um Präp.,
Adv.,
Konj.: 1. Präp. mit Akk. a. eine Bewegung, Position um einen in der Mitte liegenden Bezugspunkt bezeichnend,
um [verbr., Christmann Kaulb 19 Lambert Penns 155 Krämer Gal 222],
om, oum [vereinzelt äußerste WPf]; Zs.:
her-,
rings-,
rund-,
stroh-um;
sich e Duch um de Kopp binne [Krämer Gal 222];
e Strick um de Hals mache (lee'e) [HB-Höch, vereinzelt];
en Verband um die Wund mache [BZ-Dernb];
um de Hals falle (krie'e) 'umhalsen, umarmen' [KB-Kriegsf, mancherorts].
Er geht ums Haus [Kaislt].
Sie guckt ums Eck [KL-Ottb].
Um um en erum un die dum gedanzt 'immer wieder herum getanzt' [Firmenich II 10]. RA.:
um der Weg sei 'anwesend sein' [Beam Penns 103];
so um de Scherm erum 'so ungefähr' [Kus];
um de Bart rumgeh 'schmeicheln, schöntun' [KL-Ottb, mancherorts];
drumrumgehe wie die Katz um de hääße Brei 'sich nicht recht trauen' [LU-Alsh];
eem ebbes um die Ohre schlaache, im konkreten und übertragenen Sinn [NW-Hardbg];
en um de (klääne) Finger wickle kinne 'mit jemandem machen können, was man will' [GH-Leimh, verbr.];
e Mäntelche um die Sach henke 'beschönigen, verschleiern' [KL-Mehlb].
's war kääner um un aaⁿ 'niemand in der Nähe' [KU-Kaulb].
's werd eem ganz warm ums Herz 'Etwas rührt einen im Innersten positiv an' [Pirmas, mancherorts]. SprW.:
Mer soll nit mit de Kerch ums Dorf rumfahre [Bergz (Kamm 85)]. Volksmed.:
En Kelleresel 'Assel'
ime Sack um der Hals ghenkt is gut fer bloo Huschte [Fogel Beliefs Penns Nr. 1785]. a. 1298:
vme den hof vnd daz gut zu Selgenstad [OttbgUrkb. 216]. a. 1342:
XXI morgen uombe den hof [Lam 1 31r]. a. 1565:
Von dem Kirchoff an vmb das Rhathaus zu der Marckpfortten [GGA 272 Bl. 8]. — b. einen genauen oder ungefähren Zeitpunkt bezeichnend [verbr.]; in gleicher Funktion auch
am2;
middags um äänse 'mittags um ein Uhr' [NW-Gimmdg];
um die Pingschde rum 'ungefähr an Pfingsten' [LU-Alsh].
Die Kerch geht um zehne aⁿ [ZW-Battw].
Um Weihnachde erum schlachde die Leit [KU-Schmittw/O]. a. 1530:
vff den abent vmb vier auer ongeuert [PfWeist. 35 (RO-Als)]. a. 1587:
Wan einer ein jungen hanen ... vmb Bartholmei so groß ist, daß er auff ein dreystickeltten stull fligen kan, sollen die hern ... denselbigen nemen [PfWeist. 187 (KU-Bosb)]. — c. im Zusammenhang mit Geld-, Tauschgeschäften: 'für' [vereinzelt].
Dess kaaft der Schlabbemann um billig Geld [Kühn Hamet 25]. RA.:
net um alles in de Welt 'keinesfalls' [Kaislt].
