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gemein

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gemein

Bd. 5, Sp. 3169
gemein , communis, ein altes hochwichtiges und edles wort, nun aber übel heruntergekommen. 11) form und verwandtschaft. 1@aa) goth. gamains, ahd. gimeini, alts. gimêni (gimeini), ags. gemæne; mhd. gemeine, mnd. gemêne, gemeine, gemên, gemein, mnl. gemene, gemeen, altengl. imæne, imene, imone, auch schon mene, wie jetzt mean, d. h. mit vollends abgestosznem i-, eig. ge- (s. sp. 1606); auch im nd. tritt das gestutzte mêne, meine früh auf neben der vollen form, s. Schiller und Lübben 2, 52 fg. 3, 63 fg., und selbst hd., oberd. in alten spuren, besonders im subst. (s. gemeinde 1, d, γ); nd. auch beide nah zusammen, z. b.: he (Isegrim) stal dat grote unde ik dat klene, dat wi kregen, dat was gemene, doch nicht so mene so it scholde, wente he delede it so he wolde u. s. w. Rein. Vos 2012. 13. nur entlehnt und nur in den letzten der entwickelten bedeutungenn. gemeen gemein, liederlich, den gemene mand, der gemeine mann u. a., in älterer form und auch mit der urspr. bedeutung menig, z. b. det menige bedste, das gemeine beste, schwed. meniga bästa, menige man, daneben auch gemen, im schlimmen und guten sinne, allgemein (auch diesz entlehnt allmän), selbst in die mundarten gedrungen, z. b. auch in der bedeutung herablassend (4, g), s. Rietz 189b, der auch altschwed. men, allgemein beibringt aus gedichten, dem altn. fehlend, wie noch dem norw. entlehnt auch poln. gmin m. das gemeine volk, gmina f. gemeinde, gminny adj. zu beiden, diese selbstständige ausbildung deutet auf sehr frühe entlehnung. auch südslav. einst gmein, vulgare Megiser dict. quat. lingu. 1592 E 6b, vergl. gmaina unter gemeinde 6, c. 1@bb) als urverwandt tritt lat. communis heran, dessen nahes verhältnis zu gemein schon im 17. jh. beobachtet wurde (s. Wachter 556), beide gehen in ihrer gebrauchsentwickelung wie hand in hand (s. z. b. besonders u. 4, g, auch gemeinde 4, d, γ), wie denn heute noch die rom. wörter, wie franz. commun, auch engl. common sich mit gemein decken. und auch im ursprung müssen sie eins sein, nicht jedoch, wie Wackernagel im wb. zum leseb. 1839 ansetzte, ursprünglich gam-ains und com-unis (auch Pott), schon weil das angenommene gam gleich cum unerweislich ist (s.ge a. e.), der stamm ist sicher main, wie für das lat. wort mun, urspr. moin, wie altlat. comoinis im senatuscons. de Bacchan. zeigt (vergl. altlat. oinos gleich unus, goth. ains). 1@cc) die entstehung von communis liegt klar vor (vergl. z. b. Lottner in Kuhns zeitschr. 7, 166): communes müssen zuerst solche genannt sein, die sich innerhalb einer gemeinsamen schutzwehr ansiedelten, von moenia, moinia, was urspr. nicht mauern (murus) gewesen sein können, sondern ein schutzwall u. dergl. von älterer einfacherer kunst, wie noch castra munire zeigt (das lager als eine vorübergehende stadtanlage). und es musz wol mit gamains u. s. w. dasselbe sein, trotzdem dasz sich im stamme von einer bedeutung schutzwall o. ä. keine spur mehr findet, die entsprechung des lat. und unsres wortes ist zu weit und tief gehend, was hier auszuführen der ort verwehrt. aber der begriffskern der ganzen lat. wortsippe ist das rechts- und pflichtverhältnis des einzelnen gemeindebürgers zum ganzen und umgekehrt, und das dadurch bedingte gemeinsame leben nach allen seiten, ganz wie bei gemein, angeknüpft an die gemeinsame sicherung. daher auch z. b. immunis, als gegensatz zu communis, eig. einer der sich den gemeindelasten aus mangel an gemeinsinn entzieht (civis immoenis Plaut. trin. 2, 2, 74), d. h. wie unser altes ungemeine als gegensatz zu gemeine (s. 5, c), das auch zu der dann entwickelten bedeutung von immunis, von den gemeindelasten befreit, wenigstens den ansatz zeigt (s. 5, a); vergl. auch agri immunes Cic. mit gemein 3, c, α, äcker die nicht zur almeinde gehörten als gemeine, hieszen gewiss auch ungemeine. wenn aber die gemeindepflichten, leistungen und ämter lat. munia (moenia) und munera (moenera) hieszen, so stimmt das zu unserm alten gemeines amt u. ä. (3, f, ε), nach municeps musz aber auch das gemeinderecht, der gemeine nutz munia geheiszen haben, wie unser gemeinde (s. d. 3, b. c), und man möchte dabei als ursprüngliche form communia, communiceps vermuten, denen man im massenhaften gebrauch endlich das com- abstreifte, wie unserm gemein das ge in mein, meinde u. s. w. (s. u. a); so fällt ja altlat. munis dienstwillig eigentlich mit communis zusammen (vgl. u. 4, g) und muszte wol daraus gekürzt sein; mlat. ist communicipium wirklich geläufig und altlat. erscheint communicipes auf inschriften, derselben gemeinde angehörig. bei dieser (hier nur angedeuteten) durchgehenden einheit beider im kern oder stamm wie in vielen zweigen darf man diese einheit aber auch im ursprung, in der wurzel annehmen. von der bei uns in der vorzeit versunkenen bedeutung schutzwall zeigt sich doch ein später nachklang in der gemeinen landwehr, gemeinen gräben im 15. 16. jh. (3, c, ε). 1@dd) an die frage nach dem stamme knüpft sich aber noch eine andere frage, die nach dem verhältnis von gemein zu meinen und mein in meineid u. s. w., bei deren völliger einheit im stamme man trotz so weit aus einander gehender bedeutung doch auch nach einer möglichen ursprünglichen einheit fragen musz. und diese möglichkeit liegt für beide vor weitgehend genug, um hier erwähnt zu werden. wenn ahd. mein, alts. mên, ags. mân frevel, verbrechen überhaupt bedeutete, so findet das besten anschlusz in dem biblischen, aber offenbar eigentlich altheidnischen gemein, unheilig, unrein, eigentlich profan, nicht geweiht, schon goth. gamains (s. 9); ein meineid könnte von haus geradezu ein eid gewesen sein, der geschworen wurde ohne mitwirkung der priester, also der götter, daher leicht gethan und leicht gebrochen, die bezeichnung müszte von den priestern ausgegangen sein; hiesz er doch auch gemeine (s. 9, c). bei meinen aber tritt einerseits volleres gemeinen, anderseits die bedeutung öffentlich aussprechen oder mittheilen so alt und so entschieden auf (s. u. gemeinen), dasz ein ursprung aus dem gemeindeleben, aus den verhandlungen in der gemeinde ganz glaubhaft wird. der abfall des ge- kann bei beiden nicht stören, da er auch bei gemein selbst hd. sich als ansatz zeigt (1, a). 22) gemein ist eigentlich allgemein, was alle angeht, von allen ausgeht u. ähnl. (s. 3). 2@aa) allgemein ist ja selbst nichts als durch all verstärktes gemein, wie allein durch all verstärktes ein, und wie sich das sprachgefühl das lange gegenwärtig hielt, zeigt getrennte schreibung bis ins 16. jh. neben dem zusammenschreiben, das doch auch schon mhd. galt, z. b.: si vrâgten alle gemeine sâ .. Lichtenstein 330, 22; und warnete die vögellîn al gemeine vor ir schaden. Boner 23, 7; den tempel raumbtens all gemain. Hätzl. 114a, 76; her her! schreien die frummen all gemeine. Uhland volksl. 518 (188, 9), die landsknechte in der schlacht, sich zum angriff zu ermuntern; universus, alle gemeine vel ganz. Dief. 627c. im 18. jh. findet sich allgemeingeist für gemeingeist (s. d.). 2@bb) beide formen werden gern auch begrifflich in beziehung gesetzt, vertauscht oder in gegensatz gestellt, zum nachdenken über die wechselnden besondern färbungen des gesamtbegriffes anregend, die gar leicht und vielfach in einander flieszen (s. besonders 5, g a. e.), z. b.: des lebens güter sind vertheilt mit weiser hand: gemeiner mangel ist ein allgemeines band. Uz 2, 26 (12), gemeinsamer mangel (an vollkommnem glück), der alle trifft, wird zu einem band für alle, sodasz auch zuerst schon allgemein gesagt sein könnte; deinem alter nach sollten sie es wol bei der allgemeinen höflichkeit gelassen haben. was alter! alter! rief die frau ... wie alt bin ich denn? gemeine höflichkeit! ich weisz doch was ich weisz. Göthe 15, 222 (märchen), höflichkeit wie man sie gegen alle frauen übt, im munde der frau doch mit der färbung von 'gewöhnlich', nichts weiter wert (s. 7), vergl. bei Adelung 2, a eine gemeine höflichkeit, welche man einem jeden erweiset; es bringt uns nichts näher dem wahnsinn, als wenn wir uns vor andern auszeichnen, und nichts erhält so sehr den gemeinen verstand, als im allgemeinen sinne (vergl. gemeinsinn) mit vielen menschen zu leben. 19, 247 (lehrj. 5, 16), in bezug auf den geisteskranken harfner gesagt, vergl. gemeiner menschenverstand u. 7, c; auf die brüderliche liebe folgt die gemeinere, und auf diese die allgemeine. Hippel 11, 140, die gemeinere, die einen gröszern kreis, die allgemeine, die alle umfaszt; eine allgemeine deutsche oder griechische (sprache) ist vom anfang her nur im gedanken da, eine gemeine sprache entsteht, wenn die dialekte, verarmt und entkräftet, erlöschen und belesenheit allgemein wird. Niebuhr 1, 62, eine allgemeine, die durchgängig überein käme, eine gemeine, die doch für alles nötige eine gemeinsamkeit herstellt (vergl. griech. κοινὴ διάλεκτος und unten f, α vom gemeinen deutsch); n. Elisabeth zu Maria Stuart: es kostet nichts, die allgemeine schönheit zu sein, als die gemeine sein für alle! Schiller M. Stuart 3, 4. seltsam gemein-allgemein bei J. Paul: unser schatz von gemeinallgemeinen sprechweisen ... diese phrasen, welche das gemeinste (gewöhnlichste) ins allgemeine hüllen u. s. w. 41, 220 (vorsch. d. ästh. § 41 a. e.). 2@cc) daher mhd. z. b. der gemeine tôt, der alle trifft: sus wârens ungescheiden (mutter und sohn) unze an den gemeinen tôt. Hartman Greg. 3769, der alle verbindung trennt; wirt eʒ (das geliehene pferd) verstoln oder geroubet, er (der entleiher) muoʒ eʒ gelten (ersetzen), nimet eʒ aber der gemeine tôt, er gilt imʒ (dem eigner) niht. Schwabensp. 185, 2 G., der alles lebendige trifft; auch von seuchen: endimia, gemeine tod. Wackernagel voc. opt. 41b; epidemia, ein gemein toit vel suchte, gemeine sucht. Dief. 204a, seuche und tod die alle bedrohen; auch das gemain mord, die pest Scherz 519. so wird universus, universalis mit gemein wiedergegeben Dief. 627, ebenso generalis 259c, wie schon ahd. Graff 2, 782. daher auch von der universität, eigentlich die alle facultäten umfaszt (studium generale): item der gemeinen schulen von Paris (botten). Frankf. reichscorr. 1, 508, unter den herren botten, die im j. 1400 auf dem Frankfurter reichstag waren; universitas, samlung der meister, hohe schul, gemein schul. Melber varil. 2 6a, vergl. das. für universum gemein samlung aller creatur. 2@dd) in kirchlicher anwendung z. b. 2@d@aα) der gemeine glaube der christenheit, ahd. diu gemeina gelouba, catholica fides Graff 2, 783, und so lange für catholicus, im 15. 16. jahrh.: catholica ecclesia, die gemein cristenlich kirch. Melber c 6a; catholici, gemein cristenmenschen, glaubig menschen die da sind in der gemein samlung. das. 2@d@bβ) auch ohne den art., nach dem lat. oder weil man den begriff des art. in gemein schon mit fühlen mochte, gemeine christenheit, kirche (s. gemeine zunft u. ä. 3, e, α), z. b.: wann nu gemainer cristenhait, dem heiligen stul zu Rome, auch dem heiligen romischen reich hoh und vil an disem furnemen (gegen die Türken) gelegen ... Frankfurts reichscorr. 2, 386; noch im 18. jh.: ein fastnachtsspiel .. vom pater Brey, dem falschen propheten, zur lehr, nutz und kurzweil gemeiner christenheit. Göthe 13, 57. ebenso gemeine kirche ohne art.: und ob hierinn .. irrig artikel .. begriffen, die dem ewangeli und heiliger schrift ungemäsz oder gemainer kirch widerwärtig wären .. Berthold v. Chiemsee teutsche theologey dedic.; weiter, daʒ heiliger geist (für der h. g., lat. gedacht) fliesz in gemaine kirch, erscheint aws dem, daʒ sein göttliche gnad pfligt zeflieszen in ainschichtig kirchen, das ist in sonder andächtig personen ... 14, 11; gemaine christenliche kirch. das.; dieselben unchristen (Luther und die seinen) sagen, sy halten es mit alter kirch, wider die weis so yetz in gemainer kirch swebet. 91, 12. 2@d@gγ) auch gemeiner ban, kirchenbann und interdict: daʒ (gehen mit den kreuzen) het man ûf gesetzt umb den grôʒen gemeinen pan, der dô was gemeinclich in der heilgen kristenheit. offenb. der Ad. Langmann 71, 10. gemeines concilium, concilium generale: wir meinen nit .. das die samenunge zu Pise ein gemein rat oder concilium generale gewesen sy. Frankfurts reichscorr. 1, 145 (schreiben k. Ruprechts vom j. 1409); als der babest ein gemein concilium berufit hat. 139; daʒ allis ... unbillich ist, wann (weil) ein gemein concilium fry und unverdinget sin solde (müszte). 141; daneben ward begert, keis. maj. wolte bei dem bapst erbeiten, umb ein gemein, frei, christlich concilium in deudschen landen anzusetzen und zu halten, oder ein national concilium machen. Luther 8, 209b (vergl. ein frei general concilium oder aufs wenigst national versamlung reichsordn. 1539 130a). das gemeine gebet, vereinigtes gebet aller, der gemeinde: und sie hielten ein gemein gebet, das der barmherzige gott wolt seinen zorn gar von inen abwenden. 2 Macc. 8, 29; Hans N. und Greta N. wollen nach göttlicher ordenung zum heiligen stande der ehe greifen, begeren des ein gemein christlich gebet fur sie. formel des aufgebots in Luthers kl. kat. 19a Harnack; wie hoch er (der pfarrer) des göttlichen segens und gemeinen gebets bedarf zu dem stande den er anfehet. 18b, 32; in dem das man mess gehalten und das gemein gebet für sie (die wöchnerin in gefahr) gethan. Flersh. chron. 53, 11; nach der predigt, wann das gemeine gebet geschiehet. Schuppius 39, preces publicae. 2@ee) im leben überhaupt (aus dem es sich entwickelte, s. 3), z. b. 2@e@aα) gemeiner brauch, communis usus: habn in gemeinem brauch. Rebhuhn klag des armen manns 7; ein gemeiner landbrauch. Luther bei Dietz 2, 70b; der gemeine landsbrauch. luxemb. weisth. 649; das man schreiben und reden solt, wie es nach gemainem brauch lautet. Ickelsamer gramm. 62 (s. 38 Kohler); hier ists ein gemeiner gebrauch, eine gemeine weise, the common fashion. Ludwig 733. 2@e@bβ) gemeiner friede, landfriede: die weil ich gern wolte einen (d. h. den) gemeinen frieden erhalten. 2 Macc. 9, 21, reichsfriede; so faren sie zu .. ertichten eine sache, nemlich das gottes wort aufrhur mache und sei gemeinem friede schedlich. Luther 5, 55a (wieder ohne art., s. d, β). auch gemainer landsfrid Augsb. chron. 2, 30. gemeine urfehde, die für alle möglichen fälle geleistet wird als friedensgelöbnis: so wolten sie die, so im schlosz (belagert) weren, mit dem iren uf ein gemeine urphedt ziehen laszen. Flersh. chron. 87, 21. 2@e@gγ) gemeines recht, allgemein gültiges: haben sie doch damit etlicher maszen entschüldigung, das (es) ein gemein recht, ja (vielmehr) ein gemein irrthum, brauch und gewonheit gewest ist. Luther 5, 242b; so haben auch etliche stedte ein grob unvornunftig recht, das auch wider die natur ist, dasselbe wird hierdurch ufgehaben und seind dagegen die neuen constitutiones geordnet (für das churf. Sachsen), was aber dem gemeinen und naturlichen rechten gemesz, dorbei werden die stedte wol gelassen. Schott land- u. stadtr. 3, 106; vergl. das. s. 91 nach gemeines rechten ellichkeit (ähnlichkeit, entsprechung) vom j. 1427. man fragte danach, was nach gemeinen, auch gemeinen kaiserlichen rechten rechtens sei, im Sachsensp. nâh gemeineme lantrechte (s. unter g), im Schwabensp.: die keiser und die künige habent diz gemeine reht gemachet 49, 3; von der verschiednen färbung der bed. s. Haltaus 641 ff. das gemeine recht noch jetzt ein ausdruck der juristen, im gegensatz zu den stadt- und landrechten, den sog. particularrechten, s. z. b. Hugo heut.m. recht 4, 10, encycl. 192 (vgl. landrecht, auch gemeinrechtlich). 2@ff) gemeine sprache, rede, sprichwort, lied u. dergl. 2@f@aα) von der jahrhunderte lang gesuchten gemeindeutschen sprache: ich habe keine gewisse, sonderliche, eigene sprach im teutschen, sondern brauche der gemeinen teutschen sprach, dasz mich beide Ober- und Niderländer verstehen mügen. ich rede nach der sechsischen canzeley, welcher nachfolgen alle fürsten und könige in teutschen landen .. darumb ists auch die gemeinste teutsche sprach. Luther tischr. 412a; ich erman .. ain yeden, das er umb rettung willen unser gemainen teütschen sprach, die so gar verwstet und verderbet ist, ganz aigentlich wol aufmerke (beim schreiben). Ickelsamer gramm. 22 (14 K.); neuerdings wieder: die gemeine deutsche sprache wurzelt in den verschiedenen volksdialecten. Bluntschli in d. hall. jahrb. 1839 s. 1930. von gemeinem deutsch, gemeinverständlichem, im unterschied von den mundarten, war schon länger die rede, dann auch von gemein hoch deutsch, z. b. die Nürnberger deutsche bibel von 1483 gibt sich als nach rechter gemeyner teutsch, Aventins chronica auf dem titel als von im selber mit höchstem fleisz (aus dem lat.) in gut gemein hoch teutsch gebracht. auch gemeines landdeutsch (mhd. lantsprâche als gegensatz zur mundart, vergl. landbrauch u. e): was underhalb der gürtel ist (von krebsschäden), das heiszt nach dem gemeinen landdeutsch s. Küris busz u. ä. Paracels. chir. schr. 90a. aber auch die deutsche sprache überhaupt wird gemeine sprach genannt im gegensatz zur lateinischen, also wie seit alter zeit lingua vulgaris, volkssprache, zugleich wol schon mit leichtem anklang von niedrig gegenüber dem vornehmen latein (s. 6, c, γ): vulgare, gemain sprach. Dief. nov. gloss. 387b; z. b. bei L. Stöckel in der vorr. zur Susanna Wittenb. 1559, der sich wegen des nicht gebrauchten lateins entschuldigt, da es die zuhörer nicht verstünden (Gödeke grundr. 334): darumb wir nu viel jar allein in gmeiner sprach uns hören lan. daher auch teutscher sprichwörter gemeine auslegung sprichw. Frankfurt 1570 3a, in gemeinverständlichem deutsch. vergl. noch Niebuhr u. b. übrigens auch gemeine rede für prosa, mhd.: dâ von hân ich muot ze varn der gemeinen rede die strâʒen und alleʒ rîmen lâʒen. altd. bll. 1, 351, in der reimvorrede zu einem geistlichen tractat in prosa. 2@f@bβ) ebenso gemeine rede u. ä., unter den leuten allgemein: solchs ist eine gemeine rede worden bei den jüden, bis auf den heutigen tag. Matth. 28, 15; es gehet ein gemein geschrei (gerücht), das hurerei unter euch ist. 1 Cor. 5, 1; es sei ja das gemein geschrei. Frank weltb. 185a; gemeiner lümbd (leumund). Salat 158; das im euszersten Europa nach gemeiner aussage ein flusz in das nordländische meer flieszt. Micrälius 1, 4; im gemeinen gespräch. Olear. pers. ros. 4, 1; wie die gemeine sage spricht .. so ists der engel gar gewesen. Lessing 1, 104. häufig auch so von sprichwörtern, es ist ein gemeines sprichwort unter den leuten u. ähnl.; so manchs land so manch sitte, sagt das gemeine sprichwort. Luther kleiner katechismus 18a Harnack; zuo einem gemeinen sprüchwort werden, in proverbii consuetudinem venire. Maaler 167b; ein gemein sprüchwort sein, das yedermann darvon sagt. 166d; gemeiner spruch, verbum. 167b; nach dem der gemain spruch lutet, dʒ kunst syg zlernen und gewonhait zehalten. N. v. Wyle transl. 1478 241b; ich hab dir nichts versprochen dann allein mit gemeinen worten, die verpinden niemand zu laisten. Steinhöwel Es. 98, der bauer hatte zornig zu seinen ochsen gesagt oh das euch die wolf fräszen! worauf der wolf kommt und sie verlangt, also gemeine worte eine redensart, sprichwort. noch bei Adelung es ist eine gemeine rede, ein allgemeines, öffentliches gerücht: dieses ist eben das frauenzimmer, das sie .. nach der gemeinen rede für eine wittwe gehalten haben. Gellert 4, 258. 2@f@gγ) bemerkenswert auch ein gemein liedlein, das alle singen oder kennen (volkslied): in der selben zît sang man ein nûwe lît in dûschen landen, daʒ was gar (ganz) gemeine zu pîfen unde zu trompen unde zu aller freude. Limburger chron. 36, 26 Wysz (23 R.); der thürner auf dem mittlern thurn (vom Marienberg bei Würzburg, den die bauern belagerten) blies den bauern (als sie abziehen muszten) das gemein liedlein: hat dich der schimpf gereuen, so zeuch du wider heim. anz. des germ. mus. 2, 271. allerdings auch geringschätzig, aus gelehrter feder: ein gemein peüwrisch oder schlächt (einfältig) liedle singen, canere indoctum. Maaler 166d. 2@gg) begrifflich unterschieden wird gemein und besunder, sonderlich, einzeln u. ä. (vergl. gemein und eigen u. 3, a), z. b.: all haylg propheten grosz und klain sen hj besunders und gemain oft hart dürchächt (gepeinigt) und etlich tödt, merkt wj dj tugent würt genöt. Schwarzenberg 156c, schon als vielbenutzte formel, die auf den bestimmten fall hier nicht mehr genau passen will, wie jetzt oft samt und sonders, im ganzen und im einzelnen (gemein als adv.); nichein ûʒwendic man en ist ouch phlichtig in deme dorfe zu antwurtene (vor gericht) nâh irme sunderlîchen dorfrechte, mêr (sondern) nâh gemeineme lantrechte. Sachsensp. III, 79, 2; nicht anders als wenn ein könig in seinem lande sonderlich gesetze und ordenung macht ... und doch gleichwol die gemeinen natürlichen gesetze durch alle lande gehen und bleiben. Luther 3, 43a; darumb ist es (die ehe) nicht ein sonderlicher, sondern der gemeineste, edleste stand, so durch .. alle welt gehet. 4 (1556), 443a; die h. schrift .. pflegt aus einem sonderlichen spruch einen gemeinen zu machen, als wenn ich sage: man soll Mosen todtschlagen, da mache ich aus einem einzeln und sonderlichen Mose (einem 'individuellen') einen gemeinen Mosen, der sich auf alles erstreckt, und ein gemein exempel, das auf alle gesetze gehet, so die gewissen wollen fangen und binden. tischr. 1, 73; weil denn .. die ehe jederman, als ein gemeine gabe, geben ist, aber die keuscheit ein sonderliche, seltzame gabe ... wird hie mit angezeigt (1 Cor. 7, 7); das ein iglicher sich prüfen musz, ob er die gemeine oder die sonderliche gabe an im finde. schr. 2, 297b. noch im 18. jh. gemein und besonder: gott sah von anfang wohl, wohin die freyheit führet, dasz ein geschöpf sich leicht bey eignem licht verlieret .. und ein gemeszner (beschränkter, endlicher) geist nicht stäts die kette findet, die den besondern satz an den gemeinen bindet. Haller 174 (urspr. des übels 2, 42), das gesetz im einzelleben an das für das ganze. 2@hh) in gröszter begrifflicher allgemeinheit schon mhd., wie im 16. jahrh., aus der ältern sprache deutscher philosophie (vergl. gemeinde 3, f), und noch lange im 18. jh.: dirre mînen gmeinen lêre wil ich ervinden michels mêre an den vürsten und an den herren. Thomasin welsch. gast 1715, der allgemeinen lehre (im ersten buche) soll nun die für fürsten und herren folgen als anwendung; alsô got einen gemeinen înfluʒ hât in allen krêatûren, wan daʒ fûr enmöchte nicht geburnen noch keine krêatûre ... sich bewegen sunder den gemeinen înfluʒ gotis. myst. 1, 142, 15; merk, gots genad dj ist gemain und auch an kainem ort allain. Schwarzenberg 132b; gemain ist got und sein gnad. Berth. v. Chiemsee im reg.; dann wie got allen creaturen gemain, also ist auch sein lieb gemain. deshalb jhener, der für sich und über all ding got liebet, derselb hat in ime gemaine gotliche lieb, die er nach got gemainklich allen creaturen mittailen (zu theil werden lassen) mag. 47, 1, das klingt wie aus mystischer lehre, doch auch schon biblisch: reichet dar ... in der gottseligkeit brüderliche liebe, und in der brüderlichen liebe gemeine liebe. 2 Petri 1, 7 (griech. nur τὴν ἀγάπην, vulg. charitatem), in der erläuterung Luthers: die gemeine liebe gehet beide über freunde und feinde, auch über die, die sich nicht freundlich und brüderlich gegen uns halten. schr. 2, 396a; über diese drei stift und orden ist nu der gemeine orden der christlichen liebe. 3, 511a; aber ehe wir den text anfahen (die erklärung des proph. Habacuc), musz ich vor den weg bawen und einen gemeinen eingang machen, der nicht alleine diesen, sondern fast alle propheten deste basz zuverstehen nötig und nützlich ist. 3, 224a, eine allgemeine einleitung; er (Paulus) acht die keuscheit nicht so gemeine, wie wir ... thun. 2, 295b, hält sie nicht für so allgemein; er (gott) hat sie ja schon längst in seine hand geschrieben, barmherzigkeit und güt' ist stets bei ihm gemein. Rist Parnass 396; die töchter können kaum das antlitz aufwärts kehren, das rathhaus steht verwaist, der bürger seufzt dir nach .. so ist der schmerz gemein .. Günther 606; eine folge, die mit aller ihrer regelmäszigkeit eine folge von einem gemeinen gesetze der natur ist. Kant 6, 89 (vgl. Luther u. 2, g); die scheidung der elemente und die absonderung der im gemeinen chaos vermengten luft. 9, 8; lasz mich (Louise) .. einem bündnis entsagen, das die fugen der bürgerwelt auseinander treiben und die gemeine ewige ordnung zu grund stürzen würde. Schiller III, 436, kabale und liebe 3, 4, urspr. doch allgemeine, jenes erst seit 1786; rührende erhabne einfalt bezeichnet die kindheit des ordens (der Malteser), glanz und ehre krönt seine jugend, aber bald unterliegt auch er dem gemeinen schicksal der menschheit IX, 398; wir spielen all im sonnenschein, vergnügt gemeiner gabe. Voss 1, 51. 2@ii) im begriff zugleich zum folgenden überspielend gemein weib, meretrix (mhd. Lexer 1, 840, altfr. femme commune): daʒ ist daʒ gesetzede über die gemeinen frouwen. eʒ sol kein gemeine fröuwele keinen frouwen mantel noch kursen niht tragen u. s. w. Meraner stadtr. 13, Haupt 6, 425; nachdem umb vermeidung willen merers übels in der cristenhait gemeine weiber von der heil. kirchen geduldet werden. Nürnb. poliz. 117, vergl. besonders 121, wie sie sundere bulschaft gar nicht haben sollten; eine beschlafene dirne kömpt schwerlich zu ehren, und ist grosze fahr dabei, das sie gar gemein werde. Luther 5, 247a; ein gemein weib verdient auch ihren lohn mit sünden. 5, 243a; ein gemeine mätz sein, vulgare suum corpus. Maaler 167a. ebenso frauenhaus u. ä.: ist das nit ein yemerlich ding, das wir christen unter uns sollen halten feyne gemeyne frawenheuser. Luther an den adel M 4b; warumb sehen die gemeinen frawen wirt nit gern, das junge knaben ehlich werden? wider den falsch genanten geistlichen stand (1523) G 2b. vergl. gemeines haus 3, c, δ a. e., s. auch gemein sein u. 5, c. 33) entwickelt worden ist begriff und wort im leben der gemeinde (im weitesten sinne), die noch davon den namen hat (s. haupts. e), gemein was alle angeht sofern sie eine gemeine darstellen. 3@aa) das war noch dem 16. jh. vollkommen gegenwärtig, in leben und rede reich entwickelt und lehrreich nach vielen seiten. 3@a@aα) jenen ursprung gibt Luther einmal an aus dem sprachgefühl seiner zeit: gemeinschaft (im abendmahl) heiszt hie das gemeine gut, des viel theilhaftig sind und genieszen .. denn gemein ding heiszet, des viel in gemein genieszen, als gemeine born, gemeine gassen, gemeiner acker, wiesen, holz, fewer u. s. w. 3, 506b (vom abendmal 1528 E 2a), gemeindebrunnen, gemeindeholz u. s. w., die gemeine gasse, die allen gehört von jeher und immer, keinem einzelnen zu eigen ist (vergl. c, α), das gemeine feuer, das herdfeuer zugleich als gemeindegut behandelt, das von allen nachbarn nach uralter sitte einander frei mitzutheilen oder vom herrengute zu dem zwecke stets zu unterhalten war (s. RA. 530, weisth. 3, 312, besonders 1, 611, auch Fronius bilder aus d. sächs. bauernl. in Siebenb. 94). auch städtisch: welcher nit unser burger ist, der sol .. in unsern gemeinen hölzern .. dhein holz howen. Lucerner stadtr. § 148. lehrreich ist besonders ein weisthum aus der Ahrgegend 2, 728, wo der gesamte gemeine grund aufgezählt wird: it. ich (der gemeine scheffen) wroich einen gemeinen wegh .. ich wroich den Sonnink (ein waldberg) gemein .. und den broich gemein .. vier gassen gemein u. s. w. noch jetzt z. b. in der alpwirtschaft: das sieht man bei uns in den alpen, in welchen das holz, die weide und alles gemein ist. Felder Nümmamüllers 229. auch ags. z. b. gemæne læs (weide), compascuus ager Wright voc.2 1, 177, gewiss schon goth. gamains. 3@a@bβ) der gegensatz ist hier eigen (vergl. 2, g), was im besitz eines einzelnen ist, privatus, ahd. eigin alde gemeine Graff 2, 782: wie die bischof haben angefangen zuo geizlen (habgierig zu sein) und das gemein was, eigen zu machen. S. Frank chron. 1531 495a; bei den alten Teutschen hat keiner kein eigen gut gehabt. Aventin 24a, es waren alle ding gemein 22a; vergl. u. 2, f bei Luther sonderliche, eigene sprach (eigen zugleich 'individuell') als gegensatz zur gemeinen teutschen und noch jetzt eigennutz als gegensatz zum gemeinen nutz, gemeinnützigen, gemeinsinn als gegensatz zu eigensinn (urspr. gemeiner, eigner sinn). daher auch bildlich z. b. von der schönheit einer frau, die als geistiges gemeingut in anspruch genommen wird (s. dazu b, δ): dein weib ist schön, holdseelig, rein, doch ist sie gar nicht eigen dein, dan ja nichts eigen (ist), was gemein. Weckherlin 819. ebenso allgemein und eigen als gegensatz: denn raub begeht am allgemeinen gut (s. b, γ), wer selbst sich hilft in seiner eignen sache. Schiller Tell 2, 2 a. e. 3@a@gγ) im lat. entspricht publicus, schon bei Notker mit gemeine gegeben, eigentlich adj. zu populus, gegensatz zu privatus, eigentlich eigen (s. vorhin), doch auch mit sonderbar gegeben (vergl. 2, g): es erhub sich ein erdbeben (so stark) dasz hierdurch sonderbare und gemeine gebäu .. in ein haufen gefellet wurden. Scheuchzer 1, 123; die wbb. geben publicus mit gemein (neben offenbar) Dief. 470c, Dasyp. 198a, bei Maaler 166d gemein, yedermann zugehörig, publicus, communis, d. h. sowol auf den staat als die gemeinde bezogen (von deren begriffe der des staates ausgegangen ist als erweiterung); mnd. z. b.: se brachten enen gemeinen breef, dat men het to latine publicum instrumentum. wb. 2, 52b. ein gemeiner schreiber, notarius publicus Luther 1, 352b (s. u. f, ε): so hat die weislich erfarung der menschen ... das gemaine schreiber ambt, zu latein genannt officium notariatus oder tabellionatus mit sinnlicher vernunft erfunden. Tengler laiensp. 5b (Haltaus 646). mhd. diu gemeine habe, aes publicum: daʒ he alsô arm starp, daʒ man von der gemeinen habe in mûste brengin zû grabe. zeitschr. f. d. alt. 17, 254, 29. noch im 18. jahrh. war diesz gemein publicus im gebrauch des lebens nicht ganz verloren, sodasz es Möser ohne anstand auf die alte zeit anwenden konnte, z. b. der gemeine grund, gemeindegrund osnabr. gesch. 1, 13, eine gemeine oder öffentliche gottheit s. 12, stammesgott, gleichsam staatsgottheit, und noch im 19. jh. Niebuhr, dem es aus seiner heimat geläufig sein muszte, auf die altrömische zeit: vom gemeinen feld und dessen nutzung. m. gesch. 2, 146 u. o., ager publicus, vergl. gemeiner acker Luther u. α. die heutige wiedergabe mit öffentlich ist eigentlich ungeschickt, einseitig (s. schon Möser und offenbar im 15. jh. vorhin, vergl. b, ε), auch für das liebe publicum wäre die gemeine der deutsche ausdruck, wie es im 16. jh. wirklich erscheint (s. gemeinde 6, g) und nl. noch het gemeen heiszt (auch gemeinwesen, republik, s. δ), ein voc. des 15. jahrh. gibt publicum mit gemain volk Dief. 470c, d. h. in anderm sinn als heute (s. 6, d). vergl. gemeingeist nach engl. public spirit. 3@a@dδ) daher auch das gemeine wesen, res publica, eigentlich alles was alle als volk oder gemeinde angeht, doch erst seit dem 17. jh., wie es scheint: wollte gott! die jungen leute spiegelten sich (um ein nüchternes leben führen zu lernen) an den alten podagrischen, triefäugigten, zitternden herren, welche in städten und dörfern oft verursachen, dasz ein gemeines wesen (das alte 'ein' als starkes das, eigentlich das éine) auf schwachen füszen steht. Chr. Weise erzn. 305, cap. 31; der geringste handwerksmann, der sein handwerk wohl versteht, leiste dem gemeinen wesen mehr nützliche dienste, als der beste poet. Bodmer poet. gem. 23; die blinde liebe der meisten ältern geht dahin, ihre kinder zu ansehnlichen mitgliedern des gemeinen wesens zu machen. Rabener (1755) 1, 167; das interesse des philosophirenden gemeinen wesens. Kant 3, 310, wie res publica literaria u. ä.; ein ethisches gemeines wesen unter der göttlichen moralischen gesetzgebung ist eine kirche. 6, 271; betrifft sein amt, das gemeine wesen. Wieland 13, 33; seine und des gemeinen wesens freunde. 20, 101; denn wo er (der regent) wankt, wankt das gemeine wesen, und wenn er fällt, mit ihm stürzt alles hin. Göthe 9, 267 (nat. tochter 1, 5); der stilistiker ist das publikum, er allein stellet das gemeine wesen vor, das er eben sowol in sich hat als auszer sich. J. Paul 43, 8. vergl. gemeinwesen. 3@a@eε) wörterbücher des 15. 16. jh. geben für res publica gemein nutze vel gut Dief. 495b, gemein gut, gemeiner nutz voc. inc. teut. h 7a, auch auf die stadtcasse bezogen (daher gemein gut, s. b): bricht aber einer den friden ... der soll unserm gemeinen nutzen 10 ℔ rappen zu straf verfallen sein. Scherz 519 aus Colmar; res publica, der gemein stand, der gemein nutz einer statt Dasyp. 