1EIGNEN vb. (1)
ahd. eiganen,
mhd. eigenen.
as. gi-ēgnon,
mnd. ē
igenen
; mnl. nnl. eigenen
; ae. āgnian,
me. ounen,
ne. own
; an. isl. eigna,
älter dän. egne,
schwed. ägna
; got. ga-aiginon.
gemeingerm. abl. von eigen
n. A 1. (2)
im gegensatz zu den ōn-
verben der übrigen germ. sprachen ist ahd. eiganen
schwaches vb. I. (3)
bis ende 15.jhs. die regel bildender schwund des endungs-e
führt zu ekthliptischen formen: 1274 eygen
(1. pl. ind. präs.) corp. altdt. originalurk. 1,227 W. 1520 tzueigenn Luther
w. 6,231 W. auf sie geht ein verkürzter stamm eig-
zurück: 1288 geeiget
corp. altdt. originalurk. 2,355 W. 1556 geeygt Forster
liedlein 182 HND. (4)
das simplex eignen
ist heute vollständig durch die präfixbildungen an-, zu-
und übereignen
ersetzt. 1
sich jmdn. oder etwas zum eigentum machen, nicht selten im sinne nicht rechtmäßiger aneignung: 9.jh.
non uindicent ni eiganen im
ahd. gl. 2,88,29 S./S. ⟨M15.jh.⟩ Luczifierr .. eignet im selben, daz gocz was, unnd daz er von got hat
dt. volksb. 289 LV. 1697 hernach .. mag der besitzer des guts .. sich mit den antheyleren verglichen, dahin dass er das obs ihme eignen könne
rechtsqu. Bern II 1,2,149. 1839 viel konnt’ ich mir vom besiegten / feinde damals selber eignen Tieck
nov. (1835)10,330. mit ersparung des dativobjekts: ⟨u1450/68⟩ die maur von dem hailig creutzer tor biß zu unser lieben frawen tor die wolten sie
(die geistlichkeit) aignen und sprachen, sie wer ir und nit der burger
(Augsb.) chr. dt. städte 5,214. 1545 derselbig wald ist also schon, / das ihn Jupiter geignet hatt Wickram
7,333 LV. –
bildgebrauch: 863/71 yrkenn er thesa lera joh sehe tharana in wara, / si fon gote queme thir od ih
(Jesus) sia eigine mir Otfrid
III16,18 E. 1776 von wannen er sich eignet sehr / gut exempel und gute lehr’ Goethe
I 16,126 W. noch einmal: ⟨1923⟩ alle wirklichkeit ist ein wirken, an dem ich teilnehme, ohne es mir eignen zu können Buber
leben (1947)73. – prägnant, adoptieren: u1477 als Esopus kain kind het, aignet er im selber ainen wolgestalten iüngling, Enum genemmet Steinhöwel
Äsop 67 LV. 2
jmdm. etwas als eigentum übergeben. a
zugrunde liegt der allgemeine eigentumsbegriff von eigen
n. A 1 a ⟨E13.jh.⟩
(sie) opferten ze dem tempel daz
(lamm), / .. und eigentenz dâ mitte / gote nâch ir sitte Walther v. Rheinau
2891 P. 1721 die in sothanen testament meinem herrn bruder .. legirten und geeigneten zwey hundert thaler Thomasius
händel (1720)4,314. 1831 ein förmlich document, der kirche das
(grundbesitz) zu eignen Goethe
I 15,1,288 W. mit präpositional- statt dativobjekt: ⟨A13.jh.⟩ ouch eigent er den selben tuom / ze Rôme an daz gestifte Ebernand
1102 B. 1488 vier rinsche guldene, so er zu einem teigelichen .. salve in unser pfarkirchen .. geeignet unde gegeben hat
urk. Kahla 59 B. –
im bilde und bildlich: ⟨E13./A14.jh.⟩ eygen dich gode, so is got dyn eygen, as hey syns selues eygen is meister Eckhart
dt. w. 1,239 Q. u1524 er hat seinem volk geeignet die erlösung, und seinen bund bestetiget ewiglich
ev. kirchenordn. 1,485 S. 1868
