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Campe
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Eintrag · Campe (1807–1813)

Um

Bd. 5, Sp. 63b
Um, ein in dreifacher Gestalt vorkommendes Wort. 1. Als Verhältnißwort, wo es den vierten Fall zu sich nimmt. Es bezeichnet: 1) Die Richtung einer Bewegung, wie auch, das Bestehen eines Zustandes an oder auf der ganzen äußern Fläche eines Dinges, auf die Art, daß wenn sie sich in gerader Linie immer fort erstreckt, oder auf einer Fläche von einem als Mittelpunkt angenommenen Dinge gleichweit entfernt fortgehet, der erste Punkt, von welchem man ausging, wieder erreicht wird. Um die Stadt, um das Haus gehen. Um die Erde segeln. Sich um den Tisch setzen. Sich um das Feuer lagern. Ein Tuch um den Kopf binden. Einen Mantel um sich nehmen. Einen Faden um den Finger wickeln. »Dort, wo eine unverwelkliche Mirte um unsere Häupter blühen soll.« Weiße. Ein Kreis von Menschen versammelte sich um ihn. Da wars um mich, als würde mir Der Himmel aufgethan. Ungen. (R.) Keinen Freund um sich haben, in seiner Gesellschaft, in seiner Nähe. Um jene Bewegung ganz, bis wieder zum ersten Punkt sich erstrekkend auszudrucken, oder überhaupt nur um mit Nachdruck zu sprechen, wird um noch mit den Wörtern herum und her verbunden. Um die Stadt, um das Haus ganz herum gehen. »Dein Weib wird sein wie ein fruchtbarer Weinstock um dein Haus herum.« Ps. 128, 3. »Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten.« Ps. 34, 8. 9. »Deine Wahrheit ist um dich her.« Ps. 29, 9. Die Ältesten von Messina stehn um sie her. Schiller. (R.). Einem um den Hals fallen, ihm die Arme mit Heftigkeit um den Hals legen und ihn an sich drücken oder auch küssen; als Ausdruck der Liebe. Schleunig anjetzt, rief jene, das Haupt um die Achsel gewendet. Voß. Hieher gehört auch der Zuruf an die Pferde, Um! Ume! im N. D., wenn sie sich mit dem Hintern drehen oder mit den Hinterbeinen ins Geschirr treten sollen. Uneigentliche Arten des Gebrauches in dieser Bedeutung sind folgende. Er muß um diese Gegend wohnen, ungefähr in dieser Gegend, wobei man in der Ungewißheit rings her siehet, daher man in einigen Gegenden dafür auch sagt, in dieser Drehe muß er wohnen. Wüßte er nur, wie mir es ums Herz ist, d. h. wie mir in der Gegend des Herzens, wo man Beklemmung, Angst  empfindet, zu Muthe ist, was ich an oder im Herzen empfinde. Ih rede wie es mir ums Herz ist, wie ich empfinde, wie ich denke. Es ist um sechs Uhr, sagt man, wenn man ungewiß ist, ob noch wenige Zeit zu sechs Uhr fehlen, oder ob es schon einige Zeit geschlagen hat. Um Mittag wollte er kommen, ungewiß, ob gerade zu Mittag oder ein wenig vorher oder nachher. Um Weihnachten, um Ostern, um Pfingsten, um Michaelstag, zu einer gewissen Zeit während dieser Feste und Tage, oder doch kurz vorher oder nachher. Um eben diese Zeit geschah es. Zuweilen verliert sich der Begriff der Ungewißheit und, es ist um sechs Uhr, heißt dann, es ist gerade sechs Uhr, und, um zwei Uhr wird er kommen, wenn es zwei Uhr sein wird. Ungewöhnlich ist es, um Nacht zu sagen: Oftmahl (s) ruht er auf Bergen um Nacht — Sonnenberg. Er kömmt immer um den andern Tag, wo es auch eine bestimmte Zeit und Folge anzeigt, er kömmt so, daß er immer einen Tag dazwischen ausbleibt, um diesen gleichsam herumgehet und ihn vermeidet, wofür man auch und besser sagt, einen Tag über den andern, indem er einen Tag immer übergehet oder nicht kömmt. Das Fieber kömmt immer um den dritten Tag, so daß zwischen den Fieberanfällen immer zwei gute Tage sind. »Einige Starke aßen auch nur um den zweiten oder dritten Tag.