vornehmen,
verb. ,
vgl.fürnehmen th. 4, 1, 1,
sp. 776;
ahd. (sih) furineman Graff 2, 1070;
mhd. vür-, vornemen
mhd. wb. 2, 368
b; Lexer 3, 586;
mnd. vornemen Schiller-Lübben 5, 411
b;
mnld. vorenemen Verwijs-Verdam 9, 1043;
altn. fyrirnema (
mit besonderer bedeutung);
dän. foretage
stimmt im gebrauch mit dt. vornehmen
überein und ist von diesem beeinfluszt; precapere vor-
vel mancherley vornemen Diefenbach
gl. 451
b; vornemmen, vorhinnemmen,
praesumere, anticipare, antecapere Maaler 476
a; fürnemen
et vornemen,
propr. anticipare, praecipere, deinde constituere, decernere, proponere, sibi in animum inducere Stieler 1364; vornehmen,
it. fürnehmen Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 123
b; für-
et vorgenommen,
präs. ich nehme vor Steinbach 2, 134; vornehmen Adelung; Campe. 11)
im eigentlichen räumlichen sinne, nach vorn bringen, im militärischen sinne: die batterie um einen kilometer vornehmen; nur ganz geringe frontveränderungen einer brigade können durch vornehmen der points bewirkt werden Wilhelm I.
militär. schr. (1897) 1, 12; die rechte schulter vornehmen (
z. b. zur herstellung der richtung im gliede). 22)
an die vorderseite des körpers bringen: dasz er ihn (
den abgeschnittenen bart) gleich wieder vornehmen kann Göthe 22, 10
W.; (
ich) nahm eine scheuszliche krötenmaske vor Klinger (1809) 3, 160; wenn Niclas Perwenitz selbst in die küche ging und die schürze vornahm W. Alexis
Roland v. Berlin (1840) 3, 20; nach einer weile nahm er das augenglas wieder vor Eichendorff (1864) 2, 296; er setzt
sich und nimmt die serviette vor O. Ludwig (1891) 3, 484; schwärzt das gesicht euch wie ein mohr, nehmt noch so schöne larve vor, man kennt euch wohl, ihr herrn Gökingk (1780) 2, 23.
vor den leib bringen: wenn nun Pandarus den bogen vornimmt, die sehne anlegt, den pfeil ansetzt Herder 3, 149
S. 33)
vor sich, vor seine augen bringen, um es zu betrachten, besonders aber um sich damit zu beschäftigen, es zu bearbeiten u. ä. handelt es sich um gegenständliches, so ist die räumliche vorstellung lebhaft, anders, wenn das object unsinnlich ist; unmerklich ist dann der übergang zu dem unter 3 e
behandelten freieren gebrauche; ebenso, aber seltener, vor sich nehmen: möchten unsere leser Morghens kupferstich vor sich nehmen Göthe 49, 205
W. 3@aa)
geschriebenes, gedrucktes, um zu lesen oder daran zu arbeiten: (
veranlassung) meine älteren gedichte wieder vorzunehmen J. A. Schlegel
verm. ged. (1787) 1,
vorbericht; als er die karte, seinen wegweiser, vornahm Göthe 25, 64
W.; früh Cellini wieder vorgenommen und corrigirt III 2, 200; ich habe den alten braven Holberg einmal wieder vorgenommen Solger
nachgel. schr. (1826) 1, 101; er hat wieder seine folianten vorgenommen W. Alexis
ruhe ist d. erste bürgerpflicht (1852) 1, 41; wie wärs, wenn wir das kalenderbüchlein vornähmen Holtei
erz. schr. (1861) 5, 134; er schlug die zeitung, die er vorgenommen hatte, auf den tisch Dörfler
um d. kommende geschlecht (1932) 131. —
spielkarten: die männer aber haben die zweiunddreiszig blätter vorgenommen Glaszbrenner
Berlin wie es iszt u. trinkt (1833) 3, 10. —
vom text des predigers: theilete seinen vorgenommenen text in drey sonderliche stücke aus Tabeus
Maynhincklers sack (1610) d 4
b. 3@bb)
sonstige gegenstände zur arbeit, instrumente zum spielen: wann du nach hause kommst, werden die silbernen leuchter vorgenommen — blank geputzt Bettine
dies buch gehört d. könig (1843) 1, 71. — dann hast du die abende deine flöte wieder vorgenommen Göthe 20, 11
W.; als ich endlich ins freie feld hinauskam, nahm ich meine liebe geige vor Eichendorff (1864) 3, 4. 3@cc)
