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vasall

nhd. bis Dial. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vasall m.

Bd. 25, Sp. 10
vasall, m. gefolgsmann, lehensmann. 11) ein zunächst dem romanischen entlehntes wort: mlat. vassalus, vasallus, ital. port. span. vasallo, prov. franz. vassal. weiterbildung des mlat. vassus, welches in den ältesten leges und urkunden sich häufiger als die längere form findet. zu kymr. gwâs junger mann, diener, gwasawl dienend, wofür auch die bei Du Cange 6, 740b aufgeführte form vasaulus spricht (vgl. Pott etym. forsch. 2, 347. Diez wb.2 1, 439); zahlreiche belege für das vorkommen des lateinischen wortes in den ältesten leges und capitularien bei Roth benefizialwesen 367 ff.; in dem romanischen fand nur vassalus, vasallus eingang, vassus ging verloren. trotz starker verwendung beider formen in deutschen mittellateinisch geschriebenen urkunden ist vom lateinischen aus das wort nicht ins deutsche eingedrungen; erst durch das französische kam in der mhd. periode vasall zu uns. mhd. noch als fremdwort gefühlt, bürgert es sich besonders seit dem vorigen jahrh. ein. Schiller schrieb in seinen frühesten schriften vasalle (hist.-krit. ausg. 3, 132), später vasall. 22) in engem anschlusse an die ursprüngliche bedeutung ist vassus, vasallus in der merovingischen periode ein unfreier im [] dienste und gefolge des königs oder eines vornehmen. aber schon in der Karolingerzeit wird das wort auch für freie gebraucht, die einem höherstehenden durch treueid verpflichtet sind, in dessen gefolge auftreten, gewisse dienste leisten und dafür unterhalt und defension erhalten. eine belehnung mit gütern ist ursprünglich nicht in der vasallität einbegriffen und der vasall anfänglich vom lehensmann geschieden; da es aber bald sitte wurde, auch die vasallen zu belehnen, so fallen allmählich auch in der rechtssprache beide begriffe zusammen, s. Roth benefizialwesen 379. 33) bei übernahme des wortes ins deutsche hat es meist die letzte bedeutung; vasallen und lehensmannen werden als das gefolge eines herrn bildend gern zusammen genannt, ohne dasz ein unterschied der bedeutung sich nachweisen läszt. im mhd., wo die form vassal (Maaler 415 schreibt ebenfalls vassal) herrscht, noch selten: guoteme vassale ne mah niht gewerren. Rolandslied 6629; oft aber ist vassal im mhd. auch nur eine freundschaftliche anrede eines höhern an einen niedern, ohne dasz dienstverhältnisse stattfinden, so in der romanischen stelle: dêû sal, bêâs vassal. Gottfried Tristan 3352, wo könig Marke den ihm fremden Tristan anredet. nhd.: welches (das tragen des bildes eines esels) dester schimpflicher seitmals das der jung herzog selbs vor seinen vasallen und lehensleuten .. dergleichen .. dorheit hat beweisen mueszen. Zimmer. chron. 35, 13; Betlehen Gabor, welchen man gleichwol iedes mals vor einen christlichen fürsten auszgeschriehen, unangesehen er des türckischen sultans vasall dem Turcken thur und thor eröffnet. Weimar. staatsarchiv (Dresden) 1621. häufiger seit dem ende des 17. jahrh., wo es auch die wörterbücher in verschiedenen schreibungen (vasal, vassal) aufführen, vergl. Weigand deutsches wörterb.2 2, 984 aus Kramers teutschital. wörterb. (1683) und Ludwig teutsch-engl. wörterb. (1716) belegt. früher bei Maaler 415 und bei Schottel haubtsprache 1437 vasal, vasallus, lehnmann als im deutschen verbreitet aufgeführt, der es sogar aus deutschem stamme abzuleiten versucht. in den lehensacten häufig: demnach sie sich dahin verglichen haben, dasz an ihro fürstl. durchlaucht allhier die noch übrigen saalfeldischen stifftslehen und vasallen überwiesen werden mögen .. alsz ist von unsers gnädigsten herrn fürstlicher durchlaucht uns in gnaden anbefohlen worden, dasz wir solches an alle und jede vasallen der resignirten und in dem regierungspatente benahmten stifftslehn förderlichst insinuiren. Weimar. staatsarchiv (Saalfeld) 1696; solche hochfürstliche gnade werde ich zeit lebens mit unterthänigsten danck erkennen und mich jee und allezeit als einen getreuen vasallen und gehorsamsten lehenmann aufführen. ebend. (Weimar) 1717; bist du nicht ebenso frei, so edel geboren als einer in Deutschland, unabhängig, nur dem kaiser unterthan und du schmiegst dich unter vasallen? Göthe 8, 30; auszer verschiedenen reichen ländereien in den Niederlanden, die ihn zu einem bürger dieses staats und einem gebohrnen vasallen Spaniens machten, besasz er noch das fürstenthum Oranien. Schiller hist.-krit. ausg. 7, 80; wolltest du jetzt an meinem busen dich wiegen, pochte ein störriger vasalle an dem reich. 3, 132; ein vasall, dem durch mannichfache berührung mit den ersten männern seiner zeit der kamm geschwollen war, wagte es, die unbilden, die ihm durch lehensherrn .. widerfuhren, zu rächen. Gutzkow in b. reihe 279; kein fürst auf erden lebt so stolz und einsam unter seinen vasallen, als dieser kaffeebeherrscher in seinem reiche. Freytag soll u. haben 1, 65; eine jahrelang erprobte freundschaft knüpfte mich an deinen vater, der mir nicht vasall war, wie so viele, der mir kampfgefährte war und zeltgenosse. Platen 332b; in freierer verwendung, zum dienste verpflichteter mann, ohne rücksicht auf die art, wie ein solches verhältnis entstanden: gerissen aus den flammen seines schlosses, seine vasallen geflohen. Schiller hist.-krit. ausg. 2, 323; so ist doch kein teufel so lüderlich, seinen vasallen in der letzten lüge zu verlassen. 2, 324; sieh da! hervor vom hinterhalt, hop! hop! sein heer vasallen. Bürger 54a; Eugenie. zu ewigen vasallen nimm uns an. Göthe 10, 266; ich stehe vor dir als getreuer vasall, pfalzgräfin, schönste der frauen. Scheffel trompeter von Säckingen; [] scherzhaft: 'ich ging aus, das handwerk zu grüszen', sagte er auf den förster deutend, 'und bin grade dabei, mich über ihren trotzigen vasallen ... zu freuen'. Freytag soll u. haben 2, 172; poetisch auf leblose dinge übertragen: er biete doch den pralenden tribut, den ihm sein furchtbarer vasall das meer aus beiden Indien herüberfrohnt. Schiller hist.-krit. ausg. 5, 16.
5895 Zeichen · 97 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vasáll

