kommlich,
kömmlich,
conveniens, aptus. 11)
Heimat, herkunft, formen. 1@aa)
es ist jetzt dem alem. sprachgebiete ausschlieszlich eigen (
els. kummlich,
schweiz. chummli,
auch bei Hebel),
daher passend bei Schiller
einmal im Tell 4, 1: es hagelt schwer, kommt in die hütte, vater, es ist nicht kommlich hier im freien hausen. 539
b.
und diese beschränkung scheint ziemlich alt, schon im 15. 16.
jh. brauchen es wesentlich oberrh. schriftsteller, besonders Schweizer, Elsässer (
nicht H. Sachs, Luther,
auch nicht S.
Frank, Fischart).
nur die wbb. hatten kunde davon in weiteren kreisen, so nennt es Schönsleder h 3
d,
doch nur beiläufig ('kumlich,
vide tauglich'),
er schöpfte aus Maaler;
selbst Stieler 1003 es ist mir ietzo nicht kommlich (
nicht mehr Kirsch, Rädlein),
auch Aler 1222
a (
Cöln 1727),
wie eigner weise im 16.
jh. Kilian komelick, komlick (
nicht mehr bei Binnaert),
offenbar aus gelehrter freude an dem hübschen worte. mhd. ist es eigner weise selten nachgewiesen (
s. d),
ahd. gar nicht. aber altgerm. bestand könnte ags. cymlîc
bezeugen, daneben in einfachst alterthümlicher form cyme
adj., passend, geziemend, dann stattlich, schön. 1@bb)
das alem. kommlich
ist so zu sagen der vetter des mehr md. (
nd.) bequem,
neben dem als bruder bekömmlich
bestand, das z. b. Fischart
für kömmlich
brauchte (1, 1428).
ebenso bestand aber neben bequem
auch mhd. quæme, kæme,
letzteres bezeugt durch schweiz. kæm
bequem (
s. sp. 1626),
jenes durch eine gl. des 15.
jh.: qwemlichen,
apte. Mones
anz. 5, 88.
ebenso noch schottisch queem
passend, genau (
auch als zeitwort, z. b. beim tischler, genau passend machen),
das ags. cvême;
altengl. auch toqueme
agreeable, vgl. nhd. unzukömmlich. 1@cc) kommlich
und quæme
gehören zu wol kumen
mit dat., passen, gefallen u. ä. (
s.kommen II, 7,
c),
wie bequem
und bekömmlich
zu wol bekommen,
und werden daraus entstanden sein, mit weglassung des wol,
das auch bei kommen
mhd. zuweilen fehlt (
sp. 1643
ε).
vgl. ebenchomleich
conveniens zu eben kumen
sp. 1643
unten. 1@dd)
in der form wechselt der vocal wie beim verbum, urspr. komlich
und kumlich,
daneben mit umlaut kümlich
und kömlich,
wie noch in herkömmlich, abkömmlich, unzukömmlich, nachkömmlich,
und mhd. kömelîch Griesh.
pred. 2, 10.
eine nebenform lautete kommenlich (
s. d.),
das übrigens wirklich auch bairisch ist, in der form wie erschreckenlich
neben erschrecklich,
mhd. wiʒʒenlîch
neben wiʒlîch, wiʒʒelîch,
vom inf.? vgl. thunlich neben bethulich.
mhd. erkomenlîch
dagegen (
neben erkumelîch)
wb. 1, 907
a ist vom part. erkomen,
erschrocken. 22)
Bedeutung. 2@aa)
die älteste der vorliegenden bedeutungen wird folg. sein: schuoch, die komlich den fszen nachgemachet seind,
apti ad pedem. Maaler 247
d,
s. mhd. (rehte) kumen,
gut sitzen, passen sp. 1643 (
δ.
ε),
gewiss auch wol
oder eben kumen. 2@bb)
diesem nahe liegt die bed. geziemend, wol '
anstehend' (
wie ein kleid das einen ziert): ich maint, das es nit ersam noch kumlich oder zimlich wär, dem leichnam nachfolgen mit wainen und schreien (
vgl. sp. 917). Keisersberg
trostsp. hh 2
a; welche spis der komlich täglich bruch heischet, mögen wir zuo allen tagen und ziten gebruchen. Zwingli
von freiheit der speisen c 1
a.