freier von gegenständlichem, das man nicht faszt und nimmt, von der auf das object gerichteten tätigkeit: welche weingärten nacheinander vorgenommen werden sollen Jung-Stilling 3, 294
Grollmann; wenn jeden tag eine andre herrlichkeit der gegend vorgenommen werden kan Caroline 1, 177
Waitz. —
besondere wendungen der älteren sprache: den Elsasz thät er schonen, liesz liegen den Hundsrück, den Westerwald vornohme Opel-Cohn
dreiszigj. krieg 79. wir müssen ein hausz vornehmen, vor welchem ein groszer hauffen mist lege (
beim stürmen) Grimmelshausen
Simpl. 224
ndr.; was nun die ungarischen rosse anbelanget, so werden selbige von herrn Hobergen am ersten vorgenommen (
besprochen) Hohberg
georg. curios. aucta 3 (1715) 86
b. 3@dd)
ebenso tritt die ursprüngliche sinnliche vorstellung zurück, wenn das object unsinnlich ist. von hier aus entwickelt sich der unter e
besprochene freiere gebrauch, nur dasz hier der beginn der beschäftigung mit dem gegenstande schärfer betont wird; in älterer sprache verbindet sich das verb. in diesem sinne auch mit einem infinitiv, s. unter 9: man hat eure sachen vorgenommen,
il fatto vostro è su'l tapete Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 124
a; (
man nimmt etwas vor,) '
wenn man den anfang macht sich damit zu beschäftigen, es zur wirklichkeit zu bringen' Adelung; aber der sache wart nicht zu rechte gedocht, noch vorgenomen Stolle
thür. chron. 41
lit. ver.; umb alle umbständt vorzunehmen und in rechnung zu bringen Leibniz
dt. schr. (1838) 2, 49; er nimmt materien vor, die er nicht abhandelt Gottschedin
br. (1771) 1, 45; nahm ich abermal mein studiren wieder vor Bode
Thomas Jones (1786) 3, 447; wie ich denn jetzt die jahre 1807, 1808 und 1809 in dieser art versuchsweise vorgenommen Göthe 41, 2, 75
W.; das geschäft, welches er kannte ..., nahm er wieder vor, nämlich den handel Stifter (1901) 3, 85; wollen wir nicht lieber unsere mathematik vornehmen? Storm (1899) 6, 201; er sagts, und hurtig wird der anputz vorgenommen Zachariä
poet. schr. (1768) 1, 70.
personen als gegenstand der überlegung: o groszer gott, wie hab ich überschlagen die welt so offt und viel? ich nehme vor, die kron und scepter tragen, und forsch ohn end und ziel
Königsb. dichterkreis 190
ndr. 3@ee)
die vorstellung des beginns einer handlung, einer beschäftigung mit etwas kann zurücktreten, und das verb. nimmt dann einen freieren und allgemeineren sinn an, z. b. eine reise vornehmen
kann nicht nur den antritt der reise, sondern auch den ganzen verlauf der reise bezeichnen; meistens aber sind beide vorstellungen miteinander verbunden: gott wird segnen alles, was du vornimst Kramer
teutschital. dict. 2 (1702) 123
b; den 22 dito haben
ifg abermal eine reise mit dem frauenzimmer nach der Ölsen vorgenommen Schweinichen
denkw. 51
Ö.; was der mensch newes, zuvor unerhörtes wircket, macht oder vornimmt Paracelsus
opera 2, 527
Huser; was wird ... noch mit mir vorgenommen werden Creizenach
schausp. engl. comöd. 208; damit ich die chur desto besser vorzunemmen wisse Moscherosch
gesichte (1650) 2, 439; man soll kein ding vornehmen, das wenig nutzt und hernach schadet Lehman
floril. polit. (1662) 1, 310; es soll ohne vorwissen des oberoffiziers keine zusammenkunfft noch rottirung vorgenommen werden v. Fleming
d. vollk. t. soldat (1726) 141
a; ehrenrettungen historisch-merkwürdiger personen vorzunehmen Lessing 9, 24
M.; (
die) vorzunehmende genauere prüfung Scheibe
d. crit. musicus (1745) 911; (
die fahrt) ward im tiefsten winter vorgenommen G. Forster (1843) 4, 22; besonders mit den händen solle man ja bei der probe einer tragödie keine gemeine bewegung vornehmen Göthe 22, 184
