be ,
eine partikel, deren buchstäblicher verhalt zu dem ganz nahen bei vor allem erwogen werden musz. dieselbe doppelform erscheint auch im nnl. be
und bij,
mhd. be
und bî,
parallel dem nnl. te
und toe,
mhd. ze
und zuo,
während heute das ze
dem zu
ganz gewichen ist. ahd. entsprechen pi
und pî, zi
und zuo,
doch bieten sich für pi
auch pa
und pe,
für zi
auch za
und ze
dar, welche pa pi pe, za zi ze
wiederum dem ka ki ke
oder ga gi ge
statt des heutigen ge
gleichen. selbst nhd. läszt sich in älteren urkunden zuweilen noch bo
für be
blicken. alts. laufen be
und bî, te
und tô
neben einander, ags. be
und bî
oder big,
doch te
ist dem tô
ganz gewichen. altn. mangeln, was einen hauptgegensatz nordischer zunge zur deutschen bildet, diese partikeln sämtlich, es gibt kein altn. be ze ge
noch bei zu,
und wo neunordisch be
und ge
auftreten, sind sie uns abgeborgt. nicht minder erheblich ist, dasz die goth. sprache nur die kurzen formen bi du ga
kennt, und weder ihr bi
in bei,
noch ihr du
in dô
verlängert. dies pî
und zuo,
dies big
und tô
hat die ahd. und ags. sprache vor der gothischen voraus. Es scheint nun ein für die geschichte der partikeln, folglich der sprache überhaupt wichtiger grundsatz, dasz die volleren und schwereren formen hier an alterthum den stumpferen und gekürzten vorangehn und in höherem grad als diese licht auf den ursprung des worts fallen lassen können. da wir aber an dem pî
und zuo
vorzugsweise praepositionskraft haften sehn und es der partikelbedeutung an pi
und zi
genügt, so begegnet auch hierin eine bestärkung der öfter ausgesprochnen ansicht, dasz die praeposition der partikel vorausgegangen sein müsse, mit andern worten, die partikel erst aus der praeposition abgeschliffen sei. Solches alles näher auszuführen und in fruchtbaren anwendungen zu erläutern gehört nicht an diese nur der partikel und dem praefix be
gewidmete stelle, soll aber eine vermutung über den ursprung der wörter be
und bei
wagen helfen. nehmen wir für die praeposition in
den begrif inn, inni
domus, für altn. hiâ,
nn. hos
die begriffe heiv, hiu
familia, hûs
domus in anspruch, warum sollte nicht auch bei
geradezu auf die vorstellung bau
und bauen
leiten, dem in bin, beon, fio, fieri, -ficio
der vocal I
angeeignet wurde? wie, hallt im ags. big
nicht das G
von bagms
und bagvan
nach? (
nicht anders als in igland = eáland
der kehllaut von aha, ahva, aqua).
will also bei
nicht ursprünglich sagen im bau, im hause, wie franz. chez in casa?
In dergleichen lassen uns doch die urverwandten sprachen nicht so hell und tief auf den grund schauen als die eigne. wir gewahren, dasz goth. bi,
ahd. pi
eins sei mit skr. abhi
und bhi (Bopp
gloss. 15
a),
lat. ob,
sl. ob,
aber auch mit gr. ἀμφί,
lat. amb-,
ahd. umpi,
wo der lippenlaut das M
heranzog, und zur bestätigung gereicht, dasz goth. bi
zugleich die bedeutung von umpi,
circum erfüllt, weil das beiseiende auch umgibt, was um mich ist auch bei mir ist. in abhi,
ἀμφί,
im casussuffix -bhi
und -
φι erscheint wiederum die consonanz von bhû
und φύω.
unterschieden von abhi
ist api
super, gr. ἐπί,
goth. uf ufar,
sl. po,
so wie apa,
ἀπό,
lat. ab,
goth. af,
ahd. aba,
doch zeigt das lat. apud
gehalten zum skr. abhitas
gleichfalls die bedeutung bei,
und auch api
und ἐπί könnten fortschiebungen von abhi
sein. Nhd. kommt be, auf welches sich jetzt die untersuchung zurückzieht, nicht mehr als praeposition, nur als untrennbare partikel vor, durch welche die wörter, denen sie vortritt, mehrfach bestimmt werden. praepositionskraft steht nur dem bei zu: II.
