ansprechen ,
affari, alloqui, nnl. aanspreken,
in verschiedner bedeutung. 11) freundlich und grüszend ansprechen,
anreden, das wort an einen richten: du hast mich getröstet und deine magd freundlich angesprochen.
Ruth 2, 13; wir wollen frieden mit einander machen, ich und ir, und wil mit wenig volk kommen friedlich, dasz ich dich anspreche. 1
Macc. 7, 28; und sie empfiengen und sprachen einander friedlich
an. 7, 29; da wolten sie einander selbst ansprechen. 10, 56; da sprachen sie einander an und blieben über nacht da bei einander. 11, 6; eure boten sind zu uns gekommen und haben uns angesprochen. 14, 21; umb der ursach willen hab ich euch gebeten, das ich euch sehen und ansprechen möchte.
apost. gesch. 28, 20; sie wollten i.
f. gn. ansprechen. Schweinichen 3, 32; wer er ein gut gesell, so solt er zu uns kommen und uns selbs ansprechen.
lebensb. Götzens v. Berl.
Nb. 1731.
s. 45; aber dise ketzer wissen wol bessers, ja ihre alte bein wissen wol, dasz die propheten die Juden und nicht uns angesprochen haben. Fischart
bienenk. 172
a; der khalife sprach ihn in dem mildesten tone seines herzens
an. Klinger 7, 139; der feldherr, vor dem beginn der schlacht, sprach sein heer an; der könig sprach das versammelte volk
an. doch gebrauchen wir heute lieber anreden,
wo blosze worte und grüsze, keine bitte an jemand gerichtet werden: ich begegnete ihr auf der strasze, grüszte und redete sie an; der graf stand vor mir und ich wagte nicht ihn anzureden; ansprechen
würde hier ein gesuch oder anliegen auszudrücken scheinen. oft wird man eins wie das andere sagen können: rede mich nicht vor den leuten an,
oder sprich nicht
an. bestimmte fälle fordern aber ansprechen: einen ansprechen,
so viel als zauberisch besprechen, einen segen über ihn sprechen; ein bekannter, ein landsmann in der fremde wird begrüszt, angesprochen,
nicht angeredet;
zeitungen der seestädte machen täglich bekannt, welchen schiffen auf der see, wo man sich durchs sprachrohr verständigt, begegnet worden sei: schiffe in see angesprochen. Achilles, hannov. schooner, am 9 merz auf 48° 34' NB. 14° 40' WL. 22)
häufig aber hat ansprechen
die absicht eines gesuchs, einer bitte, und zum persönlichen acc. tritt die praep. um
mit dem acc. des gegenstands, der auch unausgedrückt leicht verstanden wird. sprich deinen nähesten darumb
an. Sirach 19, 13; sprich deinen freund drumb
an. 19, 15; mir ist leid, dasz ich euch in solchen nöten ansprechen soll.
Galmy 318. der bettler spricht an,
d. h. um almosen und gabe, der dürftige
um geld: nicht gar nichts und nicht alles und auch von allen nicht sol gab und ehrung nehmen, der den man an drumb spricht. Logau 2,
zug. 27; ein junger mensch, der viel studierte, sprach einen greis um schriften
an. Gellert 1, 200; er hätte ihm noch keinen boten geschickt, der ihn um freundschaft ansprechen sollte. Weise
erzn. 390; der freier spricht den vater um die tochter an,
hält an, wirbt um sie: den rittersmann veracht ich nicht, wenn er den vater erst anspricht, brauch ich mich nicht zu grämen. den vater hab ich längstens schon persönlich angesprochen. Soltau
s. 511; ein junger mensch sprach einen wackern mann durch einen guten freund um seine tochter
an. Gellert 1, 201; der einkehrende fremdling spricht an um herberge,
er spricht bei dem wirt grüszend ein; der soldat den andern um die parole: sein losung nicht weisz nachzusagen, alsbald er darumb angesprochen. Ringw.