« Zimmermann. (R.) Einer um den andern kommen sie, so daß der eine gehet, wenn der andere kömmt. Einer um den andern arbeiten sie daran, indem der eine ruhet, wenn der andere arbeitet, so daß sie also mit einander abwechseln. Daher einer um den andern, eins ums andere überhaupt für wechselweise gebraucht wird. So auch um einander. — Es hellten die Glut um einander Mägde — — Voß. Jede soll um einander ein zeitverkürzendes Mährlein — — erzählen. Ders. — durch streitige Regungen irrend Legt sie den Zorn um einander, und weckt den gelegeten wieder. Ders. Aus diesen Stellen sieht man, daß dieser Gebrauch nicht, wie Ad. behauptete, veraltet ist. 2) Einen Gegenstand, wo die vorhergehende Bedeutung noch mit einschleicht. Wie stehet es um dich? wie stehet es in Ansehung oder in Betreff deiner? wie sind deine Umstände, wie befindest du dich? Wie steht es um die bewußte Sache? »Wie würde es alsdann um mein Versprechen stehen?« Gellert. »Sehen Sie doch, wie es um mein künftig (=es) Glück stehet.« Ders. Es siehet doch übel um ihn aus, wofür man auch sagt, mit ihm. Er macht sich um sie immer etwas zu thun, in ihrer Nähe, um bei ihr zu sein, wo sie also eigentlich der Gegenstand seines Thuns ist. Sich um Andere verdient machen, indem Andere der Gegenstand des verdienstlichen Handels sind. »Verdiene ich das um dich, meine Julie?« Weiße. † Ih habe es um ihn versehen, in Betreff seiner Person, gegen ihn. Da meine Grobheit es um deine Gunst versehn. Günther. (R.) Wissen Sie etwa um die Sache? ist Inen in Betreff derselben etwas bekannt? Ih weiß nichts darum. Ih weiß um alle seine An= gelegenheiten und um seine Geheimnisse. »Khein wort er vmb die bürger west.« Theuerdank, K. 94. Ein eigner Gebrauch des Wortes um im gemeinen Leben ist es zu sagen: es ist doch etwas Schönes um eine Rose, für, eine Rose ist doch etwas Schönes. Es ist ein närrisches Ding um die Liebe. »Es ist doch eine verzweifelte Sache um die liebe Tugend.« Weiße. Besonders gebraucht man um (1) den Gegenstand eines Bemühens, Strebens, Bewerbens zu bezeichnen; in vielen, doch bei weiten nicht in allen Fällen, wo oft nach, über, wegen  gesetzt werden muß. Sich um etwas bemühen, bewerben. Sich Mühe um etwas geben. Um ein Mädchen werben, anhalten, sie zur Frau verlangen. Sich um den Preis bewerben. Durch Drohn und Schmeichelein warb er um meine Gunst. Weiße. Um ein Amt anhalten. Um etwas bitten, flehen. Von kaltem Schrecken blaß bat jeder um sein Leben. Weiße. »Ir Herz, um das du flehst.« Gellert. Er kömmt um Brot, er kömmt nach Brot, will Brot haben. — So oft wir von unsern Geliebten uns trennen Und um neue Befehle zum Thron des Ewigen steigen. Klopst. Um die Ehre streiten, fechten, kämpfen. Um etwas hadern. Sich um etwas streiten, zanken. Götterschlacht (war) um die Welt, Götterschlacht um die Menschheit. Sonnenberg. Um etwas spielen, durch geschicktes oder glückliches Spielen den gesetzten Preis zu erlangen suchen. Um Geld spielen, so daß man Gewinn und Verlust mit Gelde ausgleichet. Um etwas losen, würfeln. Ih habe um die Sache schon geschrieben, ich habe in Betreff derselben schon geschrieben, sie schriftlich schon verlangt. Einen um eine Antwort plagen. Einen um etwas fragen, ihn nach etwas fragen, es von ihm zu erfahren. Einen um Rath fragen. Um Hülfe