nehmen,
verb. sumere, capere, rapere, λαμβάνειν,
ἄρειν.
Form und verwandtschaft. 11)
es ist ein allgemein germanisches wort: goth. niman,
ahd. nëman,
mhd. nëmen,
alts. niman
und nëman,
mnd. und nd. nemen,
altfries. nima
und nëma,
altn. nema,
schwed. nimma (
in förnimma),
dän. nemme,
ags. niman
und neoman,
engl. nim. 22)
neuhochd. formen. 2@aa)
der mhd. infinitiv nemen
erhält sich bis zum schlusse des 17.
jahrh. (
voc. 1482 x 3
b.
gemma g. B 2
b. Stieler 1358, nämen
Bocc. 285, 22,
vergl. th. 4
1, 1665),
daneben erscheint besonders im alemannischen schon seit dem 14.
jh. zur hervorhebung des kurzen wurzelvocals die form mit gedoppeltem m nemmen (
z. b. Schreiber
urkundenbuch der stadt Freiburg 1, 282
vom j. 1331.
Amadis 17
B. Zimm. chron. 1, 131, 18. Bechius 84.
F. Platter 174
B.; Dasyp. K 7
b hat nemen
und nemmen, Maaler 301
d. 304 nAemmen
und nemmen),
wie noch im mundartlichen nemman Schm.
cimb. wb. 149
b, nemmin Lexer
kärnt. wb. 197;
im 16.
jahrh. beginnt daneben der wurzelvocal durch h
gedehnt zu werden: nehmen
und nähmen Bechius 163. 170, nemmen
und nehmen
bei Denzler 211
a. Aler 1460
a,
nur nehmen
bei Rädlein 670
a. Ludwig 1318. Erberg 530
c. Steinbach 2, 129. Hederich 1687. Frisch 2, 11
b.
durch anlehnung von b, p
an das wurzelhafte m
entstandene formen: nemben
österr. weisth. 6, 130, 20 (16.
jahrh.). 1, 198, 39 (
vom jahre 1671), nempmen Kummer
Erlauer spiele V, 402.
verkürzte formen: henneb. nâm Spiesz 171,
alem. nên (
teufels netz 11849. 12358.
N. Manuel 86, 1474. Th. Platter 58)
und nêh, nê (
s. Weinh.
alem. gr. § 350. Tobler 331
a. Fromm.
mundarten 4, 325);
über abfall des auslautenden n
s. oben sp. 2.
unechte diphthongisierung von ë
kommt vor in der schwäb.-alem. form niemen
Altschwert 69, 3
var. Merzdorf
historienbibel 186. 418.
städtechron. 5, 427
anm. 2
und oft in Steinhöwels
Esop. vergl. Weinhold alem. gr. § 135. 2@bb)
dem infinitiv nemmen
entsprechen nhd. die formen du nimmst, er nimmt,
der imperat. nimm
und das partic. genommen,
während in allen übrigen flexionsformen der wurzelvocal durch h
gedehnt worden ist. im älteren nhd. und mundartlich hat sich manches ursprüngliche neben neuen anomalien erhalten. 2@b@aα)
statt des mhd. ich nime (nim), du nimest (nimst), er nimet (nimt)
kommt schon früh in md. dialekten vor ich neme, du nemest, er nemet (Weinh.
mhd. gr. § 332.
mhd. wb. 2
1, 361
a),
d. h. das ë
des plurals ist durch nd. einflusz auch in den sing. ind. des präsens gedrungen, so dasz er sich vom conjunctiv nicht mehr unterscheidet. nhd. hat sich diese form für die 1.
sing. ind. festgesetzt: ich nehme (ich nemb H. Sachs 3, 22, 27.
P. Leu 908, ich nem Stieler 1358, ich nemme Aler 1460
a, ich nemme,
per usum hodiernum ich nehme Steinbach 2, 127, ich nehme Frisch 2, 11
b),
daneben noch die alte hochd. form: ich nim Luther 1, 48
a. Schwarzenberg 122
b. 132
a. Th. Platter 16, ich nimm Rihel
Liv. 36, ich nimb
P. Leu 12033,
in oberd. mundarten ich nimme, ich nimm,
s. Schm.
cimb. wb. 149
b,
bair. wb. 1, 1743. Lexer
kärnt. wb. 197. Fromm.
mundarten 2, 113. —
für die 3.
person ist nur ausnahmsweise jenes md. nemt
zu verzeichnen (sie nembt : stembt H. Sachs 7, 467, 39),
sonst durchaus nimmt (Geszner 4, 86
schreibt nihmt,
um es mit nehmen
in übereinstimmung zu bringen),
vereinzelt auch noch nimet, nimmet: es nimet
Bocc. 33, 4
K., er nimmet Bechius 19, er, sie nimmet Luther
tischr. 1, 56. Ayrer 1, 32, 15
K. Logau 1, 2, 11. 3, 37. 2@b@bβ)
statt des mhd. imperativs nim
kommt md. schon in Lamprechts
Alex. 4630
die form nem
vor (
mit dem vocal des infinitivs wie bei den schwachen verben),
und so z. b. auch bei H. Sachs 6, 76, 23. Schade
sat. 3, 67, 4. 70, 10. 129, 27. Weckherlin 265
Göd., endlich ganz schwachformig erweitert nehme Klinger
theater 3, 198. 4, 127. Rückert
ges. ged. 1, 447.
im übrigen ist die alte hochd. form als nimm (
auch noch nim Voss
Virg. georg. 3, 420. Wieland
Herm. 463
neudruck)
gewahrt worden (
nur Geszner 3, 15
schreibt nihm
aus dem oben angegebenen grunde). 2@b@gγ)
vereinzelt dringt der laut i
des singulars in den plural ind. präs.: wir, sie nymmen J. Cresz
in Ph. Wackernagels kirchenl. 3, 580, 13. 14 (
vom j. 1525)
und in den conj. präs. man nim (: ihm) Hayneccius
Hans Pfriem 2154
neudruck, auch in den plur. des imperativs, so bei Schiller
in den räubern vom j. 1781: nimmt mirs nicht übel 2, 144, 15; so nimmt doch nur vernunft an! 177, 15; nimmt ihm den wege! 203, 6.
vergl. Weinh.
mhd. gr. § 39.
bair. gr. § 18.
alem. gr. § 21. 2@b@dδ)
das alte präteritum nam
ist zu nahm
gedehnt und so mit dem alten plur. nâmen
in übereinstimmung gebracht worden, doch schreibt noch Stieler (1358) ich nam, Steinbach (2, 127) 'ich namm,
sed productionis causa nahmm,
scribitur plerumque altera litera m
abjecta ich nahm'.
im 15.
und 16.
jahrhundert zeigen sich, indem das u
des particips eindringt, auch die formen num
und numen,
die erstere oft von H. Sachs
wol nur des reimes wegen gebraucht: er num (: summarum) 1, 340, 21, (: Pentheum) 8, 510, 37; er numb (: reichthumb 1, 155, 27, (: schwumb) 2, 195, 29, (: frumb) 368, 4. 374, 33
u. o. neben namb
z. b. 2, 208, 6, er nume (
neben name) J. Graff 2, 5
Schade, sie numen Liliencron
volksl. 75, 9 (
vom jahre 1439).
fastn. sp. 71, 24, sie nummen Ph. Wackernagel
kirchenl. 3, 1011, 4, sie num (: evangelium) 3. 2@b@eε)
statt des conj. präter. ich nähme (ich nehme Göthe
an frau von Stein 3, 328)
erscheint auch ein schwachformiges nähmte: ich nehmete
archiv für österr. geschichtsquellen 25, 31 (17.
und 18.
jahrh.), du nähmtest Günther 627, es nähmte Gotthelf
Anne Bäbi (1859) 1, 54. 84,
bair.-österr. ich nâm (nähme)
oder ich nemet (nähmte) Schm. 1, 1743
Fromm., nemmet Lexer
kärnt. wb. 197. 2@b@zζ)
von den mhd. participialformen genomen
und genumen
ist die erstere als genommen
durchgedrungen, neben welcher früher und noch mundartlich auch genummen
vorkommt H. Sachs 1, 369, 27 (genommen 2, 37, 8). Logau 1, 3, 57. 5, 15
u. o., bair. gnumen
und gnamen (
mit dumpfem a
für o),
alem. verkürzt gnon
N. Manuel 193, 1667. Th. Platter 44. 112;
schwachformiges particip zeigt die deutsche mundart der VII und XIII comuni in den venetianischen alpen: ich han ganummet, ganumt. Schm.
cimbr. wb. 149
b,
ebenso lusernisch Zingerle 45
a. 33)
urverwandt ist gr. νέμειν,
νέμεσθαι,
νέμος,
lat. nemus
u. a., skr. namas
von nam,
beugen, sich neigen Böhtlingk-Roth 4, 40
ff. Sonne
in Kuhns zeitschr. 12, 347
ff. setzt als grundvorstellung der wurzel die niederlassung, besitzergreifung im sinne der hirtenzeit voraus; Kuhn
in Webers ind. studien 1, 338
geht aus von der vorstellung des beugens zum zwecke des nehmens, beim viehe des weidens, vergl. J. Grimm
kl. schriften 1, 132,
gesch. d. deutschen spr. 29; Curtius
grundz. nr. 430
entwickelt die besondern anwendungen des gr. νέμειν,
νέμεσθαι aus der grundvorstellung '
zutheilen',
anknüpfend an sanskr. upanam
zukommen, zu theil werden; Pictet
les orig. indoeurop. 2, 16
f. und 691
nimmt die religiöse vorstellung des verneigens, verehrens als die ursprüngliche an; Bopp
gl. 190
b und 276
a, Pott 1
1, 261
und Benfey
griech. wurzellex. 2, 134
lösen nam
auf in ni-yam (
sanskr. yam
beugen, geben, nehmen; lat. emo,
lit. imu,
altslav. im),
so dasz also begrifflich und lautlich die schwierigkeiten dieser wurzel noch nicht gelöst sind. Bedeutung und gebrauch. Das ags. niman
in der bedeutung '
disponere'
erinnert noch an griech. νέμειν in der bedeutung '
tribuere' (Leo 137),
mit ahd. nëman
wird auch lat. carpere und vellere glossiert (
Verg. georg. 3, 435. 4, 108,
s. Steinmeyer - Sievers 2, 640, 66. 643, 8),
das altfränk. nimid
entspricht begrifflich dem lat. nemus (
de sacris silvarum, quae nimidas
vocant. indiculus superstit. vi, Grimm
myth.4 540,
anhang 403),
so dasz wir auch für das germ. nëman, niman
eine ursprüngliche mannigfaltigere entwickelung der bedeutung voraussetzen müssen, bevor sie auf den begriff des nehmens (
der schon im griech. νέμεσθαι,
hinnehmen, vorliegt)
eingeschränkt und fixiert worden ist. dieser selbst hat wieder eine solche mannigfaltigkeit in der anwendung entwickelt, dasz im folgenden an eine erschöpfung nicht zu denken ist. AA.
transitiv (
auch mit genet. partit. oder von,
gramm. 4, 648. 852)
oder absolut mit verschwiegenem objecte. A@II. nehmen
in bezug auf etwas von einem anderen gegebenes, dargebotenes. A@I@11) nehmen
ist zunächst das gegenstück von geben
und als solches schon th. 4
1, 1669
f. ausführlich erörtert und mit zahlreichen beispielen belegt, auf die hier, um wiederholungen zu vermeiden, einfach verwiesen wird. nur ein paar beispiele mögen diese verbindung veranschaulichen, andere ergeben sich noch in den folgenden nummern (
vergl. auch A, VIII
und IX): (
im hauswesen) lohnen, doch den dienst entbehren, immer geben, nimmer nemen. Logau 1, 3, 61; nehmt und gebet, gebt und nehmet dessen sich kein herze schemet. Fleming 300
L.; lernt von mir und meinem mädchen küsse geben, küsse nehmen. Gleim 1, 18; nimm du so gern, als ich dir geb. Lessing 2, 193; nimm, was ich geben kann. Ramler 1, 91;
sprichw. wer nicht nehmen will, braucht nicht zu geben. Simrock 402. A@I@22)
das nehmende, fassende, empfangende subject ist wie bei geben
zunächst die hand: deine hand sol nicht auffgethan sein, imer zu nemen, und geschlossen nimer zu geben.
Sir. 4, 36; wer da reich ist, werde gleich einer milden hand erkant, die da gibet und nichts nimmt. Logau 1, 2, 88. A@I@2@aa)
das gegebene, aufgehobene, erfaszt wird mit der hand (mit den fingern), an, auf, in die hand, in die hände, zur hand, zu handen genommen,
s. th. 4
2, 343. 356,
wozu noch einige belege für die sinnliche und übertragene bedeutung: die speisz mit den fingeren nemmen,
cibos digitis carpere. Maaler 304
b; aber ich nahm mit den händen geschwind eine mächtige stange. Voss
Od. (1781) 9, 487; zuohanden oder in hand nemmen,
in manum vel manu sumere. Maaler 305
a; der wirte .. die kreid in seine hand bald nam.
Germania 13, 270; das ich das gewerr in die hand nam, und waltzt es hin, und weltzt es her, gleich ob es ein scheibkugel wer.
aller praktiken groszmutter (1573)
im anz. des germ. mus. 1865
sp. 232; eh es (
das buch) der kaum in die hände nimmt. Fleming 135
L.; nim stein' in die hand, nim keulen, o hirte. Voss
Virg. georg. 3, 420; die thür in die hand nehmen,
die thürklinke ergreifen, hinausgehen: die stubthür er in die hend nam.
P. Leu 738; stumm .. und abgewandt nahm ich die thür in meine hand. Immermann 1, 109;
mit dem nebenbegriffe des tragens auf den händen: er hab geboten seinen engeln von dir, das sie .. dich nehmen in die hende.
bibel von 1483 497
a (
goth. þatei ana handum þuk ufhaband; das sie dich .. auff den henden tragen.
Luc. 4, 11),
vgl. II, 2,
a; zur bearbeitung vornehmen: nunmals hab ich die selbigen (chronica) wider in die hand genommen und .. in die teutsch zung bracht. Aventin. 4, 5, 16; der ihm, wo recht gebracht, das schwerdt zu händen nam. Logau 1, 6, 23; zwar anfangs wuste Tassilo die verstellung trefflich zur hand zu nehmen (
zu gebrauchen). Hahn
histor. (1721) 1, 42; möchten (
unsere jungen dichter) .. ihren bescheidenen Kleist, Uz und Gellert wieder zur hand nehmen (
wieder lesen und zum vorbild nehmen). Schiller 2, 386. A@I@2@bb) für, vor, unter die hand nehmen
ein geschäft, eine arbeit, s. th. 4
2, 343
f.; schles. bei die hand nehmen,
aliquid adgredi. Steinbach 2, 128. A@I@2@cc)
das gegebene aus, von der hand
des gebenden nehmen,
s. th. 4
2, 356: so nimb in (
den teller) ausz seiner handt. Scheit
Grob. 2959
neudruck; nimm diesz horn aus meinen händen.
Oberon 2, 48; bis aus des todes händen der mensch die heilung nimmt.
F. Schlegel
ged. 357; nimm aus meiner linken diesen becher! Platen (1847) 3, 294; Eros nahm aus der hand des alten das schwert. Novalis (1820) 1, 226; als ihr den blauen hut von Klio händen nahmet. Fleming 119
L.; sie kamen alle mit demuth .. von seiner hand es (
das brod) zu nehmen. Klopstock
Mess. 4, 1165; mit der schüchternsten bescheidenheit nahm sie den trauring von meiner hand. Schiller 2, 280 (
räuber, trauersp. 3, 4);
kaufmännisch: eine ladung palmöl ist aus erster hand genommen (
aus der ersten hand gezogen, in die zweite, speculierende übergegangen).
Weserzeitung 1859
s. 4876. A@I@2@dd) bei der hand nehmen,
s. th. 4
2, 334. A@I@2@ee) die hand nehmen,
die hand eines andern ergreifen: er nahm ihre hand und drückte sie .. an seinen mund. Geszner 2, 93; sie hatte die hand der wittwe genommen, der sie .. einen sanften druck gab. Engel
L. Stark 346; sie nimmt seine hand und will sie küssen. Schiller 5, 2, 238; nicht mein gewand ergreife, nimm die hand. Uhland (1879) 3, 6;
mit dativ der person: was solt unser bruder Jan bei solchem fest thun, als sich nur herumb werffen, sich tummeln, da eim die recht, dem andern die linck nemen, hie zwen zugleich umbfangen, dort dreien dancken. Fischart
Garg. 240
a. A@I@33) nehmen
bedeutet also zunächst etwas von einem andern gegebenes, dargebotenes annehmen, empfangen oder etwas gegebenes bekommen, empfangen, erhalten. vergl. 4. A@I@3@aa)
absolut: denn wer da bittet, der nimpt (
λαμβάνει).
