kräuel,
m. ,
zuweilen f., fuscina, tridens, ungula, ahd. chrowil, chrawil, chrewil (grauul
Germ. 8, 390),
auch schon als fem. 'chrowilla
ferrum' Graff 4, 585;
mhd. kröuwel, krewel, kröul, kreul,
bei Megenberg kräwel, kräul,
eig. deminutiv zu kraue;
die formen schwanken stark in folge der zusammentreffenden -oui-
wie bei kläuel, kauen.
s. weiter krauen.
auch mnd. krouwel, kruwel (Dief. 250
a.
hor. belg. 7, 29
b),
nl. kraauwel,
altfr. krâwel. 11)
haken zum packen, zerren, bes. gabel mit hakenförmigen spitzen, ahd. fuscinula, tridens, creagra, harpago, uncinus glossiert. 1@aa)
so noch in den vocabb. des 15. 16.
jahrh. häufig: krauwel, krouwel, krawel, krowel (
voc. 1482 r 5
a), krauel
hd. und nd., dann kreuwel, krewel, kreul, krewl,
ferner krAeel (
voc. 1419
bei Schmeller), krAel, krail Emmelius
Bas. 1592 (
Chemn. bergwerkslex. 340
a),
s. Dief. 155
c. 250
a. 254
a. 273
a. 596
c;
merkwürdig kraichel 250
a, chrewchel 155
c, krogel, kriel
das., in krauhel 155
c ist das h
wie in krähe, krogel
ist wie klog
gleich klaue (
vgl.kraugen
unter krauen). 1@bb)
belege: do namen si iseren kemme und kreuwelen (
zum martern).
der seele trost 53
b, Frommann 2, 442,
niederrh., auch kruwel (
die schwache form auch ahd. spurweise); sie griffens (
das schiff) an mit hackn und krewln. H. Sachs 4, 1, 117; auch so griff er zum ersten mal zu mir hinein mit eisern kreyln, erwischt mich bei den obern theyln und mich ausz dem äscher aufschlug (
in die höhe warf). 1, 375
d (1590),
das erzählt eine rosshaut vom gerber; der weizen der sich zusammen filzet, wird nur mit eisernen rechen oder kreueln voneinander gerissen. Hohberg 2, 79
a; krawel,
fuscina, zum fangen, stechen der fische auf dem grunde Trochus M 5
b. 1@cc)
es war nämlich auch md., daher bei Luther
in der bibel, obwol das wort im mittel- und schriftdeutsch jetzt fehlt (
in Erfurt ist ein haus 'zum greuel',
umgedeutet): schaufeln, becken, krewel, kolpfannen.
2 Mos. 27, 3, kreuel 38, 3
am brandopferaltar, vulg. forcipes, fuscinulas, uncinos; wenn jemand etwas opfern wolt, so kam des priesters knabe, weil das fleisch kochet, und hatte eine krewel mit drei zacken in seiner hand und stiesz in den tiegel oder kessel .. und was er mit der krewel erfür zog, das nam der priester davon.
1 Sam. 2, 13,
also fem. (einen dreizenigen krewl
bibel von 1483).
auch der voc. opt. Leipz. 1501
gibt noch kreule
creagra H 1
a, Alberus crewel
tridens, wie auch Chyträus 421
noch anführt creagra, krowel edder forke,
während es nd. gleichfalls ausgestorben scheint. 1@dd)
das ist der krewel zum fleisch
fuscinula Dasypod.,
die creagra '
ad carnes de caldari extrahendas' Diefenb.
wb. von 1470
sp. 82,
noch bei Kirsch
s. v. creagra, Stieler 1038 kreuel
gabel, fleischkreuel (
nicht mehr bei Rädlein,
bei Steinbach kreul
als dial.): zum opferkessel zum fewer gehn und greifen nein mit einem kreul. H. Sachs 3, 1, 63
d; so bald du zu den opfern gehest, die kochet (
kochend) sind, so greif darein mit deinem krewel in hafen nein und zuck darausz das aller best.