207c, gemeiner nutz einer statt und eines volks Frisius 1150b, seit dem 13. jh.: als si ettlich urteil und recht von gemains nutz wegen .. in ains gesampnet und in die schrift gesetzet hetten (ein stadtbuch angelegt). Augsb. stadtb. 233; sîn (des landgrafen) trachtunge was vor allen dingen ûf himelische ding .. ab er sich wol ûf werltlich klûkheit .. geben mûste durch einen (d. h. den) gemeinen nuz sîner lande unde sîner lûte. Ködiz leben des h. Ludwig 16, 26; so wissent ir auch wol, daʒ myn herre der nuwe kunig (Ruprecht) ein frommer herre ist, daʒ er gerne einen gemeinen nocze furwenden (in den vordergrund stellen) wolte nach allem sinem vermogen. Frankf. reichscorr. 1, 698 u. o., vom j. 1401, die interessen des reichs, was eben auch res publica wäre, im gegensatz der interessen seines hauses u. dergl., mit hinblick auf könig Wenzel; daʒ niemen kainen wein machen sol ... mit kainerlai gemechte ... durch gemain nutze armer und reicher. Nürnb. poliz. 205, zum gemeinen besten aller ohne unterschied, daselbst eine weinordnung vom rathe als lieb- und handhaber gemeins nutz 258; wer umme den frede werdit irslagin und umme den nutz gemeine, den sal man nicht sere clagin. J. Rothe ritterspiegel 2326; wan forstin umme nutz gemeine und umme rechte sache stritin .. 999; umb gottes und gemeines nutz willen. Luther 2, 252a; dieweil dann alle dienstpflichten dahin giengen, des gemeinen nutzens schaden abzuwenden. Zinkgref ap. (1653) 1, 27; überdas haben die nahmhafteste völker ihr vatterland und dessen gemeinen nutzen jeweils höher geachtet als ihr aigen reputation, ehr und leben. Simpl. 4, 363 (t. Michel 3); ein jeder soll sein leib und lebn dem gmeinen nutz zum besten gebn, warumb nicht vil mehr die kinder und als vermögen nichts dest minder? Ayrer 26a (144, 12 K.); der gemeine nutz ist der herrschaft stärkster schutz. Henisch 1485, als sprichw., wie auch aigner nutz den gemeinen nutz zerstört, er erklärt es: 'das gemeine wesen, das gemeine regiment, gemeine statt, gemein beste, respublica etc., oppos. aigner nutz, res privata, privatum bonum' (s. u.β). s. auch gemeinnutz (17. jh.), gemeinnützig und gemeinde 3, c, gemeindeinteressen. 3@bb) das 'gemeine gut' war übrigens mehrdeutig. 3@b@aα) gemeindebesitz, wie acker, wiesen, holz, auch wasser, feuer, s. Luther u. a, α; noch im 18. jahrh. z. b. bei Ludwig 733 das gemeine feld (vergl. Niebuhr u. a, γ), eine gemeine weide, ein gemeines wasser, worin alle einwohner eines dorfes fischen mögen; s. dazu u. c, α. der aus dem gemeindeleben geläufige begriff ward auch auf alle andern gemeinschaften übertragen, z. b. eine hausgemeinschaft: (frag dich) ob du das gemein guot deiner herschaft oder ältren zuo fil güdeklichen in dein eigne brauchung verzert hast. Keisersberg Ee 4a. 3@b@bβ) im verwaltungswesen besonders auch vom baaren gemeindevermögen, pecunia publica: do muostent in die stat tuon begraben und bestatten von dem gemeinen guote. Straszb. chron. 322, 9, auf stadtkosten; wenne das orteil geholit sei (beim oberhofe) umb das gemeine stadgelt, was hirumbe recht sei? Magd. fragen s. 63, auf städtische unkosten; noch im 18. jahrh. gemeine kosten, publici sumtus, publica pecunia Weber 340a; gemein guot an seinen eignen nutz verwenden, convertere pecuniam publicam in suos usus. Maaler 309c. dazu der gemeine seckel, schatz, kasten (casse) u. ä.: it. sollen alle und jegliche commun und stett, dem reich on mittel underworfen, so järlich under zwei hundert gulden in gemeinen seckel fallen haben, geben ein halben gulden (reichssteuer). reichsabsch. 1512 I § 13 (reichsordn. 1539 72a); es sollen auch alle erzbischoff und bischoff ... bevelh geben, solchen anschlag von den geistlichen ires bisthuombs ... in die gemein kisten der oberkeit, under dero sie wonen, zu überantworten. § 22 (72b); die .. dem gemeinen kasten fürstehen. Luther 3, 511a (vergl. u. kasten 3); ordnung eins (d. h. des) gemeinen kastens. 2, 248 ff.; das man alles ander lasse zum gemeinen gute eins gemeinen kastens gelangen. 249b; empfangt ein heyrathsgut aus dem gemeinen schatze zum lohne der bescheidenheit. Gellert 1, 90 (111); auf kosten des gemeinen seckels. Wieland 19, 232. daher auch bei andern gemeinschaften: wir haben nicht gemeine schätze gesammelt, sondern den raub getheilt. Stolberg 11, 10 (Il. 1, 124); die summe der strafgelder .. die ein jeder übertreter in eine gemeine büchse entrichten sollte. Göthe 18, 262 (lehrj. 3, 4). 3@b@gγ) aber auch wie jetzt das allgemeine wohl, gemeinwohl (s. d.), s. u. a, ε gemein gut, res publica 15. jh.: darumb wirt ... umb das gemeyn guot und heyl der land gedacht und geordnet, das .. reichsordn. 1539 7b, in der goldnen bulle; dasz das gemeine gut mög wol versorget sein. Weckherlin 675; ich wär der kirchen heyl und dem gemeinen gut zuwider. 679; die vors gemeine gut zusammen sich verschworen, die muntert arbeit auf. A. Gryphius 1, 65 (Leo Arm. 4, 248), geradezu für staatswohl, staat, res publica (vergl. a, δ. ε), wie noch bei Schiller das allgemeine gut Tell 2, 2 a. e. auch das gemeine wohlsein Thomasius kl. schr. 656 und das g. beste, the common weal of any state, the public interest Ludwig 733: umme bestendicheit willen, nut unde profit des gemeinen besten unser stadt. bremische urk. v. 1491 bei Böhmert beitr. zur gesch. des zunftw. 81; gemein bestes in acht nemen, pro communibus commodis sudare (Cic.). Henisch 1485; niemand bekümmerte sich um das gemeine beste, der name vaterland setzte das herz in keine wallung. Wieland 7, 74. 3@b@dδ) dazu gemein haben, halten, machen, gemein werden, sein, wie jetzt noch gemeingut (s. d.): haben wir beschlossen für uns alle drei gemeinden .. dasz wir sollend alpe, almeinen und wäld gmein han bis in ewigkeit, wil grund und grat stet und wärt. weisth. 5, 211; alle aber die gleubig waren worden, waren bei einander und hielten alle ding gemein. ap. gesch. 2, 44, vergl. 4, 32; er leret auch (Th. Münzer), das alle güter gemein solten sein, wie in actis apostolorum geschrieben stehet, das sie die güter zusamen gethan haben. Luther 3, 127b; es hilft die bawren nicht, das sie fürgeben, gen. 1. und 2. seien alle ding frey und gemeine geschaffen ... auch macht das evangelium nicht die güter gemein, on alleine welche solchs williglich von inen selbs thun wollen, wie die aposteln und jünger act. 4. theten, welche nicht die frembden güter Pilati und Herodis gemein zu sein fodderten, wie unser unsinnige bawren toben, sondern ir eigen güter. 124b. die wbb. geben lat. publicare mit gemein machen Dief. 470b, publico, ich mach gemein oder zühe in den gemeinen seckel, in den gemeinen nutz Dasyp. 198a. die entstehung aus dem gemeindeleben wird recht deutlich in folgendem gemein werden vom walde, wo es nun bären nicht mehr gebe: den bern ist nun der wald zu klein, dieweil er wird zu sehr gemein. Alberus Es. 86, d. h. weil zu viele menschen hinkommen, beeren suchen u. dergl., eigentlich als gemeindewald gedacht, wie gemeine gasse (c, β), wo viele verkehren. ähnlich gemein machen, für vogelfrei erklären, Frisch 1, 656a bringt aus den script. brunsv. 3, 258 bei: als der bischof von Hildesheim in die acht erklärt wurde, sang man: se worden gemaket gemeine, grot unde cleine, cleine unde grot, de mach me alle slan dot, se sind gemeine so ein hund u. s. w. 3@b@eε) gemein machen und werden, auch sein, haben, aber auch von geistigem u. ähnl. gemeingut, von dem was zur öffentlichen kunde gebracht wird, 'publiciert', andern mitgetheilt wird (vgl. unter δ, auch a, γ): der prophet sprach, ich will allein myn heimlicheit han, nit gemein. Brant narr. 51, 34; wer nit syn freüd mag han allein, dem gschicht reht das sie werd gemein. 33, 74; saget den guten leuten mein armes pater noster und trewlichs herzlichs mitleiden, aber doch das ir diese schrift nicht lasset gemein werden. Luther 6, 325a; der alten Egypter philosophia hieroglyphica .. welche sie nicht gemein machten, sondern der könige kinder wurden nur darin informirt. Schuppius 50; erkläre deine freud und mache sie gemein. Wernike 282; meine absicht war anfangs, mir solche (Lodmanns osnabr. geschichte) auszubitten und gemein zu machen. Möser osn. gesch. 1, vorr.; eben diese vorrede .. ist es, was ich hier aus unserer bibliothek gemein machen will. Lessing 9, 153. auch mit dat. der person (s. 5, f): des heyl. röm. reichs ordnungen .. alle zusamen getruckt und an tag geben, do mit die meniglich bekündigt und gemeyn werden mögen. Worms 1539; ich verheisze hiermit, ehestes alle das .. durch offentlichen druck jederman gemeine zue machen. Opitz poet. 24 Br. (cap. 5). vom veröffentlichen durch den druck auch mit folg. wendung: sie haben auch eben solcherlei arten der reimen, als ietzund bräuchlich, gemacht, aber sie haben es nicht an den gemainen tag gegeben. Rompler vorr. 10; vgl. gemeine zeitungen d, β. mhd. gab es ein gemeinen, gemein machen. 3@cc) überhaupt hiesz gemein alles, was einer gemeine gehörte oder sie irgendwie angieng oder auch von ihr ausgieng (s. d). 3@c@aα) bemerkenswert besonders gemeine allmeinde, der gemeindegrund mit zubehör, der niemandes eigen ist: gemeine allmeinden (d. h. die g. a.) unserer stätt sollen endlich (endgültig) und in allweg unverbawt bleiben .. es weren dann solche plätz und allmeinden vorhanden, die zu gemeinem nutz, zier und wolstand füglich zu überbawen. würtemb. bauordn. 1654 s. 24; an dem ort, da solcher newer baw an die gemeine allmeind, straszen und gassen stoszen wird. 23; die andern wasser in der obg. weitraichin sind dero von Loszpurg gemaine allmad, und wa ain frembd mensch darinn vischete u. s. w. weisth. 1, 393, schwarzwäldisch 16. jh.; darnach weiset man die Harte zu einer gemeinen alment. 459, der gemein (subst.) alment 458, unterhalb Mannheim. eigentlich ist darin dasselbe zweimal gesagt, denn almeinde ist eigentlich gleich gemeinde, gemeine (s. d. 2 als gemeindegrund), durch al verstärkt, wie denn noch mhd. auch algemeine (algemeinde) bestanden hat, schweiz. 16. jh. almeine weisth. 5, 211, s. unter almende (mit e aus ei durch massenhaften gebrauch), dazu aber mhd. wb. 21, 104, mlat. communitas, commune, s. weisth. 7, 315, wo auch die bequemeren und entstellten nebenformen gesammelt sind (alwende Schmidt gottesfreunde 36). ebenda nachweise für gemeine mark, gemeine weide, gemeiner wald, busch, gemeines wasser u. ähnl., die gewöhnlich unter almende verstanden werden, aber ebenso gut der gemeindegrund in städten, auch innerhalb der stadtmauer, wie die stellen oben zeigen, in mhd. zeit z. b. auch in Straszburg. auch gemeiner grund, als gemeine weide: die waiden, so auf gemainem grund wachsen, sollen allweg nach ostern unverbotten sein, es solle auch kain underthan mehrer vich auf die gemainen waiden schlagen, als u. s. w. österr. weisth. 1, 12, 37, gemainer bluembesuch genannt 329, 25. sprichw. mhd.: swelch wise (var. mate) ist gemeine, der gras ist gerne kleine. Freidank 120, 27. bemerkenswert auch gemeine steine, die marksteine des gemeindegebietes: wer uf den bornzargen (brunnenrändern) oder uf den gemeinen steinen waffen reibt (zum schärfen) und die verletzt, die straf ist iij schill. weisth. 2, 155. 3@c@bβ) gemeine gasse, strasze, gemeiner weg, via publica, gemeindeweg (vgl. unter a, α), schon im 14. jh. auch in gröszter allgemeinheit, wenn in einer urk. von kaiser Karl IV. die Elbe eine gemeine kaufstrasze, handelsstrasze heiszt Haltaus 1756: nachdem bisher in diser stat vil gepew beschehen ... und aber die pawhern ... ir horb (bauschutt) ... vor iren hewsern an der gemeinen gassen nider schüten u. s. w. (ergeht ein verbot dagegen). Nürnb. poliz. 279; alle fallthor abgestellet, ausgenommen vor den gemeinen gassen. weisth. 5, 270, wetterauisch; wo (wie) breit eine (d. h. die) gemeine heerstrate sin schülle? .. wo wit ein gemeiner kerkweg sin schülde? weisth. 4, 660; an gemeinen helwegen, likwegen, kerkwegen, voetpaden. 3, 131; wann jemand ein alt gebäw abbrechen und ein newen baw von grund auf führen will, der soll solchen nimmer (nicht mehr) mit weiten übelständigen ausstöszen aufbawen .. damit solcher baw den gemeinen gassen und platz ein zier und wohlstand seie. würtemb. bauordn. 1654 s. 26, es heiszt auch allmeindstraszen und gassen, darin man streng und täglich wandlet und gehet das., wie im 18. jh.: gemeine strasz oder gasse, da immer leuthe gehen, via regia, publica, praetoria, militaris. Kirsch cornuc. 2, 129b, vergl. gemein gleich 'frequent' Alberus unter b, δ. die gemeinen wege: und frt also (zur busze für den mord) ein strenges leben mit betten, fasten und arbeiten an den gemeinen wegen, da verwarf er die karrenleisen, trug in die tiefe löcher holz und stein .. bessert also die gemein straszen weit und breit. Wickram rollw. 130, 9; noch im 19. jh.: konsideriere besonders, Peter, dasz du (als notar) gott und dem kaiser geschworen, bei testamenten absonderlich derer hospitäler (zu gedenken) ... desgleichen gemeine wege befördern zu helfen. du weist, wie schlecht die wege ums dorf sind. J. Paul flegelj. 1804 1, 97 (werke 26, 66), noch ohne den artikel nach altem stil (s. 2, d, β. e, β). auch ein durchgang durch ein haus als gemeiner gang, in Nürnberg 14. jh.: eʒ ist auch .. erzeugt mit ainer erberen kuntschaft umbe deu dreu heuser .. umb den durhganc, daʒ der gemain ganc da durch gen sol durch ieclich haus eweiclich. Nürnb. pol. 288, nachher daʒ man solt haben (halten) allen liuten gemeinglich durchgang durch daʒ haus u. s. w. 290. 3@c@gγ) gemeine gebäu und einrichtungen aller art, auch von der stadtmauer, d. h. befestigung: die (bauherren) sollen gut aufsehen haben auf der stadt mauren und andere gemeine gebeude. Michelsen thür. rechtsd. 471; das nunfüro niemand .. einichen stain von gemainer statmaur .. nit abwerfen noch beschedigen sol. Nürnb. pol. 292; zimmer (bauholz) zu gemeinen pewen in der stat. Tucher baum. 71, 1; die gemeinen heimlichen gemach, die auf der Pegnitz sein, da die mann und frawen auf geen. 113, 24, abtritte zum öffentlichen gebrauch, gemein sowol von der stadt wegen angelegt als zum dienste des 'gemeinen manns' (d. h. aller); in der stat gemeinen schmelzhütten vor dem frauenthor. Nürnb. pol. 150, auch umgestellt in oder auszerhalb der gemelten gemeinen der stat smelzhütten 151, alles eigenthum der stadtgemeinde ward durch diesz gemein wie mit einem stempel versehen, der es sicherte und erhöhte (s. auch gemeine stat selbst u. f, γ). natürlich auch in dorfgemeinden, z. b.: it. gemein büw (bauten), rigel (schranken), werren (wehre), slege, tore, galgen und desglich sol die gemein buwen und in buw halten (nicht der herr). weisth. 4, 526. auch dinghaus, gefängnis u. a.: der borggreve sal .. in rechter dingestat binnen der stat muer, do das gemeine dinghus ist ... syn ding hegen. Magdeburger fragen s. 50; und worfen sie in das gemeine gefengnis. apost. gesch. 5, 18. gemein haus als spital und ähnl. (vergl.δ): wo ein solch stadlich regiment in stedten und landen ist, das man (für die kranken) gemeine heuser und spital kan halten. Luther 3, 394a, wie schon im 14. jh. vorweser eins gemeinen hausis, dôr man sîche leute in helt blume von Magdeburg 1, 160. gemeine schulen im 16. jahrh., z. b. Ickelsamer schrieb seine teutsche grammatica auch zu dem zweck, das mancher vater seine kinder dahaymen dadurch leret, das sy nit in gemainen öffenlichen schulen under den bösen kindern verderbt wurden. gramm. 10 (s. 7 Kohler), im j. 1544 erschienen gesänge für die gemeinen schulen von A. v. Bruck (Böhme altd. liederb. 663), und noch im 18. jh. eine gemeine schule, a common or public school Ludwig 733, städtische, öffentliche, auf gemeindekosten gehalten. 3@c@dδ) mit besonderem sinne das gemeine haus, von der gemeinde gebaut und unterhalten, um obdachlosen gemeindegliedern oder auch wanderern dach und fach zu geben (vgl. für kranke vorhin Luther), schon mhd.: etelîche sprechen, unser vrowe di lêge noch in deme gemeinen hûse, dô si unsen herren inne gebar, wan si alsô arm was daʒ si keine herberge gehaben mochte. myst. 1, 51, 12, wie mnd. Christus geboren an dem mênen hûse wb. 3, 63b, 36 und wie in einem hessischen geistlichen spiel des 15. jh. Joseph zur Maria sagt, da sie von den herbergswirten abgewiesen werden: so zehn mir (so) in das gemeine hus, da tribet uns nymant usz. weihnachtsspiel h. v. Piderit v. 139, vergl.das gemein hus Keisersberg bilg. 95a. aber auch für herberge im 14. jh., diversorium vulg.: und si gebar iren êrst gebornen sun (im stalle) .. wan ime was dâ keine stat nicht in dem gemeinen hûse. Beheims evang. Luc. 2, 7 (herberge in der hess. übers. Haupt 9, 298, auch Luther); wô ist daʒ gemeine hûs, dô ich di ôsteren eʒʒe mit mînen jungeren? Luc. 22, 11 (herberge Luther); auch in vocc. des 15. jh. diversorium ein gemein, nd. gemene hus Dief. 188a neben gasthus, auch ellentherberge. noch jetzt z. b. in Sachsen das gemeindehaus, armenhaus von dorfgemeinden, gewöhnlich vom dorfe abseits gelegen, wie ausgestoszen aus der gemeinde. so steigt da gemein zugleich zu niedrigstem sinne herab, das eigentlich sehr hoch, ja als höchster begriff über dem ganzen gemeinwesen schwebt. noch anders, gleichfalls von der sache schlimm gefärbt, gemeines haus lupanar Aler 891b u. a., schon mhd. gemein hûs Scherz 519, s. 2, i von gemeinen weibern. s. auch gemeinhaus. 3@c@eε) besonders bemerkenswert auch die gemeine landwehr, die das ganze gemeindegebiet umziehend sicherte (vgl. gemaine statmaur unter γ): ob nicht alle gemeine landwehren und knicke im ganzen gericht Lauenstein gelegen allein dem hause Lauenstein zu vorthetingen gehoren? weisth. 4, 649; de gohelüde fragen, wo fern man schülle bliven (beim pflügen) einer gemeinen landwehr? 659; ebenso fridengräben, wetterauisch: thet auch imant ichts ... an den gemein fridengreben und anderen desglichen .. das zu der gemeine vestigung gehort. 5, 267. zur sache s. landwehr, gebücke, knick (3). da tritt gemein in seinem begriffskern nach einer seite in schärfster ausbildung auf, nach auszen, reicht auch dem lat. communis die hand (s. 1, c), sodasz man diesem gebrauch das höchste alter zutrauen, ja ihn als die quelle des ganzen ansehen darf: gameini, gamains zuerst von denen, die sich, in gemeinde oder gau, ihre gemeinschaft durch eine solche schutzwehr sicherten, das gesicherte gemeine gebiet dann als gimeinida (gemeinde) bezeichnet, alem. verstärkt almeinde, almende (s. α). 3@dd) was alle angeht oder auch von allen ausgeht, was irgendwie gemeindesache ist; es entspricht in vielen fällen der heutigen zusammensetzung mit gemeinde, z. b. gemeine articul, alt herkommen und gerechtigkeit des dorfs. weisth. 6, 243, gemeindeartikel, gemeindeordnung. 3@d@aα) mhd. z. b. der gemeine market, der öffentliche, wo alle kaufen und verkaufen: sprichet aber jener, er habe eʒ (das angeblich gestohlene gut) gekoufet ûf dem gemeinen markte, er wiʒʒe aber niht von weme und beredet (beweist) er daʒ zen heiligen, er ist der diupheit unschuldic. Schwabensp. 268, 4, nach dem Sachsensp. II, 36, 4, nd. uppe dem gemênen markete (var. vrîen). dazu gemeiner kauf, der marktpreis (s.kauf 3): dies jahr hat das getreide zu gemeinem kauf gegolten ... Schweinichen 3, 153; und wer dahin (nach Constanz) .. kem, der hett herberg, essen und trinken, och alle sin notdurft in gemainem und gelichen kouf. Ulr. v. Richental chron. des Const. conc. 18, zu mäszigem, billigem (gelich) marktpreise; nach gemeinem lauf des kaufes. Garg. 197b (Sch. 305), vergl. u. kauf 1, b. was ist es im folgenden? in summa es wurden die leute aufgeredt, also dasz das bergwerk (alaunbergwerk) dahin kam, dasz ein kuckis 200 gülden (galt?), auch der gemeine kauf umb 180 thaler verkauft ward. Thurneisser alch. 1, 74. noch im 18. jh. gemeinen kaufs, öffentlich und wolfeil zu haben: es ist nichts so gemeinen kaufs gewesen als untreue advocaten, non quidquam publicae mercis tam venale fuit quam advocatorum perfidia. Weber 340b. 3@d@bβ) der begriff tritt recht deutlich heraus in gemeine zeitungen im 17. jh., nachrichten für alle, im gegensatz zu besonderen oder privatnachrichten über welthändel, die sich deutsche kaufhäuser schon im 16. jh. aus Italien u. s. w. regelmäszig kommen lieszen: Pragische, Leipzigische und andere gemeine zeitungen, so nennt sich eine sammlung aus der ersten zeit des 30jährigen krieges im Dresdner archiv, s. Opel im arch. f. gesch. d. d. buchhandels 3, 79; dieweil dann herzbruder aus den gemeinen zeitungen erfuhr, dasz es um den grafen von Götz wol stünde. Simpl. 2, 15, 23 Kz. (5, 3); gestalt dann die gemeine zeitungen unlängsten gemeldet, dasz zu Rom u. s. w. Schuppius 623. vergl. gemein machen, veröffentlichen b, ε. 3@d@gγ) die gemeine sache, angelegenheit die alle angeht (vergl. 5, i, β gemeine sache machen): es wird auch alhie ... eins jeden jahrs ... ein zender, die gemeine sachen und allen nothwendigen bann mit rath der herren ... zu regieren und zu verrichten, angestellet. luxemb. weisth. 255; die stärksten versicherungen ihres eifers für die gemeine sache. Wieland 20, 103, das gemeinwesen von Abdera; wenn einer oder der andere von uns .. sich von der gemeinen sache absondern sollte. Schiller Piccol. 4, 1; beim schiffbruch hilft der einzelne sich leichter. »so kalt verlaszt ihr die gemeine sache?« Tell 1, 3; jetzt sagt, was ihr im Unterwaldner land geschafft und für gemeine sach geworben. 2, 2, richtig im alten stil ohne den art. (s. 2, d, β). natürlich auch für gemeinschaftlich (s. 5), auf kleinere und kleinste gemeinschaften angewandt: es ist nun deine sache ... »es ist gemeine sache«. Göthe 11, 134 (scherz, list u. rache 1 a. e.). im 15. jh. gemeines fürnemen, unternehmung, angelegenheit u. ä.: nun haben wir (die deutschen kaufleute im deutschen kaufhaus zu Venedig) unser gemaine truchen, darinn all unser schriften gemainer fürnämen .. beschlossen. anz. d. germ. mus. 14, 334. 3@d@dδ) gemeine einkünfte u. ä.: das stedige gemeine innemen, das stedige gemeine uszgeben der stadt Mainz im 15. jh. aufgezählt, s. Mainzer chron. 1, 108 ff., stehende städtische einnahme und ausgabe; ihre wohlfahrt, ihre gemeinen einkünfte. Wieland 13, 106. von steuern: und sol der kosten ... auf uns (den kaiser) und alle stend in gemein geschlagen und ausgetheilt und von dem gemeinen anschlag, her nach gesetzt, genommen werden. reichsordn. 1539 71a, reichsabschied 1512; haben wir uns mit den stenden ... einer leidlichen ... gemeiner aufsatzung auf alle stend und underthanen des heiligen reichs ... vereinigt. 71b; so ist darauf ein zimlicher gemeiner anschlag auf churfürsten, fürsten und stend für guot angesehen und gemacht. 130b, reichsabsch. 1526. als im j. 1525 vor den bauern viel geistlichkeit und adel in den mauern der stadt Donauwörth schutz suchte, wurden diese zum unterhalt der menge herangezogen: hat ain ersamer rat zuo underhalt der gesoldten fremden knecht und zuo stillen die armen hungerigen burger ain gemain anlag geldt und traid under die, so zu inen von der gaistlichhait und adel geflochen wasen, gelegt, das sy dan alles geren theten. Baumann qu. z. gesch. des bauernkr. in Oberschw. 261, sie werden damit vorübergehend zur stadtgemeinde gezählt, das liegt in dem gemein. auch z. b. der gemeine rechentag, wo die gemeinderechnung abgelegt wird, luxemb. weisth. 258. 3@d@eε) gemeine freiheit u. ä.: Luthers lehre war der gemeinen freiheit günstig. Möser in Herders bl. f. d. art. u. kunst 177; sie hatten grosz ansehen im gemeinen regiment, publice valebant. Aler 892b, im städtischen oder staatswesen (vergl.das gemeine wesen a, δ); so ist noch jetzt unsre markverfassung. die wahren genossen setzen sich selbst ihr recht, der markrichter ... vollstreckt das urtheil mit gemeiner hülfe durch pfandung .. sie geschieht aber durch die mahlleute, welches gemeine männer sind ... die pfande werden unter gemeine verwahrung gestellt. Möser osnabr. gesch. 1, 14. 15; das gericht geht an, wenn der holzgraf ... die bank spannet, d. i. mit der hand eine spanne auf den gemeinen tisch, wobei man sich setzt, gemessen und dabei hand und mund (d. h. sie willkürlich zu brauchen) verboten hat. 17 u. s. w., so umspannte und durchdrang das wort alles leben und wesen der gemeinschaft und sammelte sie wie um ihren mittelpunkt um den begriff der einheit in der vielheit oder allheit (s. gemein und eins u. 5, a), der im folgenden noch deutlicher werden wird (s. besonders 4, c a. e., zu gemeine männer s. 6, a, β). auch z. b. gemeines gebot, das alle angeht, alle entbietet (s.gebot 6, a): unde gebieten dy ratmanne umb sulche geschicht ein gemeine gebot, das ein yderman zu dem rathuse komen sal. Magd. fr. s. 33; wenn ... die fünfmanne (vorsteher der tuchmacherzunft) nôch der menige (der zunft) geschicket .. ein gemein gebot zu haben. Scherz 483 aus Straszburg, eine allgemeine zunftversammlung zu halten; als aber die Griechen ... durch gmeines landsgebot gen Troja ausgezogen. Schaidenreiszer Odyss. 185b. ein gemeine zetergeschrei blume v. Magd. 1, 112, in das alle von der gemeinde, die es hörten, einstimmen muszten zur verfolgung des verbrechers. auch gemeines gericht weisth. 1, 285, gemeindegericht. 3@ee) besonders wenn so alle versammelt waren als gemeine, gewannen wort und begriff ihre ganze bedeutung und gewalt und werden sich eben dabei schon in der vorzeit entwickelt haben (vergl.gelten und geloben in ihrer entwickelung im versammlungsleben). 3@e@aα) die versammelten selbst wurden damit bezeichnet, um ihrer einheit in der vielheit oder allheit ausdruck zu geben (wie eben auch mit gemeinde, gemeine, s. dort 5, a, β), z. b. die gemeinen hofsmannen, das gemeine ding, gemeine gerichtsleute, d. h. die eingesessenen: dyt na geschreven sint alsulche rechten, als der scheffen in dem hof van Wampach al jair .. gewist hait .. und auch gelesen ist worden vur den gemeinen hofsmannen zo Wampach. luxemb. weisth. 725 (15. jh.); nachdem die hobsmeyer, scheffen und gemeine underthanen des hobs Ettelbrucken uf gemelten platz versamlet. 236 (ebenso franz. les communs eschevins 391, supplication des communs habitans du village de Cl. 420); folget was man den ingesessenen des gogerichts zu Bakenfelt auf gemeinem landgodink plecht vorzulesen. weisth. 3, 130; 'gemainer gerichtsleut meldung (rechtsöffnung)'. gemaine gerichtsleut offen und melden, nachdem hie in der Rauris ain freis landgericht ist u. s. w. österr. weisth. 1, 206, 7, gern so ohne art. (s. 2, d, β); nachdem der gemain (d. i. gemain'n) landschaft auf heut hieher geboten ist ... sprich ich (der richter) zu recht, das ain ieglicher, der dem pot (ladung) underworfen .. billich heut hie sei u. s. w. 242, 14, denn der begriff schlieszt im genauen sinne alle ein. daher auch mit ganz verstärkt, z. b. ganze gemeine zunft: do ward ouch ain ainhelligs maist und ain sacz gemacht under ganzer gemainer zunft also .. Mones zeitschr. 9, 393, aus Constanz vom j. 1413, ganz, d. h. wobei auch nicht einer fehlte (s. sp. 1290), was eben auch in gemein eigentlich enthalten ist (in allgemein nur verstärkt, s. 2, a), denn nur alle ohne ausnahme stellten eig. die gemeine dar, auch im rechtsleben, vergl. z. b., wie im Sachsensp. III, 36, 3 dem frohnboten das recht zugesprochen wird, bei der ladung zum ding in jedem dorfe éinen mann davon zu beurlauben (dasz er als hüter im dorfe blieb), so sehr war der begriff der allheit dabei maszgebend; daher altfries. geradezu thiu mêne mênte, die ganze gemeinde, thet mêne lond, das ganze land Richth. 919a. daher auch mit sing., wie bei ganz z. b. der ganze hübner, d. h. alle hübner versammelt zur einheit (sp. 1290), so auch bei gemein, z. b. schweiz. der gemeine kirchgenosz Tobler 103a, die versammelte pfarrgemeinde, nd. ein gemeine beeder des ordens S. Johanneses (s. u. gebietiger 2), die versammelten gebieter (zum unbest. art. s. u. a, δ); he toch darmede (mit den briefen) to Bergen, dat se dar gelesen worden vor deme gemenen kopman. lüb. chr. 2, 179 (wb. 2, 52b), vor der versammelten kaufmannsgilde; noch bei Adelung (2, b) de meene koopmann, die gesamte kaufmannschaft (auch meene borger, alle bürger). oberd. im 15. jh.: damit der gemeine kaufman ... sinen handel und gewerbe (ungestört) uf dem Rinstram haben möge. Mones zeitschr. 9, 38; die herrschaft hie (in Venedig), die das haus (das deutsche kaufhaus) gemainen kawflewten zuogeordnet hatt. anz. d. germ. mus. 14, 334, den deutschen kaufleuten dort als gemeine; auch im sing.: (vorschusz der regierung) das durch den gemain kawfman widerumb bezalt würdet. das., in einer eingabe der Augsburger dort an ihren rath vom j. 1474, unterzeichnet: von uns, ewern gemainen kauflüten ietz in dem Tütsch haws zu Venedig an der tafel sitzend. 338, d. i. zur beratung versammelt. daher auch in der schlacht von einer schar, schlachthaufen, der als geschlossenes ganze auftritt, zumal als gescharte landsmannschaft, wie in der schlacht bei Göllheim: die scharen wurden da gemacht von in zwein (den beiden gegnern) lant anʒ lant auch bracht .. der leise schier gesungen wart, si chômen schôn (in guter ordnung) dort her geschart gemein und alle gelîche. Liliencron 1, 14a, in 'gemeinen' und gleichen scharen, als geschlossenes ganze, wie sonst vor gericht, vor kaiser und reich u. ä. (vgl. gemeinde 6, b als heer). hier begreift sich auch Konrads v. Würzburg ausdruck nâch gemeinen sachen vom plur. wir in gottes munde: sît nû got unser trehtîn sprach nâch gemeinen sachen 'einen menschen suln wir machen'. Silv. 2947. d. h. in der form wie eine mehrheit (gemeine) spricht oder einer im namen einer versammlung. auch vom gehen zur versammlung: ze râte giengen si gemein und kâmen des al über ein .. Boner. 26, 11, es konnte auch heiszen ze gemeinem râte (s.γ). auch sonst vertreten sich ganz und gemein, z. b. dat gantse ampt (zunft) der schomakere und de gemeine selschup des scroderampts (schneiderzunft) Böhmert beitr. z. gesch. d. zunftw. 78, 81. 3@e@bβ) auch deutlicher gemeine versammlung, das heutige generalversammlung, wie gemeines concilium u. 2, d für generalconcil, vergl. vom reichstag als gemeiner versamlung u. g, α, gemein samlung von der kirche u. 2, d, α; vom schwäbischen bunde: das ein solchs nach gestalt der sachen bei gemainer versamlung des bunds zu erheben (vorzubringen) sein möcht. verh. über Th. v. Absberg 6; in gegenwertigkeit unser gemeinen versamlunge (rechnung abzulegen). Luther 2, 256a (s. u. f, ζ), von der pfarrgemeinde. ebenso gemeint ist: daʒ dieselben stete Worms und Spire dieselben ire zolle (auf dem Rhein) .. nit sollent nemen biʒ off die zyt, daʒ sie darumb fur den gemeynen bunt zu Swaben zu dem rechten (zur rechtlichen entscheidung) komment. Frankf. reichscorr. 1, 10, vom j. 1383; bit daruf die gesandten seine .. fürpitter bei seinen gnedigsten und gnedigen herrn, den gemeinen bundsstenden zu sein. Absberg 431, d. h. sie sind versammelt gedacht, die fürbitte soll bei der nächsten versammlung angebracht werden. ebenso gemeine stete, der städtebung in Franken und Schwaben im 14. jh.: in dem selben jar (1384), da etliche burger zu Nördlingen die juden ersluogen .. do kom der von Nördlingen botschaft für gemain stet gen Ulm und erzalt in, waʒ da an den juden geschehen wer. Nürnb. chron. 1, 161, 15, die versammlung der abgeordneten vertreter; eʒ stet auch in dem pundbrief, ob ein stat oder mer mit der andern ... stOeszig würde in unserm punde .. die solten für gemain stet komen, und wie gemain stet dann darumb auʒsprechen (sprächen), dabei sölt eʒ beleiben. 162, 14, versammelt gedacht; doch machten sie ain anderen tag (zur verhandlung) ... gen Ulm für gemein stet ... da ward es alles schlecht und gericht. Augsb. chron. 2, 29, 15, vergl. vorher wie erber ratspotten von 27 stetten nach Augsburg kamen. s. auch u. g, δ gemeine reichsstette. sofern sie berät, gemeinen rat hält (s.γ), heiszt eine versammlung auch selbst ein gemeiner rat (s. u. 2, d, γ im 15. jh. kirchlich für concilium generale), noch im 17. jh.: ich will mit danken kommen in den gemeinen rat der rechten wahren frommen u. s. w. P. Gerhardt 196 d. auch gebetet wird mit gemeiner stimme, wie abgestimmt, ein beschlusz gefaszt (s. u.γ): wenn sie (die anhänger Machmets) an dem firtag ir gebet volbringent, so habent sie ir hend gegen got uf und bittent all mit gemeiner stim rach über die cristenheit. Schiltberger 126. auch gemeiner tag, zur zusammenkunft und verhandlung: wærs auch, dasz ein mishellung, ansprach oder vordrung zwischen uns ... ufstan würden, daran sollen wir zu beiden theilen zu gemeinen tagen kommen gen Kerzers. Scherz 520, vertrag zwischen Freiburg und Biel im j. 1352. 