Luc. 11, 10; bittet, so werdet ir nemen (
goth. bidjaiþ jah nimiþ).
Joh. 16, 24; nimm (
den becher), kyklop, und trink eins! Voss
Od. (1781) 9, 347; er nahm und trank. 9, 353; und sterbend reichte Hektor sein gutes schwert ihm hin: 'da, sprach er, nimm!' Wieland 18, 32. A@I@3@bb)
mit sachlichem oder abstractem objecte: ahd. ni nemet scazzes umbi thaʒ. Otfrid 3, 14, 99;
mhd. er nam daʒ man im bôt.
Iwein 5588;
nhd. welche den glauben haben, die nemen allein die rechte tauffe, welche aber nicht gleuben, die empfahen nichts denn wasser. Luther 5, 280
a; der nam miet und gab. Aventin. 4, 604, 2; was einer bekummet, musz er nemen. J. Ayrer 90, 30; wer wolthat nimmt, solls nie vergessen. Logau 3, 2, 39. 4, 84; geh auch und nimm den kusz. Günther 112
Tittmann; der senat .. schickte ihm .. viertausend zechinen, die man ihn zu nehmen zwang. Schiller 4, 177; so bekommt er die goldene uhr .. nimmt er sie nicht, so hat er die freiheit sie zu verschenken. Hermes
Soph. (1776) 5, 427; das (
ausgetheilte) kreuz nehmen (
s. th. 5, 2181); wehmüthig reichte er sein bildnisz .. der angebeteten .. allein anstatt das bild zu nehmen, greift sie nach rosen. L. Karsch 244; trauteste, nimm das geschenk. Voss
Luise 3, 1, 244; eitle ruhmsucht mag sich schämen, unverdientes lob zu nehmen. Haller 175
Hirzel; in diesem kusz nimm meine ganze seele, in diesem ring das pfand der ewigkeit. Matthisson
nachtr. (1799) 50; nimm zum beweise diesen kusz. Wieland 9, 311; nehmt meinen dank, dasz ihr mir aufgetischt.
Idris 1, 100; nehmen sie wiederholten dank für alles gute, das sie uns in Jena gegönnt. Göthe
an Schiller 43 (1, 104); nehmt dieses geringe zeichen meiner dankbarkeit. Novalis (1820) 1, 86; man dankt für das was man nimmt. Platen (1847) 3, 179; ich nahm die weisung auf das andre leben. Schiller 4, 23. A@I@3@cc) in empfang nehmen (
th. 3, 421): ein knabe, der es (
das geliehene silbergeschirr) gleich nach der mahlzeit wieder in empfang nehmen soll. Knigge
umg. (1790) 2, 57; um dort die lobsprüche .. in empfang zu nehmen. Schiller 9, 73. A@I@3@dd) nehmen von,
annehmen: ob ich von einer ein nachtmal nam.
fastn. sp. 268, 4; fraw, nembt von mir disz fingerlin, das traget nun umb meinent willen. H. Sachs 4, 3, 53
b; die haben gabn von im genummen. J. Ayrer 438, 33; nehmen sie diese börse von mir, mein herr. Rabener (1755) 4, 238; so nimm nun auch von mir die pflege als ein willkommner gast. Göthe 12, 64. A@I@3@ee) mit sich nehmen, eine gabe, ein geschenk, versprechen
u. dgl.; wenn wir ihr jawort mit uns nehmen. Gellert 3, 172. A@I@44)
dem nehmen
steht auszerdem in vielen verbindungen und redensarten gegenüber ein geben,
wie schon bei diesem an verschiedenen stellen gezeigt worden ist. fürs mhd. vergl. gramm. 4, 600
f. und mhd. wb. 2
1, 362
a ff. A@I@4@aa)
von personen bei verlobung und eheschlieszung, in denen die braut dem manne und der mann der braut gegeben,
die braut vom manne (aus den händen des vaters.
Felsenburg 1, 366)
und der mann von der braut genommen
wird; doch liegt hier im nehmen
schon oft der nebenbegriff des prüfenden wählens, s. th. 4
1, 1676
f. und vergl. auch kaufen th. 5, 327
f. es heiszt zu der ehe nehmen; zum weibe, zum manne nehmen; ein weib, einen mann nehmen
oder blosz eine, einen nehmen; einander nehmen;
manchmal mit reciprokem dativ der person (sich ein weib nehmen). A@I@4@a@aα) eine, einen zu der ehe nehmen: und ich nam sie zur ehe.
Hesek. 23, 4; wie er sie ... zuo der götlichen ee nemen wölte.
Bocc. 326, 29
K.; das sich keine mein wollt remen, weder ze puoln noch zuo der ee nemen.
fastn. sp. 348, 29; auch will ich (
der könig) unverheirat sein, bisz ich euch selbst zu der ehe nem. J. Ayrer 1217, 13; als wenn sie ihn zur ehe woll nemen. 1376, 29. A@I@4@a@bβ) eine zum weibe (zur gemahlin, zur frau), einen zum manne nehmen:
goth. sunus is nam dauhtar .. du quênai (
ἔλαβε .. εἰς γυναῖκα, sein son hatte die tochter).
Nehem. 6, 18;
mhd. daʒ si ze wîbe nam Gîselhêr der edele.
Nibel. 1617, 3; und nimes du'n zeinem man. 1183, 3;
nhd. derhalben ich sie mir zum weibe nemen wolt.
1 Mos. 12, 19; mein bruder hat .. zum weib genommen die allerschönste Fessona. J. Ayrer 1452, 6; ich hett sie lengst zum gmahl genommen. 1580, 32. A@I@4@a@gγ) ein weib, einen mann nehmen (
s. th. 6, 1568):
goth. jah sa frumista nam quên (
ἔλαβεν τὴν γυναῖκα, der erste nam ein weib).
Marc. 12, 20;
mhd. nu sol mîn herre .. nemen doch ein wîp.
Nib. 1616, 1;
nhd. wer ein weib wöll nemen.
fastn. sp. 319, 1; ich hab mir heur ain jungs weip genumen. 732, 2; als ich mir erstlich ein weib namb. H. Sachs 5, 336, 2; er hab ein weib genummen. Aventin. 4, 167, 15; was krieger waren, muesten all weiber nemen. 355, 10; wer .. ein weib in seinem studentenleben nehmen will. Schuppius 788; leichte fällts, ein weib genommen. Logau 1, 6, 17; du wirst dich noch heute entschlieszen, eine frau zu nehmen. Schiller 3, 383 (
kab. 1, 7); einen mann nehmen,
nubere viro. Stieler 1358; der sei ein junkfrau gewesen und hab ein man genummen. Aventin. 4, 167, 14; het ich genummen einen man. Schwarzenberg 140
b; ich niemb mir keinen man. J. Ayrer 1505, 30; kein mensch mich nicht bereden soll, mein tag ein andern mann zu nemen (
wieder zu heiraten). 1819, 11; aber einen mann zu nehmen ... ich schäme mich. Rabener
br. 61. A@I@4@a@dδ) eine, einen nehmen,
heiraten: goth. jah anþar nam þô (
ἔλαβεν αὐτὴν, und der ander nam sie).
Marc. 12, 21;
ahd. uuelicha er nemen mahti. Notker
Mart. Cap. 6;
mhd. daʒ du, kunic, mich nemin solt.
Judith 9, 8; der sune sal sie nemin hînacht.
k. Rother 3814; so wil ich Kriemhilden nemen.
Nibel. 49, 4; ir müeʒt sî nemen.
Iwein 6812; sî bitent mich, daʒ ir in nement. 2172;
nhd. das ich gedacht, er wurd mich nemen.
fastn. sp. 250, 2; ein reicher sol ein reiche nemen. 517, 26; kumst du heint nit heim zuo land, der jung von Neifen nimt dein weib. Uhland
volksl. 776; ich hab desz rahts tochter gnommen. J. Ayrer 1922, 14; und ich hett ihn vil lieber gnommen, als meinen herrn .. aber mein vater zwange mich, dasz den lumpen must nemen ich. 1521, 10
ff.; ei, wil mich niemand nemen? Logau 1, 5, 73; ain raisiger knecht .. nam aines metzgers tochter, sasz etliche zeit heuslich. Baumann
quellen 1, 29; dasz keiner zu dienst kommen kan, er nehme dann des verstorbenen pfarrherrs wittib oder tochter. Schuppius 644; man sagt hier, der könig in Schweden wolle die churprinzes von B. nehmen. Elis. Charl. (1867) 141; gesetzt! du nähmtest auch den reichsten kerl auf erden. Günther 627; nim hier deine Thusnelda (
zur braut). Wieland
Herm. 2, 462
neudruck; wenn ihn meine tochter nehmen soll. Gellert 3, 190; wenn er meine tochter nimmt. 191; und mancher ist im zwölften jahr fast klüger als sein vater war, da er die mutter nahm.
d. j. Göthe 1, 101; als der groszvater die groszmutter nahm. Langbein (1854) 3, 193; nehmen kann er das mädel nicht. Schiller 3, 357 (
kabale 1, 1);
schwäbisch ich haun a gotts namma 's schultsa Greatta haint gnomma. Frommann
mundarten 4, 89 (
vom j. 1633);
sprichw. hast du mich genommen, so muszt du mich behalten. Simrock 402. Hillebrand
rechtssprichw. nr. 119. — einen, eine nehmen
auch blosz zum buhlen, zur geliebten wählen und nehmen. fastn. sp. 401, 32. 402, 3,
statt ze puolen nemen 348, 29. A@I@4@a@eε) einander nehmen: wenn sich ain man und ain fröw .. sich in der mainung entgürten, das sy eelich by ain ander liggen wellen, si syen zesamen geben, oder sy haben ain ander selb genomen.
weisth. 1, 102; wir geben und nehmen einander (
heiratsspiel). Fischart
Garg. 164
d; die wollen aneinander nemen. J. Ayrer 282, 6; das wir zwei soln einander nehmen. 3331, 32; der hat die, die den genommen. S.
Dach 775
Öst. A@I@4@bb)
in der rechtssprache: den eid nehmen und geben.
rechtsalterth. 902; den eid von einem nehmen (
s. th. 3, 82); den bürgen, den geisel geben
und nehmen (
s. th. 4
1, 2, 2611). er nam geisel von in. Aventin.
chron. (1566) 269
b; ein bürgen nemmen, gysel oder pfandlast nemmen. Maaler 304
bd; recht geben
und nehmen (
s. th. 4
1, 1669): das volk het recht nemen müeszen, suechen und geben. Aventin. 4, 653, 9. 670, 29; beweis nehmen. Henisch 360; ein pfand nehmen von: on masz ich sünst den frembden leih, nim pfand von rayb und dieberei. Schwarzenberg 122
b; ich will die sicherheit verdoppeln, und ein pfand vom schicksal nehmen. Schiller 13, 105 (
Macb. 4, 4). A@I@4@cc) geben
und nehmen
im kampfe, von den streichen und den schlägen (
s. th. 4
1, 1669): nimm das, verwegner! — und du das! — und du das! (
um sich hauend). Lessing 2, 111; nun, wenns denn gelten soll, so nimm! es war ein streich so ungestü
m. Wieland 18, 346; nimm diesz (
den todesstreich), und folge mir zur hölle.
Oberon 1, 60. A@I@4@dd) geben
und nehmen
bildet das geschäft, den kauf (
s. th. 4
1, 1669): und wie dus hast so thewr genommen. Scheit
Grob. 4139
neudruck; was am markt war wurde rasch genommen (
aufgekauft).
Weserzeitung 1859
s. 4876;
neben kaufen: er nimpt und keufft ungleiche jar für gleiche jar. Luther 1, 198
b; in kauf nehmen,
s. th. 5, 321. A@I@4@ee)
etwas gegebenes oder gefordertes als zins, preis, lohn u. dgl. nehmen:
mhd. dar zuo was er ze rîche, daʒ er iht næme solt.
Nibel. 258, 1;
nhd. wenn alle welt zehen auffs hundert neme, so solten doch die geistlichen stiffte .. mit furchte vier oder fünff nemen. Luther 1, 197
b; auff das du nemest damit deinen lohn. 190
b; alda namen die pfaffen gelt (
als lohn). Aventin. 4, 349, 29; ey, alta, du forderst schir zuvil und bist ein weng zu unverschemmt. ir weiber alle gern vil nemmt. J. Ayrer 69, 35; ärzt, welche ein gar ungerechten lohn ... nemmen. Schuppius 769; nimm, o nimm hier die belohnung! .. nimm den lohn! Ramler 2, 65; ich wollte nicht viel nehmen und sie stören (
sie um keinen preis stören). Gellert 3, 135; mein absatz ward so stark, dasz ich ein sehr groszes procent nehmen konte. Hermes
Soph. reise (1776) 6, 561; auch nähm ich die ganze welt nicht einen so warmen fürsprecher lügen zu strafen. Schiller 3, 460; er nahm ein mäsziges honorar. Göthe 24, 194; nehmen von: daʒ nieman kainen zins geben noch nemen sol von kainer banc.
Nürnb. pol.-ordn. 154; und habe .. sold von inen genomen.
2 Cor. 11, 8; von wem ain ietlicher krieger .. seinen sold .. nemen solt. Aventin. 4, 629, 10; der kost und lohn von herren nimpt. Scheit
Grob. 2462
neudruck. A@I@4@ff) arbeit
und dienst nehmen: arbeit nemmen, arbeiten wercken,
sumere laborem. Maaler 304
b; etwas (
in arbeit gegebenes) in arbeit nehmen; morgen früh werden 2000 mann verkappt zur stadt hereinschleichen, dienste bei mir zu nehmen. Schiller 3, 70 (
Fiesko 2, 15). A@I@4@gg) ein bad geben
und nehmen (
s. th. 1, 1069): nach langem schlafe erheben sich die männer, nehmen sofort ein bad. Weinhold
die deutschen frauen 2, 112. A@I@4@hh) ein lager, eine herberge geben
und nehmen: da er die nacht sein lager nam.
bruder Rausch 51, 284
Schade; ich nehm herberg in dem dorf, denn heut ist doch an keine abfahrt mehr zu denken. Schiller 14, 369 (
Tell 4, 1); eine wohnung, ein zimmer nehmen,
miethen. A@I@4@ii)
von raum und zeit: einen raum nehmen,
sich raum schaffen; drum nimmt er einen raum und fleucht. Logau 1, 2, 75; ohne weitre rede nimmt er zum rennen raum. Nicolai
verm. ged. 6, 47;
mhd. einen rûm nemen,
einen (
angewiesenen)
platz zum sitzen nehmen. Parziv. 655, 7,
wofür nhd. platz nehmen (
s.platz); die weite (
distance) nehmen: hier ist der apfel. man mache raum — er nehme seine weite, wies brauch ist — achtzig schritte geb ich ihm. Schiller 14, 358 (
Tell 3, 3); sie nahmen noch einen tag frist und giengen den folgenden in see. Heilmann
Thucyd. 500; zeit und weil etwar zuo nemmen,
tempus alicui rei tribuere. Maaler 305
a; und solten uns dester pasz weil nemen, pisz wir zuo unsern tagen kemen.
fastn. sp. 321, 22; wo ich mir einmal so viel weil nehmen kann. Luther
br. 2, 249;
mit genet. partit.: demnach hab ich mir der weil genommen. Aventin. 4, 6, 28; die junge löwen .. nemen dise zeit .. zu jagen. Weckherlin 226; nehmen sie sich zeit zu überlegen, ob. Schiller 3, 26 (
Fiesko 1, 8); bedenkzeit nehmen
s. th. 1, 1234. A@I@4@kk)
von weg und richtung: den weg nehmen (den weg geben,
s. th. 4
1, 1676
f.),
den weg einschlagen und gehen, reiten, fahren (
eigentlich und übertragen),
mit angabe der richtung: könig Brenner nam den weg .. in Kriechenland. Aventin. 4, 388, 34; er het sein weg von hinnen gnommen. J. Ayrer 1604, 15; als wir unsern weg durch den groszen garten genommen.