W.; was auch für unwürdiges Heyne darauf vornahm Voss
antisymb. 2 (1826) 68; heute abend wird eine hauptbrobe des zauberfestes vorgenommen Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 369; zwei lippenpaare hätten gern gemeinsame beschäftigung vorgenommen Immermann 3, 25
B.; dasz es ihr nie gelingen wollte, ... mit einem griffel auf einer schiefertafel das gleiche verfahren vorzunehmen G. Keller (1889) 1, 60; um den wichtigen act der deichschau vorzunehmen Bismarck
br. an s. braut u. gattin 63; man redt oder hielt silentium, was man nur im kloster fürnum H. Sachs 9, 293
K.; wenn itzt die leut zusammen kommen, so wird das sauffen vorgenommen Ringwaldt
d. lauter warheit (1597) 61; dasz ich auf diesen gantzen tag nichts ungebührlichs vor- mag nehmen Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 13; manches habt ihr vorgenommen, manches ist euch schlecht bekommen Göthe 1, 126
W. 3@ff)
der ganze verlauf der tätigkeit oder beschäftigung kann beim attributiv gebrauchten part. prät. inbegriffen sein: die von eurer königlichen majestät neulich vorgenommene stifftung eines neuen königreiches Besser
schr. (1732) 1, 96; (
die Athener) schlugen bei einer vorgenommenen landung die Sicyonier in einem ordentlichen treffen Heilmann
gesch. d. pelop. krieges (1760) 125; die wirksamkeit der ... vorgenommenen rechtsgeschäfte
bürgerl. gesetzb. § 115. —
anderseits kann auch hier der beginn der handlung hervortreten: so dasz man den vorgenommenen bau wieder einstellen muszte
dt. sagen (1891) 1, 37.
in diesem sinne besonders in älterer sprache, übergehend in den sinn des im willen zur ausführung bestimmten, s. weiteres unten unter 10. 3@gg)
schon im abschnitt e
war zu sehen, dasz die neuere sprache allmählich zurückhaltender im gebrauche des verbums wird; die älterer sprache verwendet vornehmen,
wo später unternehmen, ausführen, ausrichten, vorbringen, einschlagen
u. ä. vorgezogen wird: das wege vorzunemen sein solden, dardurch das regement und camergericht erhalten ... blibe H. v.
d. Planitz
berichte aus d. reichsregiment 163
Virck; die irrthumb, so die geschichtschriber des alters und geburt halb Fridrich Ruggers vorgenommen habend Tschudi
chron. helvet. (1734) 1, 97; (
der teufel) es auff viel andere wege vornimpt, die menschen zu betriegen Krüger
aktion v. d. anfang u. ende d. welt (1580) a 5
b; damit gegen solchen verbrecher gebührliche straf vorgenohmen werde
quelle v. 1616
bei Lori
samml. d. baier. bergrechts (1764) 488; als dergleichen grausamen und unglimpfflichen weg vor zu nehmen Creizenach
schausp. engl. comöd. 301; wider sein undanckbar vaterland krieg vorzunehmen Lehman
floril. polit. (1662) 3, 428; (
obgleich N.) in seinem ehestande verbothene ausschweifungen genug vornehmen ... wird
d. vernünft. tadlerinnen (1725) 2, 216; mein sohn kann ja unmöglich so närrische streiche vornehmen Cronegk
schr. (1771) 1, 25; als sie aber solches (
die schmachtende zunge zu laben) mit etwas frischen wasser vergebens vornahm Kästner
verm. schr. 2 (1772) 187; da man mit list und gschwindigkeit mehr vornimt als mit schlacht und streit
bei Dähnhardt
griech. dramen 2, 145
lit. ver.; musz ich mich schemen, solche thorheit vorzunehmen Voigtländer
oden u. lieder (1642) 33; dasz es nicht fürstlich schien, die mordthat vorzunähmen Lohenstein 2 (1680) 39; der körper prallt zurück, da, wo er hergekommen; hat er zuvor den weg gerade vorgenommen, kommt er auch wiederum gerade rückwerts her Brockes
ird. vergnügen (1721) 3, 115; jagden werden vorgenommen, dasz hur und bub zusammenkommen
bei Grässe
jägerbrevier 77.
