umbinden,
vb. im 16.
und 17.
jahrh. sind einige male formen der trennbaren und untrennbaren gestalt miteinander vertauscht: umbbundte
ohne -ge- Guarinonius
grewel (1610) 1192;
andrerseits binde umb Sebiz
feldbau (1579) 345; umzubinden
ebda 324; umgebunden
ebda 329; Bech
Agricolas bergwerksb. (1621) 144; Opitz
teutsche poemata 214
ndr.; persian. baumgarten 5
b. 11)
trennbar. 1@aa)
herumbinden: wo das glyd schwyndt, do bind den strick umb Gersdorf
wundarzney (1517) 36
b; netze auch die binden (
für ein geschwür) darinn (
im warmen wein) und binds warm umb Gäbelkover
artzneyb. (1595) 1, 310;
seit je vom umlegen eines kleidungsstückes, eines schmuckgegenstandes u. ä.: eine schürtze umbinden
cingersi, mettersi, dinanzi un grembiale M. Kramer 1 (1700) 115
b;
mundartlich ek wil mant en'n âlen dauk ümmebinden Schambach
Göttingen 240
a; öpis um(e)binde Hunziker
Aargau 276;
ein personaler dativ tritt meist hinzu: er hiez mir Ruolante Karln den kaiser zebeschirmen witewen unt waisen dich Durndarten umbe binten
Rolandslied 238, 32
Gr.; wol hundert knappen man dar zuo vant, den man des tages swert umbe bant
die klage 2005
Lachm., d. h. als zeichen der ritterwürde; der knecht ein schleyer nam, den umband Montanus
schwankb. 409
lit. ver.; die ... ihre an statts schilts umbbundte mäntlein (
zerfetzt) hetten Guarinonius
grewel (1610) 1192; mein weib ... hat einen alten rock von früsz, den wil ich auch an statt einer löwenhaut umbinden A. Gryphius
lustsp. 14
lit. ver.; er ... bringt eine grosze halskrause aus der tasche, die er sich umbindet Lessing 2, 28
L.-M.; er winde sich das diadem um seine stirne, mein sey nur der ruhm, dasz ichs ihm umgebunden Schiller 15, 1, 49
G.; du hattest heute das schöne rothe halstuch umgebunden A. v. Arnim 7, 40
Gr.; in verkürzter ausdrucksweise umgebunden gehen (
scil. den haarputz): umgebunden gehen heiszet, wenn eine braut in ihrem haarkopffe (
s. teil 4, 2, 32) mit dem auffgesetzten crantze in die kirche fährt oder gehet Amaranthes
frauenzimmerlex. 2080; umgebunden
im sinne von '
den haarputz umgebunden habend': haarlocken ... so an dem haarkopfe bey den umgebundenen bräuten ... herunter zu hängen pflegen
Chomel lex. 5, 11;
der gebrauch mit personalem dativ beschränkt sich nicht auf den menschen: nimm dasselbige (
ins wasser gelegte) saltz, binde es ihm (
dem pferde am geschwollenen schenkel) umb J. Walther
pferdezucht (1658) 91; cameele ..., denen man leder gegen die bisse der schlangen umbindet Ritter
erdkde 1, 475; toll wie eine katz, der man schellen umgebunden hat G. Freytag 2, 58;
ist aber das, um das man etwas bindet, eine sache, so kann man in nicht gehobener sprache nicht umbinden
gebrauchen, sondern nur um etwas binden: eine schnur um das paket, eine manschette um den blumentopf, schutzringe um die bäume binden,
auch dann, wenn es sich um einen körperteil o. ä. handelt: ein tuch um den hals, einen lappen um den finger binden, einen verband um die wunde binden (
s. teil 2, 32),
es sei denn, dasz man an dieser stelle ein pronomen verwendet, z. b. ihm (
dem baum) den ring umbinden. 1@bb)
nochmals, anders binden; nicht über die fachsprache hinaus verbreitet: umbinden heiszet dem frauenzimmer das nest aufflechten, das haar ausbürsten, ... wieder einflechten und einpoudren Amaranthes
frauenzimmerlex. 2079,
vgl. dazu umbindefrau;