Felsenburg 1, 274; auch er ritt .. bis zu der groszen breterküche, und kam bald mit verdecktem gericht wieder hervor, um seinen weg nach dem Römer zu nehmen. Göthe 23, 323; der kutscher nimmt den weg nach dem schlosse zurück. 17, 389; wirst du dich bequemen, den weg durch jenen berg zu nehmen? Merck
bei Wagner 1, liv; wie ich den weg seit ab bald rechts, bald links, zu nehmen bin genöthigt worden. Lessing 2, 191 (
Nathan 1, 1); die ergieszung seines herzens so zu verlenken, die, sich selbst gelassen, ganz andre wege nehmen würde. 2, 295 (
Nathan 3, 10); einen nebenweg, ausweg, umweg, rückweg nehmen: ich nahm allerhand nebenwege. Cronegk 1, 131; und so sind zwei fabeln entstanden, indem man mit der geschichte der alten fabel einen kleinen ausweg genommen, der auch zu einem ziele ... führt. Lessing 5, 421; welchen weiten umweg müssen die (
briefe) genommen haben! Schiller 4, 283; er nahm auf befehl des marquis seinen rückweg über Mailand. 4, 134; der rückzug selbst muszte durch die feinde genommen werden. 8, 192; Attila sogar hatte mit seinem unzählbaren heere vor— und rückzug, wie wir, durch diese fluszregion genommen. Göthe 30, 168; den gang nehmen (
s. th. 4
1, 1220
f.); den übergang zu dem saal der vergangenheit nehmen. Schiller
an Göthe 179 (2, 90); den lauf nehmen: sie (
die knappen) nehmen ihren lauf dem saale zu. Wieland
Oberon 1, 39; und dann .. geradenwegs den lauf nach Rom genommen. 6, 8; er entschlosz sich wieder in das meer hineinzusteuern und nahm seinen lauf nach südost. Becker
weltg. 7, 24; der flusz nimmt seinen lauf durchs land, gegen osten
u. dgl.; den flug nehmen: weil Asters scharfer pfeil .. den ihm bestimmten flug nimmt. Hagedorn 2, 60; die reise nehmen: seit Cybelen fichtenbaum seine reise hat genommen durch des tieffen meeres schaum. Opitz (1646) 1, 221; eine richtung, wendung nehmen: seine leidenschaften hatten eine andere richtung genommen. Schiller 4, 198; aber unser gespräch hat eine so schwermüthige wendung genommen. 3, 551; der feldzug schien für die Schweden eine sehr nachtheilige wendung zu nehmen. 8, 387. A@I@4@ll)
von anfang und ursprung: kaum hatte dieses blutbad seinen anfang genommen. Schiller 8, 174; die mummerei nimmt wieder ihren anfang. Seume
spazierg. 112; sümpfe, die einige stunden hinter der stadt ihren anfang nehmen. 137; den anfang (
ursprung) nehmen von. Ayrer 157, 21; woher aber das schach- oder königsspiel seinen ursprung genommen hab.
pers. rosenth. 7, 13
anm.; wo alles seinen ursprung nimmt. Drollinger 7. A@I@4@mm) einen anlauf nehmen,
s. th. 1, 393. A@I@4@nn)
von abschied und urlaub: abschied nehmen,
sich verabschieden (
s. th. 1, 99); ehrerbietig treten beide vor den Cid, abschied zu nehmen. Herder
Cid 57; ich kam um abschied zu nehmen. Schiller 2, 295 (
räuber, trauersp. 4, 12); sie rannte .. zu ihren ältern, um .. abschied zu nehmen. Göthe 17, 382; abschied nehmen von: der beklommen von den töchtern und mit seufzen abschied nahm. Herder
Cid 58; eine frau, die von den scheidenden reizen nicht abschied nehmen will. Göthe 36, 174;
militärisch den abschied (
nämlich vom heere, vom dienste) nehmen,
die entlassung aus dem dienste nehmen. — urlaub nehmen,
sich verabschieden (
eigentlich die erlaubnis zu gehen erhalten),
als höflichkeitsausdruck: erhabne majestät .. vergönne, dasz wir unsern urlaub nehmen. Schiller 12, 447 (
M. Stuart 2, 2); der ritter nahm den urlaub mit einem unendlichen kusse auf ihre hingegebene hand. Wieland
Gandalin 2, 19; hinter der thür urlaub nehmen,
ohne abschied sich entfernen: nam hinder der thüren urlaub und strich darmit darvon. Fischart
bienenk. 217
a;
in dienstlicher beziehung von abschied nehmen
unterschieden: der beamte, der officier nimmt auf vier wochen urlaub,
erhält auf sein nachsuchen ein vierwöchiges freisein vom dienste. weiteres unter urlaub. A@I@4@oo) gute nacht nehmen,
s. oben sp. 158
u. vergl. gute nacht geben
th. 4
1, 1690
f. A@I@4@pp) ein ende nehmen (
s. th. 3, 455, 12): deine jar nemen kein ende.
ps. 102, 28; sie gehen unter und nehmen ein ende mit schrecken. 73, 19; wenn ein ende nimmt was ist und noch nicht ist. Fleming 54
L.; und dieser erden pracht sein ende hat genommen. S. Dach 284
Öst.; niemand zwar sein ende nimmt bisz zur zeit, die ihm bestimpt.
pers. rosenth. 3, 27; das stück war .. von der art, die gar kein ende nimmt. Göthe 18, 245; oder glaubt sie vielleicht, das werde nimmer ein ende nehmen? Schiller 3, 461 (
kabale 4, 7);
unpersönlich: ich musz um meinetwillen sehr beklagen, dasz es diesz ende mit ihm (
Mortimer) nahm. Schiller 12, 530 (
M. Stuart 4, 6). A@I@4@qq) den tod nehmen,
den tod empfangen, umkommen, sterben: es hat auch seiner gesellen kainer kain rechten (
natürlichen) tod genommen. Aventin. 4, 184, 22; der seine frau so hart geförchtet, dasz er dadurch den todt nam.
buch d. l. 292, 3; würd er nicht .. einen so elenden todt genommen haben. Schuppius 719. A@I@4@rr)
von wort
und rede,
denn die wechselrede ist ein geben
und nehmen
des wortes (
s. th. 4
1, 1690): da stand der gastliche schnell auf, nahm das wort und sprach. Göthe 40, 279; der hauptmann nahm das wort und sagte. 17, 157; als er sah, dasz niemand das wort nehmen wollte. Schiller 4, 248; worauf der junge Heinrich mit edlem anstand das wort nahm. 9, 344; endlich nahm er wieder das wort, und sagte. Heinse
Ardingh. 1, 29; Reinekens neffe .. nahm jetzt die rede. Göthe 40, 8; abrede nehmen,
gegenseitig vereinbaren, verabreden, s. th. 1, 86; genommener abrede nach.
Felsenburg 1, 266. — das wort geben
heiszt aber auch etwas versprechen, sich wozu erbieten, daher wird das wort genommen (
angenommen, empfangen Uhland 1879 3, 175)
und einer beim (
gegebenen) worte genommen Klinger 1, 143. Schiller 4, 209. 9, 289; ein (
gegebenes) wort zu sich nehmen,
zurücknehmen, namentlich von scheltworten.
österr. weisth. 6, 136, 10. 138, 10 (
vom j. 1547). 112, 44 (
vom jahre 1603).
s. wort. A@I@4@ss) bericht (
s. th. 1, 1521), kenntnis, kunde, kundschaft, notiz nehmen (
s. th. 5, 552. 553. 2638): nach genommener kenntnisz. Göthe 30, 283; nach genommener tiefster kenntnisz und verabredung mit den untergeordneten aufsehern. 22, 82;
mit von
oder genetiv: es reicht keineswegs hin, .. flüchtige kenntnisz hiervon genommen zu haben. 23, 36; von der welt, der unbequemen, willst du keine kunde nehmen; herzchen, sei auch nicht ergrimmt, wenn sie von dir keine nimmt. Rückert (1847) 305; ich meines orts nehm keine kundschaft dessen was sie sagen. Wieland 18, 43;
rechtlich kundschaft nehmen,
die zeugen abhören (
s. th. 5, 2643); da ... nahm nun auch der geheiminspector ... von mir notiz. Göthe 25, 170; wer nimmt notiz davon? Schiller 3, 356 (
kabale 1, 1). A@I@4@tt) unterricht (lectionen, stunden) nehmen,
sich unterrichten lassen, unterrichtsstunden empfangen: nimm von mir unterricht (
lasz dich von mir belehren). Cronegk 1, 4; sie wolten ja lekzion auf der flöte bei mir nehmen? Schiller 3, 486 (
kabale 5, 3); der eben clavierstunde nimmt. Göthe 24, 184; als ich anfing meine stunden bei ihm zu nehmen. 199. A@I@4@uu) rath, lehre (
s. th. 6, 556), vorbild, beispiel (
s. th. 1, 1487), exempel nehmen: nimm meinen brüderlichen rath. Lessing 12, 195; wir sind darüber ganz ruhig und hoffen ... von den umständen selbst guten rath zu nehmen. Göthe 16, 235; nur von dem herzen nehm ich rath. Schiller 11, 278; erfreue unsern vater! nimm ein beispiel. Schiller 13, 173 (
jungfr. von Orl., prolog 1); die .. mädchen sollten dran sich hübsch ein beispiel nehmen. Blumauer (1839) 1, 62; nim das exempel. Keisersb.
sünden d. munds 10
a; er nimbt im von andern ein ebenpild. Aventin. 4, 12, 18;
mit genetiv: des wir ouch bi im exempel nemen, bi sinen worten und werken süesz.
N. Manuel
vom papst 1657. A@I@4@vv) anlasz, gelegenheit, ursache nehmen: ein anlasz oder ursach nemmen,
arripere causam. Maaler 304
b; dasz hertzog
M. nicht hierausz anlasz zu argwohnen nehmen möchte. Lohenstein
Arm. 2, 384
a; hier wird anlasz her genommen, an das liebste herz zu kommen. S. Dach 855
Öst.; den ersten anlasz nimmt er kecken muts den krieg in unsern grenzen anzuzünden. Schiller 14, 2, 495; donna
M. nahm davon anlasz zu einer gelehrten abhandlung. Wieland 11, 118; wir nehmen daher gelegenheit ... einiges (
aus dem tagebuche) mitzutheilen. Göthe 17, 212; der marquis nimmt hier gelegenheit das gespräch .. auf ihre bekanntschaft mit dem prinzen zu lenken. Schiller 5, 34 (
don Carlos 2, 4); jezt nahm er endlich einmal gelegenheit, sich nach Julchen zu erkundigen. Hermes
Soph. (1776) 2, 154; da nam aber die sünd ursach (
goth. lêv nimandei,
griech. ἀφορμὴν λαβοῦσα) am gebot und erregt in mir allerlai lust.
Röm. 7, 8; er werd im ein ernste ursach nemen. Luther
br. 1, 322; so ich ursach nam zu sagen.
Simpl. 1, 225, 7. A@I@4@ww) theil, antheil, vortheil nehmen: theil nehmen
ist uns zum uneigentlichen compositum theilnehmen
geworden, und antheil nehmen
hat sich entwickelt aus theil nehmen an (
s. th. 1, 497): wie sehr verdienen sie ihr glück! ich nehme den wärmsten antheil, admiral. Schiller 5
1, 298 (
don Carlos 3, 7); antheil nehmen an: der erste beweis der versöhnung war der antheil, welchen die Spanier an diesem kriege nahmen. 4, 123; gegenstand, woran die ganze republik antheil nahm. Wieland 20, 125, 127; den vortheil nehmen
stammt aus der sprache des kampflebens und spiels (
s. th. 4
1, 1717); namen die frösch in groszer eil ihren vorbenanten vorteil. Rollenhagen
froschm. III, 3, 6, 5. A@I@4@xx) anstand
und anstosz, ärgernis nehmen (
s. th. 1, 474. 486): nicht anstand nahm er, andrer ehr und würde und guten ruf zu würfeln und zu spielen. Schiller 12, 344 (
Wallensteins tod 4, 8); den stein des anstoszes woran nehmen. Schiller
an Göthe 76 (1, 168); so habe ich gefunden, dasz das ärgernisz nicht so wohl gegeben, als genommen war. Bürger 324
a; ärgernis nehmen an (
s. th. 1, 549): so werden sie an einem anacreontischen ... lied unfehlbar ein ärgernisz nehmen. Schiller 10, 353. A@I@4@yy) ein herz, einen mut, unmut nehmen; ein herz nehmen,
auch ein herz in beide hände nehmen (
s. th. 4
2, 1218
f.),
mut fassen: wie hast du dir ein herz genommen, mit einem bart zu uns zu kommen. Lichtwer
fabeln 160 (4, 13); das man ... ein mut nimpt und denkt, nu wil ichs nicht leiden. Luther 4, 449
a; der alte nahm wieder muth. Göthe 18, 73; nur frischen muth und lauf genommen! Hagedorn 2, 36; ein herz, einen mut an sich nehmen: ei das gefelt mir auff dich wol, weil du eines mannes hertz nimbst an dich. Ayrer 1968, 5; nemet an euch ein leichten mut.
P. Leu 1030; unmut nehmen,
unmuthig werden, sich ärgern. Bocc. 2, 36
b; wer der wer, der .. sich an meinem herren nit genüegt (
mit ihm nicht zufrieden ist), darumb sol im (
sibi) mein herr kein unmuet nemen.
österr. weisth. 6, 512, 27 (15.
jahrh.). A@I@55) geben
und nehmen
werden vertauscht und decken sich begrifflich in den redensarten: acht nehmen
neben acht geben (
s. th. 1, 165
f.); das nim acht.
Eulensp. 4, 2
L.; nam der baur acht auff den, so in hat zu dem tisch heiszen sitzen. Wickram
rollw. 172, 10.
doch dem ursprünglich gleichbedeutenden (die)
wahr nehmen (
s.wahrnehmen)
steht kein
wahr geben
zur seite: nemet war, gottes reich ist nirgent denn in euch selbs. Luther 1, 245
a;
mit genetiv: wir menschen leben gantz ohn witz, das wir der sel nit nemen war. Brant
narrensch. 85, 145; nehmt ja der besten ordnung wahr. Göthe 12, 97,
vergl.gewahr nehmen VIII, 3; die
flucht nehmen
neben die flucht geben (
s. th. 3, 1832. 4
1, 1716): also namb ich weiter meine flucht. H. Sachs 3, 287, 31. 297, 11; schleppt ich ... den körper in den flusz, und nahm die flucht. Gotter 2, 224; ausflucht
und zuflucht
aber blosz mit nehmen: ich verzog aber, was ich mochte, und nahm ausflucht, was ich konnte. Schweinichen 2, 16; ich schäme mich nicht, zu deiner fürsprache meine zuflucht zu nehmen. Gotter 3, 46; sie nahm ihre zuflucht zum klavier. Göthe 16, 134; nehmen sie zur kunst ihre zuflucht, wo die natur an ihnen stiefmutter war. Schiller 3, 43 (
Fiesko 2, 2); den
friede geben
und nehmen,
friede schlieszen (
s. th. 3, 184
f. 4
1, 1688); sich
mühe nehmen
neben sich mühe geben: dann sollt ich hier die müh, dich zu erforschen, nehmen. Canitz 238; aber wer wird sich mit einem so kleinen mädchen, wie ich bin, die mühe nehmen. Rabener
br. 36; nähmen wir uns aber zugleich die mühe ..., aus den briefen ... geistreiche worte auszuzeichnen. Göthe 17, 309. A@I@66)
schon in manchen unter 4
und 5
gegebenen beispielen dient nehmen
mit dem sinnlichen oder abstracten objecte nur zur umschreibung des verbs (ein bad nehmen,
baden, den anfang nehmen,
anfangen, ein ende nehmen,
enden, die flucht nehmen,
fliehen, den lauf nehmen,
laufen u. s. w.),
wie in ähnlichen griech. lat. franz. redensarten mit λαμβάνειν,
sumere, prendre. noch deutlicher zeigt sich diesz in folgenden fällen (
vergl. gramm. 4, 600
f. mhd. wb. 2
1, 362
a ff.):
abtritt nehmen,
abtreten (
s. th. 1, 144);
vom pferde steigen und einkehren bei: der gäste waren viel, die mit Erasten kamen, und ihren abtritt hier bei diesen rittern namen. Fleming 95
L.; ein
alter nehmen,
ins alter kommen, alt werden: das wird kein gutes alter nemen. H. Sachs 4, 361, 16; den
athem nehmen,
athem ziehen, athmen Maaler 304
b; die
aufsicht nehmen über,
beaufsichtigen: der kammerherr nahm die aufsicht über die knaben. Freytag
handschr. 2, 265;
aufwachs nehmen (
s. th. 1, 767); einen guten, einen schlechten
ausgang nehmen,
gut oder schlecht ausgehen, enden (Schuppius 7
steht gewonnen,
nicht genommen
wie th. 1, 865
angegeben ist); einen
austritt nehmen,
austreten: ich will nur lust halber hier einen ausztritt nehmen (
abschweifen) und die fabelhafte historie ... kurtz zusammen ziehen.
pers. reiseb. 5, 26; alle beamten, die mitglieder der kammer sind .., nehmen ihren austritt. Varnhagen
tageb. 7, 395; mitglieder, welche darüber ihren austritt aus der versammlung nahmen. Ranke
engl. gesch. 3, 425;
bedacht, bedenk, bedenken nehmen (
s. th. 1, 1218. 1222
f.),
bedenken, überlegen: nach genommenem bedacht. Melanchthon
in der vorr. zur Augsb. conf.; nam also ... meinen bedacht. Rauwolf
reise (1582) 225; das man ein wenig .. zweifel oder bedenk nehme. Luther
br. 2, 540; ich nehme mir kein bedenken, ihr solches zu glauben.