trag. vom Heli Nürnb. 1548 B iij. 1@ee)
es lebt noch schweiz. Stalder 2, 130,
zweizackige gabel mit hakenspitzen, besonders mistkräuel
zum mistladen, appenz. kröl Tobler 121
a,
bair. (
gespr. krâl,
m.)
haken, hakengabel, mistkräuel, dächsenkräuel
gebogne hippe Schm. 2, 378,
östr. kräl
fem. (Tobler 121
a), grâl Castelli 147,
tir. krâl
m., kärnt. krâle
f.; auch im sächs. Erzgebirge und Voigtlande krail
und krâl
m. mistgabel. 1@ff)
schweiz. auch als flintenkrätzer, übertragen weinranke (
vgl.kramm 2). 22)
im bergbau eine fünfzackige kratze, das erz u. a. in die körbe zu fassen, früh schon schlecht geschr. krail,
rastrum quinquedens Frischlin
nom. c. 113: die geschiebe mit dem krail, die fünf zacken haben, abgesündert. Bechius
Agricolas bergw. 231; so wird die erd, sand u.
s. w. mit der krucken oder krail von der halden herausgescharret. 233; in ein langes gerin, darinn der beste stein bleibt, wenn er oft mit einem kreil gerissen wird. Mathes.
Sar. 100
a.
s. auch kohlenkräuel, stoszkräuel.
ähnlich wol '
crupa crewel'
gemma g. Dief. 159
c.
s. auch kralen. 33)
ein rhein. voc. d. 15.
jh. gibt kroel
vel karst
creagra Dief. 155
c,
und noch heiszt im sächs. Voigtlande krâl
m. der karst, also gewiss allgemeiner und alt. auch folg. gehört wol hierher: wer haid im wald mehet oder mit eisern rechen oder kreuln rechet, der ist verfallen zwei pfund neuer heller.
marggr. Nürnb. waldsordn. D iij
b. 44)
klaue, kralle, schon ahd. mhd. mnl.: kraul,
ungula volucrum, unguis. voc. inc. teut. n 6
a (
var. kreil Dief. 627
a), kräwel Frisius 1402
a, kräuwel
m. Maaler 250
c: so dem vogel ein kräwel gebrochen wär, so salb den mit schlangenschmalz. Heuslin,
Gesners vogelb. 133
a (Horst
Frkf. 1669 262
ändert in klaue); vor (
vorn) augen gut, hinden als katzen mit meusen krewlen (
mausekrallen). Paracels. 1, 634
a; aber gott half mir aus diesem allem und behütete mich, dasz ich niemals in ihre kräule kommen durfte. Schweinichen 1, 293; nesseln pflegen bald zu brennen und aus zarten kreilen sind löw und adler (
jung) zu erkennen. Lohenstein
Arm. 1, 65 (61); weistu aber nicht dasz der blosze unwille der fürsten ein rechter löwenkreil sei? 2, 873,
dich vernichten kann. so noch bair., schweiz. (
auch fingernagel),
auch nnl.; vgl. bekreulen.
Und das wird die älteste bed. sein, die unmittelbar an krauen
anknüpft; vgl. krämpel,
krampe,
kramme, krappe
und s. klaue,
mit dem kraue
in einer vorzeit eins war. 55)
es gibt auch kräul
kratz (
zu kräueln
wie krall, krell
zu krallen, krellen),
schles. kreul (kreil)
und krêl
m., auch krêle
f. Weinh. 47
b,
tir. kärnt. krâl, krâle,
s.kralle 3
und kräueln.
schweiz. e chräuel,
ein haarrupf Usteri 1, 234. 66)
erwähnung verdient wol 'dornkraul
micte, avis' Dief. 360
c,
es wird der dornkrätzer (2, 1294),
neuntödter sein, der auch dorngreul, dornkrälle
heiszt, frz. in östl. dialekten craouille (agasse cruelle) Nemnich 3, 324,
worin deutlich das deutsche wort steckt, vgl. seinen nl. namen klauwier
mit klaue. 77)
merkwürdig die gl. '
territorium krawel' Dief. 580
b,
und '
pecten, ein dancz crauel,
corea' 418
c.