(der eid), mich
(Brunhild) dem fürsten zu eignen Jordan
Nibelunge (1867/8)2,63. –
widmen: 1534 Valerius Publicola eygnet dem gott Jupiter ein kirch Eppendorff
Plutarch, sprüch 425. ⟨1795⟩ hier, mein lieber guter Christian Otto, eigne ich dir wieder etwas – vier heftlein auf einmal Jean Paul
I 4,317 ak. b
zugrunde liegt der spezielle eigentumsbegriff von eigen
n. A 1 b α,
als eigengut übergeben: 13.jh. daz gvͦet ze Swenerse, daz von vns lehen was, daz habin wir in ge eigent
corp. altdt. originalurk. 4,622 W. 1566 dieweil dann sonst kain graf mer von Kiburg war .., do hat
s. Ulrich dieselbig grafschaft dem stift Augspurg frei ledigclich übergeben und geaignet
zimmer. chr. 21,44 B. c
übertragen, zuschreiben zurechnen; sich stellen zu: ⟨1.h14.jh.⟩ die lawtterchait pechennt man, wann es v̈bel den läwten get; wann weleibt da der frewndt stät, das ist ain tzaychen gantzer .. frewndtschaft. .. was man aber in gelẅkch tüet, das mag man smaykchunder geleichsenhait aygen
schachzabelb. 83 TSM. 1520 es ist war, man soll den bann furchten und nit vorachten .. . aber warumb eygenstu das alleyn dem bann .. und nit allen andern großern straffen und widerwertickeyten? Luther
w. 6,68 W. 1815 zu dieser
(injurien-)gattung eignet sich das niederreißen oder auch die beschädigung der statüen des regenten Winter
majestäts-verbrechen 145. 3
jmdn. oder sich selbst in den besitz von etwas setzen. a sich einer person
oder sache eignen
sich ihrer bemächtigen: ⟨E12.jh.⟩ der edel himelsche chúnic, des sele sich der tiefel da geaigent hete an aines súndærs stete
altdt. pred. 3,71 Sch. 1298 so sulen die .. Moͤtnitzer .. ze vorstrecht, ze panwilde .. noh ze vederspil furbaz dehain reht haben, noh sich des an dehain dingen aigenen in des gotshouses wælden
corp. altdt. originalurk. 4,290 W. b jmdn. in
oder an etwas eignen
jmdn. zum rechtmäßigen besitzer von etwas machen: u1355 dar noch so lyͤz sich Eckehart .. eygenin in daz .. tryͤtteil des huͦsez
hess. urkb. (1879) I 3,295. 1776 der gläubiger, der auf grundstücke leihet, .. wird .. an das grundstück .. geeignet Möser
5,91 ak. 4
ein lehen allodifizieren: ⟨u1280/5⟩ eiegent ein man sin lehen mit sins herren hat .., dar vmbe daz ez sinem wibe werde .., daz kan ir weder der herre noch div kint gebrechen
schwabenspiegel 190a L. 1814 thronlehen .. können nicht allodificirt werden. .. alle übrigen lehen können geeignet werden Moshamm
lehenrecht 231. 5
jmdm. die freiheit nehmen. a
jmdn. zum leibeigenen machen: ⟨u1400⟩ yn welchen menschen der will nicht geeygenet wirt, sunder daß er bleibt yn seyner edeln freiheit, do .. ist eyn .. freyher .. mensch der Franckforter
58 U. 1525 so hat sich die äptissin von Bucho .. understanden und die kornölgerleut geaignet und die beschwärt mit fällen .. wie aigenleut
bauernkrieg, aktenbd. 150 F. b
jmdn. festnehmen: E15.jh. vindet er aber ettwen dapei der sich des
(eines verlorenen gegenstandes) underbundn hat mit gevërd, den selbm .. sol er aignen und dem richter antburten
öst. weist. 9,596.Maak