Felsenburg 1, 527. 594;
berath nehmen (
s. th. 1, 1487): er nam im drei tag ein berat. Aventin. 4, 229, 15; so nemens nicht einen langen berat (
überlegen nicht lange).
fastn. sp. 1130, 4; den
bettel nehmen,
betteln: den bettel nemen durch die land. Schwarzenberg 138
b;
bezug nehmen auf,
sich auf etwas beziehen; den
einzug nehmen,
einziehen: seine offnen wunden erscheinen wie ein risz in der natur, wodurch der tod den breiten einzug nahm! Schiller 13, 59 (
Macbeth 2, 10); einen
entschlusz nehmen,
sich entschlieszen (
s. th. 3, 609; 'einen entschlusz nehmen
ist ein gallicismus, besser einen entschlusz fassen'. Heynatz 2, 286): als ich den entschlusz nahm nach Asien überzugehen. Wieland 17, 110; ein
ergetzen nehmen,
sich ergetzen: nimm dein fürstliches ergetzen auff der wilden bähren-jagt. S. Dach 611
Öst.; einen
fall nehmen,
fallen Maaler 304
c;
mhd. sô nam eʒ (
das slegetor) einen val alsô gâhes her zetal.
Iwein 1091;
nhd. die stehen gar nahe dabei, das sie einen groszen sturtz und fall nemen. Luther 2, 271
b; den
flug nehmen,
fliegen (
s. th. 3, 1837): dichter, die so gern ihren flug weit über alle fassung ... ihrer leser nehmen. Lessing 1, 155; was haben denn diese zween bürger voraus, dasz sie den frechen flug über unsere häupter nehmen? Schiller 3, 114 (
Fiesko 4, 6); den flug nehmen
auch fugam capere. Maaler 304
b; eine
freude nehmen,
sich freuen, ergetzen. Bocc. 220, 15. 452, 37
K.; mit genetiv: desz der ritter ein sondere freud nam.
buch d. liebe 254, 2; desz ihm der könig ein sondere grosze freud nam. 251, 1; eine
furcht nehmen,
in furcht geraten, sich fürchten, s. unten schrecken nehmen;
geduld nehmen,
gedulden, im sinne von geruhen: nemmet gedult, .. heut bei uns in unsern zelten zu bleiben.
Amadis 138
K.; ein
grauen, grausen nehmen,
grauen, graus empfinden: darob söll niemant nemen graw. Schwarzenberg 151
a; wir ein grausen nahmen. Spee
trutzn. 258; einen
husch nehmen,
huschen Göthe 1, 225; die
kahre nehmen,
s. th. 5, 35, 3; eine
krümmung nehmen,
sich krümmen, winden: die thäler nehmen daselbst sehr mannigfaltige .. krümmungen. Göthe 25, 326;
rache nehmen,
sich rächen: allein noch kann ich mir die rache selber nehmen. Zachariä (1767) 1, 99; ich werde eine rache nehmen, die man nie vergessen soll. Schiller 9, 369; ich will rache nehmen am ganzen geschlecht. 5, 134 (
don Carlos 5, 10);
rast nehmen,
rasten: dasz er für diesen heiszen tag rast und schatten nehmen mag. Fleming 292
L.; reiszaus nehmen,
ausreiszen, entfliehen: wenn du, glück, reiszaus must nehmen. S. Dach 130
Öst.; scheu nehmen,
scheuen, scheu empfinden: das ich davon ain scheuchen nim.
fastn. sp. 327, 6; ob die andern ein scheuchen nemen. J. Ayrer 142, 18; krieg weich ab und neme scheue für desz friedens frommer treue. Logau 2, 2, 3; einen
schlusz nehmen,
schlieszen, folgern: darauff hast du geschwind den wunsch und schlusz genommen, du werdest etwan bald des leids entbunden sein, weil du alt, blöd und krank. Rompler 97;
beschlieszen, einen entschlusz fassen: da nam er auff das new jetzt wieder einen schlusz, zu machen ihme fest in Mailand seinen fusz. D. v.
d. Werder
Ariost 9, 81, 3;
schrecken nehmen,
in schrecken geraten, erschrecken: das sie einen solchen schrecken numen.
fastn. sp. 71, 24; wie viel schrecken haben sie (
die eltern, als du ganz klein warst) von deinent wegen genumen. Keisersberg
emeis O 3
d; darob er groszen schrecken nam. H. Sachs 1, 135, 3; er nahm gar bald ein groszen schrecken. E. Alberus 32
b; darab er ein solche forcht und schrecken nam, dasz er.
buch d. liebe 285, 3;
sorg nemmen, sorg haben,
curam sumere. Maaler 304
d; einen
sturz nehmen,
stürzen, s. oben einen fall nehmen; den untersturz nehmen,
nieder, darunter stürzen: da von si söllichen understurz nam.
fastn. sp. 356, 23; das sie durch deinen (
des weines) willen all untersturz namen. 1335; einen
trieb nehmen,
weidmännisch ein revier abtreiben, von treibern durchgehen und wild aufjagen lassen. die hohe jagd (1846) 372;
überlegung nehmen,
überlegen: und dir mit weisem ernst viel überlegung nimmst. Zachariä (1767) 2, 25;
verdrusz nehmen,
verdrieszlich werden, sich ärgern: ein alter nimmt verdrusz, ein greisz wird wieder kind. Logau 2, 2, 23;
verzug nehmen,
verziehen, zögern. Schuppius 772; den
willen nehmen,
mit genetiv, wozu gewillt sein, etwas wollen: wie wol sie manchmal von vielen fürsten ... zu der ehe begert und angelangt worden, so hat sie doch dazumal dessen gentzlich kein willen genommen.
Amadis 13
K.; darab der könig ein solich
verwundern name (
sich so wunderte).
Amadis 15
K.; ebenso wunder nehmen (
mhd. wb. 3, 813
b. Lexer 3, 988): man nam wunder. Keisersberg
post. 3, 54;
mit genetiv: sie namen des grosz wunder.
Bocc. 89
a (
s. die reflexive und unpersönliche construction unter B und C);
zweifel nehmen,
zweifeln, s. oben bedenk nehmen. A@I@77)
auch speise und trank (
das mahl),
arznei und gift wird gegeben
und genommen,
obwol es hier auch ein nehmen
gibt ohne entsprechendes geben (
vergl. IV, 2,
c). A@I@7@aa) nahrung (
s. oben sp. 311), speise nehmen,
zu sich nehmen, genieszen: niemand ist, der ihn speise nehmen sah. Schiller 4, 231; den mund, die backen voll (
speise) nehmen,
übertragen von übertriebener, prahlerischer ausdrucksweise: sie sehen, herr B. nimmt das maul voll, er mag schmähen, oder er mag loben. Lessing 6, 224; die backen voll nehmen,
s. th. 1, 1063
und Schiller 3, 492 (
kabale 5, 5). A@I@7@bb) das essen, das mahl, mittagsmahl, abendmahl, frühstück nehmen,
zu sich nehmen, einnehmen: do man das letzte essen nam.
bruder Rausch 56, 495
Schade; eilend nahmen die fremden das mahl bei den rüstigen schiffen. Voss
Od. (1781) 9, 86; ich dächte wir .. nähmen unser mittagsmal auf der mühle. Göthe 18, 146 (sie wollten abermals .. ihr mittagsmahl einnehmen 154); sobald also das frühstück genommen .. war. Wieland 1, 106; er befahl ihm, .. das frühstück mit ihm zu nehmen. 103;
vom heiligen abendmahle: es ist mein leib, den nemet und esset. Luther
kurtz bekenntn. (1545) B 2
b; er nahm mit andacht des herrn leib. Grimm
deutsche sagen 1, 32; das sacrament nehmen.
Bocc. 21, 28. Schiller 3, 447; das hailige nachtmal nemmen. Rauwolf
reise 412. A@I@7@cc) einen trank nehmen,
trinken: ich nehme den erquickungstrank. Göthe 12, 56; trank (
schlaftrunk), den ich zum schein genommen. Wieland 18, 260;
von arznei, gift und gegengift: eine arznei, ein brechmittel
u. dgl. nehmen,
einnehmen: wenn man eʒ (
aloe) inwendig nimt. Megenberg 355, 3; die vergift genomen habent. 123, 16; als ob sy hetten peide gift genommen.
Bocc. 4, 16
K.; das secudes .. wird für (
gegen) die rote rhuor genommen. Rauwolf
reise 124; opium nemmen. 126; gift — gift — schreit man, sei hier genommen worden. Schiller 3, 505 (
kabale 5, 8); die wirkung des genommenen brechweinsteins. 1, 112; man sagt, er habe .. sich hingelegt und bezoar genommen. Wieland
Oberon 4, 54;
statt des einfachen nehmen
die präpositionale fügung zu sich nehmen: wenn er ein warmes getränke zu sich nimmt. Gellert 6, 205; die arzneien, die er zu sich nimmt. 206; unterdessen kann man bemerken, dasz O. kaum speise noch trank zu sich nimmt. Göthe 13, 392; er hatte kein frühstück zu sich .. genommen. Schiller 1, 112. A@I@7@dd)
von thieren, weide nehmen,
weiden: maister
M. .. spricht, daʒ daʒ jung kämel zehant sein waid nem auf der wisen, wenn eʒ geporn werd. Megenberg 124, 28; oft bei mir die weide nahmen deine schäflein silberweisz. Spee
trutzn. 178
b. A@I@88)
musikalisch wird der angegebene
ton genommen,
angestimmt: nems nicht zu hoch bruder (
das bohnenlied). Fischart
Garg. 92
b;
übertragen auf den ton der rede: wenn der mann einen ton angibt, so nimmt ihn die frau gleich höher. Göthe 23, 100. A@I@99)
mhd. nëmen
gilt auch für empfangen, (
prolem)
concipere: der von der muoter wart genomen ûf erden âne vaters zunder. H. v. Neustadt
gottes zuk. 1302. A@IIII.
in bezug auf personen, die man (
zunächst bei der hand, beim arme, mit der hand) nimmt,
um sie mit-, aufzunehmen oder zu fassen, zu halten. A@II@11) (
bei der hand, beim arme ergreifen, unter den arm fassen und)
fortführen, mitnehmen, wobei der begriff des fortführens entweder schon im (
dauernden) nehmen
enthalten oder besonders ausgedrückt ist. A@II@1@aa)
führen, mitnehmen als begleiter oder zu einem bestimmten zwecke: mhd. Tristan nam Paranîsen sâ.
Trist. 10698; die nam er alle und gie dan an eine sprâche sunder. 11316;
nhd. ich weisz ouch nüt bessers nun, denn dasz wir unser wiber nemmend und flux heim.
N. Manuel
Elsli 1016; er (
Christus) nimbt die alte einbilderische gesellen .. und führt sie wieder in die ABC schuel. Schuppius 654; nimm deine frau, und stich unverzüglich in see. Schiller 3, 156 (
Fiesko 5, 15); der zärtliche jüngling nahm ihn und führt' ihn zu Jesus. Klopstock
Mess. 2, 218; da nahm sie (
Magdalena) die mutter Jesus' und führte sie weg. 14, 294;
mit näherer bestimmung, in die hand, unter den arm nehmen: da nam sie Joseph beide, Ephraim in seine rechte hand, .. und Manasse in seine lincke hand .. und brachte sie zu im. 1
Mos. 48, 13; nam er sie under den arm, furt sie ... die stiegen hinab.
Zimmer. chron. 1, 523, 7; ich dächte .., jeder nähme sein mädchen unter den arm, und wir folgten dem alten herrn. Göthe 20, 237; nehmen zu: den laf ich zuo meim haus hein nam.
fastn. sp. 333, 11; um vier uhr will ich dich mit zu der schönen nehmen. Zachariä (1767) 1, 80; nehmen in, an: da wolten sie in in das schiff nemen (
goth. vildêdun ina niman in skip).
Joh. 6, 21; nach tische nam der teufel den bürgermeister in ein besonderes kabinet. Klinger 3, 74; dich hat ein andrer mann .. an den schönen Main genommen. Opitz (1644) 2, 73; mit sich nehmen:
ahd. nimit sibun geistâ anderê mit imo.
Tatian 57, 8;
nhd. auch hat er gesellen vil, die er all mit im nemen wil.
fastn. sp. 445, 24; er wolt mich mit im nemmen und in Teutschland der schuoll nach fierren. Th. Platter 14
B.; ich habe spat mich aufgemacht und will dich mit mir nehmen. Bürger (1778) 88; nehmt mit euch zweihundert reiter. Herder
Cid 54. A@II@1@bb)
wegführen, entfernen aus, von: ein junger Rodianer in ausz dem gefäncknusz nam (
befreite).
Bocc. 310, 28
K.; als unser pöses gewissen zuo manch malen den man von seligem stant nimet und in grosze armuote seczt. 33, 44; dann sy mich von dem vych genomen und zuo lebendigem menschen gemachet hat. 314, 33; der herr der gott .. der mich von meines vaters hause genomen hat und von meiner heimat.
1 Mos. 24, 7. A@II@1@cc)
gewaltsam fortführen, entführen, entreiszen, mit dativ der person: die iunckfraw .. die er im auf dem mere mit gewalt nam und die im zuo Rodi wider genomen ... ward.
Bocc. 310, 26
K.; nam in (
ihnen) wol zwainzig tausend weib und kinder. Aventin. 4, 334, 7; sie namen einem pfaffen mit gewalt bei nacht sein weib. 162, 14; Helena das schöne weib, die er herr Menelaum nam. H. Sachs 7, 63, 12; da hab man ihm die jungfrau gnomen. J. Ayrer 1473, 26; nun, du (
die geliebte) bist mir zwar genommen. Fleming 329
L.; besonders vom tode (
ohne oder mit dativ):
mhd. daʒ mich ouch nimet der tôt.
Nibel. 997, 3;
nhd. bitte, was ich dir thun sol, ehe ich von dir genommen werde (
bevor ich sterbe).
2 kön. 2, 9; war es doch kaum recht geboren, das geliebte schöne kind! ja! so bald es vor ist kommen, so bald ist es auch genommen. Fleming 276
L.; dasz dich der todt genommen het in sein schwartz gezelt. S. Dach 350; ich fürchte mehr den tod, der mir die meinen nimmt. Logau 1, 5, 34; die (
frau) ihm der tod zuvor genommen. Gellert
fab. u. erz. (1763) 167. A@II@22)
zu sich nehmen, aufnehmen (
oft mit dem nebenbegriffe des wählens): so nimm nu herr meine seele.
1 kön. 19, 4;
mit näherer bestimmung: A@II@2@aa)
auf den arm, in den arm, in die arme nehmen: und er nam ein kindlin (
goth. ana armins nimands barn).
Marc. 9, 36; nimm mich (
bittet das kind); ein kind nehmen,
auf den arm nehmen und herum tragen. Albrecht
Leipziger mundart 175
a;
präpositional nehmen an, auf, in: alsz woltens die umbfangen und an ihre arm nemmen. Rauwolf
reise 417; ich nahm meine kleine schmeichlerin (
die kleine pflegetochter) auf den arm.
Felsenburg 1, 254; mein kindchen nahm ich auf den arm. Rückert
ges. ged. 1, 404; in den arm, in die arme nehmen (
s. th. 1, 552): dasz ich den tod bequem in die arme nehm. S. Dach 223
Öst.; (
da er) sie liebeskühn in seine arme nahm. Wieland
Oberon 5, 40; halb sinnlos nimmt er sie .. in seinen arm. 7, 15; ich nahm sanft dich in meine arme. Geszner 1, 86; als es (
das geflügelte kind) uns beide in seinen arm nahm und so hoch mit uns flog. Novalis (1820) 1, 19; wie der freund in arm dich nahm. Rückert
ges. ged. 1, 386;
auch zu den armen nehmen: dasz nun der selige herr W. herwider käm und dieses liebe paar zu beiden armen nähm und drückt' an seine brust. Fleming 64
L. A@II@2@bb) an die brust, ans herz nehmen: deswegen hab ich dise brust, .. mein kind daran zu nehmen. Gellert
fab. u. erz. (1763) 168; hast du eine dir ans herz genommen. Göthe 5, 254. A@II@2@cc) an sich, zu sich nehmen: da nun Judas zu sich hatte genomen die schar (
goth. iþ Judas nam hansa).
Joh. 18, 3;
besonders in schutz und pflege oder als eigen aufnehmen: ahd. ih nimo in an mih (
suscipiam). Notker
ps. 35, 1; mih name du ane dih. 3, 4;
mhd. mich hât daʒ rîche (
der könig) .. an sich genomen. Walther 19, 36;
nhd. denn er (
gott) nimpt nirgent die engel an sich (
als ihm gehörend), sondern den samen Abrahe nimpt er an sich.
