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schlau

nhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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15 in 14 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schlau adj.

Bd. 15, Sp. 501
schlau, adj. astutus, callidus Steinbach 2, 438. etymologisch dunkel, nach der gewöhnlichen annahme (s. Kluge5 325b) ist hd. schlau aus dem nd. slu entlehnt und dieses mit altn. slø'gr, engl. sly verwandt. altn. slø'gr ist wol eine ableitung zu slahan, bei der activer sinn anzunehmen wäre 'geschickt zu schlagen' (im kampfe oder beim schmieden und ähnlicher arbeit). vgl. das neuisl. slægr hestr, equus calcitrosus, calcitro, en hest, der vil slaa. Biörn Haldarson 2, 298b (zusammenhang mit isl. slægur, schwed. slug und mit schlagen nimmt schon Wachter 1425 an). dem altn. slø'gr entspricht norw. slög, sljög, schwed. slög kunsterfahren,n. sløj schlau (auf Falster), gewöhnlich in dem sinne 'weit' von kleidungsstücken; sonst sagt man für schlau n. slu, älter slug und ebenso schwed., jütländ. sløv. engl. sly lautet mittelengl. sleh, sley, slie, sly (Chaucer). Grimm gramm. 13, 392 will dies auf ags. sléo zurückführen; da dies indes unbezeugt ist, und das wort zuerst bei Orm als sleh begegnet, so ist entlehnung aus dem altn. wahrscheinlicher, vergl. Skeat 565a. im deutschen begegnet das wort seit dem 16. jh., den ältern sprachstufen ist es fremd: slou bei Graff 6, 761 ohne beleg, und die ableitung der ahd. personennamen Slaugo, Slauganzo, Slaugart, Slaumar(esheim), Slougolf von schlau Förstemann namenb. 1, 1111 ist mindestens nicht zwingend. schlaw bei Alberus dict. (1540) GG 4b, s. Weigand 2, 583; nasosus, nasutus schlw Dief. gloss. 375c; fehlt bei Dasyp. und Maaler; dagegen bei Schottel 1400 schlau, cautus, astutus, Stieler 1814 schlau, schlaue et schlaun, astutus, cautus, callidus, perspicax, it. paratus, promtus, quasi verschlagen; und in den spätern wörterbüchern. mnd. und mnl. unbelegt, holl. sluw, vgl. Franck 902. neuere mundarten zeigen die formen bair. schlauch Schm. 2, 520. Schöpf 617. Hintner 218, schweiz. schlaw Hunziker 222, schwäb. schlug Schmid 469, leipzig. schlau Albrecht 201b, harzisch schlou, flectiert schlogger Liesenberg 196, nd. slug Dähnert 432a, slû Schambach 195b, slou brem. wb. 4, 841, slau ten Doornkaat Koolman 3, 193b. die nächstliegende annahme ist in der that, dasz das wort aus dem nd. in das hd. einerseits, in dasn. schwed. andererseits eingedrungen sei; nur macht schwierigkeit einmal, dasz das wort im nd. noch später als im hd. belegt ist; ferner die form slou, slau an der Nordseeküste, während das zu erwartende slug nur von Dähnert bezeugt ist; und endlich die verbreitung in den bair. dialecten, und zwar in der form schlauch, die zuweilen auch in der schriftsprache begegnet: du taugest wol gen hof, muhtwillig, listig, schlauch (: gebrauch). Weckherlin 792; flectiert schlauh-, z. b. bei Tscherning, s. 1, b und d, wo indesz der lautwert des h zweifelhafter ist. auszerdem würde die etymologie und besonders der zusammenhang mit slø'gr auch dann unerklärt bleiben. rätselhaft bleibt auch das in dem Kopenhagener nd. glossar begegnende astutus, sludde, listich, s. nd. korrespondenzbl. 7, 26. 44; auch aufn. snu, schlau (zu altn. snúa, n. schwed. sno, drehen, winden, oder zu goth. snutrs, altn. snotr, altengl. snotor klug?) sei wenigstens hingewiesen. die bedeutung zeigt keine wesentlichen verschiedenheiten, es wird gesagt 11) von menschen. 