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Vasáll , des -en, plur. die -en, Fämin. die Vasallin, eigentlich ein Lehensmann, im Gegensatze des Lehensherrn, eine…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Vasall

    Goethe-Wörterbuch

    Vasall [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Vasall

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Vasall , im Lehenwesen jeder, der von einem andern Lehen trägt, entweder unmittelbar von dem Landesherrn (immediatus) od…

  4. modern
    Dialekt
    Vasallm.

    Mecklenburgisches Wb.

    Wossidia Vasall m. wie im Hd.; entstellt zu Fasan, s. d.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vasall

17 Bildungen · 9 Erstglied · 8 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von vasall 2 Komponenten

vas+all

vasall setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vasall‑ als Erstglied (9 von 9)

vasallenkind

DWB

vasall·en·kind

vasallenkind , n. : heisze schwere thränentropfen hiengen in meinem aug, wenn du, mich überhüpfend, vasallenkinder in die arme drücktest. Sc…

vasallenpflicht

DWB

vasall·en·pflicht

vasallenpflicht , f. pflicht des lehensmannes gegen den herrn: es ist dem von Mannsbach und dem von Wolframsdorf auferleget, ihre anzeige ( …

vasallenschaar

DWB

vasall·en·schaar

vasallenschaar , f. : die kriegsmacht des reichs beruhte gar nicht mehr überwiegend auf dem heerbann, sondern auf den berittenen vasallensch…

vasallenschaft

DWB

vasall·en·schaft

vasallenschaft , f. verhältnis des vasallen, dann auch überhaupt des abhängigen zum herrn: Italien hat durch die deutschen siege Rom und die…

vasallenstaat

DWB

vasall·en·staat

vasallenstaat , m. abhängiger staat: ( Toscana und Modena ) jene beiden vasallenstaaten konnten nach wie vor vom festungsviereck aus beschüt…

vasallenthum

DWB

vasall·en·thum

vasallenthum , n. : das vasallenthum war zu einer selbständigeren stellung gediehen. Giesebrecht d. kaiserzeit 1, 278 .

vasallin

DWB

vasallin , f. 1 1) trägerin eines weiberlehens: befohlen den geschlosznen kauff zu confirmiren und besagte käufferin mittelst bestellung ein…

vasallisch

DWB

vasall·isch

vasallisch , adj. und adv. : ihm huldigten die schwächern thiere vasallisch und mit banger pflicht. Hagedorn 2, 128 .

vasall als Zweitglied (8 von 8)

Aftervasall

DRW

after·vasall

Aftervasall Untervasall 1794 PreußALR. I 18 § 219 1807 Weber,Lehnr. I 91 Faksimile

kronvasall

DWB

kron·vasall

kronvasall , m. unmittelbarer vasall der krone. Schiller 1035 b . kronvasallin Rückert 10, 34 .

reichsvasall

DWB

reich·s·vasall

reichsvasall , m. vasall eines reiches: die nicht an dem kayserlichen hof persönlich anwesende reichs-vasallen können ihre reichs - lehen du…

rheinbundsvasall

DWB

rheinbund·s·vasall

rheinbundsvasall , m. vasall des Rheinbundes: die lande der übrigen erzbischöfe wurden unter Frankreich und die neukreirten oder bestätigten…

thronvasall

DWB

thron·vasall

thronvasall , m. vasall eines thrones, vgl. DWB kronvasall : hat auf erden majestät schönre thronvasallen ( als den könig lenz )? lilien und…

weibervasall

DWB

weib·er·vasall

weibervasall , m. alt aber vereinzelt neben weiberknecht Guarinonius grewel d. verw. 1245 . —