rufen. Um Rache schreien. Ungewöhnlich ist, um jemand rufen, klingeln, schicken , für, nach jemand, rufen, schikken , daß jemand komme. — Es ist ihm dabei nur um das Geld zu thun, er sucht nur Geld zu erhalten, zu verdienen. Ums liebe Brot arbeiten, um Brot zu bekommen, zu haben. Um die Wette laufen, arbeiten , die Wette oder das für den Sieger fest gesetzte Geld  zu gewinnen. Dann aber auch nur, sehr eifrig laufen, arbeiten , um es dem Andern zuvorzuthun, ihn zu übertreffen. I Cuba war ein Papagai, Den neckt ein jeder um die Wette. Hagedorn. Oft wird durch um der Preis, der Lohn einer Bemühung, Arbeit ausgedruckt, sofern derselbe eigentlich der Gegenstand der Bemühung ist. Um Lohn arbeiten, dienen. Um Tagelohn arbeiten. Arbeiter um Lohn dingen. »Jetzt hüte ich um schlechten Lohn hier diese zwei Ziegen.« Geßner. »Er ward mit den Arbeitern eins um einen Groschen.« Matth. 20, 2. Was thut man nicht ums liebe Geld, um Geld dadurch oder dafür zu bekommen. Um vieles Geld möchte ich das nicht thun. So auch in weiterer Bedeutung, anstatt für, wo es jedoch mit Recht immer seltener gebraucht wird. Um Geld, um bar Geld kaufen. Um Geld ist ihm Alles feil. Ih habe es um zehn Thaler gekauft. Um wie viel ist das Gut verkauft? »Kauft man nicht zwei Sperlinge um einen Pfennig?« Matth. 10, 29. I den Kanzeleien verbindet man gar beide Wörter, des Nachdruckes wegen, wie Ad. sagt: »Cajus kauft das Haus um und für tausend Thaler.« Х Um nichts und wieder nichts, für gar nichts, umsonst. Öfter gebraucht man um, dasjenige oder den Preis zu bezeichnen, wofür man etwas thut, giebt oder erlangt, wobei man an einen Wechsel oder Tausch gedacht zu haben scheint. Alles um Liebe. Liebe um Liebe. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Um keinen Preis werde ich dies thun. Um Alles in der Welt würde er sich nicht dazu entschließen. Ih bitte dich um Alles in der Welt, thue es nicht. Was thut man nicht um einen Kuß, um einen freundlichen Blick von der Geliebten seines Herzens. — Ärgerlich wars für manchen sogar von uns Teufeln, Wenn rechtgläubig Gesindel um Mönchentand in den Himmel Aufstieg — — Voß. Ih gäbe viel darum, wenn ich es haben könnte. Doch sagt man nicht mehr, tausend Thaler um ein Haus geben, anstatt für. Eben so wenig. »Sie beweisen mir Böses um Gutes.« Ps. 109, 5. »Die sollen dem Herrn danken um seine Güte.« Ps. 107, 8. »Sie eifern um Gott, aber mit Unverstand.« Röm. 10, 2. I diesen Fällen gebraucht man statt desselben für. (2) Einen Gegenstand des Verlustes. Um etwas kommen, desselben verlustig werden, es geschehe auf welche Weise es wolle. Um ein Auge, einen Finger, einen Arm, um seinen guten Ruf  kommen, diese Dinge auf irgend eine Art verlieren. Um das Leben kommen, es auf irgend eine gewaltsame Art verlieren. Einen um das Leben bringen, ihm dasselbe gewaltsam nehmen, ihn tödten. Sich um den Hals reden, in einer sklavischen Staatsverfassung z. B. so frei reden, daß man von dem Zwangherrscher dafür mit dem Tode bestraft wird. So pflegt die Wahrheit insgemein Sich um den Hals zu singen. Günther. Und nennt die Guten, die, um schöne Stunden Vom Glück getäuscht vor mir hinweggeschwunden. Göthe. Einen um sein Geld, um seine Zeit bringen, Ursache sein, daß er es, sie unnütz oder unzweckmäßig verwendet. Einen um zehn Thaler strafen, ihm eine Geldstrafe von zehn Thalern auflegen und ihn dadurch darum bringen. Х Ih bin darum, sagt man im gemeinen Leben, für, ich bin darum gekommen, ich habe es verloren. Х Es sei darum! oder es mag darum sein! es mag verloren sein, auch, es mag sein, es ist nichts daran gelegen. Es ist um ihn geschehen oder gethan, er ist verloren, er ist unglücklich, auch, er ist gestorben. Um etwas betrogen werden. »Sie plaudert uns um die Zeit,« Ad. sie bringt uns durch ihr Geplauder um die Zeit. »Sie betet uns oft um das Mittagsessen.