3@e@gγ) in der gemeinen versammlung ward gemeiner rat oder ratschlag gepflogen, mit gemeinem rate beschlossen, ein gemeiner schlusz gefaszt, mit gemeiner stimme u. s. w.: mit gemeinem râtesô lieʒen si den strît. Nib. 217, 1. 92, 2; ze jungest kâmens über ein mit gemeinem râte, daʒ ir ein u. s. w. Boner. 70, 26; die râtgeben habent ab genomen mit gemeinem râte, daʒ man vor Gekinger tor an der houpthofstat nieman mêr houpten (enthaupten) sol. Augsburger stadtbuch s. 234; eʒ haben auch gesetzet unser herren der schulthaiʒ, der rât, die schepfen unde die genanten (vertreter der bürgerschaft) mit gemainem rât .. Nürnb. poliz. 31, 13. jh., alle städtischen gewalten zu gemeinschaftlicher beratung vereinigt; (die bauern) kamen also in ganzer gmein zuosammen und beschlussen in gemeinem rat, sy wolten sammenthaft für den junkern auf das schlosz gon u. s. w. Wickram rollw. 90, 11; ouch ward abgeredt, dasz si (die verschworenen vom Rütli) dise sach bi der eidsgelübd heimlich halten bis zu der zit, da si irn pund gemeinlich in allen dryen waltstetten zemal offenbaren weltind ... und ein gmeinen ratschlag miteinandern tgind (thäten), wann .. si die sach .. angrifen wellind. Tschudi 1, 236b; möcht es uszbrechen, ee man einichen gemeinen ratschlag geton hette. 237b, im gegensatz zu der privaten besprechung auf dem Rütli eine beratende versammlung der drei länder in rechter überlieferter form. ein beschlusz, gemeiner beschliesz einer (der) versamlunge Luther 2, 256a, geschieht mit gemeiner hand (franz. de main commune luxemb. weisth. 422), gemeiner stimme, gemeinem mute (vergl. gemeinmütig), gemeiner willeküre u. ä.: um helfe sprach die Walhe er an, wan ir des tages die hûte wêre, mit gemeinem mûte si versageten die helfe zu mâle. Ludwigs d. fr. kreuzfahrt 3957; was die râtmanne geloben mit einer gemeinen willekore ûf ire burger ... das sal man halden. Kulm. recht 1, 20, in den Magd. fragen s. 28 mit einer gemeinen volbort, zu geloben für beschlieszen s. dort 1, d (dazu gelubde beschlusz); das ... sich gebürt, das söllich ... gemain notturft (bedürfnisse) durch ainmütig gemein oder gemeret stimm gehalten werd. anz. d. germ. mus. 14, 334, klagschrift der Augsburger kaufleute im deutschen kaufhaus zu Venedig an den Augsb. rath vom j. 1474, gemeine stimme einstimmigkeit (noch jetzt franz. une commune voix), gemeret stimm abstimmung durch mehrheit; doch auch verbunden mit gemainer gemerter stimm das., mit gemainer gemerten stimm 337, wol einstimmig oder durch mehrheit, es muszte im massenhaften gebrauch zur formel geworden sein, bei der dann der sinn nicht mehr genau eingehalten wird; schenken und köch mit gemainer stimm erwelet 337, wol ebenso, ain gemain wal (der beamten) das.; hie meeret der weibel (liesz abstimmen) und ward mit gemeiner hand das meer, man sölte ... Utz Eckstein reichstag klost. 8, 848, was genau einstimmigkeit ausspricht (also mehr als nur ein mehr), auch gemeiner beifall genannt: als nun diesem vorschlag (im kriegsrat) ein gemeiner beifall geschehen. Zinkgref ap. (1653) 1, 28; der geläufige und gewiss alte ausdruck mochte aber dann auch auf beschlüsse durch mehrheit erstreckt sein, zumal in alter zeit jeder beschlusz überhaupt als einstimmig gedacht war. ebenso gemeines urteil, das urteil der gerichtsgemeinde, eig. einstimmiges: nach dem mol daʒ .. daʒ gemeine urteil geteilt (ertheilt) ist. blume von Magdeb. s. 77; forder ist gewiset, das man gemein urteil fragen mag allein am Petersgericht. weisth. 3, 589; mit gemainer urteil an das creuz verdamnet. Steinhöwel Es. (1555) 93. daher noch zu Adelungs zeit (2, b) in der geschäftssprache des reichskammergerichts ein gemeiner bescheid, 'ein in pleno verabredeter schlusz, wie es in gewissen fällen künftig gehalten werden soll'. auch auf kleine kreise, ja auf zwei angewandt: sie (beide) bschlussen mit gemeinem rath, ein jeder solt gehn in die stadt u. s. w. Waldis Es. II, 31, 23; zuletzt war ihr (beider) gemeiner, einhelliger schlusz, gott ihre sache in gedult heimzustellen. Simpl. 1, 199, 23 Kz. (2, 23). 3@e@dδ) der ausdruck, z. b. gemeine zunft, gemeines handwerk, eig. die zunftgenossen als gemeine beisammen, ward aber zur stehenden bezeichnung, auch auszer den versammlungen, da ja alle bedeutung und gewalt der gemeinschaften auf jene versammlungen zurück und von ihnen ausgieng. so im zunftwesen de gemeinen beckere, die bäckerzunft Bodemann die ält. zunfturk. der stadt Lüneburg (1883) 1, 1, gemeine amptbrodere 217, das gemeinem hantwerk ein pös gerüchte bringet Nürnb. poliz. 239, es handelt sich ja gewöhnlich um bestimmungen die von der zunft ausgehen, um forderungen die sie stellt, rechte die sie in anspruch nimmt u. ä., was denn die gedanken von selbst auf die vorstellung der versammelten zunft führte, jenes gemein gab der anführung des zunftnamens die kraft und ehre bei, die eben der geschlossenen gemeinschaft beiwohnte. so nun in vielseitigster anwendung, z. b.: es ist auch .. lut der ordnung gemainer aidgenoszen gesetzt ... weisth. 1, 245 u. o.; artikel gemeiner dry pünten, d. h. Graubündens, das aus drei bünden bestand, vom j. 1526. zeitschr. f. schweiz. recht n. f. 3, 270; a. 1633 ist gesetzet ... das in gmein drey pünden u. s. w. 291 u. o., auch wegen gmeiner landen zöllen 298, von gmeins punds wägen 265, von dem einen, dem sog. grauen bund, von gmains landes wegen von Lugnitz 245, von gmains tals wegen in Fals 246, die thalbewohner als gemeinde (auch die talleute); gemeine nachbarschaft. weisth. 4, 764, die dorfgemeinde; es sollen die gemeinen hofsleute den herbst (die weinlese) lassen acht tag zuvoren anzeigen. luxemb. weisth. 433, vergl. 429, wie sie zur versammlung einberufen erscheinen; wir sind all gytig (habgierig) miteinander, das wirt an gmeiner purschaft kund. Utz Eckstein reichstag, klost. 8, 829, die bauern als ganzes, als stand gedacht, mit hinblick auf den bauernkrieg, wo sie freilich als gemeine sichtbar geworden waren wie nie vorher. auch die gemain geistlikait z. b. in Regensburg städtechron. 15, 83, 16. 19. 86, 5, auch mit gröszter deutlichkeit ganzer und aller gemeiner gaistlikait hie zu R. 83, 11, sie hatten als gesamtheit einen streit mit der stadt, daher auch beide umfassend die gemain gaistlikait und stat hie zu R. 84, 33. auch gemaine universitet (Ingolstadt) Schmeller 2, 587, mnd. dat mêne studium wb. 3, 63b, die universität. 3@e@eε) dabei wird gemein, gemeine gern nachgestellt, z. b. diu kristenheit gemeine, wie sonst gemeine christenheit (2, d), ursprünglich gewiss als adj., dann aber wol immer mehr als adv. gefaszt (s. 10, vergl.alle gemeine, al gemeine u. 2, a): sich fröit al diu welt gemeine. Walther 52, 20; bit in, frouwe reine, umb die kristenheit gemeine. Freid. 13, 22; volkes kam dar vil gevarn allenthalben zû mit scharn, daʒ arme volc gemeine .. vil sich des zesamene las. Ebernand Heinr. u. Kunig. 3933, zur begleitung und verehrung der leiche der heiligen, die durchs land geführt wird; da schryen alle grosz und clain: sein (Christi) pluot sei über uns gemain! Hätzl. 303b, komme über uns alle, wie wir hier versammelt sind als gemeine; die bescheiden, weisen manne, die burger gemeine der stat ze Nrenberg. Nürnb. chron. 3, 335, 36, in einer urk. des burggrafen vom j. 1350; wy ratmannen, schepen, innigmeistere, borger gemeine der stad to Cerwist. Haupt 3, 231, Zerbster urk. v. 1391, vergl. die gemeinen bürger u. f, α; in dem liede oder spiel vom kranzsingen erklärt der singer der jungfrau, die im kreise der ortsjungfrauen den kranz als siegespreis aushält, indem er sich zum wettkampfe meldet: so will ichs (das kränzlein) von ewertwegen tragen, von ewertwegen nicht allein, von allen den junkfrewlin gemein, die das krenzlin hand machen lon. Uhland volksl. 10 (3, 4), d. i. die junkfrewlin gemein sind die ortsjungfrauen als geschlossene genossenschaft, als schwesterschaft, wie sie noch in Siebenbürgen bestehen (s. Fronius bilder aus d. bauernleben in Sieb. s. 53. 68. 246), als gemeine, daher auch jener hohe ausdruck auf sie angewandt, der sie zugleich als versammelt gegenwärtig bezeichnet. auch, wie oben diu kristenheit gemeine, so nhd.: nu freut euch, lieben christen gmein. Luther. ebenso übrigens nachgestellt gemeinlich (s. d., schon mhd.) und in gemein (s. gemeinde 4, e, γ), was denn mit der auffassung jenes gemein als adv. übereinkommt. 3@e@zζ) diesz nachgestellte oder nachgebrachte gemein für ganz, gänzlich war so geläufig, dasz es auch auf gegenstände übertragen ward, z. b.: (das Emser bad) pricht auch .. der plosen (blase) stein und treibt dʒ gris (die körner) hinweck gemein. Folz fastn. sp. 1260; jetzt seind die Türken also stark, das sie nit hant das mer allein, sunder die Thunaw ist ir gmein. Gödekes Gengenbach 302. die ganze (untere) Donau gehört ihnen oder gehört ihnen ganz, wie es auch mit ganz wirksamer heiszt. 3@e@hη) die versammelten müssen auch selbst gemeine geheiszen haben in bezug auf das, worüber sie sich geeinigt hatten, einstimmig, einmütig, aus der sprache des versammlungslebens; daraus erklärt sich ein mhd. gemeine, von den pfaffen bei Walther: ê daʒ was ir lêre bî (samt) den werken reine, nu sint si aber anders sô gemeine, daʒ wirs unrehte würken sehen, unrehte hœren sagen. 34, 29. auch das, worüber man sich geeinigt hatte, der gemeine schlusz (γ), wird zugleich einfach gemeine geheiszen haben, das blickt wol z. b. aus folgendem: schol die lere sein gemäin, so bis mit deinem leben gezäin (damit im einklang), wan des ler uns gar verdreust, der sich mit seiner zungen scheust (selbst verwundet). ring 28d, 11, soll deine lehre allgemeinen beifall finden. 3@ff) der begriff umspannte und durchdrang das ganze gemeindeleben. 3@f@aα) die bürger oder gemeindemitglieder wurden selbst als solche mit gemein bezeichnet, auch der einzelne (vergl. dazu 5, a uns oder mit uns gemeine, zu derselben gemeinschaft gehörig): belibe über daʒ gelt, darumbe er (der gemeindediener) diu pfant verkoufte ... sô sol er die übertiure (überschusz) des geltes legen hinz einem gemeinen piderben burger an Merân. Meraner stadtrecht 6 Haupt 6, 419, hinterlegen bei einem bürger der gemeinde, der ein biedermann ist; ouch sol der veiltrager in sînem gewalte niht behalten eʒʒendiu pfant, er sol diu heiʒen antworten hinz einem gemeinen gastgeber an Merân. das., der Meraner bürger ist; meldit (verrät) aber ein gemeine burger der stat heimlicheit adir rat (beschlusz). Magd. fr. 29, die er ja aus der versammlung der gemeinen burger wuszte. die gemeinen bürger u. ähnl., wie die bürger gemein u. e, ε: da (im jahre 1389) worden die juden zu Prage irslagen unde irmort von der stat unde von den gemeinen burgern da selbes. Limb. chron. 79, 8 W.; wir erbar manne, raht, viertelmeister, eltesten und gemeine einwohner der stad und dörfer eingepfarrter versamlunge und kirchspiels zu Leisnick. Leisniger pfarrordnung bei Luther 2, 250b. 253a; ein neu aufgenommener bürger musz schwören, den burgleuten, richter und gerichten, gemein burgerschaft (dat.) .. getrew, holt und gewarsam zu sein. lux. weisth. 253. noch im 18. jh. aus altstädtischem gebrauch von Wieland auf Abdera angewandt: alle über mein und dein unter den gemeinen bürgern entstandne händel. 20, 15 (Abd. 4, 3); bist du ein schatten oder ein esel, war immer die erste frage, die die gemeinen bürger an einander thaten, wenn sie sich auf der strasze oder in der schenke antrafen. 20, 52 (4, 7); dasz die gegenparthey durch nichts mehr bei der gemeinen bürgerschaft gewonnen habe, als durch den widerstand u. s. w. 20, 73 (4, 9), ein fall wo der in verfall gekommene ausdruck eigentlich unersetzt ist. es hiesz auch kurz die gemeinen (s. 11, b), s. auch der gemeine man 6, b. 3@f@bβ) der begriff wird recht deutlich in gemeine edelleute, d. h. die in einer gemeinde angesessen und darum vollberechtigte mitglieder sind: das (zum jährlichen flurbegang) .. gemeiner edelleut gter zuo Trochtelfingen auch zwen erwelt sollen werden. weisth. 6, 256, schwäb. 15. jh., es sind die edeln lüt die zuo tr. sitzen und feür und rauch da haben s. 250 (sonst sind gerade gemein und edel gegensätze, s. 6, c, α). selbst gemeine herren neben dem gemeinsman, den undertanen weisth. 2, 47. vergl.herren als gemeiner unter gemeinder 2, b. 3@f@gγ) auch gemeine stadt war lange der feierliche ausdruck, der die kraft und bedeutung der gesamtheit aussprach: wisen wir (die scheffen) unsen herren die hoeste wette .. unde der gemeinen stede zu Limburg ein frenz fuder wines. Limb. chron. 69, 14 W.; alles bei pusz zehen pfund newer haller, halb gemeiner stat und halb dem jenen (der beschädigt war). Nürnb. poliz. 28; der sol darumb gemeiner stat zu pusz verfallen sein und geben zweinzig pfund newer haller. 150; das dann (das kaufen des schlachtviehes auf borg) nit allein gemeinem hantwerk (den metzgern), sonder auch gemeiner stat .. schaden bringet, das deshalb destminder vihes zu der stat getriben wirdet. 239 u. o., immer so ohne artikel (s. 2, d, β); daʒ sie (die hauptleute) von allen iren knechten gelubde nemen (nähmen), daʒ er (der einzelne) einem erbern rat, seinem haubtman und gemeyner stat getrew, gewere und gehorsam sein wölle. Nürnb. chron. 4, 529, 30; die räte zu Freiberg haben angetragen, wie sie ine selbs und gemeiner stat zu gut (in der ratswahl eine änderung wünschen). Schott land- u. stadtr. 3, 94, vom j. 1498; sein brief kommen von margrafe Casimirus, die verlesen sein worden ainer gemayn (der gemeindeversammlung), in welchen er aim erbern rat und gemayner stat hilf und beistant zu tun angezaigt. Baumann qu. zur gesch. d. bauernkriegs aus Rotenburg 595; von gemainer stat Regenspurg wegen. städtechron. 15, 86, 6; der esel aber ... wurde bis zu austrag der sache in den marstall gemeiner stadt Abdera abgeführt. Wieland 20, 15; wenn das heil gemeiner stadt und republik auf dem spiele gestanden hätte. 18; an den hunden, welche zu Kynopolis heilig waren und auf gemeiner stadt unkosten unterhalten wurden. 6, 292. seltner mit artikel: so sal her das verbuszen mit der gemeinen stat kore (bestimmung). Magd. fragen 29, auch 30. 33 u. ö.; publicanus, der ein gemeinen zoll bestehet (pachtet) oder anders, das der gemeinen statt ist, umb ein genante summ erkauft. Dasyp. 198a (gemeiner zoll, städtischer oder staatszoll), auf Rom und die res publica übertragen. dazu dann gemeines statinsigel weisth. 5, 233 u. a. 3@f@dδ) wenn da der rat von gemeiner stat getrennt erscheint, wie etwas für sich (neben der gemeindeversammlung), hiesz es doch unter umständen auch gemeiner rat, sofern er die gemeine vertritt, zu ihr als haupt gehört: da entstont ein zweiunge zu Colne zuschen den scheffen unde dem gemeinen rade. Limb. chron. 87, 22 W.; wir burgermeister, scholtesse, scheffene unde der gemeyne rat zuo Limpurg. 141, 31; were ein gesworen radmann uf deme radhuse unde geschege denne unrechte sammenunge wedir den gemeinen rad unde trete denne der den ratmannen abe u. s. w. Magd. fragen 30, in einer hs. auch uf deme gemeinen radhuse. aus den vorbereitungen zum Costnitzer concil wird u. a. berichtet: dieselbig bottschaft (ein gesandter des königs) und och ain gemain raut machtend aber mit aller (schon anwesenden) herren raut ain ordnung, wär sach, das dehain stosz oder mishellung ufstnden zwüschen den von Costenz und den frömden u. s. w. Ulr. v. Richental chron. 33. 3@f@eε) auch die ämter und beamten der gemeinde wurden als solche einfach mit diesem gemein bezeichnet und erhielten dadurch ihre kraft und würde vor der gemeinde (wie jetzt mit städtisch und ähnlich): daher auch im gesetz Mose geboten ward, das man einem newen eheman muszte freiheit geben ein ganz jar ... und nicht in krieg ziehen oder gemeine ampt haben lassen. Luther 2, 295a; was gemeine personen sind, auf sold und lohn gedingt, als ein stadarzt, staddiener, söldener ... 3, 392b; darum hat Moses als eine gemeine person, so im öffentlichen amt war, begehret zu sehen gottes angesicht. tischr. 1, 94 (vgl. gemein gleich öffentlich a, γ). gemeiner diener, minister publicus Stieler 882, der gemeine hirte, knecht u. a., auch pfarrer, glöckner: nieman enmûʒ ouch sunderlichen hirten haben, dâr her deme gemeinen hirten sîn lôn mite geminnere. Sachsensp. II, 54, 2 (auch daʒ gemeine hertelôn blume von Magd. s. 135), im Schwabensp. 180 gemeiner und eigen hirte, vgl. weisth. 6, 248; man sol wiʒʒen, daʒ zwelf mäʒʒer hie zer stat suln sîn, die korn mäʒʒen .. si suln auch gemeine mäʒʒer sîn und suln auch eime ieglîchen man sîn schaf (scheffel) strîchen ... Augsb. stadtb. s. 51; der gemein knecht sol von einer (d. h. der) gemeinden oder dem merertheil der gemeinde gewelt und gesatzt werden. weisth. 6, 85, der gemein gelobt knecht 266, der gelobt knecht einer ganzen gemaind 263 (der ihr treue gelobt hat), franz. un commun sergent juré luxemb. weisth. 395 (aus dem deutschen übersetzt); gemeiner flurschütz. weisth. 6, 53; ain gemainer diener des deutschen kaufhauses in Venedig, gemain diener (plur.), unser gemain diener anz. d. germ. mus. 14, 336 fg.; fürter weist man gemeine leut (d. h. die gemeinde) ... zu halten ein gemeine pfarr, ein gemeine tauf, ein gemein pfarner, ein gemein klöckner, ein gemein schützen (flurschützen), ein gemein hirt. weisth. 4, 576 (14. jh., in abschrift des 16. jh.); man solt denn erst aus dem teütschen schuler ainen grammaticum machen und in leren alles was zu ainer teütschen orthographia, etymologia und sintaxi dienet, und das wer ser nutz sonderlich denen die etwa gemaine schreiber solten werden. Ickelsamer teutsche gramm. 61; so thue ich hiemit zu wissen jederman, das ich bei meiner .. appellation noch stehe und dieselbe rechtlicher weise für einem gemeinen schreiber und billichen zeugen verneuet hab. Luther 1, 352b, zugleich notarius publicus (s. a, γ). seltsam steht übrigens neben jenen gemeinen personen im gemeindedienst gemeiner mann, homo privatus Henisch 1485b, 34, privatperson (s. 6, a, γ), ein schlechter gemeiner man, der in keinem offendlichen stande noch beruf ist Scheräus sprachenschule 145, also auch der gerade gegensatz. 3@f@zζ) natürlich auch auf die pfarrgemeinde angewandt, gemeine pfarrkinder, gemeines pfarramt, pfarrherr u. s. w., s. unter ε gemeine pfarr, gemeine tauf u. s. w. aus weisth. 4, 576: daʒ bûchir, mesgewant und kelche und heilgtûm zû gemeinen gotis dînste gehôrt. blume v. Magd. 1, 106; aber latinisch müssen die gemeine pfarrherr und prediger können. Luther 5, 178a; welche güter ... wir eingepfarrte versamlunge, wes wir von wegen unsers gemeinen pfarrampts fugs und rechts daran hetten .. fürbehalten. Leisniger pfarrordn. von 1523 das. 2, 251a; die bestellung unsers gemeinen pfarrampts. 250b; alle sontage im jare ... sollen die zehen vorsteher in unserm gemeinen pfarrhofe ... beisammen sein u. s. w. 252a (womit er zugleich als gemeindegrund bezeichnet ist); dem gemeinen unsern berufenen, erwelten seelsorger oder pfarrherr. 253b; des gemeinen seelsorgenampts. das.; wir erstgenante gemeine eingepfarrte versamlunge. 251a; in gegenwertigkeit unser gemeinen versamlunge oder einer merklichen anzal und ausschusz (sollen die vorsteher rechnung ablegen). 256a, daneben ausdrücklich eine ganze gemeine eingepfarrte versamlunge das. (vgl. e, β), wie beratschlagt wird aus unser aller gemeinen bedenken (erwägung) das.; ob auch jemands aus gemeinem kirchspiel auf solche tage nicht gegenwertig sein künde. das.; zu welcher reparation (des chors der kirche) seien die gemeine pfarrkinder all das darzu notwendige gehölz in den gemeinden buschen zu nehmen .. schuldig. luxemb. weisth. 371, vorher die sametliche pfarrkinder, sie sind versammelt gedacht. auch die gemeine jugend in Luthers kleinem katechismus ist kirchlich gedacht, als jugend der pfarrgemeinde, in der haustafel etlicher sprüche im anhang, wo ein spruch bezeichnet wird der gemeinen jugend (s. 64a Harnack). vgl. gemein gebet 2, d a. e. 3@gg) aber auch gröszere, ja die gröszten verhältnisse wurden mit diesem gemein unter den begriff der gemeinde gestellt, vermutlich auch schon aus ältester zeit her. 3@g@aα) gemeiner reichstag war der feierliche ausdruck in der kaiserlichen und reichscanzlei: so haben wir churfürsten, fürsten und andere stend des reichs zu uns anfänglich gen Trier auf einen gemeynen reichstag erfordert und den nachvolgend aus treffenlichen beweglichen ursachen her gen Cöln verruckt. reichsordn. 1539 70a, vom j. 1512; nachdem römische keyserliche maiestat einen gemeynen reichstag und versamlung auf s. Michels tag im 1525. jar nechst verschienen gen Augsburg ausgeschrieben und verkündt. 130a (s. unter e, β gemeine versamlung); derwegen wir .. in vorhaben gestanden, ein gemeine reichs versamlung, wie es die hohe notturft erfordert, fürgehen zu lassen. reichsabschied von 1566 1b; gegenwürtigen gemeinen reichstag ausgeschrieben. 2b, es ist eigentlich die versammlung des ganzen reichs gemeint (s. e, α); wo sich begebe, das durch die röm. kais. maj. .. mitsambt gemeinen stenden des heil. röm. reichs uf einem gemeinen reichstag oder aber durch ein general oder national concilium mit der zeit ein gemaine enderung oder sonder ordnung von wegen mitleidens (d. h. theilnahme an den gemeindelasten) zwüschen gaistlichen und weltlichem stand gemacht wurde, so soll alsdann die gemain gaistlikait und stat hie zu Regenspurg derselben gemainen ordnung tailhaftig sein. städtechron. 15, 84 (vertrag von 1528), wo die kraft des wortes deutlich und vielseitig heraustritt. wie deutlich in gemein jener umfassendste begriff der alten zeit gegenwärtig war, zeigt z. b. auch, dasz die gemmula plebiscitum verdeutlicht mit ein gemein insetzung (Dief. 441c), nl. ghemeyn insettinge, hd. auch ein gemains recht (n. gl. 295a), also der römische staatsbegriff von plebs in seiner ganzen kraft und fülle durch gemein genügend ausgedrückt; s. dazu weiter unter γ. 3@g@bβ) auch die versammelten stände, als vertretung des reiches, erhielten das beiwort: abschiedt der röm. keys. maiestatt und gemeiner stendt auf dem reichstage zu Augspurg nennt sich der reichsabschied vom jahre 1566 auf dem titel, die stände als vertretung des ganzen reichs; wie vielfaltig und emsig beyde unsere nechste vorfarn am reich ... mit rath und zuthun gemeiner des heiligen reichs stende sich bearbeyt und beflieszen .. 3a; haben wir uns mit ihnen den gemeinen stenden und sie sich herwider mit uns verglichen, das .. 4a; römischer keys. maiestat und gemeyner stend des reichs aufsatzung und ordnung auf dem reichstag zu Trier und Cöln a. 1512 aufgericht. reichsordn. 1539 70a. franz. entspricht états généraux, danach nl. staeten generael, dann generalstaaten, eigentlich die versammelten stände in ihrer ganzheit. 3@g@gγ) gemein hiesz aber auch was das reich betraf, vom reichstag ausgieng für das reich u. dgl.: wir haben .. einen gemeynen landtfriden durch das heylig römisch reich und deutsche nation aufgericht und zu halten gebotten. reichsordn. 1539 16a, vom j. 1495; nach dem ... ein gemeiner religion und landtfried .. aufgericht, verabschiedt und beschlossen. reichsabsch. 1566 4a; an mehrbemeltem gemeinem reichsmüntz edict und ordnung. 39a. nun auch mit dem gelehrten general verstärkt (vergl.general concilium unter 2, d, γ): ein gemein general durchgehendt constitution und satzung. 39b. gemeiner pfenning, eine reichssteuer, zu Worms 1495 verfügt, s. reichsordn. 1539 24a ff.; (dem grafen) zwey tausent gulden von dem gemeynen pfenning gedeihen zu lassen. 50b; dasz die rom. keys. may. unser allergnedigister herr den gemeinen phennig gern hette. Frankf. reichsc. 2, 756. gemayne hendel, allain die oberkait (hoheit) und ere des heiligen reichs berurende. das. 478. auch das gemeine vaterland: nach dem wir (Maximilian II.) .. gemeiner christenheit, bevorab dem heiligen reich teutscher nation, dem gemeinen vatterlandt, zu aufnehmen, nutz und wolfart solche hohe dignitet und wirde auf uns genomen. reichsabsch. 1566 1a; was hast du dem gemeinen vaterland für grosze dienst gethan? Schuppius 84. auch gemeine nation, z. b. in einem kais. schreiben von 1487: in (ihnen) allen und gemayner teutscher nacion zu eren. Frankf. reichsc. 2, 478. das schlägt denn alles freilich zugleich in unser mehr kahl begriffliches allgemein oder gemeinsam ein, aber diese begriffe sind eben auf solchen wegen gewachsen und in ihrer wurzel aufzusuchen, wo denn anders als hier? 3@g@dδ) innerhalb des reiches nahmen besonders die reichsstädte das hohe wort auch für sich an, eigentlich wenn sie als bund für sich versammelt waren, dann auch nur gedacht als versammlung oder bund mit seiner kraft (s. e, δ): auf die zeit kamen auch gemain reichsstett gen Speir und kamen überain ains gemainen landsfrid, der da gemacht ward und bestet von kunig Wentzlaw und von andern fürsten und herrn und von gemainen reichsstetten. Augsb. chron. 2, 29 fg., d. h. der antrag geschah vom rheinischen städtebunde und erhielt die bestätigung der reichsstädte überhaupt (s. dazu das. 1, 74, 15), wie gemein öfter diesen begriff 'überhaupt' mit sich bringt einer vorhergehenden einzelnheit gegenüber; da samet sich (so sing.) gemain reichstett mit groszem volk ze Memingen und wolten die von Beurn rechen. 2, 38, 29, zugleich vom heer der bundesstädte, in dem sie im feld vertreten erscheinen; ein schreiben der boten gemainer richsstetten der verainung in Swaben, als wir uf dis zyt zu Munchen versampnot sind Frankf. reichsc. 2, 107; der yetz furgenomen reichstag zu Wurmbs, so noch vor augen und gemainen stetten vil und grosz an den sachen gelegen ist. 2, 747, es ist der schwäbische städtebund, vergl. unter e, β, ebenda derselbe bund als gemeine bundsstende, dem reichstag nachgemacht. s. auch aus Graubünden gemeine dry pünt u. ä. unter e, δ, auch gemeines land, gemeine eidgenoszen das. auch gemeine ritterschaft, z. b. Götz v. Berlichingen erbot sich in seiner fehde mit Nürnberg zum schiedspruche für etlich churfürsten und fürsten, auch .. für gemaine ritterschaft im land zu Franken (anz. des germ. mus. 1865 sp. 418), sie ist als stand versammelt gedacht. 3@g@eε) der begriff fand aber auch allgemeinere geltung, auch in herrengebieten, ländern, mhd. daʒ gemeine lant, z. b.: des selben frides wart daʒ gemain lant fro. Zürch. jahrb. 85, 7, das land als ganzes; disz sint unser, des gemeinen Schwarzwalds friheiten .. so wir, die waltlüt loblichen harbracht hand. weisth. 5, 225; darnach schwörent alle die, so ob vierzehen jaren sind, demselben unserm gnädigen herrn von Österreich und gemeinem land treuw und warheit, iren nutz und fromm zue fürdern. das. u. s. w. (vom j. 1484); gemeine landschaft österr. weisth. 1, 242, Schöpf tirol. id. 413; gemaine inwoner des hauses Bayrn Schmeller 2, 587, auch gemeine unterthanen (3, e, α) u. ä. 3@g@zζ) aber, was uns am fernsten liegt, auch die regierung selbst und der 'staatsdienst', das ganze staatswesen ward unter diesen begriff gestellt, als im dienste des lebendigen ganzen gedacht: gemeine regierung Schöpf a. a. o. aus ältern tir. staatsschriften, das gmein regiment inhaben und verwalten, gubernacula reipublicae tenere Maaler 236b; die lat. wendung wird 329d verdeutscht das regiment fren, den gemeinen nutz verwalten, das. gmein regiment, politia; man vergleiche nur diesz gemeine regiment mit gemeines volk (s. 6, c), um die allumfassende höhe, weite und gewalt des alten echt germanischen begriffes zu ahnen. daher auch gemeiner amptman (beamter), canzler, gemeine räthe in herrendienst: ieglich amptman ist ein gemeiner man und alles sin thuon und lon (lassen) des ampts halb sol nit anders wöllen dann nutz und heil der unterdanen, er soll gar nüt (nichts) personlich oder eigendlich handlen (s. eigen als gegensatz zu gemein 3, a, β). Schade sat. 3, 13, 32; hatte auch zu hülfe m. Günther des landes gemeinen cantzler. Luther 3, 32b; die gemeinen räht des herzogen auch solches erkennen theten. Galmy 322, sie sind damit begrifflich zugleich in den dienst des ganzen landes gestellt, diesz in der form einer gemeinschaft, gemeinde gedacht, also unserm staatscanzler, staatsrath sich nähernd. so wol mhd. eines königs mannen in gemeinem dienst, unserm staatsdienst ähnlich: der gemeiner dienest,den des küniges man künic Hetelen tâten,dâ von er gewan vor anderen degenenalsô michel êre, des volzôch vrou Hilde (that das beste dabei, krönte ihn). Gudr. 572, 1, nicht gemeinschaftlicher nur, auch so hingebender, über dem sie ihrer selbst vergaszen. und auch wenn ein erzbischof von Cöln sich des richs dissite des gebirges (der Alpen) gemeyn vicarius nennt (Laurent Aach. stadtr. 81, 13, im j. 1375), konnte das wol im begriffe allgemein, generalis mit anklingen. 44) denn der eigentliche begriff in seinem kern war ein wahrhaft hoher oder tiefer, von sittlicher höhe im schönsten sinn, gewiss schon in alter zeit dem wesentlichen nach entwickelt. 4@aa) uns tritt er am leichtesten nahe in einer wichtigen verwendung im rechtsleben, für unparteiisch, ein gemeiner man, der angerufen wird, zwischen streitenden vermittelnd zu entscheiden, das rechte zu sagen und zu setzen, das auch die streitenden als recht anerkennen oder als gemeine, wie es auch hiesz (s. e); z. b. in einem vertrag von 1385: daʒ dieselben, die sölch gelt schuldig sein, zwen erber man darzuo setzen sullen und deu stat .. auch zwen erber man .. und wie sich die vier .. auʒsprechen .. dabei sol es beleiben. wer aber, daʒ dieselben vier des nicht überein kumen möchten, so süllen sie sich eins gemainen mans mit einander vereinen, und wa sie sich des nicht verainen möchten, so süllen wir .. von der stet wegen (im namen des ganzen städtebundes) in einen gemainen man bescheiden und geben .. der uns dann dunkt allerredlichst zu sein. Nürnb. chron. 1, 117, 19. so ward in dem streit zwischen Zürich und den Eidgenossen im j. 1439 ein schiedsgericht vereinbart von je zwei männern von beiden parteien, wenn sich aber die nicht einigen könnten, sollten sie by iren gesworen eiden einen gemeynen man uszerthalbe der eidgenossenschaft in einer rychstat nemen, s. Augsb. chron. 2, 400; er heiszt daselbst auch kurz ein gemeiner (sein amt gemeinschaft): ob die viere in irem spruche nit eins und eines gemeinen notdurftig würden, ein zeichen, wie häufig und geläufig wort und sache waren. in einem streit der geistlichkeit und bürgerschaft in Tübingen im j. 1330 ward vereinbart: vier der korherren und vier der burger sullen die sach entscheiden. wer dechan da ze mal ze Ezzelingen ist, ein gemein man sol sin darüber. Schmid pfalzgrafen von Tübingen 132, er heiszt nachher auch der obman. auch gemeiner obman, z. b. in jenem Züricher streite: und also namen sie einen gemeinen obman, einen burger von Augspurg. Augsb. chron. 2, 401 anm. 4 (ein lat. chronist gibt es mit vir neutralis das. 402 anm.), auch gemeiner schidman (s. b a. e.). pluralisch gemeine obleute, im j. 1388: ob iht ubergrif geschehen zwischen den fursten und den steten, daʒ man daʒ uff gemain oblewt awʒ trag. Nürnb. chron. 1, 155, 33, nachher das. einfach gemain lewt (s. b). noch im 17. jh.: er wuste sich mit solcher list bei beiden theilen also zuzuspilen, das sie ihn als einen gemeinen mitler und schiedsmann erwählten. Butschky Patmos 917. dazu auch an gemeine hand thun, sequestrare Frisch 1, 656a, ein gut im namen der gemeinde mit beschlag belegen und einem gemeinen man anvertrauen. 4@bb) auch pluralisch, eigentlich dualisch, gemeine leute, wie vorhin gemeine obleute, d. h. von jeder seite einer, offenbar weil éiner für beide gemein oft gar zu schwer zu finden war: wir Eberhart von Hohenberg und Leopolt von Bebenburg, thumherren zu Wurzburg und zu Babenberg, gemeine lute von .. herrn Otten bischofe zu Wurzburg von einer syten und herrn Heinrich apt zu Fulde von der andern syten uber alle zweiunge, daran sich die viere schidlute .. zweieten in der sach, um glich und gemein zu machen lute, recht, gewalt und gut, die vor der Roen ligen. Haltaus 640 (vom j. 1343), lat. super-arbitri das. (das glich und gemein machen klärt sich u. 5, f, α auf); daʒ ein erkantnusse gee (von gemeinen obleuten) .. und daʒ sich die stet an rehte uff gemain lewt laszen bengen. Nürnb. chron. 