in besonderer wendung mit abhängigem satz: nun nahmen wieder auf den stühlen die hohen obergötter vor, ob jeder einzeln, ob zusammen ein Asenrath nur herrschen soll Denis
lieder Sineds des barden (1772) 15 (
fehlerhafte übersetzung von Vspá 23). 44)
in verbindung mit dem acc. einer person, jemanden vor sich kommen lassen; in älterer sprache in rechtlichem sinne, vorladen vor gericht, verklagen (mit recht vornehmen),
verhören, vgl. vernehmen: einen vornehmen, ...
inquisitare un reo Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 123
b; wirdt er von dem gleubiger mit recht vorgenommen Vigelius
richterbüchlein (1579) 89; der den wiederpart mit recht vornimpt (verklaget), ladet und fordert ihn vor den schultheis Comenius
janua (1644) 200; die wirtin klagte. der könig lest den capitain durch seinen cantzler vornehmen Zinkgref-Weidner
teutscher nation weisheit 3 (1653) 39; es wird sich wol gezemen, wilt in ernstlich mit recht vornemen B. Waldis
Esopus 2, 248
Kurz; und kan uns niemand heut mit recht vornemen: dann wir halten schlecht heut ferias nach rechtes brauch W. Spangenberg
ganskönig 3, 730.
im entwickelten nhd. in allgemeinem oder auch in verengtem sinne: der arzt hat mich zuerst vorgenommen,
um mich zu untersuchen; Wolfgang wurde zuerst vorgenommen (
vom maler); sein portrait wurde noch vor seiner abreise fertig O. Jahn
Mozart (1856) 2, 430
anm.; um zu fragen, zu prüfen: der lehrer nimmt die schüler einzeln vor; dasz er mich niemals selbst vornahm, noch, was ich gelernt hätte, aus mir erforschte
d. Leipziger avanturieur (1756) 1, 16; weil er die tochter des vormundes alle sonntage ... im rechnen, schreiben und in der länderkunde vornehmen muszte Jean Paul 3, 89
H. leicht aber verengt sich der sinn zu scharfem verhör, um verfehlungen festzustellen, besonders auch zur bedeutung einer zurechtweisung, strafrede: in letzterem sinne kann der dat. hinzutreten: ich habe mir ihn heute vorgenommen
u. ä. hē hed hum dügtig förnamen ten Doornkaat-Koolman 1, 543
a;
in weiterem und engerem sinne: sie nahm iede (
kammerjungfer) absonderlich vor Grimmelshausen 4, 786
Keller; einen solchen tropf nimmt der platonische Sokrates vor, um ihn zu schanden zu machen Göthe 41, 2, 172
W.; ich hab die Liesbet ein wenig vorgenommen, dasz sie nicht so gescheut war, das fenster zuzumachen Bettine
d. Günderode (1840) 1, 22; ich wurde belauscht oder verraten und von unserm vorsteher vorgenommen K. v. Sternberg (1909) 12
bibl. d. schriftst. aus Böhmen; das er mit ernst sein sohn vornam
bei Dähnhardt
griech. dramen 2, 166
lit. ver.; weil du mit drauen mich sehr scharpff hier vorgenommen Opitz (1690) 1, 176. 55)
bei dem verengten sinne kann das object auch unpersönlich sein: (
dasz ich) den entschlusz fassete, die lächerliche schrift ... noch schärfer vorzunehmen Liscow
samml. sat. u. ernsth. schr. (1739)
vorr. 30; etwas zu schreiben, das recht tüchtig vorgenommen würde Hauff (1890) 1, 186. 66) sich vornehmen,
im willen zur ausführung bestimmen, beschlieszen: sich etwas fest, im ernste, ernstlich, heilig, im stillen, leichtsinnig vornehmen
u. ä.; sich etwas starck, halsstarrig vorgenommen haben Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 124
a;
für sich
stehen in älterer sprache formen des geschlechtigen pronomens der dritten person. 6@aa)
mit dem acc. des objectes: sich viel, zu viel vornehmen; sich eine reise vornehmen Adelung; nim dī nix vör, denn sleit dī nix fīhl Mensing
schlesw.-holst. wb. 5, 475; musz, was ich vorgenommen, also bald ins werck richten Creizenach
schausp. engl. comöd. 200; er hatte ihm ... eine schifffahrt vorgenommen
orient. reisebeschr. 73
bei A. Olearius
reisebeschr. 1690; wann ihr ein weib etwas vornimbt, so kann es weder rigel noch prügel hinterstellig machen Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 1, 482; (
der freie ausdruck der eigentümlichkeit) wird verfehlt, so bald man ihn sich vornimmt
Athenäum 1, 8; dasz sie sich zu viel vorgenommen und zugetraut hatte Langbein (1835) 31, 81; was du dir vor genommen, ist nunmehr, zweifle nicht, zu letztem ziele kommen A. Gryphius
trauersp. 38
Palm; wisz, dasz du dir hast boszheit vorgenommen S. v. Birken
ostl. lorbeerhäyn (1657) 74; dieses, sagt ich, hat er nun, nachmals das ihm vorgenommen S.
