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Gemein

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Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Gemein

Bd. 2, Sp. 548
Gemein, -er, -ste, adj. et adv. welches eigentlich den Begriff der Menge ausdruckt, aber mit mancherley Einschränkungen und Nebenbegriffen. 1. In Menge vorhanden. 1) Eigentlich. Die Wölfe sind in diesem Lande sehr gemein, sehr häufig. Das Silbergeld ist bey uns eben nicht gemein. Boy ist bey uns eine sehr gemeine Waare. Die Canarienvögel sind jetzt in Deutschland sehr gemein. Das ist etwas sehr gemeines. Ein sehr gemeiner Gebrauch. Der Trieb zur Einsamkeit ist nicht so gemein, als der Trieb zum gesellschaftlichen Leben. Der gemeine Stolz auf Reichthum, Geburt u. s. f. Gell. 2) Figürlich, mit dem Nebenbegriffe des Mittelmäßigen oder Schlechten. Ein sehr gemeines Gesicht. Ein gemeiner Gedanke. Eine gemeine Tugend. Gemeine Köpfe sind die beste Gesellschaft für schlechte Köpfe. Das ist ein sehr gemeines Lob. 2. Den größten Theil unter den Dingen einer Art ausmachend. 1) Eigentlich, wo sich oft der Begriff des Gewöhnlichen mit einschleicht. In der Größe eines gemeinen Apfels. Ein gemeines Jahr, in der Zeitrechnung, ein Jahr von 365 Tagen, im Gegensatze eines Schaltjahres. Der gemeine Lauf der Dinge. Oft auch etwas von dem Begriffe der Niedrigkeit. Das gemeine Volk, die gemeinen Leute, der gemeine Pöbel, der gemeine Mann, der gemeine Haufe, der zahlreichste und zugleich niedrigste Theil einer bürgerlichen Gesellschaft, der große Haufe. Es ist nur ein gemeiner Mensch, von niedrigem Stande. Gemeine Soldaten, oder Gemeine, im Gegensatze der Officiers. Im Brittischen Parlamente begreift man unter dem Ausdrucke der Gemeinen, Engl. the Commons alle diejenigen, welche nicht zu dem hohen Adel gehören. Das gemeine Leben, die am häufigsten vorkommenden Verhältnisse und Umstände des menschlichen Lebens. Die gemeine Sprechart, die Sprechart des großen Haufens. Gemeine, jedermann faßliche und begreifliche, Ausdrücke. 2) Figürlich. (a) Was dem größten Theile unter den Dingen einer Art zukommt, bey denselben angetroffen wird. Ein Mensch von gemeiner Größe. Die gemeine Sprechart. Der gemeine Menschenverstand, den alle Menschen besitzen. Eine gemeine Höflichkeit, welche man einem jeden erweiset. Es ist eine gemeine Meinung unter den Gelehrten, daß u. s. f. Der gemeinen Meinung zu Folge. Ein gemeines Sprichwort. Es ist eine gemeine Rede, ein allgemeines, öffentliches Gerücht. Nach der gemeinen und gewöhnlichen Art denken. (b) Was allen Dingen einer Art zukommt, sich auf alle Dinge einer Art erstrecket. Das gemeine Wesen, die Verbindung einzelner Glieder oder Gesellschaften, ihre Wohlfahrt mit vereinigten Kräften besser zu befördern. Das gemeine Beste, der gemeine Nutzen, den Nutzen, das Beste einer solchen Gesellschaft. Die gemeine Casse, wozu alle Glieder das Ihrige beytragen, und woraus ihre gemeinschaftlichen Bedürfnisse bestritten werden. Der Tod ist allen Altern gemein. Ein gemeiner Bescheid, bey dem Reichskammergerichte, ein in pleno verabredeter Schluß, wie es in gewissen Fällen künftig gehalten werden soll. Die gemeinen Rechte, welche alle Personen in einem Staate verbinden, zum Unterschiede von den besondern. In andern Fällen gebraucht man dafür lieber das Wort allgemein. Z. B. die gemeine Liebe, die sich auf alle Menschen erstrecket, 2 Petr. 1, 7, besser die allgemeine; ein gemeiner Friede, 2 Macc. 9, 21, ein gemeines Gebeth, Kap. 8, 29, ein allgemeines, öffentliches oder gemeinschaftliches; gemeine und öffentliche Gastereyen, 3 Macc. 4, 1. Das Nieders. meen wurde ehedem für gesammt, all, gebraucht. De meene Koopmann, alle Kaufleute, die gesammte[] Kaufmannschaft. Meene Borger, alle Bürger. (c) Dessen Gebrauch einem jeden frey stehet, woran alle Dinge Einer Art ein Recht haben. Die gemeine Weide, welche alle dazu tüchtige Einwohner eines Ortes genießen. Der gemeine Weg, die öffentliche Straße. Gemeine Dinge, in den Rechten, deren sich ein jeder bedienen kann, z. B. die Luft, das Wasser u. s. f. Ein Buch durch den Druck gemein machen. (d) Insgemein, eine adverbische R. A. gemeiniglich, am häufigsten, gewöhnlich geschehend. (e) Sich mit jemanden gemein machen, eine allzu große und dem Ansehen nachtheilige Vertraulichkeit gegen einen Geringern blicken lassen. (f) Unrein; doch nur in der Deutschen Bibel, von Dingen, welche nach dem Jüdischen Ceremonial-Gesetze für unrein gehalten wurden. Ich habe noch nie etwas Gemeines oder Unreines gegessen, Apost. Gesch. 10, 14. Da sie sahen etliche seiner Jünger mit gemeinen, das ist ungewaschenen Händen das Brot essen, Macc. 7, 2. Ich weiß, daß nichts gemein ist an ihm selbst, ohne der es rechnet für gemein, demselbigen ists gemein, Röm. 14, 14. Und so in andern Stellen mehr. 3. Mehr als Einem Dinge zukommend. Etwas mit einem gemein haben, eben dieselbe Eigenschaft haben, sich in eben dem Umstande befinden. Meine Angelegenheit hat nichts mit der deinigen gemein, ist ihr in keinem Stücke ähnlich. Gemeine Leiden, gemeine Trübsale, gemeine Beschwerden, welche man mit andern gemein hat, im Gegensatze der besondern. Gemeine Sache mit jemanden machen, einerley Absicht in Verbindung mit ihm zu erreichen suchen. Wenn ein Mann mehrern Weibern gemein ist, so heißt solches Vielweiberey. Anm. Schon im Salischen Gesetze chamin, im Isidor chimein, bey dem Ottfried gimein, bey dem Notker kemein, im Angels. gemaene, im Holländ. ghemeyne, im Dän. gemeen. Das einfache meen, mein, kommt noch im Niedersächs. vor, wo es so wohl publicus als auch communis bedeutet, Angels. maene Schwed. men. Im Engl. ist the Main das Ganze, und mean mittelmäßig. Es gehöret zu dem Geschlechte der Wörter manch und Menge, welches letztere noch bey dem Ottfried Meina lautet. Auch das Lat. communis gehöret seiner letzten Hälfte nach hierher. Zu der jetzt veralteten biblischen Bedeutung, für unrein, muß auch das bey dem Notker vorkommende Zeitwort fermeinan, entweihen, verunreinigen, gerechnet werden. In dem mittlern Lateine einiger Gegenden Frankreichs bedeutet Maya und Meia einen Haufen.
5875 Zeichen · 115 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gemeinadj.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +6 Parallelbelege