« Gellert. Ferner gebraucht man um, einen Gegenstand eines erlittenen oder zu besorgenden Verlustes, sofern dieser Verlust eine unangenehme oder traurige Empfindung erweckt, zu bezeichnen. Sich um etwas betrüben, grämen, härmen. Um etwas klagen, trauren, weinen  — daß ich aus dem Thale des Todes Komme, und um Icharioth hier und sein trauriges Schicksal Weinen muß! — — Klopstock. Fließet ihr Thränen um den redlichsten Vater und Freund. Der Schmerz um ihn ist für mein Herz Selbst noch ein angenehmer Schmerz. Gellert. Um etwas bekümmert sein, oder sich um etwas bekümmern, Kummer darüber empfinden; daher, die weitere Bedeutung im gemeinen Leben, sich um etwas bekümmern, dafür besorgt sein, theilnehmend danach fragen, sehen. Um etwas Leid tragen. Trauer war noch in Zamora Um den Tod des großen Königs. Herder. Х Sehr um etwas thun, dessen Verlust sehr bedauren. Es thut oder ist mir sehr leid um ihn. — Um den Jungfernkranz, den die Weiber dir rauben, Tröste dich, armes Ding — Voß, d. h. um den Jungfernkranz  betrübe dich nicht, sondern tröste dich darüber. Zuweilen bezeichnet um auch einen Gegenstand und eine Ursache anderer Gemüthsbewegungen. Einen um etwas beneiden. »Um dies Vergnügen muß mich ein Prinz beneiden.« Gellert. Ih hasse ihn darum. Ih kann ihn darum nicht leiden. Um eine Versorgung ist mir nicht bange. »Um Trost war mir sehr bange.« Jes. 38, 17. — Denn sie sorgt um den Held in der Nimfe Behausung. Voß. Poseidon allein — zürnet ihm rastlos, Um den Kyklopen entbrannt — Ders. 3) Eine Ursache, einen Beweggrund, wo es jedoch ungewöhnlicher geworden ist und in den meisten Fällen besser mit wegen vertauscht wird. »Sie preiseten Gott um alles, das sie gesehen und ge= höret hatten.« Luc. 2, 20. »Der Herr wird strafen alle Gottlosen um alle Werke ihres gottlosen Wandels.« Brief Jud. 15. Ih liebe dich um deinen Fleiß. Er ist darum nicht zu loben, sondern zu tadeln. Wenn um würdige Männer, züchtige Mütter und schöne Sprossen der Edlen sie (die Trauerglocken) hallen — Cludius. Häufiger wird es in dieser Bedeutung noch gebraucht in Verbindung mit dem Worte Willen und mit dem zweiten Falle der Sache, welche von dem Worte Willen herrühret. Um Gottes Willen etwas thun. Um unserer Willen hat er sie verschonet. Thue es ums Himmels Willen nicht! Es geschieht um Lebens und Sterbens Willen, es geschieht zur Sicherheit, weil man eben so leicht sterben als leben kann. Um eines oder zweier Willen wird er es nicht thun. Um meinet Willen braucht es nicht zu geschehen. Ehemahls gebrauchte man dafür von — Willen, durch — Willen, z. B. von mehrerer Sicherheit Willen. Zuweilen wird Willen auch weggelassen, was aber hart ist, und noch mehr, wenn der vierte Fall anstatt des zweiten gesetzt wird. »Ih will das Volk heimsuchen um ihrer Missethat.« Jer. 25, 12. »Daß wir um dieser heutigen Empörung verklagt möchten werden.« Apostelg. 19, 40. »Gott wird sie um ihre Bosheit vertilgen.« Ps. 94, 23. »Ih beschwöre sie um unsere Liebe, machen sie meine Ahndungen (Ahnungen) eitel.