sonnenblume,
f. ,
bezeichnung verschiedener blumenarten, mundartlich schweiz. sunnebluem Hunziker 267 (
bei Hebel sunneblume,
s. u.),
österr. sunnabluma
idiot. Austriac. 115,
nd. sünnenbloom Dähnert 474
a; sunnenblaume (
heliotropium europ.)
nd. korrespondenzbl. 18, 13. 11)
eine hochwachsende pflanze, ursprünglich in Peru und Mexico heimisch, wo sie über 20
fusz hoch wird, seit jahrhunderten auch in europäischen gärten gezogen, mit schönen groszen gelben blumen, den gröszten von allen bekannten pflanzen, die mit dem kranze langer spitzer blätter strahlenden sonnen ähnlich sehen, auch sonnenkrone,
helianthus (
annuus). Nemnich (
auch corona solis, helenium indicum maximum, herba maxima, chrysanthemum peruvianum, flos solis peruv. chrysis, deutsch die gemeine sonnenblume, die jährige hohe
oder die grösste indianische sonnenblume). Pritzel-Jessen (
auch sonnenrose). Oken 3, 749
f. Jablonski 728
b f. öconom. lex.
2 2739. Adelung;
schweiz. sunnebluem
und sunnewirbel Hunziker 267,
preusz. (
auch sonnenglanz) Frischbier 2, 345
a.
wort und sache sind seit dem 16.
jahrh. bekannt; vgl. Weigand 2, 738 (
danach bei Lonicerus): sonnenblum Wigand
catal. herbarum (1583) 59;
helianthemon Peruvianum, flos solis, sol indicus, Germanis sonnenblum. Matthioli
de plantis epit. v. Camerarius (1586) 503 (
noch nicht bei Handsch 1563);
flos solis Peruvianus. vor etlichen jaren hat man dieses gewechs ausz America unnd Peru, da es von jhm selber wechset, zu uns gebracht, unnd ist nun uberall in gärten unnd für den fenstern bey uns also gemein worden ... man nennet es bey uns auch sonnenblumen, von wegen der figur, und dasz sie sich nach der sonnen wendet. grosz indianisch sonnenblum. (
daneben als abart '
chrysanthemum Peruvianum, sive flos solis prolifer'
abgebildet.) Camerarius
Matthioli kreutterb. (1590) 261 D
f.; helenicum indicum ... Germanis grosz sonnen blum;
Belgis sonne bloemen van Peru. Matthioli
opera (1598) 890; sonnenkron wird auch genennt grosz indianisch sonnenblum, dieweil sich die blume nach der sonnen wendet. Tabernaemont. 1147 H;
chrysanthemum Peruvianum, sonnenblumen. Corvinus
fons lat. 82
a; sonnenblume, die,
chrysanthemum Peruvianum, solsequium. Stieler
nachsch. 28
a; sonnen-blum,
heliotropium, helenium, corona solis: tournesol. Jablonski 728
b (
der beschreibung nach hierher). —
die belege aus der litt. lassen häufig nicht deutlich erkennen, welche blume gemeint ist; doch ist in neuerer zeit wol in erster linie an diese zu denken: rings um den grabhügel des vaters hat sie blumen gepflanzet, blaue veilchen, gelbe tulpen ... und in der mitte auf demselben die grosse sonnenblume. Pestalozzi
Lienh. u. Gertr. 2, 186; zwischen denen sich hohe sonnenblumen in menge erheben, welche den gottesacker zu einem lieblichen garten machen. Wackenroder
herzenserg. 112; auf die sonnenblumen, die vor Marens kammer im garten standen, fiel eben der erste morgenstrahl. Storm 2, 228; auf, auf, mein hertz, auf, auf! betrachte, gott zum ruhme, das majestätische gewächs, die sonnen-blume ... sie sitzt nicht nur auf einem hohen throne; sie prangt nicht nur mit einer güldnen crone: sie unterscheidet sich nicht durch die grösse nur: gantz ungemein ist die vortreffliche figur. sie trägt das bild ... der sonne. Brockes 2, 339 (
vgl. die beschreibung s. 340
f.).
