schnalzen,
verb. ,
intensivbildung zu schnallen,
noch bei Stieler 1889
als nebenform unter dem stichwort schnallen
aufgeführt, vgl. Weigand
4 2, 611;
im 15.
jahrh. in obscöner bedeutung belegt: snalzen mit dem fisel,
futuere voc. von 1482
bei Lexer
mhd. handwb. 2, 1023. 11)
von schnellender bewegung (
in der ausgebildeten neueren schriftsprache ungewöhnlich),
transitiv und intransitiv; schnellend schleudern: und ihn (
den wust) ein hüpsche weil im maul herumber waltze, darnach ihn allererst zu gottes boden schnalze. Scherffer
Grob. 234; zu tode schnalzen: wo kriegen wir den artzt, der den vergiften pfeil dem Venus-märterer aus seinem hertzen waltze, eh ihn zu tode gar der kleine lekker schnaltze.
ged. 607.
mit einer schleuder werfen: hn î an guaden kieselstoan in meiner hirtentaschen. den schnlz i eam mit da schling an kopf. Hartmann - Abele
volksschausp. 65.
mit springen verbunden, intransitiv: schnalzt und springt er (
der salpeter) aber mit dunkelem rauchenden feuer, so ist viel salz bei ihme. Furtenbach
büchsenm. (1643) 3.
elastische bewegungen bei thieren; fische schnalzen,
wenn sie sich aus dem wasser heraus in die luft schnellen, aber auch wenn sie auf das trockene geworfen krampfhaft und schnappend springen und sich winden: und warffen die (
die gefangenen fische) in das grün gras, darinn thetens schnaltzen und springen. H. Sachs 3 (1579), 315
c. schnalzen, wie die fische, wann sie aus dem wasser kommen,
exsultare in arido aquam quaerendo Frisch 2, 211
b; unmittelbar hinter dem sattel (
ein kunstwerk wird beschrieben) schlängelt sich der leib des fisches aufwärts als ob er mit dem schweif in die lüfte schnalzte. Bettina
briefe 1, 65.
häufig findet sich das wort in diesem sinne bei J. Paul: jener schnalzt als eine weiche schleimige goldschleie empor mit den bauchfloszfedern des jabots, mit den seitenfloszfedern der manschetten und mit den schwanzfloszfedern des an drei hermelinschwänzchen hängenden trinomischen würzelchens oder zöpfleins.
Titan 1, 104;
die fische schnellen sich aus dem wasser, um des sonnenscheins sich zu erfreuen: als die armen menschen in diesem sonnenschein des schicksals, wie die fische im andern, aus ihrem naszkalten elemente aufschnalzten.
Quint. Fixlein 176.
sonderbar mit fischen
verbunden: in den perlenbächen der freude fischen und schnalzen.
briefe 97. ins leben schnalzen: der tropfe wassers, womit ein jahre lang vertrocknetes räderthierchen wieder erwacht und lustig ins leben schnalzet.
leben Fibels 18.
verblaszt: unter dem ausschütten schnalzte immer mehr nach. 80.
transitiv, scherzhaft: das thier schnalzte nur blosz einen kurzen schweif-abhub empor.
doppelheerschau 191. 22)
durch elastische bewegung einen gewissen laut hervorbringen (
vgl.schnallen 2). 2@aa) mit einer peitsche, gerte
oder ähnl. schnalzen Kramer
teutsch-ital. dict. (1702) 2, 618
a. Frisch 2, 211
b: Bellona schnaltzet mit der erschrockenlichen geisel. Franck
kriegb. d. friedes 73
a;
auch ohne solchen zusatz: dort unt bei der lz wo d küubua ht g'schnlzt. Hartmann - Abele
volksschausp. 152.
durch schnalzen
begrüszen die alpenhirten den frühling. Schm. 2, 574.
sprichwörtlich: einem alten fuhrmann thut noch's schnalzen wohl,
das alter spricht und hört noch immer gern von dingen, die ihm versagt sind (
z. b. von liebesfreuden). Schmeller
a. a. o.; ein alter fuhrmann hört gern schnalzen. Schöpf 636.
zu einem dummen sagt man: du hast nöt recht schnalzen ghört.
idiot. austr. 119,
s.schnalzer. die peitsche schnalzt: seine peitsche wacker schnaltzen lassen,
sich rühmen und grosz thun. Kramer
a. a. o. einen mit der peitsche schnalzen,
schlagen Frommanns
zeitschr. 4, 47 (
Niederösterreich). schnalzen
mit einer gerte: das schlanke bürschchen schnalzte mit der reitgerte. Eichendorff 3, 88 (1864);
mit castagnetten: (
mädchen, die) mit den castagnetten schnalzten. 75.
