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Gemein

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Campe
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Eintrag · Campe (1807–1813)

Gemein adj, adv

Bd. 2, Sp. 299a
Gemein, — er, — ste, adj. u. adv. 1) I Menge vorhanden, häufig. Diese Bäume sind hier sehr gemein. Die Englischen Waaren sind hier zu Lande sehr gemein. Die Erdbeben sind in Ialien eine gemeine Sache oder etwas Gemeines. Dann, weil es so häufig vorhanden und so leicht zu haben ist  nicht geachtet. Diese Sache ist ihm zu gemein. Häufig, ja gewöhnlich wird damit der Begriff des Verächtlichen, Mittelmäßigen verbunden, daher man dieses Wortes in der angegebenen guten Bedeutung, des Mißverstandes wegen lieber mit einem andern Worte vertauscht. Ein gemeines Gesicht, ein nichtssagendes, alltägliches, das nichts Ausgezeichnetes hat. Ein gemeiner Gedanke, der nichts Neues, Anziehendes  sondern das Gegentheil enthält. Ein gemeiner Mensch. Ein gemeiner Kopf. Sich gemein machen, gemein, niedrig handeln. Sich mit jemand gemein machen, mit einem Geringern oder Niedern vertraut umgehen, mit dem Nebenbegriffe, daß man es für unschicklich oder entehrend hält. So auch das Gemeine. Das ist etwas ganz Gemeines. Etwas Gemeines sagen, schreiben. Denn aus Gemeinem ist der Mensch gemacht. Schiller. 2) Den größten, zahlreichsten Theil unter den Dingen Einer Art ausmachend, oft mit dem Nebenbegriffe des Gewöhnlichen und Niedrigen. Der gemeine Lauf der Dinge Ein gemeines Jahr, ein Jahr von 365 Tagen; in Gegensatz eines Schaltjahrs. Die gemeine Zeitrechnung. Die gemeinen Leute, der gemeine Mann, der gemeine Haufe, der gemeine Pöbel, das gemeine Volk; der zahlreichste Theil der bürgerlichen Gesellschaft. Gemeine Soldaten oder auch bloß Gemeine; in Gegensatz ihrer Vorgesetzten. I England sind die Gemeinen (the Communs) diejenigen, welche nicht zum hohen Adel gehören. Das Haus der Gemeinen. Das gemeine Leben, das gewöhnliche Leben, wie es die meisten Menschen führen, die gewöhnlichsten Umstände und Verhältnisse desselben. S. das Leben. Die gemeine Sprechart, die Sprechart des gemeinen oder großen Haufens. Ein gemeiner Ausdruck, ein gewöhnlicher und bekannter. Die gemeine Luft, die wir gewöhnlich einathmen, die sich zunächst um die Erde herum befindet (die atmosphaerische Luft). Uneigentlich, allen oder doch den meisten Dingen Einer Art zukommend, bei denselben befindlich, darauf Bezug habend  Der gemeine Menschenverstand, den jeder Mensch hat. Ein gemeiner Name oder Gemeinname, der alle Dinge Einer Art bezeichnet, z. B. Mensch, in Gegensatz des Eigennamens. Es ist die gemeine Meinung, daß  Nach der gemeinen Meinung fällt jene Begebenheit in diese Zeit. Dies ist die gemeine Denkart. Es geht die gemeine Rede, ein überall verbreitetes Gerücht. Ein gemeines Sprichwort. Das gemeine Wesen, die Verbindung zu Gesellschaften, die Wohlfahrt derselben besser zu befördern; in weiterer Bedeutung, der Staat. Das gelehrte gemeine Wesen (das gelehrte Publicum). »Wir legen diese Schrift dem gelehrten gemeinen Wesen vor.« Ungen. Sonst auch ◎ die Allgemeine. C. Das gemeine Beste, der gemeine Nutzen, das gemeine Wohl, das Beste, der Nutzen, das Wohl der Gesellschaft, und in weiterer Bedeutung der bürgerlichen Gesellschaft, des Staates. Das gemeine Beste befördern, vor Augen haben. — — welcher, gemeines Wohl Lügend, Unsrigkeit sucht. — — Voß. Die gemeine Kasse, zu welcher alle Glieder einer Gesellschaft beitragen um ihre gemeinschaftlichen Bedürfnisse daraus zu bestreiten. Die gemeinen Rechte, welche alle Glieder des Staats verbinden, zum Unterschiede von den besondern. Ein gemeiner Bescheid, beim Reichskammergericht, ein in voller Versammlung genommener Beschluß, wie es in gewissen Fällen in Zukunft gehalten werden soll. Die gemeine Weide, an der alle Glieder einer Gesellschaft, deren Eigenthum sie ist, gleiches Recht haben. Gemeine Dinge, in den Rechten, auf die jeder ein Recht hat. Gemeine Leiden, Beschwerden, die alle tragen müssen, oder die andre wie wir tragen müssen. Gemeine Abgaben. Der gemeine Weg, die öffentliche Straße. Kenntnisse  gemein machen, sie verbreiten. Wahrheiten, Belehrungen durch den Druck gemein machen, sie drucken lassen und so verbreiten. Mit jemand etwas gemein haben, es mit ihm gemeinschaftlich besitzen, oder auch, dieselbe Eigenschaft  haben, in demselben Falle sein wie er. Dies hat damit nichts gemein, hat damit nichts zu schaffen, steht damit in keiner Verbindung. Mit jemand gemeine Sache machen, sich mit ihm zur Erreichung Eines Zweckes verbinden. Die gemeine Geschichte (Profangeschichte), welche die Weltbegebenheiten beschreibt und aufbewahrt, mit Ausnahme der kirchlichen, in Gegensatz der heiligen Geschichte, deren Stoff die kirchlichen und andre dahin gehörende Begebenheiten sind. Wahrlich unsre Zeit vergleicht sich den seltensten Zeiten, Die die Geschichte bemerkt, die heilige wie die gemeine. Göthe. I andern Fällen ist für gemein, üblicher allgemein, wie 2 Petr. 1, 7, »die gemeine Liebe,« die allgemeine, die sich auf alle Menschen erstreckt; 2 Macc. 8, 21, »ein gemeiner Friede,« ein allgemeiner; 2 Macc. 8, 29, »ein gemeines Gebet,« ein allgemeines. I der Bibel kömmt es auch noch in einer ungewöhnlichen Bedeutung für unrein vor. »Ih habe noch nie etwas Gemeines oder Unreines gegessen.« Apostelg. 10, 14. »Da sie sahen etliche seiner Jünger mit gemeinen, das ist ungewaschenen Händen das Brot essen.« Marc. 7, 2. Außerdem hat es im O. D. auch die Bedeutung von schlecht. — Es werden mit gemein mehrere Zusammensetzungen gebildet, bei welchen aber gemein zum Theil Gemeinde oder Gemeine bedeutet. Es wäre gut, wenn man diese Zusammensetzungen auch wirklich mit Gemeinde machte, wie es deren schon mehrere giebt, damit in den übrigen gemein durchgängig die Bedeutung von allgemein hätte.
5597 Zeichen · 84 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gemeinadj.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +6 Parallelbelege

