geizen ,
geiz üben, mhd. gîzen,
d. i. gîtsen (
s. u. geiz 1,
c),
eig. gîtesen,
ahd. anzunehmen gîtisôn;
vergl. das einfache geiten,
mhd. gîten. 11)
zu geiz
als sinnliche gier (
s. geiz 2): fressender oder geytzender,
helliens, avide comedens. voc. th. 1482 i 2
b;
vgl. geiz 2,
b, heiszhunger. 22)
zu geiz
als gier überhaupt (
s. geiz 3. 4),
besonders nach geld und gut gierig trachten. 2@aa)
bloszes geizen,
wie mhd. gîtsen Walth. 33, 16: geitzen, zu sich scharren. Luther
der 112.
psalm 1526 a ij
b; burger geitzet, adel kratzt (
scharrt).
wider Hans Worst k 3
a; das ist nicht die (
rechte) weise gut zu erwerben und reich werden, so einer den andern hasset, neidet und unternander schindet, streitet, geitzet und teuschet.
gl. zu Jac. 4, 2,
von habsüchtigem gebaren in handel und wandel, wie oft (
unserm '
gründerwesen'
entsprechend),
vgl. u. geizhandel,
geschäft solcher art; ein iglicher geitzet fur sich in seinem stande.
Jes. 56, 11; weh dem der da geitzet zum unglück seines hauses.
Hab. 3, 9; dise feiszte und faule mammonsdiener .. geitzen und nemmen irem nechsten nicht allein schlecht, was er an barschaft und gelt hat, ab, sondern sie saugen, pressen, dringen und zwingen im ausz seinem leib bluot und mark, dasz er schier nichts im haus .. vor disen unersettlichen geitzhelsen behalten mag. Kirchh.
wend 1, 361
Öst.; ein jeder geytzt jetzo, als wenn er wolt der welt gut allein zu sich reiszen. Lehmann
flor. 1, 275; so ist das arge gold ein gott der götter worden, der himmel geitzet auch. Opitz 1, 55,
von der sucht nach gold und dem zauberreiz den es ausübt, dem auch die götter (
Jupiter, Juno u. s. w.)
nicht widerstanden; zugleich in übergang zu der bed. u. e: ein weib, das wie ein drache geizet (
vgl. geizdrache), und gegen kind und magd genau, den dieb, mich (
den mann) zu bestehlen, reizet, o eine schlimme frau! Lessing 1, 86; mit drachen mag der drache geizen. Göthe 12, 297. 41, 38. 2@bb)
der gegenstand mit nach
bezeichnet (
vgl. geiz 3,
b),
der begriff zugleich auf allerlei heftiges verlangen und trachten, auch geistiges erstreckt und auch in gutem, ja bestem sinne gewendet: hette Abram lust zu büberey gehabt, so hette er wol ein andere funden, der besten eine zu Hebron, gehet aber nicht weiter denn Sarai haben wil und in bittet, daher clar ist, das er nicht gegeitzt hat nach einer andern. Luther 4, 94
b (102
b),
bei der wahl der Hagar; du weiszt, wie sehr auch mich des Flaccus kunst gereizt, der, edlen Griechen gleich, nach nichts als ruhm gegeizt. Hagedorn 1, 30; lasz dich noch lange, herr (
könig Friedrich), den namen vater reizen und den: menschlicher held! dort wird der himmel zwar nach seiner zierde geizen, doch hier braucht dich die welt. Lessing 1, 96; sie geizte nicht nach reichthümern, wollte weder geehrt noch gefürchtet sein. Musäus
volksm. 268; nach dem staatsrath geizen. Heyne
br. an J. v. Müller 155; er kannte nur den kampf der wahl, und härmte sich dann nur, wann er, rechts und links gereizt, nicht alles haschen kann, wonach die wollust geizt. Gotter 1, 323; was man ein kind ist! was man nach einem blicke geizt! Göthe 16, 50 (
Werther 1.
th. 8.
jul.); Klopstock will uns vom Pindus entfernen, wir sollen nach lorbeer nicht mehr geizen, uns soll inländische eichel genü
gen. 2, 140; nach ehre geizt die jugend, lasz dich den ehrgeiz nicht verführen! Schiller
Maria Stuart II, 7; dasz von ihrer hand du nach zwei zeilen geizest so mit ungestümem drange. Rückert 297. 2@cc)
früher auch mit auf,
wie geiz
gleichfalls: ein weicher Aristipp, der auf die wollust geitzt. Haller 76.
selbst mit dem inf.: kaum sieben jahr konnt' Iris zählen, so wuszte sie voll list zu stehlen. die kleine hand griff, was das auge reizte. nicht dasz sies zu besitzen geizte .. Kästner (1841) 1, 23,
sinnged. nr. 65. 2@dd)
einzeln aber auch mit unmittelbarem objectsacc.: wenn Duban ehre geitzt, so kann er diesmahl sich bis zur genüge dran erletzen. Wieland 10, 331.
schon im 16.
jh., bei wirklich gedachter bewegung, alles zu sich geizen und scharren,
geizend zusammenbringen: wenns aber so klinget, ich hab mich des evangelii gerhümet und dem nehesten kein gut gethan, alles zu mir gegeitzet und gescharret .. Luther 6, 53
a (
als beispiel von gewissenbissen).
so zusammen geizen,
mühsam zusammenbringen durch abknapsen: wie sehr irrst du, lieber freund, wenn du glaubst, dasz ein werk, dessen erste vorstellung die ganze seele füllen musz, in unterbrochenen, zusammen gegeizten stunden könne hervorgebracht werden. Göthe 18, 127 (
lehrj. 2, 2).
vgl. ergeizen.
auch refl. der geizige geizet sich nimmer satt,
semper avarus eget Stieler 641. 2@ee)
zu geiz
als knauserei (
s. geiz 4,
c).
auch hier bloszes geizen,
geizig sein (
s. a): bei einem kargen reichen der geizende wahn, dasz er die vorstellung, sich einmal, wenn er wollte, seiner reichthümer bedienen zu können, für genugsamen ersatz dafür hält, dasz er sich ihrer niemals bedient. Kant 6, 350; frau, lasz uns nicht so nährig geizen, wer weisz, wie bald man sterben kann! Voss (1825) 4, 135.
der gegenstand wird durch mit
bezeichnet, wie bei kargen, knausern
u. ä.: mit seinem golde geize der wechsler, dem sechsfältige riegel kaum genügen und sechsfältige schlösser. Platen 2, 258.
bildlich: ich habe oft mit bemerkungen gegeizt, ich meine immer aufs künftige damit gespart, ohne sie jemals gern auszugeben. Lichtenberg 1, 26; er geizt mit meiner freundschaft. Klinger 1, 372; bürgerglück wird dann versöhnt mit fürstengrösze wandeln, der karge staat mit seinen kindern geizen. Schiller
Carlos III, 10; zu diesem du waren sie gekommen .. so sehr sie sonst .. mit diesem heiligsten seelen-dualis gegen andere geizten. J. Paul
Tit. 4, 5.
vergl. begeizen. 33)
zu geiz (5)
an pflanzen, z. b. tabak geizen,
den geiz ausbrechen, auch ausgeizen.
entlehnt nd. gîzen Schambach 64
a,
dän. gise.