im oberdeutschen in allgemeinem sinne von klatschen, knallen Schöpf 636. Klein
prov.-wb. 2, 132; der kusz schnalzte nur so. 2@bb)
mit den fingern schnalzen,
ein schnippchen schlagen, sowol von der geberde wie von einem wirklichen leichten schlage Kramer
teutsch-ital. dict. (1702) 2, 618
a. Frisch 2, 211
b: dessen finger der rechten hand den im alterthum, als ausdruck von sorgseligkeit, so beliebten act des schnalzens auszuüben bewegt sind. Göthe 39, 72. einem unters gesicht schnallen, schnaltzen Kramer
a. a. o.; einem in die augen schnalzen,
ihn durch list oder betrug abtreiben. Schmeller 2, 574. 2@cc)
vom lockruf einzelner vögel: fänget er (
der auerhahn) nun wieder an zu schmaltzen (
lies schnaltzen) und zu faltzen. Döbel
jägerpr. 2, 171
b; er (
der fasan) hat einen starcken laut, dasz man ihn gar weit hören kan, doch nicht viel an einander, sondern er schnaltzet immer kurtz ab. 1, 47
a.
doch auch von lauten anderer thiere: die fledermaus ... schnalzte. Freytag
handschr. 3, 196. 2@dd)
vom menschen: '
mit der an den gaumen gedrückten und schnell zurückgezogenen zunge einen hellen laut hervorbringen, welcher mit dem knalle einer peitsche ähnlickeit hat'. Campe.
fast ausschlieszlich in dieser bedeutung wird das wort in der ausgebildeten neueren schriftsprache gebraucht: ein schnalzender laut, mit schnalzender zunge sprechen, dem pferde schnalzen,
um es anzutreiben u. ä. Campe. schnalzen
als signal: pfeift, oder schnalzt, oder schreyt wie ein specht. Fr. Müller 3, 111.
lockend: er schnalzt und klopfet wohl sanft auf's knie, lockt freundlich sie (
die hunde) durch alle gefälligen töne. Bürger 82
b; es schnalzen seine gnaden, und Joli packte
an. Schiller 1, 208.
scherzend von einem inbrünstigen seufzer: ein schnalzend seufzerlein an deine buhle. Uhland
ged. (1864) 138.
als zeichen des beifalls, der freude, des wolbehagens, der lüsternkeit: schnaltzet und lecket mit lustigen zungen. Logau 2, 31, 7; die alten bassen schnalzen den takt dazu. Wieland 22, 216 (
Oberon 5, 47); und alles schnalzt, beklatscht den kauz. Immermann 13, 90
Boxberger; schnalzte freudig mit der zunge und nickte billigend mit dem kopfe. J. Paul
Siebenk. 1, 133; in dieses haus trat Itzig, indem er einem geputzten dienstmädchen an der thür schnalzend einen kusz zuwarf. Freytag
soll u. haben 1, 44.
doch auch als verächtliche geberde: schnalzte verächtlich mit der zunge und sprach 'das sind kleinigkeiten'. Arnim
kronenw. 1, 169; indem er pfeift, wenn and're beten, und schnalzt, wenn er sie höflich grüszen sieht. Hebbel (1891) 5, 191; ein leicht geschnalzter fluch (
halb unterdrückter und unmutig hervorgebrachter). J. Paul
flegelj. 1, 6.
auf ähnliche laute übertragen: durch schnalzen auf lindenblättern und andere artige kunststücke. Eichendorff 2 (1864), 375; so hörte man doch deutlich, wie die wellen am schifflein unten schnalzten. Mörike
ges. erz. (1878) 44 (
schriften bd. 2). 33)
besonderes. 3@aa)
schwatzen, prahlen (
vgl.schnallen 2): was schnalzestu viel,
quid blateras, te ostendis et jactas Stieler 1890. anschnalzen,
increpare, impetuose alloqui Wachter 1447: einen an-, abschnalzen,
grob anfahren, abfertigen Schm. 2, 574; das man offt uber mich thet schnaltzen. H. Sachs 1 (1558), 541
b.
vgl. schnalz. 3@bb)
schmoren, bräteln: da hört ich die hellküchlein schnaltzen. 359
b. 3@cc) schnalzen,
ructare Stieler 1889.