Wossidia
bliben bliwen bleiben; bliw, bliffst, blifft, bliben; blew; bläben: Mi 9
b; im Prät. gewöhnlich mit sin verbunden, einige Fälle mit hebben
s. unt. I a; b; c. I. bezeichnet 1. das Beharren oder Verbleiben an einem Ort oder in einem Zustande oder des Zustandes selbst a. Spr. mit Dat.: 'alle desse vorscrevenen stucke love ick deme ... her Hinrike ... to holdendende unde to blivende' (ihm treu und gewärtig zu sein, zu ihm zu stehn; Wi 1396) UB. 23, 148; mit der Präp. mit und dem Gen. mit jem. in einer Sache einig sein, werden, übereinkommen: 'also dat ik aller schelinge umb de sculd, de si mi sculdich sin, mit en und se mid mi sin gebleven malk bi dren vrunden' (Schw 1380) 19, 504; häufig mit laten: 'dat möstu laten bliven' (Ro 1678) Kohf. Hg. 3, 2; lat dat bliben;
u. a. b. mit einer räumlichen oder zuständlichen Bestimmung: 'her Johan blef dar achte daghe' (1372) UB. 18, 128; hier ward ick woll ne Titlang bliben, säd' de Voss, dor set hei mit 'n Start int Isen Wa; 'dath ick nicht weth, wor ick scal bliwen' Röb. Spiel 67; wo bliw ick, seggt de Kiwitt sagt man zu einem, der nicht weiß, wo er Gerätschaften
u. a. lassen soll, oder sich sonst in einer hilflosen Lage befindet GüGüstrow@BützowBütz; wo 't Fleisch bläben is, dor kœnen de Knaken ok bliben sagt der Tagelöhner, der das Gut nicht verlassen will RoRostock@TessinTess; dei sall woll bliben, wo he is von einem Mittellosen Wa; de up de Erd blift, föllt nich vam Bähn Mantz. Ruh. 6, 71; Wirtschaftsregel: Gallen blifft de Kauh in 'n Stallen, sünst ward Melk un Botter suer Gü; 'und scholen alle vor deme slote eder vor der veste blywen went so langhe, dat dat slot eder de veste gewunnen unde gebroken sy' (1371) UB. 18, 43; dor (vor der heißen Mehlgrütze) sünd se (die Hexen in der Gestalt von Katzen) all vör bläben konnten nicht heran WaWaren@Klein LukowKLuk; Wat anner Lüd' laben, Dat blifft baben GüGüstrow@GülzowGülz; he hett trügg'
bläben LuLudwigslust@TewswoosTewsW; 'daby schall et bliwen' (Ro 1712) Kohf. Hg. 10, 2; wi willn dorbi bliben as de Kuckuck bi sinen Gesang Wa; GüGüstrow@SchwaanSchwaan; dee blew nich bi Water, dee blew bi wat anners vom Trinker RoRostock@KühlungsbornKühl; in dieser syntaktischen Rolle auch der Inf., früher das Gerundium: ick blew bi min Gahn HaHagenow@WittenburgWitt; he blifft ümmer bi sin Gahent StaStargard@ChemnitzChemn; de Buer blifft bi 'n Messföhrent HaHagenow@DöbbersenDöbb; dat hadd' bi Rägen bläben Belsch; daraus hat sich unter Abschwächung von bi- zu
be- die Verbindung von bliben mit einem anscheinenden be-Kompos. entwikkelt: 'schal ... bestande bliven' (1545) Ord.