1@aa) schlaue dirne, puella sollers; schlauer greis, senex fallax, subdolus et malitiosus ... porro schlau exponitur rectus, sollicitus, religiosus, circumspectus. Stieler 1815; ein schlauer feind, hostis callidus; schlaue leute, veteratores. Steinbach 2, 438: lösch deine laterne aus, schlauer Diogenes! Schiller räuber 2, 3 schausp.; diesz muster schlauer männer. Hagedorn 1, 42; dem schlauesten Hebräer in B ** (Berlin), dem kein betrug zu schwer, kein knif zu schimpflich schien. Lessing 1, 32; der ritter erhielt, wie der schlaue leser schon errathen hat, die ehre das fräulein zu begleiten. Wieland 4, 126 (Amadis 6, 9); der ritter war ein schlauer merker. 188 (8, 23); und so verstand es auch der schlaue Fanias. 9, 98; so jung noch und so schlau, so heiter blühend und gift und moder in der argen brust? Grillparzer Sappho 3, 6; eine stehende verbindung ist ein schlauer gast, veterator, homo acutus et versutus Stieler 1815, homo astutus Steinbach 2, 438, in gewöhnlicher rede auch ein schlauer kunde, patron. vgl. e und 2, a, in vergleichen: er ist schlau wie ein thorschreiber, nd. slau as'n rotte, as en foss. Wander 4, 227 f.; als name: wenn meister Schlau und bruder Flau aus einer karte spielen, so ist herr Fant der betrogene. quelle s. ebenda. 1@bb) in prädicativer fügung: schlau seyn, callidum esse. Frisch 2, 193c; wie schlau ein alter kaufmann nicht ist! Lessing 1, 229; wie schlau du bist? Schiller räuber 2, 1 schausp.; das weib war nichts als schlau. dom Karlos 2, 12; dafür auch: dann warlich disz geschlecht ist sonst zu schlauher art, in alle künste recht. Tscherning (1642) 99. 1@cc) mit präpositionalen wendungen: er ist schlau genug darzu; darzu ist er nicht schlau genug, ad id minime cautus est; schlau auf böses zuthun, nequitiae versutus Stieler 1815; Phyllis, die so reizend ist, ... freundlich, sinnreich, schlau zur lust. Hagedorn 3, 88; nach beer' und eichel, ungeschlacht, durchbrach der mensch den wald, kaum schlau zum fischfang und zur jagd. Voss 4, 169; schlau wie der fuchs, um beute. Shakesp. Cymbel. 3, 3. 1@dd) auch von thieren: ein schlauer vogel kan des stellers leim' entschleichen. Opitz (1629) 1, 308; auch die schlauhe nachtigal machte lieder jhm zu ehren. Tscherning (1642) 81; (zürnend) über den hasen, der nächtlichen stunde schlauen gast, der nicht der zarten nelken verschonet. Stolberg 1, 433. 1@ee) häufiger bildlich von menschen: er ist ein schlauer fuchs, ein schlauer hund, occultator, simulator Stieler 1815; ein schlauer vogel, subdolus nequam Steinbach 2, 438; oft als ausdruck der verachtung: sie sind ein schlauer fuchs. Lessing 1, 371; wir hätten ketzer zwungen, aber die schlauwe maus ist hinten zu eingebrochen. Opel-Cohn 295, 37; bin ich doch ein schlauer has. wunderhorn 2, 255 Boxberger. 22) von sachen. 2@aa) anstatt der ganzen person wird zuweilen das in frage kommende glied genannt: ein schlauer kopf, vgl.schlaukopf, meist für den menschen selbst, multiplex ingenium et tortuosum Stieler 1815; 's ist reine schönheit, deren roth und weisz natur mit zarter, schlauer hand verschmelzte. Shakesp. was ihr wollt 1, 5. 2@bb) von eigenschaften oder handlungen, worin sich schlauheit zeigt: nicht schlaue ränke sind sein witz. Ramler 2, 32; mit welcher schlauen vorsicht er die netze vorbey sich windet. Lessing 2, 270 (Nathan 3, 4); (der weise,) der, wann dem schmerz schier die maschin' erlieget, durch schlaue nüchternheit den lebensfeind betrieget. Gotter 1, 283; er klügelt' und erfand, nach schlauem spintisiren, als stier sich zu maskiren. Bürger 22a; wahrheit liebt einfalt. die gerechte sache hat künstlich schlauer wendung nicht vonnöthen. Schiller 6, 141 (Phöniz. 