1, 155, 13 (vgl. unter a), sich bei deren rechtsspruch beruhigen. auch lat., nach dem deutschen, communes personae (neben arbiter), s. Haltaus 639, persona media vel communis 651, dabei auch mit der merkwürdigen bezeichnung oder forderung qui duo debent esse una communis persona 639, dann sogar illi duo, qui sunt una persona communis 640 (vom jahre 1259), ein beleg weiter, wie die vorfahren die schärfste begrifflichkeit mit den einfachsten sprachmitteln auszusprechen wuszten: der éine gemeine man nun auch dargestellt durch zwei, die aber nur in der einheit ihren begriff erfüllten und als einer behandelt wurden. auch drei kommen vor, in dem bundesbrief des sog. grauen bundes in Graubünden vom j. 1424, wo dry erber gemain man gewählt werden, auch die gemainen schidlüt genannt, in der fassung von 1395 soll jedes der drei bundesglieder einen gemeinen schidman dazu geben, s. zeitschr. für schweiz. recht n. f. 3, 231 fg. 4@cc) aber gemeine leute ebenso auch wirklich pluralisch, von einer vielheit oder genauer allheit derer, die einer streitigen sache nahe stehen, ohne unmittelbar betheiligt zu sein, sodasz sie für die streitenden das über diesen stehende allgemeine rechtsbewusztsein vertreten und das recht finden, z. b.: das soll man usztragen mit freundschaft oder mit dem rechten uf gemeinen tagen und (var. oder) vor gemeinen leuten, und was also wurd uszgesprochen, dabei soll es bleiben. Haltaus 640, vom j. 1393; zu ervarne ir recht unde ir unrecht an wisen rittern und knechten und an gemeinen rechten luten. das., vom j. 1313, rechten, d. h. die ein ganzes und ungetrübtes rechtsbewusztsein haben, wie z. b. Eike v. Repgow das wort gern braucht; dafür auch gute, lat. coram bonis viris communibus (soll eine streitfrage entschieden werden) das. vom j. 1265. so ausdrücklich auch sonst gemeine liute als rechtsquelle, im einzelnen falle für den richter, wie im ganzen für den gesetzgeber: der rihter sol (musz) frâgen umbe ein ieglîche sache gemeine liute. daʒ meinen wir alsô, daʒ er niht bî dem êrsten frâge der liute mâge oder ir friunde. Schwabensp. 79, 3 (97 Laszb.); swer noch ze rehte rihten sol, der muoʒ gemeine liute urteilde frâgen. diu liebe rihtet selten wol, si sprichet iemer gên den vriunden baʒ und gên den mâgen. nu vrâget des gemeine wîse liute u. s. w. Hardegger MSH. 2, 136a; im ganzen: welcherhande recht hy bevore die gemeinen lute in selben saczten, das bestetigete der koning. Görlitzer landr. 32, 3 (Homeyers Sachsensp. II, 2, 183), in anderer fassung das. gleichbedeutend daʒ gemeine volc, d. h. das ganze als einheit gedacht (s. 3, e, auch 6, d, α), und als rechtsquelle, wie der glossator zum Ssp. I, 62, 7 es deutlich ausspricht als art des deutschen rechtes im gegensatz zum römischen, wo der richter das recht spreche: darumme heitet unse recht des volkes vragens recht, nach dem man das volk zu fragen hat, das gemeine volc, dessen einheit des rechtsbewusztseins, mit aufhebung aller besonderheiten, aber auch in éinem manne vertreten sein konnte, der eben darum gleichfalls gemeine hiesz, als vertreter der gemeine. vgl. auch die gemeinen leute, d. h. die gemeinde unter 6, a. 4@dd) diesz gemein wird auch noch besonders bestimmt als nicht verwandt oder nicht einer partei zugeneigt: möchte si (die verwaiste tochter) daʒ denne bewîsen ... mit zwen êrhaften beseʒʒenen mannen, die gemeine wêren und ir nicht besippe wêren, daʒ si ir vater mit sîme gûten willen und zu rechter ê ûʒ hette gegeben, sô behîlde si ... ir erbeteil. Freiberger stadtrecht 5, 4; wer da gült hie hat ... der soll (sie) forderen mit einem ambtman und mit zwen nachgebauweren, die sollent gemein sein, drei tag zu haus und zu hof. weisth. 5, 578; so spricht babst Gregorius, das concilium (in Constanz) sei berueft worden für ain gemains concilium, und das erfunde sich nit also an im (dem papste) selber, wann der künig sei auf ainen tail basz geneigt denn auf den andern. darumb wöll er nit kommen, der künig wer dann ain gemainer man (var. wolt aim als dem andern) auf alle tail und gestand dem rechten bei. Zink Augsb. chron. 62, 20; und welche also durch uns .. erwelt und gesezt werden .. die sollen .. aid zu gott und den heiligen sweren, unser yeglichem ainem als dem andern glich fürderlich und gemain zu sin (geschr. gemaind, s. dazu 12). Haltaus 640. die communes persone sollen communiter se tenere, neutram partem quomodolibet adiuvando 639, d. i. sich gemeinlîche halten, der arbiter soll ein mann sein qui utrique parti presumatur esse fautor equalis 640, eine positive begriffsbestimmung des gemeine. auch von städtischen beamten: darnach sol der rat gemeinlich vier erber unversprochen biderbe man kiesen zuo vier meistern der .. stat zuo Straʒburc .. die der stat zuo Str. beide riche und arme und der gemeine aller nützest, beste und gemeinest sint. Straszb. chron. 936, 29, am meisten nur an die gemeinde, an das gemeinwol, nicht an sich denken, was ebenda vorher ausgedrückt wird mit aller nützest, wegest und aller glichste. und wie ebenda ein gemeine gerihte verlangt wird, glich zuo rihtende dem armen alse dem richen, was eben in gemeine mit liegt, so sollte der richter gemeine, ein gemeiner rihter sein: der man sprach: 'ich wil gerne komen .. für einen rihter, der gemein sî'. des kâmens über ein. Boner. 71, 31. auch deutlicher, gehäuft gemein, gelîch und gerecht, wie die einungmeister und räte des Schwarzwalds (s. unter 3, g, ε) zu schwören hatten: iederman, dem armen als dem richten, gemein, gelich und gerecht ze sind nach ir besten verstäntnus. weisth. 5, 225; die von Ingersheim sollen under ine orden gesworn und undergenger, messer, steinsetzer, dorfmeister, schutzen, hirten .. die sollen globen und sweren, dem armen als dem reichen glich und gemein ... zu sin und zu handeln. 4, 526. und noch deutlicher gemacht mit glîche gunstig: geschît zwîvel den herren unde iren undirsôszen an brîfen .. dy dy herren gegeben hân, sô sal man .. vor den obirsten richter kommen, der dem herren unde ouch den undersêszen glîch gemeyne und glîche gunstig ein richter sei. Magdeburger fragen 39. so wird Rudolf von Habsburg gerühmt als ain schermer witib und waisen, guot und gemainer richter. Ottokar reimchr. c. 107, und wenn die rechtsbücher vom deutschen könig sagen: die koning is gemêne richtêre over al Ssp. III, 26, 1, der rômische künic ist gemeiner rihter über ieglîches menschen lîp und guot Schwab. 237, 1, so ist das zunächst allerdings allgemeiner, oberster, doch muszte darin wol auch jener höhere, höchste begriff des wortes der zeit mit anklingen, der könig als vertreter und hort des höchsten gemeinsinns im rechts- und staatsleben. in gemeinsinn, gemeinnützig lebt uns noch ein restchen jenes hohen, höchsten begriffes. 4@ee) auch recht und gesetz selber müssen gemeine sein, um zu sein was sie sein sollen. 4@e@aα) im rechtsleben: und sider wir .. von Inderlappen (Interlaken) üns bekennen, wie dis nüwe gesetzde unsern lüten .. götlicher und gemeiner sye, harumbe wir .. die egenanten gesetzde .. inen .. bestetigen. weisth. 1, 176 (götlich dienlich, s. gätlich). so mit dativ auch vom einzelnen, der einen rechtsspruch im nicht gemein fand: wenn man ain gericht hat zu Langslacht, ob denn ain mentsch bedüchte, das es mit urtail beschwert wurd oder im das recht nit gemain wer, so mag er das recht .. gen Petershusen ziehen (dorthin appellieren). weisth. 1, 246, gemein eigentlich beiden parteien oder allen gerecht, hier vom einzelnen für sich in anspruch genommen, da er ja auch zur gemeine gehört. auch ungemein, wie nicht gemein vorhin, z. b. in dem Graubündner bundesbrief von 1395, wo von dem bundesgericht der drei bundesglieder die rede ist, die ein recht von einanderen nemen sollen: ist das aber, dasz das recht (ein ergangner spruch) eintwederem teil ungemein wer, so sollent wir (die drei glieder) .. einen gemeinen schidman darzu geben .. die sach zu berichten mit der minnen u. s. w. zeitschr. für schweiz. recht n. f. 3, 231, oder die sache gemein oder glich und gemein zu machen, wie es mit der fränkischen urkunde von 1343 unter b heiszen könnte; altfranz. dreit deit estre comun et igual Littré 1, 689c. 4@e@bβ) daher auch als ausdruck für das gleiche recht aller betheiligten, z. b.: und auf diese meinung, sagen sie (die papisten) wird ein concili frey und allgemein oder general genent (dasz nämlich die entscheidung dem papst allein zustehe), und nicht darumb, dasz einem jeden frey, gemein und erlaubt sein solle, seine meinung vorzutragen oder etwas zu beschlieszen. Fischart bien. 1588 41a (int gemeyne vrij Marnix 32a). 4@e@gγ) auch im spiel, in bezug auf die spielbedingungen für beide gegner. ein gemeineʒ spil Gotfr. v. Neifen 4, 10, wo jedem sein rechtes theil wird (ein gelîche geteilteʒ spil), wie umgekehrt ungemeiner strît MSH. 1, 109b, mit ungleichen waffen u. ähnl. (auf minne angewandt wie jenes). 4@ff) aber auch im leben überhaupt war diesz gemein als äuszerung von gemeinsinn ein hohes oder das höchste lob des mannes, wie es sich im alten gemeindeleben entwickelt hatte: mit selbstvergessenheit dem ganzen dienend, sich mit hingebung ans ganze anschlieszend. so mhd.: waʒ ist guot? daʒ sich gemeinet (dem ganzen dient). den heiʒen wir einen guoten menschen, der gemeine unde nütze ist. darumbe sprichet ein meister, ein einsidel sî weder guot noch bœse, wan er niht gemeine noch den liuten nütze ist. got ist daʒ aller gemeineste u. s. w. Eckhart 269, 21 ff. ebenso, wenn Jason als muster eines fürsten gepriesen wird u. a.: er was zû gote reine, dem folke gar gemeine, den armen zû gebene, sînen gelîchen ebene u. s. w. Herbort 136, mit dativ, wie noch im 16. jh.: der (könig) redet mit jederman, er was jederman gemeyn, er redet mit den kinden auf der gasse. Pauli sch. u. e. nr. 30, sich jedem gleich stellend oder allen gleich zu diensten; were dich nicht, so er (ein gewaltiger) dir etwas befilhet, aber verlasz dich nicht drauf das er dir seer gemein ist. Sir. 13, 14, vertraut im umgange. im 18. jh.: der so fein gemein thut, popularis, plebicola, communis omnibus Weber 340a (vgl. gemeinschaft 1, c für popularität). aber auch noch im besten ursprünglichen sinne: vor diesem war ein mann, der rühmlich wollte sein, erhaben (urspr. erhoben) am verstand, in seinem thun gemein, dem vaterlande treu, der gottheit ehrerbietig, auch gegen grosze steif, auch mit geringen gütig. Haller 143 (103 Hirz., der mann nach der welt 23), nicht von einem groszen dem stande, sondern dem geiste nach, der obschon die andern an geist überragend doch im handeln und leben sich den andern, dem ganzen, der gemeine einreiht und zu diensten gibt, und diesz auch als der weg zum wahren ruhm und grösze, was sich Göthe mit gleichgewicht (des ganzen) ausdrückte in folgender weise: wer ist der edlere mann in jedem stande? der stets sich neiget zum gleichgewicht, was er auch habe voraus. 1, 402 (jahreszeiten, herbst). 4@gg) diese hingebung ist denn auch der eigentliche sinn des gemein für herablassend (das ist nur éine seite des ganzen begriffes), mit dem noch das volk hohe herren lobt, durch ganz Deutschland gebräuchlich und weiter, z. b. bair.: unser küni is afer e recht e gemaener herr! sagt der landmann der von München heimkehrt, wo er froher zeuge gewesen von dem leutseligen benehmen seines fürsten (Ludwig I.), das durch die höflinge hindurch bis zum gemeinen manne dringt und ihn erquickt und erhebt. Schmeller 2, 587; tirol. populär, mit jedermann freundlich Schöpf 413, nassauisch leutselig, gefällig Kehrein 158, schweiz. nebst zeitwort gmeinen, freundlich, herablassend werden, er hat gemeinet, ist nicht mehr so hochtrabend wie ehedem, ist jetzt viel geselliger im umgange Stalder 2, 206, also nicht blosz von groszen, auch von leuten aus der gemeinde selber. ebenso niederd., z. b. westf. en fründlik gemäin man von Bernadotte Fromm. 2, 94, pomm. gemeen nicht vornehm Dähnert 149a, ostfries. populär, der groszen menge gemäsz Stürenb. 68a. auch dänisch in mundarten gemeen Molbech dial. 158, in schwedischen gemen, gemajn Rietz 189b, d. h. entlehnt. sehr bemerkenswert ist, dasz auch bei lat. communis und griech. κοινός derselbe sinn entwickelt war, wie Anton in seiner sammlung oberlaus. wörter 18, 7 fg. ausführt, wenn z. b. kaiser Theodosius gerühmt wird als communis cunctis, Atticus als communis infimis, par principibus Nep. Att. 3, Trajan getadelt als nimis circa omnes communis, gr. κοινὸς καὶ φιλάνθρωπος Demosth. de cor. 81, im rechtsleben ἴσος καὶ κοινὸς ἀμφοτέροις ἀκροατής das. 227, also wie unser gleich und gemein (s. b) für beide parteien, s. auch das communis bei Cic. ad div. 4, 9, sich andern mittheilend und ihren rat suchend: die gleichen verhältnisse an verschiedenen orten haben da gleichen keim und gleiche blüthe getrieben. 4@hh) dazu sich gemein machen, freilich nun im werte heruntergekommen, wie gemein selber in der gemeine mann u. ähnl. (s. 6). im 16. jh. noch mit dativ (s. f) und im besten sinne, von vertrautem umgang (s. dazu 5, b) und hingebender gesinnung: darumb mach dich nur dem gemein, des sinn mit dir stimbt überein. Waldis Es. II, 59, 21, vorher freundschaft machen genannt; das weisz ich je wol, wie ich teglich ... verwarnet werde, ich sol mich nicht so gemein jederman machen, und schelten meinen allzu nidergelaszen geist (der 'sich niederläszt'), als der jederman sich auch mit gefahr des lebens dargibt, hat auch niemand mir einen hochmütigen geist geben denn allein Emser ... Luther 1, 363a (nachher auch hochtragender geist), nicht vom umgang blosz, woran wir jetzt dabei allein denken, sondern vom ganzen leben und streben, wie unter f noch bei Haller. doch auch schon vom umgang: mache dich nicht zu gemein, scherze nicht zu frech. Mathes. Syr. 1, 57b, wo doch nicht vor dem sich gemein machen gewarnt wird im heutigen sinne, sondern vor dem zu gemein, wie bei Maaler 167b einer der sich vil zuo gemein machet und sein ansähen nit behalt (behauptet), communis et remissus vir, bei Aler 891a sich gar zu gemein machen, bei Henisch 1485 sich vil zu gemein machen, nimis familiarem se facere, doch auch schon (vgl. nachher Kant 5, 310): wo man sich macht gemein, da wirdt die freundschaft klein. das. später mit mit statt des dat., d. h. nun an den begriff gemeinschaft (s. 5) angelehnt: fürchtest du, es werde dir bei nachkommenen eine schande sein, dasz du dich so gemein mit uns gemacht habest. Opitz 1, vorr. 3a; er (Johannes der täufer) führete ein eingezogen leben, er blieb für sich und machte sich auszerhalb seinem ampt und beruf mit niemand gemein. Schuppius 308, noch gar nicht in üblem sinne; es ist unter ihrer (der regierung) würde, sich mit dem volke gemein zu machen. Kant 1, 214, gleichfalls noch anders als jetzt, mehr gleich: in dem volke aufzugehen mit gemeinschaft, vergl. im 16. jh.: sich vil zuo gemein machen, vulgari cum privatis, wenn ein oberkeit sich gegen dem gemeinen volk (s. 6, d) zevast demtiget und ernideret. Maaler 167b; auch die besten freunde sollen sich unter einander nicht gemein machen. Kant 5, 310, wol: einander nicht gar zu nahe treten; kurz, ich verbiete dir hiermit (ein pachter seiner tochter), dich mit ihm gemein zu machen, verstehst du? Weisze kom. op. 3, 168, d. h. mit dem gnädigen herrn, noch nichts weiter als: auf seinen nahen umgang einzugehen, also in der färbung eher umgekehrt als heutzutage; gnädige mama hatte ihm von kindesbeinen an viel zu scharf eingepräget, er sei ein kavalier und der müsse sich mit keinem bürgerlichen gemein machen (gemein machen hiesz bei der seligen frau so viel als freundlich ansehen und höflich reden). Siegfr. v. Lindenberg 1, 90, d. h. die selige frau hatte noch ganz den alten sinn der wendung; es ist mir bisher unbegreiflich gewesen, wie sie sich mit solchem volke haben gemein machen können. Göthe 18, 312 (lehrj. 3, 11), Wilhelm mit der gesellschaft des harfenspielers und der Mignon, also mit der heutigen färbung, die aber durch die umstände dazu kommt, noch nicht aus der wendung selber, die nun einmal jetzt von der farbe des heruntergekommensten gemein angenommen hat. 55) von gemeinschaft aller art, wie sie die natürliche folge oder forderung alles lebens in form einer gemeine war (gemeine hand bawet alle land Henisch 1485, 22), aber auch erstreckt auf alle gemeinschaft überhaupt, auch nur zwischen zweien (vgl. dazu u. d). 5@aa) ursprünglich auch von menschen als gliedern einer gemeinschaft, während wir es nun blosz noch auf dinge im gemeinbesitz u. ä. beziehen (s. f), d. h. wie im gemeindeleben die gemeinen bürger und auch ein gemeiner bürger (3, f, α), so bei Otfried Christus als man mit uns gimeini, mensch wie wir, mit uns zur menschheit als gemeine gedacht gehörend (gewiss aus der sprache des gemeindelebens): thô santa got giwârangomon filu mâran, man mit uns gimeinan,sînan drût einan. II, 2, 2; er (Christus) samenôt unser mennischait an sich zuo dîner gothait, daʒ wir sîn mit im gemaine, als er ist (d. h. gemaine) mit dir alaine. Müllenh. u. Scherer denkm. 46, 19. sonst wieder mit dat. (wie 4, d. f. h, s. auch 7, g), die glieder einer gemeinschaft sind einander gemein, der einzelne ist uns oder mir gemein oder nicht gemein, ungemein, gehört nicht zu uns, ist nicht von unserer gesellschaft u. ä., wie z. b. schlemmer, die sich als orden stiften, sangen: die karteuser sind uns ungemein, sie essen kein fleisch und wir kein bein. Uhland volksl. 575 (210, 7), wir 'haben nichts mit den k. gemein', wie das jetzt heiszt, ohne doch die lebendige einheit ausdrücken zu können, die in der alten persönlichen wendung lag. diese tritt recht deutlich hervor in anwendung auf die dreieinheit in gott, wenn es vom heiligen geiste heiszt: dem vatter und dem sun bist gmein, in dir komment sy überein, du bist ir ewigs bande. Ambr. Blaarer gsang uf den pfingstag, nicht blosz gemeinschaftlich eigen, wie uns das jetzt klingt nach f. die alte vorstellung faszt Luther recht sinnenfällig, wenn er die innerste einheit der gemeinde oder der menschheit, die das sacrament des altars herstellen soll, im anschlusz an das brot als einen kuchen darstellt (s. dort 2, d): ir habt zwo frücht von dem heiligen sacrament. eine ist, das es uns machet brüder und miterben des herrn Christi, also, das aus im und uns werde éin kuche. die ander, das wir auch gemein und eins werden mit allen andern leuten auf erden, und auch alle éin kuche. 3, 159a, zu dem verstärkten gemein und eins (bei Fischart u. f, ζ vom gemeinschaftlichen besitz) vergl. in gemein und in ein unter gemeinde 4, e, ε, einung und gemeine das. 3, d, β. es ist damit geradezu eine innerste wirkliche wesenseinheit gedacht, wie sie in einem gemeinleben sich als gemeinsinn aller wie des einzelnen äuszern soll (s. c). vergl. auch gemeinschaft der heiligen u. ä. und gemeine sîn, mit der welt leben unter d. 5@bb) daher auch uns oder mir oder mit mir gemein für vertraut oder wolbekannt, eig. aus dem gemeinleben, familiaris: dann die jungfraw, so ihn herein geleitet, uns ganz wol erkannt und gemein ist. Amadis 6, 89; davon ward ich zimlich gemein mit ihm (es ist ein adelicher). Simpl. 1, 361, 13 Kz. (4, 2), wie noch im 18. jh. mit einem gemein sein, aliquo uti familiariter Aler 891a; dazu sich gemein machen mit jemand (vgl. 4, h): zuletzt machte ich mich gar gemein, weil mir ... von den eltern zugemuthet ward, ich solte ihre tochter auf der laute lernen schlagen. Simpl. 1, 333, 11 (3, 21), von vertraulicher annäherung; mhd. z. b. von einem riesen, der sich zum christenthum neigt (d. h. der culturwelt nähert): Witolt vorhte den heilant, des wart er over alle die lant gemeine sît den recken. Rother 4424, sie pflogen umgang mit ihm, nahmen ihn wie ihrer einen auf. das musz sehr gebraucht gewesen sein, sodasz es auch auf dinge und geistige vertrautheit mit etwas angewandt wird: meid märle (geschichten), die man sagt und list, darinnen ler der schanden ist. des gwarn ich weib und junkfraw rain, den sölche übung ist gemain. Schwarzenberg 124b; da ich jung war, gewöhnet ich mich zur biblia, lase dieselbe oftmals und machete mir den text gemein. Luther tischr. 1, 76; dieselbigen sprüche, so sie im ein knabe mit vielem recitiren gemeine macht .. Mich. Neander bedenken 23; weil sie im von jugend auf gemein, i. e. usu trita, gewöhnlich. das. (usus umgang); redet ir (der frau) täglich die gute sprüch und lehren dermaszen holdselig und oftmals ein, das dieselbige ihren nicht allein gemeyn, sondern ihnen nachzukommen auch angenem werden. Fischart ehz. 75 (468 Sch.), bei Plutarch φίλους αὐτῇ ποιῶν καὶ ἀρίστους, also gemein gleich φίλος, deutlich vom umgang mit genossen entnommen (vgl. schon ahd. gimein carum Graff 2, 782); auch mit wolgefällig verbunden: dasjenige, so dem andern am anmütigsten, auch iren (sich) gemeyn und wolgefällig machen. das. 64 (458); ihm etwas gemein und läufig machen, sibi aliquid familiare facere. Henisch 1485; sehet für allen dingen, dasz ihr dem herrn, dem ihr dienen werdet, die impression machet, dasz ihr wol wisset das einmal ein, dasz euch alle rechnung gemein. Schuppius 30. auch von thieren: also halt in (den habicht), bis dasz im das luder (lockspeise) gemein worden. Heuslin Gesners vogelb. 128a (bis er des luders gewohnt ist Horst 255). daher auch ungemeine, entfremdet: die werlt und ir wollust die wart ie lenger ie mê vil ungemeiner in dan ê. pass. K. 426, 98. 5@cc) von allerlei äuszerung oder bewährung des gemeinsinnes, der einzelne sollte gemeine sein in allem thun und lassen, z. b. in gemeinnützigem mittheilen des seinen, mit gen., des sînen gemeine mhd., in dem gereimten vorwort zur sächsischen weltchronik unter den höchsten mannestugenden: swer .. den rehten gelouven hât unde die armen (geringen) niht versmât unde iegelîchem man sînes rehten guodes gan unde des sînen ist gemeine, der hât ein levent reine unde mac sicherlîche gân vor sînen scheffêre (schöpfer) stân. deutsche chron. II, 65a. wieder auch mit dat. (s. a), den liuten gemeine sîn mit helfen, zwei burggrafen von Magdeburg werden auf dem kreuzzuge gerühmt u. a. als ires lebenes reine, den lûten doch gimeine an helfe mit ir gûte. Ludwigs des frommen kreuzfahrt 1243. man forderte die genossen zum mittheilen auf mit den worten sît gemeine, z. b. auf einer wallfahrt von wolf, fuchs und rind zur sündenbüszung nach Rom: dô sprach der wolf: nu sît gemein und bîhte ie einr den andern zwein daʒ grœste daʒ er habe getân. J. Grimm Reinh. fuchs 393. noch im 16. jahrh. gemein sein mit etwas, es allen mittheilen: manch voller narr der würt betaybt, der seinem weib vergunt und glaybt, das sy mit küssen sey gemayn, bei fremden schlaf, bleib keüsch und rain. Schwarzenberg 133a, dazu sich gemein machen (vergl. 4, h): aber du verlieszest dich auf deine schöne ... also, das du dich einem iglichen, wer fur uber gieng, gemein machtest und thetest seinen willen. Ezech. 16, 15, vergl. so vom leib u. f, ε und gemeines weib 2, i. auch von sinn, gesinnung, wollen und streben, besonders deutlich in ungemeine, wenn z. b. Hartmann gegen seine vrouwe die klage erhebt, wie übel sie seiner hingebung begegnet: diu mir fröude gar enban (misgönnt): diu sippe ist ungemeine! erstes büchl. 1750, ihr verhältnis im bilde der sippe gefaszt, die vor allem gemeine sein muszte in denken und thun. so von fürsten auf einem misglückten kreuzzuge: die wâren ungemeine und lebeten in zwitracht, dô si di heidinschaft anvacht. Jerosghin 21893. es musz auch von gemeinem sinn viel die rede gewesen sein, daher dann gemeinsinn, gegensatz eigensinn, eigentlich eigner sinn, der sich nicht an das ganze anschlieszen mag, sondern sich und seine welt für sich allein sucht (s. gemein und eigen u. 3, a, β). 5@dd) dazu dann gemeines leben u. ähnl., in innerer und äuszerer gemeinschaft und einheit (vgl. gemein und eins werden unter a Luther), 5@d@aα) z. b. von liebenden: ir leben was vil gemeine dô, si wâren mit einander frô und hôhten ir gemüete mit vil gemeiner güete. Tristan 1361. wie gemeine güete, die sich immer mittheilt, so gemeiner wille, gemeines liep und leit u. a.: dô si begriffen (erreichten) daʒ zil gemeines willen under in. Trist. 12367; gemeine liep daʒ dunket mich gemeine leit. Walther 71, 16; wer hæte ouch dise beide von dem gemeinen leide vereinet unde bescheiden, wan einunge an in beiden? Trist. 12176; daher dort ungemeine leit, wo die gemeinschaft und einheit fehlt: sus triben si zwei die stunde hin mit ungemeinem leide .. ir minne und ir meine die wâren ungemeine, sine giengen dô niht in dem trite gemeiner liebe ein ander mite. Trist. 19301 ff. bemerkenswert ist dabei, wie diese anwendung auf blosz zwei auch richtig als eine beschränkung des eigentlichen sinnes gefühlt wurde, der ja genau genommen alle einschlosz (in der gemeinde, der sippe u. a.), sodasz der engere sinn auch neu bestimmt wird: minne entouc niht eine, si sol sîn gemeine, sô (in der weise) gemeine daʒ si gê dur zwei herze und dur dekeineʒ mê. Walther 51, 10. vergl. gemeinschaft 3, c von liebe und ehe. 5@d@bβ) gemeines leben aber auch von gröszerer gemeinschaft, die beginen nannten ihr leben so, sich selbst auch schwestern oder frauen vom gemeinen leben, in äuszerer und innerer gemeinschaft und einheit; dazu gemeine frowen, beginen, z. b.: sic erhôf ôc (um 1237) dat dridde levent, dat wâren gemêne vrowen. sächs. weltchron. 252, 21 (deutsche chron. 2. bd.); s. auch Murner unter gemeinde 6, e, auf wirkliche klosterfrauen angewandt, wie Heinr. v. Nördlingen der Marg. Ebner schreibt: durch alle träu bit ich dich, das du got und auch alle die frawen (klosterfrauen), der herz got dar zu naiget, bitten wellist ... das si ain gemains leben an fahen wellent. Strauch Marg. Ebner und H. v. Nördl. 203. ebenso gemein leben im kloster: gar wenig sind ietzund der frowen, die dise gschicht mit flisz anschowen und lernten von Maria rein, wie man lebt im kloster gemein. Murner narrenbeschw. 39, 48; vergl. die gottesfreunde in einer gemeinen gesellschaft lebend Schmidt gottesfr. 96, nicht blosz äuszerlich, auch von gemeinsinn und liebe. hierher auch die fratres de communi vita, brüder vom gemeinen leben. den hohen begriff in höchster fassung verzeichnet der voc. theut. 1482: gemeines leben gen got und den menschen, preceptum morale. l iija, aus dem gemeindeleben übertragen auf das leben im weitesten und höchsten sinne, aus den kreisen der mystik. 5@d@gγ) anders und doch auch noch im alten begriffe gemeines leben der natur, in mystischer naturphilosophie, das allleben der natur als éins gedacht im gegensatz zu dem besondern und einzelleben des menschengeistes: die menschen nemen iren geist und leben on mittel von got und nit von diser weld, wie die unvernüftigen tier, dieselben haben kain besondern geist noch leben, deshalb bleibt nach irem sterben ir leben in gemainem leben der natur, wie das wasser im möre. aber der mensch hat ainn besondern geist, derselb hat ain besonder natürlich leben u. s. w. Berth. v. Chiemsee 28, 14. man sieht wol, wie der begriff sich zugleich zu dem von allgemein ausweiten konnte (s. 2, bes. u. h) und zugleich nach der andern seite zu dem von gemeinsam, gemeinschaftlich bestimmen, wie wir nun deutlicher sagen (obwol diesen die innerlichkeit verloren ist, die das alte einfache wort zugleich hatte), und alles aus dem alten gemeinleben der gemeine natürlich entwickelt. 5@ee) auch wer ein gemeines leben führte, hiesz einfach gemeine, z. b.: er hieʒ in sîn gemeine und selten wesen eine. Wigamur 4301, sich den menschen, der gesellschaft anschlieszen, was im gemeindeleben seine anknüpfung findet in dem gemeinen bürger u. ä. (3, f), der am gemeindeleben seinen antheil hat und nimmt. und diesz auch wieder bildlich, geistig verwendet, z. b. von einem, der sich allen dingen hingeben will, wie z. b. ein pfaffe, der alle bücher und alles wissen sich aneignen wolle, im bilde eines wanderers: swer in der werlde umb varen wil, der gewinnet (wol) herberge vil und (doch) vriuntschaft ninder deheine. alsô geschiht dem, der gemeine an allen dingen sîn wil, der lât ir under wegen (verliert) vil. Thomasin welscher gast 1902. 5@ff) das gemeine leben bringt eine gewisse gemeinschaft des besitzes, genieszens, ertragens, thun und lassens u. s. w. mit sich, und so heiszen auch die gegenstände selbst alle gemein, worauf sich alles jenes beziehen kann. wie diesz gemein im gemeindeleben gewichtig und vielseitig entwickelt war, als gegensatz zu eigen, s. u. 3, hier von anwendung auf andere gemeinschaft. 5@f@aα) wieder mit dat. (s. a), dem dat. des besitzes: wann alle ding ist ihnen gemeyn. Frank weltb. 207b, vergl. gemein gut, gemeine beute u. ε; dise beüm steen im feld gmeyn jedermann. 216a, keinem einzelnen eigen, sondern allen zu dienst und nutzen (vgl. 3, a von gemeinem gut); keiner sagete von seinen gütern, das sie sein weren, sondern es war inen alles gemein. ap. gesch. 4, 32, vergl. dazu unter 3, b, δ gemein haben, werden, machen, als oder zum gemeingut, mit dat. z. b.: die ander weise, wie Christus leib im stein war, wird auch allen heiligen im himel gemein werden, das sie mit irem leibe durch alle creatur faren. Luther 3, 459b; würde er .. verboten haben, dasz niemand nichts eigenes haben, sondern allen gemein sein solle an ligenden und fahrenden gütern. Schuppius 6. ein sprichwort sagte freilich gemein ist selten ein oder war nie ein, communio mater discordiae Stieler 882. auch geistig, etwas durch offentlichen druck jederman gemeine machen u. ä., s. 3, b, ε. 5@f@bβ) aber bedeutsam auch auf den einzelnen angewandt, wie das eig. schon in jederman gemein enthalten ist (vgl. gemeinde 3, a), einem gemein werden, sein, zu theil werden, eig. als sein antheil am gemeinsamen (urspr. z. b. bei beutetheilung), z. b. von einem habgierigen bei tische: und luogt, wo (auf dem tische) syg guot fleisch und fisch. ob das schon vor eim andern lyt (aufgesetzt), grift er und nimbt das doch zuo zyt (für jetzt) und loszt das vor im bliben eyn (unangerührt), das es keym andern werd gemeyn. Brant narr. 110, 62, damit ers für sich allein aufhebe und behalte; mir ist gemeine, mhd., ich habe theil daran, habe es auch wie andere: zuht und êre ist ir gemeine. MSH. 1, 33a; dem wurme ist si (die sonne) gemeine. Freid. 14, 6, selbst der wurm erhält seinen antheil; fuoge (kunst) hân ich kleine, doch ist sie genæme wol und alsô, daʒ si vil liuten sol iemer sîn gemeine. Walther 116, 16 (121, 18 Rieger), dasz ich sie freigebig mittheilen will. denn êre, fuoge u. dgl. sind da eigentlich als im vertheilen begriffen gedacht, deutlicher ahd.: themo (könig) sî iamêrjoh sâlida gimeini. Otfried widmung an könig Ludwig 5; mit in sî ouh mir gimeinithiu êwînîga heilî. nachwort an Hartmut 166, wie sonst der ganzen welt, z. b. durch Christum: joh wio thiu selba heilînust (nun ist) worolti gimeini. I, 2, 10; s. auch gimeini duan mit dat. und acc., mittheilen, theil haben lassen III, 20, 172. 16, 46 (tuon war auch geben). es wird eben von beute- oder erbtheilung herrühren, die so viele spuren in der sprache gelassen haben, wo das ganze gut als allen gemeine behandelt ward, aber auch der einzelne seinen gemeinen teil in anspruch nahm, gemein zugleich mit dem nebenbegriff des gleichen rechtes für alle (s. 4, a), auch deutlicher gleich und gemein, wie es unter 4, b von land und leuten, über deren besitzrecht zwischen zwei herren streit ist, heiszt, dasz den schiedsleuten als ziel gesetzt war, die streitigen lute, recht, gewalt und gut 'glich und gemein zu machen', eine richtige und gerechte vertheilung herzustellen, auch diese wendung wird unmittelbar von beute- und erbtheilung herrühren. so schlug der begriff da eigentlich in sein gegentheil um, allen gemeine und einem gemeine, und doch nur scheinbar, da daraus von selbst der höhere oder hohe sittliche begriff unter 4 erwachsen muszte, der ja vom ganzen der kern und keim von haus aus ist und auf den alle wahre gemeinschaft sich allein gründen kann, der aber nun, wenn überhaupt eins, kein einfach klares und so umfassendes und in die verhältnisse verwachsenes, weil daraus erwachsenes wort mehr hat, wie in der vorzeit an gemeine. 5@f@gγ) ebenso bildlich, geistig u. s. w., wie eben bei Otfried von glück und heil, aber auch in noch ganz andern richtungen, und zwar in einer manigfaltigkeit die alle möglichen verhältnisse des lebens und geistes umfaszt, sodasz hier nur andeutende proben möglich sind, z. b.: thaz selba urdeili,thaʒ worolti ist gimeini. Otfried V, 20, 2, d. h. das jüngste gericht, das die ganze welt trifft, wie von einer gefahr, einem schaden, einer schwebenden angelegenheit u. ähnl. (gemeiner schade u. s. w.), und wieder auch auf einzelne angewandt: von einem urlig hœr ich sagen .. zwischen den wolfen und dem vihe. den hirten was eʒ ouch gemein. Boner 93, 6, betraf sie auch, gieng sie auch nahe an, sie waren auch betheiligt, die wendung wird aus der gemeinen versammlung herstammen (s. 3, e), wo eine angelegenheit als gemeine sache behandelt und dafür erklärt wurde, und auch die einzelnen aussprachen: das ist auch uns oder mir gemein; ich sach hie vor eteswenne den tac, daʒ unser lop was gemein allen zungen. Walther 85, 26, dasz alle völker (eigentlich sprachen) uns priesen, alle gemeine, wie es hiesz. noch nhd., z. b. (s. auch noch Göthe u. i, α): Cornus wil bei hofe dienen, hat er etwa sondre gaben? die, die denen sind gemeine, welche händ und füsze haben u. s. w. Logau 3, 5, 75; doch wieder jung in kindern werden .. das ist das höchste glück auf erden und ist der ganzen welt gemein. Göthe 4, 22. 