Ebr. 2, 16 (
vergl. Heynatz 2, 287); er hat das kind seines verstorbenen bruders zu sich genommen
u. dgl.; ihre ältern nahmen sie zu sich. Göthe 17, 405; den ich als bettler zu mir nahm. Blumauer (1839) 1, 86; gott hat das kind zu sich genommen,
vergl. VIII, 1. A@II@2@dd) in das haus, in den schoosz, in die familie, in pflege, in kost und wohnung, in schutz und schirm, in huld und gnade nehmen
und dgl.; einen in sein haus nehmen,
recipere aliquem tecto suo. Steinbach 1, 717; bis sie (
die königin des tages) der abendhimmel in seine thore nimmt. Ramler 2, 181; nimm mich, herr, in deine ruh. S. Dach 396
Öst.; dasz du auch diese nacht mich hast in schutz genommen. 348; dieses kind, das du in schutz genommen. Alxinger
Bliomb. 1, 103; nimm mich, nimm mich, göttin, sanfte freude, ganz in deinen schoosz! Herder 1, 249
H.; die du auch .. in huld und gnade nimbst. Opitz 1, 421; ein dichter, den der hof in seine gunst genommen. Gellert
fab. u. erz. (1763) 142; er hatte sie besonders in gunst genommen. Göthe 20, 214. A@II@2@ee) in die mitte nehmen,
um von andern abzusondern, in feindlicher oder in schützender absicht: er sich auf machte mit aller macht, ee sie in in die mitte nemen.
Bocc. 118, 11
K.; ich dachte, vielleicht lägen noch andere vor mir im hinterhalt, so dasz sie mich hätten in die mitte nehmen können. Göthe 35, 28; kameraden steht! nehmt den herzog in die mitte. Schiller 3, 140 (
Fiesko 5, 4). A@II@2@ff) in empfang nehmen,
empfangen: und kam in vollem trab .. die schöne in empfang zu nehmen. Wieland
Oberon 3, 48. A@II@2@gg)
aufnehmen auf: jeder nimmt nach gefallen fremde und arme auf seine gründe und läszt sie das land belaufen. Möser 1, 86; auf sich nehmen,
übernehmen, sich eines versichern: den Schotten Leszly will ich auf mich nehmen. Schiller 12, 163 (
Piccol. 4, 4). A@II@2@hh)
aufnehmen in,
als theilhaber oder genossen: die pauern in die albm nemen.
österr. weisth. 6, 15, 1 (
vom j. 1577); wann ein junger vom adel in diesen orden genommen wurde, so solle er angeloben und schweren, dasz. Schuppius 77. A@II@2@ii)
annehmen, aufnehmen zu dienst oder hilfeleistung: einen diener (
oder sich einen diener), eine magd, einen anwalt
u. dgl. nehmen; da er von dannen weiter kam und Joachim Schulenburg in nahm (
in dienst). S. Dach 911
Öst.; in dienst, in dienste, zu dienst nehmen: wenn du mich in dienste nehmen willst. Lessing 1, 161; den er .. nach entweichung unsers jägers in seine dienste nahm. Schiller 4, 274; noch dazu den courier .. gleich in dienste zu nehmen. Göthe 20, 225;
auch vom liebesdienste: das si zu dienst nemen mich.
fastn. sp. 395, 14;
vom militärdienste: der junge mann ist genommen (
zum militärdienste ausgehoben) worden; wo ainer an der bestimbten zal abgieng ... nam man von stundan einen jungen kriegsman, die zal zu erstatten. Aventin. 4, 630, 28. A@II@2@kk) zum beschützer, führer, vater, zeugen, zum anwalt, richter, diener
u. dgl. nehmen: einen ze schirmer und behüter nemen. Steinhöwel
Es. 112
Öst.; wenn sein witz zum dichter ihn bestimmt, natur und zeit zu seinen führern nimmt. Hagedorn 1, 80; wenn wir zur führerin die logik nehmen müszten. Wieland
Idris 5, 99; nimm dann mich zu deinem vater. Lessing 2, 352; ich nehme gott zum zeugen. Göthe 16, 118. Schiller 15, 1; wobei man das gewissen nicht zum richter nimmt. 5, 13. A@II@33) nehmen aus,
herausnehmen, wählen aus: mhd. wol drîʒec tûsent recken wâren schiere komen: ûʒ den wurden tûsent der besten dô genomen.
Nibel. 474, 2;
nhd. aus den versammelten werden zwölf, die zwölf besten genommen
u. dgl. A@II@44)
fassen, ergreifen, packen, festnehmen: da nahm Pilatus Jesum und geiszelte in (
goth. þanuh nam Peilatus Jesu jah usblaggv).
Joh. 19, 1; sie namen in aber und steupten in (iþ eis nimandans ina usbluggvun).
Marc. 12, 3; nehmen bei: bei der hand nehmen (
s. I, 2,
d); beim arme, bei dem beine, beim hals, beim kragen (
s. th. 5, 1959), bei den ohren, bei den haaren, beim schopfe, beim kopfe (
s. th. 5, 1755) nehmen: ich nim in bei eim pein und wirf in alle die stiegen ein.
fastn. sp. 73, 3; da ward si bei dem hals genumen, aus dem tom gefüert und mit dem schwert gericht. Aventin. 4, 247, 22; der bauer Stephen nahm .. die Griete bei dem hals und gab ihr einen schmatz. Phil. v.
d. Linde
gal. ged. (1713) 117; dasz nicht der koch uber sie kAem und sie beid bei den haaren nAem. Scheit
Grob. 4478
neudruck; dieser war anfangs willens, die unterhändler kurz und gut beim kopf nehmen zu lassen. Schiller 4, 331. A@II@55)
festnehmen, verhaften, gefangen nehmen, prendre: die Kosaken schleichen heran, der französische gesandte wird hier genommen (
gefangen). Göthe 32, 88;
näher bestimmt: fest nehmen, gefangen nehmen; an, in die hand nehmen (
s. th. 4
2, 343); in haft, verhaft, in verwahrung nehmen: nimm beide fest, und schick sie mir hieher. Schiller 12, 237 (
Wallenst. tod 2, 1); das der marschalt werd gfangen gnommen. J. Ayrer 1568, 28; da er ohn alle schuld gefangen ist genommen. S. Dach 271
Öst.; der marquis Posa nahm auf befehl des königs ihn gefangen. Schiller 5, 377 (
don Carlos 4, 19); in haft nehmen (
s. th. 4
2, 131); deine wache hat den jüngling .. in verhaft genommen. Cronegk 1, 227; (
er ist) durch den Maltheser in verhaft genommen. Schiller 5, 397 (
don Carlos 4, 23); diesen staatsverräther nehmt in verwahrung und bewacht ihn. 12, 521 (
M. Stuart 4, 4);
übertragen: Albrecht nahm seinen eigenen verstand gefangen. Schlosser
weltg. 14, 36. A@IIIIII.
ähnlich in bezug auf thiere (
vergl. VIII, 6). A@III@11) nehmen (
beim zügel u. dgl.)
um zu führen, zu treiben: mhd. zehant er daʒ ros nam und fuort eʒ balde sînen wec.
Lanzel. 2966;
nhd. als bald er .. das hinkend pferd beim zügel nam. Scheit
Grob. 3507
neudruck; itzt nahm Daphne die ziege, und trieb sie in den nachen. Geszner 2, 69; nihm du das .. rind. 3, 28;
packen, ergreifen: er nam den hirs, erwürket in. Steinhöwel
Es. 168
Öst.; den eber nam der wolf und truog in gegen den wald. 195. A@III@22)
wegtreiben, wegnehmen als thierzins: ihr herr groszvater sog unser blut, der nahm die beste der kühe für sich .. zum regimente kam ihr vater, der zwei der kühe mir nahm. Chamisso (1872) 1, 92. A@III@33)
aufnehmen, miethen: und entschlosz mich endlich ein pferd zu nehmen. Haller
tageb. 5; ich nahm einen maulesel .. mit einem führer hieher nach Syrakus. Seume
spazierg. 191; der postmeister sagte .. von hieraus müszt ihr drei (
pferde) nehmen. es geht bergauf. Hebel (1843) 4, 59.
vgl. IV, 7. A@III@44)
weidmännisch vom windhunde, das gehetzte wild ergreifen. Weber
öcon. lex. 387
b. A@IVIV.
mit sachlichem oder abstractem objecte: etwas nicht gegebenes nehmen,
in verschiedener anwendung. A@IV@11)
aus der hand nehmen (
vergl. I, 2,
c),
mit dativ der person: darauff nam ich ihr das liecht.
Simpl. 1, 556, 2. A@IV@22)
mit der hand, in die hand, zur hand nehmen, erfassen, ergreifen, aufheben (
vergl. I, 2,
a). A@IV@2@aa)
um zu geben, zu bringen: goth. jah nimands þans sibun hlaibans (und er nam die sieben brôt).
Marc. 8, 6;
ahd. nam er tho selbo thaʒ brôt, bôt in iʒ gesegenôt. Otfrid 4, 10, 9;
nhd. da .. nam Jesus das brot .. und gabs den jungern .. und er nam den kelch .. gab inen den.
Matth. 26, 26
f.; Johannes hat genommen das wasser nur allein, ihr sollt den geist bekommen. Opitz (1644) 1, 165; all meine gedanken hat die liebe genommen, hat die traurigen kranken hingeführt zu der frommen. Rückert 4, 403;
mit partitivem genitiv: nahmen des tranks und der speis und brachtens dem fremdling. Voss
Od. (1781) 6, 248. A@IV@2@bb)
um zu gebrauchen: goth. þanuh nêmun stainans (
ἦραν οὖν λίθους, da huben sie steine auff, das sie auff in würffen).
Joh. 8, 59; nêmun (
ἔλαβον) astans peikabagmê (namen die palmen zweige). 12, 13;
ahd. nâmun sie thô steina. Otfrid 3, 18, 69;
mhd. Gunther der küene ein ruoder selbe nam.
Nib. 368, 3; der gartner nam die sichel und schnitt im ab mangolt und andere krüter. Steinhöwel
Es. 48
Öst.; man sol einen balken nemen und in dran hengen.
Es. 6, 11; die kellerin nam die schlüssel und nam ein liecht und ein kanten, und wil zuo trinken bringen. Pauli
schimpf 170
Öst.; nimm einen löffel und schmecke was du sagst. Schottel 1118
b; darnach soltu .. den ersten saubern deller nemen. Scheit
Grob. 2956
neudruck; du nimbst auch ein striegel. Opitz (1646) 1, 11; nim einen korb und kauf am markt ein andre. Harsdörfer
lust. u. lehrr. gesch. 1, 83; sie nimmt einen sessel und setzt sich nieder. Gellert 3, 119; Tiresias nahm seinen stab und ging über feld. Lessing 1, 153; die feder nehmen zu schreiben. Göthe 16, 245; dann .. nimmt das recht die wage hurtig wieder. L. Karsch 302; nimm itzt deinen köcher. 225; du nimmst ein buch, um dir die nächte kurz zu machen. 246; nehmet holz vom fichtenstamme (
fichtenholz zum heizen). Schiller 11, 306; ich habe die fäden genommen, habe gebunden damit rosen des liebsten zum kranz. Rückert
ges. ged. 2, 277; ein masz nehmen
um zu messen, ein masz anlegen, abnehmen (
s. th. 6, 1724). —
besonders von waffen, von stücken der rüstung oder kleidung: goth. duþþe nimiþ sarva guþs (so ergreiffet den harnisch gottes).
Ephes. 6, 13; jah hilm naseinais nimaiþ, jah mêki ahmins (und nemet den helm des heils und das schwert des geistes). 6, 17;
ahd. zi nemanne sîn giuuâti.
Tatian 147, 3; nim (
apprehende) uuâfan. Notker 34, 2;
mhd. dô nam der helt guot den gêr.
Nibel. 432, 2; dô nam der hêrre Dietrich selbe sîn gewant. 2261, 1;
nhd. die geweer nemmen,
capessere arma. Maaler 304
b; im thurnier schild und helme nemen. H. Sachs 4, 26, 17; billich, das, der das schwerdt selb nimpt, durch menschen handt am schwerdt umbkumpt. Alberus
Es. 2, 34, 23; nam auch sein bogen schwert und spiesz .. und lief damit dem hirschen zu. Rollenhagen
froschm. III, 1, 6, 77; er .. nahm seine waffen, bestieg sein rosz. Wieland 18, 66; da nam si den mantel und verhüllet sich.
1 Mos. 24, 65; nimpt hernach einen breiten mantel.
volksb. von dr. Faust 79
neudruck; als bald er die messkleider nam, thets
an. P. Leu 1138; ein pilgergewand ich nahm. Rückert
ges. ged. 4, 380; den hut nehmen
zum zeichen des aufbruchs, des abschiedes. Wieland 12, 92; er kömmt wieder in die stube, und nimmt den hut. Rabener
br. 106; und als Aeneas hut und stock ganz leise nehmen wollte. Blumauer (1839) 1, 85; den schleier nehmen
um sich zu verhüllen (
besonders als braut, als himmelsbraut, nonne): sie bestand darauf den schleier zu nehmen. Schiller 4, 245. —
mit partitivem genetiv: Mose nahm des salböls.
3 Mos. 8, 30; und Mose nam seines bluts und thets Aaron auf den knörbel seines rechten ohrs. 8, 23. 14, 14; nahm des gesammelten reisigs. Voss
idyll. 18, 51. A@IV@2@cc)
um zu genieszen (
vergl. I, 7):
ahd. vvuo her ... brôt ... nam inti aʒ.
Tatian 68, 3; da sich (
sieh) den käs .. nim in. Steinhöwel
Es. 320
Öst.; inn dem hatt er die scheren (
des krebses) genomen (
bei tische). Scheit
Grob. 2498
neudruck; dasz man die grösten (
krebs) nemen thuot. 4216; ich nahm etwas wein und brot. Seume
spazierg. 52;
mit von
statt des partitiven genetivs: und nam von der frucht und asz. 1
Mos. 3, 6; wir nahmen dann selber von den (
in den körben liegenden) käsen und aszen. Voss
Od. (1781) 9, 231. A@IV@2@dd)
um zu tragen, fortzutragen: goth. jah nimai galgan seinana (und neme sein creutz auf sich).
Marc. 8, 34; nimuh þata badi þein jah gagg.
Marc. 2, 12;
ahd. nim thîn betti inti far.
Tatian 54, 7;
nhd. nim dein bette und gehe heim.
Marc. 2, 11 (heb dein bett auff.
Matth. 9, 6); wer sein creuz nimbt und Christum volgt. H. Witzstat 3, 11
Schade; ich nahm meinen tornister. Seume
spazierg. 86.
vergl. 5,
b. A@IV@33)
mitnehmen: goth. jah ufarmunnôdêdun niman hlaibans (und sie hatten vergessen brot mit sich zu nemen).
Marc. 8, 14;
mhd. swer .. heim wîn nemen wil, dem sol man in geben.
Meraner stadtrecht bei Haupt 6, 416;
nhd. so nim, was wir (
im bade) bedürfen. Steinhöwel
Es. 57
Öst.; nimm du die leiter, ich will den strick nehmen. Göthe 16, 241; alles, was du von der aloe brachst, das nimm und erwarte mich bei dem kreuz. Klopstock
Mess. 12, 26.
vergl. 5,
b, e, f, g. A@IV@44)
annehmen (
von gestalt, wesen, ansehen und eigenschaft),
mit persönlichem oder sachlichem subjecte (
vergl. 5,
a):
mhd. got selbe antlütze hât genomen nâch der ersten meide fruht.
Parz. 464, 28; daʒ nem goltvarwe,
werde goldfarbig. Megenberg 264, 27;
nhd. er kennt die braminen, tritt in ihre lebensart, nimmt ihre sitten.
Dyanasore 1, 17; nim leichtes blut, lasz dich nicht alles so stark angehen. Lenz 1, 188; ich nahm eine beruhigende miene. Hermes
Soph. (1776) 6, 59; ein vornehmes ansehen nehmen (
gewinnen). Göthe 55, 301; das gestein hatte sich verändert und eine schiefrige lage genommen. 23, 50; schlägst du ihn (
den quark) aber mit gewalt in feste form, er nimmt gestalt. 5, 129. A@IV@55)
präpositionale verbindungen zu 1—4,
die der übersichtlichkeit wegen hier besonders zusammengestellt werden: A@IV@5@aa) an sich nehmen,
zu sich nehmen, z. b. zur aufbewahrung, zur verwaltung. Heynatz 2, 286;
annehmen (
wie 4):
ahd. diu gotheit an sich nam dia manheit. Notker
bei Graff 2, 105
f.; mhd. durch Adâmes geschiht nam got an sich, des er was niht.
Barlaam 63, 28; waʒ tugent er an sich nam!