4, 486); es ist dein vater! ... also sey er dir heilig. wiederum eine schlaue konsequenz! räuber 1, 1 schausp.; aber sag, ist das nicht ein schlauer und herzhafter plan? 1, 2; so auch: ich wollte gerade von neuem zu einem schlauen titel dieses buches ansetzen. J. Paul aus d. teufels pap. 1, 79. 2@cc) von dingen, zunächst durch eine art personification: die schlaueste .. wollust hatte dieses fest angeordnet. Wieland 2, 362; als mich das schlaue garn in eil gefangen nahmm. Hofmannswaldau bei Steinbach 2, 438; (man) meidet ihn so sehr, als mops den schlauen prügel. Günther 390. 2@dd) besonders oft bei dichtern des 18. jahrh. in bezug auf liebesdinge u. ähnl.: dieser augen schlauen witz. Ramler 1, 91; wie? ist die unschuld nichts als kunst und schlauer tand? Wieland 17, 58; ein schlaues blendwerk dieser nacht soll sie an meine seite ketten. Gotter 3, 446; wohl dir! dein kleiner busen kennt den flitterprunk der welt und Amorn nicht, den losen gott, der schlaue netze stellt. Hölty 122 Halm. von personificationen: die schlaue Nacht zieht jüngferlich bescheiden ein wölkchen, wie vom dünnsten silberflor, dem seitenblick der spröden Luna vor. Wieland 9, 335; so eilt der schlaue Scherz, ganz athemlos vor schrecken, so leis' er kann in eine freystatt sich. 338. 33) adverbial: die hecken, die meine bauren gar schlau um ihre felder herumführen, dasz ja kein haase drüber sezt. Schiller räub. 1, 1 schausp.; nun du deinen mann in dem hamen hast, must dus auch fein schlau angreiffen, dasz du ihn hebst! 2, 3; bravo! bravo! das haben sie schlau gemacht. Fiesko 2, 8; der löwe hats doch so dumm nicht gemacht, dasz er die maus pardonierte? gelt! er hats schlau gemacht, wer hätt ihn auch sonst aus dem garne genagt? 3, 4; er b'stellt sie auf die brücke schlau. wunderhorn 2, 124 Boxberger; könnt' ich schlau der parzen händen die verhaszte scheer' entwenden. Gotter 1, 60; wär' ich nur ein dorn der hecke, welche schlau ihr röckchen ritzt! Hölty 206 Halm; pack ich euch nur schlau. Ludwig 4, 277; als ausruf: ei, wie schlau! Lessing 1, 212. 44) abweichende bedeutung findet sich nur mundartlich. 4@aa) in der Schweiz, ironisch von personen und sachen, die ihrem namen und zweck nicht sonderlich entsprechen. Hunziker 222. 4@bb) in Leipzig, sich schlau befinden, bei guter gesundheit, in blühenden vermögensumständen sein. Albrecht 201b. 55) mundartlich begegnen auch substantive schlau, die jedenfalls mit dem adjectiv nichts zu thun haben. 5@aa) als masc. schwäb. schlau, schloh, haufen noch nicht in bündel gebundenes reisholz. Schmid 464. 5@bb) nicht selten begegnet im ältern nhd. ein fem. schlau, thalgrund, tobelartiger kleiner thaleinschnitt mit wasserbächen und wiesengründen. Birlinger 397a; noch im nassauischen, vertiefung Kehrein 1, 349. zahlreiche belege bei Schm. 2, 495 und Birlinger a. a. o.; doch werden die 3 von ersterem aus meister Altswert beigebrachten wol richtiger zu mhd. slâ, fuszspur, gestellt, so Lexer handwb. 2, 987; ältere form slawe: N. hette inn zwo slawe, der ainiu gelegen ist oberthalb des dorffs ze Berchain und hat acht tagwerch; so stozzet diu ander slawe uf Annhuser weg, der sint zwai tagwerch. diselben zwo slawe solten an dem dritten iar gemainiu vihewaid sin. quelle um 1350 bei Schm. a. a. o.; die Seldenbachschlau. quelle von 1420, s. Birlinger 397b; ein fleck wiesmadt ist nit gar ½ tagwerk, ligt in der schlau. quelle von 1493, s. ebenda; die schlaw oder wismäder zwischen dem Pergerholz und Pastbüchel. quelle von 1562 bei Schm. a. a. o.
10495 Zeichen · 211 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schlau