    ge-mein adj. BMZ s. v. a. mein, falsch Halt.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gemein

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Gemein , -er, -ste, adj. et adv. welches eigentlich den Begriff der Menge ausdruckt, aber mit mancherley Einschränkungen…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    gemein

    Goethe-Wörterbuch

    gemein subst auch Kleinschr (bes in Br). Mit knapp 800 Belegen recht häufig; zumeist im Sinne des Gewöhnlichen, Einfache…

  4. modern
    Dialekt
    gemein

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    gemein [kmain Su. Co. Horbg. Dü. ; kəmèin M. ; kəmain Rapp. Bf. Str. ; kəmǽn K. Z. Han. Wörth W.; kmǽn Betschd. ; kəmán …

  5. Sprichwörter
    Gemein

    Wander (Sprichwörter)

    Gemein 1. Allzu gemein macht klein. – Kirchhofer, 234. 2. Allzu gemein macht veracht. – Henisch, 46, 51; Petri, I, 9; Sa…

  6. Spezial
    gemein

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    ge|mein adj. 1 general (-ai, -a) 2 (gewöhnlich) ordinar (-s, -a) 3 (allgemein, öffentlich) publich (-cs, -ca) 4 trivial …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gemein

731 Bildungen · 716 Erstglied · 10 Zweitglied · 5 Ableitungen

Ableitung von gemein 3 Analysen

ge- + mein

gemein leitet sich vom Lemma mein ab mit Präfix ge-.