im vergleich: dazu thronte er (
der gasthof) breit und gewaltig auf dem höchsten punkte des städtchens im vollen lichte wie eine sonnenblume, während jenes (
häuschen) sich veilchenhaft tief unter ihm in grüne schatten verkroch. Ludwig 2, 40; der mond war eben über dem gebirge, wie eine sonnenblume, aufgeblüht. Mosen 7, 345. —
dazu: sonnenblumenkuchen, m. rückstände beim ölpressen aus dem samen der sonnenblumen;
sonnenblumenöl, n. das aus den samenkernen der sonnenblume
gewonnene fette öl. Campe. Jacobsson 7, 369
a. Karmarsch-Heeren
3 6, 412;
sonnenblumenrost, m. eine pilzgattung auf den blättern der sonnenblume,
puccinia helianthi; sonnenblumenstaude, f.: ein umzäunter kartoffelacker stiesz rückwärts daran, und die paar sonnenblumenstauden, die in den ecken aufragten, konnten ihm ebensowenig das ansehen eines gartens verleihen, wie nach vorneheraus die wenigen resedabüschel. Anzengruber
3 3, 293. 22)
noch früher ist sonnenblume
als bezeichnung einheimischer blumen bezeugt: sonnblum, pseudopanax chironium, sive flos solis. etliche nennen (
l. wenen?) disz kraut, welchs mann von den glietzenden blumen, und auch das sie sich den gantzen tag mit der sonnen umbwenden, sonnblumen, im latein
flos solis nennet, sey bey dem Dioscoride
panax chironium, aber meines erachtens, haben sie es nicht wol errhaten, denn die sonnblum hat lenglechte und auffgespitzte bletter, wie dosten oder hisop. blüet wie fünfffingerkraut, allein das die blum grösser ist. hat auch mehr äste, die sindt holtzecht ... so gehöret die sonnblum inn das geschlecht
symphitorum oder
consolidarum, das ist der kreutter, die zusammenziehen. Matthiolus
new kreüterb. verd. v. Handsch (1563) 312 D
f. ähnl. d. übers. v. Camerarius, 1590, 261 B
f., die neben einander die sonnenblum,
pseudo-panax chironium sive flos solis latioribus folijs, und die klein sonnenblum,
panax chironium angustioribus foliis, abbildet und dann die unter 1
behandelte pflanze anschlieszt. Tabernaemont.
giebt folgende arten, von denen keine in der abbildung mit einer der bei Camerarius
abgebildeten identisch ist: das vierte wird genennet güldenwundkraut, von wegen seiner grossen krafft die es hat wunden zu heylen: (heydnisch wundkraut), sonnenblumen. lateinisch
consolida aurea. 946 H; sonnenblum.
panax chironium Theophrasti. 1258 A; von sonnenblum. I. zam
sonnenblümlein, helianthemum I. sativum. es werden ... sechs geschlecht der sonnenblumen oder sonnengüntzeln fürgestellt, welche einander von wegen jhrer blumen und blättern gantz und gar gleich seyn, ... dasz sie under die cistenröszlein sollen gerechnet werden. 1474 A—D; sonnenblumen oder sonnengüntzel wird lateinisch
helianthemum genannt, von etlichen
flos solis und
pseudopanax chironium: andere nennen sie auch
consolidam auream. 1475 E.