d. Misse N 1
a; dat blifft bestahn; bliw besitten; ick blew beliggen; Un bleew daar ehn Paar Stund behacken Babst 3, 45; se sünd in
N. behängen bläben wohnen geblieben Wa;
s. be- (
Sp. 685); schließlich der bloße Inf.: bliw man hier hollen Wa; nur Verben, die keine Tätigkeit angeben, sind in dieser Verbindung möglich,
vgl. Latend. Laur. 18 und Muss. Spr. 79; in c. mit Prä
d.: 'dat desse kop stede blive' (MaMalchin@GnoienGnoi 1375) UB. 18, 549; 'unde wat dar levendich bleven' (1390) 21, 360; de doot iß, wart ook woll doot bliewen Babst 2, 67; he is Buer bläben hat seine Bauernstelle behalten LuLudwigslust@Groß LaaschGLaasch; dat sünd nich bi dusend bläben die Hunde haben mehr als tausend Mäuse gefressen WaWaren@JabelJab. 2. den Eintritt eines Ereignisses, den Übergang in einen Zustand, wie schon der Beleg UB. 19, 504 (ob. 1b) aufgefaßt werden kann; einige Fälle mit der Bedeutung übrig bleiben u. ähnl. stehn auf der Grenze: se blifft Rest eine alte Jungfer PaParchim@DobbertinDobb; du kannst woll läsen, wat du büst wäsen, œwerst nich schriben, wat du warst bliben Firm. 3, 70; als Ausdruck von Seemannswitwen bezieht sich bliben auf das Verbleiben auf See, gewinnt aber im Sinne von verschollen sein die Bedeutung eines neuen Zustandes:
he is bläben RoRostock@WustrowWustr; Ribn; Kluge Seem. 101; alter Beleg: 'also bleven beide schip unde lude' (1390) UB. 21, 360; 'wen wor Schepe stranden oder ghar bliven' Gry. Both. Jon. G 7
a; den Eintritt des Todes bezeichnet dot bliben: he hett dot bläben RoRostock@BuchholzBuchh; gewöhnlich: he is dot bläben; alte Belege: 'ist ... sin sone ... dodt gebleven schlunig und ilig' Slagg. 183; 'sind van Denen und Dudschen ok vel dot bleven' Dietr.
V. Lohe 26; andere Fälle: 'dessen vromen afrekent, so blifft de schade 300 mark' (1372) UB. 18, 131; 'De Versche, de ick wol ehr hebbe geschreven, Sind my tho keinem groten profit gebleven' Laur. Schg. 4, 376; ein Gaus is up 14 Pund bläben hat nur ein Gewicht von 14 Pfund erzielt RoRostock@KühlungsbornKühl; dor blew ick behollen mein Wagen wollte nicht mehr weiter, blieb stecken WaWaren@PenzlinPenzl; dorvon is dat still bläben wird nicht mehr geredet Krams; a. Spr. bi êneme blîven sich seiner Herrschaft unterwerfen: 'wyzen alle uze man ... tu her Bernde Moltzane ..., alzo dat ze bi em ... blyven scholen' (Gü 1375) UB. 18, 591; ähnl. beistehn: 'wy willen by erer hulpe bliven' (StaStargard@FriedlandFriedl 1396) 23, 141. II. nominale Formen. 1.
Part. Prä
s.: se künnen keen blibend Städ' (eine Arbeitsstelle)
finnen GüGüstrow@GülzowGülz; kein bliewen Stähr Loep. 125; he söcht een bliben Städ' eine Dauerstellung StaStargard@GrammertinGramm; RoRostock@BartelshagenBart; seltener:
blibend Stell GüGüstrow@GülzowGülz; kein bliewend Flag Camm. Sold. 16. 2. Inf.: he hett hier nich recht Blibent hatt, is nah Amerika reist Ma Malchin@NeukalenNKal; se weit gor ehr Blibent nich weiß sich vor Schmerzen nicht zu lassen RoRostock@GresenhorstGres; ick weet vör Angst keen Bliben Wa; hei weit nich, wo hei sin Stillbliben hett RoRostock@BartelshagenBart; nur lit. der Gen. sin Blibens: min Bliwens wir nich hir Reut. 4, 249; H. Schrö
d. Buerh. 2, 13; 54;
u. a. 3. PN.: 'Wobbe Blyfhyrnicht' (Ro 1382) UB. 20, 439. Zss.:
af-, (
Sp. 93), bi- (
Sp. 837), in-, nah-, œwer-, rut-, trügg'-, ut-, ver-, vör-, wegbliben. — Mnd. blîven. — Bl. 53
a; Br. Wb. 1, 100; Da. 20
b; Dä. 45
a; Me. 1, 386.