zu lesen in schriften der geschicht. 105; das gold gilt da und dort: und die geschickligkeit, die schickt sich hin und her und taug in alle zeit. Logau 1, 95, 99; dasz es narren hin und her und nicht in der mänge gibt, mangelt nur, dasz einer mehr, als der ander, wird geübt. 2, 207, 78. hin und her
schillert in die zeitliche bedeutung dann und wann über (
vgl. unten hin II): ist es nicht ein wunder, da mitler weil oft hin und her leüthe, die vorhin zu vil 1000 thaleren reich inngesessen, von allem dem ihrigen inn das bitter elend vertriben, nicht mehr einen bissen brot zu ihrer lebensunterhaltung erbettlen können? Rompler
vorrede. I@33)
wie hin und her
wird theils auch hin und wieder
gebraucht, I@3@aa)
in scharfer bedeutung, hin und zurück: er hat mich gesund hin und wider bracht.
Tob. 12, 3; weine nicht, unser son wird frisch und gesund hin und wider ziehen. 5, 28; si erwecken ufruor und tragen botschaft hin und wider (
zu beiden parteien). Schade
sat. u. pasqu. 3, 67, 30; mit lesen, schreiben und glosieren, mit hin und wider disputieren. 2, 242, 1726. I@3@bb)
verblaszter, von bewegungen die unregelmäszig bald da bald dorthin gehen: es werden wasser in der wüsten hin und wider flieszen.
Jes. 35, 6; gaffe nicht in der stad hin und wider, und laufe nicht durch alle winkel.
Sir. 9, 7; springt auf und nider, suchet hin und erwieder. J. Wigandus
ob die newen Wittenberger u. s. w. 6
b; er ist lange zeit in landen hin und wider gezogen.
buch d. liebe 228
a; streifen im feldt hin und wider. Kirchhof
mil. discipl. 142; auf einen stein, der hin und wieder gewälzet wird, kan nichts grünes wachsen.
pers. baumgart. 6, 1; denen kaufleuten und schiffern, welche ihrer kaufmanschaft und nahrung halben hin und wider reisen. Schuppius 664; kaum aber war er allein, so stand er auf und ging in dem zimmer hin und wieder. Göthe 17, 384; man glaubt vor den aufgeschlagenen, ungeheuren büchern des schicksals zu stehen, in denen der sturmwind des bewegtesten lebens saust, und sie mit gewalt rasch hin und wieder blattert. 18, 310; die deshalb entstehenden hin- und widerversuche. 31, 32; wer fur mich hin und wider gat.
fastn. sp. 262, 10; flog die gauklerinn (
eine wachtel) dem pagoden Lama auf den wackelkopf, wiegte mit dem kopfe des pagoden sich weidlich hin und wieder. Ramler 1, 19; so dringet ängstlich hin und wieder durch feld und busch und wald mein blick. Göthe 1, 67; wandern möcht ich dir zur seite hin und wieder durch die welt. Platen 6.
von gedanken, überlegung, reden: aliam rem ex alia cogito, ich gedenk hin und widder. Alberus t 4
b; und sie gedachten hin und wider.
Marc. 8, 16; da es (
das rechenexempel) nun dieser hin und wider überschluge. Kirchhof
wendunm. 215
a; nach einigem hin- und wiederreden. Göthe 17, 185; freilich .. hilft das hin- und wiederdenken, das hin- und wiederreden zu nichts. 190; sie trug diese sorgen für sich allein immer in gedanken und mochte sie hin und wieder legen wie sie wollte, so konnte sie doch bei keiner ansicht beruhigung finden. 218; hin und herwider fast gedacht, wi ich hätt oft mein zeit volbracht. Schwarzenberg 150
b; wir aufgewiegelten verschwornen besannen uns schon hin und wieder. Göthe 5, 262. I@3@cc) hin und wieder
zum ausdruck der verbreitung über eine strecke: zerstöreten die andern altar und kirchen, so die heiden hin und wider auf den gassen hatten aufgerichtet. 2
Macc. 10, 2; und werden sein pestilenz und thewre zeit, und erdbeben hin und wider.
