vasall,
m. gefolgsmann, lehensmann. 11)
ein zunächst dem romanischen entlehntes wort: mlat. vassalus, vasallus,
ital. port. span. vasallo,
prov. franz. vassal.
weiterbildung des mlat. vassus,
welches in den ältesten leges und urkunden sich häufiger als die längere form findet. zu kymr. gwâs
junger mann, diener, gwasawl
dienend, wofür auch die bei Du Cange 6, 740
b aufgeführte form vasaulus
spricht (
vgl. Pott etym. forsch. 2, 347. Diez
wb.2 1, 439);
zahlreiche belege für das vorkommen des lateinischen wortes in den ältesten leges und capitularien bei Roth
benefizialwesen 367
ff.; in dem romanischen fand nur vassalus, vasallus
eingang, vassus
ging verloren. trotz starker verwendung beider formen in deutschen mittellateinisch geschriebenen urkunden ist vom lateinischen aus das wort nicht ins deutsche eingedrungen; erst durch das französische kam in der mhd. periode vasall
zu uns. mhd. noch als fremdwort gefühlt, bürgert es sich besonders seit dem vorigen jahrh. ein. Schiller
schrieb in seinen frühesten schriften vasalle (
hist.-krit. ausg. 3, 132),
später vasall. 22)
in engem anschlusse an die ursprüngliche bedeutung ist vassus, vasallus
in der merovingischen periode ein unfreier im dienste und gefolge des königs oder eines vornehmen. aber schon in der Karolingerzeit wird das wort auch für freie gebraucht, die einem höherstehenden durch treueid verpflichtet sind, in dessen gefolge auftreten, gewisse dienste leisten und dafür unterhalt und defension erhalten. eine belehnung mit gütern ist ursprünglich nicht in der vasallität einbegriffen und der vasall anfänglich vom lehensmann geschieden; da es aber bald sitte wurde, auch die vasallen zu belehnen, so fallen allmählich auch in der rechtssprache beide begriffe zusammen, s. Roth
benefizialwesen 379. 33)
bei übernahme des wortes ins deutsche hat es meist die letzte bedeutung; vasallen und lehensmannen werden als das gefolge eines herrn bildend gern zusammen genannt, ohne dasz ein unterschied der bedeutung sich nachweisen läszt. im mhd., wo die form vassal (Maaler 415
schreibt ebenfalls vassal)
herrscht, noch selten: guoteme vassale ne mah niht gewerren.
Rolandslied 6629;
oft aber ist vassal
im mhd. auch nur eine freundschaftliche anrede eines höhern an einen niedern, ohne dasz dienstverhältnisse stattfinden, so in der romanischen stelle: dêû sal, bêâs vassal. Gottfried
Tristan 3352,
wo könig Marke den ihm fremden Tristan anredet. nhd.: welches (
das tragen des bildes eines esels) dester schimpflicher seitmals das der jung herzog selbs vor seinen vasallen und lehensleuten .. dergleichen .. dorheit hat beweisen mueszen.
Zimmer. chron. 35, 13; Betlehen Gabor, welchen man gleichwol iedes mals vor einen christlichen fürsten auszgeschriehen, unangesehen er des türckischen sultans vasall dem Turcken thur und thor eröffnet.
Weimar. staatsarchiv (
Dresden) 1621.
häufiger seit dem ende des 17.
jahrh., wo es auch die wörterbücher in verschiedenen schreibungen (vasal, vassal)
aufführen, vergl. Weigand deutsches wörterb.2 2, 984
aus Kramers
teutschital. wörterb. (1683)
und Ludwig
teutsch-engl. wörterb. (1716)
belegt. früher bei Maaler 415
und bei Schottel
haubtsprache 1437 vasal,
vasallus, lehnmann als im deutschen verbreitet aufgeführt, der es sogar aus deutschem stamme abzuleiten versucht. in den lehensacten häufig: demnach sie sich dahin verglichen haben, dasz an ihro fürstl. durchlaucht allhier die noch übrigen saalfeldischen stifftslehen und vasallen überwiesen werden mögen .. alsz ist von unsers gnädigsten herrn fürstlicher durchlaucht uns in gnaden anbefohlen worden, dasz wir solches an alle und jede vasallen der resignirten und in dem regierungspatente benahmten stifftslehn förderlichst insinuiren.
Weimar. staatsarchiv (
Saalfeld) 1696; solche hochfürstliche gnade werde ich zeit lebens mit unterthänigsten danck erkennen und mich jee und allezeit als einen getreuen vasallen und gehorsamsten lehenmann aufführen.
ebend. (
Weimar) 1717; bist du nicht ebenso frei, so edel geboren als einer in Deutschland, unabhängig, nur dem kaiser unterthan und du schmiegst dich unter vasallen? Göthe 8, 30; auszer verschiedenen reichen ländereien in den Niederlanden, die ihn zu einem bürger dieses staats und einem gebohrnen vasallen Spaniens machten, besasz er noch das fürstenthum Oranien. Schiller
hist.-krit. ausg. 7, 80; wolltest du jetzt an meinem busen dich wiegen, pochte ein störriger vasalle an dem reich. 3, 132; ein vasall, dem durch mannichfache berührung mit den ersten männern seiner zeit der kamm geschwollen war, wagte es, die unbilden, die ihm durch lehensherrn .. widerfuhren, zu rächen. Gutzkow
in b. reihe 279; kein fürst auf erden lebt so stolz und einsam unter seinen vasallen, als dieser kaffeebeherrscher in seinem reiche. Freytag
soll u. haben 1, 65; eine jahrelang erprobte freundschaft knüpfte mich an deinen vater, der mir nicht vasall war, wie so viele, der mir kampfgefährte war und zeltgenosse. Platen 332
b;
in freierer verwendung, zum dienste verpflichteter mann, ohne rücksicht auf die art, wie ein solches verhältnis entstanden: gerissen aus den flammen seines schlosses, seine vasallen geflohen. Schiller
hist.-krit. ausg. 2, 323; so ist doch kein teufel so lüderlich, seinen vasallen in der letzten lüge zu verlassen. 2, 324; sieh da! hervor vom hinterhalt, hop! hop! sein heer vasallen. Bürger 54
a;
Eugenie. zu ewigen vasallen nimm uns
an. Göthe 10, 266; ich stehe vor dir als getreuer vasall, pfalzgräfin, schönste der frauen. Scheffel
trompeter von Säckingen; scherzhaft: 'ich ging aus, das handwerk zu grüszen', sagte er auf den förster deutend, 'und bin grade dabei, mich über ihren trotzigen vasallen ... zu freuen'. Freytag
soll u. haben 2, 172;
poetisch auf leblose dinge übertragen: er biete doch den pralenden tribut, den ihm sein furchtbarer vasall das meer aus beiden Indien herüberfrohnt. Schiller
hist.-krit. ausg. 5, 16.