mit der letzteren gattung scheint folgende identisch zu sein: sonnengünsel, -röschen, -cisten,
sonnenblümchen; goldröschen, güldengünsel; niedriger cistus, zwergcisten, erdepheu
u. s. w., cistus helianthemum [
helianthemum vulgare; chamaecistus vulgaris; flos solis, panax chironium.] Nemnich;
sonnenblümlein (
Schlesien, Schweiz), -blume, -günsel, -röschen, -röslein,
helianthemum chamaecistus. Pritzel-Jessen. 33)
auszerdem für folgende pflanzen: 3@aa) sonnenblum (
Elsasz)
für sonnenwende, -wirbel,
heliotropium europaeum. Pritzel-Jessen; sonnen-blum, sonnenwende,
f. heliotropio, girasole. Kramer
dict. 2, 840
b; sonnenblum,
heliotropium. Dentzler 2, 266
b; sonnen-blume,
f. heliotropium, weil sie nach der sonnen-wende oder nach dem solstitio erst blüet. Frisch 2, 287
a; einige bedienen sich, das korn zu vervielfältigen, des saltzes von der sonnen-blumen,
heliotropium genannt, weil diese berühmte pflantze sich nach der sonnen wendet, und derselben nachfolget. Planis-Campii ... erzehlet, dasz die sonnen-blume bey der allergrösten sonnen-hitze, so voll thau sey, dasz man innerhalb einer halben stunde, wann man sie zu unterschiedenen malen sachte schüttelt, 2. untzen thau bekommen könne. Hohberg 3, 2, 32
b,
ob stets dieselbe pflanze gemeint ist, läszt sich bei dem unbestimmten sinne der bezeichnung heliotropium (= sonnenwende)
nicht entscheiden. (
vgl. Jablonski
unter 1.) 3@bb)
an 1
schlieszt sich die Rudbeckia laciniata, auch falsche kanadische
sonnenblumenstaude, '
eine sechs bis acht fusz hoch wachsende pflanze mit gelben blumen, deren blätter wie strahlen um die scheibe herumstehen'. Campe (2, —
bei Nemnich
nur im wb.). 3@cc)
ähnlich die unechte baumartige sonnenblume mit platanusblättern,
polymnia tetragonotheca, '
eine aus Virginien stammende pflanze, welche fünf bis sechs fusz hoch wird, gelbe blumen treibt, deren goldgelbe blätter wie strahlen um die scheibe stehen.' Campe (3). Nemnich (
im wb.). 3@dd)
in Memmingen für eberwurz, carlina acaulis. Pritzel-Jessen. 3@ee) sunnabluma
in St. Gallen für bocksbart,
tragopogon pratensis. ebenda. 3@ff)
sonnenblüamli in St. Gallen, ranunculus ficaria. ebenda. 3@gg)
alem. sunneblume, chrysanthemum Leucanth. Hebel 1, 324 (
im wortreg.; =?). 44)
in der litteratur wird die sonnenblume
häufig typisch gebraucht mit bezug darauf, dasz sie sich stets der sonne zuwendet. da dies jedoch verschiedene der obenerwähnten arten, ja mehr oder weniger alle blumen thun, so ist hier eine genauere bestimmung unmöglich: auff diese art ist gottes wille die sonne, und eines christen wille wie das heliotropium, oder die sonnenblume, so sich allezeit nach der sonnen richtet, denn so richtet sich des christen wille nach dem willen gottes. J. B. Carpzov
leichenpred. (1698) 115; du must die art der sonnen-blumen an dir haben, welche sich allemahl nach dem lauffe der sonnen kehret, und sich gegen dieselbe auffthut; also kehre doch dein hertz allezeit gegen deinen heyland, welcher die sonne der gerechtigkeit ist. Sperling
Nicod. quaerens 1 (1718), 1256; jener malte eine sonnenbluhme mit der überschrift: sequitur suum! wie dieser ist die sonne: so bist du meine wonne! anzudeuten, dasz ein verliebter niemals seinen geliebten gegenstand aus den augen lasse, sondern sich, gleich einer sonnenbluhme, nach demselben beständig wende und kehre. Rabener 3, 312; wohl ein jeglicher mensch ... hat im reiche der kunst irgend einen besondern lieblingsgegenstand; und so habe auch ich den meinigen, zu welchem mein geist sich oft unwillkührlich, wie die sonnenblume zur sonne, hinwendet. Wackenroder
herzenserg. 166; lasz uns nach dir alleine, wie nach dem sonnen-scheine, sich sonnen-blumen wenden, sehn! Brockes 1, 142; wie die sonnenblume richtet nach der sonn' ihr angesicht, ... so auch musz ich schmachten, bangen, späh'n und trachten, dich zu sehn, will an deinen blicken hangen und an ihrem glanz vergehn. Hoffmann v. Fallersleben
ged.9 95.