Nibel. 24, 2;
nhd. got het .. fleisch und blut und einen natürlichen leib an sich genommen. Luther
tischr. 1, 86; da er knechts-gestalt an sich genommen hat. 2, 1; und hast, o heiland, fleisch und blut an dich genommen. S. Dach 275
Öst.; und will, dasz ein unterweiser den affect eines vaters an sich nehme. Schuppius 743; nahm an statt der vorigen laster allerhand tugend an sich.
pers. rosenth. 2, 18; ich wette, dasz sie .. eine angenehme lebensart an sich nehmen soll. Gellert 3, 155; welch wesen da der esel an sich nahm. Gotter 3, 226;
in sich aufnehmen, sich aneignen: der speis, so der mund isset, nement alle glider an sich. Keisersberg
seelenp. 198
b;
geistig (
von der bibelkenntnis): der ich unsrer heilgen brüder herrlich bild an mich genommen. Göthe 5, 32. A@IV@5@bb) nehmen auf,
mitnehmen auf (
vergl. e): eine lüge pflegt man doch sonst nicht auf diese reise zu nehmen. Schiller 3, 502 (
kabale 5, 7). — auf den kopf, auf den hals, auf die achsel, auf die schulter, auf den rücken nehmen
um zu tragen (
eigentlich und bildlich),
s. th. 1, 163. 5, 1756: bald nim hin dynen toten uff dynen hals, trag ihn hinweg! Steinhöwel
Es. 297
Öst.; und namen in (
bienenkorb) uf ir hels und truogen in von dannen.
Eulensp. 10, 9
L.; wenn ich den coffre auf den buckel nehmen, .. so zu fusze .. gehen sollte. Rabener
br. 137; wer das richter-amt auf seine schultern nimmt. Canitz 238; und ersuchte ihn unterthänig .. die last der oberaufsicht auf seine schultern zu nehmen. Schiller 8, 312; so hatte er sich über eine neue verwegenheit zu schelten, womit er ein allgemein ausgetheiltes übel auf seine schultern zu nehmen sich vermasz. Göthe 19, 70. — auf die zunge nehmen (
ein wort, einen namen): doch ohne makel könnt' ich nicht den namen nur einmal auf meine zunge nehmen. Gökingk 3, 224; auf sich (
vergl.über sich) nehmen,
auf die schultern nehmen, übernehmen, unternehmen, sich unterziehen: Esopus nam den korb uff sich mit dem brot. Steinhöwel
Es. 43
Öst.; ich wil min crütz uf mich nemen.
N. Manuel
Barbali 335; und neme sein creutz auf sich; wer sein creuz auff sich nimpt.
Marc. 8, 34.
Matth. 10, 38; nemet auff euch mein joch. 11, 29; kinder-kreuz, schwer kreuz! sie nimmt's aber auch gar zu schwer auf sich.
F. Müller 1, 277; dasz wer viel kan, auch ferner musz viel sachen auf sich nehmen. Chr. Weise
kl. leute 36, 3; das übel, das auf der menschheit ruht, ist eine gemeinschaftliche last; was du davon auf dich genommen hast, kommt als erleichtrung den andern zu gut. Rückert
ges. ged. 2, 393; ein geschäft auf sich nehmen.
Lokmans fabeln 31; wann einer .. solche arbeit auff sich nehmen wolt. Schuppius 10; dasz du meine sorge auff dich namest. 772; das urteil auf sich nemmen, sich vermessen zu urteilen. Maaler 304
c; ich nehms auf mich (
zur verantwortung). Göthe 12, 112; dann nehm ichs auf mich selber, dich völlig los zu sprechen. Wieland
Oberon 5, 62; wer nimmts auf sich, den könig zu belehren! Schiller 5, 253 (
don Carlos 2, 10). A@IV@5@cc) nehmen aus,
herausnehmen, hernehmen aus, entnehmen: und solt ichs ausz dem hindern nemen.
fastn. sp. 377, 9; der puwr .. nam das brot usz dem ofen. Steinhöwel
Es. 312
Öst.; bald ich .. darausz (
aus dem schreine) ein seiden tuoch name.
Bocc. 284, 34; dar nach sol der priester des öls aus dem log nemen.
3 Mos. 14, 15; ich habe sie (
kleidung) itzt heimlich aus ihrem kleiderschranke genommen. Gellert 3, 368; die einkünfte der neuen bisthümer werden aus den schätzen der klöster und abteien genommen. Schiller 7, 110; den wunsch nahmst du aus meiner seele. 6, 149; aus göttlicher quelle sind alle (
wesen) genommen.
F. Schlegel
ged. (1809) 32; er hat es gleich gemacht, dasz ich aus dem Martiale und Terenze einige charactere genommen habe. Rabener (1755) 1, 36. 44. 46; aber aus ihren reden nahm er, was ihn gut dünkte. Gotthelf
erz. 2, 178. A@IV@5@dd) nehmen für,
s. unten vor. A@IV@5@ee) nehmen in: in den mund nehmen,
eigentlich und bildlich (
wort, ausdruck): das sacrament er oft schentlich in seinen mund nam.
Bocc. 20, 17
K.; so schmutzige ausdrücke nimmt kein gebildeter in den mund
u. dgl. — in augenschein nehmen (
s. th. 1, 810): alda nahmen wir erstlich eine feine brücke in augenschein.
Felsenburg 1, 368; wir nahmen ermeldte kleine see ... wohl in augenschein. 370. — in empfang, in verwahrung
u. ä. nehmen (
vergl. A, 3,
c): indem ich meinen arm ausstrecke, um einen gegenstand in empfang zu nehmen (
zu ergreifen). Schiller 10, 82. —
mitnehmen in: soll nicht geduldet werden ... ein schwerdt in den rath zu nehmen. Schiller 3, 57 (
Fiesko 2, 8); feuerwerk, ... das meine ganze herrlichkeit in die luft nimmt. 3, 427 (
kabale 3, 2); noch diesen dienst lasz in das grab mich nehmen. 6, 406. A@IV@5@ff) nehmen mit: speise mit dem munde nehmen. Megenberg 33, 32. — mit sich nehmen:
ahd. si nâmun oli mit in.
Tatian 148, 2;
nhd. wann sie hinausz gehen, nemmens mit sich brot, kees, air, flaisch. Rauwolf
reise 51; Peter sein tafel mit im nam.
P. Leu 291. A@IV@5@gg) nehmen nach: etwas nach hause
u. s. w. nehmen,
mitnehmen. nach sich (
zu sich) nehmen: herr Voss wird sie (
die bücher) also wohl nach sich nehmen. Lessing 12, 210. A@IV@5@hh) über sich (
vergl.auf sich) nehmen: eine last über sich nehmen,
onus suscipere, subire. Frisch 1, 581
c; gut! ich nehme alles über mich (
zur verantwortung). Lessing 2, 475; Hippias nahm diesen dienst über sich. Wieland 3, 249; ein strenges ordensgelübde ... habe ich ... über mich genommen. Göthe 17, 393; sie sollen über sich genommen haben, eines der ansehnlichen gebäude zu errichten. 34, 13; die zeit .. nahm auch endlich diesen rechtshandel über sich. Schiller 6, 116; er will nichts als muth, denn was den wiz betrifft, den nehm ich ganz über mich. 2, 39 (
räuber, schausp. 1, 2);
ahd. die sculd sînes pluotes nemen uuir uber unsih. Graff 2, 1057. A@IV@5@ii) um sich nehmen,
umnehmen: ihr ältster sohn nahm um sich seinen rock. Fleming 94
L. A@IV@5@kk) nehmen von,
weg-, hernehmen von: und sol einen napff vol glut vom altar nemen.
3 Mos. 16, 12; safft, welchen sie von bäumen nemmen. Rauwolf
reise 201; dasz mein geweihter arm vom altar gottes flammen nehme! Klopstock
Mess. 1, 89;
entnehmen, entlehnen: iedoch wiʒʒ, daʒ ich den sin von dem miltow von andern maistern nicht hân genomen. Megenberg 87, 19; es haben auch die römischen künig .. ir alt breuch und recht ... von inen (
den Etruriern) genumen. Aventin. 4, 399, 9; das sie vil ... ceremonien von juden genommen. Rauwolf
reise 356;
herabnehmen von: sie nahm eine grosze haube .. vom kopfe. Göthe 16, 217; dann nahmen sie von dem kreuze den leichnam. Klopstock
Mess. 12, 84. A@IV@5@ll) nehmen vor: die hand vor die augen, den schleier vors gesicht, kein blatt (
s. th. 2, 74) vor den mund nehmen
u. dgl. — vor, für sich nehmen,
vornehmen zur bearbeitung, zur betrachtung, zum studium: also nimpt er (
gott) den himel für sich, und richtet eine feste zu. Luther 4, 6
b; also hab ich meinen lieben psalm für mich genomen .., hab darüber meine gedanken aufs papier gefasset. 5, 43
b; damit wir etwas lustiges und liebliches für uns nehmen können. Schuppius 827; das hier gesagte wird jedem deutlich, der Cuviers anatomie dieses geschöpfes vor sich nimmt. Göthe 55, 327. A@IV@5@mm) nehmen zu,
hinzunehmen: nemet öle zu den farben. Logau 3, 1, 35; zu hauf nehmen,
zusammennehmen, zusammenfassen: und wenn man alle waarn, die hier gewonnen, nimmt zu hauf. P. Gerhard 115, 47
Gödeke; zu ohren nehmen,
hören: herr, nimm doch zu ohren mein heiser nothgeschrei. Fleming 20
L.; nehmt es zu ohren und habt es in guter acht. J. v. Braunschweig 142
Gödeke; etwas zu behelf, zu hilfe, zur unterstützung
u. dgl. nehmen: die wort zu behelf nemen. Luther 4, 406
b. 414
b; gegen das mädchen nehmen wir die ganze welt zu hilfe. Schiller 3, 424 (
kabale 3, 1); eine that zum muster nehmen. 12, 318; etwas zur entschuldigung nehmen (
als entschuldigung vorbringen). 3, 564. — zu sich nehmen (
vgl. A, 7): und nam zuo im hundert guldin. Steinhöwel
Es. 349
Öst.; es hat zu sich genommen ein iedes seinen teil. Fleming 40
L.; das obst, das du zu dir genommen (
in den reisesack). Gellert
fab. u. erz. (1763) 174; (
hier) sind von den briefen ein'ge wieder, die du in verwahrung mir gegeben, nimm sie zu dir. Schiller 5, 404 (
don Carlos 5, 1); eine messe zu sich nehmen (
hören). Göthe 27, 17. A@IV@66)
hernehmen, mit wo, wo — her, woher (
vergl. IX, 4):
ahd. uuâr nimist thû uuaʒʒar fliaʒʒantaʒ? Otfrid 2, 14, 30;
mhd. wâ næmet ir die spîse, daʒ brôt und ouch den wîn?
Nibel. 1627, 2; wâ nâmen si den nît?
Parzival 463, 7;
nhd. wo er die kunst des schreibens nam, so er doch in kein schuel nie kam.
fastn. sp. 1060, 11; o gott, wo nem ich danck. Logau 1, 4, 84; wo denn hat er geld genummen? 3,
zugabe 36; wo wolt ich ein brod in der wüsten nehmen? Schuppius 738; aber, wo nehm' ich worte für sein erstaunen? Wieland 18, 251; wo nehm ich athem her, den genius des alten herrn mit worten euch zu schildern?
Oberon 5, 57; wo er den unterhalt von kleidern her solt nehmen. Fleming 130
L.; wenn er dann oft nicht weisz, woher er auf morgen brod nehmen ... soll. Knigge
umg. (1770) 2, 57; ein kaiser hatte zwei cassiere, einen zum nehmen, einen zum spenden; diesem fiels nur so aus den händen, jener wuszte nicht woher zu nehmen. Göthe 5, 236;
sprichwort woher nehmen und nicht stehlen! Eiselein 492. A@IV@77)
benutzen, gebrauchen, verwenden: man musz jede stunde nehmen das leben zu fühlen. Lenz 1, 179;
in gebrauch, in verwendung nehmen, gegen entgelt benutzen einen wagen, die post
u. dgl.; die post nehmen,
prendre la poste. Rädlein 670
a; wir nahmen eine kutsche. Haller
tageb. 68; deszwegen sei es nun nöthig, dasz ich post nehme. Göthe 35, 28; es wurde ausgemacht, dasz ich eine kutsche nehme. 16, 25; der vetturino wollte ochsenvorspannung nehmen. Seume
spazierg. 93.
vgl. III, 8. A@IV@88)
einnehmen, eine stelle, eine stellung: der rosenschlaifen stelle nahm ein schwarzes todenband. Schiller 1, 227; und ihr nehmt meine stelle im geheimen rathe. 5, 298 (
don Carlos 3, 7); Torstensohn nahm eine solche stellung, dasz er den feinden in den rücken kam. 8, 399; das land nehmen,
das land erreichen, landen. Wilw. v. Schaumb. 197. A@IV@99)
fassen, ergreifen, treffen, eine anstalt, maszregel: nachdem er alle anstalten zu einer plötzlichen flucht nehmen lassen. Lessing 4, 298; um sich über die maszregeln zu berathschlagen, welche man zu nehmen hätte. Wieland 20, 276; die maszregeln waren so schlecht genommen, dasz ein platz nach dem andern in spanische hände fiel. Schiller 8, 110; (
du muszt) maszregeln nehmen, schleunige, muszt handeln. 12, 186 (
Piccol. 5, 1);
partei nehmen (
s. partei), aufs korn nehmen,
zum ziele nehmen, fassen (
s. th. 5, 1818). A@IV@1010) überhand nehmen,
mhd. oberhant
und überhant nemen (Lexer 2, 134. 1622),
die oberhand gewinnen, überwiegend (
so dasz es nicht mehr zu bewältigen ist)
zunehmen, in gutem und in bösem sinne: also mechtig wuchs das wort des herrn, und nam uber hand.
ap. gesch. 19, 20; die nacht nahm überhand. Wieland 11, 75; des sultans wuth und dräun nimmt überhand.
Oberon 5, 45; der sturm nimmt überhand. Schiller 14, 369 (
Tell 4, 1); wenn in einem garten .. das unkraut überhand nimmt. 10, 432; als ob der unglaube auch hier etwas überhand nehmen wollte. Seume
spazierg. 112;
auch mit artikel die überhand nehmen: oft gewinnt eine solche lehre dergestalt die überhand. Göthe 50, 18.
s.überhand und oberhand. A@IV@1111)
mit einem zahladverb, mehrmals nehmen, zusammennehmen, eine zahl doppelt, einen faden dreifach
u. s. w. nehmen; mein lebensfaden, achtfach genommen. Schiller 3, 15 (
Fiesko 1, 3);
sprichwort nimms zwiefach, wenn es einfach zu lang ist. Simrock 402. A@VV. nehmen
was man nicht haben will, was einem zugefügt wird, etwas leiden, erleiden: etwarinn my und arbeit nemmen und erleiden,
exhaurire labores in re aliqua. Maaler 304
c; do er schaden nam und tode enpfinge.
Bocc. 118, 15
K.; wer eine sache durch einen törichten boten ausrichtet, der .. nimpt schaden.
spr. Sal. 26, 6; das ir von uns ja keinen schaden ... nemet.
2 Cor. 7, 9;
auch von sachen: das schiff also zu regieren ... das es keinen schaden neme. Rauwolf
reise 15; trug sich zu, dasz ein theurung kam also dasz die frucht schaden nam.
P. Leu 1312; er (
der schild) soll nicht schaden nehmen, gar wohl gefällt er mir. Scheffel
Ekkeh. 409; schiffbruch nehmen,
schiffbruch leiden: bis er endlich schieffbruch nimt. Logau 1, 3, 85. A@VIVI.
sich aneignen, eigenmächtig nehmen: lehrer. woher hats denn der groszpapa bekommen?
kind. der hats genommen. Göthe 2, 278;
mit abstractem objecte, sich herausnehmen (
s.heraus nehmen
th. 4
2, 1039): und du verzeihst die freiheit, die ich nahm .. als du jüngst aus dem dom gegangen? Göthe 12, 165;
mit reciprokem dativ: ich nahm mir die kühnheit, einen feurigen kusz auf ihre rosenlippen zu drücken.
Felsenburg 1, 265; das recht, das er (
der landmann) sich nimmt, verweigr' ich ihm. Schiller 14, 309 (
Tell 2, 1); diesz stolze recht, das sich der bauer nimmt. 361 (
Tell 3, 3); genommen ist die freiheit, nicht gegeben. 12, 73; bei der freiheit, welche die sinnlichkeit sich selbst nimmt, ist an keine schönheit zu denken. 10, 97; sich die freiheit nehmen
als höfliche entschuldigungsformel: ich werde mir die freiheit nehmen, ihnen morgen meine aufwartung zu machen
u. dgl.; der verfasser hat sich die freiheit genommen, jene gränze zu überschreiten. Schiller 5, 1, 151
anm. A@VIIVII.
einnehmen, in besitz nehmen, erobern: eine stadt, eine festung, ein herz nehmen; bis sie mit sturm die burg hier nahmen. Alxinger
Bliomb. 6, 20; doch der stadttheil ist genommen. Meissner
Ziska 27; wenn sie in negligee und pracht, darin sie herzen nehmen ... durch unsre gänge strömen. Claudius (1775) 1, 78; genug, ihr herzchen ward beim ersten blick genommen. Wieland
Oberon 4, 47; er hat genommen mein herz verwegen. Rückert
ges. ged. 1, 210; besitz von etwas
oder etwas in besitz nehmen: die schaar .. hat von den thoren schnell beherzt besitz genommen. Cronegk 1, 219; sie säumt nicht, von dem fatalen stein ... besitz zu nehmen. Wieland
Idris 5, 110; ein ewiger frühling nahm davon besitz.
werke 10, 20; sowie Philipp besitz von der regierung genommen hatte. Schiller 4, 93; als wenn der frühere anstosz die augen bestimmt und in besitz genommen hätte. Göthe 53, 109. A@VIIIVIII.
wegnehmen, entfernen, entziehen, in mehrfachem sinne. A@VIII@11)
in bezug auf etwas einem andern gegebenes, geschenktes, das man wieder wegnimmt, zurücknimmt, absolut: einmal geben und wieder nehmen ist schlimmer als stehlen. Simrock
sprichw. 402;
transitiv: der herr hat es gegeben, der herr hat es genommen.
