Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
ervinden stV.
1.1 ‘etw. spüren, bemerken, erkennen’
1.2 ‘etw. (besonders eine Aussage, Erzählung o. ä.) vernehmen, erfahren’ , mit Akk. oder Obj.-Satz
2 ‘etw. (durch Nachforschung) herausfinden, (durch Befragung von jmdn.) erfahren’ , mit Akk. d. S.
3 ‘etw./jmdn. finden, ausfindig machen’
4 ‘etw. ausdenken, ersinnen’
5 ‘jmdn. in einem bestimmten Zustand antreffen, vorfinden’ , besonders im Kontext einer Prüfungs-/Gerichtssituation, an, in, mit etw.
6 ‘etw. (eine rechtliche Regelung) entscheiden, beschließen’
1 ‘etw. wahrnehmen’ 1.1 ‘etw. spüren, bemerken, erkennen’ man saget daz in betwunge / diu tiure manunge, / dô er ir dürfte rehte ervant Iw 4863; den argen willen niemen an der küneginne ervant NibB 1399,4; ir hôhgemüete zuo der selben stunt / an der juncfrouwen [Kriemhild] sô manec helt ervant ebd. 45,3. – mit Obj.-Satz: ich hân [...] wole ervunten daz [...] got durch dich mir was gnâdich Gen 1371; do der helt Roͮlant / uf ainer hohe daz rechte eruant, / daz si sich in uieriu heten getailet Rol 3962; ich [Brünhild] hân daz wol erfunden, daz du [Gunther] kanst vrouwen meister sîn NibB 678,4; Wernh D 145. – ‘etw. empfinden, erfahren’, mit Akk. oder Obj.-Satz: nu hân ich wol erfunden diu degenlîchen werc NibB 500,2. 452,4; man gnisit grôzir wundin, / daz han ich dick irvundin Athis F 164; wer aber isst so er gelust gewinnet ze essenn, der erfinndet daz sein natürlich hitz entzünnt wirt alz ain feure HvHürnh 35,3; dâ diu hût [des Schlangentiers] was ab geschunden: / diu was sô hert ervunden / in gelîcher art dem adamas Wh 426,2 1.2 ‘etw. (besonders eine Aussage, Erzählung o. ä.) vernehmen, erfahren’, mit Akk. oder Obj.-Satz: dô der künec Gunther den willen sîn ervant, / er bat in [Siegfried] minneclîche noch bî im bestân NibB 258,2. 1404,4; sus kêrter wider zem kiele / weinende unde clagende, / diu mære wider sagende, / als er si hæte ervunden Tr 9661; dô sie die botschaft ervant, / sie kam und gie sâ zehant / ûf der frouwen palas Eracl 3179. 3779; dô si vil gar ze diute / vernâmen und ervunden / daz er was überwunden KvWSilv 845. – an ‘von’ jmdm. ~ : leit was ez Sîfride, do erz an Kriemhilt ervant NibB 691,4; dô bat er Hildebranden zuo den gesten gân, / daz er an in erfünde, waz dâ wære getân ebd. 2247,4. – ‘etw. verstehen, begreifen’, mit Akk. oder Obj.-Satz: ez leidete Liudegaste, als er daz mære rehte ervant NibB 168,4; dô begonde Kriemhilt vil harte unmæzlîche klagen. / ê daz si reht’ erfunde, daz iz wære ir man ebd. 1008,1; ichn gelîche niht dem knehte / (ob ichz ze rehte hân erfunden) / der von fünf phunden, / diu im sîn herre enphal, / niht ennam noch enstal Eracl 5 2 ‘etw. (durch Nachforschung) herausfinden, (durch Befragung von jmdn.) erfahren’, mit Akk. d. S.: sîn vater Philippus [...] hete ein ander wîb [ Cleopatra ] genomen, [...] dô Alexander daz irvant / und erz rehte vernam, / vor sînen vater ginc er stân SAlex 459; [Melôt] hæte ouch schiere ervunden / die liebe an den gelieben zwein Tr 14266. 