« Ad. I der für diese Bedeutung von Ad. angeführten Stelle: »Sie will um Himmel und um Hölle nicht weiter gehen,« Michael. wo man es erklären kann, und wenn Himmel und Hölle darauf stünde, scheint es zur vorhergehenden Bedeutung 2) (1) zu gehören. Hart und verwerflich ist die Auslassung des Wortes um. Auch wo das Römervolk der schönen Bäder Willen I voller Üppigkeit die lange Zeit vollbracht. Opiz. Für Willen wegen zu setzen ist so ungewöhnlich als verwerflich. »Um meiner Jahre wegen könnte ich in der Kleidung noch sehr jung thun.« Gellert. Veraltet oder doch landschaftlich und verwerflich ist um daß für weil, darum weil. Was weint ihr Mütter viel, um daß euch durch den Streit Die Söhne sind erleget in ihrer jungen Zeit. Opiz. »Dies würde uns mit Freude überschütten, um daß sein Werk so übel gerathen.« Bodmer. Noch verwerflicher ist um willen für weil. »Um dem Herrn Sayon seine Reise nach Berlin zu vergüten, um willen er von dasigem Hofe nicht als Ambassadeur angenommen worden.« Wekhrlin. 4) Einen Unterschied der Zeit, Zahl, Größe und innern Stärke. Ih bin um 17 Jahr älter als sie. Um eine halbe Stunde kommen Sie zu spät. Es ist um zwei Stunden zu thun, so ist es fertig, es kömmt nur auf zwei Stunden an, es gehören nur zwei Stunden dazu. Es ist um zehn Thaler zu thun. Wo auch wol thun zuweilen ungut weggelassen wird. Es ist um wenig Schritte, so hol' ich dir dies Band. Gellert. Er hat sich um zwanzig Thaler verrechnet. Er ist um drei Zoll kleiner als sein Bruder. Es muß um einen Zoll länger gemacht werden. Dies ist um die Hälfte größer und dicker als jenes. Es ist nicht um ein Haar größer, dicker, breiter, nicht so viel, als ein Haar beträgt. Х Um ein Haar wäre ich gefallen, es fehlte kein Haar breit, so  d. h. beinahe wär ich gefallen. Um so mehr muß ich es glauben, da er es selbst versichert. Um so viel lieber wird es mir sein, desto lieber. Hier kann man um oft auch weglassen. Er ist einen ganzen Kopf größer, für, um einen Kopf. Es ist zehn Thaler theuer, für, um zehn Thaler. Überflüssig ist es bei desto. »Ih melde dieses um desto lieber, da «, für, um so lieber, oder desto lieber. Gottsched. »Das ist schön, daß er nicht schwört, um desto mehr kannst du auf sein Wort bauen.« Gellert. Um so viel größere Ehre der Sohn hat dann (denn oder als) der Diener, um so viel größere Ehre hat Christus dann (als) Moses.« Bei Ad. 2. Als Bindewort, wo es einem Aussageworte in der unbestimmten Form mit dem Wörtchen zu beigesellet wird, eine Absicht, einen Zweck zu bezeichnen, wo es als eine Fortsetzung der dritten Bedeutung zu betrachten ist, und wo man damit dafür setzen kann. »Ih habe nicht in die Lotterie gelegt, um reich zu werden, sondern um Andern Gutes zu thun,« damit ich reich werde, sondern damit ich Andern Gutes thun könne. Gellert. Und erblicket einen Schützen, Der sein Rohr auf ihn gerichtet, Um ihm auf den Pelz zu blitzen. Lichtwer. »Sie thut sich alle Gewalt an, um bewundert zu werden.« Gellert. Man lebt nicht um zu essen, sondern man ißt um zu leben. Besonders zu Anfange einer Rede. »Um diese Stärke zu zeigen, muß unsere Geduld durch manche Fälle geübt sein.« Dusch. Um seinen Zweck sicher zu erreichen, muß man die zweckmäßigsten Mittel anwenden. Um gesund zu bleiben, muß man ordentlich und mäßig leben. Oft wäre das um zum Verständniß nicht nöthig, wo man es aber doch der mehrern Ründe der Rede wegen setzt. »Wenn ich innere Ruhe genug hätte, um mein Herz den Vergnügungen des herzens zu öffnen.