Ich geb nix um die Ärwet 'Ich schätze die Arbeit nicht' [Lambert Penns 155]. a. 1344:
vmme vonf vnd seszig pond Heller an guder muntze [OttbgUrkb. 426]. a. 1530:
10 Mydten kalg in des rats buwhoff kaufft die Mydt vmb 10 albos [GgHospR]. a. 1535:
Item 1½
alb ... matis spengeller vmb ein lantern [ZweibrLSchR Nr. 419]. a. 1537:
lebenn vmb leben, haupt vmb haupt, feuwer vmb feuwer, aug vmb aug, hant vmb hant [PfWeist. 614 (RO-Gaugrw)]. a. 1566:
Item 16 Pf. vm ostier zu osterren 'für Hostien zu Ostern' [SSp Kirchenrechnung BZ-Wernbg]. a. 1590:
das Pfund Lambfleisch vmb 9 vnd Zickenfleisch 8d bei straff verkaufft werden [ZweibrUrkb. 140]. a. 1652:
vmb fisch vnnd salad zalt ... 4ß 2kr [GgHospR]. —
d. einen regelmäßigen Wechsel, eine Folge bezeichnend [vereinzelt];
eens ums anner 'eins nach dem andern' [Lambert Penns 156];
vgl. herumundum,
reihum, umundum.
Schlaach um Schlaach un Schipp um Schipp enunner [Kraus Arwed 61]. — e. Kausalität ('wegen, darum, warum') bezeichnend [mancherorts];
vgl. dar-,
warum.
's is schad um en [Kaislt].
Schad ums Geld [Krämer Gal 222].
Ich muß mich um jeri Klaanichkaat selwert kimmre [KU-Adb]. RA.:
um nix un widder nix 'wegen nichts', verstärkt [Pirmas].
Um Goddes Wille! Ausruf [mancherorts];
sich streite um Kaisers Bart 'um Unbestimmtes streiten' [KL-Ottb].
Die streire sich um e Klicker un e Knopp 'um Kleinigkeiten' [KL-Wörsb].
Der schachert um jede Kreizer [Krämer Gal 181].
Schad um jede Hieb, was denewe geht, von einem, der eine Tracht Prügel verdient hat [Don-Schowe, mancherorts Don Gal Buch]. BR.:
Wann de April stoßt in seiⁿ Horn, steht es gut um Hei un Korn [FR-Bockh]. a. 1305:
an der sachen, do sie zweiunge vmme hant [OttbgUrkb. 265]. a. 1488:
das sie nust verswigen wollent umb liebe oder umb forcht in yren rugen [PfWeist. 312 (NW-Dürkh)]. a. 1547:
vmb irer missachen willen gefenklich ergriffen [Niedhammer 235]. —
f. einen Verlust bezeichnend [mancherorts];
ums Lewe (um sei Geld) kumme 'das Leben, das Geld verlieren' [GH-Jockgr].
Er bringt sich noch um sei ganzes Gerschtel 'Vermögen' [Bergz (Kamm 87)].
Im Krieg sein die Leit um ehr Geld kumm [KU-Schmittw/O]. — 2.
Adv. a. 'etwa, ungefähr' [vereinzelt].
E Acker koscht um dausend Mark erum [KL-Hirschhn, mancherorts].
So um die zeh Grad hat's misse sin [Kröher Lyoner 72].
Stunnelohn in de Fabrik um die 60 Pänning rum [Kröher Lyoner 116]. — b.α. 'auf dem Boden liegend, umgefallen' [vereinzelt].
De Baam is um 'Der Baum ist umgefallen, liegt auf dem Boden' [Lambert Penns 155]. — β. '(wirtschaftlich) darniederliegend, zerstört, am Ende' [vereinzelt];
vgl. purzelum,
hin 2.
Er is um 'bankrott' [RO-Ebbg, SP-Heiligst]. RA.:
Er is um wie 'm Bappe seiⁿ Dus (Dose) 'Er ist bankrott, hat beim Spiel verloren' [RO-Obd Pirmas]. — 3.
Konj. [vereinzelt], nach dem Schd., in der älteren Mda. eher
for (
s. für II).
Kumm ich draußrum in e Haus, um e Geschäft zu mache [PfL 15. 9. 1934]. —
Rhein. IX 42 ff.;
Els. I 38;
Lothr. 518.