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gemein

mhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
Anchors
21 in 14 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
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Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

gemein Adj.

gemein Adj.

gemein Adj. ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein, gewöhnlich, niedrig gesinnt, niederträchtig, unfein, unanständig’. Das germ. Adjektiv ahd. gimeini ‘zuteil geworden, bestimmt, gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein, übereinstimmend, zugleich’ (8. Jh.), mhd. gemein(e) ‘zusammengehörig, gemeinschaftlich, allgemein, vertraut, bekannt, für alle eingerichtet, gewöhnlich, zur Masse gehörig, niedrig’, asächs. gimēni, mnd. gemēne, mnl. ghemēne, ghemeen, ghemein(e), nl. gemeen, auch ‘niedrig, niederträchtig’, afries. (ge)mēne ‘gemeinschaftlich’, aengl. gemǣne ‘allgemein, gemeinsam, gewöhnlich, niedrig’, engl. mean ‘gemein, gering, niedrig, schlecht’, got. gamains ‘gemeinsam, unheilig’ (germ. *ga-maini-) gehört wie lat. commūnis ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein, gewöhnlich’ (s. Kommune, Kommunismus) als Präfixbildung zu den unter Meineid (s. d.) aufgeführten Substantiven mit n-Suffix und einer Grundbedeutung ‘Wechsel, Tausch’. gemein bedeutet danach ursprünglich ‘mehreren abwechselnd zukommend’, dann ‘mehreren in gleicher Art gehörig’, woraus sich ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein’ entwickelt. Was mehreren oder vielen ‘gemeinsam’ ist, kann nicht ‘wertvoll’ oder ‘edel’ sein; gemein wird daher vom 15. Jh. an ‘einfach, gewöhnlich’ (der gemeine Mann, das gemeine Volk, der gemeine Soldat), im 19. Jh. auch verächtlich ‘niederträchtig, unanständig’ (gemeiner Schuft, Kerl). – Gemeine f. ‘Gemeinschaft, Gemeinde’, ahd. gimeinī (9. Jh.), mhd. gemeine, mnd. gemeine, gemēne, got. gamainei ‘Gemeinschaft’, abgeleitet von dem oben dargestellten Adjektiv. Im 19. Jh. weitgehend von Gemeinde abgelöst. Gemeinde f. ‘untere staatliche oder kirchliche Verwaltungseinheit und deren Bewohner bzw. Mitglieder, durch gleiche geistige oder religiöse Interessen verbundene Gemeinschaft, Gruppe von Menschen’, ahd. gimeinida ‘Gemeinde, Gemeinschaft’ (8. Jh.), mhd. gemeinde ‘Anteil, Gemeinschaft, gemeinschaftlicher Besitz, Menschen, mit denen man gemeinsam lebt, versammelte Menge’, asächs. gimēniða, mnd. gemēnde, mnl. ghemeente, ghemeinte, nl. gemeente, Ableitung mit dem Abstraktsuffix germ. -iþō, -iðō vom oben genannten Adjektiv. Gemeinheit f. ‘Niedertracht, Schlechtigkeit’ (Anfang 19. Jh.), mhd. gemeinheit ‘Gemeinschaft, der Gemeinde gehörender Grund und Boden’ (14. Jh.), im Sinne von ‘Gemeindegrund’ noch im 19. Jh., von ‘Gemeinschaft’ noch Anfang 20. Jh. Zum Ableitungssuffix s. -heit. gemeinsam Adj. ‘mehreren zugleich gehörend, für mehrere in gleicher Weise geltend, gemeinschaftlich, zusammen, miteinander’, ahd. gimeinsam (9. Jh.), mhd. gemeinsam; zum Ableitungssuffix s. -sam. Gemeinsamkeit f. ‘zusammengehörende Gruppe, Gemeinschaft, Zusammengehörigkeit’ (15. Jh.). Voraus gehen ahd. gimeinsamī ‘Gemeinschaft’ (um 800), mhd. gemeinsame, gemeinsamede. Gemeinschaft f. ‘sich durch etw. Gemeinsames verbunden fühlende Gruppe von Menschen, Zusammensein, Verbindung’, ahd. gimeinscaf (8. Jh.), mhd. gemeinschaft. gemeinschaftlich Adj. ‘eine Gemeinschaft betreffend, zu einer Gemeinschaft gehörig, gemeinsam, zusammen, miteinander’ (17. Jh.). gemeinnützig Adj. ‘dem Nutzen aller, der Allgemeinheit dienend’ (16. Jh.), ausgehend von mhd. der gemein nutz (14. Jh.). Gemeinplatz m. ‘allgemein bekannte, nichtssagende Redensart, Binsenweisheit’, von Wieland (1770) offensichtlich unter Einfluß von engl. commonplace gebildet und sich gegenüber Gemeinort, Gemeinsatz, Gemeinspruch durchsetzend als Übersetzung von lat. locus commūnis. Gemeinsprache f. ‘von einem Volk gemeinsam gesprochene, ihm gemeinsam zukommende Sprache’ (Campe 1807); vgl. gemeine teutsche Sprache (Luther). Gemeinwohl n. ‘Wohl aller, Nutzen für die Allgemeinheit’ (Ende 18. Jh.), wohl nach engl. commonweal für den älteren im Dt. üblichen Ausdruck das gemeine Gut; vgl. Gemeinwert (Herder 1780) für engl. commonwealth (ursprünglich gleichbed. mit commonweal).
3843 Zeichen · 110 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gemeinadj.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +6 Parallelbelege

    ge-mein adj. BMZ s. v. a. mein, falsch Halt.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gemein