Matth. 24, 7; steupte die, so an dich gleubten, in den schulen hin und wider.
apostelgesch. 22, 19; ich hab einen sermon gefasset an die prediger, so hin und wider sind, das sie die leute vermahnen, ire kinder zur schulen zu halten. Luther 5, 171
b; sanct Paulus schreibt hin und wider, das Christus unser herr, sei ein geheimnis. 8, 49
a; nun werden sie (
die musen) hin und wider verjaget, und hergegen dem heiligen Priscianus so herrliche ebenbilder aufgerichtet. Schuppius 848; das ist, ohne zweifel, von einzeln hin und wieder zerstreuten zeilen zu verstehen, die den reim verloren, aber die sylbenzahl (
eines verses) beybehalten haben. Lessing 7, 237.
In die zeitliche bedeutung dann und wann überspielend, hin und wider,
bisweilen. Fromm. 6, 151 (
aus Tirol): kleglich weinen höret man hin und wider uber kinder.
weish. Sal. 18, 10; hin und wieder vergröszerte deutlichkeit. Kant 3, 314; hin und wieder muszte selbst die finger- und zeichensprache zu hülfe genommen werden. Immermann
Münchh. 1, 157. I@44)
die verbindung hin und zurück
hat nur die oben 2,
a und 3,
a gegebene scharfe bedeutung: ein billet nach
N. hin und zurück; ich komme wol heute hin (
nach einem orte), aber nicht mehr zurück. I@55) hin
gibt nur ein weiter, fort an, wobei der begriff des festen ziels, wie er oben in no. 1
hervortritt, sich verwischt hat. I@5@aa)
in verbindungen, die eine flüchtige, der überlegung oder auch der vollkommenheit mangelnde thätigkeit zeichnen: Luther
in seiner klage über die nachdrucker sagt sie machens hin rips raps, es gilt gelt.
bibel 1548,
warnung; ich lebte in sinnlicher munterkeit nur so hin, ich sammelte mich nicht. Göthe 19, 275; hätten sie ... sich zwischen ihrer familie, einem bräutigam, vielleicht einem gemahl nur so hin beholfen. 19, 339; weil wir ... sonderlich in dem zeugungsgeschäfte nicht genug über die geheimnisse, die darin verborgen liegen, meditiren, sondern blosz so hinzeugen. 33, 116; die vielmehr nur so nothdürftig hinregierten und alles gehen lieszen wie es konnte. 43, 41; er redet das nur so hin, ohne überlegung;
dafür auch ins blaue hin reden, schwatzen; wollte er nur überhaupt in das blaue feld hin, so dasz kein bestimmter mensch getroffen würde, beschuldigen. Fichte
Nicol. leben 85.
in ähnlichen verbindungen, die mehr den mangel eines scharf hervortretenden zweckes betonen: er lebte nur vor sich hin, er schien keine thräne weiter zu haben. Göthe 17, 411; dasz jeder still in seinem einzelnen vor sich hinlebt. 43, 73;
vgl. auch unten hinbringen 3, hinbrüten, hindämmern
u. a.; ich ging im walde so für mich hin. 1, 27; vom tiefsten schmerz begleitet irrt sie nun wer weisz in welchem lande trostlos hin. 9, 313;
oder eine gewisse mittelmäszigkeit: wann ihr mich aber für gar zu ehrlich stimmirt, thut ihr mir gewalt und unrecht. ich bin so hin, wie die bauren heur sind und sie die obrigkeit haben.
interim 354;
sic satis, es vergehet sich, leidt sich, so hin, zimlich geraten. Alberus u 4
b;
eine dämpfung in ton und stimme: vor sich hin reden, singen; er sagte es nur leise vor sich hin; die folgenden verse wollen mir nicht beifallen, wie oft ichs auch für mich hin singe. Immermann
Münchh. 2, 19;
ein durchschlüpfen: diesmal mag es noch so hin gehen; es geht in éinem hin;
vgl. unten hingehen. I@5@bb)
als letztes glied von adverbialcompositen betont es bewegung, zug und richtung, vgl. knapphin,
kurzhin, leichthin; es schien ihn gleich nur anzuwandeln, mit dieser dirne grade hin zu handeln. Göthe 12, 165. H. v. Kleist
namentlich liebt solche composita und bildet auch sonst ungebräuchliche; sie wollen bei ihm fast nicht mehr sagen, als das einfache adverb: (
sie) stürzt, die königin! und eine jungfrau blindhin über sie.