13706; der chaiser wolt nit erwinden, / er muest ersuechen und ervinden / fuͤr war die rechten mer / wo der welt endt wer Seifrit 6166; Parz 22,10; Barth 154,26. – mit Dat. d. P.: waz habt ir uns erfunden? sprach dô Dietrîch NibB 2244,1. – mit Obj.-Satz: darnâch wart irvundin, / daz in den selbin stundin / dî Littouwen grôze macht / hattin NvJer 24802; da uon was daz gut, daz menschen list eruant, daz man maniger hande einfaldiger ercenie zu ein ander leite SalArz 81,52; er wolde selb ervinden / ob under sînen kinden / deheinez bekumbert wære Wh 237,27. – mit Korrelat im Hauptsatz: si heten wol erfunden daz, / daz ich wære miselsühte vrî UvLFrd 336,24. – an ‘von’ jmdm. ~ : dô bat er [Dietrich] Helpfrîchen vil balde dar gân / und hiez in daz ervinden an Etzelen man / oder an den gesten selben, waz wære dâ geschehen NibB 2241,2; wâ man in [Siegfried] verhouwen solde, do er daz an mir [Kriemhild] ervant, / wie moht’ ich des getrûwen, daz er im trüege haz ebd. 1111,2; Tr 12858 3 ‘etw./jmdn. finden, ausfindig machen’ queretur peccatum illius et non inuenietur: gesuochet wirdit sunte sin unde niht wirdit erfunden PsWindb 9,36; ob mir diu sælde geschehe, / daz ich mîn lantgesinde / ervorsche unde ervinde Tr 8862; mein houbt ich nider neiget / und hiez mir enbinden, / ob er ez [Zeichen] möht ervinden Krone 10296. 8877 4 ‘etw. ausdenken, ersinnen’ vone grozzeme wistuome has du [Gott] iz allez erfunden, / daz diu burch gworht ist von lebentigen steinen Himmelr 8,6; langs har und part tragen, / warumb das erfunden sey Teichn 612,3; das das spil tzẅ den tzeiten Euilmaradoch, des kẅnigs tzẅ Babiloni, erfunden seÿ Schachzb 128,4; recht sam ein gouwisch zimmerman, / der nuwes nicht erfinden kan Mügeln 112,7; Tr 3479 5 ‘jmdn. in einem bestimmten Zustand antreffen, vorfinden’, besonders im Kontext einer Prüfungs-/Gerichtssituation, an, in, mit etw. ~ : wie muget ir gerihten / über iuwern neven und iuwer wîp / [...], / sît man si niht ervunden hât / an keiner slahte missetât / noch niemer lîhte ervinden kan? Tr 15377. – vor allem passivisch: wert ir erfundn an rehter ê Parz 468,5; iuwer mâge die durh wer mîn lant / ame tôde sint ervunden Wh 181,3; alle die sele, die in disem leip sinen willen taten vnd in sinem gelouben vnd in sinen hulden wuͤrden erfunden Konr 23,21. 22,38; daz wir an dem jungisten urteil mit so getanen werchen erfunden werden, daz wir von den sæligen iht geschaiden werden PrOberalt 58,2. – ‘etw. an jmdm. vorfinden’ daz nehein urkunde / lugelîcher sunden / an im wart erfunden Wernh 3567. – refl.: daz ouch sich alliz ebene / irvant an sîme [ Bonifaciô ] lebene NvJer 22083 6 ‘etw. (eine rechtliche Regelung) entscheiden, beschließen’ so habent die purger und auch der rat ze Wienn das erfunden, wer ein purkrecht versitze, auf sein lagen als verr, das man das mit chlag im abgewinnen mues StRWien 122; daz habent di purger erfunden und geseczt StRBrünn 366. – speziell: ein Urteil ~ : der si [ urteile ] auch funden hât, der enmac dâ niht abe lâzen âne enes willen dem diu urteile ervunden ist ze sînem vrumen SpdtL 200,14
MWB 1 2134,56; Bearbeiter: Pfefferkorn