« Zimmermann. Doch große Herzen sind bestimmt, um hier zu leiden. Cronegk. I Fällen wie folgender ist es wegzulassen. »So vorsichtig ein anderer Richter ist, um zu verbergen, daß er sich habe bestechen lassen.« Rabener. Ganz verwerflich ist es zu sagen: »Ih habe keine Hoffnung, um in meinem Gesuche glücklich zu sein,« bei Heynatz, für, in meinem Gesuche glücklich zu sein, oder, daß ich in meinem Gesuche glücklich sein werde. »Man straft ihn, um sich schlecht vertheidigt zu haben,« Ungen., ganz verkehrt für: man straft ihn dafür, daß, oder dafür, weil er sich schlecht vertheidiget hat. Für als daß wird um häufig auch von guten Schriftstellern gebraucht und es ist nicht so widerwärtig als Ad. meinte. Er ist zu mächtig, um zur Rechenschaft gezogen und bestraft werden zu können. Er ist zu unglücklich um ihn nicht zu bedauern. Er ist zu tugendhaft, um nicht ein Christ zu sein, Cronegk, für, als daß er nicht ein Krist sein sollte. 3. Als Umstandwort, wo dessen Bedeutungen als uneigentlicher Gebrauch der ersten Bedeutung des Verhältnißwortes zu betrachten sind. 1) Х Der geradesten und kürzesten Linie oder Richtung gerade entgegengesetzt, so wie der Umfang oder Umkreis dem Durchmesser entgegengesetzt ist. Von Braunschweig nach Posen über Leipzig und Dresden zu reisen ist viel um, oder ist sehr um. Diese Bedeutung hat es in mehrern Zusammensetzungen, als úmgehen, úmfahren, úmreiten  2) Х Zu Ende, vorbei. Die Stunde, die Woche, das Jahr ist um. »Wenn ich sie eher, als das Jahr um ist, fortjage, so muß ich ihr das ganze Lohn bezahlen.« Gellert. Meine Zeit ist um. 3) Um und um, auf allen Seiten, überall, ganz. Die Stadt ist um und um mit Wasser umgeben. Weiser Damon, dessen Haupt Lorber um und um belaubt. Kleist. Und Himmelreich ist alles um und um. Wieland. Nichts das den Hunger täuscht wird um und um gefunden. Ders. Eben so wird oder wurde um und an gebraucht, für überall, überhaupt, durchaus. Was nicht lieben will und kann, Wozu taugt es um und an? Sim. Dach. Der Tod begehrt nichts um und an. Opiz. Er wird die Völker um und an, Wie recht und billig ist entscheiden. Ders. Ach, so ist es um und an Um die ganze Welt gethan. Gryphius. 4) Zu Boden, das Oberste zu unterst, oder das Unterste zu oberst, das Vordere zu hinterst gekehrt. Um mit diesen Bäumen! man fälle sie, daß sie zu Boden fallen. Rechts um! ein Befehlwort bei den Soldaten, daß sie sich nach der rechten Seite schwenken sollen, daß ihr Gesicht dahin gekehrt sei, wohin vorher der Rücken gekehrt war. Besonders in den Zusammensetzung, z. B. umstoßen, umrennen, umkehren, umwenden  wo der Ton immer auf um liegt. 5) Von neuen, und auf eine andere Art, in vielen Zusammensetzungen, úmarbeiten, úmgießen, úmschmelzen , wo der Ton ebenfalls immer auf um ruhet. Um wird zu vielen Zusammensetzungen gebraucht, welche verschiedenartige Bedeutungen haben, die sich aber auf die im Vorhergehenden angegebenen zuückführen lassen. Man setzt daraus 1) mit Umstandwörtern neue Umstandwörter zusammen, indem man um theils vorn an, theils hinten an setzt, z. B. umher, umhin, umsonst, herum, hinum, ringsum, darum, warum, wiederum  1) Mit Grundwörtern und Beilegewörtern neue Grundwörter und Beilegewörter, z. B. Umkreis, Umweg, Umstand, Umweg, umständlich, umgänglich  3) Mit Aussagewörtern neue Aussagewörter, welche den Ton bald auf um, bald auf dem Aussageworte haben, über welche Betonung in allgemeinen Folgendes zu merken ist. Wenn