5@f@dδ) aber auch mit gen., der ja auch sonst den besitz anzeigt, z. b.: diu vischweide ist frî und gemeine der stete überal. weisth., mhd. wb. 21, 97b, 46; dem gebûrmeister wettet man sechs phenninge .. daʒ ist der gebûre gemeine zu trinkene. Ssp. III, 64, 11, nd. der bûre gemêne tô verdrinkene, obschon der gen. auch von ist allein abhängig und gemeine adv. zu trinkene sein könnte (vgl. 10, a); ein geächteter wart des landes gemêne, mnd. wb. 2, 52b, allen zu eigen wie vogelfrei (vergl. 3, b, δ a. e.); bildlich: drû des heiligin crûcis ort (enden) sint des giloubin drû wort, dar undir ist daʒ vîrdi der drîer ein gimeiniu redi: der vrûnti minniu undi der vîanti u. s. w. Müll. u. Scherer denkm. xxxiv, 16, 4, ein satz oder gedanke (rede), der den dreien angehört als umfassender halt, wie das ende, das im boden steckt, das ganze kreuz hält. daher auch mîn und dîn gemeine (mîn, dîn eigentlich gen.) von gemeinbesitz, im folgenden offenbar als redensart aus dem leben: nieman sol des gerende sîn, daʒ er spreche 'mîn und dîn gemeine!' (nämlich sei die liebe der frau) ich wilʒ haben eine. Reinmar MF. 179, 36, eigentlich wol als ruf bei einem funde, wie lat. in commune! jetzt halb part! vgl. die gâbe wil ich teilen! Gudr. 1291, 2, meinen theil haben. selbst einer wieder so von sich allein (s.β), wie Adam von Eva, da sie ihm der herr zuführt: ditze gebeine ist mîn gemeine, ditze wîp lussam ist mîn lîp, sprach Adam. genes. 12, 10 D., ist ûʒ mir getân (gemacht) fundgr. 2, 18. altengl. so þet is þîn wið me imeane Stratm. 320. mnl. selbst persönlich gemeine werden mit gen., antheil gewinnen, gemeinschaftlich erwerben Oudemans 2, 477. 480. 5@f@eε) natürlich wird der dat. auch verschwiegen als selbstverständlich, z. b.: tuon ich unreht, deist mîn eine, der vürsten sünde diust gemeine. Thomasin welsch. gast 1720, wie ist allen oder aller gemeine, trifft alle in ihren folgen; zwên gesellen giengen über velt, doch was ungemein ir gelt, ietweder wolt daʒ sîne hân. Boner 88, 2, sie hielten, obwol gesellen, nicht gemeine casse; es soll aber nicht allein einer ehrlichen frauen arm nicht offen gemain sein (indem sie ihn blosz trägt), sondern auch nicht ir gespräch und red. Fischart ehz. 442 Sch. (vergl. vorher das wort der Theano, dasz ihr arm kein gemein fleisch sei), d. h. jederman gemein mit sehen und reden, vergl. übrigens gemein publicus 3, a, γ; die hur macht iren leib gemein, vulgat corpus. Henisch 1485, 49, vgl. gemeines weib 2, i; beschwer die götter nicht mit klagen! der vortheil, den sie dir versagen und jenem schenken, wird gemein, wir dürfen nur gesellig sein. Gellert 1, 36 (67), wo für gesellig eben auch gemein das alte rechte wort wäre (s. c). noch im 18. jh. wird auch angegeben gemein gut, so zu theilen Rädlein 352a, wie erbe, beute, daher gemeine beute, d. h. allen betheiligten gemein, zu der alles erbeutete einzuliefern ist zur rechten vertheilung (s. z. b. unter gehören 10, b): und komend (die gegen die bauern ausgeschickten knechte) frolich mit wol 300 huoner her haim ... und ward alls an gemeine put gelegt (als ein haufen gedacht). H. Hug Villinger chron. 135; brachten die kneht ainer disz der ander das, es was aber alls ain gemaine put. 131; und gewunnend mer dan 20 hundert guldin wert im Kilchzarter tal (von den bauern) .. das tailten sy an ain gemaine put. 147. 5@f@zζ) die beziehung wird übrigens auch durch zwischen, unter, mit ausgedrückt, z. b.: das dises erst für ein rechte ehe zu halten seie, da zwischen den ehleuten leib, gut, freund und sipschaft eins und gemein ist u. s. w. Fischart ehz. 456 Sch., vgl. gemein und eins bei Luther u. a von den gliedern einer gemeinschaft selber, wie hier vom besitz; das sie (die eheleute) .. alles gemein unter sich schätzen solten. Fischart a. a. o.; zwischen euch sind die geheimesten sachen gemein. Olearius pers. ros. 4, 8; du (als Engländer) bist der feind mir, der verhaszte, meines volks. nichts kann gemein sein zwischen mir und dir. Schiller jungfr. v. Orl. 5, 9. durch mit ausgedrückt (vgl. Otfried unter a): ihre (der Grönländer) sprache ist sonderlich und mit keiner europischen gemein. Olearius pers. reis. 3, 4. 5@gg) in welcher allgemeinheit der begriff einst geläufig war, zeigt z. b. mhd. unser gemeine criege wb. 21, 97b, 49 von gegnern, die streitigkeiten die wir mit einander haben, wie schon im Hildebrandslied 60 gûdeâ gimeinûn vom kampfe zwischen vater und sohn, wo unser gemeinsam, gemeinschaftlich nicht möglich wären, wie doch im folgenden. ähnlich auch gemeine friunde, die sippen zweier gegner, die sich aber zu einer beratung zusammen thun: ist daʒ ein clage für gerihte kumt unde wirt daʒ mit gemeiner friunde rât an scheitlûte gelâʒen, die suln daʒ scheiden (ohne das gericht). Augsb. stadtb. s. 189; von den beiden sippen bei einer eheschlieszung: hât si der niht (die witwe keine urkunde über ihre morgengabe), sô sol si eʒ bringen (beweisen) mit êrbæren gemeinen friunden die dâ bî wâren (bei der schenkung). 144, vorher ebenso ir beider friunde, vgl. swâ zwai êlûte sich gesäment mit friunde râte 147, jenes gemeine aber ist hier zwei- ja eigentlich dreiseitig, es sind einmal: die verwandten beiderseits, dann auch die sich zu éinem rate vereinigen (s. 3, e), aber zugleich die als schiedleute das gemeine vertreten, das über dem sonderinteresse der strietenden steht (s. 4, a ff.). 5@hh) noch einige fälle aus dem alten leben. 5@h@aα) in den weisthümern ist oft von gemeinen herren die rede, mehreren, die eine herrschaft, dorfschaft o. ä. in gemeinschaftlichem besitz haben: daruf der scheffen erkandt, so einer were, der dieselbige strasz übersetzt oder zunt (mit seinem zaune einengte), der solle dasselbig abthun mit gnad und ungnad der gemeinen herren. weisth. 3, 751, es sind vier herren, s. 750; it. haben die gemeine herren eine mühle bei dem schlosz. luxemb. weisth. 37; solle das geld von der muhlen den gemeinen herren zu theil gehören. 334, vergl. mitherren das.; s. auch die gemeinen ganerben unter ganerbe 2, b. c (vgl. u. γ). 5@h@bβ) dazu auch gemeine unterthanen, gemeine herrschaft u. a., z. b. von der grafschaft Mansfeld, die im besitz mehrerer grafen gemeinschaftlich war, als im j. 1525 der eine graf Luthern um rat angieng, da die anderen sich für die stiftskirche der von ihm gewünschten einführung des sacraments unter beiderlei gestalt widersetzten: das aber in gemeiner herrschaft e. g. auch solt so weichen (nachgeben), das kan nicht sein .. widerumb kan e. g. nicht verwilligen, das solche gemeine unterthanen den andern herren weichen .. wollen aber etliche derselben gemeinen unterthanen von eigenem gewissen weichen, da kan e. g. nicht zu. Luther 3, 90b. 5@h@gγ) auch gemeines schlosz u. ä., in gemeinbesitz: Kyllinger de ganerbiis castrorum sive de arcium pluribus communium condominis, von den ganerben und burgmännern gemeiner schlösser, vesten und burgen. Tüb. 1620, vgl. u. ganerbe 2, c; als wir .. klag vernomen, wie aus und ein die gemainen ganerbenschlosz ... raub, nam und brand wider unsern landfriden beschehen ... ob die erklarten achter oder fridbrecher in denselben gemain schlossen ainichen tail gemain enthalt oder gerechtigkait hetten, das sy der verlustig sein. u. s. w. reichsabsch. Augsb. 1500 B 5a, gemain enthalt, schutz auf den sie als gemeine ganerben dort anspruch hatten; enthielten sich (während der fehde) zum Rauchenstein, der von Schaumburg gemein ein schlosz. Wilw. v. Schaumb. 58, wo gemein wie doppelt gemeint klingt, zu schlosz und zu der von Sch. (s. das nachgestellte gemein 3, e, ε). 5@h@dδ) in städten, dörfern gemeines haus, gemeiner grund, gemeine wand u. ä.: sol fürbasz dhain zimmerman hie zuo Ulme dhain gemaine wand von prittern nieman mer pawen noch machen. Mones anz. 4, 373, vom j. 1427; wie gemeine häuser und schewren unter einem tach gebawen sollen werden. würt. bauordn. 1654 s. 30, die unter mehrerley händ zertrennet seien, gleichwol unter einem tach heiszt es im texte; doch soll er (der neu baut) gegen seinem nachbawren .. wo nicht ein alter gemeiner winkeltrauf, wasserfall oder sonst ein gemeine einfahrt vorhanden, mit solchem newen baw ... drei werkschuh auf sich selbsten zu rucken. 23; ob zween oder mehr einen gemeinen grund und hofstatt .. inhaben. 29; eine gemeine wand zwischen zweien häusern, höfen. Ludwig 734. 5@h@eε) bei anderer gemeinschaft z. b. gemeiner tisch, gemeine stube, z. b. in einer art beginenhaus in Straszburg im 15. jh.: wann ouch eine under in ir fründe oder sunder gastunge haben wil, mit denen sol ir eine über einen sundern tisch und nit ob dem gemeinen tische sitzen. Stöbers Alsatia 1858 — 1861 s. 241; man sol ouch die gemeine stube wermen im winter, so man den tag hürnet (mit dem horn verkündet). 244; gemeine jagd, tisch etc. mit einem haben, cum aliquo venationem, mensam participare. Aler 891a; gemeiner erbfall, gemeinsames erben: es möcht sich ain fall begeben, das ain crist mit ainem juden ainen gemainen erbfall haben möcht. Reuchlin augensp. 36b. 5@h@zζ) natürlich dann auch vielfach begrifflich, geistig, bildlich (s. schon u. f, β. γ mit dat.), wie im 16. jh. z. b. das gemeine vaterland in reichsabschieden, im anschlusz an den gemeindebegriff (3, g, β), wo es zugleich mit allgemein in berührung oder mischung kommt, wie oft (s. 2, b), so im 17. und noch im 18. jh., z. b.: so hat man unsere Musen zue mahlen pflegen, als sie mit zuesammen gehenkten händen in einem reyen tanzten .. das gemeine bandt und verwandtschaft aller künste hierdurch an zue deuten. Opitz poet. 12 Br. (c. 3); du fehlst allein zu der gemeinen freude. J. E. Schlegel 2, 585; der gemeine plan der bewegung der himmelskörper. Kant 8, 257, die gemeinschaftliche ebene, in der sie sich bewegen; die gemeine ursache der bewegung. 264; helft den gemeinen feind mir niederhalten, das schöne gränzland kann euch (Schweden) nicht entgehn. Schiller Wallensteins tod 1, 5. 5@ii) aber auch diesz gemein konnte in unserm jahrhundert dem untergang nicht entgehen, den die letzte, so zu sagen verdorbene bedeutung über das ganze edle wort brachte. 5@i@aα) es ist nun aufgegangen in gemeinsam und gemeinschaftlich, die es doch keineswegs ganz ersetzen können, nicht blosz in der hochsinnigen persönlichen verwendung, die der kern und keim des ganzen ist und von der auszer einer spur in gemeinsinn nur sich gemein machen als heruntergekommener verkümmerter rest übrig ist (4, h). von der sachlichen verwendung ist noch bei Adelung manches übrig als gut hd., z. b. aus der rechtssprache gemeine dinge, deren sich ein jeder bedienen kann, wie die luft, das wasser: ob dasjenige, was man schatten nenne, unter die gemeinen dinge, an welche jedermann gleiches recht hat, oder unter die eigenthümlichen, zu welchen einzelne personen ein ausschlieszendes recht haben oder erwerben können, zu zählen sei? Wieland Abd. 2, 36 (s. 3, a, β gemein und eigen). ferner gibt Adelung noch gemeine casse, wozu alle glieder das ihrige beitragen und woraus ihre gemeinschaftlichen bedürfnisse bestritten werden (gemeine büchse Göthe 16, 191), auch gemeine leiden, trübsale, beschwerde, 'welche man mit andern gemein hat, im gegensatze der besondern' (s. 2, g), wie bei Uz gemeiner mangel u. 2, a, s. auch Hippel, Schiller, Niebuhr, Kant das. und u. h, ε vorhin, in edelster haltung auch: jüngere nahen sich dann, zu früh herunter gesandte (in den orcus), und beklagen mit mir unser gemeines geschick. Göthe 1, 320 (Euphrosyne); dasz Araber an ihrem theil die weite froh durchziehen, hat Allah zu gemeinem heil der gnaden vier verliehen. 5, 10. auch noch mit dem dativ u. f, α ff., für gemeinschaftlich eigen: die sittliche welt ist beiden (der epischen und dramatischen dichtung) ganz gemein. 49, 148, vorher: die welten, welche zum anschauen gebracht werden sollen, sind beiden gemein; hielten auf höflichkeit viel, sie war dem edlen und bürger wie den bauern gemein. 40, 318 (Herm. u. Dor. 8). fast ganz im alten sinne noch der gemeine geist bei Schiller, wie jetzt gemeingeist, Illo zu Wallenstein von seinem heere: jetzt hast du sie, jetzt noch! bald sprengt der krieg sie wieder auseinander, dahin, dorthin, in eignen kleinen sorgen und intressen zerstreut sich der gemeine geist. Piccolomini 2, 5. 5@i@bβ) auch gemeine sache mit jemanden machen ist bei Adelung noch gut hd. und doch jetzt ebenfalls ausgemerzt, während noch Wieland, Göthe, Schiller von gemeiner sache reden, auch in gewählter rede (3, d, γ), und auch jene wendung da noch als ganz gewählt erscheint: nun sind wir kurz und gut entschlossen, mit jenem gemeine sache zu machen. Göthe 20, 119 (lehrj. 7, 9), es ist von einem güterkauf die rede; dasz sie sehen, wie weit meine gefälligkeit geht, so will ich mit ihrer beschützerin gemeine sache machen. Schiller parasit 4, 9. 5@i@gγ) in häufigem gebrauch ist doch noch etwas mit einem gemein haben (zur form s. 10, a), 'eben dieselbe eigenschaft haben, sich in eben dem umstande befinden', wie es Adelung halb verwischt auffaszt, meine angelegenheit hat nichts mit der deinigen gemein, 'ist ihr in keinem stücke ähnlich'; es ist eigentlich eine gemeinschaft der lebensstellung, der interessen, ja des wesens, eine gegebene oder gewählte, gleichfalls im gemeindeleben entwickelt (s. 3, b, δ), während jetzt, wenn einer erklärt ich will mit dem nichts gemein haben, sich doch auch die heutige färbung einstellt von ich mag mich mit dem nicht gemein machen d. h. mich erniedrigen. vom wesen noch im 18. jh.: der fürst hält mich, so gut man nur kann, und doch bin ich nicht in meiner lage. wir haben im grunde nichts gemein mit einander. Göthe 16, 113; man gebe ihnen (den geisteskranken) einen begriff, dasz sie ihr sein und schicksal mit so vielen gemein haben. 19, 247; dem genie .. welches überhaupt .. mit der architektonischen schönheit vieles gemein hat. Schiller X, 91, 11; auch substantivisch nichts gemeines: so ist mein tod das sicherste zeichen, dasz ich nichts gemeines mit den hunden gehabt habe. Göthe 8, 147. 42, 423 (Götz von Berl. 5), wie mhd.: wie solte ein ungevüeger man mit vrouwen iht gemeines hân? MSH. 1, 106b. mhd. übrigens auch gemeine hân, d. h. mit dem subst. fem. (s. gemeinde 3, d) und eʒ gemeine haben mit einem d. h. mit dem adv., z. b. von den lauen christen, die damit den heiden in die hände arbeiten, als wären sie mit ihnen heimlich verbündet: dieʒ mit in sô stille habent gemeine. Walther 10, 16. 66) das herunterkommen des begriffes, auch in seinen gründen, wird besonders deutlich am gemeinen mann, gemeinen volk, gemeinen leuten u. ähnl. 6@aa) gemeine leute. 6@a@aα) was das eigentlich bedeutete, ist schon u. 4, c zu sehen, mhd. gemeine liute als das versammelte volk, das sich z. b. sein recht selbst setzt; von einer dorfgemeinde: fürter weist man gemeine leute als solche gemeinschaft zu halten ein gemeine pfarr .. ein gemein pfarner u. s. w. weisth. 4, 570 (vom j. 1304, in abschrift des 16. jh.), nachher s. 571 ein gemein man, ein gemeindemitglied; appenz. gemeine landleute, sämtliche landleute oder die landsgemeinde versammelt Tobler 226b. als anrede und grusz noch spät im 17. jh., allerdings mit hochmütiger herablassung von einem, der zu einer gelehrten würde emporgestiegen ist: noch liesz seine würde zu, dasz er unter seines gleichen, d. i. unter bürger und pöbel wol gehen durfte, zumal wo man gut bier schenkte ... kam er in eine zeche, da welche von seinen collegen bei andern bürgern an einem tische saszen, so war er mit latein und respect so karg, dasz er zu seinen collegen sagte: bonus dies, ihr herren, und alsdann kehrte er sich auch zu den bürgern, sagend: und auch guten tag, ihr andern gemeinen leute. Riemer pol. stockf. 217 (200), aber es war, glaub ich, der grusz, der eben den versammelten bürgern ursprünglich gebührte; auch mit nachgestelltem gemein (3, e, ε), ein blinder redet die juden an: gebet mer, lieben lude gemein, die eier u. s. w. Alsfelder pass. 1431. die gemeinen leute sind eigentlich die versammelten bürger, zunftgenossen, bauern u. s. w. (s. 3, e), beide worte an sich durchaus mit ehrendem klange, eigentlich die versammelte gemeine mit ihrer ganzen über alles einzelne gehenden kraft bezeichnend; wurde doch das hohe amt von schiedsmannen in einem streit mit demselben worte bezeichnet (4, b) und ein streit vor gemeinen leuten, d. h. der gemeine ausgetragen, diese auch ausdrücklich als letzte rechtsquelle behandelt (4, c). ganz im alten sinn noch im 17. jh.: democrazia, stato democratico, ein staat da gemeine leute regieren. M. Krämer 530b. 6@a@bβ) dann auch abgesehen von der versammlung (s. 3, e, δ), z. b. im 14. jh. in Nürnberg: daʒ für uns in den rat, do wir bei ainander waren, clage (vorgebracht wurde) von den nachgebaurn und von gemainen liuten, daʒ man solt haben allen liuten gemeinglich durchgang durch daʒ haus, daʒ nu des Schreibers kinde (gen.) ist u. s. w. Nürnb. poliz. 290, d. h. über den verweigerten durchgang beschweren sich die nachbarn 'und die bürger und einwohner überhaupt', im namen der gemeinde. ähnlich noch bei Möser aus der rechtssprache seiner heimat gemeine männer, als vertreter der gemeinde: wäre der holzgraf markherr (nicht die gemeinde), so würde die pfandung durch einen frohnen geschehen. sie geschieht aber durch die mahlleute, welches gemeine männer sind. osnabr. gesch. 1, 15. vergl. gemeine gerichtsleute 3, e, α, die versammelten gerichtseingesessenen. 6@a@gγ) aber auch im gegensatz zu fürsten und herren: denen antwortet er (kaiser Heinrich VI.), sonderbaren privatpersonen und gemeinen leuten sei es allezeit geschickt zu essen, aber einem rechtschaffenen fürsten nicht ehe, als wann er seines landes geschäfte zuvor auf ein ort gemacht hette. Zinkgref apophth. 1, 29, wie als gegensatz zu staatsdienern u. ä.: laicus, ein schlechter gemeiner man, der in keinem offendlichen stande noch beruf ist. Scheräus sprachenschule 145 (im geraden gegensatz zu 3, f, ε). und noch niedriger schon früher: und worf den staub auf die greber der gemeinen leute. Luther 2 n. 23, 6, vulg. vulgi, wie im 18. jahrh.: die gesichter der gemeinen leute auf der strasze zu sehen, ist jederzeit eines meiner gröszten vergnügen gewesen. Lichtenberg 1, 14. und schon mhd., wenn im schachspiel die bauern neben vende (s. u.fant, fente) auch die gemeinen liute heiszen, auch daʒ gemeine volc, die gemeinen steine, s. Lexer 1, 840, Maszmann gesch. des deutschen schachspiels 131 ff., auch kurz die gemeine, im gegensatz zu den edelingen u. ähnl.: daʒ die gemeinen lûte vor den edilingen stân. zeitschr. f. d. alt. 17, 349, 21; worumme daʒ gemeine volk vor den edilingen stât. 347, 20; die gemeine sundir wanc hân albetalle einen ganc, si gên von der (êrsten?) stat vor sich ûf den dritten grât u. s. w. 371, 19. 374, 21. 350, 9, ausdrücklich in vergleichung mit dem gemeinen man im heutigen sinne, in der nutzanwendung auf welt und leben: durch daʒ, daʒ den gemeinen man nîmant sal zu snôde hân u. s. w. 372, 30; durch daʒ salt du edil man gemeine lûte nicht virsmân. 350, 8. merkwürdig genug, wie diesz niedere gemein und jenes hohe (s. 4) so lange ungestört nebeneinander gehen konnten, das letztere hatte seinen halt wie seine quelle und ausbildung im gemeindeleben oder gemeinleben, aus dem eben die hohen oder hochstrebenden sich heraus zogen und heraus strebten; wie wenig aber adel und gemein noch im 16. jh. sich widerstrebten, zeigen die gemeinen edelleute 3, f, β, mitglieder einer dorfgemeinde als grundbesitzer darin. ebenso übrigens altfranz. les communes gens. 6@bb) der gemeine mann, sing. zu gemeine leute. 6@b@aα) ein gemein man hiesz ein mitglied der gemeinde, zur bezeichnung seiner rechte und pflichten: ist ein gemein man nit hie (in der gemeindeversammlung), der verleust eim faut xxx hlr. weisth. 4, 571 (vom j. 1304, in abschrift des 16. jahrh.); auch ist ein ferge zu Roxheim ein gemein man zu Sandhofen (folgen seine pflichten und rechte). weisth. 1, 462 (vergl. gemeinsmann), hier wol zugleich gemeindediener, wie gemeine person, gemeiner hirte u. ähnl. (3, f, ε). aber der gemeine man hiesz auch die versammelte gemeinde, wie gemeine leute, das ist noch im 17. jh. erkennbar im bauernleben, schwäb. (im 15. jahrh. s. z. b. der gemeine centman weisth. 1, 479, d. h. alle als einer): wann im sommer den gemeinen mann für guet ansehe, dasz der winterbau anzugreifen und zu schneiden were, so soll der vogt und vierer das veld am sonntag darvor in der kirchen verbieten laszen, dasz vier wochen lang keiner darinnen hüete. weisth. 6, 248. es heiszt auch gemeinsmann 243, gemeinsleute 249, gewöhnlich die gemeinde, d. h. die versammelte, in demselben weisthum: auf den weiszen sonntag besetzt ein gemaind die ämter ... so wehlen die bauren alda aus den seldnern (häuslern, kleinbauern) einen und die seldner aus den bauren ein newen vierer, dann es kommen alle jahr die zwen vierer, so zwei jahr vierer gewesen, ab. 242, also die gemeinde die bauern und seldner als einheit, auszer und über welcher eigentlich nur der vogt steht (als vertreter der herschaft), nur scheinbar und vorübergehend auch der vorstand, die vierer, die ja aus der gemeinde durch freie wahl hervorgehn und in sie zurücktreten. so umfaszt der ausdruck eigentlich alle als ein ganzes (abgesehen von der spitze), der sing. aber sagt das im grunde schärfer als gemeinde, es ist wie de gemêne kôpman, der ganze hübner u. s. w. (s. 3, e, α), die vielheit oder eigentlich allheit auch sprachlich mit dem schärfsten mittel als einheit gefaszt, was eben der alte kern des begriffes gemein selber ist. 6@b@bβ) dann auch in weiterem gebrauch, z. b. von der bauerschaft überhaupt, in Utz Ecksteins richstag vom j. 1526, wo die vom bauernkriege aufgeregten fragen verhandelt werden, für die bauern spricht als 'botschaft' Hans Eigennutz, u. a. wegen des von den bauern verübten schadens: hie entschuldigt sich pur Eigennutz des schadens halb und wendt ander lüt für, die sölichs ghandlet habind, on gunst des gemeinen mans. Scheibles kloster 8, 855, ohne verwilligung der bauerschaft im ganzen, es ist wie gmeine purschaft 829 (s. 3, e, δ). auch städtisch, von den bürgern: ich habe mich vor meine person bei dem gemeinen mann wol verdienet, dasz ich mich so bald bei dem feuer habe finden lassen (zum helfen). ob nun wol der gemeine mann auf den apotheker (als den schuldigen) sehr schnarchte ... Schweinichen 3, 319, es ist wie die gemeinen bürger, die bürgerschaft (3, f, α). von einem ganzen lande: also gedacht Stouffacher in im selbs, der frowen rat mocht nit bös sin, volgt ira, fuor gen Uri, lag da etlich tag still, zu losen wie der gemein mann gesinnet wäre. Tschudi 1, 235a, noch gar nicht in der heutigen beschränkung, denn es ist von eerenpersonen die rede, von denen er klagen gegen den landvogt hört, selbst von fürnemen herrenlüten, die ihm dort insunders geheim wären und die er aushören will, also der gemeine mann wie das land, nur im gegensatz zum landvogt als vertreter des herrn. ganz deutlich wird das mit dem zusatz arm und reich, z. b. in einer vereinbarung der rheinischen fürsten vom j. 1454 über behandlung fremder geringhaltiger goldgulden, dordurch die lande, auch der gemein mann arm und reich merklich .. geschediget worden sein und werden. Frankf. reichsc. 2, 125. 6@b@gγ) das herunterkommen dieses ursprünglich allumfassenden und bestimmenden begriffes von seiner höhe oder seine auflösung vollzog sich nun darin, dasz von jener all - einheit immer mehr und mehr sich herauszogen und daneben oder möglichst darüber stellten, womit der begriff allmälich zu seiner heutigen niedrigkeit hinabgedrückt ward. so ähnlich schon im 14. jh. in städtischem gebrauch, wenn der gemeine man neben und hinter den bürgern erscheint: ab sich ein râdmann, scheppe, meteburger (d. h. bürger) adir ein gemeine man (wer her wêre) zu hove lîbete adir hîlde unde das schickete adir irworbe, das der stat recht adir hantfesten gebrochen worden (würden) ... Magdeb. fragen s. 30, es müssen wol die einwohner ohne bürgerrecht sein, an denen da der sinkende begriff nun hängen blieb; ähnlich all (alle) gemein in der anrede des proclamators in einem spiel an die versammlung: herren, gest, burger und all gemein, züchtig frawen, junkfrawen rein, ich pit, ir wellen schweigen still. Freiburger passionsspiele des 16. jahrh. h. v. Martin s. 3, und alle ihr andern überhaupt, immer noch mit ehrendem klange. vergl. übrigens dazu unter 3, f, α noch später und lange die gemeinen bürger und unter δ dort der gemeine rat, der sonst auch als neben und über den gemeinen bürgern, der gemeinen stat genannt wird, wie dort in dem schwäbischen dorfe die vierer neben und über dem gemeinen man. diesz schwanken in der sprache, wer es genauer verfolgen wollte, würde ein genaues bild der schwankungen geben, in denen der wichtige kampf der alten und neuen begriffe, verhältnisse und mächte vor sich gieng. erscheint doch auch schon im 14. jh. der gemeine man ganz im heutigen sinne, s. unter a, γ, aus der sprache der gelehrten und des adels (dazu weiter unter c), und daneben doch gleichzeitig gemeiner man im höchsten sinne als vertreter des ganzen (4, a). 6@b@dδ) besonders heiszen so die unterthanen, das volk den herren und behörden gegenüber gedacht, und zwar mit jenem sing.: des gemeinen manns gunst, aura popularis. Maaler 167b; horet zu, alle völker, merket auf, alle die in dieser zeit leben, beide gemein man und herrn, reich und arm mit einander. Luther ps. 49, 3; drumb der kaiser Marc. Antoninus allenthalben heimliche forscher gehabt, die von seinen thaten und handlungen des gemeinen mannes reden und urtheil .. ihm unverhohlen vorbringen müssen, darnach er seine sachen gerichtet ... wolte gott, alle fürsten folgeten auch dieser schnur! Jo. v. Wedel hausbuch 512; eine jungfrau zu Augsburg asz und trank nicht und hat keinen schlaf, führet ein heilig geberde .. durch ihre gleisnerei ward kaiser und fürsten so wol als der gemeine mann betrogen (es war bei gelegenheit eines reichstags). 41; wenn grosze herren bawen, so gehets über des gemeinen mans beutel. Henisch 1485b, 45; es will niemand gern dem gemeinen man zu tanz pfeifen. das.; es helt sich stets der gmeine mann, nach dem sie einen herren han. das. es war der ausdruck in der reichscanzlei: so wolten sy (die churfürsten, fürsten und die andern stände des heil. reichs) ... auf gegenwurtigem reichstag .. sich vereinigen, wie sy .. auch den obangezeigten mistrawen und unwillen des gemeinen mans abwenden und ausreuten mögen. Frankf. reichsc. 2, 981, in einer antwort der reichsstände an den papst mit beschwerden der deutschen nation gegen den römischen stuhl vom jahre 1518, vorher s. 980 dafür underthanen entsprechend: erwuchse bei den underthanen nit allein ein mistraw, sonder auch groszer unwill, und auch 'die nation': desgl. würde die nacion durch die annata der erzbischof u. s. w. nit klein beschwert das., also auch der gemeine mann und die nation als eins, d. h. der alte gemeindebegriff auf das ganze reich ausgeweitet und Rom als schild entgegengehalten. allerdings in demselben schriftstück zugleich enger und niedriger, im gegensatz zum clerus und den reichen, wenn es von der vom papste verlangten Türkenhilfe heiszt: von den geistlichen den zehenden, von den weltlichen als den reichen, so zins, rent oder jerliche gult fallen hetten, den zweinzigisten phenning gewinnens, und von dem gemeinen mann den funfzigisten krigsmann. 979. ähnlich in einem gutachten des ständeausschusses über die lage des reichs vom j. 1517: auch was itzt in den herzen und gemüten der gepawer und gemeynes mannes steckt, der, also zu sprechen, allenthalben wütet. 935, vgl. s. 969 vom j. 1518 von den landsknechten, die dem gemeynen bawersmann so zur last liegen, dasz er an empörung denkt. vom bauernkrieg im Speirer reichsabschied von 1526: dasz der zwispalt nit die geringst ursach sei der vergangen embörung des gemeynen manns. reichsordn. 1539 130a, embörung der underthanen 130b, wie wol der gemeyn mann und underthanen in vergangner aufruor sich etwas schwerlich vergessen das. 6@b@eε) das heiszt auch genauer der gemeine arme mann, nicht notwendig im heutigen sinn arm, sondern eben vom unterthanen, nach der formel reich und arm (vgl. Luther unter δ): ein îclich herre wol geborn der sal nicht ûbin sînen zorn kein eim gemeinen armen man, der sich nicht gewerin kan. zeitschr. für d. alterth. 17, 351, 30; das aber e. g. solte darumb die herrschaft ubergeben, ist noch nicht zeit .. e. g. halte nür feste dem armen gemeinen man zu gute. Luther 3, 90b, den unterthanen; item was die unzugetheilten meder anbetrift, die sollend sein und bleiben wie von alters hero, damit dem armen gemeinen mann nüt entzogen werde. weisth. 5, 213, hier wirklich die armen in der gemeinde. ebenso die arme gemeinde (s. d. 5, c, β). 6@b@zζ) oft ist der gemeine mann, was auch die leute heiszt, die grosze maszgebende menge in einem orte, einem lande, d. h. in unmittelbarem anschlusz an die ursprüngliche bedeutung gemeinde, die zu bestimmen hat (α); z. b. wenn man nach dem maszgebenden sprachgebrauch fragt: hie berufe ich mich auf alle Deudschen, ob ich auch Deudsch rede. es ist je die rechte muttersprache, und so redet der gemeine man in Deudschen landen. Luther 3, 67b (wider die himl. proph. 2. theil). auch in bezug auf meinen und denken, was jetzt die öffentliche meinung heiszt (franz.): das dütet fremde geste (d. h. feinde), so redt der gmeine man. Halbsuters Sempachlied Lil. 1, 125a, d. h. das sagte man im lande allgemein; also, das der gemein man, wann er die schriften und brief nach Rom schicken sahe (um die meinung des papstes einzuholen), zusagen pflegte, der heilig geist käm in einer bulgen verschlossen auf das concili (zu Trient). Fischart bien. 41b (40b), nl. de gemeyne man Marnix 31a; und so noch im 18. jh.: es trägt sich insgemein zu, dasz wie .. die Franzosen bei dieser ihnen zugesanten ungeschickten brut (reisender Deutschen) alle Deutschen richten, so hergegen der gemeine mann bei uns, wenn er befindet, dasz sie bei ihrer zurückkunft selten was anders als eine capriole zu schneiden gelernet, sich festiglich einbildet, dasz man (dort) ... nichts besseres habe erlernen können. Wernike überschr. (1704) 260. 6@cc) der also schwankende begriff bestimmt sich näher an seinen gegensätzen, die zugleich seine wachsende einschränkung und erniedrigung deutlich machen. 6@c@aα) der wol älteste gegensatz ist der adel, s. aus dem 14. jh. unter a, γ gemeiner und edel man, gemeine lûte, gemeine volk und edelinge, auf das schachspiel angewandt. im 16. jh. städtisch: nach diesen (den adelichen, gieng im leichengefolge) der gemeine mann und weib, wie sie vorhanden gewesen. Schweinichen 3, 259. so auch gemeine lehnleute, im 17. jh.: das mangericht wird durch einen manrichter und die darzu gehörige adeliche lehnleut .. besessen .. und die übrige gemeine lehnleut. luxemb. weisth. 733; wan auch ein adelicher oder gemeiner lehnman seine guter verkaufen will .. das. vergl. übrigens gemeine edelleute, als mitglieder einer dorfgemeinde 3, f, β. übertragen auf die geisteswelt: adel ist auch in der sittlichen welt: gemeine naturen zahlen mit dem was sie thun, edle mit dem was sie sind. Schiller ged. 1800 1, 304. im 15. jh. auch eine gemeine frowe, von niederer herkunft, von Griseldis, zu der ihr gatte sagt: du bist mir rechte lieb unde ich bin dir holt, aber minen edelen luten bist du nicht lieb .. so sprechen si .. ab si sollen einer gemeinen frowen unde eime gebürischen geslechte undertan sin? Griseldis 10, 30 Schr. noch im 18. jh. ein gemeiner kerl, unus e vulgo, ignobilis, obscurus vir Weber 340a. bei Adelung es ist nur ein gemeiner mensch, von niedrigem stande, vergl. gemeinde 5, c, γ. 6@c@bβ) alt ist es auch als gegensatz zum clerus: der inwendige mensche enpfâhet zwelf grôʒe nutze an unsers herren lîchame, die gemeinen liuten unde vil geistlîchen liuten unbekant sint. Eckhart 373, 4; so gat das gemain volk hin und legt harnasch an und kumen darnach für des obersten priesters hus, herren und knecht. Schiltberger 127 u. ö., bei den Türken; mit kirchengeschichte was hab ich zu schaffen? ich sehe nichts weiter als pfaffen. wies um die christen steht, die gemeinen, davon will mir nichts erscheinen ... ich hätt auch können gemeinde sagen, eben so wenig wäre zu erfragen. Göthe 56, 107. auch der gemeine man bei Marnix und Fischart vorhin ist im gegensatz zur geistlichkeit gedacht, und folgendes: es hat Eck in seinen predigten auch so viel bekand, das das gemein volk verstanden, das er das ablasz nicht grosz achtete. Luther 1, 145b (dann ebenso das volk 146a); von dem ablasz ist gnug einem gemeinen man zu wissen, das ablasz sei entledigung der gnugthuung für die sunde. ders. bei Dietz 2, 71b; von der einführung der reformation in Dresden im j. 1539 berichtet ein betheiligter, Freidinger im dienst des herzogs Heinrich: was der alten religion war, als mönche, pfaffen und ihr anhang, waren betrübt, der gemeine mann lobte gott (Hering gesch. der einf. der ref. in Meiszen 1539 s. 28). 