Alternativen: ge-+me+-in gemen+-in

Zerlegung von gemein 2 Komponenten

gem+ein

gemein setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

gemein‑ als Erstglied (30 von 716)

Gemein(d)e

SHW

Gemein(d)e Band 2, Spalte 1237-1238

Gemein(s)ringg

Idiotikon

Gemein(s)ringg Band 6, Spalte 1125 Gemein(s)ringg 6,1125

Gemein(s)rëcht

Idiotikon

Gemein(s)rëcht Band 6, Spalte 292 Gemein(s)rëcht 6,292

Gemein(s)rōd

Idiotikon

Gemein(s)rōd Band 6, Spalte 600 Gemein(s)rōd 6,600

Gemein(s)schlegel

Idiotikon

Gemein(s)schlegel Band 9, Spalte 265 Gemein(s)schlegel 9,265

Gemein(s)schluss

Idiotikon

Gemein(s)schluss Band 9, Spalte 743 Gemein(s)schluss 9,743

Gemein(s)steiⁿ

Idiotikon

Gemein(s)steiⁿ Band 11, Spalte 852 Gemein(s)steiⁿ 11,852

gemein als Zweitglied (10 von 10)

allgemein

DWB

all·gemein

allgemein , adv. universim: ir herren allgemein! fastn. sp. 497, 10; allgemein verbreitete meinung; das läszt sich nicht so allgemein behaup…

Allzu gemein

Wander

allzu·gemein

Allzu gemein 1. Allzu gemein macht dich klein. ( Darmstadt. ) Lat. : Contemtum parit nimia familiaritas. 2. Allzu gemein macht verachtet.

handgemein

DWB

hand·gemein

handgemein , adj. vereinte hände habend; selten von zwei durch handreichung vereinten liebenden: wehe dem jüngling, der mit einer dirne hand…

herzgemein

DWB

herz·gemein

herzgemein , adj. : wehe dem jüngling, der mit einer dirne handgemein wird, wenn er nicht herzgemein mit ihr zu werden in den umständen ist.…

insgemein

DWB

ins·gemein

insgemein , adv. , neben ingemein sp. 2114. 1 1) über eine ganze gemeinschaft reichend, zusammen, insgesamt, durchaus: was mir dann von dem …

reichsgemein

DRW

reich·s·gemein

reichsgemein, adj. im ganzen Reich (II) gültig nach dem tenor ... des ex comitiis imperii ehistens revidirt erwartenden reichs-gemeinen arti…

stadtgemein

DRW

stadt·gemein

stadtgemein, adj. einer Stadt (III) eigen, gehörend wuͤrden auch kirchen oder stadt-gemeine guͤtter boͤsslich eingenohmen, entfrembdet oder …

ungemein

DWB

ung·e·mein

ungemein , adj. adv. , gth. von gemein; vereinzelt infolge einer verdunkelung des sprachgefühls gleich gemein: kleiner geister ämsigkeiten s…

Ableitungen von gemein (5 von 5)

gemeine

DWB

gemeine , s. gemeinde und gemein.

ungemein

DWB

ungemein , adj. adv. , gth. von gemein; vereinzelt infolge einer verdunkelung des sprachgefühls gleich gemein: kleiner geister ämsigkeiten s…

ungemeine

Lexer

un-gemeine stf. BMZ s. v. a. ungemeinde Fragm. 22,195. Msh. 2,140 a .

ungemeinlich

DWB

ungemeinlich , adj. adv. , selten für ungemein. mnl. ongemeinlic. wie ungemein I 2 c Haltaus 1935 . wie u. II 1 a: des zaychen seind an etli…

urgemeine

DWB

urgemeine , f. , ursprüngliche gemeinschaft: irrig ist die lehre von der h. dreieinigkeit, dasz sie eine u. sei S. G. Lange historie v. d. g…