Hiob 1, 21; gott werd hewt oder morgen sein wort uns nemen wider. H. Sachs 1, 344, 2; der (
gott) kronen geben kann, sowie er kronen nimmt. L. Karsch 260; mit einem winke giebst du, und nimmst du ja dem wurm .. sein lebensglück. Klopstock 1, 61; vieles giebt uns die zeit und nimmts auch. Göthe 3, 256
H.; denn was dir gott geschenkt, das kann auch gott nur nehmen. Schulze
Cäcil. 6, 44; wenn auch der liebste, was er gab, mir nimmt. Rückert
ges. ged. 1, 127; nehmen von: nim deinen heiligen geist nicht von mir.
ps. 51, 13; mein herr nimpt das ampt von mir.
Luc. 16, 3; (
schatz,) den gott nur von uns nimpt, der uns ihn auch bestimpt. Opitz (1644) 2, 91. A@VIII@22)
wegnehmen und forttragen: so man die wuoste deller nimpt. Scheit
Grob. 2942
neudruck; wo starker sturm .. ein stück des ufers nahm (
wegrisz). L. Karsch 253;
mit dem nebenbegriffe des aneignens: er fand den geldsack .. der ienem hier entfiel, er nahm ihn und entwich. Gellert
fab. u. erz. (1763) 106. A@VIII@33)
wegnehmen, entfernen von: nehme diesen scheuszlichen kopf von meinem hals! Klinger
theater 3, 198; der es (
das tuch) euch einst vom halse nimmt. Lichtwer
fabeln 23 (1, 12);
wegnehmen aus: nimm einen ton aus einer harmonie, nimm eine farbe aus dem regenbogen, und alles was dir bleibt ist nichts, solang das schöne all der töne fehlt und farben. Schiller 11, 50; die jedes glück aus meinem leben nahm. Schulze
poet. w. (1855) 3, 115. A@VIII@44)
wegnehmen und dadurch von etwas befreien: den durst nemmen,
sitim relevare. Maaler 304
b; das sacrament nimpt die sünde. Luther 1, 63
b;
mit dativ: ach dasz du itzt .. kämest und mir disz leid .. nähmest. Fleming 74
L.; Zevs! ach nimm mir (
dem esel) zwanzig jahre, sonst quäl ich mich zu lang. Hagedorn 2, 115; diese sünde sei dir genommen ... ich vergebe dir. Schiller 2, 325 (
räuber, trauersp. 5, 6); nehmen von: darumb es mir .. nun alle unruoe ab mir genommen hat.
Bocc. 2, 3
K.; nim diesen kelch von mir.
Luc. 22, 42; das ich die forcht, dar in er jetz ist, von im nem. Terent.
deutsch (1499) 18
b; weil schon die bürde ihm vom haupt genommen.
F. Schlegel
ged. (1809) 34; von dir genommen, das dich blendet, ist das licht. Rückert
ges. ged. 1, 213. A@VIII@55)
durch wegnahme auszer besitz setzen und berauben, ohne den nebenbegriff des aneignens. A@VIII@5@aa)
mit sachlichem objecte, z. b.: wir ... nahmen ihnen die wehren, schmiertens mit trucknen straichen dapffer ab. Rauwolf
reise 249; er will ihr zur flucht die mittel nehmen. Hagedorn 2, 17; kämpfer, der dir schon eine locke nahm. Herder
ged. 1, 278; da ist mir wie einem ... dem der degen genommen wird. Göthe 16, 54. A@VIII@5@bb) einem die unschuld, die ehre, die hoffnung, die freiheit, den mut
u. s. w. nehmen,
rauben: und hast mir selb den magthum gnommen.
fastn. sp. 864, 22; einer hat mir mein hausêr genumen. 709, 20; der im euer huld genomen. 423, 2; das ir hauf dester gröszer .. erschein und sy dem feind das herz (
den mut) nemen. Frank
weltb. 96
b; drumb wendet besten fleisz daran, dasz wir ir irn hochmuth nemen. J. Ayrer 135, 4; dasz dem feind werd sein boszheit genommen. 1449, 22; wem alle lust genommen, der dünckt mich sei auch schon als umb das leben kommen. Opitz (1644) 1, 301; des jammers unmuth hat mir allen muth genommen. S. Dach 160
Öst.; ein greis .. dem oft sein bittres weh die lust zum leben nahm. Hagedorn 2, 52; dem sie (
die hand des schicksals) den letzten hauch der müden hoffnung nimmt. 1, 97; man nehme nur den unglücklichen die hoffnung einer bessern welt. Gellert
schwed. gräfin (1763) 56; meine ehre, vater, wenn sie mir diese nehmen. Schiller 3, 385 (
kabale 1, 7); noch heute weisz ich nicht, welch feindliches geschick den muth mir nahm. 6, 381;
mit dem gegensatze geben: ein einziger ruf von ihm in der schlacht konnte muth geben und nehmen. 9, 204; was sie berauschte, hat mich kühn gemacht, was ihnen feuer nahm, hat mir gegeben. 13, 45 (
Macbeth 2, 4); von einem etwas nehmen,
es ihm wegnehmen: nemet das pfund von im (
goth. af imma) und gebets dem, der zehen pfund hat.
Luc. 19, 24. A@VIII@5@cc) einem den leib, das leben nehmen,
ihn ums leben bringen: mhd. der im den lîp hât genomen.
Iwein 1390; ich lâʒe mir ê nemen den lîp. 2231; næme ich iu danne deʒ leben. 2298;
nhd. mir (
wir) wölten im den leib nemen.
fastn. sp. 447, 23; er (
der wolf) fieng das unschuldig lemplin, er nam im sein leben (
vitam eripuit) und frasz es. Steinhöwel
Es. 82
Öst.; sie stehen darnach, das sie mir das leben nemen.
1 kön. 19, 14.
ps. 31, 14; dasz ir dem könig nammt das leben. J. Ayrer 71, 21; das man mördern soll nemen das leben. 261, 6; er will sich das leben nehmen. Schiller 15, 1, 376; der entsetzliche kampf, den sie in mir erregen, kann mir das leben nehmen. Wieland
suppl. 5, 2, 146; da ich mich wahrhaftig scheue, einer fliege oder laus das leben zu nehmen, weil ich keine wiederschaffen kann. Lenz 3, 328;
statt des dativs auch präpositionale fügung mit von: niemand nimpt es (
das leben) von mir (
goth. af mis).
Joh. 10, 18. A@VIII@5@dd) es einem nehmen,
die thätigkeit, meinung, absicht eines andern unmöglich machen, ihm etwas wehren, ihn woran hindern: nimet eʒ ime echt nôt, daʒ her nicht vor komen mag.
Sachsensp. 2, 4, 3
Weiske (eʒ ensei, daʒ in êhaft nôt irre.
spiegel deutscher leute 1, 99, daʒ si êhaft nôt letze.
Schwabensp. 89
Gengler); ich lasz mir das nicht nemmen (
nicht ausreden). Aler 1460
b; tausendmal will ich sie wieder grüszen lassen .. das lasse ich mir durchaus nicht nehmen. Rabener
br. 23; meine frau läszt sich das nicht nehmen (
z. b. das einschenken des kaffees). Gotter 3, 137; die menschheit läszt sich nicht ihr süszes vorrecht nehmen. 1, 24; man hatte für eine wärterin gesorgt, welche des leichnams
wahrnehmen sollte, .. aber
N. wollte sich dieses amt nicht nehmen lassen. Göthe 17, 408; wer nimmts der mutter, das geliebte kind der süszen vermählung zuzuführen? Schiller 6, 172. A@VIII@5@ee) zum raube nehmen: ihr holder reiz! der tod nahm ihn zum raube. L. Karsch 142. A@VIII@66)
heimlich oder gewaltthätig wegnehmen, um sich in den besitz des objectes zu setzen. A@VIII@6@aa)
heimlich und unerlaubt nehmen, stehlen (
ohne oder mit dativ),
absolut: wer seinem vater oder mutter nimpt und spricht, sei nicht sünde, der ist des verderbens.
spr. Sal. 28, 24;
transitiv: nu nimpt er auch meinen segen.
1 Mos. 27, 36; do namen wir visch (
aus dem weiher) als vill als .. wier tragen mochten. Th. Platter 23
B.; sag an .. wo doch die fisch hin sein kommen. wen meinst, der sie hab genommen?
P. Leu 607; du solt nit tödten, niemant nichts nemen. H. Sachs 7, 189, 30; er nimmt, was er bekommen kann,
furto aufert, quod ferre potest. Steinbach 2, 128; wer nahms (
das geld), ich bitte sie! .. vielleicht die junge magd? Göthe 7, 86 (
die mitschuldigen 3, 2); nehmen von: er neme es gott vom altar, er neme es gott von den füszen. Frank
sprichw. 2, 45
a; welch ein verwegener dieb! er nahm das huhn mir vom tische. Göthe 40, 51. A@VIII@6@bb)
gewaltthätig nehmen und sich in besitz setzen, rauben, absolut: nemen und stelen. Luther 1, 199
b; nemen, rauben und prennen. Aventin. 4, 291, 10; beneben irem unzüchtigen leben gestolen und genommen bei tag und nacht, wen und wo sie gekonnt haben. Reuter
kriegsordn. 70;
transitiv: ob ich jemands ochsen oder esel genomen hab?
1 Sam. 12, 3; reuber .., die das unser nemen.
Jes. 17, 44; und so jemand .. wil deinen rock nemen (
goth. paida þeina niman), dem las auch den mantel.
Matth. 5, 40; und wer dir den mantel nimpt (þamma nimandin af þus vastja), dem were nicht auch den rock.
Luc. 6, 29; was man mit gewalt nemen wil. Luther 1, 199
a; das genommen viech. Aventin. 4, 629, 14; ich nim dein gelt und anders nicht. Schwarzenberg 132
a; wie sie die leute all drinn umgebracht, ihr geld genommen. Lenz 1, 163; wie stück für stück die räuber nahmen. Lenau 2, 149;
mit dativ der person: mhd. daʒ er des hete willen, er næme im sîniu lant.
Nibel. 110, 3; swie ir genomen wæreder Nibelunge golt. 1263, 1; daʒ im ein garzûn widerstieʒ, der einen guoten bogen truoc: den nam er im und strâlen gnuoc.
Iwein 3266;
nhd. und haben uns das vich genomen.
fastn. sp. 492, 6, 24; si nummen dem chunig sein aigen geld, sechs tausend guldein habnt si im genomen. Liliencron
volksl. 75, 9 (
v. j. 1439); was man mit gewalt uns nemen wil. Luther 1, 190
b; du nimpst mir den rock, dis und das. 188
b; wer einem seine narung nimpt.
Sir. 34, 26; wo du hin kumpst, tuest du nichts dan rauben und mörden und das du den leuten das ir nimbst. Aventin. 4, 357, 30; einem sein hab und guot nemmen. Maaler 304
b; das heilig land, das uns der Türk mit gwalt het gnommen. J. Ayrer 1781, 21; der mein land mir böslich nahm.
F. Schlegel
ged. 185; er nahm ihnen sogar einige kleine örter in der Lombardei. Schiller 4, 144; keinem hat er (
Mars) nicht genummen, wo er nichts bei ihm bekummen. Logau 1, 5, 15; ring, den er dem zwerg genommen. Wieland
Oberon 3, 5;
auch vom rauben der küsse: tannenbaum, bei dem mir einst Montan den ersten kuss genommen. Gellert 3, 383; oft nahm ich wachend deinem munde in einer unbewachten stunde so viel man küsse nehmen kann.
d. j. Göthe 1, 99;
statt des dativs präpositionale fügung mit von: ich habe nicht einen esel von inen genomen, und habe keinem nie kein leid gethan.
4 Mos. 16, 15. A@IXIX.
das bisher betrachtete äuszerliche, sinnliche nehmen
streift in seiner übertragenen bedeutung schon oft an das innerliche, geistige nehmen,
das sich aus jenem ebenso entwickelt hat wie bei den sinnverwandten fassen, auffassen, erfassen, begreifen. A@IX@11)
auch hier steht dem nehmen
ein geben
zur seite wie im geschäftsleben (
s. th. 4
1, 1719),
indem man einen nimmt, wie
oder wofür er sich gibt (
oder wie er ist, wie er sich benimmt):
Weislingen. ihr verkennt mich.
Adelheid. ich nehme euch wie ihr euch gebt. Göthe 8, 64; man nimmt in der welt jeden, wofür er sich gibt. 17, 259; wenn wir die menschen nur nehmen wie sie sind. 20, 185; nachrichten .., wie frau von Stael sich benehme und genommen werde. 31, 165; wenn man die ursache so nimmt, wie sie sich eben gibt. Gutzkow
ritter (4.
aufl.) 2, 176; geben für
und nehmen für: wo jeder sich für einen schelmen gibt und seinesgleichen auch für schelmen nimmt. Göthe 9, 241. A@IX@22)
daher nehmen für (vor),
wofür halten, ansehen, auffassen. A@IX@2@aa)
mit persönlichem objecte: zum glück, dasz ihm die nacht zu hülfe kam, und Nettchen ihn für den assessor nahm. Gökingk 2, 221; wie sie so schön sind! man nähme sie alle für söhne des königs. Göthe 40, 200; dasz mir bang ist, für was man mich nehmen mag. 8, 65; ein wohlgebildeter mann stieg in das schiff, den man .. wohl für einen geistlichen hätte nehmen können. 18, 188; doch wären wir, wofür der hof uns nimmt. Schiller 12, 73 (
Piccol. 1, 2); es begegnete ihm nie, einen der seinigen für einen feind, oder einen der feinde für einen freund zu nehmen. 9, 207; sie sehen, dasz ich eben jetzt den neffen für den onkel genommen — ists zu verwundern, dasz ich den onkel für den neffen nahm? 14, 164; weil ich ihn gleich für einen groszen kerl nahm.
F. Müller
Faust 8, 7
neudruck. A@IX@2@bb)
mit sachlichem oder abstractem objecte: ich nehme es für die eigentliche ursache der dinge. Hofmannswaldau
sterb. Socr. 100; unbequemlichkeiten, die er für wirkliche übel nahm. Göthe 22, 82; nimm es für keine beleidigung. Lenz 1, 61; glaubt ihr nicht, dasz er das schon für verzeihung nehmen werde, wenn ihr ihn noch eines eigenhändigen schreibens werth haltet? Schiller 2, 215 (
räuber, trauersp. 1, 1); er nahms (
das umfliegende getöne) für ein melodisches ohrenbrausen. J. Paul
Titan 1, 99; wie es (
das volk) alle seltene petrefacta für teufelglieder nimmt. 1, 7. A@IX@2@cc) etwas für gut, für lieb (vorlieb), für übel nehmen,
als gut, lieb, übel ansehen und aufnehmen (
s. th. 4
1, 627. 1768. 6, 911
und vorlieb):
mhd. manich dinch muoʒʒen si fur guot nemen.