laut. warh. 52; umb unzucht mich das weib ansprach. Ayrer 96
b. 33)
steht jedoch der angesprochne gegenstand im bloszen acc. ohne um,
so ist kein bitten gemeint, sondern berechtigtes fordern und verlangen, postulare, vindicare. der arme spricht die unterstützung an,
die ihm gebührt, der freier die tochter,
welche ihm feierlich verlobt war, der gläubiger den ihm verpfändeten acker, der eingeborne die ihm zuständigen heimatsrechte; die herschaft über die ostsee ansprechen. Dahlm.
dän. gesch. 2, 5; auszer der allgemeinen ritterpflicht, alle damen, die seinen arm ansprechen, gegen alle gewalt zu schützen. Wieland 4, 49.
dies ansprechen
heiszt dann ansprüche erheben und auf dem wege rechtens geltend machen wollen, beanspruchen, anklagen und zur verantwortung ziehn: wie sie da klagt und spricht dich
an. fastn. sp. 864, 4; der würde sie in kurzem darumb ansprechen. Luther 5, 9
a; wo sichs begibt im zank, das ein öffentlich verlöbnis oder hochzeit durch ein heimlich verlöbnis wird angesprochen und angefochten, sol man den anspruch nicht gestatten. 5, 243
b; sie solte mich der ehe ansprechen. Thurneisser
nothg. ausschr. 2, 75; ob ich herzog Cunraden anspräch, der mir mein bruder hat ermordt. Ayrer 116
a.
mhd. ein guot ansprechen (mit den rehten).
Schwabensp. 81
Laszb. einen ansprechen umbe den lîp, umbe sîn houbet (Haltaus 42. Oberlin 52); einen kempflich ansprechen,
provocare ad pugnam (Oberlin 757. 758)
gleichviel mit kempflîchen, kampflîche grüeʒen (Ben. 1, 583). 44)
diese einstimmung der wörter grüeʒen
und ansprechen
zeigt sich noch weiter. wie man mhd. sagte die hunde grüeʒen, daʒ ros grüeʒen mit den sporn,
und von dem wild mit seinem löwen jagenden Iwein es heiszt: dô gruoʒtern als ein suochhunt.
Iw. 3894,
wozu man Beneckes
anm. s. 308
vergleiche; gerade so gilt nhd. ansprechen. der weidmann spricht seinen hund an,
fordert ihn auf, die fährte zu verfolgen, er thut es mit worten und zurufen, die der hund versteht; aber auch das gejagte thier, der hirsch, die sau wird mit bestimmtem rufe angesprochen, der hund spricht das wild an,
bellt es an, ja alles was auf weidmännisch von den thieren zu sagen ist, heiszt angesprochen
und ansprechen (Döbel 1, 17. 2, 100. 3, 160), den jagdbaren hirsch ansprechen (
weidspr. 195), die saubeller oder finder sprechen die sau auf ihrem lager an,
fordern sie gleichsam zum kampfe heraus: sag an mein lieber weidmann, wie spricht der wolf den edlen hirsch im winter an? wolauf, wolauf, du dürrer knab, du must in meinen magen, da will ich dich wol durch den rauhen wald hintragen.
weidspr. 22.
vgl. 50. 67.