Dach 562
Ö.; damit ins künfftige bey ihr die lust vollkommen, hat sich den letzten stosz das glücke vorgenommen Henrici
ged. (1727) 1, 104; ich hatte mir es doch recht ernstlich vorgenommen Göthe 9, 103
W.; wer sich zum ziel den grund der gläser vorgenommen, wird leichtlich auf den grund des leeren lebens kommen Körte
sprichw. (1837) 37.
das verbum verbindet sich gern mit einem pronominalen object. 6@bb)
auszerordentlich oft mit abhängigem infinitiv: darvor sall sich keiner bey leib unterstehen und ihm vornehmen, diszes sacraments anders den unter eyner gestalt zcu gebrauchen Egranus
ungedr. pred. 79
Buchwald; hat er im doch vorgenommen, das also unvermerckt zu gedulden Kirchhof
wendunm. 2, 19
Ö.; (
sachen,) welche ein poete ihm zue beschreiben ... vornimpt Opitz
poeterei 19
ndr.; wie sehr man sich auch vorgenommen inzuhalten, so vergiszt man doch desz trinckens im trincken Moscherosch
gesichte (1650) 2, 219; da nimmt man sich schon von selbst was zu thun vor J. E. Schlegel (1761) 3, 546; wo dieser rasende geist auch die seele des Messias zu tödten sich vornimmt Lessing 8, 52
M.; jeder nahm sich vor, auch irgend ein stück auf diese art zu studiren Göthe 22, 28
W.; (
ich) nahm mir im stillen vor, denselben (
rang) nie mehr aufzugeben G. Keller (1889) 1, 197; nimm dir nur recht fest vor, noch nicht zu sterben
M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 2, 9; noch hast du dir vorgenommen, durch deine lieb in ihre gunst zu kommen Voigtländer
oden u. lieder (1642) 13; nun ist die zeit herbey gekommen, dasz ich die liebe vaterstadt einmal zu sehn mir vorgenommen Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 444; ich will halten, was mein herz sich zu halten vorgenommen Neukirch
ged. (1744) 98; hatte fest sich vorgenommen, in bessere gesellschaft zu kommen Göthe 16, 13
W.; er nahm sich heilig vor, ein idiot zu seyn Pfeffel
poet. vers. (1812) 5, 163. 6@cc)
mit abhängigem satz: ich habe mir vorgenommen, dasz wir, wie es christlichen eheleuten ziemt, in der umarmung versinken wollen Iffland
theatr. w. (1827) 1, 273; sogleich nahm ich mir vor, dasz dies mir nie widerfahren solle G. Keller (1889) 4, 33; uber das so hatten wir uns eins vorgenommen, dasz wir ez nur zum vertrag wolten lassen kommen
Reinicke fuchs (1650) 24; ich hab mir nun vorgenommen, du muszt in das kloster ziehn Erlach
volksl. d. Deutschen 3, 95.
einen vorausgehenden satz ergänzend: ich werde ein sehr genauer herr sein, habe ich mir vorgenommen W. v. Polenz
Grabenhäger (1897) 1, 29. 77)
in älterer sprache in gleichem sinne vor sich nehmen: wenn einer durch stoltz und hochmuot vor sich nimpt und wil ein ding wissen, das er nit weisz Sleidanus
reden 157
Böhmer; do hadde ick vor my ghenomen, dat ick wolde wesen uth deme ban
Reinke de vos 4344. 88) sich vornehmen,
sich vorstellen, einbilden: denn ich mir nit het vorgenommen, das ir so baldt solt widerkomen B. Waldis
Esopus 2, 157
Kurz; es ist nur eitelkeit, wenn du dir vorgenommen, mein freund, dasz was du schreibst, sei alles ganz vollkommen Rückert (1867) 8, 33. 99)
einfaches vornehmen
wird in älterer sprache in verbindung mit einem infinitiv oft gebraucht, wo später sich vornehmen
steht; natürlich ist der übergang vom entschlusz zum beginn der ausführung sehr leicht, und dieser kann mit- oder auch allein gemeint sein, s. bes. die stelle aus Grob
und Göthe: ich hab vorgenommen, (mir vorgenommen)
mi sono proposto di Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 124
a; könig Bochus dreiszig unschüldige männer ... mit unrecht umbzuobringen vorname Heyden
Plinius (1565) 94; davon ich jetzt zu reden vorgenommen Grimmelshausen 3, 328
Keller var. (
andere ausgaben mir, mich v.); (
dasz er) mit dem königsspiele die verdrüszlichkeit der zeit zu verkürtzen vornahm Lohenstein
Armin. (1689) 1, 85
b; wie jenem töpfer, der einen topf zu machen vornahm und dem der thon unter den händen zur schüssel wurde Göthe IV 10, 23
W.; last mich drauff nun wider kommen, das ich zu reden hatte vorgenommen Hayneccius
Hans Pfriem 1255
ndr.; die sterne hatten schon zu schimmern vorgenommen Grob
dicht. versuchg. (1678) 69.
