umbrechen,
vb. 11)
in der trennbaren gestalt fehlt einige male die übliche auflösung der composition, so im präs. sy umbbrechen S.
Frank weltbuch (1534) 202
a;
im part. praet. umbrochen (1847)
in Alemannia 10, 210
b; S. Bürster
schwed. krieg 111
v. Weech, sogar noch in jüngerer zeit Ratzel
völkerkde 2, 255; W. Schäfer 13
bücher (1923) 164.
bereits in mhd. zeit, aber nur uneigentlich bezeugt, im sinne von '
wieder aufbrechen, sich wieder aufraffen': Swantopolk sich ummebrach und besaminte mit wer michil unde grôz ein her Nicolaus v. Jeroschin
krônike v. Prûzinlant 8, 304
Strehlke. 1@aa)
zerbrechend zu boden werfen: bisz das sie die roubhusere alle umb brochen und die ubile boszen gescichte rachen K. Stolle
thüring. chron. 119
lit. ver.; (
die papisten) fiengen an mit iren henden on andere instrument die mauren (
des hauses) umbzuobrechen Kirchhof
wendunmuth 1, 590
lit. ver.; ein turm ward auffgeführet (
in Babel) ... den hast du umbgebrochen
bei Wackernagel
dtsch. kirchenlied 5, 247; af der letzt kirchweih is kein glas zerschlagen worden, ... kein zaun habens umgebrochen Anzengruber 1, 81;
gleichbedeutend mit '
umknicken, abbrechen': (
den weintrauben) soll man ... die stengel umbrechen v. Hohberg
georg. cur. 1, 227; der rüssel ist für den elefanten ein .. werkzeug ... zum umbrechen grosser bäume Brehm
tierleben 3, 15
P.-L.; so dorrt ihr stengel ... so zusammen, dasz der erste starke wind die pflanze umbricht Ritter
erdkde 17, 1721. 1@bb)
úmpflügen, bes. von brach liegendem oder unkultiviertem land, von wiese, kleefeld; arvum umbgebrochener acker Frischlin
nomencl. (1591) 263: ob aber die egerten würden umbrochen (1487)
in Alemannia 10, 210
b; ain mennlin ... zwingt mich (
den ochsen), das erdrych umbzebrechen Steinhöwel
Äsop 237
lit. ver.; sy (
die bauern) umbbrechen das erdtrich mitt dem pfluog S. Frank
weltb. (1534) 202
a; ein acker ... wird ... unfruchtbar und wüst, wofern er nit umbgebrochen ... wird Albertinus
weibl. lustgarten (1605) 7
b; der alte wald, den die revolution gefällt und zu saatland umgebrochen Görres 5, 9; wo der boden rauh und unkultiviert ist, wo er lange zu grase liegt und mit vieler mühe umgebrochen wird A. Thär
beschreib. der ackergeräthe 1, 17; so wird ... der ... fruchtbare boden ... zu acker- und saatland umgebrochen werden Mommsen
reden und aufsätze 38; die brache war auch schon umgebrochen Viebig
das schlafende heer 1, 117;
auch mundartlich, s. Fischer schwäb. 6, 84; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 178; Woeste-Nörr.
westfäl. 279
b.
in der weidmannssprache, vom schwarzwild, umbrechen
den boden umwühlen Kehrein
waidmannsspr. 229: saubrüche heiszen, wo die sauen den boden umgebrochen C. v. Heppe
lehrprinz (1751) 287. 1@cc)
úmwenden, úmschaufeln, úmsetzen, der voraufgehenden bedeutungsgruppe nahestehend, vgl. umarbeiten 1: dasz die gemeinden ihren eigenen erwachsenen waidt ballenweise ... upfschütten, samblen, ... die ballen wieder ümbbrechen undt als meusewaidt zwey vierteil vor eins verkäufen mügen (1592)
stadtrechte von Gotha 337
v. Strenge u. Devrient; (
die wintergerste) musz man ... spülen, kurtz wachsen lassen, fleiszig mit dem umbrechen warten und etwas hart dörren lassen D. Kellner
bierbraukunst (1690) 11. 1@dd)
in fachsprachlicher terminologie. in der druckerei umbrechen
trasportare le stampe composte di una colonna all'altra per traporvi altra materia M. Kramer 1 (1700) 151
a; einige zeilen umbrechen müssen
dovere trasportare aleune righe di stampa ebda; zeilen, satz, kolumnen, seiten umbrechen W. Hellwig
wb. der fachausdrücke 90
b ; Hoyer-Kreuter
technol. wb. 1, 789: nach beendigung der korrektur ... kann ... der zeitungssetzer ... mit dem umbrechen beginnen Lueger 2, 754; ein groszer tisch, an dem der 'metteur-en-pages' die einzelnen partien zu kolumnen vereinigt und das 'umbrechen' besorgt L. v. Przibram
erinnerg. (1910) 1, 101. 1@ee)
anders brechen: servietten umbrechen
d. h. in neue falten brechen Voigtel
wb. 3, 454
a; Heyne
dtsch. wb. 3, 1119.
im sinne von abgezogenem umbiegen (
s. d. 1a), umbilden (
s. d. 1): während er (
Göthe) ... alle stoffe, die, wie z. b. Egmont, in ihrer groszheit seiner subjectivität nicht zusagten, umbrechen muszte Immermann 18, 35
Boxb. 1@ff)
intrans., zerbrochen hinfallen, der passivische ausdruck zu a: mein vater hat eine vier schuh dicke (
tanne) umbrechen sehen wie ein rohr W. Hauff 4, 231; wo kein baum umbricht, als wenn er vom blitze getroffen ist A. Stifter 5, 1, 46
S. vereinzelt, anklingend an e: ummebrëken
vom wetter, sich ändern, umschlagen Damköhler
Nordharz 198
a,
wie sich brechen
s. teil 2, 350. 22)
untrennbar, sehr selten; mhd. bereits ganz verblaszt, '
umgeben'
?: der was mit sünden umbbrochen Teichner
hs. C,
fol. 223
a s. Lexer 2, 1727.
jetzt nur im bergbau gebräuchlich, umbrechen '
einen umbruch treiben' Veith
bergwb. 511; eine strecke wird umbrochen,
d. h. es wird ein umbruch (
s. d.)
gemacht Krünitz
encycl. 193, 606. —