vor dem verbum hat be I@11)
die bedeutung von circum, was die verwandtschaft zwischen bi
und umbi
bestärkt. sehen
ist das blosze schauen, ansehen
das auf einen gegenstand gerichtete schauen, besehen
das schauen nach allen seiten. der einen baum beschneidende
gärtner, einen marmor behauende
künstler schneidet, haut nicht nur an, sondern ringsum, überall. bewachsen, berasen
ist mit laub, mit gras umzogen werden, herba, gramine vestiri; bearbeiten
umarbeiten; bearmen
umarmen; bebinden
umbinden; befangen
umfangen. I@22)
es drückt aber auch die vollendete einwirkung auf einen gegenstand aus und bildet lauter transitiva mit dem acc. der person oder sache: treten betreten, greifen begreifen, rühren berühren, gieszen begieszen, scheinen bescheinen, leuchten beleuchten, schauen beschauen, sehen besehen, trachten betrachten, achten beachten, sitzen besitzen, setzen besetzen, riechen beriechen, säen besäen, graben begraben, sprechen besprechen, reden bereden, denken bedenken, schreiben beschreiben, weinen beweinen, hüten behüten, niesen beniesen
u. s. w. häufig läszt sich das werkzeug hinzudenken, mit dem die handlung vollbracht wird: mit den füszen betreten, mit den händen begreifen, mit den fingern berühren, mit den augen betrachten, mit dem korn besäen
u. s. w. Dasz auch ableitungen auf ln, rn
des be
fähig sind versteht sich, z. b. bespötteln, befördern, bewundern.
selbst undeutsche wörter können durch annahme des praefixes noch transitiver, als sie gewöhnlich schon an sich sind, gemacht werden, z. b. wir sagen einen becomplimentieren, begratulieren, bequartieren
und nnl. bestudeeren,
wie nhd. einstudieren. I@33)
der mehrzahl solcher zusammensetzungen liegt schon ein einfaches, oft gleichbedeutiges verbum unter. indessen bildet man sie auch von substantiven unmittelbar und sagt z. b. bemänteln, benebeln, beseelen, bemitleiden, bewillkommen, beurlauben,
ohne dasz ein verbum mänteln, nebeln, seelen, mitleiden, willkommen, urlauben
üblich oder zulässig wäre. in bebändern, bebildern, begeistern (
und entgeistern), bevölkern (entvölkern)
ist das paragogische R
mit eingelassen. beglückwünschen
hat glückwünschen
zur grundlage, den Franzosen genügt aber für beide féliciter.
nnl. kommt vor bebolwerken
und bewierooken,
wofür wir verbollwerken
und beräuchern
sagen. unsere geschäftsleute können weder reden noch schreiben, ohne sich der steifen wortbildungen beanspruchen, beantragen, beanstanden, befürworten (
oder bevorworten), begutachten, bemängeln, bewahrheiten, beachselzucken, beaugenscheinigen
und ähnlicher zu bedienen. sie möchten überall die accusativconstruction heranführen. Einigemal bleibt auch zweifelhaft, ob schon ein verbum vorhanden war oder erst aus dem subst. gebildet wurde, z. b. beblumen, beschuhen, befingern
aus blumen, schuhen, fingern
oder gleich aus blume, schuh
und finger.
doch sind andere, wie bevormunden, bepantoffeln, bemuscheln, bekorallen, beschienbeinen
sichtbar aus dem subst. hervorgegangen. I@44)
kühn erzeugt die heutige sprache aus substantiven mit dem praefix be
spöttische verba zur rüge falscher anmaszung oder im wortspiel: ich will dich bevatern, bemuttern, begevattern,
gegen einen, der sich unbefugt als vater, mutter, gevatter angestellt hatte. du sollst bethalert, begoldstückt werden,
d. h. prügel statt der thaler und goldstücke erhalten, von denen du gelogen hast. Adelung
führt beispiele aus comödien von Chr. Fel. Weisze
an: es ist der herr von Liebreich, du weist nicht, was du thust.