der Hauptbegriff in dem Worte um liegt und dieser hervorgehoben werden soll, so wird der Ton auf um gelegt. I der Umwandlung ist um dann von dem Aussageworte trennbar und es stehet bald vor bald hinter demselben, z. B. ich kehre um, ich kehrte um, auf daß er umkehre. Zuweilen wird in Zeiten, wo das Wort um vom Aussageworte getrennt wird, um vor demselben von den Dichtern gelassen, odwol dies gegen die Regel der gemeinen Rede ist. Nimm diese Fahne! dieses Schwert umgürte dir! Schiller. Vor Schlaf umtaumelte er selbst mit dem Sessel. Baggesen. Das Mühlrad, von der Flut gerafft, Umwälzt sich für und für. Schiller. Das Aussagewort bekömmt dann die gewöhnliche Zusilbe ge, umgekehrt, und in der unbestimmten Form tritt das zu zwischen um und das Aussagewort, umzukehren. Wenn aber der Hauptbegriff in dem Aussageworte liegt, welcher hervorgehoben werden soll, so ruht der Ton auf diesem, und um ist dann vom Aussageworte untrennbar, z. B. ich umkränze das Haupt, ich umlaufe den Garten. Die Zusilbe ge wird dann weggelassen, und das Wörtchen zu tritt vor die ganze Zusammensetzung, umkränzt, zu umkränzen. I mehreren Zusammensetzungen, wo eine Bewegung um etwas herum angezeigt werden soll, ist um weniger gewöhnlich als herum und wird nur ins gemeine Leben verwiesen; allein es verdient dies nicht, weil um eine solche Bewegung in allgemeinen zu bezeichnen nöthig ist, indem herum eigentlich nur eine Bewegung um ein Ding nach den Sprechenden zu gerichtet bezeichnet, in Gegensatz von hinum, von den Sprechenden weg um etwas, so daß z. B. úmgehen sowol herumgehen als auch hinumgehen, bezeichnet, im Falle man den Begriff der Bewegung um ein Ding nur unbestimmt in allgemeinen ausdrucken will. Ehemahls lautete um in Zusammensetzungen auch umb, umbe, z. B. umbeborten, umbecirkel. Einige andere ungewöhnliche und verwerfliche Gebraucharten des Wortes um, außer den oben schon angegebenen, sind folgende: für von. »Was dünkt euch um Christo?« Matth. 22, 42. Das oben angeführte, um eine Sache wissen, gehört nicht hieher, weil es etwas Anderes und mehr sagt als von einer Sache wissen. — Für nach. »Herr Nicolai erkundigt sich um alles.« bei Heynatz. — Sich um eine Sache annehmen, anstatt, sich einer Sache annehmen, oder, sich um eine Sache bekümmern. »Ih glaube gar, der Herr hat des alten Volkslehres seinen Dienst bekommen, daß er sich so eifrig um die Dinge annimmt.« bei Heynatz — »Es galt um die Selbstständigkeit der Nation,« Schmettow, für, es galt die Selbstständigkeit  Dem Gebrauche gemäß wird um zwar immer mit dem vierten Falle gefügt, allein sollte man nicht hier eben so wie bei an, auf, bei, in  darauf sehen, ob die Handlung oder Bewegung oder der Zustand, deren Verhältniß um bezeichnet, erst noch auf einen Gegenstand gerichtet, noch erst im Werden sei, oder als an einem Gegenstande schon vollendet und ob ein Zustand der Ruhe zu denken sei? und sollte man es dem gemäß, nicht bald mit dem vierten, bald mit dem dritten Falle verbinden? Wäre dies gegründet, wie es zu sein scheint, so würde man richtig sagen, um den Tisch gehen, treten, eine Kette um den Hals binden, aber man müßte dann auch sagen, um dem Tische stehen, sitzen, eine Kette um dem Halse haben. So ungewohnt dies anfangs klingen mag, sobald würde man sich doch daran gewöhnen, wenn es damit nur sonst seine Richtigkeit hätte.
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  1. 9.–12. Jh.
    Altsächsisch
    umPräp.