6@c@gγ) besonders wichtig wurde dann der gegensatz zwischen gelehrt und gemein: gemeiner mann, ein lay, einfältiger schlechter mann, idiota, illiteratus, homo privatus, opp. ingeniosus, publicus. Henisch 1485b, 34 (zu privatus, publicus s. z. b. aus Zinkgref unter a, γ); nach des gemeinen manns verstand reden, loqui populariter. 1486, 37; sie begehren von nechst dem besten ihren zoll .. von alten und jungen, von edlen und unedlen, von gelehrten und gemeinen. Schuppius 695 (653); dasz seine (Esops) fabeln nahe und weit der gelehrte und gemeine mann hat gelesen gern .. Alberus Es. 1; auch beid gelehrt und gmeine mann sie gern gelesen .. Wolgemuth Es. 1, 3. jenes eingangsgedicht bei Alberus ist überschrieben an den gemeinen leser, d. h. den deutschen, der nicht latein kann (vgl.gelehrt 2, d), wie es heiszt: deudsche bücher sind fürnemlich dem gemeinen man gemacht, im hause zu lesen. Luther 5, 172a. erscheint doch die muttersprache selbst als gemeine sprache, die des gemeinen manns, s. Stöckel unter 2, f, auch teutscher sprichwörter gemeine auslegung daselbst, für den gemeinen leser; gemeine wörter und leichtlich zeverston, verba e medio sumpta Maaler 167a, und noch im 18. jahrh.: gemeine ausdrücke, jedermann faszliche. Adelung, nicht gelehrte; daher als rechtes wort für 'populär': wie er in dieser (Franklin in der buchdruckerei) die popularsten wege ... die gemeinsten und beliebtesten einkleidungen auffand, um ideen unter das volk zu bringen und sich durch die stimme zu belehren. Herder 17, 9 Suph. (hum. br. 1, 16). auch der gemeine leser noch im 18. jh., Wernike z. b. in der 3. ausgabe seiner überschriften Hamb. 1704 s. 271 verwirft eins seiner früheren epigramme, weil der schlusz (die 'pointe') in nichts als falschem witz bestehet und mit den regeln der kunst nicht woll eingetroffen, gibt es aber noch in der anm. dem gemeinen leser zu gefallen, weil viele daran ein sonderliches gefallen gehabt, also gar noch nicht geringschätzig, auch nicht ganz gleich 'gewöhnlich', sondern von der mehrzahl, die dem alten geschmack noch anhängen. als gegensatz zu unstudiert im munde von Schnaps im bürgergeneral 9. auftr.: den guten unstudirten leutchen, die man sonst den gemeinen mann zu nennen pflegte, trägt man eine sache besser durch exempel, durch gleichnisse vor. Göthe 14, 278. 6@c@dδ) auch hoch, grosz und vornehm als gegensatz: se lôveden (glaubten, die alten Sachsen) ôc an der vogele stemme unde an ire vlucht (flug) ... nicht alêne de mênen lûde, wan ôc de hôgesten allermeist. deutsche chron. II, 264, 14; der groszen fall erdrücket viel gemeine. Wernike 24 (17). im 18. jh. auch in bezug auf geistige bildung: so wol grosze als gemeine leute stehen in dem wahn, dasz die gelehrtheit einen merklichen vorzug vor der weisheit habe. Bodmer disc. der mahlern 1, AA 2a (24. disc.), vergl. franz. le petit peuple, das gemeine volk, die kleinen leute; ihre vorgänger, mein freund (Gleim als dichter der lieder fürs volk), haben das volk blosz und allein für den schwachdenkendsten theil des geschlechts genommen und daher (getrennt) für das vornehme und für das gemeine volk gesungen. Lessing 12, 352 (22. mai 1772); die nation (der Franzosen) .. ist in titel und andere äuszerliche vorzüge zu verliebt, bis auf den gemeinsten mann will alles mit vornehmern umgehen. 7, 63 (hamb. dram. 14. st.); die groszen und vornehmen haben (im 18. jh.) nur begriff von französischer dichtung, die gemeinen keine ahnung, dasz es etwas der art gebe. Göthe 49, 165; die gemeinen und die vornehmen geister Börne 5, 399. da ist denn eigentlich die bildung, standesbildung und geistige (letztere an die stelle des alten gelehrt getreten, s. dort 2, e ff.), nun der maszstab, wie für den menschenwert, so für den begriff gemeiner mann, gemeines volk geworden, als die von der bildung ausgeschlossen geblieben sind, d. h. während übrigens in dem begriff der bildung ein standpunkt gewonnen ist, auf dem der standesunterschied von adel, clerus, gelehrten eigentlich aufgehoben ist in einer höheren gemeinschaft, ist der gemeine mann damit vor der hand erst recht hinabgedrückt oder ausgewiesen aus der gemeinschaft, in seltsamem umschwung, da der begriff von haus aus eben die allumfassende gemeinschaft auszudrücken hatte (s. b, α) und der gemeine mann einst als der träger und die quelle des gesunden und rechten galt (s. 4). ein streben nach ausgleichung dieser unhaltbaren kluft ist doch auch schon seit vorigem jh. an der arbeit (s. unter gelehrt 2, d, γ), vgl. d, α a. e., auch 7, d, γ. 6@c@eε) auch die gemeinen soldaten (auch kurz die gemeinen, s. 11, a) gehören hierher, die masse im gegensatz zu den officieren, gemein soldat, miles gregarius Henisch 1486, nach Kilians ghemeyn soldaet 133a, ein gemeiner soldat, un simple soldat Rädlein 352a, a common soldier Ludwig 734; auch das aus alter zeit, im 16. jh. von den landsknechten: das selb (das geforderte handaufheben) ist beschechen von gemeinen knechten, darnach haben sy im geschworen und gelobt. Baumann qu. zur gesch. des bauernkr. in Oberschw. 616, von den als gemeine versammelten; in einem kriegsartikelbrief vom j. 1583: es soll kein knecht in zügen aus der ordnung gehen ... wo aber einer oder mehr in solchem ungehorsam weren, sollen die hauptleut, feldwäbel und befelchleut oder gemaine kriegsknecht dieselben .. mit gewalt darein treiben. Mones anz. 8, 169, und doch nicht ganz wie heute, es hat zugleich den klang des heutigen cameraden (ein begriff in den sich ja nach umständen auch der general einschlieszt); der artikelsbrief beginnt: kriegsordnung, wie man in gegenwart der gemainen knechten die musterung ankündigen und bestellen solle. 164, vergl. auch artikelsbrief gemainem fueszvolk 165, d. h. gemein hat da noch den alten wert als umfassendes ehrenwort, wie in gemeine zunft, gemeine bürger u. s. w. (3, e), eigentlich als versammlung und allheit mit ihrer kraft, denn auch die landsknechte bildeten zugleich eine gemeine, die bis auf einen gewissen punkt sich selbst regierte, wie eine zunft (s. gemeinde 6, c). daher auch gemeiner haufen vom ganzen heerhaufen, die befehlsleute eingeschlossen, nur nicht der kriegsherr: ob einer oder mehr aus euch einiche verräterei .. den (wol dem) kriegsherrn oder gemainem haufen zu nachteil getriben .. das. 168; werden doch auch die hauptleute ausdrücklich in das gemein inbegriffen, im gegensatz zu höheren, fürstlichen hauptleuten, wie Frankfurter berichterstatter im jahre 1447 aus Wien nach hause schreiben von kriegssachen: wir han in den sachen so ferre gearbeidet, daʒ uch (von uns) zwene briefe worden sin an unsere gn. h. von Colne und herzog Wilhelm von Sassen, die des folkes heubtlude sin .. und einen an die gemeinen heubtlude. Frankf. reichsc. 2, 100. auch gemeine knechte im gegensatz zum adel (s.α), in dem späteren liede von der schlacht bei Sempach nach Tschudis fassung: der adel wolt vornen dran (zum angriff), die andern gmeinen knechte mustend dahinden stan. Liliencron 1, 129b, in der echteren fassung aber die armen gemeinen puren, d. h. als unterthanen gedacht (s. b, ε) und von den Schweizerbauern als leidensgenossen aufgefaszt, während knecht da als kriegsknecht, d. h. soldat gemeint ist (s.knecht 5, vergl. auch edel kneht 4, a); noch am ende des 17. jh. bei Stieler 994 gemeine knechte pedites neben reisiger knecht equiso, also das fuszvolk, so zu sagen als 'soldaten überhaupt', im gegensatz zur reiterei, die eben noch unter den begriff des ritters oder adels gestellt wurde. vergl. mhd. daʒ gemeine volc nachher. 6@dd) das gemeine volk, der gemeine pöbel u. ähnl. 6@d@aα) auch das gemeine volk bezeichnete von haus aus ohne zweifel die versammelte beschlieszende gemeinde, wie diese selbst auch volk hiesz, z. b. in einem oberrh. weisthum: wan daʒ volk zuesamen komet (zur wahl des büttels). 1, 429; und sol daʒ volk zue rat werden, waʒ man getuen möge, und waʒ (für wes) sie zue rat werdent, daʒ sol daʒ volk stete haben. 432, dazwischen die gemeinde genannt 431. auf den heutigen begriff volk erweitert s. unter 4, c daʒ gemeine volc, das sich selbst sein recht setzt, daher im voc. rer. Augsb. 1468 plebs gegeben mit ein gemein volk Dief. nov. gl. 191a, d. h. das versammelte volk mit seiner staatlichen kraft (gens ist da landesvolk, populus statvolk, vulgus bövel), vgl. plebiscitum mit gemein verdeutlicht 3, g, α, auch publicum gemain volk Dief. 470c, auch für volk überhaupt, das ganze: diewyl man ie sol (musz) oberkeit han, so ist von nöten, dasz der gwalt allein sich nach gots ordnung halt, mit wisheit das gmein volk regier. Utz Eckstein richstag, kloster 8, 863. mhd. auch vom heere, den führern oder fürsten gegenüber (s. vorhin unter ε), d. h. in der sprache des gemeindelebens: daʒ gimeine volc ouch des verdrôʒ (wurden unlustig) durch gebrechen manigen den si liten und (daʒ?) die fursten nicht enstriten. Ludwigs des fr. kreuzfahrt 1559, auch diu gemeine diet Jeroschin 139c. 156c, im gegensatz zu den besten, den häuptern, dem adel, s. auch unter a, γ von den bauern im schach. städtisch im 15. jh., unterschieden von der ganzen gemeinde (in welcher der rat u. s. w. eingeschlossen ist): darnach ruompt er (könig Sigmund) die von Costenz vor ganzer gmaind, und in sunderhait das gemain volk und die armen lüt, wie das sy sich in dem concilium so erlich und so fromklich gehalten hettind. Ulr. v. Richental chron. des Const. concils 148, d. h. die bürger, die armen lüte die andern einwohner, diese doch unter b, γ der gemeine man genannt, wie gewiss dann auch das gemeine volk, wie in vocc. im 15. jahrh. vulgus gemein volk (auch povel, gepovel) Dief. 632c, vergl. gemeinde 5, c, ε. doch im 16. jh. auch noch mit der alten kraft von gemein: ist doch aus solchem predigen und beichten nit mehr dan eitel hasz zwischen pfaffen und munchen, (damit) grosz ergernis und hindernis des gemeinen volks erwachsen. Luther an den adel G 2b, d. h. des volks im ganzen, dem clerus gegenüber (s. c, β); den fürsten gegenüber: wenn aber ein fürst sündiget, der sol .. wens aber eine seele vom gemeinen volk versihet und sündiget u. s. w. 3 Mos. 4, 22. 27; ähnlich noch im 18. jh.: das gemeine volk stieg hier (in den Niederlanden) früher .. aus der leibeigenschaft empor und gewann bald ein eigenes bürgerliches dasein. Schiller VII, 30. man musz davon durchaus noch die heutige färbung des begriffes fernhalten. diese färbung konnte nicht ausbleiben, seit man besonders im 17. jh. den eigentlichen menschenwert im höfischen und gelehrten wesen suchte (wie auch nun wieder so viele thun), wer mochte da noch zum gemeinen volke gehören? aber im vorigen jahrh. zeigt sich gerade auf der höchsten höhe der geistesbewegung, auf der höhe des gemeinwesens, aber längst vorbereitet durch den ganzen neu aufstrebenden geist der groszen zeit, das gefühlte bedürfnis einer umkehr von jener richtung, bei Göthe in der zeit seines eigentlichsten genieschwunges, z. b. in dem brief an Schönborn vom j. 1774, wo er des brandes in der Frankfurter judengasse erwähnt, bei dem er selbst helfend eintrat unter das volk: ich habe bei dieser gelegenheit das gemeine volk wieder näher kennen gelernt, und bin aber und abermal vergewissert worden, dasz das doch die besten menschen sind. d. j. Göthe 3, 21 (menschen zu betonen, in dem besonderen sinn der zeit, da man über alle zu grosz gediehenen unterschiede hinweg den menschen an sich wieder suchte), vergl. im Werther: leute von einigem stande werden sich immer in kalter entfernung vom gemeinen volke halten, als glaubten sie durch annäherung zu verlieren 3, 239; s. besonders noch an frau von Stein vom 4. dec. 1777 von seiner liebe zu der classe von menschen, die man die niedere nennt, die aber gewiss für gott die höchste ist u. s. w.; auch sonst in jener zeit, z. b.: nein, mich und meine noth will ich denen in die arme werfen, welche von andern gemeine menschen genannt werden — die sind menschen! Iffland 3, 2, 121. zum heutigen begriffe s. auch unter c, δ. 6@d@bβ) es heiszt auch die gemeine menge, z. b.: der ist ein freier geist, der nichts von dem bewundert, um das das volk sich plagt ... ein solcher mensch entweicht von der gemeinen menge in sein gemüth hinein und sieht der ungedult des pöbels ruhig zu u. s. w. Bodmer disc. d. mahlern 3, widmung, wo doch schon die gemeine menge, wie volk und pöbel durchaus nicht auf den heutigen begriff beschränkt sind, sondern eben so gut bei hofe und in der gelehrtenwelt vertreten sein können. auch menge ist übrigens ursprünglich die versammelte gemeinde (s. z. b. kirchmenge, dorfmenge). 6@d@gγ) auch kräftiger mit fremdwort der gemeine pöbel, le petit peuple, la populace Rädlein 706a, doch noch nicht mit dem ganz verächtlichen klang von heute, wie die erklärung zeigt, im 17. jh. gemein pöfel, multitudo, populus Henisch 1485b, 64, gemeinen pöfels beifall, aura popularis 1486, im 16. jh.: darumb ists eine grosze gnade, das er leszet den gemeinen pöfel wenig haben. Luther über das 1. buch Mose k 1b; der gemeine pöfel leuft umb gewonheit willen zum sacrament. unterricht der visitatoren G 2a (Dietz 2, 71b); der liesz in mit dem schwert tödten und liesz seinen leichnam unter dem gemeinen pöfel begraben. Jer. 26, 23; redet ir doch davon, wie der gemeine pöbel. Hiob 21, 29; man findet gemählde aus der heiligen geschichte, wo die apostel, die jungfrau und Christus selbst einen ausdruck haben, als wenn sie aus dem gemeinsten pöbel wären aufgegriffen worden. Schiller X, 209, 20. auch mit rotte: volk von der gemein (d. i. gemein'n) rott, plebs, vulgus. voc. inc. teut. mm 1a. 6@ee) da geht denn überall gemein zugleich schon in den begriff des folgenden über, von der menge, in welcher der einzelne nicht mehr aufgehen will, während sie ursprünglich als maszstab und ziel für alles einzelne leben galt, was eben mit gemein ausgedrückt wurde; ist es doch dem begriffe volk ebenso gegangen, wer rechnete sich denn bewuszt noch zum volke? wie anstöszig klingt uns Lessings vornehmes volk 12, 352 (s. c, δ)! und doch ist deutsches volk noch oder wieder in allen ehren, und auch für das einfache wort ist mit volkslied u. ähnl., volksmäszig, volksthümlich, volkswirtschaft u. a. der unter d, α a. e. berührte merkwürdige umschwung aus der geniezeit her nun im vollen gange, den man auch für gemein wünschen möchte, zumal von dem alten hohen sinne noch frische reste übrig sind in gemeinsinn, gemeingeist, gemeingut, gemeinschädlich, gemeinwesen, gemeines recht, das wieder beliebt wird, wie sachlich in dem frischen aufblühen des gemeindelebens, aus dem es ja erwuchs. 77) gemein, gewöhnlich oder 'in menge vorhanden', wie Adelung den begriff gut faszt (er setzt ihn als ersten), eigentlich der menge angehörig, aus der menge genommen (die gemeinde als menge, s. vorhin). 7@aa) von menschen, mhd. z. b. gemeine liute, die gewöhnlichen menschen: die einen sint gemeine lûte und grobe lûte und .. sint zû ûʒer und zustrowet (um gott innerlich zu erfahren) .. iʒ sint ander lûte, die sint vernunftige lûte unde sint stêtlîche wonende in der inrekeit irre sêle .. myst. 1, 44, 22, d. h. alle menschen in diese zwei classen vertheilt gedacht, s. dazu 6, a gemeine leute im gemeindeleben, unter γ auch im gegensatz zu fürsten und edeln, hier zu den philosophen (vgl. das philosophische gemein unter d); s. auch die gemeinen bürger, ein gemeiner bürger 3, f, α, d. h. von der gemeinde, dann leicht übergehend in den sinn: nichts weiter als ein bürger, einer aus der menge. aber auch ein gemeiner edelmann, wie sie gewöhnlich sind: er schriebe bemelten kaufherren, dasz sie forthin seinem sohn mehrers nicht geben solten als die blosze nohtdurft, die ein gemeiner edelmann haben müste, sich in Paris zu behelfen. Simpl. 2, 156 Kurz (6, 7); gemeine edelleute, vom gewöhnlichen schlage (also ganz anders als 3, f, β), am schlusz einer ausführung, wie solche ihre töchter in klöstern zu versorgen suchen: die frowenklöster sind ietz all gemeiner edellüt spital. Murner narrenbeschw. 39, 98. ein gemeiner knecht, von der gewöhnlichen art: it. a. 1515 .. hab ich ein hausknecht gedingt .. (um hohen lohn) nach dem er wol schreiben und lesen kan, auch mee dann ein gemainer knecht ist. Ant. Tucher haushaltbuch 167, vergl. nicht gemein, ungemein unter h. gemeiner arzt, empiricus, der (nur) mit experimenten und versuchten arzneyen umbgeht und heilet Henisch 1485, einer vom gewöhnlichen schlag, ohne wissenschaftliche bildung. 7@bb) dann von dingen, auch schon mhd. (s. gemeine tât Teichner unter g), auch von thieren. im 16. jh. im haus- und geschäftsleben z. b. gemeiner zucker im unterschied vom feinen, wie Ant. Tucher die ausgabe verzeichnet für 15 ½ ℔ gemain zucker und 5½ ℔ fein zucker haushaltbuch 33; gemeine elle: ein igliche elle war eine handbreit lenger denn ein gemeine elle. Ezech. 40, 5. in der sprache der naturwissenschaft noch jetzt das gemeine reh, der gemeine fink, die gemeine esche, das gemeine bilsenkraut hyoscyamus vulgaris u. s. w., bei Nemnich auch noch als gewöhnlicher ausdruck des lebens, z. b.: er ist etwas kleiner als der gemeine sperling. polygl. 2, 1665, während er gemeiner sperling unter dessen namen nicht mit aufführt, doch sagt er über ihn: einer der gemeinsten und bekanntesten vögel. 1662. ähnlich noch in der sprache der rechts- und staatswissenschaft ein gemeines verbrechen, im unterschied von einem politischen, das nicht nach dem gemeinen recht und gesetz behandelt wird. so auch ein gemeines jahr im gegensatz des schaltjahrs Adelung, gemeine und festtage: schnell hob sich dieser tag, kenntbar am rosenkranze, aus der gemeinen tage schaar. Lessing 1, 90 (auf eine vermählung); und so nahm ein gemeiner tag den andern auf, und alle schienen festtage zu sein, der ganze kalender hätte müssen roth gedruckt werden. Göthe 26, 155 (aus m. l. 12), gemeine und heilige geschichte: wahrlich unsere zeit vergleicht sich den seltensten zeiten, die die geschichte bemerkt, die heilige wie die gemeine. Göthe 40, 287 (Herm. u. Dor. 5). 7@cc) das gemeine leben u. ä., der gemeine lauf der dinge im leben Adelung u. s. w.: denn das ist der gemeine weltlauf, ut secunda ex adversis, adversa ex secundis nascantur ... dabei es in dieser welt wol bewenden wird. Jo. v. Wedel hausbuch 186; doch wie die gemeinen leuf uns lern, trifft untrew gern ihrn eignen herrn. Waldis Es. II, 6, 45; ich habe niemand gekannt, dem es so geglückt wäre seinen geist zu erweitern, ihn über unzählige gegenstände zu verbreiten, und doch diese thätigkeit fürs gemeine leben zu behalten. Göthe 16, 95 (Werther, 24. dec. 1771); die alte suchte so viel möglich durch ihre prose die poesie ihrer freundin ins gebiet des gemeinen lebens herunter zu locken. 18, 64 (lehrj. 1, 12); dasz er nicht allein bei seinen darstellungen, sondern auch im gemeinen leben nicht mehr anders als schmeicheln konnte. 19, 121 (4, 18); der am wenigsten erwartet (im theater), will doch sein geschäft, sein gemeines leben, sein individuum vergessen u. s. w. Schiller XI V, 4, 24 (über den chor in der tragödie), gegensatz zu poesie und theater, jetzt ist das gewöhnliche oder alltagsleben der ausdruck, dem doch die kraft von jenem abgeht. bei Adelung auch noch die gemeine sprechart, alltagssprache, eine gemeine höflichkeit, die man einem jeden erweiset (vgl. Göthe u. 2, b), es ist eine gemeine meinung unter den gelehrten, der gemeine menschenverstand, den alle menschen besitzen (vgl. der gemeine verstand Göthe unter 2, b), nach der gemeinen und gewöhnlichen art denken, vgl. im 16. jahrh. der gemeine sinn der welt: und dis ist ir gemeiner sinn: sie lacht dich an und gibt dich hin u. s. w. Waldis Es. IV, 99, 517. man sieht wie es zugleich an allgemein grenzt und auch schon darein übergreift (s. 2). 7@dd) über diese gemeine art zu denken, den gemeinen menschenverstand, das gemeine bewusztsein strebt aber das höhere denken hinaus und löst sich davon, auch mit geringschätzung oder verachtung. 7@d@aα) auf der letzten höhe der philosophischen bewegung z. b.: der gemeine menschenverstand ... hat die kränkende ehre, mit dem namen des gemeinsinnes (sensus communis) belegt zu werden und zwar so, dasz man unter dem worte gemein (nicht blosz in unserer sprache, die hierin wirklich eine zweideutigkeit hat, sondern auch in mancher andern) so viel als das vulgare, was man allenthalben antrifft, versteht, welches zu besitzen schlechterdings kein verdienst oder vorzug ist. Kant 7, 151; der natürliche gemeine verstand .. der gebrauch der gesunden vernunft, der innerhalb den schranken gemeiner einsichten ist. 6, 13; systematische einheit ist das, was gemeine erkenntnis allererst zur wissenschaft macht. 2, 619; übergang von der gemeinen sittlichen vernunfterkenntnis zur philosophischen. 4, 9; dieses ist schon die gemeine seuche des menschlichen verstandes. 8, 68; für den gewöhnlichen menschen und aus dem gesichtspunkte des gemeinen bewusztseins giebt es nur objecte und keine begriffe, dagegen das philosophische genie u. s. w. Fichte naturrecht einl. 6; wie es (das ich) dem gesichtspunkte des gemeinen bewusztseins von aller philosophischen abstraction unabhängig erscheint. sittenlehre 112; auf dem gesichtspunkte des gemeinen bewusztseins oder der wissenschaft .. auf dem transcendenten gesichtspunkte oder der wissenschaftslehre. 151. ähnlich gemeine beobachtungen unterschieden von philosophie Herder (s. unter e), gemeines gewahrwerden von der tiefern einsicht Göthe 53, 18. 7@d@bβ) dieser philosophische gebrauch von gemein war aber überliefert, s. im 14. jh. bei Herm. v. Fritzlar unter a gemeine lûte und vernunftige lûte in solchem gegensatz, und im 16. jh.: was solt in dem kopf guts und rechts verstands sein, die schrift oder göttliche sachen zu handeln, der so verkertes sinnes ist, das er auch gemeinen verstand menschlicher vernunft verloren hat. Luther 3, 52a. auch gemeiner sinn ist alt, z. b. in einem philosophischen voc. des 15. jahrh.: sensus communis, gemein sinne. Mones anz. 5, 85; mhd. der gemeine sin Eckhart 538, 10, doch in ganz anderm sinne, vergl. Kramm in Zachers zeitschr. 16, 22, auch gemeingefühl, gemeinsinn 1. 7@d@gγ) jener geringschätzung des gemeinen bewusztseins steht übrigens gleichzeitig eine andere richtung gegenüber (man vergl. gedanke 5, d, gefühl 6, d), z. b.: man kann deswegen ohne alle weitere prüfung ein philosophem für irrig erklären, sobald dasselbe dem resultat nach die gemeine empfindung gegen sich hat u. s. w. Schiller X, 337, 31 (18. ästh. br. a. e.); auch gemeine vernunft: man befreie sie (Kants praktische ideen) von ihrer technischen form, und sie werden als die verjährten (uralten) ansprüche der gemeinen vernunft und als thatsachen des moralischen instinctes erscheinen. 275, 30 (1. brief). ähnlich braucht früher schon Göthe den gemeinen sinn als schild gegen überschwang und trotzige selbstüberhebung des geniewesens, gerade in bezug auf die menschlichen hauptfragen, im Ewigen juden: sie wollen nicht mit andern erdentröpfen auf ihren füszen gehn, sie gehn auf ihren köpfen, verachten, was ein jeder ehrt, und was gemeinen sinn empört, das ehren unbefangne weisen u. s. w. 56, 22, der junge Göthe 3, 439; s. auch denselben unter gemeinverstand, Fichte unter gemeinbegriff. auch vom gemeinen rechtsbewusztsein ist nun wieder mit achtung die rede, alles ein stück der notwendigen umkehr, vgl. 6, d, α zuletzt. 7@ee) auch sonst war diesz gemein im 18. jh. und länger noch recht geläufig, auch im höheren stil: gemeine mahler können das vom wetter gehärtete gesicht eines helden, aber die zarte schönheit einer Venus kann nur ein Apelles treffen. Wernike vorr. b 3b; die welt ist ietzo voller narren, und darum bin ich einer mit, und der hat wol den gröszten sparren, der aus gemeinem gleise tritt. Günther 921; dort streckt das Wetterhorn den nie beflognen gipfel durch einen dünnen wolkenkranz, bestrahlt mit rosenfarbem glanz beschämt sein graues haupt, das schnee und purpur schmücken, gemeiner berge blauen rücken. Haller 165; gemeiner tugenden kann nur ein held entrathen. Hagedorn 1, 92; die translationen, metaphoren und alle mehr als gewöhnlich hellen farben der rede (des dichters) .. welche in der gemeinen natur und in dem täglichen umgange eben so was fremdes sind, als das masz in dem verse ist. Breitinger dichtkunst 2, 456. 436; eigenliebe, stolz und eigennutz sind die gemeinsten quellen seiner handlungen (d. h. des menschen überhaupt), wenigstens in der so genannten groszen welt. Gellert 6, 195; der gemeine stolz auf reichthum, geburt u. s. w. ders.; man spricht auch von gemeinem gesicht im gegensatz mit dem vornehmen. Kant 10, 336; nach der gemeinsten und wahrscheinlichsten meinung ward er in dem zweiten jahre der 71. olympias gebohren. Lessing 6, 283; ehe man noch die gemeinen erscheinungen in der körperwelt erklären konnte. Lichtenberg 1, 53; so wie seine (Spaldings) wahrheiten sich zwischen philosophie und gemeine beobachtungen stellen. Herder fragm. 1, 152 (zugleich zu d); das gesticulieren .. ist einem morgenländer verächtlich, auch im gemeinen reden spricht er mit dem munde, nicht mit den händen. lieder der liebe 117; der verfasser bringet bei einigen sehr gemeinen bemerkungen ein bisgen philosophie .. Nicolai in den lit. br. 11, 132; des flatterhaften würden wir uns freuen, dem gemeine einzelne weibliche vorzüge nicht genug thun. Göthe 33, 43; der könig sagt nicht, wie gemeine menschen, verlegen zu, dasz er den bittenden auf einen augenblick entferne. 9, 89 (Iphig. 5, 3); da ihm (Wieland) .. nicht gelingen will, jene herrlichen gestalten mit denen der gemeinen welt, jenes hohe wollen mit den bedürfnissen des tags zu vereinigen .. 32, 243; die guten speisen zogen die aufmerksamkeit der gäste auf sich, und niemand bemerkte, dasz sie in gemeinem geschirr aufgetragen wurden. 18, 57 (lehrj. 1, 11); in seinen gedichten fand er (nun) nur ein monotones sylbenmasz, in welchem, durch einen armseligen reim zusammen gehalten, ganz gemeine gedanken und empfindungen sich hinschleppten. 18, 122 (2, 2); er sprach sich jede art von vorzug, jedes verdienst, das ihn (als schauspieler) über das gemeine empor gehoben hätte, entscheidend ab. 18, 123; o mein freund, wäre mein schicksal gemein, ich wollte gern gemeines übel ertragen, aber es ist so auszerordentlich .. 19, 86 (4, 15); in kurzer zeit war das ganze verhältnis, das wirklich eine zeitlang beinahe idealisch gehalten hatte, so gemein, als man es nur irgend bei einem herumziehenden theater finden mag. 19, 245 (5, 16); und da alles in schuh und strümpfen läuft, bespritzt man sich und schilt, denn man hat sich nicht mit gemeinem, sondern beizendem koth besudelt. 27, 143 (bei regenwetter in Venedig); greift man nicht zu dem gemeinen mittel, seine mängel auf die umstände, auf andere menschen zu schieben ... 54, 104; es ist ein anziehendes schauspiel ... schwierigkeiten, welche gemeinen fähigkeiten unübersteiglich sind, durch ... standhaften willen besiegt zu sehen. Schiller IX, 27; wie sollten wir ... mit vergnügen ... einen tausch betrachten, wobei ein theil der menschheit für gemeine natur ist hingegeben worden? X, 85, 11; wäre nun Laokoon blosz ein gemeiner mensch, so würde er ... in ihrer schnellen flucht seine rettung suchen. 165, 29; ein geschichtschreiber von gemeinem schlage. 207, 14; eine wirkung ad extra, wie sie zuweilen auch einem gemeinen talent ... gelingt, kann ich mir nie zum ziele machen. an Göthe 6. juli 1802; dasz durch solche übersetzungen (wie Wielands Horaz) das antike kunstgepräge groszen theils verwischt wird, wuszte Wieland so gut wie der gemeinste kritiker. Bouterwek gesch. d. poesie 11, 128; da nach gemeiner klugheit die erstürmung der stadt unmöglich war. Schlosser weltg. 6, 396. 7@ff) wie nahe das noch dem gebrauch des 16. 17. jahrh. steht, mögen noch einige proben zeigen: als sich begab, dasz er sein lädlin ab dem gürtel gethan und das an seiner gemeinen legerstatt ligen hatt lassen. buch d. liebe 258c; als die feldmaus bei der stadtmaus auf besuch ist und ihr schmaus durch den hausknecht gefährlich gestört wird, hat die feldmaus den appetit verloren: fragt sie die stattmaus, ob sie oft solch gfar bestehn mszt unverhoft? sie antwort, es wer ihr gmain brot, man msz nicht achten ain gmain not. Fischart flöhh. 1961 (2, 53 Kz.), ihr täglich brot, wie man jetzt noch sagt, bemerkenswert aber in der erwiderung gemein noch mit dat. (s. unter g): wie? sagt die feldmaus, ist dirs gmain? so achtest du dein leben klain. 1963, ist dir das etwas gewöhnliches, mit dem nebenbegriff 'weiter nichts', nichts auszerordentliches, s. noch Lessing unter g; wann weise leute anheben zu narren, sein sie viel kreftiger denn andere gemeine narren. Kirchhof wend. 137b; es habs ihm niemand gesagt, dann die gemeine vermuhtung. Ayrer proc. 2, 10; dasz der scorpion nicht nach der gemeinen art, wie andere thiere, geboren werde. Olearius ros. 7, 10; derhalben musz man bei auferziehung der potentatenkinder .. gröszeren fleisz anwenden, als bei gemeinen kindern. 7, 10 (vgl. 6, c, δ); dasz sie einander vollkömmlich verstehen (mit ihrer geberdensprache), nicht nur in schlechten gemeinen bedeutungen, sondern auch in ausführlichen erzehlungen. Butschky Pathmos 34; gemeine leut haben gemein creuz, grosze leut haben gemeiniglich grosz creuz. Schuppius 176; wobei zu erinnern, dasz unsere Nürnbergische meistersinger mit diesem unterricht (d. h. Opitzens forderung, wie die silben zu behandeln) .. nicht eigentlich zufrieden .. so müsse auch stets ein unterschied zwischen dem meistergesang und der gemeinen poeterey sein und bleiben. Wagenseil de civ. Norib. 520. 7@gg) uns jetzt am fernsten steht gemein sein (werden) in diesem sinne und hat doch auch bis ins 18. jahrh. völlige geltung gehabt, aus alter zeit her, z. b.: daʒ daʒ sô gemein ist worden, daʒ diu liut ein ander morden, daʒ ist ê gar seltsam gewesen, daʒ geschiht nu alle wochen .. eʒ ist gar ein gemeine tât. Teichner 307 Kar., es ist etwas alltägliches geworden, ein alltägliches thun; auch mit dem dat., der auch sonst gemein begleitet in seinen verschiedenen richtungen der bed. (s. 5, a): den (rittern) zemete ouch daʒ alleine, daʒ si daʒ golt zu spangin trugin, den rîchen was eʒ vor gemeine. Rothe rittersp. 776, bei denen war das vor zeiten das gewöhnliche oder die regel, ein kennzeichen ihres standes, vergl. u. f ist dirs gmain Fischart und noch Lessing unten; solch leihen ist itzt gemeine durch alle stende. Luther wider den wucher A 4a, Dietz 2, 71a; itzt nichts so gemein ist, als das recht unrecht und aus unrecht recht machen. das.; wie denn solch reimen in allen sprachen gemein ist. das.; wie solche weise in der schrift zu reden fast gemein ist. das.; sie sind theuer (selten) solche hirten und nicht so gemein als die zweifüszige puffel und bapstesel zu Rom. das.; dis sind verdrieszliche leute, doch seer gemein in der welt. das.; lügen ist gemein bei ungezogen leuten. Sir. 20, 26; unverstand, der unter den gewaltigen gemein ist. pred. Sal. 10, 5; von mannen, weiben, jungfraw rain, der leiden ist so gar gemain, das all ir zal nit nennlich ist. Schwarzenberg 156d; nichts ist leichter und gemeiner, dan andrer leute arbeit zu tadeln. Weckherlin vorr. zu den weltl. ged.; was immer zierlich und löblich in den griechischen und lateinischen und andern frembden poeten gemein und gebräuchlich. das.; wo viel gemeinschaft ist, ist ansehn nicht gemein. Logau 2, 3, 64; viel helden hat es jetzt, so hats auch viel poeten; dasz jene nun die zeit nicht wie der tod mag tödten, darzu sind diese gut: wiewol es auch gemein, wo viel poeten sind, dasz auch viel tichter sein. 1, 7, 5, tichter, die nicht bei der wahrheit bleiben, die zudichten; o were so gemein für die obrigkeit beten, als gemein ist denselben fluchen. Schuppius 210; es waren damals die zerschnittene wämbser sehr gemein. 376; das wörtlein nichts, so an sich selbst klein, gering und veracht und doch in der ganzen welt ... nichts gemeiners, nichts ofters gehöret noch geredet wird. 413; es ist dieser spruch so gemeine, dasz ihn auch die kinder von 5 oder 6 jahren wissen. 