zu (wol) kumen
geziemen sp. 1643. 2@cc)
sehr alt ist wahrscheinlich auch nützlich, dienlich, zuträglich (
vgl. sp. 1642
unten): der vater weisz waʒ dem sun nütz ist, der meister waʒ kümlich ist dem junger. Keisersberg
dreieck. spieg. Bb 6
a (54
b); er (
gott) ist .. der aller gütigest vatter, der am basten erkennt was dem menschen kumlich ist.
trostsp. gg 3
c; desgleichen ist in gemein das nüchter bad zu morgen den feiszten und das bad nach der speis den magern leuten am komlichsten. H. Pantaleon
beschr. v. Baden 68,
bis hierher mit demselben dat., der noch von (wol) kumen
herstammt. Dann aber auch ohne diesen dat., und mit abstracteren wendungen: deshalben hie (
im bade, zum schutze der augen) die augspiegel ganz kommlich, welche man mit leder an den kopf bindet.
das. 69; für die geschwulst des rachens ist komlich die brüi von einer hennen. Forer
thierb. 63
a u. o.; alsdann so mag man in dasselbig öl additiones (
zuthaten) brauchen, die da kumlich darzu auch seind. Paracelsus 1, 1058
a,
doch diesz halb zu d, wie folg.: wann sie zum kommlichsten zu gebrauchen, wird ein verstandiger wundarzt wol wissen anzumelden. Tabernaemont. 1139; so dann ein meiszel (
charpie) nimmer kumblich oder sauber ist, so mache einen frischen. Würtz
wundarznei 39; wo es (
das heften der wunden) kommlich möge gebraucht werden. 6; dasz er (
der lindenbaum) ganz 'kömlig und bequem' ist, ein lebendig selbwachsende schattechte lauben darmit zu machen. Spangenberg
lustg. 435. 2@dd)
passend, geeignet, angemessen, gelegen (
s.kommen 7,
c, β): welcher mönsch dʒ recht thuon kan zuo kumlicher zeit und statt. Keisersb.
crist. künigin bb 2
a; wie ieder form (
der geburt) zum kummelichesten ze helfen sye. Rüff
trostb. A 3
a; er mag kömlicher schnecklin geheiszen werden. Forer
fischb. 3
b; wir aber vermeinen, es könne kommlicher unter die todte nessel gesetzet werden. Tabern. 738; es were viel kömlicher auf dem meer dann auf dem land den feind anzugreifen. Fronsperger
kriegsb. 3, 156
b; hat er zu beiden seiten seiten an kömliche ort sein geschütz gestellet. 3, 155
b; komlich, komlichen (
adv.),
zu rächter zeit, äben rächt. Maaler 247
d.
auch von menschen: es ist zuo dem niemands komlicher,
füglicher, geschickter. ders. 2@ee)
auch ganz gleich dem heutigen bequem: machts auf das geschmeidigst ein (
wickelts zusammen), dasz es fein kömmlich zu tragen ist. Wickram
rollw. 14 (kommlich 181, 18
Kurz); 'sprüchwörter gemeiner tütscher nation, erstlich durch S.
Franken gesammlet, nüwlich aber in kommliche ordnung gestellt'.
Zürich, Froschouer o. j. (1545); der zwang des reinen häuslichen lebens ist ein lieblicher zwang, wahrlich sein joch ist kommlich und seine last leicht. Pestalozzi 8, 295.
in folg. zugleich '
gelegen': so kommlich es ihm auf der einen seite war, nicht mit geschäften überladen zu sein.
ders. 2, 283; es wäre mir in eint und anderm freilich nicht kommlich gewesen. 2, 322,
man kann sich auch willkommen
dafür denken, wie Maaler 247
c komlich
mit nach wunsch
erklärt. 2@ff)
aber auch noch anders erscheint das vielseitige wort: so fil die untödliche seel edler ist dann der leib, on welcher gebot erkantnis keiner mag kümlich die sünden vermeiden. Keisersberg
dreieck. sp. Bb 5
a,
offenbar förderlich, mit erfolg; disz gebott würt dann, und nit anders, kumlich gehalten von dem mönschen, so er .. Bb 5
b,
ebenso; das die christen zu allen hendlen und in gemeinschaft des lebens vil kömmlicher und früntlicher sind. Leo Jud
Titus BB 2
a,
umgänglich, '
entgegenkommend'.
so noch bei Gotthelf chumlig 13, 178 (
geld u. geist 186),
mit dem leicht auszukommen ist, auch dienstfertig Rütte 15.
s. auch unkömmlich
und die beiden folgenden.