    Köbler As. Wörterbuch

    um , Präp. nhd. um, betreffs ne. around (Präp.), concerning (Präp.) Vw.: s. -bi Hw.: vgl. ahd. umbi Q.: GlG, H (830) E.:…

  2. 8.–14. Jh.
    Altnordisch
    umPräp., Adv.

    Köbler An. Wörterbuch

    um , Präp., Adv. nhd. um, herum, ringsum Vw.: s. -ganga, -gangr, -venda Hw.: s. bāðir E.: germ. *umbi, Adv., Präp., um; …

  3. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    um

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    um , üm s. umbe, un.

  4. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    umKonj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +20 Parallelbelege

    um , Konj. Vw.: s. ümme (3) L.: MndHwb 3, 2, 7 (um)

  5. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Um

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Um , ein Partikel, welche in dreyfacher Gestalt üblich ist. 1. Als ein Vorwort, welches allemahl die vierte Endung, oder…

  6. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    um

    Goethe-Wörterbuch

    um [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  7. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    u/M

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    u/M ., militärische Abkürzung für »umgeändertes Modell«.

  8. modern
    Dialekt
    um

    Elsässisches Wb. · +8 Parallelbelege

    um [ùm allg. ] Adv. um. Dë r Baüm muess m i r um muss gefällt werden Steinb. E guete r Wëj is t nix um Bf. Der Geisshirt…

  9. Sprichwörter
    Um

    Wander (Sprichwörter)

    Um 1. Dôr bün ik um 1 , sagt jener, as Töms um sînen Hâmel. – Hoefer, 480. 1 ) Darum bin ich, das hab' ich verloren. 2. …

  10. Latein
    um

    Mittellateinisches Wb.

    -um v. phoeniceus, -um. Konstanciak

  11. Spezial
    um

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    um I praep. 1 (örtlich) incër: die Kinder laufen um die Kirche i mituns salta incër dlijia 2 (zeitlich: ungefähr) a, da,…

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Wortbildung

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