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Gemein , -er, -ste, adj. et adv. welches eigentlich den Begriff der Menge ausdruckt, aber mit mancherley Einschränkungen…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    gemein

    Goethe-Wörterbuch

    gemein subst auch Kleinschr (bes in Br). Mit knapp 800 Belegen recht häufig; zumeist im Sinne des Gewöhnlichen, Einfache…

  4. modern
    Dialekt
    gemein

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    gemein [kmain Su. Co. Horbg. Dü. ; kəmèin M. ; kəmain Rapp. Bf. Str. ; kəmǽn K. Z. Han. Wörth W.; kmǽn Betschd. ; kəmán …

  5. Sprichwörter
    Gemein

    Wander (Sprichwörter)

    Gemein 1. Allzu gemein macht klein. – Kirchhofer, 234. 2. Allzu gemein macht veracht. – Henisch, 46, 51; Petri, I, 9; Sa…

  6. Spezial
    gemein

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    ge|mein adj. 1 general (-ai, -a) 2 (gewöhnlich) ordinar (-s, -a) 3 (allgemein, öffentlich) publich (-cs, -ca) 4 trivial …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gemein

731 Bildungen · 716 Erstglied · 10 Zweitglied · 5 Ableitungen

Ableitung von gemein 3 Analysen

ge- + mein

gemein leitet sich vom Lemma mein ab mit Präfix ge-.

Alternativen: ge-+me+-in gemen+-in

Zerlegung von gemein 2 Komponenten

gem+ein

gemein setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

gemein‑ als Erstglied (30 von 716)

Gemein(d)e

SHW

Gemein(d)e Band 2, Spalte 1237-1238

Gemein(s)ringg

Idiotikon

Gemein(s)ringg Band 6, Spalte 1125 Gemein(s)ringg 6,1125

Gemein(s)rëcht

Idiotikon

Gemein(s)rëcht Band 6, Spalte 292 Gemein(s)rëcht 6,292

Gemein(s)rōd

Idiotikon

Gemein(s)rōd Band 6, Spalte 600 Gemein(s)rōd 6,600

Gemein(s)schlegel

Idiotikon

Gemein(s)schlegel Band 9, Spalte 265 Gemein(s)schlegel 9,265

Gemein(s)schluss

Idiotikon

Gemein(s)schluss Band 9, Spalte 743 Gemein(s)schluss 9,743

Gemein(s)steiⁿ

Idiotikon

Gemein(s)steiⁿ Band 11, Spalte 852 Gemein(s)steiⁿ 11,852

gemein als Zweitglied (10 von 10)

allgemein

DWB

all·gemein

allgemein , adv. universim: ir herren allgemein! fastn. sp. 497, 10; allgemein verbreitete meinung; das läszt sich nicht so allgemein behaup…

Allzu gemein

Wander

allzu·gemein

Allzu gemein 1. Allzu gemein macht dich klein. ( Darmstadt. ) Lat. : Contemtum parit nimia familiaritas. 2. Allzu gemein macht verachtet.

handgemein

DWB

hand·gemein

handgemein , adj. vereinte hände habend; selten von zwei durch handreichung vereinten liebenden: wehe dem jüngling, der mit einer dirne hand…

herzgemein

DWB

herz·gemein

herzgemein , adj. : wehe dem jüngling, der mit einer dirne handgemein wird, wenn er nicht herzgemein mit ihr zu werden in den umständen ist.…

insgemein

DWB

ins·gemein

insgemein , adv. , neben ingemein sp. 2114. 1 1) über eine ganze gemeinschaft reichend, zusammen, insgesamt, durchaus: was mir dann von dem …

reichsgemein

DRW

reich·s·gemein

reichsgemein, adj. im ganzen Reich (II) gültig nach dem tenor ... des ex comitiis imperii ehistens revidirt erwartenden reichs-gemeinen arti…

stadtgemein

DRW

stadt·gemein

stadtgemein, adj. einer Stadt (III) eigen, gehörend wuͤrden auch kirchen oder stadt-gemeine guͤtter boͤsslich eingenohmen, entfrembdet oder …

ungemein

DWB

ung·e·mein

ungemein , adj. adv. , gth. von gemein; vereinzelt infolge einer verdunkelung des sprachgefühls gleich gemein: kleiner geister ämsigkeiten s…

Ableitungen von gemein (5 von 5)

gemeine

DWB

gemeine , s. gemeinde und gemein.

ungemein

DWB

ungemein , adj. adv. , gth. von gemein; vereinzelt infolge einer verdunkelung des sprachgefühls gleich gemein: kleiner geister ämsigkeiten s…

ungemeine

Lexer

un-gemeine stf. BMZ s. v. a. ungemeinde Fragm. 22,195. Msh. 2,140 a .

ungemeinlich

DWB

ungemeinlich , adj. adv. , selten für ungemein. mnl. ongemeinlic. wie ungemein I 2 c Haltaus 1935 . wie u. II 1 a: des zaychen seind an etli…

urgemeine

DWB

urgemeine , f. , ursprüngliche gemeinschaft: irrig ist die lehre von der h. dreieinigkeit, dasz sie eine u. sei S. G. Lange historie v. d. g…