442, so in gemeinem gebrauch; nicht ist gemeiner, als dasz man bei manchem groszen herren in verdacht geräth, wenn man dessen meinung nach zu sehr auf seiner hut stehet. Wernike 35 (24 B.); die vergnügung wahrer liebe ist nicht eben so gemein. Günther 288; bei einer garstigen musz sich der bräutgam schämen, bei schönen aber ist die reine weibertreu jetzt leider so gemein, als wie ein katzenei. 1002; dasz blonde haare in warmen ländern nicht so häufig, als in kalten gegenden, aber dennoch gemein sind. Winkelmann 3, 49, keineswegs ungewöhnlich, selten; erfahrungen, die sehr gemein sind. Kant 8, 15; er widersprach — was kann an ihm gemeiner sein? und widerlegte nicht — auch das ist ihm gemein. Lessing 1, 31, bemerkenswert noch mit dem alten dat. wie u. f bei Fischart; ein charakter, der sehr viel gemeiner ist, als man glaubt. Lichtenberg 1, 31; wenn es zum unglück der menschheit so gemein und alltäglich ist, dasz ... unsere besten keime zu groszen und guten unter dem druck des bürgerlichen lebens begraben werden. Schiller III, 350, 31; liesz ich (Wallenstein) mirs so viel kosten, in die höh zu kommen, über die gemeinen häupter der menschen wegzuragen, um zuletzt die grosze lebensrolle mit gemeiner verwandtschaft zu beschlieszen? Wallensteins tod 3, 3; recht geben würd' es dem gemeinen wahn, der nicht an edles in der freiheit glaubt. 2, 2; ein allzufreies gespräch, das einen strafbaren oder halbstrafbaren zustand als einen gewöhnlichen, gemeinen, ja löblichen behandelt. Göthe 17, 113 (wahlv. 1, 10), wie 'in der ordnung' durch die allgemeine gewohnheit; durch wunder und gleichnisse wird eine neue welt aufgethan. jene machen das gemeine auszerordentlich, diese das auszerordentliche gemein. 22, 23 (wanderj. 2, 2). bei Adelung z. b. die wölfe sind in diesem lande sehr gemein, das silbergeld ist bei uns eben nicht gemein, das ist etwas sehr gemeines, ein sehr gemeiner gebrauch u. ä. 7@hh) bemerkenswert ist noch nicht gemein, d. h. ungewöhnlich oder auszerordentlich, jetzt eben ungewöhnlich oder nicht gewöhnlich (aber auch noch ungemein): dich preist man unter deinen, ihn rühmt man unter seinen, weil keins nicht war gemein'. Fleming 330 (248 L.); und dieser pfenning hat des jahrs keine gemeine summ gemacht. Schupp. 57; ein gesetz von nicht gemeiner erheblichkeit. Kant 8, 174; wie viel unzweideutiger genius, unzweideutiger wandel und nicht gemeine talente zum beruf des neuen propheten gehören. Göthe 33, 82; ich kann hoffen, dasz ich der religion und der wahren moral keine gemeine rache verschafft habe. Schiller II, 10, 23 (vorr. zu den räubern). ähnlich mehr als gemein, z. b.: er (der kleine fürst) bewies mehr als gemeinen verstand dadurch, dasz er seinen erbprinzen Napoleon taufen liesz .. J. Paul 34, 167, jetzt gleichfalls mehr als gewöhnlich. anderseits ganz gemein, ganz gewöhnlich: er (der schriftsteller) war einer von den ganz gemeinen leuten, die mit halb offnen augen, wie im traume, ihren weg so fortschlendern. Lessing 8, 318; wir haben im grunde nichts gemein mit einander. er ist ein mann von verstande, aber von ganz gemeinem verstande. Göthe 16, 113. gesteigert zu gemein, zu gewöhnlich, womit der begriff zugleich auf seine tiefste stufe hinuntersteigt: schön ist nicht, was zu gemein. Weckherlin 396; dat handwerk (des dichtens) is jo so gar to gemeen, versche wil itzunder schriven idereen. Lauremberg 4, 255; die ehrendoctorwürde wird heut zu tage gar zu gemein, doctoris honorum insignia hodie pervulgantur. Weber 340b; denn sie tadelten stets an mir, das muszt' ich ertragen: gar zu lang war mein rock, zu grob das tuch und die farbe gar zu gemein. Göthe 40, 254 (Herm. u. Dor. 2). ähnlich so gemein, so gewöhnlich: aber nimmermehr kann ein dichter von hrn. Bürgers genie die kunst und sein talent so tief herabgesetzt haben, um nach einem so gemeinen ziele zu streben. Schiller VI, 318; ein schöner tod ist auch ein glück, das den menschen nur selten geboten wird, die meisten sterben auf eine so gemeine weise, dasz man gar nicht hinsehen mag. Kotzebue dram. sp. 3, 287. wie leicht uns das jetzt zu rasch die heute herrschende schlechteste färbung annimmt, zeigt z. b. Lappenbergs erklärung von Laurembergs gemeen als 'gemein, niedrig' im wb. 88) gemein in geringschätzigem oder verächtlichem sinne. 8@aa) auf der schwelle von der vorigen zu dieser letzten bed., in der das alte edle wort auslaufen sollte, steht besonders deutlich ein gebrauch, der auf der letzten höhe unserer literaturbewegung in ästhetisch-ethischem sinne davon gemacht wird. 8@a@aα) von Göthe z. b. in den berühmten und merkwürdigen worten von seinem geschiedenen freunde und arbeitsgenossen: und hinter ihm, in wesenlosem scheine, lag, was uns alle bändigt, das gemeine. 13, 170 (epilog zu Schillers glocke), wie er noch im j. 1830 sich brieflich äuszerte: Schillern war eben diese Christustendenz eingeboren, er berührte nichts gemeines, ohne es zu veredeln. an Zelter 6, 55, und in der widmung seines briefwechsels mit Schiller an könig Ludwig: wie er, wenn auch körperlich leidend, doch immer sich gleich und über alles gemeine und mittlere stets erhaben gewesen (4. ausg. 1, x). es war ihm förmlich ein wichtiger arbeitsbegriff geworden, den er auch begrifflich fest zu fassen suchte: das zufällig-wirkliche, an dem wir weder ein gesetz der natur noch der freiheit für den augenblick entdecken, nennen wir das gemeine. 49, 45 (spr. in prosa nr. 102); das wirkliche ohne sittlichen bezug nennen wir gemein. 49, 205 (nr. 696b); das gemeine musz man nicht rügen, denn das bleibt sich ewig gleich. 49, 81 (309); die kunst ist an und für sich selbst edel, deshalb fürchtet sich der künstler nicht vor dem gemeinen, ja indem er es aufnimmt, ist es schon geadelt. 49, 205 (697); man sagt: studire künstler die natur! es ist aber keine kleinigkeit, aus dem gemeinen das edle, aus der unform das schöne zu entwickeln. 49, 64 (204); es gibt nichts gemeines, was fratzenhaft ausgedrückt nicht humoristisch aussähe. 49, 46 (108); das leben, so gemein es aussieht, so leicht es sich mit dem gewöhnlichen, dem alltäglichen zu begnügen scheint, hegt und pflegt doch immer gewisse höhere forderungen im stillen, und sieht sich nach mitteln um sie zu befriedigen. 49, 61 (185); nachdem ich in jener laube zu Sesenheim meine erzählung vollendet, in welcher das gemeine mit dem unmöglichen anmuthig genug wechselte .. 26, 5 (aus m. l. 11); die Deutschen, bei denen überhaupt das gemeine weit mehr überhand zu nehmen gelegenheit findet als bei andern nationen. 48, 150 (aus m. l. 19), und sonst sehr oft, immer in späterer zeit. auch gemeines und schlechtes gesellt: so lebt Eugenie .. so wirkt sie noch als hohes vorbild, schützet vor gemeinem, vor schlechtem dich, wies jede stunde bringt. 9, 326 (nat. tochter 3, 4). 8@a@bβ) er hatte es aber, glaub ich, eben von Schiller selbst übernommen, in dessen gedankenganzem der begriff eine natürlichere und entscheidende stellung einnimmt, die er deutlich zeichnet in den gedanken über den gebrauch des gemeinen und niedrigen in der kunst X, 207 ff.: gemein ist alles, was nicht zu dem geiste spricht und kein anderes als ein sinnliches interesse erregt u. s. w., ein gemeiner kopf wird den edelsten stoff durch eine gemeine behandlung verunehren, ein groszer kopf und ein edler geist hingegen wird selbst das gemeine zu adeln wissen u. s. w.; ein dichter behandelt seinen stoff gemein, wenn er unwichtige handlungen ausführt und über wichtige flüchtig hinweggeht. er behandelt ihn grosz, wenn er ihn mit dem groszen verbindet. 208, 13; einen gemeinen geschmack haben in der bildenden kunst die niederländischen mahler, einen edlen und groszen geschmack die Italiener, noch mehr aber die Griechen bewiesen. 207, 23. nachher grenzt er das niedrige davon ab: noch eine stufe unter dem gemeinen steht das niedrige, das nicht blosz etwas negatives, nicht blosz mangel des geistreichen und edeln, sondern etwas positives, nämlich roheit des gefühls, schlechte sitten und verächtliche gesinnungen anzeigt. 208, 18 (also unser heutiges gemein, s. c). auch in den dichtungen, z. b. in Wallensteins munde: nicht was lebendig, kraftvoll sich verkündigt, ist das gefährlich furchtbare, das ganz gemeine ists, das ewig gestrige, was immer war und immer wiederkehrt, und morgen gilt, weils heute hat gegolten! denn aus gemeinem ist der mensch gemacht, und die gewohnheit nennt er seine amme. Wallensteins tod 1, 4; er (Max) machte mir das wirkliche zum traum, um die gemeine deutlichkeit der dinge den goldnen duft der morgenröthe webend. 5, 3. 8@a@gγ) man sieht, es ist da im wesen noch das gewöhnliche, alltägliche, massenhafte, aber geringschätzig, ja auch verächtlich behandelt, auch als gemeine wirklichkeit, über die hinaus man weiter kommen müsse: und nun beginnt er (Wieland) zugleich einen kampf gegen die gemeine wirklichkeit, er lehnt sich auf gegen alles, was wir unter dem wort philisterey zu begreifen gewohnt sind, gegen stockende pedanterey, kleinstädtisches wesen u. s. w. Göthe 32, 244; die höchste aufgabe einer jeden kunst ist, durch den schein die täuschung einer höheren wirklichkeit zu geben. ein falsches bestreben aber ist, den schein so lange zu verwirklichen, bis endlich nur ein gemeines wirkliche übrig bleibt. 26, 65 (aus m. l. 11). gegensatz ist neben geist in dem erhöhten sinne der zeit das edle, grosze, also im anschlusz an den älteren im leben erwachsenen standesbegriff gemein u. 6, c, α. δ, der hier ganz auf die geistige und sittliche welt übernommen ist, aber doch noch nicht so tief gefaszt, wie das heutige gemein, denn das fällt mit Schillers niedrig zusammen (s. c), anderseits aber auf dem wege dazu, denn für folgendes gemein reicht gewöhnlich nicht aus auch mit seinem tadel: so ist z. b. die rache an sich .. etwas gemeines, weil sie einen mangel von edelmuth beweist, aber man unterscheidet noch besonders eine niedrige rache, wenn der mensch, der sie ausübt, sich verächtlicher mittel bedient. Schiller X, 208, 25; eher würde gewöhnlich, in seinem tadelnden sinne, für folg. taugen: ein mensch handelt gemein, der nur auf seinen nutzen bedacht ist, und in so fern steht er dem edeln menschen entgegen, der sich selbst vergessen kann, um einem andern einen genusz (d. h. gewinn) zu verschaffen. 208, 32. daraus ergibt sich aber, dasz das heutige gemein mit seinem tiefsten ende damals noch nicht bestand oder noch nicht durchgedrungen war. 8@bb) dazu stimmt denn auch, was Adelung von dieser bed. angibt, 'mit dem nebenbegriffe des mittelmäszigen oder schlechten' (vgl.alles gemeine und mittlere Göthe u. α), z. b. ein sehr gemeines gesicht, ein gemeiner gedanke, eine gemeine tugend, ein sehr gemeines lob, also nichts als gewöhnlich, nichts besonderes, noch sehr fern von der heutigen bedeutung (mit der ja z. b. gemeine tugend ganz unmöglich wäre). ähnlich Heynatz im j. 1797: gemein kann zwar für alltäglich und folglich auch für mittelmäszig gebraucht werden (er erhielt ein sehr gemeines zeugnis seiner geschicklichkeit, sie besitzt nur eine gemeine schönheit), allein für schlecht wird es nur in einigen oberdeutschen gegenden gebraucht, z. b. der kranke befindet sich heut sehr gemein, ein schönes haus mit einer gemeinen treppe, auf welcher man den hals brechen könnte. antibarb. 2, 28, also noch nicht geistig-sittlich, wie gegenwärtig; so z. b. appenz. er heds bschädeli gmena, er steht ziemlich übel, sowol dem befinden nach als sonst Tobler 226b, er befindet sich gemein, schlecht 227b. in jener richtung läszt sichs aber bis ins 17. jahrh. zurück verfolgen, vermutlich weiter: gemeine fisch, geringe, schneider- weberfisch, coenae plebeiae pisces. Henisch 1485b (aus Augsburg), also wie sie nur gemeine leute essen, wie man noch im ärger schlechte kost, schlechtes getränk gemein schelten hört; gemeine sachen, des choses vulgaires, triviales. Rädlein 352a; das sind gemeine, schlechte oder lumpensachen, trivial, vile, common or ordinary things. Ludwig 733; gemein, schlecht, vulgaris, trivialis, plebejus, ein gemeiner scribent, autor proletarius Aler 891a; sie halten (beim schreiben) das nahe für gemein, sie suchen, und sie kommen dadurch aus den grenzen des natürlichen. Gellert 4, 59 (50); am meisten erstaunte und genosz er, dasz sein dorf und der pfarrer mit hineingedruckt waren (in den staatskalender) samt den gemeinsten umliegenden nestern. J. Paul 54, 28, den schlechtesten oder mit kraftwort lumpigsten, wie es auch heiszt; die Germanier glaubten der barbarei nicht anders los werden zu können, als wenn sie Römer würden ... in ihrer einbildungskraft bekam aber barbarisch gar bald die nebenbedeutung von gemein, pöbelhaft, tölpisch, und so ward das römische im gegentheil gleichgeltend mit vornehm. Fichte reden an die d. n. (1869) 64, fünfte rede, noch immer nur plebejisch; nun aber ward ... der betrachter (der procession) unschicklich abgezogen und weggestört durch .. ein wunderliches, gemein-heftiges geschrei. Göthe 43, 266 (Rochusfest). gern auch zu gemein (vgl. u. 7, h): doch zehnfach arg wirds und verkehrt, wenn in ein weib der teufel (des genies) fährt. gleich ist ihr zu gemein das leben, musz immer in den wolken schweben u. s. w. Geibel ges. w. 2, 137. man hört im ärger auch z. b. von gemeinem wetter reden, grundschlechtem, gleichsam eines gebildeten menschen unwürdig. 8@cc) jetzt aber steht uns im vordergrunde der begriff, für den Schiller u. a, β, mit ausdrücklichem unterschied von gemein, niedrig braucht, was 'roheit des gefühls, schlechte sitten und verächtliche gesinnungen anzeigt', es musz sich erst nachher entwickelt haben, vom vorigen ausgehend und vielfach damit gemischt, z. b.: nicht küssen! sagte sie (Gretchen in Frankfurt), das ist so was gemeines, aber lieben, wenns möglich ist. Göthe 24, 271 (aus m. l. 5); die jungen leute, mit denen ich auf diese weise immer in nähere verbindung kam, waren nicht eigentlich gemeine, aber doch gewöhnliche menschen. 275, nicht nach dem standesbegriff gemessen, sondern geistig-sittlich; und ich sags zum drittenmal, wenn ers hören will, der flegel, der impertinente, der gemeine kerl. Hebel 3, 141 (vgl. gemeiner kerl standesmäszig 6, c, α); von gemeinen menschen, von leuten ohne erziehung halte dich in kalter, obgleich nicht stolzer entfernung. Platen 5, 230; der tadel ohne witz ist gluth ohne licht .. ohne ihn ist kritik gemein und boshaft. Börne 4, 322; was nur im deutschen reiche an krämern, juden und schlechten dirnen gemeines herumwandert, fand sich da zusammen. 5, 189; 'gewöhnlicher mensch' ist ein viel gelinderer und mehr auf das intellectuelle gerichteter ausdruck, während 'gemeiner mensch' mehr auf das moralische geht. Schopenhauer parerga 2, 484. geläufig ist nun gemeine gesinnung, handlungsweise u. ä., gemeinste selbstsucht, habgier u. ä., gemeine seele, er hat ihn in gemeinster weise beschimpft, was doch auch noch mehr die pöbelhafte form meinen kann, als den sittlichen wert oder unwert. der gegensatz, an dem es gemessen wird, ist immer noch edel (unter umständen auch 'nobel'), oder gebildet, das theilweis an jenes stelle getreten ist (s. 6, c). 8@dd) es ist übrigens auch in den mundarten, also beim volke wol allgemein, was für die zeit vom aufkommen des begriffes von wichtigkeit ist und eigentlich genauer zu untersuchen wäre; z. b. in der Schweiz schon bei Stalder 2, 206 gmein niedrig, schlecht, dazu gmeinelen, nach einer pöbelhaften denkart, erziehung, sitte schmecken. auch nd. z. b. pommerisch gemeen pöbelhaft Dähnert 149a, ostfries. 'schlecht, niedrig, commun' Stürenburg 68a. auch nl. gemeen schlecht, niedrig, unedel, engl. mean aber, das unserm gemein entspricht, ist ganz in dieser niedrigsten bed. aufgegangen (noch im 16. jahrh. standesmäszig, nicht von adel u. ä.), in die alten edleren bedeutungen ist dafür common eingetreten, das franz. commun, die aber beide zugleich auch alle stufen bis zur niedrigsten durchlaufen. auch bei uns hört man von gebildeten commun für das niedrigste gemein brauchen, allgemein aber ist so das franz. ordinär, eigentlich ordnungsmäszig, wie sichs gehört, dann gewöhnlich und endlich gleichfalls so seltsam heruntergekommen wie gemein, als müszte alles rechte aus der ordnung und gemeinsamen einheit heraustreten. 99) merkwürdig ist aber, dasz unser wort schon frühe, ja schon beim allerersten auftreten, im gothischen, zugleich in ähnlich geringschätziger bed. erscheint, für profan, unheilig, ja unrein. 9@aa) in Luthers bibel: ich weisz und bins gewis in dem herrn Jhesu, das nichts gemein ist an im selbs, on der es rechnet für gemein, dem selbigen ists gemein. m. 14, 14, es ist von unreiner, unheiliger speise die rede; es ist nichts auszer dem menschen, ðas in künde gemein machen, so es in in gehet, sondern das von im ausgehet, das ists, das den menschen gemein macht. Marc. 7, 15, vgl. v. 18 ff.; ir menner von Israel, helft, dis ist der mensch (Paulus), der alle menschen an allen enden leret .. wider das gesetz .. auch dazu hat er die Griechen in den tempel gefüret und diese heilige stete gemein gemacht. ap. gesch. 21, 28, entweiht, verunreinigt. selbst für unrein im eigentlichen sinne: und da sie sahen etliche seiner jünger mit gemeinen, das ist mit ungewaschen henden das brot essen, versprachen sie es. Marc. 7, 2. im griech. entspricht κοινός (κοινόω), das auch sonst mit gemein hand in hand geht (s. z. b. u. 4, g), auch in der vulg. mit commune gegeben m. 14, 14, communibus manibus Marc. 7, 2. 5 und auch deutsch schon im 14. jh. mit gemeinen henden Haupt 9, 292, Beheims evang. (im Tatian 84, 1 doch mit unsûbrên hantun), und bedeutsam ebenso schon beim Gothen gamainjaim handum Marc. 7, 2 (aber unþvahanaim handum v. 5), wiem. 14, 14 gamain n. (neben gavamm, unreines) und Marc. 7, 15. 18. 20 für κοινοῦν (vulg. coinquinare) gamainjan, Luther gemein machen; auch ags., nordhumbr. mið gemænelîcum hondum Marc. 7, 2, als heimisch gestützt durch ags. gemænan beflecken, auch verderben, verletzen Grein 1, 426. noch im 18. jh. gemein machen für profanieren: heilige dinge musz man nicht gemein machen, holy things must not be profaned. Ludwig 734. 9@bb) wie dabei der übergang der begriffe vor sich gieng, macht eine alttestamentliche stelle deutlich: der priester antwortet David und sprach, ich hab kein gemein brot unter meiner hand, sondern heilig brot. 1 Sam. 21, 4 (schawbrot v. 6), vulg. laicos panes, deutsch schon im 15. jh. laycus panis, gemein brot Dief. 316b, auch in der jüdisch - deutschen übers. der bücher Samuelis im Hildebrandston, die auch dem 15. jh. angehören wird: da antwort im der priester, ich hab nit gmaine brot, dann nur das gschawbrot allain ... die zway ersten bücher der künig u. s. w. Ingolst. 1562 M ija (1, 512). also gemein gegensatz des heiligen, geweihten, ursprünglich wol alles was sich auszer dem heiligen bezirk befindet (profanum was pro fano ist), der aus dem im besitz der gemeinde (im weitesten sinne) befindlichen lande ausbezirkt ist, als der gottheit eigen, denn jenes hiesz recht eigentlich gemein (s. 3, c, α), und unser wort musz denn aus dem eignen alten oder ältesten leben her zu jener biblischen verwendung die handhabe geboten haben, wie gr. κοινός gleichfalls. auch in einem ganz eigenthümlich altjüdischen sinne behielt Luther gemein machen bei, wol nach der vulg.: welcher einen weinberg gepflanzet hat und hat in noch nicht gemein gemacht (vulg. necdum fecit eam esse communem), der gehe hin und bleibe da heime, das er nicht im krieg sterbe und ein ander mache in gemeine. 5 Mos. 20, 6; einen weinberg wirstu pflanzen, aber du wirst in nicht gemein machen. 28, 30, d. h. genieszen (vulg. non vindemies), vgl. 3 Mos. 19, 23 ff., wonach die früchte neu gepflanzter bäume im vierten jahr heilig sein und erst im fünften jahr gesammelt und genossen werden sollen, also gemein gleichfalls als gegensatz zu heilig. 9@cc) wie auch zu der steigerung von 'nicht heilig' zu 'unrein' das eigne leben die hand bieten konnte, deutet ein sprichwort an: gemein selten rein. Moscherosch Philander 1644 s. 158 randgl., übrigens in sittlicher anwendung (im text ist von neid und zwietracht die rede im hause, in collegien, an höfen); gemein ward nie rein. Tobler 227b, ausgegangen etwa von stube, tisch, geräte beim zusammenwohnen (s. 3, h, ε), dann auch sittlich verwendet. reinheit aber war für alles heilige die erste und älteste forderung, auch und zuerst äuszerliche (s.keusch 5, b ff.). selbst das mein in meineid u. s. w. (s. 1, d) findet hier passenden anschlusz, erscheint doch auch hier geradezu rein als gegensatz, ein eid sollte sein altschwed. reen och icke meen (wol nach dem nd.), mnd. sogar reine unde nicht gemeine, s. bei Scherz 1020. auch ein merkwürdiges vermeinen, verhexen Schmeller 2, 587 könnte hier seinen anschlusz finden, wenn es zuerst etwa von amtshandlungen heidnischer priester galt, die von christlichen so bezeichnet wurden, wie meineid von priestern ausgegangen sein mag, eigentlich profaner, unreiner. 1010) gemein als adv., ahd. gimeino, mhd. gemeine. 10@aa) vor allem ist zu bemerken und lehrreich, dasz es oft unsicher bleibt, ob adv. oder adj. gemeint ist, so besonders bei dem beliebten nachgestellten gemein, s. u. 3, e, ε die bürger gemeine, alle gemeine, wir gemein u. ä., mhd. diu werlt, diu kristenheit gemeine, eig. in voller versammlung, in gemeinschaft. sicher war das sprachgefühl darin selbst nicht entschieden, steht doch schon ahd. das adv., wo die gewohnheit das adj. verlangte, bei Otfried (durch den reim herbeigezogen): thiu frewi ist in gimeino. V, 23, 246 (: biweino), dicht neben theist in ouh gimeini 248 (: heilî). mangelnde flexion bei jener nachstellung beweist, wie es scheint, das adv.: den lûten gemeine den wart vil leide. gen. 146, 30 D.; was alles volkes gemeine sin und wille ist. Griseldis 4, 12 Schröder; das uns allen gemeine unde gewislich wedervert. 4, 24, und dennoch, merkwürdig genug, uns allen gemeine, alles volkes gemeine ist doch nichts als der dat., gen. des geläufigen wir alle gemeine, alles volk gemeine, d. h. das letztere ist bestimmt an das nomen gebunden, nicht ans verbum, sachlich also adj., nicht adv. ähnlich unsicher: daʒ (strafgeld) ist der gebûre gemeine zu trinkene. Sachsensp. III, 64, 11 (vergl. gemeinbier), entweder: gehört den bauern, gemeinschaftlich zu trinken, oder: gehört den bauern als gemeine zum trinken, wahrscheinlich aber beides nach wahl oder wirklich beides in einem zu verstehen, ja es liegt eine dritte möglichkeit vor, gemeine als adj. zu daʒ (s. 3, f, δ). ebenso bei dem häufigen etwas gemein haben (5 a. e.), als gemeines oder in gemeinschaft, es ist eben gar nicht zu entscheiden und in wahrheit beides zugleich, was sachlich das beste, sachentsprechendste und durch die gestutzte form eben möglich ist. ebenso bei folg. gemeine gegeben, wo wirklich drei möglichkeiten in einander flieszen: ðen leib, der in die gemeine ausgeteilet und durchs brotbrechen allen gemeine gegeben war. Luther 3, 73b, entweder gemeinschaftlich oder als gemeinsames oder auch dat. zu alle gemeine, wie vorhin uns allen gemeine. unsicher auch: und liecht bei finster, grosz und klain, der gegenwürf sen vil gemain. Schwarzenberg 129b (widerwurf 155c), solche gegensätze gibt es in menge, der gen. von vil abhängig, aber anderseits sind vil gemain nicht rein zu trennen, es ist wie ein milderes al gemein, zugleich als eine art zahlwort behandelt, also gemain zugleich adj. 10@bb) sicheres adv. dagegen mhd. z. b. in gemeine tragen, gemeinschaftlich: ich trage mit dir die swære gemeine. Gudr. 1066, 4, wie ahd. frauwit sih gameino, congaudet Graff 2, 784. nhd. so gemein schaffen, in gemeinschaft, in hochalem. sprache: das sieht man bei uns in den alpen, in welchen das holz, die weide und alles gemein ist. hier findet man gewisz immer die schlechteste ordnung, wenn einer nicht thut, wie er sollte, so thun es die andern auch nicht mehr, und wenn man in so einer alp etwas gemein schafft, so richten zwanzig männer nicht mehr aus, als sonst zehn. Felder Nümmamüllers 229. 10@cc) das später seltene adv. (es ist durch gemeinlich, gemeiniglich vertreten) erscheint doch bis ins 17. jh. oft in der bed. allgemein oder gewöhnlich, auch noch in voller form gemeine: küng Sigmund war der sinn beraubt, do er trummet und pfeifen erlaubt den stetten so gemaine. Uhland volksl. 427 (166, 4); und wie durch seinen glanz gemein zumahl von unsern sehl und tagen er kan die dunkelheit verjagen. Weckherlin 350 (od. 1, 1); fisch und welsche wein sind jetzt nit, wie vor des gemein auf unserm tisch zu finden. Soltau 467 (1622); man siht gemeine nicht, dasz ehr und demut gleiche, vielmehr, wann jene steigt, dasz diese meistens weiche. Logau 2, 5, 46; wil mancher wie ein bild im bette stille liegen, so giebt man ihm gemein ein fell das hörner hat. 1, 2, 71; bei hofe haben die gemein den besten sold, die sonsten doch nichts thun, als fressen nur und saufen. 1, 9, 85; man gibt den geistlichen gemein der väter namen. 3, 9, 83; Quadruncus sticht gemein gelehrte männer an. 2, 5, 1 (sehr oft Ramler und Lessing); wer nicht selbsten kan betriegen, wird gemein betrogen. 3, 6, 58 u. ö.; später selten: der gemein angenommene physische einflusz. Kant 2, 690; gemein angenommene gedanken. Lichtenberg 1, 37. 1111) gemein als subst. 11@aa) masc. ein gemeiner, schiedsrichter, wie sonst ein gemeiner man, obman (4, a): ob die viere (die den streit schlichten sollen) ... eines gemeinen notdurftig würden. Augsb. chron. 2, 400, 7 (15. jh.); möchten sie (die zwiespältigen vier schiedsleute) sich aber keines gemeinen vereinen, so sollen sie das ... an uns bringen .. inen einen glichen gemeinen zu geben. Haltaus 651, zu glich s. u. 4, b, beiden theilen gerecht. jetzt ein gemeiner, die gemeinen, d. h. soldaten (6, c, ε). auch fem. eine gemeine, wie gemeines weib, meretrix (2, i) Schmid schwäb. wb. 227: die lebsen der gemeinen sein als ein triefendes hönig und ir kel ist senfter denn das öl. bibel 1483 297b, spr. Sal. 5, 3. 4; dieser liesze sich bereden, dasz er ... mit anderer hofbursche zu einer leichtfertigen gemeinen, sonder zweifel wäscherin eingehet ... Simplic. virid. hist. F ijb; bei einem volksfest in Nördlingen im j. 1442 müssen sie einen wettlauf machen zur unterhaltung der menge: do sach man hubscher frawen vil .. die man heiszet die gemeinen, zu dem parchat laufen schon. Kellers fastn. sp. 1352. anders in der bildung ein gemeiner oder gemeinder, theilhaber, s. dort. 11@bb) die gemeinen hiesz es aber auch kurz für die gemeinen bürger oder gemeinen leute u. ä. (3, f, α. 6, a): gedenkt es recht, ir frumen gemein, ir (der ratsherren) hochmut ist furwar nit klein! Liliencron 2, 336b, gemein für gemeinen (gemein'n), die Nürnberger bürgerschaft, die ein dichter im dienst der feindlichen markgrafen gegen ihren rath aufreizt; mich jamert in dem herzen mein die frumen gemein und handwerksleut. 336a; wir (der rat von Thorn) .. haben allerhand speisekauf gesatzt (die preise bestimmt) .. unsern gemeinen, arm und reich unser burger. Magd. fragen 210, man bemerke arm und reich, also durchaus nicht im heutigen beschränkten sinne; wannehe ein herre zu Proeme den hobsmenn (hofleuten) oder gemeinen zu Deusborn zur herschawe gebietet ... luxemb. weisth. 772, unterthanen (16. jahrh.); eben darum, weil dieses vorrecht der abderitischen gemeinen nicht sehr viel zu bedeuten hatte, waren sie desto eifersüchtiger darauf. Wieland Abd. 1781 2, 90 (4, 9), die bürgerschaft. also wie in England, altengl. þe comons, das volk Mätzner wb. 458a, wie noch von dessen vertretung the commons, the house of commons, auch bei uns das haus der gemeinen Ludwig 734, die gemeinen: ich sehe dieses edle oberhaus, gleich feil mit den erkäuflichen gemeinen, gesetze prägen und verrufen u. s. w. Schiller Maria Stuart 1, 7. aber auch das haus der gemeinden Rädlein 352a, wie es Ludwig unter gemeinde stellt (auch noch nl. het huis der gemeenten, franz. la chambre des communes), und das ist nicht blosz ein irrthum, denn die form wird schon früher mit gemein gemischt (s. dazu 12): it. es sollen auch die gemainden (fortan) uf und umb die greben, schutten und torn (der stadt) zu grasen macht haben. Baumann qu. z. gesch. d. bauernkr. aus Rotenburg 180, im reg. richtig als die gemeinen bürger aufgefaszt; nrh. im 13. jh.: der buschof in ein richthuis besante de richsten, de hei bekante van den weveren (der weberzunft) und den gemeinden u. s. w. Hagen cöln. reimchr. 1208, zu einem bündnis wieder de besten van der stat, die geschlechter. ebenso mnl. gemeynde ambachten, die gemeinen zünfte Oudem. 2, 480. s. auch u. gemeindebusch. 11@cc) besonders entwickelte sich das neutr. substantivisch. 11@c@aα) unflectiert ein gemein, gemeinderecht, mhd.: wiʒʒet, lieber herre, daʒ sie (die unterthanen) in genumen haben ir nutzung und ir weidech, daʒ in daʒ dorf gehœrt ze Terreys (Theres) und ir reht gemein ist. weisth. 6, 99 (14. jh.); es ist eig. das gemein mit dat. 5, f, β von dem was einem gebührt oder zukommt als sein theil, s. auch u. δ das. mîn gemeine (adj.), was mir mit gehört. auch gemeinde, gemeine bedeutete gemeinderecht (s. dort 3, b) und nd. umgekehrt auch dat gemeine die gemeinde, s. u. gemeinde 1, b. unmöglich ist freilich nicht, dasz rehte gemeine gemeint ist, in gestutzter form. 11@c@bβ) flectiert gemeines, z. b. von gemeinschaft des besitzes: die andern (klosterleute) geloben strenger armut, das sie auch in gemeinem nichzit haben wollen ligends, aber farends wollen sie haben. Keisersb. pred. 64b. ein gemeines, eine gewohnheit, gemeiner brauch: bei allen höfen ist ein gemeines, dasz darin niemand kommen darf, als wenn es von dem könige erlaubet ist. Olear. pers. baumg. 8, 13. das gemeine, gewöhnliche, niedrige, s. 8, a ff. 11@c@gγ) in adverbialer wendung ins gemein, im allgemeinen (gegensatz insbesondere), seit dem 17. jahrh., anfangs auch noch ins gemeine: derer (der alten) länge ins gemeine 4 elen ist. Schuppius 777, auch bei Micrälius 1, 2, s. unter insgemein, wo auch belege für ins gemein, das sich bis ins 18. jh. hielt: was will dan endlich wunder sein (von solch bösem vorfall), wan fast die leut auch ins gemein die Adams-frucht der laster aufgelesen! Rompler 168, allgemein, alle; der evangelist Lucas war ein medicus und ein mahler, wie ins gemein dafür gehalten wird. Schupp. 611 u. o., auch insgemein 650 u. ö.; ins gemein gehts so, it is commonly so. Ludwig 734. anfangs auch ganz ausgeführt 'in das gemein': (dabei wird das Annolied gedruckt erscheinen) bey welchem der Nährende (fürst Ludwig) viel wörter der alten Franken, Sachsen und in gemein ganz Deutschlandes erkläret aus solchen schriften und gedechtnissen, die in das gemein nicht lebendt, auch theils niemals noch an das liecht kommen sindt (finden wird?). Opitz an fürst Ludwig im erzschrein d. fruchtbr. ges. 135. älter ist nl. int gemeyne, z. b. Marnix byencorf 32a (s. u. 4, e, β), jetzt in het gemeen, in't gemeen (in't algemeen), en général, en commun, und das wird hd. nachgebildet sein, genau von Opitz mit in das gemein, wie ja das nl. seit dem anfang des 17. jh. auf das hd. lebhaft einwirkte; ebenso nl. in't bijzonder, dem ebenso insbesondere nachgebildet sein wird, den beiden aber, da sie beliebt wurden, wird insgesammt, insgeheim nachgefolgt sein (die im nl. nichts entsprechendes haben), sodasz nicht ungeschickte nachahmung des franz. vorliegt, wie J. Grimm meinte (s. unten IV2, 2097), sondern des nl.; übrigens auch mnd. in dat gemeine, int gemeine wb. 2, 53a, in't gemeen Lauremb. 2, 95, das aber aufs hd. schwerlich wirkte, höchstens mitwirkte. der seltsame acc. erscheint übrigens auch und schon viel früher beim subst., in die gemein (in gemein), s. darüber gemeinde 4, d, wo sich der acc. erklärt. 1212) die vermischung von gemeinen pl. und gemeinden u. 11, b im 18. und schon im 16. jh. findet sich bereits im 15. jh., auch aufs deutliche adj. angewandt, s. u. 4, d dem andern glich fürderlich und gemaind zu sin, auch mnd. alle dinge solen gemeint sîn wb. 2, 53a, dat mênte studium, die universität, 'studium generale' 3, 63b, s. auch mnl. 11, b a. e. und gemeinde unter gemeinder 3. die quelle dieser form wird im canzleigebrauch zu suchen sein, wie sie sich für den geheimdenrath da fand (s. geheimrath 3). den anlasz dazu gab einmal das nebeneinander von gemeinde und gemeine f., wie dort von geheimde f. und geheime f. geheimnis, wobei die vollere form die vorliebe der canzleien gewann, anderseits die häufige nahe berührung des adj. und subst. in sinn und form.
228955 Zeichen · 4826 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gemeinadj.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +6 Parallelbelege