    ge-mein adj. BMZ s. v. a. mein, falsch Halt.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gemein

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Gemein , -er, -ste, adj. et adv. welches eigentlich den Begriff der Menge ausdruckt, aber mit mancherley Einschränkungen…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    gemein

    Goethe-Wörterbuch

    gemein subst auch Kleinschr (bes in Br). Mit knapp 800 Belegen recht häufig; zumeist im Sinne des Gewöhnlichen, Einfache…

  4. modern
    Dialekt
    gemein

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    gemein [kmain Su. Co. Horbg. Dü. ; kəmèin M. ; kəmain Rapp. Bf. Str. ; kəmǽn K. Z. Han. Wörth W.; kmǽn Betschd. ; kəmán …

  5. Sprichwörter
    Gemein

    Wander (Sprichwörter)

    Gemein 1. Allzu gemein macht klein. – Kirchhofer, 234. 2. Allzu gemein macht veracht. – Henisch, 46, 51; Petri, I, 9; Sa…

  6. Spezial
    gemein

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    ge|mein adj. 1 general (-ai, -a) 2 (gewöhnlich) ordinar (-s, -a) 3 (allgemein, öffentlich) publich (-cs, -ca) 4 trivial …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gemein

731 Bildungen · 716 Erstglied · 10 Zweitglied · 5 Ableitungen

Ableitung von gemein 3 Analysen

ge- + mein

gemein leitet sich vom Lemma mein ab mit Präfix ge-.