Jobst. ich will dich und ihn beliebreiehen; sie behauptet sie sei die frau Junkern. aber ich will sie bejunkern, dasz sie an mich denken soll.
man sehe bebestien, bedeinen, beexcellenzen, beflachsen, beflegeln
u a. m. Es ist kein grund da, dergleichen scherz nur in '
die niedrigen sprecharten'
zu verweisen. I@55)
aus dem adj. scheint die bildung beschränkter, man sagt nicht einen beschwärzen, beweiszen, begrünen
für schwarz, weisz, grün machen, sondern nur schwärzen, weiszen, grünen: er ist von der sonne geschwärzt, gebräunt, die zimmer sind geweiszt worden.
auf beedeln, beröten
bei Stieler
ist nichts zu halten, es heiszt adeln
und röten,
erröten machen. aber bereichern,
mit dem R
des comparativs wird gebildet, wie vergröszern, verkleinern, verringern, vermehren, vermindern. befreien, beschweren, bestärken, beschönen, bezähmen
scheinen auf freien, schweren, stärken, schönen, zähmen
zurückzuleiten. Unverkennbar ist der adjectivische ursprung an beängstigen befähigen befestigen befleiszigen begewaltigen begünstigen begütigen behelligen bekräftigen belästigen beleidigen belustigen bemächtigen benötigen berichtigen beruhigen beschleunigen beschuldigen beseligen bestätigen bethätigen betheiligen bewältigen bewerkstelligen bewilligen,
von welchen mhd. nur benôtigen
und bestætegen
aufzuweisen, beleidigen, beseligen
durch das einfache mhd. leidegen, sælegen
zu sichern sind; bewältigen
steht für begewaltigen, begwaltigen.
auch die substantivbildungen fähigkeit gütigkeit lustigkeit richtigkeit schuldigkeit seligkeit thätigkeit willigkeit
zeigen das adjectiv. wie soll man aber folgende fassen: beabsichtigen beeidigen beendigen beerdigen befehligen befriedigen beglaubigen begnadigen behändigen beherzigen beköstigen berechtigen besänftigen beschädigen beschäftigen bescheinigen beseitigen?
hier liegen keine adj. unter, beglaubigen
gehört seiner bedeutung und form nach nicht zu gläubig, begnadigen
nicht zu gnädig, beeinträchtigen
nicht zu einträchtig, beherzigen
nicht zu herzig, behändigen
nicht zu dem alten handeg;
die mhd. sprache rechtfertigt nur beschädigen
durch schadgen
bei Bonerius
und für beköstigen
leistet der Ssp. gewähr. in befehligen
mag das ig
gar nicht der ableitung gehören, vielmehr aus befelch
für befehl
selbst stammen. doch bei den meisten scheint -igen
unorganische erweiterung des einfachen -en
und beabsichtigen beeidigen beendigen beerdigen
u. s. w. gesetzt für das einfachere beabsichten beeiden beenden beerden,
weil der sprachgebrauch durch jene adjectivischen bildungen gestimmt sich zu dem -igen
neigte. denn aus einem alten -ien
diese neuen bildungen herzuleiten wäre unverstattet, wie allerdings ein ahd. bimunigôn
neben bimuniôn
und selbst einem mhd gemunien
steht (
mythol. s. 1178).
Auch nnl. ist kein mangel an solchen wörtern: beangstigen beeedigen begiftigen begunstigen behartigen bekrachtigen bemachtigen benoodigen beschuldigen bespoedigen bevestigen bevochtigen bevlijtigen bevredigen bewerkstelligen bewettigen bewilligen bezadigen bezoldigen bezondigen bezuinigen,
deren manche uns fremd sind I@66)
einige mit be
gebildete verba sind hauptsächlich nur im part. praet. gangbar und sonst unüblich, so z. b. benachbart, bepurpurt, bethränt, besegelt, bewandert, beleibt, betagt, bejahrt;
schriftsteller wie Fischart
oder unter neueren J. Paul
würden sie gern auch in andern lagen verwenden. ich will mich ihm benachbarn
klänge steif für ihm näher wohnen, könnte aber sagen sollen: ihm als nachbar auf den hals rücken das schif besegeln
für mit segeln ausstatten wäre zulässig, doch bedeutet besegeln
sonst was beschiffen. I@77)
intransitivbedeutung ist viel seltner. sie waltet in blei ben (
s. III), beliegen, bestehen, beruhen, beharren, beginnen, bekommen, behagen, bekleben (
wachsen), behangen, berasen, bewachsen;
die ältere sprache hatte noch andere, sie sagte auch besitzen
für still sitzen. jene part. praet. betagt
und bejahrt
wären zu beziehen auf ein intransitives betagen, bejahren,
zu seinen tagen, jahren kommen, wie mhd. betagen, benahten
auch diescere, noctescere ausdrückte. IIII.