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Schlau , -er, -este, adj. et adv. Fertigkeit besitzend, verborgene Mittel schnell zu seinen Absichten zu gebrauchen, und…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schlau

    Goethe-Wörterbuch

    schlau 10 Belege (gegenüber rd 800 ‘klug’), ausschließlich in literar Texten pfiffig, gewitzt bzw von Schläue zeugend, s…

  3. modern
    Dialekt
    schlau

    Elsässisches Wb. · +6 Parallelbelege

    schlau [lày Steinbr Lutterb. ; lâi Mü. Steinb. Su. ; lòi Logelnh. Co. Rchw. ; ly Str. Wh. ; Kompar. lêjər Ruf. ] A…

  4. Sprichwörter
    Schlau

    Wander (Sprichwörter)

    Schlau 1. Je schlauer die Leute werden, desto schlechter geht's ihnen. 2. Nichts ist schlauer als Menschen, man fängt so…

  5. Spezial
    schlau

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    schlau adj. 1 (klug) furbo (-bi, -ba) 2 marizius (-sc, -iosa) 3 (listig) astüt (-üc, -a), maradët (-ëc, -a), intort (-rc…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schlau

287 Bildungen · 285 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von schlau 2 Komponenten

sch+lau

schlau setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schlau‑ als Erstglied (30 von 285)

Schlau(ch)brāten

Idiotikon

Schlau(ch)brāten Band 5, Spalte 876 Schlau(ch)brāten 5,876

Schlauaus

SHW

Schlau-aus Band 5, Spalte 391-392

Schlaubutz

SHW

Schlau-butz Band 5, Spalte 391-392

Schlauhans

SHW

Schlau-hans Band 5, Spalte 395-396

Schlaukopf

SHW

Schlau-kopf Band 5, Spalte 395-396

schlaube

DWB

sch·laube

schlaube , f. schale, fruchthülse, die äuszere haut einer kartoffel, bohne, erbse, nusz, eichel, von obst, eines eies, u. s. w. ein lehnwort…

schlauben

DWB

schlau·ben

schlauben , verb. aus nd. slûwen, schlûwen, enthülsen, aus der schlaube lösen, dafür auch ausschlauben: erbsen, bohnen ausschlauben. Frischb…

schlauberger

DWB

schlau·berger

schlauberger , m. bezeichnung eines schlauen menschen, wol in scherzhafter analogie zu Würtemberger u. ähnl., vergl. schlaumeier. Albrecht 2…

schlaublickend

GWB

schlaublickend Der Arzt, ein unerklärlicher, s-er, freundlich sprechender..Mann 27,202,19 DuW 8 Renata Kwaśniak R.K.

Schlaubuckel

PfWB

schlau·buckel

Schlau-buckel m. : = Schlaukopf , -buckel [KU-Dennw/Frohnb Kaulb HB-Webh LU-Fußgh Muttstdt NW-Gimmdg Seeb GH-Hagb Kuhdt, Kamm 57]. Du bischt…

schlauch

DWB

sch·lauch

schlauch , m. länglicher behälter von biegsamen, wasserdichtem stoffe, uter. ein auf das hd. beschränktes wort, ahd. slûh Graff 6, 783 , mhd…

Schlauch I

Idiotikon

Schlauch I Band 9, Spalte 8 Schlauch I 9,8

Ableitungen von schlau (2 von 2)

geschlau

ElsWB

g e schlau [klòi Co. Münster ; klỳai Katzent. Dü. ; klyəi Barr ; klùài Bf. ] Adj. schlau. — Basel 150.

schlaue

DWB

schlaue , f. nebenform zu schlaube, s. daselbst. ein spätmhd. slaw, schlawe, spur, fährte Lexer handwb. 2, 987 , dagegen geht auf älteres sl…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „schlau". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/schlau/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „schlau". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/schlau/dwb. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „schlau". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/schlau/dwb.
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