Penthesilea, 3.
auftr.; die locken schwachhin mit der rechten greifend, wischt sie — ists staub, ists blut? — sich von der stirn.
daselbst; sein gespann fliegt auf die höhen am Skamandros schon, wo sich das heer raschhin am rande ordnet.
das.; was find ich euch für eine spur im schnee? rechts fein und scharf und nett gekantet immer, ein ordentlicher menschenfusz, und links, unförmig grobhin eingetölpelt, ein ungeheurer, klotzger pferdefusz!
zerbr. krug, 11.
auftr. I@66) hin
geht in den sinn weg, fort über; vergl. auch unten hindan,
und verben wie hinführen, hinlegen, hinscheiden, hinsterben
u. a. an alphabetischer stelle. I@6@aa)
aus dem gesichtskreise, weg von einem sprechenden: viengen und erstachen ir 30. die andern kamen hin, das was ir gueter gwin.
d. städtechr. 5, 43, 20; die Bair waren hingeschoren (
davon geeilt). 270, 17; geh nur hin,
secede modo! Stieler 841; lât stân, meister, habet iuch hin.
Tristan 291, 16; die alte berentreiberin, wo hat sie jetzt der teufel hin? H. Sachs 4, 3, 206; und hat dich denn der teufel hin, so dank ich gott, dasz ich hie bin. J. Ayrer 208
a (1035, 20
Keller); er schosz eim ein pomeranzen von kopf, wie Histaspes und Wilhelm Dell den apfel seim kind, schosz eim ein groschen zwischen den fingern hin.
Garg. 181
a; trollet euch nur hin.
Petr. 86
a. I@6@bb)
weg, in verbindung mit verben des gebens: er schenkt all sein gut hin, behält nichts für sich; als nun der krieg etlich zeit gewert hat und man niemer herein wurd füren und etlich niemer korn hin wolten geben, do fur der rat zu und gab melb hin.
d. städtechron. 2, 306, 24;
und daher auch mit verben des einnehmens: welcher den abgang des brodts, so der keszler hin hatte, nicht gespüret.
hist. von Lazarillo de Tormes 47.
vgl. auch dahin
theil 2
sp. 690. 691. I@6@cc)
fort, verloren: sî mir nit der bache hin (
wenn mir nicht das schwein verloren ist).
liedersaal 1, 287; jo, sprach sie, lieber tiltap min, din trüw zu mir ist gar do hin. Murner
geuchm. F iiij; mein verstand ist hin! Klinger
theater 2, 213; du bist hin! verloren auf ewig! Göthe 10, 101; unsere privilegien sind hin. 8, 241; gegenwärtigs ist gewin; was schon hin ist, das ist hin. Fleming 304, 48
Lappenb.; meine ruh ist hin, mein herz ist schwer; ich finde sie nimmer und nimmermehr. Göthe 12, 177; hin, fuhr sie fort, sind meine milch und ehre. Bürger 105
b.
sprichwörtlich: wolan, hin ist hin.
Garg. 94
b; hin ist hin, were hin nicht hin, so were ich jünger denn ich bin. Neander
sprichw. von Latendorf 17; o mutter, mutter, hin ist hin! verloren ist verloren! Bürger 13
b.
verschwunden, vergangen: als der schnee hin was.
d. städtechr. 5, 182, 9; sy sullen aber der chainen an den rat nemen die von dem raut komen sint bis das iedem man siniu driu jar gar und genczlich hin sint. 4, 130, 30; nur der sanfte dichter siehet dich (
göttin unschuld) im nebelkleide ziehn; Phöbus kommt, der nebel fliehet, und im nebel bist du hin. Göthe 1, 58.
todt: Götz ist hin. Göthe 8, 99; er ist hin. zum saalfenster hinaus stürzt er wüthend in den Main hinunter. 158; suchtest du den Götz? der ist lang hin. 162; ha! und ist sie hin, ist sie todt. 10, 117; verhöhnt ihr mich, da ich im leben bin, und nicht noch hin? Opitz 1, 188; er ist hin — vergebens, ach vergebens stöhnet ihm der bange seufzer nach! er ist hin — und alle lust des lebens wimmert hin in ein verlornes ach! Schiller
räuber 3, 1. I@77)
in zahlreichen fügungen deutet hin
eine bewegung von einer höhe abwärts, ein zu boden gehen an, vgl. unten hinfallen, hinstürzen, hinwerfen, hinstrecken
u. a.: daʒ waʒʒer ward als groʒʒ in der stat, daʒ si waunden all zuo verderben, und forchten eʒ wurd die rinkmur an der stat hinbrechen.
deutsche städtechron. 4, 75, 13; doch wie sie Hektorn gesehn die männerschaaren umwandeln, standen sie starr, und allen entsank vor die füsze der muth hin.