Alternativen: ge-+me+-in gemen+-in

Zerlegung von gemein 2 Komponenten

gem+ein

gemein setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

gemein‑ als Erstglied (30 von 716)

Gemein(d)e

SHW

Gemein(d)e Band 2, Spalte 1237-1238

Gemein(s)ringg

Idiotikon

Gemein(s)ringg Band 6, Spalte 1125 Gemein(s)ringg 6,1125

Gemein(s)rëcht

Idiotikon

Gemein(s)rëcht Band 6, Spalte 292 Gemein(s)rëcht 6,292

Gemein(s)rōd

Idiotikon

Gemein(s)rōd Band 6, Spalte 600 Gemein(s)rōd 6,600

Gemein(s)schlegel

Idiotikon

Gemein(s)schlegel Band 9, Spalte 265 Gemein(s)schlegel 9,265

Gemein(s)schluss

Idiotikon

Gemein(s)schluss Band 9, Spalte 743 Gemein(s)schluss 9,743

Gemein(s)steiⁿ

Idiotikon

Gemein(s)steiⁿ Band 11, Spalte 852 Gemein(s)steiⁿ 11,852

gemein als Zweitglied (10 von 10)

allgemein

DWB

all·gemein

allgemein , adv. universim: ir herren allgemein! fastn. sp. 497, 10; allgemein verbreitete meinung; das läszt sich nicht so allgemein behaup…

Allzu gemein

Wander

allzu·gemein

Allzu gemein 1. Allzu gemein macht dich klein. ( Darmstadt. ) Lat. : Contemtum parit nimia familiaritas. 2. Allzu gemein macht verachtet.

handgemein

DWB

hand·gemein

handgemein , adj. vereinte hände habend; selten von zwei durch handreichung vereinten liebenden: wehe dem jüngling, der mit einer dirne hand…

herzgemein

DWB

herz·gemein

herzgemein , adj. : wehe dem jüngling, der mit einer dirne handgemein wird, wenn er nicht herzgemein mit ihr zu werden in den umständen ist.…

insgemein

DWB

ins·gemein

insgemein , adv. , neben ingemein sp. 2114. 1 1) über eine ganze gemeinschaft reichend, zusammen, insgesamt, durchaus: was mir dann von dem …

reichsgemein

DRW

reich·s·gemein

reichsgemein, adj. im ganzen Reich (II) gültig nach dem tenor ... des ex comitiis imperii ehistens revidirt erwartenden reichs-gemeinen arti…

stadtgemein

DRW

stadt·gemein

stadtgemein, adj. einer Stadt (III) eigen, gehörend wuͤrden auch kirchen oder stadt-gemeine guͤtter boͤsslich eingenohmen, entfrembdet oder …

ungemein

DWB

ung·e·mein

ungemein , adj. adv. , gth. von gemein; vereinzelt infolge einer verdunkelung des sprachgefühls gleich gemein: kleiner geister ämsigkeiten s…

Ableitungen von gemein (5 von 5)

gemeine

DWB

gemeine , s. gemeinde und gemein.

ungemein

DWB

ungemein , adj. adv. , gth. von gemein; vereinzelt infolge einer verdunkelung des sprachgefühls gleich gemein: kleiner geister ämsigkeiten s…

ungemeine

Lexer

un-gemeine stf. BMZ s. v. a. ungemeinde Fragm. 22,195. Msh. 2,140 a .

ungemeinlich

DWB

ungemeinlich , adj. adv. , selten für ungemein. mnl. ongemeinlic. wie ungemein I 2 c Haltaus 1935 . wie u. II 1 a: des zaychen seind an etli…

urgemeine

DWB

urgemeine , f. , ursprüngliche gemeinschaft: irrig ist die lehre von der h. dreieinigkeit, dasz sie eine u. sei S. G. Lange historie v. d. g…