be vor dem nomen. II@11)
alle mit be
zusammengesetzten substantiva haben schon verba gleicher bildung zur unterlage, sind aber weit beschränkteren umfangs, d. h. stehen lange nicht allen mit be
zusammengesetzten verben zur seite. es sind fast nur männliche wörter: bedacht, bedarf, befang, befehl, befund, begang, beginn, begrif, behelf, behuf, belang, belauf, beleg, bericht, beruf, besatz, beschlag, beschlusz, besitz, bestand, besuch, betrag, betracht, betref, betrieb, betrug, bezug.
die ältere sprache kannte noch andere, jetzt veraltete, z. b. bebot, bejag.
weibliche kommen blosz vor beschwer, begier
oder beschwerde, begierde
und das verdunkelte beichte;
mhd. auch begrebede behügede, bevilde
u. a. II@22)
adjectiva mit be
lassen sich fünf nennen, bereit, behend, besonder, bequem
und bieder,
in welchem letzten die composition unkennbar geworden, daher auch das alte bi
haftend ist. dagegen gibt es eine menge part. praet. mit be,
die zum theil adjectivische geltung angenommen haben. II@33) be
trat ahd. und mhd. noch als praeposition vor einzelne nomina um adverbialbegriffe zu erzeugen: bediute, begarwe, benamen, benôte, besîten, bevollen, bezîten.
davon werden noch unter beseite
und bezeiten
einige nhd. spuren aufgewiesen werden, gewöhnlich heiszt es beiseite, beizeiten.
zweifelhaft ist besage,
jenachdem man es von besagen
leiten oder aus be sage
deutet. bevor
ist ahd. bifora, bifuri.
von beneben, benebst
gleich unter III. IIIIII.
be durch anlehnung verdunkelt. in bleiben
wird, wie in glauben, gleich, glück, begleiten, glied
der vocal der partikel überall getilgt und schein eines wurzelhaften bl, gl
hervorgebracht; mhd. hiesz es noch belîben,
ahd. pilîpan,
doch ward schon blangen
für belangen
mhd. geläufig. schwerer zu fassen ist unser aus mhd. begiht,
ahd. pigiht
entsprungnes beichte,
und bieder
aus biderbe.
mhd. erban,
ahd. arpan = arpian, erbean
mangelt uns gänzlich, obschon wir gönnen
und gunst
behalten haben. bange
wurde gedeutet aus beange,
doch erbarmen, barmherzig
aus erbearmen, bearmherzig
wieder in zweifel gezogen. beneben, benebst
deuten sich aus beeneben,
ahd. inepan; binnen
aus beinnen,
wie das seltne und verachtete bauszen
aus beauszen. IVIV.
verhältnis des be zu bei in zusammensetzungen. IV@11)
zahllose verba sind mit untrennbarem be,
nur wenige mit trennbarem bei
gebildet, welches immer eine stärkere bedeutung, mit noch nachwirkender praeposition, an sich trägt. beiderlei composita liegen daher im sinn von einander ab, obgleich sie sich aus der ferne her berühren können. bestellen
z. b. heiszt etwas umstellen, besorgen: die wand ist ganz mit stülen bestellt, der acker ist gut bestellt; beistellen
aber etwas hinzu stellen: der topf ist beigestellt,
bei das feuer gesetzt, der stuhl beigestellt,
an den tisch. beschlafen,
allgemein betrachtet, scheint freilich eins mit beischlafen,
allein jenes ist comprimere, dieses adjacere, der ehmann schläft
seiner frau bei, beschläft
sie nicht. ich kann die sache nicht bekommen,
mir verschaffen, ich kann der sache nicht beikommen,
sie vollständig fassen, hier nähern sich die bedeutungen. ich betrete den boden, ich will dir beitreten,
mich zu dir, auf deine seite stellen. der betagte, bejahrte
ist bei seinen tagen, jahren. die zusammensetzungen mit be
sind meistentheils transitiv, die mit bei
vorwiegend intransitiv. alle mit be
zusammengesetzte participia praet. nehmen kein ge
an, denen mit bei
ist es nothwendig: bestellt beigestellt, beschlafen beigeschlafen, bestanden beigestanden. IV@22)
nicht anders bei der nominalcomposition bestand
ist ganz verschieden von beistand
und Fischart
setzt beide nebeneinander: secht, ist da der ehestand ein wehstand? o nein, sonder ein bestand und beistand, dann da ist er eben sie selbs und sie er selbs, ist ein gehackt mus.
Garg. 72
a. beschlaf
wird nicht gesagt, aber beischlaf
gleichviel mit beilager,
und dies von belagerung
deutlich unterschieden. vgl. bei.