    ge-mein adj. BMZ s. v. a. mein, falsch Halt.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gemein

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Gemein , -er, -ste, adj. et adv. welches eigentlich den Begriff der Menge ausdruckt, aber mit mancherley Einschränkungen…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    gemein

    Goethe-Wörterbuch

    gemein subst auch Kleinschr (bes in Br). Mit knapp 800 Belegen recht häufig; zumeist im Sinne des Gewöhnlichen, Einfache…

  4. modern
    Dialekt
    gemein

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    gemein [kmain Su. Co. Horbg. Dü. ; kəmèin M. ; kəmain Rapp. Bf. Str. ; kəmǽn K. Z. Han. Wörth W.; kmǽn Betschd. ; kəmán …

  5. Sprichwörter
    Gemein

    Wander (Sprichwörter)

    Gemein 1. Allzu gemein macht klein. – Kirchhofer, 234. 2. Allzu gemein macht veracht. – Henisch, 46, 51; Petri, I, 9; Sa…

  6. Spezial
    gemein

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    ge|mein adj. 1 general (-ai, -a) 2 (gewöhnlich) ordinar (-s, -a) 3 (allgemein, öffentlich) publich (-cs, -ca) 4 trivial …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gemein

731 Bildungen · 716 Erstglied · 10 Zweitglied · 5 Ableitungen

Ableitung von gemein 3 Analysen

ge- + mein

gemein leitet sich vom Lemma mein ab mit Präfix ge-.

Alternativen: ge-+me+-in gemen+-in

Zerlegung von gemein 2 Komponenten

gem+ein

gemein setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

gemein‑ als Erstglied (30 von 716)

Gemein(d)e

SHW

Gemein(d)e Band 2, Spalte 1237-1238

Gemein(s)ringg

Idiotikon

Gemein(s)ringg Band 6, Spalte 1125 Gemein(s)ringg 6,1125

Gemein(s)rëcht

Idiotikon

Gemein(s)rëcht Band 6, Spalte 292 Gemein(s)rëcht 6,292

Gemein(s)rōd

Idiotikon

Gemein(s)rōd Band 6, Spalte 600 Gemein(s)rōd 6,600

Gemein(s)schlegel

Idiotikon

Gemein(s)schlegel Band 9, Spalte 265 Gemein(s)schlegel 9,265

Gemein(s)schluss

Idiotikon

Gemein(s)schluss Band 9, Spalte 743 Gemein(s)schluss 9,743

Gemein(s)steiⁿ

Idiotikon

Gemein(s)steiⁿ Band 11, Spalte 852 Gemein(s)steiⁿ 11,852

gemein als Zweitglied (10 von 10)

allgemein

DWB

all·gemein

allgemein , adv. universim: ir herren allgemein! fastn. sp. 497, 10; allgemein verbreitete meinung; das läszt sich nicht so allgemein behaup…

Allzu gemein

Wander

allzu·gemein

Allzu gemein 1. Allzu gemein macht dich klein. ( Darmstadt. ) Lat. : Contemtum parit nimia familiaritas. 2. Allzu gemein macht verachtet.

handgemein

DWB

hand·gemein

handgemein , adj. vereinte hände habend; selten von zwei durch handreichung vereinten liebenden: wehe dem jüngling, der mit einer dirne hand…

herzgemein

DWB

herz·gemein

herzgemein , adj. : wehe dem jüngling, der mit einer dirne handgemein wird, wenn er nicht herzgemein mit ihr zu werden in den umständen ist.…

insgemein

DWB

ins·gemein

insgemein , adv. , neben ingemein sp. 2114. 1 1) über eine ganze gemeinschaft reichend, zusammen, insgesamt, durchaus: was mir dann von dem …

reichsgemein

DRW

reich·s·gemein

reichsgemein, adj. im ganzen Reich (II) gültig nach dem tenor ... des ex comitiis imperii ehistens revidirt erwartenden reichs-gemeinen arti…

stadtgemein

DRW

stadt·gemein

stadtgemein, adj. einer Stadt (III) eigen, gehörend wuͤrden auch kirchen oder stadt-gemeine guͤtter boͤsslich eingenohmen, entfrembdet oder …

ungemein

DWB

ung·e·mein

ungemein , adj. adv. , gth. von gemein; vereinzelt infolge einer verdunkelung des sprachgefühls gleich gemein: kleiner geister ämsigkeiten s…

Ableitungen von gemein (5 von 5)

gemeine

DWB

gemeine , s. gemeinde und gemein.

ungemein

DWB

ungemein , adj. adv. , gth. von gemein; vereinzelt infolge einer verdunkelung des sprachgefühls gleich gemein: kleiner geister ämsigkeiten s…

ungemeine

Lexer

un-gemeine stf. BMZ s. v. a. ungemeinde Fragm. 22,195. Msh. 2,140 a .

ungemeinlich

DWB

ungemeinlich , adj. adv. , selten für ungemein. mnl. ongemeinlic. wie ungemein I 2 c Haltaus 1935 . wie u. II 1 a: des zaychen seind an etli…

urgemeine

DWB

urgemeine , f. , ursprüngliche gemeinschaft: irrig ist die lehre von der h. dreieinigkeit, dasz sie eine u. sei S. G. Lange historie v. d. g…