Wie wir noch heute einen bei seinem namen, mit seinem namen grüszen,
bei namen nennen, werden weidmännisch die wilden thiere gegrüszt und angesprochen,
im dritten jahre wird ein schwein nicht mehr frischling
sondern keuler,
im vierten angehendes schwein,
im fünften hauptschwein angesprochen,
in der brunst die sau bache angesprochen,
d. i. genannt. der hirsch wird für jagdbar, für einen zehnender angesprochen
u. s. w. Aber auch auszerhalb des weidmännischen sprachgebrauchs heiszt es bei begegnungen: ich sprach ihn als herrn NN, für herrn NN an; ich sprach ihn, seiner schönen person halber, vor den Mansfelder selbst
an. Simplic. 1, 79; rauber und mörder mügen heimlich und finster in frembder herschaft sitzen, aber man spricht sie warlich an als die nicht unterthan daselb sind. Luther 4, 322
b. 55) Göthe
bedient sich oft eines ähnlichen ansprechen für
oder als etwas
in fällen, wo man es durch nennen
oder in anspruch nehmen, für etwas erklären
auslegen kann, wörtliche ansprache oder anrede aber kaum irgend stattfindet: aus allen gestalten blickte nur das reinste dasein hervor, alle muste man wo nicht für edel, doch für gut ansprechen. 17, 210; er ward in einen sessel gebracht und man muste ihn, ungeachtet aller augenblicklichen beihülfe, für todt ansprechen. 17, 302; das erste grosz geborne kind der schöpfung, das löwen und affen, schafe und elephanten anstaunt und sie treuherzig als seines gleichen anspricht, weil sie eben auch da sind und sich bewegen. 19, 96; er wollte angesprochene regeln festsetzen, bestimmen, was recht, schön und gut sei. 19, 122; verschiedene curen, die der aufmerksame beobachter selbst nicht erklären und auch nicht geradezu als betrug ansprechen konnte. 20, 280; unter solchem gespräch zog Wilhelm etwas aus dem busen, das halb wie eine brieftasche halb wie ein besteck aussah und von Montan als ein altbekanntes angesprochen wurde. 21, 56; eine höhle, die man als naturwerkstatt mächtiger krystalle oder als den aufenthalt einer fabelhaft furchtbaren drachenbrut ansprechen konnte. 22, 127; dasz der skeptiker zuletzt alles für grund- und bodenlos ansprach. 25, 11; man konnte ihn für das hübscheste mitglied der ganzen kleinen gesellschaft ansprechen. 26, 255; man steigt einen berg herauf, den man für graue lava ansprechen möchte. 27, 196; eine gebirgsart, die man für thonschiefer ansprechen konnte. 28, 97; in demjenigen organ der pflanze, welches wir als blatt gewöhnlich anzusprechen pflegen. 29, 46; hatte man dieser ungewohnten speise erst einigen geschmack abgewonnen, so ist nicht zu leugnen, dasz man sie gern genosz und sie auch wol als gesund ansprechen durfte. 31, 223; wie wenig in der geschichte als entschieden ausgemacht kann angesprochen werden. 49, 93; diese gänge sprechen wir als gleichzeitig mit der gebirgsmasse
an. 51, 68
und noch öfter. 66)
endlich, wie unbelebte gegenstände angesprochen
werden, können sie umgekehrt uns
auch ansprechen,
gleichsam wird ihnen sprache geliehen, wie sonst blick
und lachen (
s. anblicken, anlachen); ihr ansprechen
bedeutet, dasz sie auf uns einwirken, uns zusagen,
gefallen, dasz zwischen ihnen und uns verständnis obwalte. zumeist wird das von bild
oder ton
gelten, aber auch von andern dingen: in allem, was ihn jetzt umlebet, spricht ihn das holde gleichmasz
an. Schiller 24; tödlich lieblich sprach aus allen zügen sein geliebtes, theures bild mich
an. 1, 88; und ein harmonisch hoher geist spricht uns aus dieser edlen seulenordnung an; sie müssen sie recht im geiste fassen. es ist wol gut, doch so nicht, dasz es einen von dem tuch anspricht. Göthe 13, 151; wie oft eilte das gute mädchen aus dem hause, in dem sie sonst alle ihre glückseligkeit gefunden hatte, ins freie hinaus, in die gegend, die sie sonst nicht ansprach. 17, 182; eröfnete ihnen einen saal, der sie ernsthaft ansprach. 21, 175; zum erstenmal sprach die musik mich
an. 23, 88; selbst das ungehörige, wenn es an unsere ganze kraft mit ernst anspricht, regt sie zu einer unglaublich genuszreichen thätigkeit auf. 33, 196; dieses bild spricht uns am wenigsten an, wie man in der conversationssprache zu sagen pflegt. 39, 253; so müssen wir auch dieses bild, wolgedacht, in seiner art bedeutend, charakteristisch und gehörig ansprechend anerkennen. 39, 257; in reger geistesthätigkeit, von allem angesprochen, doch ohne sonderbare reisevorfälle, kamen die beiden reisenden in die nähe Augsburgs. Arnim
kronenw. 1, 189.
es heiszt auch ohne acc. der person: das buch, gemählde, gedicht spricht an,
arridet, und dann klingt der ausdruck intransitiv.