Milstätter genesis 23, 25;
nhd. ein frommer und guter gast sol ihme auch an dem was vorhanden ist, gnügen lassen und auf dem stroh für gut nehmen. Mathesius
Syr. 2, 28
a; den ein zufall auf .. mit einer schlimmen gesellschaft zusammengebracht hat, die er für gut nehmen musz. Wieland 3, 145; für gut, vorlieb nehmen mit etwas,
sich freundlich genügen lassen, z. b.: so er ein ehrenmann von blut, nimbt er mit käs und brot für gut. Philander 2, 62; ja er liesz auch bitten, für diesmal mit seinem guten willen vorlieb zu nehmen. Lenz 2, 142; wenn der ochse den kornwagen in die scheune gezogen hat, so mus er mit heu vorlieb nehmen. Schiller 2, 64 (
räuber, schausp. 2, 1); weil niemand mit dem kleinen .. stückchen herzen vorlieb nehmen wollte. Knigge
umg. (1790) 1, 32. A@IX@2@dd)
statt für übel nehmen
auch etwas in übel nehmen
oder übel nehmen,
übel aufnehmen, verstehen und auslegen (
s.übel),
z. b.: nehmet mir nicht in übel. Klinger
prinz Seidenwurm 49; nehmen sie es nur nicht übel. Gellert 3, 195; nimmt mirs nicht übel! Schiller 2, 144 (
räuber, schauspiel 4, 3); alsdann müszt ihr mir nicht übel nehmen, wenn. Göthe 24, 277; das mädchen hats nicht übel genommen. 5, 118. A@IX@2@ee)
ebenso mit andern prädicativen adjectiven oder adverbien: ungütig, streng, genau, leicht, ernst, schlimm
u. dgl. nehmen,
auffassen und beurtheilen (
vergl. 6). A@IX@2@e@aα)
mit persönlichem objecte: wollst mich entschuldigt nehmen (
halten). Ringwald
evang. X 7
b; sie allein schien am hofe den barschen jüngling .. mild und recht zu nehmen. J. Paul
Titan 3, 185; es ist eigentlich unrecht, menschen nur deshalb streng zu nehmen, weil. Gutzkow
ritter (4.
aufl.) 2, 69. A@IX@2@e@bβ)
mit sachlichem oder abstractem objecte: will man sich nur bequemen und diesz wort vernünftig nehmen. Brockes 6, 140; nehmen sie es nicht ungütig (
wie übel). Klinger 1, 122; wäre es ihm jedoch möglich gewesen, die sache leichter zu nehmen. Göthe 24, 131; ich sah wohl, dasz man die sache viel schlimmer nahm als sie war. 332; wenn ihr das leben gar zu ernsthaft nehmt, was ist denn dran? 8, 215; wenn ich den scherz will ernsthaft nehmen, so soll mich niemand drum beschämen. 2, 235; ihr nehmt die sache zu hoch. 8, 215; er nahm die sache streng. 25, 136; wenn man es streng nehmen will. Schiller
an Göthe 179 (2, 98); wenn man es genau nimmt. Möser 5, 84; bei einem ehemann pflegt man das (
die treue) nicht so genau mehr zu nehmen. Schiller 3, 567; ich wünsche mir eine hübsche frau, die nicht alles nähme gar zu genau. Göthe 4, 327; dasz jeder nur sein handwerk ernsthaft treiben und das übrige alles lustig nehmen soll. 43, 27; nimm die sache lustig, wie sie ist. Schiller 15, 2, 150 (
Nathan 3, 4); doch ich begreife nicht, wie du so leicht das alles nimmst. Göthe 10, 209; gut! nimmts Amine leicht, so sag, was schadets dir? 7, 13; denn 'ihr mädchen bleibt am ende doch die betrognen' sagte der vater, wenn auch leichter die mutter es nahm. 1, 268; ihr stolz ist gut ... wie wir aber nun zusammen sind, dächt ich, sie nähmen es anders. Lenz 1, 168; Dankmar nahm diese letztere mittheilung fast so scherzend wie sie der jäger gab. Gutzkow
ritter (4.
aufl.) 2, 48. A@IX@2@ff) es mit einem
oder mit etwas ernst, scharf
u. dgl. nehmen
in der beurtheilung und behandlung: er läszt allen seinen launen und unarten den zügel wieder, übersieht sich selbst alles und nimmt es mit mir so scharf, als ob er sich nichts vorzuwerfen .. hätte. Wieland 39, 85; mach dich, o glücklicher, den leuten angenehm, dasz jenes tages gott mit dir nicht streng es nehm. Rückert
Bostan 59, 1. A@IX@33)
beobachten, bemerken, inne werden: Reinhart seines gesellen grosze freud nam.
buch d. l. 235, 2;
dafür sonst gewahr nehmen
wie gewahr werden,
mit genetiv: dessen nun die frawen gewar nemende, flohen etliche.
Amadis 44
K.; unterdessen nahm ich eines spalts gewahr.
Simplic. 1, 265, 25;
mit accusativ: das nehm ich nun auch gewahr. Schiller 3, 35 (
Fiesko 1, 11).
vergl.wahr nehmen I, 5. A@IX@44) wo, woher nehmen (
vergl. II, 6),
woraus abnehmen und folgern oder woher zu wissen bekommen, erfahren: ich weisz nicht, woher sie es nehmen, schöne Danae, dasz ich mehr von den grazien wissen müsse als ein andrer. Wieland 10, 3; woher hätten die Abderiten nehmen sollen, dasz die natur schöner ist als die kunst! 19, 148; aber woher nehmen sie, dasz unser freund lange weile hat? 19, 98; wo hast du das genommen? wie konnt' es zu dir kommen? Göthe 5, 93. A@IX@55)
sich denken, vorstellen: das man die erde nicht also sol nemen (
sich vorstellen), dringet der artikel des glaubens. Luther 4, 4
a; nun nehme man die sitte der ältesten zeit. Herder
älteste urk. 1, 122; man nehme (
denke, vergegenwärtige sich) das publicum. Göthe 36, 173; nehmen wir nun vollends, wie sauer ... auch diesz schlechteste musz nachgeahmt werden. Heinse
Ardingh. 1, 293; wir wollen einmal nehmen (
annehmen, voraussetzen), dasz es entdeckt wird; nehmen wir einmal den fall
u. dgl. A@IX@66)
innerlich aufnehmen, auffassen, verstehen und beurtheilen (
vergl. 2,
e):
goth. þaiei þan hausjand þata vaurd, suns miþ fahêdai nimand ita (wenn sie das wort gehört haben, nemen sie es bald mit freuden auff).
Marc. 4, 16; untê þô vaurda .. atgaf im, jah eis nêmun (denn die wort ... hab ich inen gegeben, und sie habens angenomen).
Joh. 17, 8;
mhd. als wir ez hier nemen (
verstehen). Megenberg 20, 12; iedoch nimpt Plinius den pauch in der weis ze vierlai sinnen. 31, 15. 20;
nhd. mein rath ist aber der .. ihr nehmt die sache völlig wie sie liegt. Lessing 2, 280 (
Nathan 3, 7); wie, sieht? wie nehmen sie das sehen? Göthe 7, 107; ihre freie weise die zustände des lebens zu nehmen und zu behandeln. 17, 109; es wird sie gewisz unterhalten zu sehen, wie ich die dinge damals nahm.
an Schiller 403 (4, 20); wie man das nimmt. Novalis (1820) 1, 164;
näher bestimmt durch in
mit dativ: ein auftrag, den der gröszte theil von diesen .. in seiner weitesten bedeutung nahm. Schiller 7, 212; wenn ich euch frage, nehmts in gutem sinne! Uhland (1879) 2, 264. A@IX@77) nahe nehmen,
zu herzen nehmen (
s. oben sp. 284); zu herzen nehmen (
s. th. 4
2, 1214): darumb dan sollen wir auch solche geschicht .. pas zue herzen nemen. Aventin. 4, 235, 3; disz gschicht ich zu hertzen numb. H. Sachs 3, 402, 25;
mit reflexivem dativ: dasz du siehst, wie ich mir dein schicksal zu herzen nehme als ein redlicher freund. Schiller 2, 243 (
räuber, trauersp. 2, 2); dasz sie den winterschauer sich so zu herzen nimmt. Lenau (1880) 1, 209. A@IX@88) in sich nehmen: nim dieses in dich (
merke es, lasz es dir gesagt sein).
engl. komöd. 13
Tittmann. — für sich nehmen,
sich vornehmen: der ihr gesetz und land zu stürtzen für sich nahm. Opitz (1644) 1, 268.
vergl.fürnehmen,
vornehmen. A@IX@99) in acht nehmen (
s. th. 1, 166): wenn sie (
die schauspielerin) den unterschied von affekt und geschrei .. immer in acht nehmen wollte. Schiller 3, 584; in bedenken nehmen,
bedenken, überlegen: darum ziemet sich sauberlich in der sachen zu fahren und in bedenken zu nehmen. Luther
br. 4, 447;
ebenso in, zur überlegung nehmen Schiller 9, 169. Göthe 17, 379. — in sinn, in den sinn, zu muth, zu verstande nehmen: dasz kein zwölfbott noch ir nachkummen söltind in iren sinn han gnummen, zuo leren, gebieten, denn eben das, so inen von gott bevolhen was.
N. Manuel
Barbali 1200; welches ich nie gebotten noch in sinn genommen hab. Rauwolf
reise 339; welches aber doctor Martinus niemals in sinn genomen noch gedacht hatte. Luther 1, 448
a; das können sie in den sinn nicht nehmen (
nicht fassen, nicht begreifen). 5, 318
a; sich etwas in sinn nehmen: ich hab mirs auch in sinn genummen.
br. 1, 507; dasz man umb argwohn und verdacht ein unschuldigen verdächtig macht, der im nicht übels nam in sinn. J. Ayrer 1490, 5;
gegensatz aus dem, auszer dem sinne nehmen: werdet ihr beide mit der zeit wol andere kinder bekommen mögen, die euch solche begierdt des ersten auszer dem sinn nemen und in vergesz stellen werden.
Amadis 28
K.; sölchs alle menschen nempt zuo muot und heirat nit nach pösem guot. Schwarzenberg 132
a; seh ich den nebel an .. so nehm ich, schlanker flusz, mier gleichfalls zu verstande, wie bald die zeit vergehet und nebel bald verstaubt. Chr. Knittel
poet. sinnenfr. 140. A@IX@1010) einen in argwohn nehmen,
ihn in verdacht haben: weil aber allhie viel leute in argwohn genommen werden (
später die leut so in verdacht gehalten). W. Widman
bei Luther 6, 5
a. BB.
reflexiv, sich nehmen
in mehrfacher bedeutung. B@11)
ahd. nur vereinzelt im sinne von sich aufheben (
s. th. 1, 664): nim (
ἄρθητι,
tolle) thih inti uuirph thih in then sêo.
Tatian 121, 3 (
Matth. 21, 21). B@22)
sich fassen, anfassen: sich (
sich selbst oder wechselseitig) bei der hand, mit der hand nehmen, sich unter den arm nehmen
u. dgl., wie schon mhd. mit hanten si sich nâmen. Diemer
ged. 192, 15. B@33)
sich aufmachen und wenden, kehren, begeben, mit angabe der richtung: mhd. ûʒ dem here er sich nam (
gieng aus dem heere heraus und ihm voran).
Rolandslied 254, 1; der keiser nam sich ûʒ in allen. 257, 10,
vergl. ausnehmen th. 1, 921; von dem here er sich nam.
Kaiserchron. 499, 30
Diemer; do der subent tach chom, got sich von dem werche nam (
liesz ab vom werke, hörte auf von der arbeit).
Milstätt. genesis 8, 27; von danne nam si sich (
wandte sich ab) nû gar.
Iwein 1561;
md. wurdin wir sô zagehaft, daʒ wir allentsamen an dî vlucht uns nâmen. Jeroschin 4968; die roten alle vîre .. sich kegn lande nâmen. 24865; der selbe Pomande nam sich von der Balge unde quam zu sînen lantlûtin. 5395; zu den brûdrin er sich nam von Prûʒinlande. 17625; eins er sich zu schiffe nam mit den sînen. 20290; und sich zu rû genumen nâch der mûde hâten. 23371;
nhd. von innerlicher wendung, sich in sich nehmen,
sich in sich wenden, kehren (
im particip fehlt das reflexivum): der parzen jüngste seht ihr kommen, ernst ist sie zwar, in sich genommen, doch allen menschen hold gesinnt. Göthe 11, 330; sich in acht nehmen (
s. th. 1, 166),
eigentlich sich in aufmerksamkeit kehren, vorsichtig sein, sich hüten: sie küszt und nimmt sich nicht in acht; sie küszt ihn, und Damöt erwacht. Gellert 1, 82; komme nach und nimm dich wohl in acht. 3, 386; nimm dich in acht. Lenz 3, 323; nehmen sie sich in acht .., dasz sie sich nicht verlieben. Göthe 16, 26; Moor, nehmt euch in acht — macht mich nicht rasend, Moor. Schiller 2, 290 (
räuber, trauersp. 4, 8); ein dichter nehme sich ja in acht, mitten im schmerz den schmerz zu besingen. 6, 326; Apelles nahm sich wohl in acht, kein bloszes portrait vom Alexander zu machen .. er bildete ihn also mit dem blitz in der hand. Heinse
Ardingh. 1, 284. B@44)
in der alten rechtssprache bedeutet sich nemen von,
sich wovon durch eid oder zeugen reinigen (Lexer 2, 54): derselbe mag zu ... der schrannen kömen und sich von der inzicht nemen als recht ist.
österr. weisth. 1, 46, 15 (
vom j. 1432); aber der antworter mag sich mit dem aid woll darvon nemben, dasz er den spruch nicht schuldig sei. 98, 39 (
vom j. 1691). B@55)
aus dem begriffe sich kehren und wenden (
und dabei von allen seiten sich zeigen)
haben sich noch zwei andere bedeutungen entwickelt, für die wir jetzt ausnehmen
und benehmen
verwenden. B@5@aa) sich gut, sich übel nehmen,
gut oder übel sich zeigen, sich darstellen, ausnehmen (
s. th. 1, 921): die vorstellung der feuergluth und wasserfluth .. nahm sich nicht übel. Schütze
hamburg. theatergeschichte (1794) 687. B@5@bb)
sich betragen, benehmen (
s. th. 1, 1469): ich weisz mich in dieser sache nicht zu nehmen. Lessing 1, 531; Grimhart wuszte sich schon in solchen fällen zu nehmen. Göthe 40, 54; wie man sich gegen geliebte betrage, das sei uns bekannt genug; aber wie sich gatte und gattin in gesellschaft zu nehmen hätten, das sei uns unbewuszt. 26, 347; und wie nahm sie sich bei der einladung? Schiller 3, 457 (
kabale 4, 6); wie nahmen sich die seidenhändler bei meinen geschenken? 3, 50 (
Fiesko 2, 4); ich fühle selbst, wie albern ich dabei mich nehmen mag. 5, 1, 108; ich nahm mich sehr ungeschickt dabei. Hippel
lebensl. 2, 103; Lavater nimmt sich hierin vernünftiger. J. Paul
Titan 2, 1; sich gegen beleidigung nicht mit anstand genommen zu haben. Kant 10, 287. B@66)
durch nehmen
sich wozu machen: der milt gibt sich reich, der geitig nimpt sich arm. Frank
sprichw. 1, 117
b; er nimmt sich todt. Aler 1461
a. B@77)
früher auch persönlich sich wunder nehmen
statt des unpersönlichen mich nimmt wunder
gramm. 4, 248
anm.: des soll sich nieman wunder nehmen.
Bocc. 23
a; du solltest dich sein grosz wunder nemen. 325
d;
auch sich wunders nehmen: der edel king was also cluog, das sich das volck darab nam groszer wunder. Wackernagel
leseb. 1, 1029
a, 21. CC.
unpersönlich. C@11) es nimmt,
nimmt weg, nimmt in anspruch, erfordert, braucht: was aber sie alles mit ein ander redeten, lange weil zu beschreiben nem.
buch d. l. 241, 4; ein geuchin settigen nimpt vil kichen (
keichende anstrengung). Murner
geuchm. 945
Scheible; dann gott zu werden nimpt vil kichen. 1027; es näm vil zeit und lange weil, wann du die krebs nach ordnung woltst (
bei tisch) anathomieren, wie du soltst. Scheit
Grob. 4268
neudruck. C@22)
mit accusativ der person in einigen umschreibenden formeln: mich nimmt fremd, seltsam,
mich befremdet (
s. th. 4
1, 127.
gramm. 4, 248); das mich nicht fremde noch wunder nimpt.
Bocc. 9, 27
K.; das in fremde nam. 203, 15; es möcht uns, so wir das horten sagen oder lesen, gar fremb und seltzsam nemmen. Reuchlin
augensp. 4
a; es nam Ulenspiegel seltzam.
Eulensp. 143, 97
L.; mich nimmt hehl,
ich verhehle (
s. th. 4
2, 785.
gramm. 4, 248). — mich nimmt wunder,
mich wundert (
s. th. 4
1, 1670.
gramm. 4, 247. Lexer 3, 987
und wunder),
z. b.: was
M. dem künige gesagt hett in ein groszes wunder name und ein fremde sache däucht.
Bocc. 326, 31
K.; lasz dich nicht wunder nehmen, was du gesehen hast.
pers. baumg. 1, 1; Morus ist zwar wol kein narr; nur, das manchen wunder nimmt, dasz er alles stöst herausz, was ihm in die backen kümmt. Logau 2, 9, 13; mich nimmt die möglichkeit nicht wunder. Wieland
Gandalin 3, 289; sonst nichts (
aufzutragen), das nimmt mich wunder. Schiller 5, 215 (
don Carlos 2, 5); darob ihn gottes weisheit wunder nahm. Rückert
Bostan 63, 1; denn nähmte mich wunder. Gotthelf
Anne Bäbi (1859) 1, 54;
auch mit dativ der person: so nimmt es einem nicht wunder.
geld und geist (1852) 286.