mit dem acc.: als hatt er nochmals und forthin, so fern ihm gott sein leben günn, dergleichen schrifften vorgenommen, die er an tag möcht lassen kommen Hayneccius
Hans Pfriem 49
ndr.; man stöszt offt aus im zorn, was man nie vorgenommen A. Gryphius
trauersp. 48
Palm. 1010)
entsprechend dem unter 9
belegten gebrauch kann das part. prät. sich sowohl auf den vorsatz wie auf den beginn der verwirklichung beziehen: erstlichen will ich szagen, ehr ich uff mein vorgenohmen materien komme Egranus
ungedr. pred. 1
Buchwald; (
das blut) den mund ausfüllet und der vorgenommenen red die gewohnliche straasz verstopffete
theatrum amoris (1626) 201; nun wollen wir, unserer vorgenommenen ordnung zu folge, wiederumb zu den kriegsexpeditionen schreiten Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 157; gleich wie die sonn ihren vorgenommen weg fort passiere Grimmelshausen
Simpl. 4, 237
Kurz; es gieng zu selbiger zeit schwer zu ..., eine vollkommene wissenschaft vorgenommener sachen zu erlangen Ettner
medizin. maulaffe (1719) 3
b; den anfang meiner vorgenommenen geschichtsbeschreibung damit machen Schnabel
insel Felsenburg 1
Ullrich; disz leben ist ein lauff, der selten kan erreichen sein vorgenomnes ziel Rist
n. t. Parnasz (1652) 496. 1111)
in älterer sprache hat das verbum gebrauchsweisen entfaltet, die später aufgegeben, z. th. aber mundartlich erhalten sind; nur einzelnes soll hervorgehoben werden; weiteres s. unter fürnehmen. 11@aa)
vor andern nehmen, voraus nehmen, voraus ergreifen; dann zuvorkommen, vorbeugen u. ä.: anticipare, prevenire vorkommen oder vornemen
gemma gemmarum (1508) b 1
b; vornemmen, vorhin nemmen,
praesumere, anticipare, antecapere Maaler 476
a; fürnemen
et vornemen,
anticipare, praeripere Stieler 1364;
erbtheil vorausnehmen schweiz. idiot. 4, 745;
vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1666; des wart die gnade vorgenumen unde der vride nach getan Heinrich v. Hesler
apokalypse 964
H. in anspruch nehmen: zu den groszen waldvogelherten, deren lockhäuser weiten raum vornemen Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) 193.
das part. präs., sich auszeichnend, vgl. sich vornehmen
unter b: furgeender oder furnemender,
principalis voc. 1482
bei Lexer 3, 587.
mnld. vorenemende,
ausgewählt, vortrefflich Verwijs-Verdam 9, 1044;
in gleichem sinne das part. prät.: werestu so vorgenomen, daz du gar weres vollenkomen Heinrich v. Hesler
a. a. o. 6451. 11@bb) sich vornehmen,
sich nach vorn bringen, vor andern, sich vordrängen: der dritte (
finger) heizet ungezogen, wande er ilit sich furnemen
genesis 280
Dollmayr; all ir geistligkeit ist in vornemendt hoffart ... gewendet Grunau
preusz. chron. 2, 193. —
besonders dann in dem sinne von sich hervorthun, sich auszeichnen: Erwin, der sich ie vore nam
Rother 4349;
vgl. Graff 2, 1070;
mhd. wb. 2, 368
b.