beim segeln vom wenden, kreuzen, bei wechsel des winds oder der fahrtrichtung die segel auf die andere seite legen, sie anders festbinden Fischer
schwäb. 6, 83; die wanttaue umbinden
oder verbinden,
sie anders, kürzer einbinden, wenn sie sich zu weit ausgereckt haben Bobrik
seewb. 701
a;
in der buchbinderei, ein buch, das bereits gebunden ist, anders einbinden: in Bünaus bibliothek gab es keine ungebundenen bücher; alles gekaufte wurde umgebunden Justi
Winckelmann 1, 204;
im bergbau: umbinden ist, die strauben an eisen und böhrern wieder zusammenschmieden Minerophilus
bergwerckslex. (1730) 676; Veith
bergwb. 471;
in der böttcherei, ein fasz umbinden
andere reifen oder die reifen in anderer weise und ordnung umlegen Krünitz
öcon. lex. 193, 603;
in der weberei: da kein meister auf mehr als einem stuhl weben oder 'umbinden' lassen durfte
F. Bauer
wollgewerbe von Eszlingen (1914) 118. 22)
untrennbar, mit etwas umbinden
etw. um —
herum binden: so got dir gibt ein solche gnad und dich mit einem duoch (
bademantel) umbbindt Murner
badenfahrt 20, 19; mit einem weiszen tuch den kopff umbbunden
M. C. Schütz
hist. rer. Pruss. (1592) A 3
a; zwey leibeigene ... mit güldenen schärpen umgebunden
persian. baumgarten 5
b; ein schnierlein, mit welchem sollichs haupt ringsweisz umbbunden ist Ryff
anatomi (1541) M 4
b; umbband er den lincken arm mit unflätigen und scheutzlichen lumpen Kirchhof
wendunmuth 2, 227
lit. ver.; umbbinde ihm (
dem rosz) denn die beine mit stroh bis an die knie J. Walther
pferdezucht (1658) 137; umbindet ihr (
der Walburg) nicht die hände mit den weiden G. Freytag
ahnen (1906) 1, 352;
ebenso von sachen: eyn ey mit eynem faden umgewickelt oder umgebunden Sebiz
feldbau (1579) 109; der sitz desz (
gebär-)stuls sol allenthalben an den enden mit linden thüchlein umbbunden ... seyn Ruoff
hebammenbuch (1580) 53; dann werden die ... (
wäsche-) stücke mit den ... rothseidenen bändchen ... umbunden und wieder in den schrein gelegt Stifter 5, 1, 140;
unsinnlich: die (
menschen) thut sie (
Venus) all verblenden, ... mit sorg und angst umbbinden Guarinonius
grewel (1610) 1153;
selten von
statt mit: den sack voll briefflein ..., von seide, silber und güldinen fäden umbbunden Moscherosch
gesichte (1650) 1, 155; drunter in krystall gelegt, vom funkelnden gestein umbunden, ein überköstlich heiligthum, ein nagel aus des heilands wunden A. v. Droste-Hülshoff 2, 21
Schück. die nähere bestimmung durch mit, von
kann fehlen, wenn sie sich von selber versteht oder leicht ergänzt werden kann: thut ihm dann das häuptlin weh, so ... pringt (
sie) schleyer her, dasz sie ihm den kopff wie ein daubenfellig fasz umbbind und umbwind Fischart
Gargantua 105
ndr.; solt das die fasten sein, die ich erwele, wenn ein mensch ... sein heubt umbbindet wie ein bund stro Luther 23, 592
W.; man begegnet seit einigen tagen sehr vielen umbundenen armen und gesichtern K. E. Ölsner
br. an Stägemann 256; decke ... die gantze zweigung mit hafnererd zu ... binde ... rockenspreuer ... darüber und umwinde es mit alten lumpen ... wann die zweigung hast umbgebunden Sebiz
feldbau (1579) 329;
uneigentlich: wiltu als ich, so hastu mich in lieb ganz uberwunden, ... so wirt mein herz umbbunden
volks- und gesellschaftslieder 179, 24
Kopp; in fachsprachlicher terminologie: umbunden ...
vom wappenbild, um das ein anderes gebunden ist Müller-Mothes 954
a. —