Ilias 15, 280.
auch in die bedeutung des tödtens übergreifend (
vgl. vorher 6,
c): einen hindoktern, hinquacksalbern;
alle. es lebe der hauptmann!
Spiegelberg. bis ich ihm hinhelfe! Schiller
räuber 1, 2; der ein was geheiszen Habin, die Römer den bald richten hin, das er tod auf der erden lag.
d. städtechron. 4, 351, 248. I@88)
mehr abstrahiert hat sich der sinn von hin,
wenn es förderung einer absicht, unterstützung ausdrückt: welh auch der vorgenanten schirmer und helfer in nit beholfen wer und si nit schirmenti, da sülen wir und daʒ rich hin rihten als reht ist.
anz. des germ. mus. 1865
sp. 275 (14.
jahrh.); und entran der von Wirtenperg selb, der ward hingeschoben (
in der flucht unterstützt).
d. städtechr. 5, 18, 26; wer den Pütrich hauset oder hofet, atzte oder trenkte oder gefarlichen hinschub. 48, 6; das wir im sölten anhangen und in hinschieben, bis das diw sach ain end näme. 359, 18; wer den Pütrich .. geferlichen hin hulf. 4, 100, 22;
mhd. daʒ Heinrich deme keiser hin geholfen hæte bî der zît. K. v. Würzburg
Otte m. d. bart 634;
oder wenn es, in verbindung mit auf
und verben des wagens, unternehmens, beginnens, auf eine möglichkeit weist (
vergl. auch auf
no. 6
theil 1
sp. 608): er wagt es auf die gefahr hin dabei umzukommen; selbst auf die aussicht hin zu verlieren, unternimmt er jenes geschäft; es steht bei ihnen, versetzte Wilhelm, wenn sie es auf meine zerstreuung hin wagen wollen. Göthe 20, 210; auf den verdacht hin willst du rasch gleich handeln? Schiller
Piccol. 5, 1. I@99) hin
in substantivem gebrauche: ein hin und her, eine lichtputzscheer. Wolfs
zeitschr. f. d. mythol. 4, 260; wenn wir das hin und wieder jener in Frankreich sich balancirenden groszen bewegungen und alle daraus entspringenden wogungen vor unserm geiste lebendig erhalten wollen. Göthe 49, 139.
bairisch der hin und her,
eine person die bald da, bald dort ist, bald diesz, bald jenes will und treibt. Schm. 1, 1118
Fromm.; all mein hin und her,
meine ganze habe. das. IIII. hin
zeitlich. II@11)
in verbindung mit adverbien und praepositionen, die die zeitdauer näher bestimmen, vergl. unten hinfort, hinfür, hindurch
u. a., ebenso fernerhin, forthin, weiterhin; hinz
aus altem hin ze; was erfreuet einen sinn, ist der muth durchs alter hin.
pers. rosenth. 6, 1; und sang, mit unbesorgtem sinn, vom morgen bis zum abend hin. Hagedorn 2, 66; wann wir die horchende menge belustiget, spät in die nacht hin. Voss 3, 140. II@22)
in verbindung mit verben, wo hin
an den sinn I, 6
oben sp. 1376
rührt: er bringt seine zeit mit nichtigkeiten hin; er soff immer hin (
fort, weiter).
Simpl. 2, 28
Kurz; es ist weiter hin, als sechs uhr,
ultra sextam horam tempus processit. Stieler 841; im verlust deiner tochter, die du glücklich glaubtest, hinspielend, hintändelnd ihre jugend! Göthe 14, 44. II@33) hin und hin,
weiter und weiter, von einer zeit zur andern: hin und hin,
immerfort, die ganze strecke weges. Fromm. 6, 151 (
aus Tirol). Schm. 1, 1118
Fromm.; und immer sehnt sich fort das herz, ich weisz nicht recht ob himmelwärts. fort aber will es hin und hin, und möchte vor sich selber fliehn. Göthe 47, 89.
über hin und her, hin und wider
s. oben sp. 1374. 1375.